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Full text of "Theologische Quartalschrift"

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THEOLOGISCHE 
QUARTALSCHRIFT 




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AK"OVER-H ARVARO 



Clttartttlft^tift 



3n SetMit^g mit mel^vmn (Selef^rten 



D. Hdfer, 

Vroftffottn t>er fatj^ol. i^eoiogie an hex St. Unioerfttdt ^6tnfl«n. 



Sffofiwkfteftaigfiter 3i|f saug. 



Stftei^ Duartal^eft. 



Ctttiinstii, im. 



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L 

Sut dcfi^Ulte Ut neueren ))roteftantifil^en i^tologit 

in 3)eiitf41ait^. 

«Ott 9nif. Dr. C#ti|. 



tt. 9. 4^miolbt bemertt einmal, eft ^ebe leine 
l90t<tnftfettttt(|9lofe Sefd^ic^te. 9Htf4( unb i»iele anbete 

flimmen t^m bei. Söenn man bic öielfat^ fic^ n)it)cr= 
{prec^eiiben S)acftellunden betfelben Venoben unb H^er« 
fMi^teiten Iküt, fo mufi man aDetbingiS ^u bet Uebet« 
jetigung fommen, bafe ber ©efc^ic^tiSfd^reiber, fobalb er 
über ein trodened lufjä^len ber X\)Qt\ad)e\i ^inau^gef^t, 
alfo «efd^id^Mf^teibet nnb ni<j^t blo| (S^oniü ober St« 
jä^ler fein \mü, bcmufet ober unbewußt üon feinem fub^ 
jeftii^cn 6taubpunh beeinflufet wirb. 

S)ef loirtfomfie gattov in bet bet iBöUet 

ifl bie Stetigion. O^ne SerüAnbniS fflt bie me^r aU 
irgenb eine anbete geiftigc (^rfc^eiuung ber inbivibuelleu 
eeuttetlnng nntetltegenbe Sieligion fann ed niemanben 



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4 



gelingen^ eiu rict^tige^ Urteil über ben @ang ber ©e«- 
fd^i^te }tt getotenen. SBet \dbfi (eine veligiöfe Über« 
jeugung \)at unb wn feinem reltgiöfeti ©efü^I ergriffen 
tDtrb, ber üerfte^t ed au4 nid^t, bie treibenben !Dlotii)e 
bec SoUdfeele b^attiSpfiiibeii utib in ib^en SSHtfungen 
)tt mfolgen. 9la$ Kot^e ifl o^ne SSerflAnbnii^ M Cb^^ 
ftentum« auc^ baö 33erftänbni^ feiner gcfc^ic^tlic^cii i^nU 
midlung burcbaud unmöglicb. ä^ned ^erftönbnid fann 
ftd( aber nut bem ergeben, bev )>etfdnUcb im ^tifUi^en 
£eben pel^t. %üx ben braußen 6te^enben öerjerrt RdJ 
bie d^riftlic^e ^ird^e notmeubig ^ur efel^aften, toiber- 
todvtigen ^attilatur. Wia^ fte eigentticb bemegt, iH für 
fein Huge gar nic^t erfennbav; ev fann bmtm tAä^t9 
anbereö entbeden, als ein ©etriebe ber fc&led^leften fieis 
benfcbaften unb bed blinbeften äBabned. 9hir ein i^rifl, 
bev ed Don ganzem {^r^en ifl, fann eine ftird^engef(bi(bte 
geben. SBottten tüir tiefen ©ebanfen \x>eiia m^rfolgen, 
fo mügte ber ^eruf beiS ^iftoriferS nod^ enger umgrenzt 
tt>etben. S)enn &f^niUit ^cbtoierigfeiten fcbeinen fitb ibm 
entgegen^uftellen, toenn et nid^t ber ^oiifeffion, ber 6efte 
angehört, beren ©efct^tc^te er barjuftellen unternimmt. 
Unb gerabe auf biefem (Bebiete Tuib bie f<broffften, tt)i» 
berfprud^iSboSfien gefd^ic^tlid^en SBerfe )tt Xage gef5rbert 
toorben. 

Obkoob^ biefen gorberungen eine Serecbtigung 
niibt ab§ttft>re4i^en x^, fo kiben fte boib in i^rer eifbi« 

fiüen gorm an einer großen ßinfeitigfeit. ^ie ile^rjeite 
ift baS 3"9^ft^i^i^*^i^ ^^"^^ üollcnbeten ©ubjeftitiität im 
Oebiete ber objeftioen ^^atfocben. ^eroig ift ed immer 
baS fo ober anber« geartete ©ubjeft, tpetdJeiJ bie Xf^aU 
jac^cu ber (Sej^icf^te unter eiubeUii(^eu i^beeu ^ur ^u- 



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3uc ®e{(^i(^te ber ptoteft. X Geologie. 



5 



fammen^jäncjenbcn Tarflellung bringen foll, aber e« mu6 
bem Subjeh boc^ aud) möglici^ (ein, fic^ in anbete ^tt* 
^&Uiti(fe, in frembe Oetanfen unb 0efft^le ^nein nu 
Derfejen unb baburd^ einen me^r ober meniger objeftitjen 
äHagflab für bie Beurteilung ju gekoinnen. religiös 
fen ober gor fonfefftoueDeii Singe» tH bie« mol^l am 
fd^mierigflen, aber gerabe l^ier roätt bte ©efd^ic^t^S« 
fd^reibung am meiflen ber ®efa^r ber ©ubjcfttmtät aud? 
gefeilt, »enn nur bie petfdnli^e (Blaubendöbeciengung 
entf^^benb »fite. Senn bet 9iMb\qt su fel^r ge^ 
neigt, wa^ er glaubt unb liebt allein für gut ju finben 
ober m biei^ nicbt möglicb ifi in entfcbulbigen. äBie 
man felbft 9om Sfeinbe lernen lann, fo mirb man audl^ 
burcb ba^ Urteil 9lu§enfte^enber auf mand^iö aufmerfs 
fam, bad ein an bie garben gemö^nte^ ^uge nid^t mef^r 
»a^mimmt. 3n IDentfc^Ianb ^at o^nel^in bie gan)e 
^nttüidflung bet neueren ©efd^id^te unb bte engen ^e« 
^ie^ungen ber i^onfefftonen ^ueinanber bafür geforgt, ba6 
eine auM^lieglicb tonfefftonette ^Bearbeitung ber fttrij^en» 
gefd^ic^te unmöglid^ ifi. 

3)ennod^ n)ürbe iö) e§ nid?t üerfud^t l^aben, ben ^e-- 
fem unterer 3^i^f4i^if^ ^^»e Aberftd^t über ben (Bang ber 
neueren iirotefianttfd^en Zl^eologie Dor^Iegen, menn mir 
nicfat öa^ neuefte 2öerf über biefen ©egenftanb jur ©e- 
ipied^ung übergeben morben märe ^iefei^ bilbet uicbt 
nur eine facblidl^e (Srgftniung )u ber Oefdftid^te ber pro» 
teftantifc^^en ^^eotogie oon Horner, fonbern ge^t auc^ 
tiefer auf bie geifiigen gaftoren ber ganzen (Sntmidlung 

1) Ctto t^fleibcrcr, Die ©ntwidlung ber proteftantiirf)en X^eo» 
logte in Xeutid)Ianb jeit Uani unb in (i^iogbiitannien jeit 1825. 
Sceibttcfl. mo^i eiebed) 1891. 



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ein. SBetiii f^oti bet t)etmittetnb( S>otnev Uefe OeW<(te 

nad^ i^rer prtnjipießen SBcmcäuii^ uiib im S^fammetis 
^ng mit hm reUgiöfen^ fittlid^en unb inteSeftuellen ^ehen 
betrautet, fo giebt vM 9fleibem eüie beffere iiinfidftt 
in bicfe gan5c Bewegung ber neueren ^^eologie, weil 
er felbfl mitten in berfelben {lebt unb \i)xc frei^citlicbe 
Xtdfttttttg §it ft&tten unb )u fdrbetn befivebt ifl. ^at et 
mit Slüdrt^t auf bie t>otattddcgangene englifci^e 9nd» 
gäbe {eine ^ar(iellung etm^ tnapv bemeffen, fo {ann 
fie um fo mel^r »fflr einen leiteten ßeferfoeii^ aU otien« 
tietenbev in bem Sab^tintl^ bet neueten X^eologte 
bienen". Unb aud^ ber ben Vorteil „beg 

lei(btecen ÜbetbUdd übet bie leitenben (Stunbgebanlen 
nnb Sti^tungMinien in bet Cntn^tdlung bet X^eologie 
unjereö Qal^r^unberti^." 'üiuä) \)a Eatl^olifd^e Sefer mirb 
baburdt^ eine beffcrc ^euninid Don bem gegentoärtigen 
6tanb bet teligidfen 3been, mefabe ben gebtlbeten Zeil 
be« ^rote(lantifcben IBolfe« jum größeren X^eil be^errfd^en, 
erl^alten, aU loenn ibm lebiglidj^ eine 3ufantmenfteIIung 
bet Utteile einjelnet X^eologen übet befUmmte SUm« 
bentfatKIel unb fitd^lid^e Cintid^tungen geboten toitb. 

L 

$fl. beginnt feine SDatflelung beaeid^nenbet Seife 

mit einer Slbbanblung, bcrcn Überfdprift lautet: ^3)ic 
^egtüttbung ber neuereu Xbeologie burdj^ bie ibealiiiifd^e 
9^iU>Sop^t 5&eutf(blanbg.'' dt anetfennt atfo t)on t»otn« 

l^crein, ba§ bie neuere protej^antifd^c XI^uclDijic unter 
bem 'öanne ber mobernen $l)i(ofop^ie ftebt. $)eu ^c- 
»eis ^iefüt gtebt et im 2. »udfte, bod übet bie (6nU 
n)idtlung ber bogmati)d^en X^cologie l^aubelt, benn {df^on 



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8t» 9k\t^Wt bete Dvotefl. t^eologie. 



7 



ber Äant'fc^e Jlationaliömu^, bie 6dpleiermac^er'Jd;e ^t)eos 
U>gU, bie fpefulatioe X^eologie, bie Steflaurattondtl^eos 
lo^, Me efniittt(ttiio8tl^eolo0ie. SoiS d* Bitdft, toeU^i» 
bei (ruttDicftuug ber biblifd^en unb Jjiflonfd^en ^l;tologic 
geipibmet ifl, f()^eiiit lüeniger mit ber p^tlofopl^ifci^cu 'Be- 
tDeoitii0 siifammeii^ulftAiideii^ bo<jft ^tn üd^ bie Cinmic* 
hingen bcrfelben fomo^t in ber ®ef(^id^te be« Ä. u. 8i 
ZL'iS als in ber Atrd^en' unb ^ogmengefd^idt^te. 

$fL toie 5Doniev filmen bie CnttoiAuttg ber tteiteteti 
^^ilofop^ie auf ba9 tefotmotorifd^e ^ßrinaip autüdju« 
fül^ren, infofern erft burdj) biefeiS bie 6ubicftioität ju 
i^et DoKen Oeltung gebraut »orben fei. äB6l^renb aber 
Somet eine SetfO^ung a^if<^^t( ^ VtaüAaU unb 
t^orntolprin^ip, ludc^e bic 3'leformatoren o^>ne redete ^ßer^ 
miltlung nebeneinanbergefießt l^aben, im ^bealidmud biefer 
$^fo)^l^ie finbeii mitt, bUibt 9fL me^v auf ^l^ilofo« 
p^^ijc^em 53oben flehen unb geflattet ber 5>i|'toti)^eu unb 
biblif(ben 5lriti{ bie größte grei^eit. 

9» ifl bebinii^ ba| Sutl^et uii^l auf bem SBSege bev 
2Biffenfd!;aft, fonbern bur(b bie ©ebürfniffe feine« per» 
fönli^en £ebenS ju feiner !Reuerung gefüj^rt touxhc, ®r 
müit bie abfolute Oemil^eit bed ^eiU fftc bie \>ou 
Smeifeln geangfligte 6eele etlaugen unb glaubte, bie» 
felbe in bem unbebingten Vertrauen auf ben ©rlöfer 
3efuiS (S^ftud am beflen p ftnben. S)ie ^^Uofopbie 
UMiv i(m, ber bie Semunft att eine SUrrin be9ei<j^nete, 
befonber« perba^t, meil er bie ariftotelifc^e Scbolaftif 
aii bai Slrfenal ber toiffenfc^artli^en Streitmad^t beiS 
jtatl^oH)i»mu0 betra^tete. Gelbfi äReland^t^on, »eU^er 
bad miffenf^aftUd^e unb firc^enbilbenbe ^rin^ip gegen» 



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über hm ©lauben^prin^ip Sutl^eri^ jur Geltung bringen 
foHte, nutd^te ed ben ftatl^olifeit )ttm )6onDiitf, hai fie 
bie ))({Iofopl^ifd^en 6tubieii in bie 6^Ien eingefül^tt 
iiub bic £efung M ^lato unb 2lrtftotelcö empfohlen 
l^aben^ ba bod^ jenet üoll ton ^oii^mut fei unb biefev 
im Ovunb nur tu ^teiten le^Te. ^ftid^iB beflo menifiet 
folgte in ber lut^eviid^cu iine in bei formierten .^ivd;c 
eine ©poc^c ber „jc^olaftitcj^cn S^efefltgung hc^ f^mbo* 
tifd^en Se^TbegtiffiS''. Slad^bem aber bmitd t)erf<i^iebene 
feparatiftifd^e unb mpftifd^e ^td^tungen bad ®ebdube nid^t 
blo6 ber 6d^olaftif, fonbern ber ^Reformation felbfl 
unter»ft^Un begonnen l^atten, n^ucbe «aU nun bie tum 
6el6flbetDugtfeitt emoid^te Vernunft il^r ^aupt erl^ob, 
üom ©ebäube ber alten lut^erifd)en $)ogmati{ ein 6tein 
um ben auberu abgetragen''. S)ie ^^ilofop^ie übte am 
Hrd^Iidl^n Se^rbegriff itritif unb eine felb^nbige Seme» 
gnng fuc^to fid^ gucrfl im S^eid^e beö fubjettioeu SöiUeniS, 
bann beg fubjeftitocn ©efül^U uub be^ fubjeltiöen ^en* 
!end ein felbjiftnbiged Sleid^ ber fB^a^xi^tit §tt erobern, 
^tte biefe Dppofttion im 17. ^a\)xi^. nod^ bad t^eolo- 
gifdj;e ober rcligiöfe ©emanb an, fo trot fie im 18. 3a{>rlJ. 
in )»^ilofoptfi{(ber gorm l^emor «.unb bie gaftoren, beren 
dinl^eit jur Oefunb^i Hrd^lid^en Sebent unb ber 
^l;cologie ge^)ört, traten nun no^ meit beftimmter auö; 
einanber, aUe einig in bem @egen{a( gegen ha^ (^rt< 
flentum unb bie Sät^". IDie SQ^eologie geigte ^ bie< 
(em Slnfturm ber ^^ilo)opl;u gegenüber o^nmä^tig. 
^nftatt i^ren ^lauben^ftanbpunft magren, fud^te fie 
il^re fie^re ber jemettigen $^lof o^^ie )u attommobieren. 
$)ie golge toor, bafe i^r ®ef4)idf mit bem ber fic^ gegen= 
fettig ablöfenben pf^ilofop^ifc^eu ^vfteme t)erflod^ten mürbe. 



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S)ie urfpnlngticl^e Ueberfpanuung M göttUd^en gaftorS 
im ganam ^eiUmett xäd^tt ftä^ bobuTd^, ba| bie 
lofop^ie beit mettf$Ii(i^en ^aftor in ben $orbergtunb 
ftelltc unb ba« Übernatürli(te befeitigte. S)ie ^^ilofop^ie 
feit 1760 «t>ertipUt bod üecfannU Ste^t ber eubieltibit&t, 
ja fte Merf^rdtet anfangt btefed SFled^t tveit, inbem bie 
Subieftit?ttät ftd^ aU ha§> abfolutc ^flrinjip ^jinjiifteHcu 
{u(t)l. biefe ißafucbe bec ^erabiolutierung iu gorm 
be« SoSexd, S)eiileiii( ober Woeen alle ba^in 

au^, bafe eine neue ^intuenbung jur Dbjeftioität unb 
bamit aucb eine befteunbetere Stellung §um ^riftentum 
ben Eitlaiig bed 0egeiitDft(ii(|en Sa^tl^nbertt be^eic^Het" 
(Sntflciben mir biefe geteerten 8lu«fil^rungcii S)or« 
netiS i\)xe^ p^ilo{op^i{di;en (BctoanM, fo ftnben mir barin 
ben Oebanten atOq^pte^^n, hai bie Sermerfung ber 
mettfdt^Ii^eu ^rei^eit, M 8le((td ber GnbieftiiHtat, eine 
9leaflion beg menfc^tid^en 33etüu6tfein3 ^jertiorrufen mufete, 
bie il^rerfeitd tpieber }ur iBeugnung bed obieltiüen ^iU« 
oetfei» fil^n ntn^te. SHefe tteoltion l^at i^en Wx^ 
fang genommen in ber protejlautijc^eu 3}ü;ftif, in ben 
fpntrettftifc^en ©Ucitigfciten mit Saliyt, im ^teti§mu« 
mit bet iBrübergemeinbe, ^at aber ^er bad Slaubend^ 
Prinzip no4^ unangetaflet gelaffen, bagegen in ber fon« 
fequenten @ntmtcflung fud^te fie an bie Stelle ber gläu^ 
bigen 6ubietti9ttdt bie pf^üo^Qp^^^t @u6jettii»tt&t p 
fe^en. ^e ott^obo^e X^eotogie gab ftd^ ber t^örid^ten 
Hoffnung ^in, bei biefer Söolff'fc^en ^^ilofop^ie eine 
6tft(e gegen ben namenUi<(^ oui^ (gnglanb einbringenben 
Unglottben p finben. über biefei^ etfte Sflnbntt mit 
hn ^^ilojop^ie foftete bie ^^^cologie nid^t^ meniger al3 
i^ten ganzen ^efi^ftanb. Z)a^S gan^e übernatürli((^e (S^xi: 



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rtcntum in £e(/re utib @nabe mugte in ben itauf gegeben 
toerben. «.Sbie beiflif^e ^tmo\pf^äxt fvi^ übet 
biefeiS 9t\(S)le6)t qüaqttt unb ei» t»oii ber lebenbigen 
©ottc^gcmcmfdj)aft abgefc^nitten gu ^abcn. Qu fahler 
!Serftänbig£eit unb ^elbft^uftieben^eit ficb in bec i^nb« 
li^tt^ ein^utt^ten unb batfibet nk^t Vmtapibinten, 
baä fd&ien bie rra^rc Seben^piuii^^eit unb gefunbci Wien- 
{^enüerftanb. S)ie Sieligiou mürbe ^ur ^orat, bie ^ocal 
aber ^ut ftbtgl^etttfvegel M (bMmiMmuA in ordberev 
ober feinerer %9m. XUeiS tonrbe SteflejHott, Mfonne» 
ment, für Urfprünglict^feit unb ^jbealitat fd^ien felbfi ba^ 
Organ nertoren" 

^ SUttttttg aud biefem trofttofen ßufianb beg fei<l^i 
tcftcn S^lationaligmuS unb ber flad^cn SlufflärungiSpl^ilo« 
{opt^ie foUte üon ber $^Uo(op^ie gebrad^^t merben. Der 
IbritisiSmu^ Stani'^ mar bie bcfreienbe X^t & fcbeint 
^trav auffaHenb, bafe 5^ant ber neueren protefiantifc^en 
X^eologie wieber 53a^n bred^en mußte. 3!)enn ^at er 
au(b ben oberfl&^lid^en (Sub&monu^mud, bod taiXktäxü^t 
ndfonnement ber $opular)}^ilofop^te abgemiefen, fo l^at 
er anbererfeit^ nid^t nur gegen bad (S:(^riftentum, fonbern 
gegen bie 9ieligion felbfl eine Oppofltion eröffnet, bie 
um fo gefä^rltd^er war, alg Re von einer gufammens 
^ängenbcn cntgcgen^^efeßten SBeltanftd^t getragen mar. 
»Unb boc^ mar in bemfelben (6^ftem) ein Aern, ber 
ibm eine innere äSobloerttanbtfd^aft mit bem reforma« 
torifc^eu ^rinjip jumei^t. S)aiS ifl einerjeitö bag ^eifee 
unb männlid^e Verlangen nac^ ©emig^eit für bie l(^öd^ften 
Angelegenheiten bed menf4^U<ben £ebend unb anbererfeit# 



1) 2)ocnet, a. a. D. ^. 713. 



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bte etl^if^e SK^tung [eine« Spflemd, bie einer ncNl^ 
toenig butd^gearbeiteten @eite bed protefiantifd^en ^xm- 
|tt>4 9toim (Raffen unb habux^ eine Keftesetation bev 
Geologie (rAfttg anbahnen fodte" ftttiit le^tte bie 
©eile l^erüor, bie i^on bcu alten ^^eolonen 511 t^vem 
6<babeit oetfäumt mx, bad (SemiRen unb bad pet{öit< 
U^e Qeumfttfeiit boit ber inneteit Oflte M Suten. S>a| 
biefeS ber Stid^tunt? ber ^Reformation auf baö .^eit unb 
bie perjonUctie Zueignung bed ^eiled befteunbet {ei, mdre 
av^ aEgemeitt onetfaniit, meint S)otnet, nenn mit Staat 
nx^t eine ^ntbe^rtic^feit ber (dnabe ©otteiS (;ötte auf= 
üeQen unb bad bid^er bernacbl&fcigte (Siement nid^t ^um 
Uniüetfum f^t mad^n tooSen. 

^ ge^t im 2oU bet Serbienfle l?antd für bie 
X^eologie uod^ Weiter. Gr finbet ben tiefge^enben ©ins 
flttl, meldten bie $^ilo{o)>^ie auf bie Xldeotogie aud« 
geflbt (at, in bet ftirc^e bet KefotmoHon füt gonj be« 
red(^tigt; benn fotueit anö) jene ^^ilofop^ie Don ben firdt)= 
lid^n SDogmen anfdbeinenb ober mirfttd^ abliegen md^U, 
fo mar fte bod^ ani bem eigenflen ^n^ip be4 ^tote« 
ftanti^muiS entfpnincten unb eine legitime @rbin unb 
gorliegerin bed SQ^erted ber dieformation. 3n ^antd et^i^ 
fd(em aoitotaliftmu« miebetl^oU fi<^ bet tetigidfe Sbeati«:^ 
muä &ut^eri8. 33eibe finb unabhängig öon äufeeret 2lu= 
toritdt, aber freili^ üeih^irft itant bamit jebe Slutoritdt, 
Mtrtenb Sttt^et Oott unb bad Cbangelium fiel^en (äffen 
»in. 5^ommt alfo in Äantd et^ifc^er 3)eutung be« 3)og-' 
moö bie 3nw«^^lid^f , fubjeftiioe ©rfa^rung, bie bem 
^totefiantidmttil toefentUd^ ift, ^in^m befUmniten ^vA" 



1) S)ocnei, a. a. £). 6. 742. 



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12 



hxud, |o fe^U t^m gerabe bad koefentU^e teligidfe Wlo- 
mtni, bie O^eftiDitftt bet j^eittgiiabe, il^v Vegebenfeiti in 

ber gcfdjid^tlic^en ©otte^offtubaruiig, in d^rif^u«, ©d^rtft 
unb Äirc^e. „60 getüig mau hierin (in ber ^Sermetfuiig 
bet ftatutarifd^n dUix^mi^omtn) eine SUn^tqmn^ M 
^roteflantif^en ?5nnaip« ber 3ni?crltd?feit , ©etoiffen«« 
ftei^eit, Unab^äugigfcit von HJlenfd^enfaJuug erfennen 
tanti^ fo »enig läii 9^ bo<^ aud^ Meirfe^en^ büg biefe 
jlonfequeti5 bei Jtant hnxä) eine für beti teligiöfen Olaiu 
ben fatale ©infeitigfeit crfauft mar" Wlan fönnle 
fagen, ilant ^abe bie fonSequeute 5DttC(l^fü^ruii0 bet pro« 
teflantifd^en 6eite bed ref otmatotift^en 9tiii|i))ft, 
nämlic^ ber Jubjcftiüen Selbfigemifel^eit, erfauft bur^ bie 
$reiiSgebung ber et)augelif (^en Seite, n&mlid^ bet 
gemeittf4aftli<l^eii unb gef^id^tli^en {^eiUerfa^tung. 

SHefe Ititterfd^eibung l^ilft atet ebenfotoenig übet 
ben 9Biberfpru(b l^innjeg aU bie Unterfdj^eibung 2)ornerÄ 
ttaii^ bem äRaietiai« unb gotmalptinaip. S)enn bod äRa« 
tetialprinjip bed petfdnlid^en 0Iau6end toon bet SetDift« 
^eit bc3 .ßeilS ^ängt unjertrennlid^ mit bem objeftioen 
ober formalen $rinjip a^jammen, menn nid^t allen 
Xdttfd^ngen beiS 6ubj|e{tii>ii$mud aitdgefett fein foQ. 3fl 
Äant!5 ct^i\6)ex Wloxaii^mui eine bad Dbjeftioe au^s 
fd^Uefeenbe notmenbige ^lonfequenj beS reformatorif^eu 
^tin^ipd, fo ifl e« mit bem teligiöfen ^alt bedfelben 
ntd^t gut beflettt. $at ttani niil^t bto^ bie „fl^be bog^ 
matifc^e gorm" ber fird^Ud^eu ^Serfö^nung^le^ire, fonbern 
au^ ben il^t iu i^runb Uegenben (Bebanfen einer ge« 
f<l^i4^ta4 iDetmtttetten Cinmitbtttg bet gSttli^en Offen* 



1) a. a. £). @. 80. 



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3ur ®ei(^i(^te bei pxott\i. X^eologie. 13 



baniiig ober ©nabe ober bee \). ©eifle^ auf tSiloUmg, 
SIBiebergeburt unb Heiligung bec ^nbiDibuen tiermorfeu, 
toeU becfelbe ntd^t |tt teimen loat mit bet ft>tdbeit 9in» 
tonomie unb Slutarfie teiner inbbtbualiflifd^cn Wloxal, 
fo föiinte bie 5!on}equen3 biejer 6ubieftiintät ebenfo ge^ 
fä^tti^^ mevben für ben teligiöfen ^bealidmu« £ut(et». 
iv^otte Ue Stcfotmation^aeit anfangd im veligiöfen 3n« 
tmffe bie göttlid^e Seite unb bie @uabe fo betont, bag 
fte bie menf4liilfte ^ei^eit fAt uiiDereiiibat mit (Bottei» 
SiTfen ^iett imb bie grei^ieit leugnete, fo t)etgtU hcA 
je^t bie Äant'f(^e ^^ilofop^iie mit ber £eugnung ber 
göttU<i^en ^inioittuttg im oecmeintlicl^eit Suterefie ber 
menWi^ ^^^ei^eit^ 0. 60 toirb ftant atid einem Ke« 
generator bcö reformatorifd^en ^rinjip« ju einem eytre^ 
men ©egner be^felben. 6ein „toal^rer Seruunftglauben*' 
ifi tTO( feine« fttUii^en «imfieiS unb Irot be« «.vabUal 
^öfen**, roeld^eg er in ber ^Dieujc^eunatur annimmt, o^ne 
e« ertiären fönnen, ein fo entfc^iebeuer ©egenjag jum 
ganien )>ofitt9en (E^tiftentum, ba| teinetki fttfommo« 
bation an d^rifilic^e Seigren, n>ie bie Sel^e oon G^riftuS 
att bem ^heal ber ®ott mol^lgefdlligen Sl^enfd^^eit, Don 
bet 3bee ber fUtli<l|^en QoUomnten^eit ober bon einem 
et(if(^en 9emeinh)efen, ha» aber no(^ loeit entfernt ifl 
»on ber djrifllid^en Äirc^e, barüber l^intregtäufd^en fann, 
benn autonomer Sernunftglauben unb c^riftU^^e ^ir^e 
vertragen fU^ einmal ni^i miteinanber. 

S)ie 6acbe mirb aber nod^ bti)tuUid^er, njenn man 
bie ©runbt}oraud|egungen biefer ^eUgioui^p^ilofop(;ie ind 
«ttge faftt. S)ie Xrennung ber t^eoretif^en Vernunft 



1) 2)ocne(, a. a. O. @. 748. 



14 



oon b(x ))i;afttfc|^en l^oUe t>ie Trennung bet Moral Don 
ber tteligio«, oom (Slauben nax ^olge. ^nbeiii ftant 

bie 3beeu grei^jett, Unjlerbli^feit uub ®ott nur aU 
ißol^ulate ber praftif(]^en SBernunft gelten liefe, toetioarf 
tt ttul^t blol iebe {iatiitatif<^e ^Uti^n, fonbetit bie 8le» 
ligion ilbcr^iaupt, benn e« giebt fein^ $Heligion o^iie ben 
®lauben an biefe gbeen. ©3 ift begreiflid!^, bafe feine 
))^ttofo)>(tf<(^en 9to4folget bie Aottfequeitseit feined ratio« 
lutliftifd^en ^rinjtpg ol^ne fdne tl^eologifd^en ^ofhtlate 
burd^jufül^ren tjorgogen. 9lber auä) fein rigoriflif^cg 
3Roralt)ri»}i)> erkotei^ fi^ otö trAgeri(<4^. ^nn bad @ub« 
feU flnbet, MgeMt i»oii Sott, teligtöfer Semeinfci^aft 
imb 5ktur, in feinem eigenen SSernunftgefe^ feinen ^alt 
gegen bie iibermödl^tige ®emU ber ftnnlid^en Dktur. ^lit 
bem ^GoKen'' alUin ifi iti^t get^aii^ ebenfotoenig att 
mit ber ©üte im ®uten. 9Benn bie menfd^lid^e Sd^mad^s 
l^eit nic^^t im ©laubeu an eine l^ö^ere, göttlidl^e SKad^t 
e^ttt unb itraft unb 6t&r(e ftnbet, fo mirb fie im 
ftam^fe fletg ttnterCiegen; toetm bem menfd^li^en ftingeit 
fein anberer ^o})\\ aU bag eigene SBettJufetfein be2 3Ren= 
filmen in iKugfui^t fielet, fo loirb eil balb erlaf^men. SDed« 
(alb mntte Kant In ber Sudfül^rung feiner Storal fei« 
nem rigoriftifd^en ^^riujip felbft untreu werben. @r fiel 
in ben fonft oon i(^m per^ocrei^aierten Utilitaridmud, in 
bie tl^eologifdfte tttilitAtgmoral furftA. 

SBenn nid^t^» befto meuiger bie proteflantifd^e %l)co^ 
(ogie „balb bie il^r freunbticbeu ^ugemanbten Seiten be« 
ftanff^en e^^^m»" erfal^ unb fU^ auf bem »oben ber 
„einfeitigen ©ubjeftitiität" ber „^eite <ginigung«t)erfu<^ 
ber S^eologie unb gj^ilofop^^ie" bilbete, fo bemeiät bieö 
nur, mie tief biefe X^eologie in ber ilufflAmngg))eriobe 



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gefunfen toax. %ix toenn ber ®laube an bie objcftiüett 
«^cUit^atfiul^K ift (S^rifleiitttiii unb Pitd^e, in £e^e lutb 
6Qframent fafl gatt) oerloren toax, lonnte bie ^^eologie 
bie Hoffnung ^egeu^ bie „fc^iüere 3lufgabe" ju löfen. 
SHefet |tt)dte 8iwb mit bev ^^ttofaipl^ie Connle Xl^o» 
logie ntd^t beffer belommen att ber erfte, meieret mit 
ber ßeibm3-2öolff'f(^en ^^itojop^ie gef^loffeu tüorben mar. 
^ bemuK^ leineiS ber anbeten ))^i{ofo)»^if^en @)^fteme 
bet 9leu§eÜ fo bouenibe G^Tcn in bet X^eologie ju« 
rüdgelaffen, fo ,^eigt bie^ einerfeitö bie 3Ibl;ängi(3feit ber 
proteftanUf^en ^^eologie, kpeld^e entioebec auf ^4^^Uo« 
f o|)^ vecsU^ten obct i^r me^t ober »eniget unter« 
orbnen mug, anbererfett^ bie ^onfequenjen bei$ fubjet« 
ÜDen ©laubendptin^ip^. 

SegreifU^enoeife betl^Atigte bie Itant'f^e äRoral ben 
größten Anflug auf bie ^^eotogie. 3e me^r bai et^ifd^e 
?rin§ip üon ber Sleformalion oernad^läjfigt mar unb je 
mentger bie l^uiabadene UtilU&Umoral ber SuftUirung 
bag menfd^U^e ^erj befriebigen tonnte^ beflo toilHom« 
mencr mufetc bie jlrenge Woxai in ben biffoluten SSers 
^dltniffen jener i^eit erfc^einen. ^bec ei$ mar ein t^er- 
gebli^eiS IBemfll^en^ bie Uebereinfünunung ber Aanf f4en 
3!floxa[ mit ber 3}^oral bed 6(?riftentumö nad^jutpeifen 
(33artcU, 2;ieftrunf, 2lmmon, ßange, ^ogel), benn bie 
SRorol bed ttl^riflentum« beruht auf bem Olauben an 
Cott btn e^&pUx unb Stüter ber WkÜ, an bie ^ilfe 
unb (Bnabe oon oben, ^ctse ^Religion mug ©taube unb 
Sitte berbinben unb tarn nid^t blo| auf bem i^i^ecntinftig 
§it erfennenben ^rinsip ber %t^üi unb be0 Sitten» 
gefefeiJ" begrüubet merben. ^a^ ö^riftentum mufetc ju 
einer rationalen äleligion begrabiert, feined Offenbarungd» 



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16 



^axatUx^ unb feinet Onabenmirffamfeit entfletbet mer- 
ben. ffiad foO abtt eine d^tiflUd^e S^eologie mit einer 

berart i^rciS religiöfen Qn^alt« entleerten Tloiai an* 
fanden ? 

S)ie dintDirfung auf bie SDogmattC unb ilpologetit 
fonnte ffir jene geit ^eilfam etfd^einen, toefl ftc^ bte« 

felben burc^i ben t)ulgären ^tationaU^mu^ üor aller Söclt 
lÄd^etlub gemacht Ratten. Xbec bod Seffent M jtant'f^en 
9iaHonaI{0muiS emieiS fid|^ bo<i^ ab Sanaergefd^enf. 5Denn 
ber ©tQcufaö jmii'c^en bem SSernunftgefe^ ÄantS unb 
bem göttUd^en ®efeg be^ Glaubend, 3n)i{d^en ber ^er« 
ttttnfttt)a(v(eit unb ber jDffenbatungdmabtbeit ifl bod^ fo 
evibent, baß feinerlei 3Sermitt(ung beu dla6)iexl für ben 
@lauben beseitigen ober aud^ nur toer^iiQen fann. ^ie 
$ofhilate ber )»attif4en SSemunft mif^ einer ftbema^ 
türlid^en Offenbarung unb 6ünbent>ergeBung t)emi5geit 
bem Äanf fc^en ©upeniaturali«mu« feine ftd^ere @ett)ä^r 
gegen ben ^ationaltdmud ^u geben, ^ielme^r lann bie 
Offenbarung nur mel^ att eine Srmeiterung ber 8er« 
nunfterfenntniiS angefe^en merben. '^a^ (S^riftentum er» 
fdjieint bloi aU ein, menn aud^ bad bebeutenbfle @lieb 
in ber grölen Keibe ber (Sntttidtung, tteU^e fleti» mei» 
terf^reitet. ^ie ^erfembititfit be« ^^riftentumiS ifi eine 
fclbflDerfiänbtic^e golge, benn ift nur eine £e^re von 
ewigen äBabrl^eiten, fo mui ed berbefferungi^fäl^ig fein^ 
n>te jebed SBert be9 menf^lid^en ©eifle^. 9Ran mag 
ba^er ben fubjeftitjen SRationalifornui^, loeld^er jegt jum 
l^errf^enben mürbe, nicbt hlob aU eine unk)ermeib(id|^e 
(Sntmid(ung9fluf e , fonbem aud( att ,,eine Seite ber 
Söal^r^eU" betvad^ten unb bie feit ber Siomantif jur SWobe 
gemorbene oeräd^tli^e Beurteilung be^ ^tioualü^mud 



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gut (Bt\^^tt htt i^rotcft. X^eologie. 17 



ein Unre^t unb eine X^or^eit nennen X^atfad^e Bleibt 
bod^, bag er ^ur :Beu9nung aEer Ojfenbaruu^j gejü^rt 

5Da6 bad jtant'fd^e üftif^ttoiffen non 0ott nur eine 

Sc^einftüfe für ben eüangelif^en ©lauben, „bcr S3e= 
ia^uug ben @en)ibb^it fein toiü", mx, foQte !aum eine 
(Stto&^mnq oerbienen. 5Dennocb bebiente {t<b bie pto» 
teftantifd^e %^eoioqk bicfer ©tü^e, weil e« i^r, wie 
S)orner bemerk, an einer anberen ©tü^e fehlte, ^fleis 
betet U)ill ed nut aU itutioiitöt anfügten, ba^ man^e 
Xb^ologen, proteflantifd^e tt>ie (at^otifc^e, in ftantö Un« 
terfc^eibung t?on ^l^änomena unb ÜZoumeua imö 33efc^räU5 
tung ber (grfenntuid auf erftere bad dteUung^miUel be^ 
ottbobo^ren 69flemiS aufS allen SInfecbtnngen bet neolo« 
gifd^en 3^^if^^ finben meinten. $)iei5 gelte namcullic^ 
v»on bem unpbUofop^ijc^en S)ogmatii$muiS ber älteren 
Xübinflet @<|ule unter 6ti>tt, toeld^e »egen bed Untoet« 
mbgenS ber Sernunft für bai^ ftberftnnUd^e na^ §tant 
nur bie gef^ic!^tlic|)e Offenbarung in ber f). 6c^rift aU 
(Srtenntnids unb (S^kubeuiSquelle gelten laffen looUte. S)ie 
Semnnft ^abe lein fM^t, gegen ben biblif<ben 6tt^er« 
naturali^muS ^infprac^e ju crl;cben, bie praftijdje 9^er= 
nunft tjeilange aber nac^ iiant felbft bie ^efriebigung 
unfered ü^lfidfeligfeitdbebürfniffed burd^ einen nergeltenben 
©Ott, fo ba6 fte bie ^iftortfc^ie Offenbarung über ©Ott 
unb feine 2ßeltregierung nic^t ^urücfmeifen fönne. 

äB&b^enb aber fat^folif^erfeit« ber Itantianü^mud 
(^ermed) t)on ber IrabitioneDen Ihr^enlebre, meldte fletd 
bad fubj[eftit)e unb objeftioe iD^oment in ^e(b)elmir!ung 



1) ^ftXUxn, a. a. 0. 6. 82. 
SM. OMiMiMrtft. law. ^iL 2 



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18 



fe^te, al9 l^eterogened (Stemeni au^getc^teben tourbe, ta» 

titulierte bie proteftautifd^c ^(;eologic mit i^rem ^09; 
matidmuiS t>ox beut loufequenten S^lolionalUmud. 
multett benn, ha hai StanVSd^e ^unbametit für bie 6i« 
nigung fori ^^^^ilofop^ic unb ^l^eologie fic^ qU trüge? 
Tifd^ eriuic!^, and) bie fupernatucaliftiidj/en ^^eologen, bie 
ftd!^ batauf oertaffeti, immer loeitev }tttfl(!tDei(j^eti. Die 
Äraft beö Söibcrflanbed ber fird&lid^cn Sl^^eologie na^m 
ab; eine Kapitulation folgte ber anbern. 60 gemannen 
jene Sßil^eßalten bie Ober^anb, ber ,,fupematurale Sia« 
tionaliSmud" unb ber „rationale SupemahirotiSmttd'', 
trie ^jfd^irner, 6c^ott, 3}ferten§, HUin unb anbere ber 
Obengenauuteu oon 1810—1820 i^u bariieHen. @elbft 
Xfibingen^ boiS noc^ lange aU IBurg ber ffied^tgUubig« 
feit gegolten, neigte fici^ immer mc^r bem 3lrminiani^mu§ 
ju; ^engel b. 3. aber fd^cu jum Nationalismus unb 
)tt einer fojinianifc^en (S^rifiologie" 

9to4 t9et^angniSt>offer em>ied ba9 tOftnbni« ber 
^l^eologie mit ber ^l^ilofop^ie jur Segrünbung beö Q\s 
f enbarungSge^alteS , befonberd ber ^ünbenbergebung. 
Denn »oVten bie S^b^ologen au^ bie 9h>tn)enbig(eit ber 
©nabe in l£^riftuS für bie Sünbenfergebung auö bem 
rabüat ^öfen im äJ2enf4»en bemeifen, fo juchten bie ftren« 
gen ftantianer bie Unmöglid^feit einer l^Sergebung burdft 
©Ott au5 ber Jjbee ber ©crcc^tigfeit unb ^eiligfeit nad^? 
juroeifen. 60 tarn ber ilant'fd^e ©upernaturaliömuö p 
ber äintinomie ber ^rahifd^en Semunft gtoifti^en @änbe 
unb Strafe einerfeitd unb 6finbenttac[;(a|Tutu3 unb ^tU 
ligfeit anbererfeitS. Die ®ere(i(ftig!eit verlangt Strafe 



1) fOocner, a. a. O. 6. 754. 



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19 



ffir ^te 6üiU>e, t>it ^eiligteii t>eclau9t I6er0e^0. 8ei 

bicfer 2lntinomie mufetc ber Äant'fd^e Superuaturansmui? 
feineu 3iat, toeil er nid^t tok bie c^riftlid^e SSerfö^iiuugiSs 
le^te in ber 6ft^iie burd^ (S^tifhü» ein äRittel ^at, bet * 
Seted^ttgfett unb ^eiUgfeit gleid^mölig geregt }u werben. 
Slber biefe Sßerfö^uungiSie^re «getraute fid|^ niemanb me^r 
|tt vertreten/ 

(Eine Sefferung fonnte fftr bie X^eologie nur loieber 
t)on Der ^^U;ilofopI?ie auögcljen, unb §iüar von einer ^^i* 
lofop^ie, toelct^e oi)U ilant §u verleugnen, bie ©infeitig- 
feiten feineiS S^ftemd ^n befeitigen fud^te. S)iefe be« 
ftanben aber cincrfeitiS in ber au^fc^liefelidjen ©citenb- 
mac^ung ber ^Nernunft anbererfeit« in ber eyftufitoen 6ubs 
ieftiloit&t $fl. beaeid^net al^ einen ^u^^tmangel in ber 
SUIigiön wie in ber 9RoraI be« Aani'fd^en 6t^flemd bie 
©infeitigfeit unb 6pröbig!eit feiucö ratioualijlifd^en ^rin^ 
3i)>d, welche if^n ^inberte , ienen leiten ber menf dj^Iidj^en 
Stotnr geregt werben^ weU^e 90m bentenben fßtx» 
flanb jwar toerfdjicbcu, barum hod) nic^t o^ne 33ernunft 
ftnb unb feinedwegd ol^ne miuxe^ ber nieberen finn- 
U^en 9latttr 3ngere<!^ttet werben bfirfen: Oeffil^t unb 
^^antafie. 3n biefen ©eelenfräften fei ber ©ntfte^ung^s 
ort unb bie bleibewhe üorjüglicjie 5£)omäne be§ religiöfen 
bebend. 5Diefe SRomente famen bei bem älnttfantioner 
$erber beffcr gur @e(tung. 3n ben ,,3been ^ux ^^i= 
lofopl^te ber ©efd^id^te" (1784), in metd^cn neben ber 
^Statut ber reinen ^ernunff" bie grö|te ^nbenj bed 
Sal^^nbertd M audfpri^t, Derfd^Iingen fiii^ wie in 
einem Änotenpuuft öic ücrjc^iebenen miffeufc^aftlid^eu 2lr= 
beiten ^erber^ unb biefe Arbeiten eröffneten neue gro|s 

artige Slui^fid^ten für bie (Sebiete, weld^e Aant l^ntan« 

2* 



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20 



gefegt trotte: bie (BefAI^Ufeite be9 mettfd^liAeii 6eeleii» 

khcw^ unb bii Ciutmidflung bcr 3J?euJd^l;cit unter bem 
3ufammempirfen natürlidKr unb gcifti^er strafte in bcr 
* „3&ie in (Snglanb beut f!e))tif(^eii Serftanb 

$ume'« bie (Befül^liSp^tlofop^ie S^aftedbut^'d unb in 
granfreid^ ber ^luffläruug SSoltaire'S ba^ 9kturet)angej 
Uum Sioußeau'd iux @eite ftaub, ebenfo trat in ^Oeutfdi^s 
lanb neben ftantd fc^eibenbed Kenten bad loetbinbenbe 
Slnfc^aucu v^crbcv^, neben ben fubjeftiüen Sb^aliömuS, 
bcr fic^ auf bic ^Inalpfe M ''^mubi\dn^ bejS Subjeftd 
befc^r&nft, ber t^iftocifd^e dteatidmud^ ber bie @efe|e bet 
mcnfd^Uc^en 9latur im ©anjen i^re^S gefc^id^llic^en Sebent 
belaufet" 53eibc muffen fid^ ergäujcn. 3tre rid^tige 
^erbinbung unb Sinetndarbeitund toar bie Siufgabe, loel^e 
bai» oorou^gel^enbe 18. '^a^)x\), ber ©iffenfc^aft be8 19. 
Qal&r^.'^ geftcUt \)at, an beren ßöfung »ir noc^ lange 
SU arbeiten ^aben toevben: «,9hir unter biefem (S^eftd^td« 
^unlt ate 6l^nt^efe ber beiben entgegengefe^ten 9tid^« 
tungen, meldte bie jmeitc ^ätfte be5 18. ^^^^^^^-'^ 
füllten, lägt fidi^ ba^ eigentümlidj^ ^ieue ber SOenfkoeife 
be9 19. 3a(rl^/iS ridfttig berftej^en." 

S)orner, lueld&er ben ^inffuft ^erberS meuiger \)oä^ 
W^t, üerfd&lingt biefe (Snttüidlung ber neueren ^^ilo^ 
fo^l^ie mie gemöl^niid^ mit ben beiben ^rin^ipien ber 
Sleformation. ^ie neuere $]^ttofopl^ie erfdl^eint att bie 
^>ö^>ere bcmufete :2üfung beg Problems, toelc^eS bie 9^e: 
formation bem menfd^lic^en ®eifl gefteflt ^at, o^ne eö 
Ibfen §u fbnnen. SHe ^d^ere 6tttfe biefer $(ilofop^ie 
befielt baiiu, bag fic ben ^ufanunenfd^lug ber ob|e!tit)en 



1) 9fletbecet, a. o. O. 6. 20. 



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Sur ®f)(^ic^te ber pioteft. Iljeoiogie. 21 



unb fubjeftiöen 6cite gur ©runDvic^tung ^at. Qu btcfer 
©runbrid^tung finbet S)oriu'r eiu ^^Niototi)p gegeben für 
ben bemugten ridt^tigen 3)if<>inin^nf4^(u6 bed objettii^ett 
ober formalen ^rin^tpi^ unb M peifönUd^en ©laubend 
ober bc^ materialen ^rinjipiS, alfo für ^^erfteHuug bed 
eoangelifc^en ^irinsipiS feinev reformatorif<!(en Stlax- 
(eit unb 9tdnl^eit, aUx nun atif b^^eret, bemugterer 
6tufe, nicfjt me^^r blofe aU ^ad)e genialen %aHc<$ ober 
gar ber Überlief ening, ioubern aia eined loiffenfd^aftUcJ^ 
loo^Igeftci^etten, bie S^eologie ftu^tbar otdanifietenben 
tinb t^r i^^re 6elbftänbig(eit miebergebcuben ©emeuigutcij. 

@tma^ befc^cibeue ^nfprücbc mug man aaerbingiS 
an bie ^elbfi&nbiQfeit bet X^eologie mac^^en^ wenn bie 
beiben bon Itant auiSgel^enben Sinien^ bie eine übet %nel^, 
3acobi, bie anbere über %\ä)U , Qä^cüinq, .gegel in 
@(j)leienna4er, »eichet ber $ater ber neuefien pxoU» 
fiantifd^en X^eologie ift, aufammentreffen. 4^erber 
m\)l ha^i Qk\ui)i mib bie ^^^autafie mehcx in bie Xi)C0' 
logie eingeführt, aber feine Sieligion gieng aucb iü(t)t 
mat über bie ^robufte btefer Ardfte in ^oefte unb Stanfi 
l^inau«. (gr terfpottete bie 9^atiouaIiften, melc^^e il;rc 3}ers 
ftänbigfeit ber ^ibclaufbrängcn moUten unb burcj; erfüuftelte 
(Srnärungen beren religiöfe ilraft unb bidftterif^e @<j^ön« 
l^ett bertDftfferten unb t»erf[ad^ten, mar aber weit babon 
entfernt, bcu (?^laubeu5iubalt ber Offenbarung unb bie 
gefc^idj^Uid^eu (^r^ä^lungen in i^rer )}oUen ^ebeutung au* 
fuerfennen. 9fL rfl^mt bon i^m, bag er ber fubielüben 
5ßinfür ber rationaliftifc^en ^ibelau^^lcgung ben maä)^ 
tieften ©to6 wiici^t unb bie »a^/r^/aft miffenfdfraftlid^e, 
obiebio (^i{itorif4ie lOibelforfd^ung unferer S^it angebal^nt 
Ij^abe^ er tabelt aber nidjit nur, ba^ ^cibec bod o^li^^nned^ 



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22 



et)an9eUum nod^ ab (^e{d^id^tö(|itette betracl^tet l^abe, toeil 
bie SpmpaO^iB bed ibealifUfil^eti Z^eologen mit beut geU 

ftigen ©toangeUum, tüclc^e« bie 0cfd}i^te ibealificit uub 
bic 3bccn ^ijlorifiert uuD fo bem mobernen ^^eotogen ges 
tDiffettnalen bod Sorbilb giebt fftt feine l^alb allegoti« 
flerenbe ^alb apologetiftercnbe ^Deutung ber eoangeltfd^en 
^x^cil)im\Q aU „fpmboUfc^er gacta", i^n leitete, {onbern 
beaeid^net ed aU eine ^Ib^eit, ba| ^erber, fiatt ha» %n« 
flögige in bettSSunbererjö^Iungen unbbogmati[i$ctt 8ot< 
fteUungen ber biblifd^eu Tutoren burd^ bad SBerftänbnid 
i^tec ))f94olodif4^en (EntfielftungdtDeife, bet religiöfen unb 
t»oetif4en SRotit^e im QewuBtfein ber Srjal^let ober ber 
©emeinbe erflären, iiö) mit jenem alten ©urrogat 
ber )piffen)(baftli(bett i^ritit be^olfeu ^abe: er bid^tete 
felber unmitllürlidft unb unbemerft bie 8ibelf^a4e in 
bie feine um, er alicgonfiertc. S)ie^ fei tuefentlid^ ber 
6tanbpunft ^crbeti^ in feiner früheren (^iga'fc^en) unb 
fpftteren (SS^eimar'fijften) $enobe gemefen. ^S)er 6inn 
für bie äft^etifd^e ©d^ön^eit aU ibeale Söa^rtieit ber 
^ibel \)at ii)n ni^t ge(^inbert, fie iiac^ Slnalogie ber poe« 
tif^en £itteratur unb religidfen Sagen ber iBdUer su 
beurteilen unb m9 ben pfpd^ologif^en unb gefd^id^tlid^en 
©ebiuguugeu i^reiS ©ntfie^ungiSfreife« ju uerftel^en, momit 
loon felbfi gegeben mx, hai i^m biefe 6agen nicbt un« 
mittelbar gfitttid^ Offenbarungen wn obfeltim Sabr« 
l;cit ftiii fciiuten ^)." Mux in feiner mittleren (33ücfel- 
burger) ^{^eriobe tritt ber „äft^etif^-litterarifd^e^r^äolog" 
l^inter bem ^fupranaturalifHf^en ätpologeten" üar! aurfid. 
3in feiner SBeimorer ^ieriobe war ^erber von iicfs 



1) «. a. 0. 21. 



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Sur (StWdttt ber pxoU\u 2i)roIcgi(. 2H 

ftng unb Spinoza beeinflußt, (^r )}etucteiU tie 2)09iaett 
ttiib itir^en. Wt ßefftttg unlerf^^eibet et swif^en bet 

^Religion ß^rifti (|)umanitdt) unb ber 9lcügio!i an (^^)xU 
ftum uut> treibt ben ©egenfa^ mciter aU ilant. 3«^' 
befonbete fpndj^t et ficift übet bie „ie^xmümm^tn" Diel 
DetftdbtU^^ AUd ate jenet. „S)et tiefete (Stunb lag in 
jenem Optimi^muS^ njetc^en ßerber üon fieibniß, 6^>af: 
tedbttt^ unb älouffeau ilbetCommen ^atte unb mit ®ötbe 
teilte; et mt ti6et§eugt bon bet toefentHilfen Sflte bet 
menfd^li^eii dlatux unb foniUe im i^ojeii nur einen 6^at5 
ten, eine ^c^mäc^e fe^cn, meldte mit ber ß'ntroicflung 
bet Utafte toon felbfi toetfibminbe. pt ben tiefen S^it» 
Ipalt atüifc^en Sbee unb ©itHid^Wt, amifd^cn ^flid^t unb 
Steigung, für ben ^ampf be<^ guten unb bijjeu ^^riu^ip^, 
meldet fiit StaM Wloxal unb Sielidiondp^tlofopl^ie fo 
mid^tig mar, fel^lte gerbet ebenfo toie Sötl^e baS teerte 
SSerftäubui^:^" 

9(n ^erber \^iieit ftd^ ber romantijc|)e ScVleier« 
mad^et an in feinen Sieben oom 3* ^800. 9iU ftefot* 
mierter uuD Üiiiglicb ber lUubergemeinbe mar er fc^on 
loon $aud aud mel^r für bie ©efü^Ufeite in ber Reli- 
gion eingenommen. 6eine Xenbens gieng mie bei ^^etbet 
ba^in, gegen bie Settoecb^lung ber Steligion mit Sel^t' 
meiuungen bogmatifdj^er ober pl^i(ofop()i)c^er ^rt unb 
gegen i^te Setmifd^ung mit ^olitit (uts gegen ha^ bog« 
matifd^e unb ftoatiSlit^tid^e ^^riflentum protefHeten. 
SDie ^auptfac^e ifl ii)m bie ^nnerlic^ttit be^ religiöfen 
£ebeni^, bie Unmittelbacleit bed religiöfen @mpfinben§ 
unb befonbetd audft bie ^ei^eit bet teligiöfen S9>n»U 



1) tl. 0. O. 6. 39. 



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24 



bualität. @r treibt ba« ^rinaip ber „fpröbcn ßubjef^ 
tiüität" auf bie ©pi^e. SIber trofibem, ja gerabe be^s 
megen ühu ex eine butc^fd^tagenbeve äBuhttig auf feine 
3eit aud ali^ gerbet. (St legte „bie fvuc^tiaren Jteime 
in bie ©rbe, beten geläuterte unb gereifte gni^t in 
^d^leiermac^erd @Iaubendle^te, in toeld^er auc^ ^ecberd 
.^umanitfitdreligion i^re Serfö^mtng mit bem (it^lidj^en 
®lauben (]efunbcii l;at, unS begegnen mirb." Seite legen 
i^rem yteligiouiSbegriff 6pinoja'5 cognitio Dei intuitiva 
Stunbe, beiben ift bie ttettgion ^r§ettiSfa<j^e, aber ^iem» 
mac^er be^iält nur baS mpftifd^e Gmpfinben. 3^ur ba« ®es 
meinfame ber ©efül^I^ftimmung bilbct beu e(;arafter einer 
äteligion, nic|^t aber ein ^^{iem t)on @&|en, bie fid^ t>on^ 
einanber oMeiten unb in einen togif^en 3ufammen^ang 
bringen ließen. 2)al^er ift in ber ^Religion alle« wa^r, 
ifl bie SHeligiott bulbf am; unbulbfam ftnb nur bie Mdu 
gioniSf^fieme^ bie SCn^&nger bed Snil^fiabend. 3n feinen 
9Konologen betjanbelt er bie Floxal ebcnfo uuabl;ängig 
\)on ber Religion, mie in ben Süeben bie Religion unab« 
V&ngig «)on ber SRoraL 

^ie Äonfcqueuäeu bicfer äufeerften „©ubjeftiDität" 
liegen auf ber $anb. $fl. felbft giebt ^u, ©c^leiermadber 
l^abe loeniget bie tt^irlliil^en Religionen im i[uge gehabt, 
aU üielme^r ein 3beal frommen ©emütiSjufianbed, mie 
ed bei einzelnen Wpiiüern ober flcineu religiöfen streifen 
ann&^ernb Dotbmmen mdge. %htx badfetbe fei ))f9cjfto« 
logifd^ unmögtid^ roic gefdbidbtlid^ unmirHid^^ ba eine fol^e 
Religion bai^ ©emeinfc^aftöbilbeube, moburd^ bie 9ieli.- 
gion SU einer gefdt^i^tliiij^en SJ^od^t tourbe unb toirb, auf« 
(eBe. fOtit jeber Sieligion fei eine veligiüfe ^egriffd« 
bilbuug unb eine (dejelijd^aiti^biibuug uerbunbeu. ^ie 



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Sur ®ej(^td)tt bec proteft. XfftoloQxc. 25 



So^men entfielen ntd^t Uhio^liä) but^ 9lef(e;ion, flnb 
uic^t retii^iöfe Sluöbriicfe für fubjeftbe ®cmät^53uftäube. 
^edl^aU) muiu 64lleie¥mac^er äBunber, Dffenbaruiig, 
SßeUfagungeii bertDerfen. 6ie feien ni^t m^tapffpfiSd^, 
fouderu moraUfc^ 3U nehmen, "äxi^ @ott iinb Uufterbi 
lu^feit Ttnb (^efü^le. S)ie gaffuug be^ ©ettc^^bcGriffeS 
iH Don fefunbärec Sebeutung, bie gemdbnUcf^e Unßerb« 
tid^fcitiSüorftelluug ifl 511 t)eTmerfeR. föie Äird^e ijl nur 
eine SBereinigung folc^er, meldte bie 9ltiigion fuc^cii, bie 
@taatdeinmif((ung ijl toom ftbel. 9)ie ©cunbibee beö 
(S^riflennimd befielet barin, baft bai» in ber Cntfemung 
von Oott befte^cubc 5.^crberbcn ber Sßett aufgci^obeu iiub 
bad (^ublid^e mit @ott vermittelt ift. ^riftuiS giU ui($^t 
fomobl ate ^araber, fonbern aU S)arfteEung ber Sbee 
Don ber 5?otii}ciibigfeit eiiuv 'iHnmitttimg alIe-5 (Subtilen 
mit @ott, einer (£r(i))uu9, bereu Vorgang )ic^ l'ort uiib 
fort in ber (S^efij^id^te toieber^olt. 

SIncb bad äft^ et if^^^ Rumäne S^loralprin^ip , tuctcbed 
©cbleiermai^er mit 3acobi, ^erber, (Böt^c, 6c^illcr ge= 
mein f^at, fann fflr bie 9ieUgion nid^t genügen. @d oer« 
tritt inoax nad) ^fleiberer gegen ^antd StigoriiBmud „eine 
wichtige 2Ba^r^eit, aber nid^t bie gau5c 3yal;r^ett, uub 
ifl gefä^frU^, meil bad ri^tige ^emugtfein oou ber ^e- 
bunbenl^eit M 3itbii»ibuumi» bur(b bie gefd^icbtlicb^n 8e« 
biiiguugeii uub von ber SSerpfUd^tuug gegen bic gc)"djid}l- 
liefen ^mdt ber ®efellfci;aft fe^lt" '). 3Bie c5 unmijgs 
li<^ ifi, bie 9RoraI Don |eber Slutoritdt unabhängig }U 
mad^eit, fo ifl bie 6<|etbung ^luifc^cn d^iltgion nnb 9lorat 
unnatürlid^, jelbfi menn man bie SHeligion nur ai^ ©e- 



1) «. 0. 0. 6. 51. 



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26 



ffll^l betto^tet 3a man batf gUidft befftaeii, ei» lann 
feine SRoral befleißen, meldte t>on bev Xutovit&t ®otted 

uuai?l^äugiG fein roiQ. Sßeber bie Äird^e, nodi^ ber 6taat 
obet bie (Sefellfcbaft bieten eine l)vax9'\4^inbi ^utQüiäi, 
loenn fte Don ber ffi^ä^fitn KutotitAt (oSgelödt ftnb, ja 
tüenn biefe mel^r nod) luic bei Bant aU ber reinen SSer» 
nuuft unerfennbar bargefteUt mirb. ^acobi bat e& ntcbt 
Dermo^t, burcb fein fcommed @efiibl unb feine Unter- 
fd^eibung jmtfd^en Serfianb unb Vernunft ben iDermeint« 
liefen abfoluten ®ci]enfa| Dei^ ©ottlicben unb ^enfdj^« 
lidften, ben er mit ättolff, ftant unb gi<bte annahm, |tt 
flberminben. 50enn ifi ber Serflanb na(^ feinem Sßefen 
ein gcborcucr ©otte^leugucr, ber alic^ wa^ er bcuft üer= 
enblicbt, {o bat bec ^einunftglaube nur einen unfid^eren 
(Bntnb. 50er ®ott, n)et<ben bie Sßemunft vernimmt, mug 
boc^ begrifflid) gefaxt merben fönnen, roenn er ber menfd^s 
lid^eu ^rfeiuitni^ ^ugängltd^ fein (oQ. Db 6d$)leier» 
mad^er in biefer $eriobe beffer aU Sacobi^ mit bem er 
in ber Seugnung ber obiediDen (SottederfenntniiS jufam* 
mentraf, gelungen ift, biefen pfpcbologifcben ^uali^mu^ 
}tt)if4en Serßanb unb Semunft burdb bie Srfenntnid 
ilberfd^reiten, ba| bai^ retigiöfe (Befftbt/ in metd^em mir 
allein @otte^ inne tuerben , burcb alle £eben^eUmcute 
au^ bie „Derftänbigen'' biuburd^töne, i)~t faum fragUcb. 
SebenfaQd t|l bamit nadb ber inteEeltuetten unb mora» 
lifd)en gorm be3 ©eijeuiage^ ^\üif(ben ©upranaturatids 
mu^ unb diatioualiü^mu^ eine meitere^ bie äft^etifcbe gorm 
b^dfelben, b^^orgerufen morben^). 

1) SDocnec, a. a. O. ®. 76S. 



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3uc ®e|(^t(^te ber {)ioteft. X^eologie. 



27 



U. 



fi(j^ aber untarbeffen in einer anbeten %oxm, inbem bev 
3beaUiSmiti$ eine Serbinbung M Subjeftiüen unb Obs 
jeftioen im @eijle be:^ ^IRenfd^eit t^erjut'lcUtu fud^te. 
mit tt>oEte bte ^^Uofop^ie eine 9btfgabe Ibfen, meiere 
bisset bte prateltantifdpe ^l^eologie vergebend in Sn^riff 
genommen \)atU\ Uiib bte ^l^tlofop^ie ift it?r hierin 
mieber utd^t bio^ t>oraudgegangeu, {onb«rn au4 für Re 
ma§gebenb gemorben. „S)iefer gan^e ^ro^el ^at aber 
and) mit bcm ^^roteftanti^mii^ uub feiner inuerfttu Xau 
t)iii^, iaionber^eit bem materialeu ^^riii^ip einen iunii^eu 
gttfammen^ang." ^8on bem ))t^ilofoip^if<^en Problem 
ber Cinigttng t)on @ubjeft unb Objeft, t)cn Kenten unb 
@etn ifi bad in ber S^ieformation nod^ uic^t gelöfte t^eo- 
logifd^e Problem ber U)i{{enf(^aftli4en Einigung be0 
materialen unb formalen^ bed fubjeüiben unb obieUiben 
^^^rin^ir^, nur ein fcn freierer, auf ba^ Gebiet ber (^rifts 
lidt^eu )}ieUgiou bezüglicher läudbrucf 5i)ie ^ßj^ilofo- 
^ie DoE§Dg aber biefe ^Bereinigung in ber Umbitbung 
beö jubjetiiüen JUW objeftiüiu ^btaLisniu^, lu iüctd;em 
bad 9ib{oIute in et^ifd^er (gicbte), pl^pfifc^er (64eEing) 
unb logifd^er ($egel) iBefUmmt^eit gefaxt tt>urbe. 

3n feiner ftoeiten ^Jeriobc ^at ^xä^te ben objef* 
tit)en 3bealii8mujji au^gebilbet, inbem er ben cmigen un^ 
enbli^en Müen unb bte fromme (Stottedliebe im TtttUil^en 
8eiDu|tfein einanber begegnen unb ^ur Quelle frenbiger 
uuC) U;aUger SJienfc^enliebe, boffnungöf rober 5lrbcit 



ben lägt. „3u biefer auf religiöfer d^mpfinbung /»^VxN^ 





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28 



ru^enben koacmen unb optimiftifdften Segeiftecung füt 
{^untanUdt treffen alfo bet Don ftant oudgegaiiQene 

ijidfcte unb ber 31iilifantiancr .ßerber 3ulc^t boij 
\\o6) uöQig einmütig sufammeii, uub i^ueu gefeüte fi(^ 
Q^l^ietmaä^ex, \t me^r <nc fUb übet bie dfi^etif(^e 
©ubjeftiüität ber Dlomantif er^ob , befto entfd^iebener 
aU ^cfiunungSgeuojfc bei; {o ftaiiben bicje brei ebte 
2)en!et an ber 6()^meüe M 3al^r|^unbertö aU einmü« 
lige $rop]^eten ber ©al^r^eit, meldte bo« SBa^rjeid^en 
ber fommeubcu ©ffcbled^ter merben fottle" 

6 e U i n 0 fabt bad ^biolute aU eubietuObieft, 
aU abfolttte Sibentitat bei» unb ber !Ratur. S)ie 
^atur ift ber (id^tbare ©etft unb ber ©eift bie uiiud)t= 
bare Statur. S)tefer lebenbige @ott, bod (Segeuteil bed 
unbewegten beifiif<j^en unb fp{no§ifttf<|en (Botted, foQ nun 
baä Urbilb be^ Üöiffeng unb bci5 Cit^ifc^ni fein, ^er 
$5)uatiiJmu3 üon ©ott unb Söelt, Uneublic^ unb ßnblid^, 
Srei^eit unb ißotmenbigEeit, 6ubje(t unb Obielt foKe 
aU «nma^r überfc^rüten fein. 2)ie« fei ber unerläfelid^e 
uub tioffnungdrei(^e ^eg jur äBa^rlj^eit be^s ^^ineinanber- 
flauend biefer Segenfäge gewefen. 8or aEem fei bamit 
gefagt, bag ed (Sott nur fei, bur<!^ ben tt>ir ®ott ^u 
erfenucn oermögcn. „Q:^ tcud^tct ein, mie üerwaubt 
biefe (Brunbgebanten ber neuereu ^^ilofopl^ie bem fdftöpfe« 
rif^en $rinjip ber Steformation flnb unb mie fte auf 
reformal iniid; cm ^üooen il?rc cigoutlid)c ^^eimat l;abcu". 
^urd^ Umiuenbung ber obieftioeu begriffe oon ®ott, 
£>reieinig!ett metd^e bie Deformation bei i^rem ant^ro« 
poiügij4>cn iJlu^gaugvpuutt uubetuegt gelafjcn uub meldj^e 



1) $|lei))et(t^ a. a. O. @. 58. 



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bie ^olge^eit ücrfümmert ober geleugnet ^otte, beginnt 
{14^ bad ^BMt hex SIefotmation fort|u{e|eii. «.äRan fü^U 
e« ber SBiffeui'cbaft feit ©djetting an, bafe fie »ie toon 
einem iiaien ^auc^ befeett, unb bafe fie erft jejt i^rcn 
xi^Un ^kiiUipmU toiebet finben angefangen ^at. 
6ti^. felbft ^at bad Qemugtfetn, bag eine groge SBenbe 
ber 3eü gefommeu {ei, au^gcjprocfeen in ber SDarlegung 
loa^ren i^^er^cUtniffed ber ^turp^ilofop(^te Der« 
beffetten gi(^te'Wen Se^re* »). 

^odb i^itbl fdbft 5)orner ju, bag e^ ju einer tpirf= 
iu^eu (Sei}te^p^iloiopl[^ie, einer wahren (St^if unb ^fieiU 
qioniip^ito^p^it nUSft gelommen fei & ifk beaeic^nenb, 
wenn er an biefer 3bentität<3pl)ilo)opbie befonberö loben 
mui, bag fie fic^^ ber t)on ber X^eciogie faft aufgege« 
benen £e^ren Don ber i)reieinigteit unb bet 9Renf4n>er« 
bung angenommen ^abe, benn bie ©d^eUing'fc^en 6pe!U' 
lationen unb ^JD^pt^ologien finb boc^ nur geeignet, ba$ 
(^(aubendobieh in bie fubjettioe @nttt>i(t(ung 3tt Der« 
wtdfetn. ^e tlnterfc^eibung t>on bleibenbet ^bee unb 
üergänglic^er $ütte im (^^riflentum unb bie gorberuug 
ber freien dntmidUing jener aud biefer lägt biefe @tüte 
bet Z^eotogie te(bt S^m^ erfci^einen. 9Rit me^r 9ie^t 
bemerft ^fleiberer: „60 menin fid^ tjerfenncn (afit, 
ba6 in biefer X^^eofop^ie tieffinnige igbeen liegen, meiere 
auf t^eotogtfc^e unb p^ilofopl^if^e Genfer (8aabev, SRat « 
teufen, 9lot^e, 6c^opcul?auer) ©influB übten, fo inenig 
ift bod) aud) leugnen, bag biefe ^been ftarf mit mi)- 
t^ob}gif(ber i)i4ftung oerfe^t finb, »eld^e mebet bem 
p^ilofopt;if(|^en no^ bem religiöfen ^emugtfein genugt^ut. 



1) !Doftier, 0. a. 0. 6. 778. 



so 



S)ie{ed iüirt) fiel) burcfe btc ^^orfteüuui} eiuci) ^eroor- 
gebend bec göttlktien ^n^^^id^n} aud buti!Um ^atur« 
gtunb unb blinbem 3^rieb an (eibnlfd^e X^eo^onie erins 
ncrt fü^Un, burc^ meldte bic geifligo uuö fittlid^e ^lein« 
^cit bc3 d^nftlici^en ©otteöbeiPu6tiein^ getrübt ipurbc. 
5Diefet gefflet ifl au<l^ in bet leiten govm bet ©^eUing^ 
fc^cn $^^ilofop^)ic fadj^Iid^ nid^t gebeffert ttjorben, obgleid^ 
ber ^^>ilofop^> ^ier fe^jr gefliffenttic^ fic^ au bic Xexmu 
nologie bev fir(|^li4^n ^ogmatif angefd^tojfen ^at** ^). 

^ e g e t ergänzte iinb (otrigierte bie intuitit>e SBeife 
6c^eUiiiije mit ber bialeftifd^eu SHeflefiou gi(^te'i5. 
(Si bitxadfUt t)a& ^biolute, toeid^c^ in ber äBeU, ber 
atahiT unb Oefil^d^te bie ^Oe feine« ^nj^aü« entfal- 
tet, nid^t aU ^nbiffercn^ Doii 'Jlatnv unb ©eift, fonbcrn 
aU ©eift felbft, luclcf^er ber ^3latur ebenfo t)orau^§u{e|en 
fei aU bet an ^ betnünftige (Bninb bevfelben, mie er 
auö i^r I^erDorgel^e al« ber für fid? feienbe ©eift beS 
felbfibetrufeten ©ubjeftiS. „|>atte ©pinoja ba^ Slbfotute 
ald 6ubflon), gfi^te aU ober Snbiett gebadet, Sd^el« 
ling aber btefe ®egenfäge in bet nenttden Sttbifferen^ 
vexm](i)t, fo mar «^egel ^mx mit @4eUtng etuüerftanben 
übet bie Slnf^ebung bet ®egen(&6e in bet ^b^eten Sin« 
^eit bed SIbfoluten, aBet biefe foQte ni<bt fo nnbetmtt« 
tclt, tt)ie aus ber ^^iftole g^f^^^offen, l^ingefteüt merbeu, 
fonbern ed gelte s^igen, tote bie ©ubfianj ober bie 
feienbe Setnunft jum Gnbjeft metbe, inbem fte i^ 9ns 
bere^, bie Dlatur, au§ fit^ enttafic unb buid^ biefe Der= 
mittelt fi<l^ aU eubjelt, aU felbftbekou^ten ®etü^ l^et« 
Dotbtinge'''). 

1) '^^fleiberer, o. o. O. @. 64. 

2) 91. a. £). @. 64. 



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8ttt ^i<4M)te bn pcoteft. Serologie. 31 

2)ie{er in^altUc^eu ^u^esuttg iu hti 6elbftetitiDids 
(img bed (SeiM butd^ ben 0egeitfat ^inburd^ juriSin« 

l^cit eine änbemng ber 3Jietl;obe jui ocite. äi>ic 
©c^eilmg ^ielt ^cgel bie 9ieSle|iou^pt?iIofop^ie für un^ 
genfigettb, meil fie, Dom Segenfal bed 5Deitfen9 unb 
6Hr9 auSgcl^üit), in ben ©egeufä^en jtmfc^en ©nblid^em 
unb Unenblicticm, (Srfc^einunö unb SBefen, SBeU unb 
(&oti ^ugen blieb, mar aber aucb mit ber ^intedeftuel« 
len 9inf(bauun9" ^d^cQiugiS nid^t etnDerflanben, toeil bie 
^bilofop^ie e^ mit ben 53egnffcn, nic^t mit äftl^etiic^en 
ünfi^aiuingen ju t^un f^ahe, alfo 6ad|^e bed S)enlend 
fein mfiffe. SHefe« foQ aber tein abfltofted, fonbem 
ein fonfreteö, bie C^iecjcnjä^e auflöjcnbe^, bie 53cgriffe 
in i^ier ^emegung burci^ ben &egeu)a( oerfolgenbed 
^Deiifen fein. 3fi baiK 2)enfen mit bem Sein einiS unb 
beftclH ba^ 2öefen be^ abioiutcii ®eiM in Icbenblgcr 
@ntn}id lung , jo mug auä) bie pt^iiojopt^ijci^e ^en!mei{e 
in ber bialeftif^en SnttDidlung ber Segtiffe befleißen; 
in ber bialeftifd^cn üJkt^obe ^at alfo ber $l?itofop^ bie 
Selbftentiüicflung bei* abfotuten Sßeruunjt nadfr^ubilben. 
mt miUikt M bü>6en {ubietliDen Stdfonnementd ift 
bamit an^gefd^loffen ; ed ift bie togifd^e !Rotn>enbigIeit 
ber abfoluten Vernunft in i^rer Entfaltung jur 2iiir|s 
U^Uit, me(<^e im S)enten bed ^^ilofop^en ft(( re)>robtt« 
fiert 5Died if! gegenftbet bem fubjeftiven ^beali^mni» 
gidbteö, bem bie 2ßelt jniar ouc^ bie §ntmicf(ung be« 
2)en{end, aber beö Henterns bei» ift, ber abfoUite 
Iodif<i^e 3beali0mitd, unb gegenüber ber nt^enben 
3bentitäl be^ ^Jlbjotuten bei 6cbelling bciMi öDlutio^ 
n i 3 m u ^ , ittfofern ba^ SBirtUdj^e bie ßnliuidlung ber 
abfoUilen Semunft bttrdj^ Siatur unb (Befil^ic^te ^inbttrd^, 



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32 



unt t>u ^^iloioptfie bie ^o^bitbung t>U\a dnitoidlma 
in ber bialebifd^en SetDegung ber Segriffe (X^eftd, Xnti^ 

l(?cUö uiib 6mit^efig) ift. 9)Ht biefem (ogifctieu Optimi^^ 
mu^ fc^teucu alle 9iätfel beS iBerftaubcd unb ^erjenS 
gelöfi gu fein. 5CHe mU unb ber @eifl fmb in i^tef 
@ntmicf(ung burc^ iiiib burc^ begriffen. S^as iuTnünfs 
tige ift mirHid} unb ba^ 2öirfti^c ift oernünftig , gibt 
fut Statur unb (3efcbt<l^te, ffir Staat unb Aitcf^e einen 
neuen SRagflab ber ©eurteitung. Qebcr Swflanb ifl jmar 
nur eine ^Norbercitung für einen ^lö^ercn ^iMtanb, ift 
aber bodl^ {elb|l ein Sllealidmud ber erfien Qto^de ber 
toeltregierenben Semunft. 

6d^efling unb ^cc\d ^aben ,,crfrif(^cnb auf mancbe 
neuere t^eologifdi^e äBerle gemtrtt" ^egel b^t fcbein» 
bar bie Setföbnung )Don (Stauben unb Siffen, t)on ^^nflen« 
tum uiib "'|>I^ilü|üpl;ie gebrad?!. (5r ReHte ben ©laubeu 
an bie Vernunft in ber äj^elttegierung mieber ber, lebr- 
te bie Steligion aU ein tDitbtiged SRoment im %Uii ber 
©ntmicfümg feniien. Damit i^ai er ben 2infto6 ^u einer 
pbii(>)opl?ifd^en (^efc^id^tSbetracbtung gegeben. ,,SSi^eber 
ein £eopoib Stanle no(b ein ^bomad (Sart^le nod^ ein 
g. ^^rifl. 33aur mären benfbar ü\)nc bie ^egel'fd^e 
©e)c^id^töpl^ilo)op(?ie" „^ie ^lird^engejd?ic^te l^at üon 
£egel gelernt, in ber ®ef^i(bte ber dleligion eine gefef« 
mäßige Sntmidlung ber göttii^en Offenbarung im menf(j^= 
lieben ©otte^bemuBlfein ertennen, eine ßntmidlnng, 
in teeUber fein $unlt gan^ obne SBabrbeit, feiner aber 
au<b ganje ^Ba^rbeit ifi . . SHe pofttiüen Sletigioneu Tinb 



1) S)omer, a. a. £). 6. 784. 

2) 9fIeibeKcr, a. o. O. 8. 67. 



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3ur (&e|(^i(^tr bet proteft. ^^eoloflie. 



33 



^iernadb mcbcr ^rfiubuugcii menf4(i(J^er 3öillfür uub 
ISlugtieit no^ aud^ ^u^brud ^ufäQigex (Befü^U ein^elnei; 
frommer Seelen^ fonbem fle ftnb notiDenbige Ct^eugniffe 
be^ eigcntümlid)cu ©emeingcifteä bcr SSolfer . . 2)a'5 
S^rifientum mac^t ^toax infofem eine 5(u§na{^me, aU 
in il^m ni^t hloi ber @etft etnei^ einaelnen IBoUei^^ fon^ 
bem ber aWenfd^^eit überhaupt feine« »efentli^en SBer» 
(^äUnifje^ @ott inne ro\xt>, es ift bie abjolute iHcligiou 
ber offenbaren 9Ba(^rbeit, bie fretlid^ aucb l^ier bo(b im» 
mer mfeber in bte ^üSe oon SorReOungen geüeibet ift, 
meldte ber 3bcc me^r ober iueuiger angcmeffcu finb . . 
^amit ift jener ^egenfal i9on ^eiä^id^ilid^m ^ernunft^ 
gCauben unb unDemfinftigem Oef4^id^töglauben, Wetter 
beu 6trciivuuft jtmu-^cu ber lufflärung unb il;reu ©eg- 
nern bilbeU, al^ faljc^c SIbftraftion erfaunt, an beren 
6uae ber Demftnftige defc^icbtöglaube ttnb ber gef<^kl^ts 
ti^e IBemunftglaube au treten f^at*" 

^fleiberer untertäfet nid^t, biejeu wiifUd^en unb m^x- 
meuitU(^en ^orjägen bed logif^en ^bealUmud bte B^aU 
teiifeUen gegenilber )u fielen, nur mufste ber 

Optimi^mu^S gttäl?rlid^e Äonfequen^en für 6taat uub 
jlir(^e herbeiführen, fonbem auch $tin§ip bee ab^ 
f olttten to0if<^en 3bealidmu0 ift oerf e^tt. S)enn bie 3ben« 
tttät t)on Sein unb ^Dcnfen tfi eine Möge Sorau^fe^ung 
toie bie Annahme, bag bic gau^e ^eit nur bte Selbjl- 
bemegung M reinen ^en!eniS fei. SHe äleligiondt^eorie 
^at t^re eäfVoä^e in ihrem inteHeftuafiflif^en ^axaftex, 
in ber einfeitigen 93ebeutung ber religiöfen SSorfleHung, 
n)obur(ih ^^'^b iur ^orfiufe bed begrifflichen ä&iffend 



1) ^fleibcrer, a. a. O. <3. 68. 
X^U OtuutoiMnit. im ^ L 3 



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84 



toirb, unb in ber 8ertetinung hex Zl^atfad^e, baft bie 

9leti(^iou mcfentlic^ 6ac^e M ^cx^en^ ift. i^ii bir ^w- 
fammeiifaffung riil;mt ^fl. an Äant, bafe et ba^ SDenfen 
ttom ^emmfd^ul^ bet äugeren Slutotität ematiaipiert unb 
ct^ifc^ tjertieft ^obe, an .^crber unb Sd^lefermad&er, baß 
fie baö religiöfe @cfü(?l unb bie anfc^auenbe ^^lantafie 
in iS^i Siedet eingefegt ^aben, an 6(beaing, ba6 et bai 
C^riflentum oU einSRoment ber SBeltentmidlung cifaiit, 
an .§e^et, baß er bcn grofecn 3*19 objettio ^iftorif^er 
^etcacbtungdweife bec Sleligion fefigef^alten ^abe^ tDäb- 
tenb feine 6d^n>&(be auf Seiten ber pf^d^ologif<ben Sno« 
li)fo beö religiöfen S3eti)u6tfcini8 unb feiner emotionalen 
MoUoe gelegen fei. 

5Det 6d^Uiermad^er ber (SiaubenMe^re (1821) 
^beffen religiöfe^ ©nnüt in ber Qugenb fic^ an ber dgcn^ 
tümli^eu ^evrn^utijc|;en grömmigfeit gen&^rt unö öeffen 
«eifi rt4 ^ Stubium ^iato%Qpvao^% Stani% %i^U% 
Sacobi'«, eö^eOing^ gebilbet batte", fud^te bie beiben 
öon Äaut aui^ge^tnbeii ^lidbtuugiu ^u oercinigeu. @r 
fiebt auf bem ^oben bed S^^A^i^niud, für ben ed feine 
3Babrbeit geben !ann, bie nt^t bem menfc^ltcben ®eifi 
cntfprünge unb cntfpräd^e, anbererfeit^ aber fte^t er im 
^egeufat jum ^tionalidmud, ba ibm ber d^rifUid^e 
®Iaube ni^t ein $robuIt beiS oemflnftigen 2)en(end, 
fonbern eine (ScmüWbefHmml^eit , ein ©efül^l ift, ba^ 
oom S)en(en unabhängig ift, ein ©efü^l nicbt blo& bed 
ein§etnen frommen, fonbern ber <bTifili<b^nf ber etoange^ 
lifd^cn ©emeinbe. 3!)cn Übergang oon ber rationaliftir 
fc^en Jlant'fd^en Schule ju feiner X^eotogte bilbete be 
Sßette, ber fi(b ^n ben )>biiofopbt{(b^n @tanb))unft 
bei} 4^atblantianetd 0rie8 anfd^Iog. l^iefe unterfd^ieben 



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3ui @e\^iäiU bei proteft. X^eologie. 



35 



«Ott bet ,,i}etflönbigeit 9Be(tanftd^t* eine „ibeole 9ßeb* 

aiifK^t", iDeld^e haxau^ entfielt, bafi mir mitUljl ber ge- 
ftt^Uinäftideii S^nutig tnt Sbeeit bei^ etDigen äBefend 
ober bet Seele, bet abfoluten felbftAnbigen Straft ober 
ber ^rei^eit uiit) ber (Sinl?eit be5 abjoluteu ©äugen ober 
bei aabebiiigettbeii Ut\a^i, &oiU&, auf bie äBelt beliehen 
Hüb bie Seb im Si<bte betfelbeit afll^etif4 unb religibi» 
Ituiuilen. 2llle religiöfen Slu^ia^tii, mit meieren fid^ 
bie X^eologie befdj^afiigt , ftnb Don bem oerftänbigen 
SBtffen moffi }u unter{<^eibeti, ha fie bet ibealen äBelt« 
anficht angehören unb nur ber fpmbolifd^e 2luöbru(f 
bed a^nenben ^iiix\)U^ ftnb. ^uf ber falfd^en ^ermi« 
f4uii9 ober fßtttDt^bm% biefer ibealen, in Symbolen 
ft$ oudbtMenben SBeUanftc^t mit bet bed oetftdnbigen 
ffiiffend beruht aQer S)ogmatii5mu^ unb ©d^olafliji^mud, 
Oelber ebenfo bad äBefen bed religiöfen (defü^U »ie 
he^ SBiffenS t)et(ennt unb ben enblofen Streit §mif4en 
©laubiii iiiib 5Iisif]iii üerfc&ulbet, melc^er nur baburd^ ju 
{d^lu^ten ifi, ba^ beibe gän^li^ ooueinanber geic^ieben 
»erben, bad SBiffen auf bie (Erfd^einungdmelt befil^tdnft, 
ha9 ©tauben auf bie SbcalircU belogen unb mit ber 
aft^etifc^en Seltaufic^t gujammengefagt koirb. 

Sd^leiermad^erd äBert »urbe fflr bie neuere prote» 
ftantifd^e X^eolcgie epO(bemad^enb. Sflationatiflen unb 
Supranaturalifieu mu^teu oor tbm in gleid^er ^-IBeife 
n)et(||en, inbem er bem MD^^infam^n gfe^ter berfel* 
ben, bag fte ben (^rifttid^en ©lanben al9 eine Summe 
oott überlieferten ßel^ren faxten" , ben ^oben entzog. 
5Die 9ieU0ion »irb in hoA ®efä^l, in bie reli^bfe 
Crfal^rung oerlegt, ifi „fd^Ied^t^itüged m^Angigteittf« 
Qc\ü^V'. ^a^ ©lauben^gebiet, loie bie fitt[i(^e ^erpflidS^- 

3* 



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36 



tulig finb hccoon getrennt, dh; fa^t bie Sleligion in i^ret 
Selbfidnbtgfeit, intern etgentümtid^en Sefen unb Siedet, 

im Uuterjd;iob toon bem moralifc^^eu unb inleOcftiienou 
Gebiet, fteUt aber anä) tu einer ^icoox mebec tu ber 
Steforniationd^eit no^ bei einem ^etber unb Seffing ba» 
gcmefcncu ©c^ärfc bcu Unterf^ieb jiini'd^en ^Religion 
unb 2;(?eolo9ie, (Glauben unb ^ogma, iiix^c mib i^eo= 
logif^^er ^uU ^etDor unb pxä^t i^n bet äBiffenfd^aft 
tief ein 6d^leletm. Detmirft ba« abfolute Söunber 
iinb triH baS (S^riftciilum ein ^^robuft ber meujc^^ 
li4ien Statur, i^rer utfptünglic^ett @eiftedtt&fte begreifen^ 
tt)enn au<lb n^d^t oU Slefle^ton^probuft bed gemeinen 
S)enfeu^, fo bodj aU fd^öpferifd&e^ ^robuft ber gefteis 
gertfien (Sntmtdlungdhaft unferer l^emunftanlage, mit« 
^tn aU einjigatti^e 9ef(^i<(tUd^e (Srfd^einung, toel^t an 
ber ^erfüll bcx^ ßrlüfcro ^afte unb fo aU pofitioe Dffen- 
barungdt^at{a(^e anzuerkennen fei. 

Obmffi. e^Uierma^er aflen (ünfLui ber fß^itof opl^ie 
auf bav proteftaulifc^e f^ogma termirft, fo ift feine 
©lauben^te^re boc^ ftarf üon ber ^^^ilofop^io be€iiiflu6t. 
Seine trittfcbe 6d|^eibung ^mifd^en ben firc^iicben 2ctfx* 
formen unb bcm rcligiöfcn ®e(;a(t ifi unbenfbar ol^ne 
bie ©djulc bc§ fritifc^en Qbealiemu^, feine ÄJeöce öon 
@ott unb ber SSielt tommt ber fpino)i{itf4^en nal^e, i|l 
^nt^eiSmuiS, tt)enn man fte aud^ nod^ fo miCbe beur« 
teilen mag; benn er (e^rt bie ^mmaucn^ @otte^ in ber 
SBelt toie Spinoza unb (^at audft beffen ©ubflan^begriff 
mit feiner aOe 8efiimmungen auiSfdtitiefienben einfad^en 
(^inl^eit be^ BmQ uub ^iifeui^ % $at er^ toie Horner 

1) S)onteV| a. a. O. B. 798. 

2) VPeibcrer, o. a. O. 8* 109 jf. 



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3uc ®t\dii^U bec pi-otc[t. Xtjeologie. 



meint *), cigeutlid^ nur ben (^otte^begriff ber alten 
S)09iiiatUet, befonberd x\)xe £e^re Dou bec (^inra^^eU 
ttiib Don bev niä^t objefttüen tlnterf<^iebeit]^eit feiner Cigen^ 
fc^aften mit uubtnigiaiiuT .Houi\\]tion^ bur^i]cfü(;rt, fo 
multe bied für bic ^^eologie überhaupt t)cr^ängntdt)oII 
metben. S)enn baft biefer @otted6egtiff fftr bad c^tifi« 
liiib^ ®emftt »enig befriebigenb fei, mürbe nad^ ^flcU 
berer üou jc^er bemerft. ©o üiel fei gemife, bafe 6c^L 
in bet Raffung ber @runbbegriffe 9ieligion unb (Sott 
nt^t ber unbefangene Suj^Ieger ber d^riftlid^en (Erfül^rung 
getüefen )ei, jonbern biefe für feine p^ilofop^ifc^e 2öe(ts 
anfdj^auung jugefijftnitten ^abe. 2)en SBeg |um ^rift« 
U^^en Senmfitfetn finbe er nur burd^ ^bentift^ierung 
be^ ©egenfo^eS dou (^5otteöbetmi6tfein unb riunÜd^em 
6cu)UBtfein mit bem (b^ftUc^en ^emu6t{ein t)on @ünbe 
unb ürlöfung. S(u4» ^ieffir finben fid^ Xnalogien bei 
Spiuoja unb Äaut, ahcx SitL nimmt nic^t einen pfi)= 
c^ologifctien, fonbetn einen gef4)ici;tlid)en äiJaublungdpros 
|e§ M menfii^ticlfen (SemeinbetoufttfeinfS an, meU^er in 
einem beftimmten ^inift ber ©efd^id^te feinen Anfang 
unb feine bemirfcnbe Urfac^e \)at. ^aburd^ \)at er ben 
Oott bed SnbiDibualidmud bei jtant ftbertounben. 

^)iefe freunbKd^ere Stellung 6d&r.« jum (i^rifili^en 
©emeinmefen, jur^ird^e, \)at i^m and) bie 6vmpat^ien 
ber gUlubigen itreife qemnntn, toeld^e feine S)ogmati( 
unb ^^ilofop^te uermerfen. (St ^ai ber Aird^e unb ber 
Xrabition eine bebeutenbere ©teile 3ugeftaiibcn aU biciJ 
«>or i^m in ber euangeli{((^en i^ef^rmeife üblid^ war. S^^^^ 
iat er suerfi ben biel gebrauchten ttnterf<(ieb amifd^en 



1) 8U a. O. 811. 



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38 



Äat^oHgigmug unb ^rotcftanti^mu^ aufgeflettt, bafe jener 
bad ^ed^ltntö bed einaelnen }u (S^rifhid t>on feinem 
SeT^aitnte 9U ber ftird^e, biefer baiS Serl^ftltni« }ut ftir^^e 
von feinem 3?er^Qllui§ ju (S^riftu^ abt^äugig mac^e, aber 
bennocf^ mitt ec nid^t leugnen/ bag ber einzelne nur burc|) 
bie Airti^e unb i^em S)ien|l pm Slauben tomme, bie 
^ird^e ben ®eift tu beii einjeliien forlpflanjc, unb 
toiU, hin anbetet äßirlen t>e^ \)L @eifieiS aU buiä) bie 
Hircl^e bevmittelt pgeben Sbenfo toirb i^m au<i^ feine 
^arteinal^me für bie preufeifcJ^e Union \)d6) angerechnet. 
3)ieg begreift man öon ^I)oriier, ber von ber Union be^ 
metft, bab bie {um refotmatorifd^en 6tanbpun!t bemubt 
jurüdgefeljrte etjongelifd^e Stix(!^e burd^ einen fold^en fird^« 
lidj^en SSerföl^nungSaft i^r praftifd^^fircblid^e^ ^er^ialten 
evfl in Harmonie mit il^rer t(^eologifd^en @rfenntniiS Don 
bet nottoenbigen Unterfd^eibung jmifd^en bem gunbament 
unb Erbauten fe^e. 

2)arna4) mirb man ei^ oerfiel^en, tt)enn berfelbe 
X^eologe fagt, bad $au))tbetbienfl unb bie bovne^mfie 
SBebeutuug Sc^l.'^ für bie ©ejd^ic^te ber ^^eologie fei, 
bag er ben ©egeufag bed Nationalismus unb Super» 
naturalidmuiS/ ber bü um 1820 ^ett\d^U, auf innere 
iBcife, b. 1^. priu5ipiell übermuubeu ^?abe. S)aS ^^U'in^ip 
fei fein (ebenbiger Sfletigionebegriff. )öeibeS, grei^eit 
unb Slutorität, perfönlidtie Slneignung unb Zrabition, 
3bea(eiS unb ©efd^i^tU^eS einige er, p ben reformas 
torifd^en C^runbanf^auungen ft^ jurütfweubenb, auf bem 
IBoben ber 9teligion ober bed 0 1 a u b e n 0 im eoange» 
lifd^en 6inne be« SBorted. SHefen (Blauben, ba9 SRa» 



1) S)0KneK, a, o. 0. @. 804. 



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Sur iRtWäiU ber prot.fl. ^^eotoftte. 89 

teml))rin}ip bn et>aii9elif<^eii Stix^^, {^(te er koiebev in 
feine S^en ein 

HL 

f)ie gan§e 3^eologie bed legten Valien S^^^t^un« 

t)ext§, fo tueit fic ir9cu^ mit ber SBifyeufdbaft in Süt^tHnn 
bleiben koill, ift ooti ber ^laubeu^le^re 6c^L'S tu irgeno 
tneld^m Orabe beeinflußt Spornet tteift aud^ auf 
bieftu (iiuflufe bei fatl^oÜfd;en ^^eologen ^in. 2)ie ©es 
geifierung für bie Qbee ber Äird^e ^abe auf ^ret) unb 
äRö^lec eingetoirft, bie £ebre übet ^rcbe unb SItabition 
eine MillDirhing auf ^rep, 9]lö()Ier, Alee, Stauben« 
maier, 6c^mibt u. a. aui^gcübt ^ud^ neuefteui^ mürbe 
f^orge^oben^ ba6 3Röblet mit ben äBaffen ber neuen 
3ett gegen 8aut gef&mpft l^abe. (S« ifi mfjH ni^t 9U 
bt'ftrciteii, üiclmel^r lobeub au^ucrfouucu , bafe 3}iü^ler 
au4^ bie äJlittel, loeld^e bie gefüjj^UooUe , itenifd^e, beut 
Serß&nbnid ber (BefdH^te ber ftird^e näf^tt fommenbeXl^eos 
logie 6d)l.'o barbot, beuü^tc, um 5U feinen, ba6 lutv:^ bie 
Sleformatiou üergebeuä augeftrebt unb bie moberue ^J^ilo* 
fo))bie feibft bunb Eingabe bed ®laubendin^a(td niii^t 
erreid^t ^at, in ber fat^olifc^en Äircl^e längft üor^aubeu 
xoax, nemU^ bie JBerbinbung be^ 6ubjeftit)en unb Ob- 
iettilven im S^riflentum, in ber Aix^e, in ben Satramenten. 

5&ie einzelnen üon ^^l. auiSgel^^enben 9hd^tungen 
iu )}erfolgen, mürbe uud ^u tveit führen. Sein S^^colog 
fonnte i^n ignorieren, wenige folgten il^m gan). S)ie 
„pofitiM «ermlttlungöt^eologie« {^xi\(S), Stoeften, Utt» 

1) V. 0. D. @. 795. 

2) ^{leiberer, 0. a. 0. ®. 190. SDomer, 0. a. O. 8. 818. 

3) 0. O. 6* 804. 



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40 



mann, ftüät, Ktanhtx, ^^oluf) fe^te bad Mtif^^e Mo« 

ment beifeite uiib bcuütjte feine ?^ormeln mel^r baju, um 
bie ^&tten ber fupecnaturaliftifd^en S)09matit )u oer« 
l^fiDen. ^ie» betra<|tet 9fl. ate einen Stuten fflr bie 
2liiCHjLad;iiiic}, aber für Me ani|cn)d)aftlid;e %\)eoloQ:c aU 
einen Sflücffd^ritt. © d(> ip e i j e r in S^xiä) ^abe bie ©e» . 
banlen 6<I^L'd tein etfagt unb frei fortgebilbet. ^Der« 
felbe fagt in ber SSorrebe feiner d^riftUd^en ®(üuben§= 
le^te: »S^r SBefen ift bie für tua^re Objeftinität njieber 
offene, ahn freie 6ttbjletti«>ität, ober bie Objeftioit&t mie 
fte toirftid^ in bem frommen 6nbjeft teben unb biefem 
aU 2Ba(>r(>eit bezeugen fann. ^iid^t Sd^l.'ö ^erfon unb 
bogmatifil^e SiuiSarbeitung, fonbern bie lyon i^m aufge» 
zeigte, bem 3eita(ter obliegenbe, feit^er nur no<l^ bringen« 
ber aufgegebene grei^eit im 5lneignen ber überlieferten 
S)ogmen iji bad unfere iirct^ii^e (i^ntwic£eluugd|tufe be« 
3ei4nenbe unb t)iel attgemeiner Derbreitet, aU man ed 
SBort ^aben tüill. Unt3erfcuiibar bcöarf uiiö luill unfere 
3eit eine freie (Sntiüidelung ber Xl?eo[ogie tüie ber gröm^ 
migteit, ber @emeinbe mie ber ^irclie, ein felbfifc&nbigei} 
©ebiet für bie ^Religion, eine ®lttttben«le^re , bie ben 
luirUidS^ geglaubten unb glaubbaren ©lauben barftellt, 
ein bemühte« ^inaudfd^reiten über SogmatÜSmud unb 
^Dogmatif." S)ie 9egrünbung btefer X^efen ifl re<!bt 
interefiaut. 3)er ©runbqebanfe lautet: „S)i€ flttlicb re* 
liflidfe ä^oUfommenl^eit bed Wten\^in ift eine in unft 
tebenbe, gerabe burd^ bie d^rijllid^e ^rfa^rung gemedte 
unb gcfövberte 3bee unb beftimmt, in 93orftelIungen fid) 
aus&fprecbenb, unfer frommed &efü|^l mit. äBad an ber 
überlieferten Keligion biefer 3bee miberfpri^t, erfil^eint 
und uiiVi aix> :^ayi^dt. " Xia^ (^V^M'tcutum trifft feinem 



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Qux ®ef(^i(^te ber pcotcft. X^eologte. 41 



toeTeiitn(!(^eii ®e^atf nad^ mit bet 3bee ber i9onfommeneii 

3letigion ^ufammeu unb iüiö nur bereu 35ern)irf(i(3(>ung 
fein. 3n bet 3bee bet DoOenbeten grömmigteit (ommt 
e9 %u [\d) felbfl. »5^09 9Reffeti ber (Srf((einung an ber 
3bee unb baö ©tngel^en biefer in jcno ift bie allein bes 
x^^ii^ic ^abrt^eitöregei für bie (SlaubeneU^re, uad^ 
toeU^er an aQen tteberlieferten Itrtti! üben ifl. S)a6 
biefe SÖBa^r^eitöregel feine fo beftimmt formulierte ift, 
loie ettoa bad apoftoltjc^e Spmbolum, kpirb gerabe eiu 
Soraug fein; benn fein B^i^^^^^ vermag eine untrer« 
änberlic^e für alle 3"^"wf^ au^retcfeenbe gormuUcruug 
ber äBa^r^eitdregel unfehlbar 6tanbe bringen." 

9Bir tönnen nxdft um^xn, bie ^ußimmenben SBBorre 
^Beiberer^ l^icr folgen laffcu, benn fie finb ebenfo 
d^aratteriftifd^ für ben gvofeen ©nftufe 6d^l.'3 aU für 
ben gegenrnfirtigen @tanb ber proteflantifd^en £(ieologte. 
(St f<breibt: „^a9 ftnb in ber X^at e^t protef^antifd^e 
unb 5UäUid^ ecbt mobern - miffenfd^aftlic^c ©riiubfä^t*. 
Sieben bem empirifiil^en ^atiox M ftrcblic^en ^muiu 
feinS wirb l^ier ber ibeale %aftot, bie in ung lebenbe 
3bce Der ooHfommenen ^Jieliijiou , aU mefentlidje Siegel 
für bie ^^tlbung ber (^laubem^regel anerfauut, unb 
mirb sugleicb erfannt^ ba§ biefed religibfe Sbeal nicbt 
ein immer gteic^bleibenbe^ ober für immer eraft ju for= 
mulierenbeiS fein fann, (onbern fic^ in unb mit ber ^r- 
fa^mng felbft au(b entteidelt, fortbtlbet, t)ertieft unb 
reinigt, ^amit erfi ift bem ^ogmoliSmug in jeber %oxm, 
ni^i nur bem ort^obor^fird^lid^en, {onbern ebeufo bem 
rationalifüfd^en unb fpetulatioen, ber lOoben gänalii^ 
entzogen unb ifl 9taum gefc^afft für eine ebenfo befonnen« 
fonferDatit^e xok ma^r^aft-freic ^e(;anbiuug Oer ^lau^ 



42 



ben^lej^re, in meldtet bie mertttolleii (rlcmciite ber tJtr- 
gatiQenen (SnttDtdelung aufbekDa^i:t unb )uglei<|^ ber ^oxU 
f^^eitenben (EntmicTelung bie 8a^u geöffnet uttb bte 
3ii4)tuiui (^cmiefcn ift 

Sä^ii! t'ict^ bem entfpcecj^eab bie einaelnen £el^ten «eben» 
fo religiöd beftiebtgenb wie Dernfinftig" qeftalUn, Uk%t 
\id) Dcrmuteu. 5)cr I)?enfd^ ifl eben ba^ litafj allcc 
^inge, wie ^^armeuibei5 jc(^oa gejagt f;at. S)a^ 3Iufc^en 
bev f^l @4i;ift tfi geltenb su ma^en, aber i^ve itutorttftt 
barf nid^t übertrieben unb „gegen alle IBemunft, au(^ 
bie in c^riftUc^er ©rfa^rung bur(^gebilbete" gcUeub ge= 
mad^t ober auf ®egeiifi&Hbe ber SSHffenfd^aft oU fold^er 
übertragen toerben. 6te bietet ba9 Slotivenbige bar auf 
eine bem frei eiUiuicfelnben ©emeiugäft au^Sreic^enb 
erleuubare ^eife. 3bre ätutorität berul^t nid^t auf einer 
übematörticl^en Snfpiration. ^ Se^re t)on (Sott mirb 
auf bie fie^ripcife bor vcrormicitcii Siixdüc t»on ber uu-- 
bebiugten SlUmirffamtcit (Sottesä jurücfgcfü^rt , bie ^räs 
befünationdlel^re erl^ält in ber Überminbung ber jubai« 
fterenben SorfleOung von einem finalen 5DuaIi9mu9 einen 
mouiftifd^eu Slbfdjlufe Der göttlid^en ^eil^tüege. Qu 
(S^rifiud ift bie ibeale ^eftimmung ber SOlenfdi^l^eit er|i« 
maU gunooflfen $ern)irtU(t)ung gefommenunb bad (S^rifien« 
tum ift tücjcnilid) ein^ mit ber ibealeu OKenfd^lid^feit, 
„eine älnficbt, auf koeldj^e f^on ^^^iud^i a^nungi^uod f^in« 
gebeutet Ij^atte unb in toel^er bie (Bebanlenarbeit ber 
proteftautif4;eu ^4^]^ilofüp(?eu unb X^eoluiicu fic^ ciuiräc(?tig 
begegnet 

5Die f^efulatitoe S^lj^eologte, toeUtie |td( 

1) '21 a. 0. o. 125. 

2) «. 0. O. @. 12& 



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3ui (S^ef4id)te htt pcoteft. X^eologie. 43 



tormiegenb an ^egel an(d|^lo6^ ging in ixoei lu^rfd^iebene 
Sit^tungen audeinanbet. 50eiiii bie ^egei'ft^ äteligiond» 
p^iCofop^te ^atte Don t>om^eTetn ein Sanui^gefic^t. SCttd 
ber S^orauöfeßung , bafe bie ^ieligion biefelbc 2i^al;rl;cil 
enthalte tote bie $^iiofopl^ie^ entfprang eine fonfetoatioe 
Gattung jum fitd^Uc^en ^Dogma, in bet Uttterf<|^eibung 
^mifc^eu ber ?l^at)r^eit ber S^teligion in ber unücllforn^ 
menen %oim ber iBorfteUung unb ber äBat^t^eit ber 
^^tofop^ie in ber ooflfommenen ^orm bei^ Segriffi» 
fonnte bie Folgerung nal;ege(egt fc^einen, bafe bie die- 
ligion aU bie untergeorbnete @tufe in bie ^ö^ere ber 
$^ilo{o))(ie aufju^ben^ buvi^ biefe au erfeten fei. 2)ie 
lonfert>atitje 8flt(i^tung, bie^egc[f(^e ^fted^te, tont anfängt 
liä) überroiegcnb. 6ie glaubte nad) ^aurs trefteubcr 
^ataftetifhl^ baft )U>if((^en i^ret ^^ilofop^ie unb bem 
(S^riflentum eine Sermanbtfd^aft unb Obeteinflimmung 
ftatlfinbe, toie no6) feine ^^i(cfopl;ie einer folcj^en fic^ 
^abe erfreuen fönnen. ^ie daUe i^re ^Dreieinigteit, il^ren 
0ottnienf4en, i^re 8erf5^nung unb anbereiS. 6ie legte 
„mc im 3?emufitfein einer gciuifieii pviefterlict)en ^-li^ürbe 
i^te tieffie ^öebeutung iu ben „^ottmeujc^en" uUber. 
ffiie tt>entg man aber no^ eine Sl^nung l^atte bon ber 
großen SUnit ]m]ä)cn bem fpefutatiucii uiib bem tixä)» 
üö^ni ©ottmcnjct^en^ fie^t man am befteu an Wlax^ 
^ e i n e f e ^ me(<ter^ na^bem er ed|^t f pehilatio bon ber 
^in^eit ber göttlichen unb menfcblic^en ^atux, t)on jener 
aU ber Sßa^r^eit unb biefer aU ber SirfUd^f eit , ge^ 
fprod^en ^atte, ben Übergang auf bie gefc^iil^tti^^ $erfon 
gnna unbefangen fo maH^te: ^e (Sin^eit Sotteg unb beiS 
^lenjc^en fei gefc^id^tlidj; mirflici^ in ber ^erfon 3efu 



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44 



älnberd madl^te bU tabUale ätid^tung, bie ^e- 
9erf<j|^e £inle. „^aft Serbtenfi, ben Kebet fold^er bog« 

matif^en QUuuoucu ^crftört imt) ben Fritifdficn S^erftaub 
tineber 5U fciuem Sickte üer^iolfeii l^abeii, gebü^^rt 
5D. gr. 6traii|. SIU biefer in feiner ^tiflltd^en 
©laubcu^tc^re (1840/41) ba^ yc^njerc ©efd^üg feiner 
burdl^ ©ele^rfamfeit uub 64artrinu glei(^fe^r audge^eic^s 
neten fttttif erfl gegen bie gefd^id^tUd^en Oninblagen beiS 
S)ogmai8 unb bann gegen biefeiS felbft aufführte, ba mar 
ber luftige iöau ber ^egel'fc^en S)ogmatif binnen meniger 
Sa^te tooa^&nbig aerfiört. " 5Dte etärte feiner Olaubend« 
le^re befielet in ber fd^arfflnnigen unb gemanbten ^nt^^ 
fül^riuKj bc^ ©eftc^^t^tJunft«, ba6 bie ®e)dpid;te M ^ogs 
mad auct^ {eine ^üiit, fein fritiidi^er Stußöfungdprojeg 
fei. 9>ai Ergebnis ber 8ttan) lautet bei @trau6 auf 
t}üUii3cii ^banfiotr bo-S dbriftlid^eii ©laubcuS; nnb ^^wax 
finb zii nic^t blog bie bogmatifciben gormein ber ürdb« 
lid^en X^eologie, an meldten ber Euflöfungi^pro^eg x>oflf 
joßcii lüirb, fonbcvn noc^ Strauß fäÜt eben bamit ju» 
i]U\d) bie c^riftUdi^e Religion, ja eigentlich bie Religion 
überhaupt ba^in. 

^fl. erflärt btefe „jlarfe Überftiiijung au« bem 93or» 
u>iegt'n bCi^ fritifct;cn 5.Uuftanbe^ über ba« religiöfe ©e« 
müt unb aud bem ^nteUehualidmud ber ^egeCfd^en 
6d^ule, nad^ toti^em ba$ SBtffen aHed unb aUe anberen 
Seben^fuuftioueu niditv fein follcn unb in^bcfonbere anö) 
bie 9leIigion nur atö £l^eorie toerfianben mirb. ^or 
biefem Irrtum l^&tte h<a Stubium 6d^Ieierma4erd 6txaui 



1) ^fletbewr a. a. O. 12^. 



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3ur ^ejc^ic^te ber proteft. X^eologie. 45 



BetDO^eii fönneii. fOte Selbflüberfd^ä^tmg bed „abfo^ 
luten ^Biffen^" l^abe tütieutlicfe 5ur SJen'd^ärfung beä ab* 
f)>Te((^eiiben dlabifalidmud beigetragen. «,SBet fid^ ein^ 
btlbet, in feinen p^ttofop^ifci^en Sd^ulfotmen ben Sd^Iüffel 
für alle Mätid ber äücü «iu bofi^cn, bcr \mxh natürlich 
übec alle t^cologijc^en $et)uct^e, bie äBelt t^om (Se)ic)^Us 
punft ber grömmigfeit au betrauten, i9te( abfpre((enber 
urteilen, aU ber, meld^er Die S^lelatiüität alUiS unfereS 
Söiffenä befd^eibeii anerfeunt unb über ben äßert ber 
ed^ulformeln alle r ^l^fleme ftcb feine ^Uuftonen ma^t/ 
füxiqeni bfirfe man biefen 9labtfalidmud ni<i^t unmitteU 
bar ber ^egei'jd^eii ^4>(?i^o)op^ie jurecf^ueu. StrauB fei 
me^r ein naöj^geborener ^ol^n bed 18. ^^t^t^unberts, ein 
64filer bed Keimarud unb Sollaire aU ^egels gemefen. 

„3Bo einmal ba^ SSemeinen um M SSerneinen^ 
mitten aU 6elbfi5n?ec£ galt, (onnte man auc^ beim 6taub- 
punb ber Gtraub'fd^en S)O0matit ftd^ nid^t beruhigen*, 
geuerbad^ befeitigte ben t»on 6trau6 au^ ber ^egePs 
\ä)a\ ^45tiloJop^)ie no6) beibehaltenen metapht;nfc^en ^in^ 
tergrunb aU einen S^left aufsu^ebenber ^ii^iiit, S)er 
®(aube ifl nU^t» aU Sdufion, unb jmar eine mberb^ 

li(^e QUufion. Tantum religio potuit suadere nialonim! 

fBom Saljfn bed ©oUedglaubend befreit, foH ber SD^eufd^ 
in ber Siebe gur menf^ticf^en iSattung fein f^&^fie^ 0(fi(t 

finbeu! '-öei ©lirner bagegen tritt ber nacfte %oi^- 
mud, Dkturali^mud unb äRateriali^mud Xage. „^ie» 
fer legten itonfe(|uen), in meld^er bie $^[ofop^ie ber 
SSerueiuung aU bie SBerneinung ber ^^,^l;ilo]opt;ie enbet, 
(at fic^ meber geuerbadt; nod^ 6traug ent^icl^en oer^ 
mo^t, beibe freili((^ infofem noc^ intonfequent bletbenb, 
oU |te bie ^raftifd^en Folgerungen aud bem tl^eoretifd^en 



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46 



äj^tateriali^mu^ niä^i auf fid^ p ne(^meit tt>iIUnd maren'' 
®emeittt ifl bet €ttau6 M 8u<j^ed: „2)et alte unb bet 
neue ©taube", in n)ctcl,)cm t)cr 2)artDiui!&mu^3 aU £üjuug 
ber SBelträtfel unb bie ^ere^rung bed UuiüeiiumiS aU 
9leligioti bet ^(Süte" get)rebi(|et toivb. $fl. urteilt übet 
bie 2öiberfprüd^e be§ neuen ©tauben«, gu beren fiöfung 
nid^t einmal ber SBerfuc^ gemacht lüirb, jiemlic^ ft^arf 
unb eignet fid^ bte äBorte SBautd übet bad Seben 2|efu 
))on 6ttatt6 an: entl^&tt leine neuen ^ bad SBiffen 
bet ©egenmort bereicbernbe ober jufünftige gorfd^ungeu 
anba^nenbe (Sebanfen, abet ei» ^&it feinet ben 
Spiegel oot unb gibt bem S)ttt<!^fd^nitt bet bet bet ton« 
angebciibeii ©efellfd^aft t) er breiteten SOleinungeu ben all* 
gemeinen uerftdublic^en äiudbtud". 

SIetlofltbig ifl ed^ mie ed S)otnet fettig btingt^ 
auiS ber pant^eiftifd^cu fie^re 6trau6' oom S3öfen, beffen 
er bodj^ nid^t io^ toerben fönne, eine fatbolif^e fie^re 
betaudgufinben. S)ie et^if^e 3bee aetf(btage fxify in bie 
f(^le(^t^inige Unenbtid^feit bet Rd^ ergänjenben ffietfe, 
Gräfte, Xugeuben; in j[ebem DJinngel unb jeber fittlid^en 
UnDotttomment^eit {ei nut bie Ae(fr{eite frembet 9tealit&t 
obet S^ugenb, {o bag baiS Sange ftellmttetenb füt bte 
9Jiöngel ber eingetnen ^erfon einftcbe. „^aben mir 
baniit ettDoiS anbetei» aU bie pfeuboptoteftantifc^e, t>eu 
fd^(ed^tetnbe9latutalifterung bed fat^oIif(ben S)ogma t>on 
ber magifd^en fteEüevtretcuben 5^raft beö ©aujen, be« 
Corpus mysticnm füt ben einzelnen ^ bem biefe (frgäu« 
aung ot^ne feinSBiffen unbSBoUen foO ju gute fommenf 
@itt 3^^^^^il^ 3^^^if^^ AiaiVLUijd^en, aber bodl? 



> 1) ^fiabcter, 0. o. 0. 6. 186. 



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aud) lcl;rrcicb alö bie uacftc (iuü;uUimg be^ Und^rift^ 
liefen unb Unet^ifd^cn , bas bei jener falj'd^en ^he^ \>on 
SteflDettretung äbtig bleibt, toeiin bie pofttiüe unb toun« 
berbare UmbüHitng t>on bem !^ttn abqeftidft itl; U^r^: 
reic^ aud? aU bie fonfequent*?, b. \). pant^eiftifcfce Xüxä)'- 
fflbtung bei Seringfcb&tung bei freien etffiic^en $eriön« 
(i^^feif. 9tt4 inbem 6ttau6 für bie Spenge ben ®Iau« 
ben, für bie „©ebilbeteii" bic Kultur, .^umanität, bie 
$^iiofop^ie^ aber au4 toeltUc^e .^eilige ober Halbgötter, 
eine ^altfaUa, in totld^t bie ^iBilbung" au<^ (Sl^rifittm 
aufsuncl^mcu bereit fei, beaujpiiid^t, ift er M betmifet, 
„ba§ er au^ l^^ier nur bie Säfularifierung bed fat^^o-- 
Ufiben @eban!end uoft^ie^t ttnb bemeii^t ben alten 6at 
auf feine Seife, bag man aud bem et)an0etifc^en @tanb< 
pun!t nicj^t heraustreten fanu, o^ne in ber einen ober 
anbeten SS^eife in bad itatboUftetenbe lurftd^ufaSen" 

$f(. (omntt )u ber ^olQetmq, hai mebet oon bet 
red)tin uccb t}on ber UnFcn Seite ber »g^ec^crfd^cn ^dnilc 
bie tbeologijc^e (ä^laubendie^re einen bleibenben ©eminn 
gehabt babe. Sba^eqtn ^ben einige anbete bie 6pe» 
futation bocb für bie (Srfcnntniö babur^ ju verwerten 
gemufet, bafe fie nicbt bae jc^claftifd^e 2)09ma, jonbern 
bie fUtlicb'teligiöfe dtfa^rung bet (S^tifiengemeinbe au 
intern SCwSgangd« nnb 6tü^pun!t mad^ten: 8at!e, 
33 i e b e r m a n u unb 3Ö e i f f e. Sin 33iebermann ta-- 
belt et, ba6 betfelbe bie Unfletblicbteit bet 6eeU leugne, 
bagegen lobt er SBeiffe'd Oppofttion gegen Sßunbet unb 
2i5eigfagungen, njeld^e bie mobernc xHpoloiictif ^um unent= 
be^tli^en Unterfcbeibungdmerlmal einer göttUc^^en Dffen- 



1) «. 0. O. 6. 790 f. 



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48 



batung maci^e, ba biefe bo$ nid^td onbetei» fei üU ,,bie 
t)ux(i) einen ^rojefe gefc^ic^tli^er ©ntmidflung jur ^r- 
fa^rung bed ®ef(^led|^ti» gefteigerte religiöfe (grfabtung 
bed etn^elnen". flberbau^t bietet tbm SBetffe ein lebt» 
reid^ed S3eifpiel einer bijcnntMien itjcoloßijd^en Spilulas 
tion, b. ^. einer fold^en, meiere iid) auf ben foliben S3o« 
ben ber ftttli4«reUgiöfeti (Svfabntng bet et>ange(ifcb^n^ 
ber d^riftlic^en unb ber ganjeu aiJenfct^^eit l^cOt. dx 
bedauert, baf? Straufe' falfc^e 9)^et^>obe einer ^){eubos 
))^ilofopbif<^^n S)ogmatit bie ^i«{cebitierung ber magren 
SJcrtüertung ber ^^)ilofopl;ic für baft teligiöfe drfennen 
5ur Solge gcl;abt unb baburd^ eine jüngere (Generation 
bem (Smpiridmud in bie Slrnte getrieben b^be. S)enn 
Keligion obne SRetapb^ftt fei nt<bt mebr Sleligion, fon« 
bern merbe jur 9}?oral, unb ^wax einer empiriftifdj 
perflac^ten Utilitätiimoral 

SDamit iß ber Übergang §ttr Steftaurationdt^eo« 
logie gegeben. Qe »eitet bie p^ilcfop^ifd^e ^(^eotogie 
in ber Umbeutung ober ßerftörung bed pofititoen ß^riften= 
tumd ging, beßo ftörfer mugte bie ^eaftion auftreten. 

SSorlAufer ber ftrcl;[id^en 9leube(ebung merben ^a« 
mann, (Slaubiug, Sat3ater, 9iot)ali^ genannt, ^en erften 
etiatauten ^udbru(f fanb ber (ircblicbe @emeinf(baftd« 
{Inn atid Wüai bed Steformationdiubilftumi» im 3. 1817. 
®er Vieler ^rebigcr Cilaubiu!^ $arm^, burcl^ 
6c^Ieiermaclj;eriS ©efül^Ut^eologie gebildet, oeröffeutUc^te 
Stttberd 96 Xbefen mit einem SInbang Don „anberen d5 
6ä|en, als einer Überfe^ung au« Slnno 1517 in« 1817", 
worin er bie vatioualiftifd^e 0li(btung in ZI^^oIo^k unb 



1) a. 0. 0. a 157. 



Digltized by 



8in Qk\dii6iit hti protefU X^eologte. 49 

Stixcf)e jd^arf angreift, ©r Derbonntrt beu Sernunftglaus 
ben. ^ie t>U Vernunft t>U ^formierten gel^^inbert i)ahe, 
V^/tt itic^e aii9§itbatteii 1111b tut dinl^ fu Mngen, fo 
toütbc We Slufna^me ber SSernunft in bic lutl^erifd^e • 
Stixä^c mx ^ertDirrung unb ^^rftörung in betreiben an« 
rt^teii. ,S>eii |tt unfern 3eÜ, ben itoti^cifl, 
ttntten tt>iv nennen in ^inftd^t bed Staubend bie SSer« 
minft, in ^infid^t beS ^anbelniS baS ©emiffen (Dffenb. 
20, 8), koel^em legten man bie bveifad^e ^tone aufgefegt 
bat^ Me (Sefebgebung^ Belobnung unb 8efhafung. (Sa* 
lijtu^, ber bie ^ugenble^rc trennte oon ber ©laubemS^ 
le^re, ^>at bem ©emiffen bcn 6tu^t ber aKajeftät gefegt, 
unb Aan^ bev bie itetonontie bed 0ett)iffend lehrte, l^at 
badfelbe binaufgefegt. 5Die Sergebung bet Sfinben 
lojlete bod^ ®elb im 16. ^a^xf). (I) ; im 19 ^at man fie 
gani umfonfi. 3n neueren bat man ben ^fel 
tobtgef dalagen unb bie ^ble gugebfimmt ^y, S>iefe Zl^e* 
feu mad^ten 5Iuffe(;eii unb riefen eine gro6^ ^al^l Streit« 
f<bnften f)cxvox. %üx fte trat felbft ber 9lationali{i 
Xnunon ein, bev fte otd ,,eine bittere Xrsnei gegen bie 
®laubendfd^U}ä(be ber ^iit" be^eid^nete ; gegen fle fd^rieb 
au4f 6^leierma(!^er. 

tlber bod äBiebererma^en bed enangelifcben Sebent 
in ber (utberifd^en ITircbe Samern« (1800—1840) fd^rieb 
^ 1^ 0 m a f i 11 S. @r lobt bie 5?ontoentifel in ben ner- 
f^iebenen 6tcibten koegen ber aUgemeineu me^r fubjeltiD- 
^pietifHfcben ott fir^ti^eU/ me^t ronuintif4»ibealiflifd^en 
aU fonfeffioneüen gri)mmigfeit ungemein. Über 2lugä= 
bürg (1823—25) loirb ^. berid^tet; toar bamoU 



1) ^^tihtxtx, a. Q. D. (3. 159, 
V^L OnMtfOf^tift. 1898. ^ft L 



4 



60 



S ( I e « e i II 9, l^etrni^ttter, ^etifieit, f^uü^itantt, 9iefot« 

mierte, Äat^olifen maren einmütig bcieinanber unb freu= 
Un it(^ in i^rem einmütigen ^errn unb Sr^rmer. $on 
« einem f oifeffionetten Uittetf<l^ieb rmite man nid^td. Cd 
ttmr biMift toirffi^ eine fd^öne 3eit htü loiebetgetel^eH 
Qlaubend, obn}o(^l eiS {o natürlici^ ni^t bleiben !onnte\ 
S)eiiii 19011 ^ aud enttDidtelte fUft bad i^iiette etNiiige« 
tifd^e Seben" mit bem (Blavbtn an (Sffxx^, ber Se< 
friebigitng beS ßeilsbebürfniffe« buxd) ©ünbentiergebung, 
btt(dft bie ^(^tfertigung aud d^naben, fo ba| aUmo^li^ 
011$ bie Selentniffe toieber §tt Snfe^ famen. „Bo 
finb mir fiutl^eTaner gemorbcn, frei, üon innen ^^erauS". 

5Bon biefem 2Berbegang ber fonfeffionellcn ^l^eolo« 
0ie in 6äbbeutf<^lanb untetfd^eibet bie paxaUtU fbt* 
megung in ^lorbbeutfd^tanb fe^r d^arafterißifc^ , momit 
att4 bie bleibenbe ^erfc^ieben^eit )tDifd()en fübbeutfd^er 
unb noTbbeutfdfter £>rt^obo|ie gufammentKiitat. Sei ben 
6<lbbeutf4en (am bie gau3e Setoegung frei Don innen 
^jerau^, al« 2lu8brudC bc3 retigiöfen ©emüteS, bei ben 
Storbbeutfd^en benMft fie me^t auf t)erfi&ttbiget Sered^ 
nung unb auf bem CinfluS be9 IHrd^entegimentt. 5Die 
fir(i{;lid^e ©emegung in 9^orbbcutfc^laub erhielt feit 1827 
il^re ^ü^rung unb 9iic^tung burd; ^engfienbetg, 
beffen Organ bie i,®Dan0elif4^e MMj^enieitung" mutbe. 
5Der mit rücffid^tölofcr Äonfequenj t>erfoIc]te 3^^^ feinet 
SBirfend mar bic ^^ernid^tung bei^ ^Jtattonali^mud im 
toetteften Sinn bei SBovU, oie eil bie gefammte mobet» 
ne S>enfti>eife einfdj^liegt, unb bie 8Sieber]()er|leIIung bet 
SlHeini^errfd^aft bed altprotefiantifc^cn ^ird^englaubend. 
9t \^vdt attd^ not bebenUidften äRitteln wie Z)enttn)ia« 
tionen unb Setbftd^tigungen nid^t aurüdf, rief bie 9emalt 



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gut Okf^U^te bei ptoUfu Xteoloflte. 61 

an, tDä^renb er umgefe^rt feine ftarre Äonfequenj nur 
mit mäfiiäit auf bte {irc^npoUttfi^e Smedmä^iefeit et«^ 
toa^ ntilberte, ttrfe fei« Set^alteii §ut tltitim lutb pm 
jßttt^ertum jeigt ^er 6c^rerfcn toor bem ßeben Qefu 
Don ettmi mar feiner 6a4;e au gut gefornmen. 
f^tofetiger man e0 fonb, bte 6ttatt|'fdM iMtif |tt toieber« 
legen, bejlo lieber Püd^lete man fid? auf ben ©tanbpunft 
ber unbebingten Sertoerfung aller 5^riti! unb ju ber 
etttätilQeoatt „(tu miebecl^oUe fi(|^ bei 4^. bie alte 
Stiegel, baft bie ^ierard^en beüot [inh gegen bie »eltli^e 
jDbtigUit, folattge i^nen biefe ju roilleu ifl, bagegcn 
Semagoden »etben, fobolb bie Obttaleit ft4 ni<jftt me^t 
JUX Dienerin i^jrer 3»eÄe l^ergicbt* •). 

^engftenbergä 3fled^tgläubigfeit, mcl$e f(^on mit ber 
Betenntnii^treue ber SUtlut^eroner ftc^ nic^t meffen tonnU, 
umtbe i>oEenbil gani in ben Grotten gefieOt but^ Me 
ÄirctUd^feit ber 3fleulutl?eraner. ©ei mar bag 
ObieltiDe ha& unfel^Ibate unb mi^ttlic^ infpirierte ©ibel^ 
iDort, bei ben «teulnt^ef anem bag firdl^a^e «elenntnü», 
bie „juret^t befielet übe u" Symbole. Um auä) i)iex ba« 
fubiettiDe äRoment M (^lauben^ mebr gurüd^aubröngen^ 
fn^te man bie teine ObieftiDitfit ber gbltlid^en ^eili9« 
uub ©nabenmittel im Safroment IS» foOten ni^t mel^ 
i^SBBort unb Glaube/' fonbern bie ,,^^attad^en" beiS ^a- 
feamentS unb bed (itibltii^en ilmtd sum be^evrf^enben 
aJlitielpunft ber ftfrd^e gemad^t toerben. ©ie 9üifet 
über bie ilirtbe, meli^e in ben 40er unb 50er ^a^ren Don 
£«(e, S)eliftf((, 9Rflnd|^me9er, ^Uefot^ ))er« 

1) mW fagt t7on i^m, er fei ava Seiuit, ßopuainer unb 
Bitterat sufüiiimenge{e^t (Seben l m). 

2) Vfleibcm, «. o. O. 6. 169. 

4» 



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ftffetitlUftt iDOTben ftnb^ bttfftn fid^ alle um eine bevattige 

SRüftüärtgbemegung iu(^t blofe bi^ ^uv, foiibern über bie 
5f?eformatiou jurücf. 5^amentli(i& mirb bic ©in^^eit uub 
^id^tborteit bet Ihtd^e j^ertootge^oben, bie S^lna^me 
nid^t auiS bem ®(attbeit, fonbetn (M bettCaframeiiteii bet 
Xaufe imb bed älbenbma^led hergeleitet, bie SBirffam^ 
feit bief ev ©afeamente ex opere operato Detteibigt 2)ied 
toat ^fatl^oUfieteiibet AtetUaliilmttiS/ bet namentlu^ oon 
S3 i l m ar, bcm 5^crfaffer ber fiitteraturgefi^id^te, beförbert 
kourbe. ^ßeibem unb ^ocner fitib bacauf |U {pcecbeiL 
Vbex ou<| IDomer mul §ugeben, ba^ bie Setl^AItmffe 
ber ^rotefiantifc^cii Xl^tclogie bie gläubigiu jheijc baju 
brängten. Qx unterfd^eibet t)om 5. ^e^ennium bid )ur 
(SegenUNirt btei iKaffett: 1) 9todft beii (Erfd^flttemngeit 
beÄ Sebent ^e\u von ©trauß begann trieber ein frifdje« 
d^rifUidi^eö ^eben. 2) 63 entftaub ein aufgefrif^ter bib* 
Ufdl^et 6tt|)ettiatttraltdiitu«, bet aui»fd^lie|lid^ bad gor« 
mal))rin9ip jut Seltung btad^te. 9lbet ba« 9^ von 
6trau§ ^)at ftarf barauf eingetuirft. 5)a^er tpäre eine 
Httffrifd^uug bed ällaterial^riii^i^d notmenbig getoefen; 
aber trfele gingen nid^t fo toeit, fonbetn fd^tngen einen 
illegitimen 5öeg ein unb mä^Uen bie ^trd^e aU einen 
Srfaft für t>a& Sormal)}ritiaip. 6traug \)at mäd^tig ba- 
)u beigetragen, bail ^tingip bet Xtabition, fatl^olifdfte 
3been von ber 2Iutonlät bei* .^ird^e jur 5lnerfeunung 
bringen. Unter biefer 3. jHafje (d^ien bie itirdjie^ nemlic|^ 
bie Qetilalifdl^ )tt gefialtenbe, ba9 Otunbbogma ttetben }U 
foDen, d^rifllid^e ^ömmig!eit nid^td gelten o^ne mobetne 
Ȁirdjlid^fett 

1) Olottfc^id ficmeiltin einet t(nieige»on: fld^elid, ^raftiftl^ 
Zoologie 1880/91 : nimmt mit tioOem fleiim|tfcin bie INk4« 



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Qüx ®e|(^i(^te ber pcotep. X^eoloaie. 53 



$fl. red^net e« ben felanger ^t^^eologcn p großer 
e^re an, bo6 fie entfc^ieben gront mad^ten gegen bie 
fatHtf<j^»^et(npd^if<^ ^enbung, toM^e bad 9leulutl^er> 
tum in 9torbbeittfj(tanb grögeren XeiÜ, in Soi^em mtr 
au^na^m^tpeife (Söl^e) genommen ^atte. S)ic SBerteibü 
gung bed SKoterialpnnatpd o^ne 6)^iiibol)tDini9 (abe be» 
fnul^tenb geioivft. Befonberd einfluttei^ feien X ( o m <m 
fiu^ unb ^ofmann tjeiüiicu. Unter ben tjon ^ofs 
mann beinflugten lut^erifd^en X^eologen flehen obenan 
eut^atbt unb %xani, loefabe aü bie beiben gfil^ret 
beS ßutl^ertumg in ber (Segenmart gelten. 21U Slebafteut 
ber etjangelifcj^slut^/erifc^en Äir^enjeitung unb beö t^eo^ 
logifd^n £ittetattttblattei» ^at Sutl^arbt eine Al^nliibe bo« 
miiiietenbe ©teHnng, roie feineraeit ;geng|ienberg, »on bem 
er ftd^ übrigen^ burd^ mafe^ unb gefc^madfüollere .galtung 
feiitei» 8(atted ))oneU^aft unterfd^eibet granf üelU 
in ber (SetDol^nbeit ht9 f^roffen fibertteibenbeii flh^pxe^M 
über 2lnber0bcnfenbe feinem 2(utipüi)en ^itW ganj gleid^, 
aucb fcbtoerfdUige ^prac^e unb flemunbene S)ia(e!ttt 



li^feit für fein 99u($ in «nfpruc^, toeif er nic^t bie trabition 
über boÄ fir(ftlit^ ©cltcnbe, fonbern bie genuine reformotoriic^e 
9lnf(^auung t)on bei; ilirc^e unb i^cen jfiorrelaten Stangelium unb 
(Glaube Seitftern a0er ®runbfa^e unb Siegeln M firc^Iic^en 
^anbeln^ mac^t unb gegen bie noc^ Dor^anbenen , \a oielfac^ ali 
firc^Iicl^ qeltcnben JRefibuen fot^olifc^er Jrobition feine ©timme 
ergebt. Gegenüber fat^oli|icrenben Selleitätcn in 23e^ug auf ben 
Äirc^en» unb ^mtöbcgriff oertritt er mit Dotier Sntfc^ieben^eit bie 
9(nfd)auungen , ba^ bie IMrc^e primo loco nic^t "^nftdt, fonbern 
bte bur(^ ^ort unb Saframent ^eroorgebrac^te unb an i^nen ali 
oor^anbene ju erfennenbe, bcibeiä, fic^tbare unb unfic^tbare &f 
meinbc ber .'geiligcn ift u. f. „iie eDangelifc^e Äirc^e fte^t 
nid^t am @nbe, fonbern am Anfang ber Sntmicflung'' (II, 521. 
fiittcratur-äeitg. 18d2. 9t 12 308 f.). 



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jfixH>ei et bei beiben, im übrigen fei abet %xanl bogmatifdft 
^mx befangenev aU Slitf^l, I^üi9€geii an Xiefe ber etl^i» 

\ö)in (^Umtni& S^rirtentumiS i^m entfd^ieben über* 
legen. 

felbflf<j^Ue6t feine SDax^Uung bec Sleflaucattoni»« 

tbeologie, in toel^ dbn bie gMRer'fd^e 9lt4tung auf» 
fallenbetmeife gar ntcbt genannt mirb, mit bem ^efennt- 
tttt» if^al }ii><^^ ni^i mieber Töddöngig |tt nuuj^enben 
(^rGtbntffe bet |lfiorif4^*Intif4en 9ovf4^nng eine tiefge« 
l^enbc UmgeftaUung bcr fird^lid^en ßcl^rtpeife unabmei^^ 
Ucj^ ecfosbern koerben, bag aber feine ä^teform berfelben 
Sudfid^t ober S(nf^ni<4 auf (^ang nnb Oettung in bev 
eDangelijcbiU ^Uid^c ])ahm iann, loctc^e uic^t Den et^ifdben 
©el^alt ber biblifd^en Slleligion in feiner ganzen ^iefe unb 
^e, ooQ unb gan), ttm)evlftt}t unb unt^ecfla^t lum 
Sttdbntd (ringt 3)at Me9 aber auil^ bei DoOer Unai« 
l^öngigfeit t>on ben Se^rformeln ber Ürcblid^en ^efennt- 
niffe gefd^el^en Iann, bafür »erben nuA bie im folgen« 
ben §tt befpi^^^nben S^eologen me^r att einen OemeilS 
geben" 

Sin ben edfiu^ ftelit gtoei Xbeologen, mel^e, 
ol^ne snr ConfeffwneOen Z^eotogie ^u ge^dren, ^ur Beb« 

bung eine« biblifd^en(S^tiftentnm« in 3florb unb Sübbeutic^» 
tanb ^cröorragenb getoirfl l^aben: %^)olud in ^aUe 
unb 8 ed in Xftbingen. »eibe äR&nner feien burdft in« 
neten rcligiöfen 5örang pr 2:^eologie geführt morben, 
^aben i^ren ©eg mä) i^rem inbioibueHen 53ebürfniffe ge» 
fud^t unb aU Slutobibaften im Sibelglauben ilftren fefien 
Gtanbort gefunben. S)er (Bmnbaug beiber ifi ein gekool» 

1) «. 0. O. 6. 187. 



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tigeS et^if^ed ^at^od, eine tiefernfte Seutteflung bet 
©ünbeu ber Snbiüibuen unb bcr ©efeUfc^aft, ein meltflüdj^s 
tiget ildfetidmiid nad^ 9lct bei» ftUeten ^ietUmud. 2)a* 
«tft t>erMnbet ft<b bei beiben eine mpfHfd^^fpelidatiDe 9iei* 
gung, eine offene @mpfänglid?feit fiii alle ©otteSoffenbas 
Tung in ^latm unb ©eji^icbte, tndbefonbere für alle 3^U0' 
iiiffe bei» Ü^ott«6tt4eii0 unb «S^nenA bec vaimm nakur- 
aliter christiana. 3^re 6tarfe tag ntd^t in ber miffen« 
fc^aftlid^en ^^eologie, fonbern in ber ©ebiegen^eit i^red 
ftttlic^ftpeligidfen Sbara(tec0^ in bet Itcaft i^er sftnbe»» 
ben nnb etbauenben ftanaelberebfamfeit nnb in ber Sit« 
twofität i^rer perjünlic^en feelforgerlic^ser^ie^crifd^en @in= 
mirfung auf bie fiubterenbe Sugenb. X^oiud iud^te auf 
boiB SefftbU auf ben Sßillen au ttitfen, nid^t »e» 
fe^rung, (oubern (i^raftcrbilbung ju erzielen. 93edE üer^ 
bält fici^ ju X;^olucf, luie fic& S3engel )u 3i»i«"^orf öer« 
litten b<Ktte. 9)a Sdeäi» HuJibtn ttmv fo tonn ef 
ein anfc^auHd^e^ Oitb bon feinem auf bad Oibetoott^ 
obne Sefenntni^ unb Äirc^e, begrünbetenfie^ren unb SEBirfen 
entoerfen. vM nur bie belonute $oUmil fbtd^ 
gegen bie bitbeiifd^ Se^te t)on bet SM^tfettigung, hielte 
i^^m \)iek Slugriffe eingetragen ^at, ermähnen, ^aburd^ 
mürbe feine ^ntipat^ie gegen bad forcierte tegetticbter' 
lüj^e iButbett^um nur no(b me^t gefieigett »3n biefet 
^tnft(i^t mar bie Stimmung in 8e(fd ^örfaal biefelbe 
tt)ie in ^auri^^, l^öcbften^ mit bem Unterfc^ieb, bag ^aut 
feine ottboboien Segnet gelegentli^^ mit bet Dotnebmen 
Sube unb bem ftbettegenen SAd^ebt be9 Seifen abfertigte, 
Sed aber gegen biefelben fieute lo^fu^r mit bem ^at^od 
beiS 8u6prebigerd unb in ber 6pra4re ber bibUf(ben 
$to{>^eten. ^et (Effett »at beibetfeitil betfetbe, unb 



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l 



M 



nimmt man ^^k^u ben imponierenben ©inbrud ber ^ßer- 
fönlid^feU beibet ikfftn, Ue auf bef golie bn mnnU4^» 
lett il^rer ®egner mir beflo gröget etfd^enen, fo »itb 
man begreiflid^ pnben, ba§ au8 fold^en ^öridlen !einc 
Sete^m ber lut^erifdftea Sted^tgläubigfeit (erboroe^en 
lOÄiiteii'' >). 

2lud^ S)otner ift nid^t gut auf bie SHeflaurattonSt^eo* 
iU)0ie au fpre^en. ^^adj^^altiged f^ahe fte nidbt fc^affen 
oermod^t, fonbem nur alte %lUttn auf ein neueft Oeioanb 
gefegt. ^\)xen jhilmination^punft ^ahc fie gegen baä 
3. 1860 überfd^ritten. ^en 3uftanb bet Unfi^er^eit im 
Sötte, ber Cerjagtl^eit unb Sereiitl^eit bei ben geifUidften 
gül^rern, be^eid^net er ate SBirfung ber Se^Köftuttfi ber 
pofitioen Sflic^tung @r {elbft fud^t eine SBermittluug, 
toie mand^ anbere ttSermittlnngi^tl^eologen.'' Semeinfam 
ifl berSermittlnngiSt^eoIogie baS^u^ge^en Don bem 
jum ®emeinbebeTOu6tfetn eriüeiterteii c^riftU^eii 6elbfl= 
betoufttfein, infoipeU fiebt {te indgfammt auf bem liBoben 
64r8. Xber {eber fud^t toieber feinen eigenen SBkg. 
3m allgemeinen fann man ämei^auptfiaffen unterfd^eiben 
bie eine ift mel^r fpefutatiö, bie anbere mel^r praftifd^, 
bie eine f ud^t bie Crg&nsttng Gdftl'd bei ^geC ober ^d^eOing, 
bie anbere bei Stant ober be 3Bette. 3m motten ®(eid^« 
gemidt^te flehen beibe leiten bei Stotl^e, ,,ein iBermtttlungds 
tbeolog im befien unb ^i^dftfien @inne bei» äBorted, ein 
^riebeniSmittler ni^t blog aiDifd(;eii uerf^tebenen t^eolo« 
i}i\6)cn Slicbtungen, fonbern auc^ jmijd^en ^^^eologie unb 
äBiffenfdftaft, Airdj^e unb @taat, (^rifientum unb mü, 
amifd^en bem Crbe ber Sergangenbeit unb ber Sufgabe 

1) ?(. 0. O. 6. 193. 

2) «. a. O. 6. 826 f. 



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3ur &tWäitt bes protefi. 2:^eoIi>8ie. 



57 



bet Suhinft in ber «nrotefbititif^en ^tiflenl^eit'' % (Sin» 
mütigfeit bed ftttlid^en iüBoIIen^ unb ^anbelnd auf bem 
Soben einei» ptabif^en, 9011 Ait^en« unb ^o^menfeReln 
entbnnbenen^ babei aber jebem feine eigene Slaubeni^forni 
gönnenben S^riftentum«, ba^ mar ^Rot^e'ig fefte unb mo^(- 
begrünbete ilbecaeugung. liefen 3kDeden foQte ber üott 
i^m gegTftnbete (1863) ^oteflantent>etein bienen. i&i^ 
erübrigt nur noc^ bie Söemerfung, bafe 3totl^e al3 3beal 
bed SReid^ed ©otted bie ^erf(^mel|ung ber ßir^e mit bem 
etoate betto^tete. 

9(uf ber f^efulatitien Seite ift juerfl 5Dotner §u 
nennen, ber nad^ 64leierma(^er bad @t^ifc^e mit bemS)og^ 
matifil^en su oetbinben fucbt, bad SRatenal))rin)i)) mit 
bem f^otmatprtnaip oereinigen roiU, inbem et ben bibti« 
fd^en ©upernaturaliSmuS mmirft uno bem ©laubenS« 
))nnaip einen gro&en ftinjluft auf l^ritit unb ^ogmati! 
einv&nmt. 9ud ber et^ifd^en 3bee ber in Sott freien fßer« 
fönlic^fcit lüill er ^^eologie unb Äird^e erneuern. 3Reben 
Horner fiub SJUrtenfen, ^Liange, 3. ^3JiüUer Sc^em 
tel »tt nennen, bie eine 6bnt^efe be0 relisidfen unb etbi> 
fd^cn gaftcr^ anflrebten. 6(^enfe( fam mit feiner et\)u 
\ö)^n 33erfö^nun9«- unb 9fled^tfertigung«(e^re bem ©runb« 
gebauten ber Aant'fd^en Kettgiond))l^i(ofi)pl^ie fe^r nalfte; 
ber Unterfd^ieb ifl nur ber, ba^ mad bei ^ant aU inhi* 
üibueHe ©efinnung^änberung, bie in 3efu§ nur i^^r ibcaled 
SorbiU) unb im ibealen (Bottei^reicb i^r (Snb)iel l^aben 
foll, gebaut wirb, ^ter gefd^i(^t(td^ begrünbet n»{rb in 
bem fc^öpferiic^cn ^^eben^werf 3^fu i^"^ bem t?on il^m 
ausgegangenen neuen £eben ber d^tiftiidj^en (Bemeinbe. 



1) ^fkibecet, cu a. £). 8. 194. 



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68 



ffil^lbar machen, ßatte bic ^l^eologte feit ©d^teietmac^er, 
t>U fpefulatiDe (^teberman, äBeiffe) unb lut^erifd^e (^of^ 
mann, Stonf) toie bie Setmittlunodt^eologie, in bet 
£e^re t)om d^riflltd^en .^ett bad innetgeifiUAe ftttlid^^re« 
liniöfe ©rieben bed^in^elnen mit bem gefd^id^tCtd^en ©e- 
gebenfein p i»etntitteln gefnct^t (etl^if<i^er ^bealidmud 
ÄantS ol^ne totionaliflif^eu ^nbitnbuaMmttd), ttnb mit 
bem Äant'fc^eu ©ubjeftbi^mu^ jugleid^ feine moralifc^^e 
Slutonomie unb SiutarUe unb {eine beifikifd^ S^i^eibung 
üon aXenf^ nnb Sott befeitigt, mei( Re fftv boiS in ob« 
jcftiüer unb fubjeftiDcr ßrfabrung gegebene ^eil eine 
übermen{(bUcbe Urfocbe ober eine gbttlidt^e Offenbarung 
forbetn mu^e, fo tief i^ Aufbau bogmatif<(ev &9^tm, 
»eld^er „mand^e^ SSeraltete unb Unbraud^bare unb maudpe 
§u fü^ne fpefulatiüe ^^pot^eje unter bem SBorgebcn, aU 
feien ed mefentlidfte ^efUinbteUe ober (Stforbevniffe bet 
dj^rifiltd^en ©rfal^rung'', mitaufgenommen ^atte, eine 
tige 9leaftion l^eroor. „2)iefei8 machte fic^ aber um fo 
fibienbet fül^lbar in einet geit »ie bet unfeten, in mU 
li^et bet ftfitffd^Iag gegen ben aOgu M^nen ^ug be« 
SDealiömug im erfteu drittel biefe^ 3ö(>r^.'^ aur ents 
fcbtebenen Abneigung gegen aUed ^moudgel^en über bie 
(^a^tung, gegen aOe Meta!p^p9i unb 6)>efadation, unb 
jur alleinigen ©eltung M ©mpirifc^en, ^roftifd^en, ges 
fcUjc^aftlic^ ä^t'^fw^Wö^n gefü^^rt (?at. ©mpiri^mud 
unb ^o^ialidmud fuib bie ^ettfc^enben Xenbengen 
nnfeter ^cit, bie in bet 8ofung: „Mdhf)x auf ftant"! 
tioö) nur einen ^albma(^ren S(u«^brucf gefunben traben; 
beun ed ifl nur bei autimetop^^fifcbe Slguoflt^idmu^itant'd, 
bet in erneutet unb gefleigettet S^^tm geltenb gemocht 



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Snc (9ef4ii^ ber inntefl. S^^togic 



69 



iDti^, iD%eiib man fid^ au feinem tOf^^tn Sbeolidmud 

fomol^l aU aud) au feinem ^nbinibnalidmuS in ben {(^ärf- 
{ien ©egenfaß ftettt" 

3n btefer geUMmung flnbet $fl bte äBnvael bev 
X^eologie littest ftitf<j^riS unb augletd^ ben Stnnb 
t>eö großen Slnfel^en«, ba§ fie rafd^ gefwnben f)at ©ie 
fei ber t^eoiogifd^e Euöbrudt unb Spiegel bed aQgemeinen 
3ettbett)u|tfeiniS. Sl^re nAö^flen tDtjfenf^aftUil^en Qesie^« 
imtjcn ta^**^ fie ju ^lant unb fioge, 511 €d&(eiermad^er 
unb ^ofmonn^). ^ie ^eaie^uug Uant ^abe aber 
imd Seiten: .»SBA^enb Slitfc^i bur<lt feinen hx^lUi^tn 
So^ialidniud ben äugerften ©egenfag 311 ^antd rattona» 
lifUf^em 3nbit)ibuali^muiS t)ertritt, fteHt er \\6) anberec^ 
feitt }U9tei<f^ auf feinen 8oben in ber iUpti\^n W»U^* 
mnq aOer SRetapl^pftf, in ber (^anatpation ber %Rox(d 
von ber SHeligioii unb ©egrünbung beö retigiöfen ^lan- 
bend auf moralifcbe $oßu(ate, enblid^ in ber buaUfUfd^en 
6(l(elbun0 )»ifdften Oeifl unb Saint. aUHt 64Ieierm. 
teilt er bad met^obifci^e ^rin^i))^ bag bie Xj^eologie oon 



1) Vffeibeiei^ 0. a. (D. 6. 8S8. 

8) tinc S)ortte9iina bei Rcvbegangd ber Ritff^rfcten 
logie oon ber ^egerfi^en 9^t(o|op^ie jur XflMngcrXeitbciiatritit» 
nnb HÖH blefer atrat ncnfaiitiamfc^en JlriHcÜmtii unb iiteta|)^QPt« 
lofeR fltoralitami oibt ber Soin SKtfc^r«: m 8lit{(^U Sebeii. 
L Sieib. lOh!. IL tRttf(^( fei erfl fpAter aum f ubieftitfeu Sbeali^ 
tnui ftanti fibergegangen. ftfl Jtant ^abe ben 0rttnb au einer 
PbUofop^tff^en Storot gelegt, welibe bem S^riftentunt abSquat fei. 
SHe Migion fei 6a4e bc« IBiOenl, benti ber IBUIe jü^re ben 
Vrimat, iDteflllcIan<^t4on bereiü angenommen (abe. Qon wjuUxm^ 
bott beffen Cinftflffen ja bie gefammte neuere X^ologie in ocr* 
Y4lebener Seife abhängig fei, nnb bon ei^denbniger ^be 
feine Slettobe. «emerfengmert ijt eine flacte a^e^äfftgfeit gegen 
lat|oIif(^ «nric^tungen (@. 140. 189). 



00 



hex ^^ilofopl^ie itnat^angig unb unbe^eEigt bleiben nnb 

fid^ auf bie jufammenl^ängenbe ^arfteHung De^ in bcr (Bx- 
fa^rung bcr c^rifllid^eii ©emeinbe gegebenen religiöfen Se^ 
vouWiin» befcf^tünfeit foQe" XJ^tiiUm b^be »itf^^l 
biefe UnabbAngtgfett bod^ niä)t burd^jufü^ren t)ermo(^t. 
3tDar mit ber 55efeitigung ber ÜJietap^^fif ^abe er grilnb* 
li(b (fonß gemalzt, aber bo(b nur mittelfl einet an Aant 
unb Soge fid^ anle^nenben (Stfenntnii^tl^eotie^ n^eld^e nrte» 
ber mit bem Äant'fd^en 3)uaU^mug t)on SRatur unb ©eift 
Sttfammen^ge. 2)tefer bebetifcbe bie ganje Stitfcbrfci^e 
Z^eologie. 

9la(b ?Rttfd[)I füib alle c^riftHi^cn ©laubenäfä^c nur 
au& ber b« ^d^rift aU aEeiniger dueUe aller (briftli4)en 
(Srtenntttid abzuleiten. (Et )>tote{Uett gegen bie Sin» 
mifc^ung irgeub einer „natürlichen ^Religion" in bie d^rifts 
lic^e. ^n feiner ^ntipat^ie gegen aUed, toa^ nad^ ©pe« 
fttlation unb SVleta^^^fif audftebt toitb et Dofitinet att 
bie iBibel felbft, ipeld^e eine natürti^e ©otteSerfenntniS 
(e^rt. 9litfd^l erfennt nur bie gefd^i^tUd^ in ber ^ibel, 
genauet in bet $etfon ^efu gegebene (Bottedoffenbatung 
an. IDad 9emiffen inftbefonbete babe mit göttli(^er Offen« 
barung nid^t^ gemein, fei ni(^tS Sin geflammtes, fonbern 
etioad im (Bemeinf^aftdleben &rn)orbened. ^Wtan bringt 
bag 0ett)iffen att bie 9tegel bert)Ot, wie man alle ftegebi 
bei^ ^anbelnS aüii> ber ^^ei^jeit erzeugt, ni^t aber au3 
einer Sd^ieblabe bed ©ebdd^tniffeS ^erauiSnimmt". 6ein 
64ftkt ^ettmann fä^ biefen 0ebanf en nod^ loeitet 
auÄ unb aeigt un« ben ber SRitfd^rictcu X^jeologtc ju 
grunbe (iegenben abftratten fubjeftioen 2|bealü$mud ^ontd 

■ 



1) Vfl. a. a. 0. 8. 228. 

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3ur @ej{^i(^te bec pcoteft. X^eologie. 61 



uub ber 6toifer, einen ^beoli^mu^ , ber bie freie ^ßer^ 
{önU4){eit gau^ ifoUert auf fi^ felbft fielU unb jur ^e« 
(au^timd bed 6elb^ in feinet bebtftngten Steilheit unb 
SBeltbe^ertfd^ung ©Ott poftuUert, mä^renb im d^riftlid^en 
@Iaubon @ott ber ^rfte unb £e|te unb ber ^enf(i^ ba^ 
mud i^, um ®otted Bmede in bet mit §it Demid« 
li^en. ^Pfl. giebt ju, ba6 biefe tiefgel^enbe prinaipieHe 
S)ifferenj in ber Sluiäfü^rung be§ bogmatifd^en 6t)ftemi 
tmx^ bie bialeüif^e itunfi Slitfd^rd in meitge^enbem 
SRage jurildfgebrängt unb audgeglid^eu motben fei^ aber 
hoä) lajfe fi(ib i^re 3f?a(^n)trfimg au Derjcl^iebenen unb 
getabe an ben eigentümliit^en $untten feinet £e|;rkDeiie 
f^merlid^ i>et(ennen. 

^a^ religiüfc Grfennen bciucgt fi($ auö|d}lici8Uc^ in 
felbßänbigen äBertuxteilen^ b. b« in üBorfiellungen übet 
unfete etettung }ut ffielt^ meU^e nut I^in|l(btli4 ib^ed 
JBerteö für (Erregung t)on fiufls unb Unhi(!gefü^(en je 
nad^ ber geförberteu ober gehemmten ^errfc^aft über bie 
SQSett in Oetta^t fommen. S)iefem (Ütunbfat entfptiil^t 
bie ^ovbetung, ba| Sott nut aU Siebe gebaut toerben 
fott. S)aö Korrelat ber fiiebe ©otte^? ift bad SHei(^ ©otteö, 
fofetn ed bie Setbinbung bet 9ßeni<i^en su gemeinfamem 
^nbeln aus Siebe ifl, inotin bet gbttlid^e SBelt^medf ftdi^ 
t»ertT)irfnd)t imb fein 9Befen ale £iebc offenbör mtrb. 
:;]infoiern aber (3ott {eine £iebe burd^ bie Offenbarung 
feine« 6o^ned in bet Don biefem gefhfteten ltit<be offene 
bart, entfpringt aHe Siebe tjon i)uu (c^cn au§ ber Dffen= 
batung ©otted in (S^riftud. S)aber ift eS i^m fdj^mer, 
eine Offenbotung Dot Cbtifbtd unb ein natfttU<ii guteiS 
fieben äuget ^rifhti$ ju^ugeben, obtDobl er bieSluguflin'fd^e 
£e^re üon ber (^bfünbe uetlPirft aber ^^tifiu^ felbfi 



62 



ben 3iifa»""i^"^^^»9 Offenbarung bce 21. unb 91. 
mfftt, fo mu6 entmeber bie d^fUidl^e Sieligion aU bet 
^ö^eimttÜ bet fotttoufenben gefc^id^tlid^en Offenbatung 
angeief^en obet aud^ bie Offenbarung in ^l^riftuS geleug- 
net »erben« fki^m iloiiie(|iteiis f^eitU bet exilier 8lUf d^ril 
9 e übet stehen tDoQen. i,3ebenfatti( leucbtet etti^ 
bafe SRitfd^riS forcierte pofitiini^ifci^e löegrenjung ber Offene 
batung auf bie ißetfon ^ti^i eine un^altbate ^ofition 

Die Oebeutung (S^tifii befielt batin, baft et i« feiner 
ganjen ^erfönüc^fcit ®ott als bie Siebe geoffenbart unb 
burc^ feine ©rilnbung ber ^eid^dgemeinbe ®olted @elbjl« 
ttttb äBeltioed t)ettDif!li(lftt ^at. S)aiS vm (Sl^rifH ge» 
fd^id^tUd^e 9erufdleiftung unb t)on biefet aug^ ni^^t t>Ott 
metap^^fifcj;en ©pefulatiojicn foHeu mir (S^rifti $er(on 
üetfle^en. ^^n biefer unameifelbaft ri^Ugen gorberung 
fKmmt ftitfd^l mit ber gangen 9on S^Merm. aitSge» 
gangeucu 5L^eologie überein." 2)agegcu \)äli e« ^fl. für 
eine auf biefem 6tanbpun(t paraboje gorberung, bafe 
tDir (S^rifhtg bag ^rdbilat ni<l^t bloft ber ®i»tHi<l^leit, 
©ottedgemeinf^aft, ©ottedfol^nfc^aft, fonbern gerabegu 
ber „©ott^eif' beilegen foQen. tiefer 6pra4^gebrau(b 
fei mel^r burdft ürftnbe äußerer i^ommobation alA burdft 
fad^lid^e Sngemeffen^eit motioiert, ba ber Xr&ger gött« 
lieber Offenbarung nod; uic^t ©Ott fei unb für baö Ur= 
biU) ber Meni^en ber «äKenif^enfo^u" ber nötigere fei. 
Syie neuteflamentUd^en 6teIIen t>on ber ^fMe^fUn^ toerben 
Uon SRitfc^l „im ©inflang mit mcUn mobernen ^^jeologcn" 
auf bie ibeale ^oraudbeftimmung (E^rifti ^um ^aupt ber 
Sieid^gemeinbe aU beg (Snb|U)edg ber VUit nah auf 



1} ¥fUü>(m, a. 0. £). 6. 284. 



üiyiiized by 



foa gebeutet. 

Sa« äBeti CMfH fott nül^t na^ bem licd||U4^eii 
6<i^ema ber btei Smter, fonbem unter bem ein^eitlid^en 
©eftc^tdpunh feiner ^erufetl^ätigfeit für baS ^eid^ @otted 
ober bie WB^sm^tUt fUtU^e ®emeiii{<baft ber SRenf(ben 
nerfloiibeit »etbeit IBon einet befonbeven prieflerltd^en 
%f)ätiQUit (S^rifli, bie nid^t fc^on in biefer allgemeinen 
)öerufdt]^&ti(|feU einbegriffen mdce, ift ni^i re^en. 
»eil Oegriff 1)ev ^Gfi^ne" Stitf^l auiS ber bibttf<(eii 
£e^te entfernen. SJlit Sc^Uurm. fnüpft er bie ÜJirs 
!ung ber ^Anbenüergebung ober S^ed^tfertigung ober Ser^ 
fObnuHg bie 8eruf4t^(Uigfeit (SinfÜ an. i)iefe brei 
unter [x6) gleid^bebeutenben begriffe finb Slttribute ber 
c^rifllic^en ©emeinbe. ®ott rechnet ben (SUebern ber @e« 
meinbe ibte Oemeinfcbaft mit dbviüu« aU bie ^bingung 
an, unter ber er Tie iut Semeinfd^aft mit fi^ felbfl ju^ 
l&6t 3m ©egenfa^ ©c^l. betra^itet aber Stitjcl^l 
baiS birette £)bj[e!t ber 6ftnbenbergebung nid^t bie ein« 
leinen, fonbem bie Oemeinbe unb ertt&rt bie 6<b(.'fd^e 
gormel üon bem S3erJ^ältni^ Ci^riftuö im ^^roteftans 
tidmud unb iSat^oli^idmuiS für fatfd^, ba aud) für ben 
cbangeUf^en Obtiften bai» richtige Ißerbättnid Cbrifhid 
bur^ bie ©emeinfd^aft ber ©laubigen bebingt fei. SDeii 
^ejtg ber 6ünbent)ergebung ober $er)o^nung I^abe man 
nur aü dlteb ber religiöfen (Bemeinbe S^rifH in g[o(ge 
ber unme§baren 9Be<bfe(tt>irfung jmifc^en ber eigenen 
Jrei^eit unb bem beftimmeuben (^iiifluB bei ©emeinfd^aft. 

S)er gfCQie äl^iberf)nnub biefer £ebre |ur reforma^ 
torifi^n Kedi^tfertigungSle^re ^at Stitf^l tielfacbe »n« 
feinbungen ^uge^gen. äBci(;renb aUn iyk:oiQgiic^eii ^ti«^« 



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64 



tultgett bai$ perfönliti^e ^etttftelougtfetn nad^ eoangelifd^ev 
£c^rc mitteip ber äöiebergeburt bur<j^ ®cifl unb SBort 
im einjelnen entflel^en laffen, ec(t&tt Stitfd^l, Aber bie 
Steibtfertigung ha eittnetneii Unne metter nic^t^ gelehrt 
iDerben, a[ö bafe ftc in ber ©emeinbe erfolge, inbem im 
m^einm bec (Glaube an (^b^f^ud unb t>a& ^erttouen 
Stt Oott att Sater b^^ordenifen toerbe. Sie hieü ge« 
fd^e^e enljie^e fid^ ebenfo aücr 53cobQ^tuug, mie bie dnU 
iDidlung beiS iubtmbueQen @eifled(ebend überhaupt, ^en 
tieferen Srunb ftnbet $fl. in ber Seugnutig ber (Srb» 
ffinbe, toefl fie ein SBefen beiS SSHIend vor feinen einael^ 
nen ^anblungen toorau^fe^en mürbe, uiib in ber 99eurteis 
lung ber 6anbe aU Unmiffenbeit. S)ie{e begreife {td^ 
mieber au< bem ganzen bogmatifc^en 6^flem, meU^ed 
bie autonome grei^eit tjorauSfegt, fo bafe eg feine 6ünbe 
aU SBiberf))ru(b ber greibeit mit ibrem (Befeb# fonbern 
ttitr Irrtum in ber Sßo^I ber SRittel tbrer Selbfl»ier»>ir& 
lic^ung obtr ber §u begei^renbeu öJütcr geben fonn. 2öenn 
fi(b ferner bie ^^reibeit gegen bie .gemmungen ber äBelt 
nur bebaupten fann mittelfl bed (Staubend an eine bie 
2ßelt für ibre ^wcde orbnenbe göttUd[)c aiiac^l, fo ifl ibr 
grblteiS ^emmni^ bie falft^e ^Beurteilung biefer Wla6)t, 
b. b* ber religibfe Srrtum bed UngUmbeni» unb aRifttrouen» 
gegen Sott. IBon biefem i)at ^rifhid bie ®emeinbe be« 
freit burcb Offenbarung ber @r!enntnid (Sottet aU ber 
£Ube. S)amit befiftt Tie bie 8ie<btfertigung , b. 1^. bie 
ricbtige 6elbft» unb SBertbeurteilung. S)er re^btfertigenbe 
©laube ifl ein auSfdjilie^licb rcligiöfer ©etüufetfeinöpro^ 
3e|^ bie Slnnabme ber ri(btigen Überzeugung oon (&otUi 
gn&bigem SBilen unb 8orfel^ng. Sarum benno^ bie 
religibfe unb fittlid^e ^eite im ^b^iflentum miteinanber 



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}Hfaiiimeii fetett, ^at Ritfciftl itid^t gu emeifen «etmod^t 
Cr fann nur bHbe 0eh:a<!^tungdn)eifen „abiued^feln'' laffen. 

„^a!^ mar iiic^t anbers^ möglich unter Sl^orau^fcjuug 
feined IBegtip bcr Religion aliS einer (hilfreichen ©rgän^ 
fttiid mifetet fftr fU^ felbfl 0efe| itnb feienben 
^^rei^eit. ^er hiermit üoii Dorn^erehi ftatuierte äußerliche 
$Duali«muÄ üon fittlid&er greil^eit unb religiöfer Slbt^äugigj 
(ett |U bem ber fDiialttmue üott gteil^dl ((Beifl) unb 
Statut ba« llbmtat Mtbet, ai^^t feine ^otgen butd^ bad 
ganje Softem l^inbur^ unb ift ini^befonbere ber toa^re 
®nuib t>on KUW« leibenfd^aftlidl^et iBemecfung alet 
teftgtöfen ÜJlt^fH!, beten ftfieiiHlmU^feit eben baiS ifl, 
ba§ uufere Jtei^eit niö^t me^r nebe n, fonbern in unferer 
Slb^ängigfeit, unferer Eingebung an @oU fi((^ üermir!« 

unb boxin AotteH ihaft aum {^eil unil )ttt Ctfal^s 
rung fommt. ©ine Xl^eologie, bie toebet biefer ^od^ften 
d^rifllid^en ^U^^eTfal^rung^ md) ber^iefe ber menfc^lid^en 
Un^eUiKerfa^ttg geteert micb, mag fonfl üiel ®ute9 
^aben, aber einen Zn^pxud) auf Unfe^Ibotfeit nnb SOein« 
l^errfd^aft in ber Äirc^^e bat jie gemig nicbt 

Sie »eite Serbtettung biefet S^eologie ifi bamit 
zugegeben. ViiW f^at niä^t vmt eine lafflxei^e 64nle 
gebilbet, fonbern in ber proteflantif(ben ^Ijeologie eine 
bebeutenbe Ittterarifcbe ^emegung b^^^^^d^^ufen. 3» ber 
64ule felbfl nntetfcbeibel man bereite eine Stedftte (Staf^ 
tan), 3?litte (^errmann) unb Sinfe (33enber). Sia esS 
^fl. felbft nid^t für rätlid^ ^dlt, barauf näber einzugeben, 
IDeit ni)4 ftS^d i>n S^uffe begriffen fei, fo bflrfen awi^ 
toit iin^ mit biefet Unbentung begnügen, ttntet ben 

1) $fL ft. 0. D. @. 241. 8lttf4(, Seben «.f.». tetrb IL 
8litfi(l mit ttt^anafiiii iMsgliibeni 

ti^Omttm^ Ute* ^1. 6 



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©egiieru ^^ebt er ben „tutl^enfc^cu" %xanl unb ben „übe» 
talctt" fiipfiuS IS;ert)or. ßejterer betone bie Übereiiis 
flimmuiig bet t^eotetif^en unb d^tifUid^eii äBeltatifd^atts 
ung tro^ {einer Aant'fd^en @r!enntnidt^eorte. SMe fßtt* 
einigung finbe er in ber ^^erbinbung öon toiifenfc^aftlujj^cr 
unb veligidd « teUologifd^et 8etta^tttii9. Bmif^en im« 
ferem heutigen SBiffeB ison bet Satitt unb (StWi^tt 
einerfeit§ unb bem in ber ©emeinbc überlieferten unb 
und burc^ (i^^U^ung angeeigneten religiöfen Glauben 
anberevfeitiS §tt bemtitteUi^ merbe awä^ fetnetj^i» bie |[ttf* 
gäbe ber ©lauben^le^re fein. (Snbtidf? befpric^t ^fl. nod^ 
reci^t fpmpatl^ifd^ bie ^ogmatif t)on ^afe, ber t)om 
gelDöl^tili<|en SHationalidmud unb Don bet SleßautationiS' 
t^eologie gletd^ toett entfetnt fei Sefonberd toitb fein 
freier ©taubpunft in ber Beurteilung ber fird^li^en 3)ogs 
men gelobt« biefet gtei^eit oon aQem ^Oogmatid« 
rtM, tt>ie fte nut bie gtftnblic^et tDiffenf4afttt(^er, 
b. Ip. l^iftorifc^er 93tlbung fein fann, fte^t Äarl ^afe auf 
einer £inie mit ^id^arb Siot^e unb älleianber 6d^mets 
}et, biefen ed^teßen Setttetetn bed bon ftant, ^etbet 
unb @c^(eierma4^er ausgegangenen neu))roteßantif(^en 
©eifted^' 

1) «. a. O. e. 258. 

(@(^ltt6 folgt.) 



2. 



$tilUi)ii unk kie ^^üi^^^ntmOaU. 

9on 5&omto|HtiiIav Dr. fcnlt in ffugibufg. 

3)er ©rief bes SlpofleU ^autug mit ber 5lbreffe: 
n b i e ^ e i [ i g e n iü^\)iiippi" ift ein mexlvoixxi 
Mged Sd^riftflüd, Kein ^toar feinem Umfanae abei: Ift0<l|^fl 
bebeutfam feinem 3ii(?^^tß 

^ie f(^ön{ien Stilten bed ^erjen^ fommen in i^m 
pxt Cntfoltttiig. Ser Sefet greift jie beoiedg auf unb 
fuc^t fie foaufagen mitfül^lenb in bie Bpxaä^e feine« 
eigenen ^er^end umjubcuten. 

S)e¥ l^i|ion{<l^e ^intecgrunb bed ^Briefe« DerteiU fi^ 
auf ein toettei^unb tet^eft (Bebiet. Slomunb ^^tUppi 
treten in bic ^erjpeftiüe unb eine 2öelt 'oon Erinnerungen 
ft^iegelt fidi in i^c. ^atte bec Slpoftel füi; $^iU))pi mir 
SmpfinbnHgen bet ^teube unb ftberfhrdmenben Sbmted, 
fo mar in Sflom mauci^e^3 ba^u auget^an, tciu ®emüt 
ernf^ unb trübe §u fiimmen. @d gab bort jolc^^e^ bie 
fU^ auf i^en Ci^riflennamen m^l ml |U gute tl^aten^ 
baneben ober ben 9Jiaun „in ben geffeln um ©^rifti toiffen" 
bii^ in bie Cinfamfeit feined ©efüngniiTed mit i^rem 



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SRcibe toerfolgten. ßcutc btcfcr 2lrt flerben ja nie au^. 
$aulu^ üertpanb großmütig biefen ©dornet). (&t eiitf4i&« 
bigte {U^ dnetfeiU mit feinem guteii OetDiffe» ttnb an« 
berfeitt mit ber frol^en 3ut)errt4t, bag bie Ba6)e, für 
bie er litt, nid|^t an feine g^erfon gefnüpft fei. 

SDiefe üome^me Oeftanung^ bie ruhigen Stide« tUt 
aOe pecfdnli(|en Bebftrfniffe ^inmegfte^t, mar M 9^«« 
tu8 ber 9Hebcrfd?lag eineiJ ©ntfagung^mute«, ben unfere 
6prad^e mit ly^elbflentäugening'' bejei^net. biefer 
iBegiel^ung »ar fein Sbeal, bad e( nie oni» bem Xnge 
terlor, bie „Äned^tggeflalt ß^rifli". Sa« er toon 
i(;r in ber berül^mten ©teile $(;iL 2^ 6—11 fagt, erfiärt 
und (inl&nglid^^ mie eis fom, ba| gerobe jte fo beftimmenb 
für fein ganjeiS Selben nmfbe. 

^iefelbe 92u(anu}enbung foQten aber and) bie ^ß^i> 
U)^pn ma^en. a>ie ftenofti» (S^nfli fottte aU ttefin» 
nung ben d^taltevifUf^en 3^ ^^^^ gefamtin fttt» 
liefen S3er^)a(ten^ biiben (^^1. 2, 5). 

^arnacb traute ^auluiS ben^^iUjppetnba* ^ö(^fie 
fittUil^SMIStt* S)a« tonnte et aber fUftevnns auf (Bomb 
Don @r f al^rungen, bie i^n bad 8efle fftt bie 3u!unft 
boffen liegen, ^a, ed meifen Su^brüde mte «^meine 
greube, meine itcont'' iß^iL 4^ 1 auf eine Seegängen« 
^eit ^wcUl, bie il^n fogar au einet Stt l»fttefU<lften 
©tot^e« berecbtigeu mo<bte. 

S)atau« fi^Ueien toit^ bab im ganien meiten ttnu 
fange feineil 9tiffiDn60ebieteg getabe ^Hli«>)){ att 
ber banEbarfte S3oben fid^ ermieä. 

S)ied unb bann ber Umfiaub, baM<K bemfelben 
9^iU))9i bie eigentU<l^e Siege bev nbenb» 
läubijc^eu c^riftlic^en Kultur flanb, gibt biefer 



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W^iWi »Ab bU V^t|»pctgeiiifiiit»c. W 

6tebi bai( Xftfe^e» einet orbs nobilisBiina im befielt 
Sinne be0 Botte». SU fo(#f abev tsetbient fie iiiei« 

feUo^ne baS öotte l^iftorifcl^c Sntereffe. 

tiefem tpol^lbered^tigten 3ntete{|e mbd^te bie folgenbe 
S)a¥Aelbtii0 in bet Seife enttfed^bninien, ba| fie eineffeiti 
bietopo0tapbif<^«n nnb bifiorif(ben8efl^tnifTe bet 
6 1 a b t ^^ilippi einet quenenm&^igen Untetfu(i^ung unter» 
|ie^ wtb ottbecfeia bie bibUf^en SM^tt^n übet bie 
etflen Xnfange ber ^l^tUp^ergemeinbe b§tD. tl^te 
t}etmeintlid^en unMftotifd^en ^igaben auf i^mx ^e\^i^U 
li^^en mm ptiifL 

L WUäUL 

1) ^P^ili^pi (oi (DUm/toi) j. ^^ilibebjif lag in jenem 
Zeile Xl^tacien«, bet {Id^ ittrtf^ ben beiben gUffen 
6(t9«iim (je(t üatafu) unb ÜRefht« 3Re{lo) auiSbel^nt 
unb fp&ter eine macebonifcbe ^ropinj mutbe. 

5D«d X e t ¥ a i n bec 6labt entf yti^ itogcapW4f bim 
CMiete bei f^uifed STngl^fla obet 9an0itei (bei Ingitel 
bei 4>etobot), bet mit feinen 5ßebenf(üifen bie @bene üon 
$^ili)))>i (j. 5Dtamas(^ene) btS^pült 3n)if(|en biefet (^ene 
nnb bem Bftefiitltl^ole {treiben SttiUufet bei ^Itma^t* 
bitgeS ^iu, \Del6)t in gorm eine« 2Binfel8 bi^ ''^l^i: 
a))9i t)otf(lftteben. Stuf bet &u6etften epi^e bei SBinfell 
lag bie Xltopolil, an bie no$ bie maffii^en Onuib« 
ntonettt etinnetn, beten ©tl^altnng tüxx lebigli(b bet Un« 
möglidbfeit ibteiS S^ramSpotteiS üetbanfen^ benn aQe an- 
bem fUene^e bet el^emall (iNj^ngefel^enen 6tttbt ftnb 
mit »enigen Knlnal^men t)im ben ZMen ob SRatetial 
3u D^eubauten fortgefd^leppt teotben. 3m 3o^te 1550 
iianben no^ Slm))I^U^atet unb bet Xempel bei Di- 



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YU8 Claudius, ein SunberBau ^eUenifc^er Rnn^t, wie \m 
hm 9leife6ei:i4t hei gran^ofeti iBeton ^) entnel^meiu 

S)en Xb^ano bc^ 5temlid{^ ^o^en unh fleibn ^ügeU, 
ben bie Slfropoli^ frönte, bebedtc uon ber ^ext an, m 
bie iß^Uippet ft4 über il^ce Slfto))olid j^inaudloagen burften, 
bie eißentlitle 6tabt unb sioat betrug SlSd^enrattm^ 
fofent bie tor^anbenen 9^uinen einen ©itiiationSplan er« 
mögtid^en, etwa 1200 ^eter in ber i^äage (ooii 9lorb na^ 
6ilb) itnb 800 mttt in ber Breite. 

!na(^ unb mäf ertpeiterte bie 9[fTOt)o(ii$ §u 
einer bebeutenben geftung, njoju fieum fo geeignetet 
ttar, aU {te einerfeiti^ bie berill^mte Tia Elgnatia, meU^e 
IDrient unb Occibent Derbanb/ unb anberfeitiS einen 
©ngpafj hd)ax\d)\e , meldtet ben einjigen Äu^toeg jum 
&gäi)(i!)en Mm oermUteUe. 

S)ie TiaEgnatia toat eine fog. m regia ober militaria 
(Livius XXXIX, 27) cjiufl pdu ben beiben ©täbten 
Dyrrachium (j. Durrazo) unb Apollonia am abriati« 

fd^en 9Reere au» unb fft^e über StC^rien, SD^acebonien 

unb bad fübtid^e %\)xacxtn bireft sunt ^eUefpont unb 
mar fo bie regelmäßige ^erfe^r^linie ^tvid^en bem ab- 
riatif^en unb {d^UNiraen SReere. 8lont unb (£onfkntino)>el 
begegneten fi<i^ fpäter auf biefer 6trage. 3n ber 3eit 
unmittelbar t)or unb uac^ (^^riftuiä mürbe fie berühmt 

1) Les observaUons de plusieurs siogalantez et choees 
memorables, trouv^es en Orhce^ Aste, Indee, EgypU , Arabie 
et antres pays estrangea, redigäes en trois liures par Pierre 
Bekm du Mans. Hevueuz de nooveau et augmentez de figa- 
res. A Paria, chex Qaillaume Cavellat 1555, Carolw Clusius 
Atrehas e Gullicis Latinas faciebat et denoo recensebat. £x 
officina PlantiniaDa Rapbelingii 1605. 

2) »Ol. Cellariaa Qeogr. Antiq. Ub. II c 13. 



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$^UM>pi unb hit $^ili|){)ergemeinbc. 71 



burd^ bie ^eerciSjiige eine« Säfor unb ^ompeju« 
(GaeBur de b. cd« 11), eined Satntoniui» unb Oha» 
viamiil, eines Srutitd unb CaffiuS (Appianns 

B. C. IV, 102 s. 106), eine^ Xibexin^ (Sueix)n. Tiber. 
cl4). Q^ätii treffen »ie bort Sonfi antin b.9* auf 
feinem 3uge gegen Sicinini» im 3. 822 (Zosimna 2, 22), 

feiner ben befannten ^^itgcr t)on SBurbigal (Vetera 
Romanorum itineraria ed. Wesseling p. 537), bann 

^(feobof lud ben 0r. (im 3. 392 ober ddS), ben S^ejls 

gotl^enfönig X^eoboridj^ (479) unb eine 9lei^e bpian« 
tinif(i er Äaif er *). 

Sefdftrieben unb jum Seil au^ bereiß tourbe biefe 
6tra|e toieber^olt befonbers bon f^ranaofen CngUnbem 
unb 5Deuttd&en, »ir nennen nur: Belon, (1414 — 1422), 
Paul Lucas (1705 unb 1714)') Felix Beai^our ') Ck>u- 
ain^^) Poaquevilie*), Gosselin*) bann bie CttdUnber 
Chaüdler'), Clarke^) unb Leake*), Uttb bie 5Deutfd^en 



1) %a\t\, De via militari Romanorum Egnatia Disaertaiio 
geographica. Tubingae. Lanpp 1842 p. VI aq. 

2) Voyage du Sieur Paul Lucas, fait par ordre du roi 
dans la Turquie, TAsie Mioeare, la Mao^oine. Vol. I. p. 40—48 
Amsterdam 1720. 

3) Voyage militaire dana Tempire Othoman« Parii 1829 
Vol. I p. 213 sqq. 

4) Voyage dans la MacÄioine Vol. I p. 106 sqq. 

5) Voyage de la Gr^e par F. C. H. Pouquevillo, consul- 
g^D^ral de France auprte d'AU Paaha de Janina, 4. ed. Pari« 
1826. III, 39 sq. 

6) Geographie analjt. de Grecs par Gosselin p. 20 n. 4 ; 86. 

7) Travels in Greeoe. Oxford 1776. 

8) Travels in varicoa cooniriee of Eoropei Asia and Africa 
ed. 4. Vol. VIII p. 2 sqq. 

0) TraveU in Northern Qreece Vol. III» 279 folL 



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72 



UrfpröngUd^ foO fid^ bie via Egnatia nur hii 
Cypsela (i. Spfa^a Dbet 6^p{Uai) etu>a 70 xdm. fOUÜm 
oberl^alb bei» gluffed $e(ttt« evfiteA ^abei imb ett 
t)on ßonflantin bem ®r. big 6d n u an ttnopcl 
mlllngett kpotbes {ein. Sltibete a^nun für biefe SUA* 
be^nung eine frill^mSeit aiu QU XbeH«lo»{4 ftaig 
fle fc^ou ju Bciten be^ ^ol^btn« (XXXIV, 12, 8 ed. 
Paris, p. 118) unb mx biiS Cypsela jjebenfalld f^on oot 
bem Q/äHaUtt iSiutia <«f. or. de pronaoüs eonankritai 
cap. 2) tooDenbet. 

3^re Sänge toirb t>on ©trabo *) auf ö3ö M. P. ober 
4280 etabien beregnet, Md 107 bewtfd^ äRette» 
entfpffid^. 

gür un§ ^at blefe 6ra6e ein gan§ befonbere« 3«* 
terejfe bed^alb, meil {te mtebecl^oU f<bott beim etfktt iiif« 
bUben be« CDaBgeliumg auf tuv^pU^^ Oo^k ^ 
3Jliffion8tt)eg biente. S)cr 1^1. ^auluS begieug fie öfter«, 
fo im Saläre 53, bann im 3. 57, ferner im 3- 58 unb 
t^iettei^t fpdter nod^ einmal (^l ilct. 16, 12; 20, 1—6). 
6einen S^ten folgten 8uta9 (Set. 16, 12. 19. 40; 
20, 6), ©iU« (3lct. 16, 19 f. f.) ^imotbeu« (16, 
3,12; 19,22; 20,3— 4) (Srafiud' d^papb^obitui», 
%itu& (t>Ql. 2. Jlov. 2, 18; 7, 6; 12, 18) unb anbete. — 

5Dtefe altberübmte unb fiaxt frequentierte ©trage fanb 



1) «eifc in ben Oden» in ben darren 1887 u. 1888. 
liftteii. 9tobc 1840. 6. 19a 217. 

2) Tarcograedo. Banlm 1&79. Fol 
8) TtM 1. c 

4) Strabo YIl, 7. p. 888 iq. 887. ed.KranMr U p.59. 87* 
ef, QoMelia 1. 0. p. 86. 



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in ber geHtgdteid^en ^egenb einen einzigen ^u&toe^ im 
(Siif |^a| D0»9l^ili)>ll>i 5Dief ev (iii0ya| bitoete eiseii 
Mttfil^Rltt 5t::i]c^eii ^em ftangegebirge , fflb&efllid^ t>Ott 
$^ilippi unb ben fd|^on ermähnten 9(udldufern bei^ ^ämud 
unb geflattete in einem Xnfteie 3-400 SKeteY ftbev 
baS ftfenoaiite 69mBoIon*) ben Sttttitl gum dgftif<j|^ett 
HReere unb bie gortjegung ber via Egnatia übet Sleo^ 
polii ') Haüala) nad^ bem inneren ^cacien. 

Sttf biefe 8Beif e loat $Hi^i)>1»i ber SRiUel^uttlt 
üon üier grofeen Sßerfel^rgabern. S)ie eine lief, toietoir 
eben fa^en, üon 6üben, t)om ögäifct^en Speere aui, ^mei 
lames mttteU bex via Egnatia tom Ofien iwb SBeflei^ 
mbottben alf e Orient imb Ocdbent uMb bof u (am ndif eise 
toon 9lorben ^>er. 2öie nämlid^ bie Qtinerarien aufmeifen, 
unter^teb eine uralte ^trafae bie SetbiKbung |»)t(4^it 
einem Anfterß frud||tiaren Z^ate^ bem etnH bie Stobt 
£)iama") il^re S3ebeutung tocrbantte, uub ^ß^^ilip^i. 

60 mitten in einen gcu^altigen ^erfe^riSfirom ^tn- 
ein^eH^ unb gefd^bur^ bie Dortett^fte^£a(|e itBtHb^ 
mA<^tigen ^ergmaffen, fonnte ^^ilippi fein @efd^dt ru§ig 
bem£aufeber3^it^HüberIa[fen unb bied umfo nui^x, aU 
au4^ eine {e^r fru^tbore Umgebung bie audreid^nben 
SRÜtel aum Seben bot. 

2) Sn unmittelbarer ^ä^e ber 6tabt mi ber ^oben 

1) liifißokov yoQ tb xatf^iov dvofiOjCftvci , xad' 8 ^goq 
ixilvo kxi(^ Ttvl ig fifodytutv avaxdvovxi av^ßakku' xai sazi 
ptera^v Niaq IloXetoQ xai rCov ^iXinnutv. Dio Caagius H. U. 
XLVII, 35. i8gl Revue Arche'ol. 1860, II, 49 m i^errot bie 
^ö^e bcd 69mboluuig in bet oben bci^cidjnetcn SBcijc beftimmt. 

2) Misaion Archäologique de Mac^oino parXi^on ücazejf 
et H. Daumet. Paris 1876 p. 12. 



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außerorbenrtid^ ergiebig unb hux6) eine UeberfilUe non 
mi^ex unb tteffUd^e Itaualiftetuttd ^) füx jebe ältt &ant>* 
bau tttbat gemad^t. Sefonbeti» gebiet ber SDetjen« unb 
Xabafbau*) trefflid^, auc^? bie SBaumtPolle toarf 
einen bcbeutenben ©eminn ab. 

Sbod^ ben meiflen Stei^tum fdftdipfte W^^P^ 
feinen ®otb« unb Silbetmtnen. 6ie befanben ftd^ 
nur 1 Vs km norbttiärt«, bort m jc^t baS Si)orf 91 a f t a 
liegt unb biegen im älltertum bie SR i n e n tt o n S f |^ l a *). 
3l^r (Ertrag mar fo tdibb^Mg, bog bie S^afier, meiere 
juerfl in ben Seriß berfelbeii gefommen waren, au§ einer 
SRine attein, ber f.g. Sfapta^i^^U, mebr gewannen old 
aus f Amtltd^en Sergtoerf en tbm SnfeL 9lo4 beffet t>et« 
flaub auf^ ©olbgrabeii ^l^iüpp oon DJiaccbonien, 
bem bieielben ^inen um baiS ^e^n^aö)c me^r aU ben 
Zl^aftertt einttugen. SBäl^tenb nftmU(b biefe einen iAb^* 
li(^en ©eminn von 80 Talenten erhielten, flieg berfelbe 
unter ^^ilippuä auf me^r aU 1000 Talente, ©o »e« 
nigjitend berietet 2)tobor loon 6iciUen S(u4^ in f)>äteren 
Sal^rl^nnbevten fd^einen bie Ootbquellen rei^Iic^ gefloffen 
in fein, beim im Qal^re 587 a. u. c. brachte SlemiliuiJ 
^ßaului^ {o groge 6d^&|e aud Sl^tacebonien , bag ed bed 
SCributumd bid auf »ettered ni^t mel^r bebutfte 

1) dlad) J^eop^raft (arrm yvT*;ed V, 14 ed. Schneider 
T. I p. 575) oerftanben fic^ bie macebontf(^en ftotoniften auf 
ein fo ooraüglic^eg (^ntmäfjerungdjQftem , ba^ fie in tiefet ^du 
}tel)ung ba^nbrec^enb für bie l^onbroirtfc^aft »utben. 

2) R^vue Arch^ologique 1. c. p. 50. 

3) Appianus B. 0. IV. 106 ed. Paris p. 499. 

4) Bißhod-^XT} XVI. 8 ed. Parisiis 1844 T. II p. 72. 

5) Plutarcb Aemil. Paul. c. 38 ed. Monaobü 1841 T. III 
p. 93. Plinius H.N.SS, 17: a quo tempoie popnlne BonttBoa 
pendere deiiit. 



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6elb|i0etfUiib(i4 m ben metften fßoxUü a\a biefeti 
eolbgcttben fetbfl. Seiten t)erbantte ed feinen 

20o^lftanb unb ben 9^uf einer lüenn au6) nic^t gro&en 
fo bo4 i^önen 6tabt, {(^ön nü^t blog »egen feinet natüC' 
lii^en Sage^ fonbetn <md^ loegen ber i>ielen b^vtli^en 
Sauten, auf beten 9^uinen 3ci()t^unberte lang ein 
Schimmer be$ alten ©tanjed tu^te. 

%b€t no^ ein anbereS unb ixoat gerabe bad »evt» 
DoDfte etütf ber (Sefd^ic^te fnüpft Ttd^ an bie 

SDlinen oon 2lfvla. SBon i^nen leitet ed namtic^ (einen 
eigentliil^ett Urf^runft b^. 

8) «ffeSta^ri^tenflbetbieSntflel^und ^^tltppi'« 
femien nur eine Xrabition, bafe eS ibentifd^ fei 
mit bem früheren Arenibed. 2)iefed ihcenibed b<^te 
feinen SHamen bon ben §ab(tei4ett Ouelen (nQtpflSeg) 
feiner Umgebung unb mar eine t^iafifc^e Kolonie, bie ficö 
3um 6(t)u6e mie jur ^uiSbeutung ber na^en ^ergkoerte 
bott angeßebelt b^tte 

(Sine ^ifferenj jeigt Txä) bei biefen 5flad^rt(i^ten nur 
infofern al^ bie einen 3h)if^en bie betben^^amcn^re nibed 
unb $biH))pi no^ einen bdtten Flamen i)a ton ein^ 
fibieben % n)ä^renb Ctrabo biefeiS S)aton an ben Siiras 
Strjmouicus bftlid^ von (^dalcibtce verlegt alfo barun^ 



1) Ephonu «t Fbilochorw »p. Harpocration. a. ▼« 4at6Q 
ed. BeklMT Berol. 1888 p. 52 Artomidor ap. Stophaii. Byi. t. 
f. ^iXinmn Oiodor SlouU XVI, 8 ed. Paris. 1844 T. II p. 
Appianns B. C. IV, 105 ed. Pari«. 400 Strabo YII, fragn. 41 
cd. Kianer II, 86. 

2) AppiaiHit 1. 0.: (A dl Minwoc fMitg iatl», f 

8) Strabo TU frtgm. 88 ed. Knuner II p. 88: ä&iov, 
8iKf f jme2 i^htipf l^ei x&ftc» MtA eüEmr^svoi^ sml vmnJjyat ittA 



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76 



bettle, 



ter einen ganj anbern Ort oerftel^en fd^etnt. Snbed 
gleU^t bief e 5Dtffevni§ lei^t ata, f otelb mcm fU^ 6trato'il 
9tot^ etivail ttft^et anfielt. SCii ber eiven 6teSe (fragm. 
33) »irb n&mltd^ von 2)atou gefagt, e« fei ein trefflid^e« 
imb fnujfttbated OeUet, ^obe ^iffMevfieii unb (Bolb- 
gntben itnb an hn «Kbere« 6tete (fragm. 36) toetben 
neben ben fruchtbaren ©efttben {€i>xaQna nedia) unb ben 
eiittt&gUd^en ©olt)gtuben {xQvaeia limtßlfj) <m6) nod^ 
ein 6ee unb gUffe emd^iit, mU^e Soton befite (i^ov). 
5^aiS alled pagt offenbar ntd^t auf eine einzelne 6 1 a b t, 
fonbern auf einen ganjen SDiftrift unb biefer S)iftnJt 
bel^e fuift oom ^nsStryiBOiiieiM 6id $tt bm Ootbgrubeit 
$^iltppi'9 oitd >). Bei biefet Stnnal^me erfUhrt eiB rt(i^, mk 
Strobo SReapoli^, baS am flrpmonifd^en 2lleerbufeii 
100, (te ifBtM bev S)aUiter'' {Jmptw aoii») nennett 
(tegm. 86) unb »ie man anbetfeit^ SDoton mit Attnibe« 
ibenttfi^ieren fonnte. ^renibed folgte nämlid^, aU eS 

XQVcov ßttdXXa oi> xffJ na^oiftla däxov dya&wv, wg xal 

ilya^v aya^iöfi;. Fragm. 36 1. c. p. 84: . . . Adxov, e^^agna 
TtfSia xal XlftVTjv xai noTa/novc xrä vnvn^yia xal XQvasia XvoiTfkflp 
tX^v, d(p^ ov xal naQOi^ioQovzai ääxov aya^^Cov, cbg xal kyaSibv 
cLya&iöag. Die bcibeii ^^ragniente entitommeu ^mei an SBert |c§t 
oerfc^iebenen :£)Qnbfc^riftcn, baS crfte ber ipeibelberger .^nnbfdjrtft, 
»on Stromer fur/^meg Epitome bcjeic^net, unb baS jmeite ber 
Catifonijc^en ^anbi'c^rift ober Cod. E. Über bic Ic^tere .^onb« 
^rift urteilt Äcomer je^r günftiö: non tantnm mnlto plura 
servasse, sed etinm rarissime a Strabonis verbia receesisde . . 
bagegen ift bic anbete ^anbic^tift tnclfoc^ entftelU, fptai^licl) toie 
fai^lic^. 

1) (£inc wichtige SöelegfteHe für bie ^){id]tu-|feit biejer Stuf* 
foffung finbet fic^ bei q rpocra ti on, n)o i.v.Jatög ^i&t; 

oTt fxkv x6 Mxov o^öexi^q kfywte^t M 4h xijv Jixw Bif 



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$6ilt|)|>i unb bie ^^ilippetgemeinbe. 



77 



3ur 6tabt getDorben (um bod 3al^r 360 t?. (5^.) einem 
lüraiten i^cau^e unl) äiibetU {einen ^ilameu ia ben beiS 
2)ifl(i!te9 um. 6i>I4e Stomend&ntoiiiideit famin un^^ 

tige 3Kale oor. SJJitunter führten ©täbte fogar ju gleitet 
3eit ))erf4iebene 9^amen, n;ie mic bo^ aud äMnien unb 

Slnbei» führte S)atam fetoen nfiien Steinen nur toenige 

Qa^re. 3m 3a^re 358 begab ^xd) freiroiHig in ben 
eöfui mft€eboni|<^n i^nigd $^iU)>)>tt«*) unb 
Mefe« «cfonntt fofoct IMe l^ol^f n fhategtf^^en S^orjüge tnt]tc 
Biaht. ®r mad)ic fie jur ^auptfeflung feinem» iianbe« 
unb fultioierte augleict^ i^u Umgebung gut blü^enb|ten 
ßanbfd^ft. lüftet btm geflattete et i(x ofie ^tpittUegien 
einer freien ©tabt. EU {olc^e l^atte fte i^re eigene Obrig» 
feit unb führte i^re befonberen 3Jiünjen*). ©nblic^ er* 
l^ob tt fie tto^ fur Xtägem fetneil Stomeni», aud S)aU>n 
nmfbe $^ilippi 

Sange geit »ar ?5^>ilippi auf ein befc^rdnfted @e= 
biet ottgetDiefen^ nii^ gtbfter aU bie l^ägelgcuppe, auf 
bes fU( bfe 9^fhing9n)ef{e ouftbelftnlen Sn^er ecf^ettit 

1) 9(10 (Biänber bei 8tabt roirb her berühmte at^entenfifc^e 
SJ^etor ßatliftratuS genannt (Scylax, Periplua 67 ed. Möller 
p. 54) bet als ^Scrbonntet bei ben ^ ^ofiern 3"Puf^t gejuckt i)attt 
(I»ocrate9, De pac. § 24 ed. Didot p. 104). i^Ql. and) Zenobiiu 
IV, 34; Geograph! Graeci minores ed. Müller I p. 43, 

2) Journftl of Hellenic Studiee 1883 pp. 372. 397. 

3) Diodor Sicul. 1. c. 9ia(^ )Sctemiboc (ap. Steph. ßyz. 
s. T. 4»lhn7ioi) waren eS bie fortgelegten t^racijc^en Einfalle, 
icelc^e bie 8d)u^t)ei'i;i(^a|t M niacebonijc^en ^önigd nottoenbig 
machten. Toiq 6^ KQrjvixai<;, tcoIe fiovfiivoii V7s6 ß^axibv, 
ßotfBi^ai 6 4*iXi7cnog, ^L^nnovq cavdfiaaev. 

4) Sgl. CotiawUry, Voyage dane la Mac^doine Vol. I p. 38. 

5) Afs^iams, B. C. IV, 105 ecL Pariüis 1840 p. "Eaxt, 



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78 



fte Bei 6tvaBo oU noUxvrj, uaromla fonga (1. VII, 
fragm. 41)^ iebod^ mit bem 3^1^^^ V^S^^^^ t*^^ 

Sit bet ZIM toar ba« 3a^t 42, too bie rftmlMe 

Slepublif auf ben gelbem ^J^^ilippi'a il?r ©rab fanb, für 
bte tDeitece (^nttDidlung unferer @tabt Don eminenter 
Sebeutung. 8oit jener 3^ ^ ermeiterte fui^ bie 
6tabt übet bie Slfropolt« gegen bie (Sbene ^erob 
unb tüurbe bie SBetölferung burd^ romifd^e Äoloniften 
Derme^rt, »eUfte Slugufhid nadt^ $l^ilt)>pi gelanbt l^atte 
2)abutd|^ erl^ielt bie 6tabt ben C^atraltet einet 1 6 m i f d( e n 
Äolonie. SSon an tüar i^r offizieller Xitel: Colo- 
nia Angnsta Julia Victrix Philippenmam % 

Xtt tOmifd^e ftobnie lam 9(Ut))pi in ben 8ertt 
jener trettüolleu Privilegien, bie man gemeinl^in unter 
bem 53egrif{ jus italicum jufammenfafet. ^arnac^^ hxh 
bete $^ili^)>i einen SefianbteU bet tömtf d^en (Semeinbe, 
war infolge beffen fieuerfrci unb im »ollen öefi|e t)on 
®runb unb 33oben. 3eber ^l^ilipper Bürger war civis 
BomaniiB, befanb fid^ fomit im unmittelbaren ^VL%t 
beiS (SAfaren unb bet ^0Din|iaI|latt(aUet (atte il^m ge> 
genüber nur bie ^.>olImad^ten eine« legatus Caesaris, mufete 
ei$ fid^ barum gefallen laffen, bag in mid^tigeren kriminal« 
f&Sen gegen feine 3tttidbiltion0alte ))om jus appellationia 
ad Cae^arem ®ebrau4) gemacht Würbe SBir kocrben 

1) IMo Gmui» LI, 4 ed. Hamburg! 1750 T. I p. 635. 

2) Bokhel , Doetriaa anmorum veternm II p. 76. 135. 
MioDBttt, Deieriptioii te utfidUe« antiques grecques et ro- 
iUEinei.1, 486 OrelK, lotcript. Gat sei. coli. Tnrici 1828 no. 512. 

8) iSgl. iBrtni, 3um iOegriff unb SBefen bet r5m. '43coDin5, 



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unb bie ^^Ui^^ergemeinbe. 79 



feigen, tt)ie Dcrtraut ber ^I. ^auluö mit biefen Sftcd^t^; 
»etl^&ltiiiffeii war unb toic etfolgreidj) er fxe gerabe bei 
feinet erftev itomfenl^eit in ^l^ilippi au feinen Onnilen 
auggeiiü^t ^at. SJ^it $Rücffid?t auf biefen SSorrong ^ai 
Xoo\)l auä^ ber 3^erfaffer ber Slpoftetgefd^id^te bei ber erft- 
moligen «Ytt)6l^nuno ^^Hippi'ü (SCct. 16, 12) ben poli^ 
t i { e n 9lang btefet 6tabt ab einer noLmUt 
lid^ ^er)}orge^obeii : ia%Lv ni^nkr^ fißQiöos Ma- 

eine gfcfti^ebe in ber t Slfübcmie ber SBijfcnfdjaftcn. SRünc^cn 
1885 S. 10 ff. 4>on»Deg, ?Röni. ©iDilproiCß 33b. 2 @. 33—84 
12 u. 13. S. 78 a. 56. iBe(tcc«aRacquacbt, mm, mttt- 
tümcr III, 261 ff. 

1) 5)ie TtQcorri ndXtq ^Qt mit bicjcm iRange nichts jc^affcn, 
fonbern bejie^t jic^ auf bie geogcap^tfc^e Sage. $^t(t|)pi 
war nie eine ^)aupt[tQbt im politijc^en Sinne. 2)ic ^auptftabt 
ber ^rooin^ mar i^cffatonicf) unb bie beg lö c j i r f e 3 Äm- 
p^ipoli« (Leake III p. p. 214, 483) mit 7i()WTtj nöhq ift bie 
erfte macebonifc^e Stabt gemeint, toelc^e ^aulud betreten ^atte. 

SWan fann nic^t fogen, baß nadj biefer 55cutung bic ^poftcl- 
gef(^i(^te eine Unrit^tißft'it enthalte, inbem ber ^autuS nac^ 
«ct. 16,11 tjor ^Ijilippi 9?eQpoliS be|u(^t I)Qbe, benn bicjer Drt, 
nad) Scylax Caryandensia (ed. Mü Her p. 54) eine 1 1) r a c i j d) e Stabt, 
lag noc^ i&trabo^d 3^<ten auger^alb be£$ mace bonijdjen 
©ebicte*. Hlö 6übgren,^e ?)?acebonienö gibt ©trobo nic^t bad 
ägöifc^e 372eer fonbern bie via Egnatia an (Strabo VII, fragm. 
10 ed. Kramer II, 75), roeldje etwa 3 Stunben nörbtic^ oon 
9?eQpotiö über '^rauifta (^ro^ufla) parallel ber ^üftc nac^ bem 
heutigen jDrfan unb Don bort nac^ yimp^ipoliö unb X^effalonic^ 
gieng (t)gl. ßeaujour, Voyage militaire dans Tempire Ottoman. 
Parle 1829 Vol. I p. 213 aq. Tafel 1. c. p. 12). SBcnn 9lea« 
polid in ben ^^inerarien atS Station ber Via Egnatia aufgeführt 
ift, fo ^at bieg feinen ®runb in ber plö^Iidjen Sdjipenfunq, roclc^e 
bic Strafe bei ^raoifta nac^ Sübcn mac^t unb 9?cnpoIig be» 
rü^rt. 2)a| Strabo biefen ieil ber Strafe bei feiner QJrenj» 
bfflimmung nic^t me^r gemeint ^aben fonnte, liegt auf ber ."panb. 

%Vi^ im Martyrium S. Ignatii o. Y, 2. ed. Funk, Oper« 



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80 



€ot)iel üUt bie 2a%t mh SÜt^i 9eVbUI^ bei 

4) ^^^ilippi mar, wie mir fatien, fd^on naö) feiner IJift 0* 
rtfc^spoUtifd^en ©eile eine ©tabt toon nic^t gmö^n* 
Uc^ IdebeutuKg. SteU^d Id^t fid^ au^ in »eyu« auf 
bie tutturelle 6eite fagen. ^^ilippi \)atte ben 9hif 
einet auf bet $ö^e menf(i^Ud6er ©ilbung jlte^jenben ©tabt. 
S)afär ^btn oir baft )>ofttiDe geugnti» bei» Si^etot ^t^ 
meriud, etneB S^^^no^en be0 Haffetft Sultan, bet 
in einer feiner SÄeben ^^iüppi aU Äulturfldtte erflen 
Sanged pmi^ unb befonberi» bie attif^K Siein^tt feiner 

6pra4e ^erbor^ob, bie ftaHiftratu« ')/ f<^on 

enüä^nte '43egrünber tjon 3)atou unb fie^rer beö ^Des 
moji^ened ber (^oc^gebilbeten ©tabt aU ein i^m koiip 
Uge9 Cvbe l^intetlaffen (abe*). 

93ei bcm engen 3itfai«"^eK^flng öon j^ultur unb 
Aultud, n)ie er im älltertume befianb, bürfen mir ^um 
Dof^in annel^men, ba| awlft bie religibfen demente 
in $^tlippt befonbere pflege unb 9ta!^tnnQ empfingen. 
3n ber Xf^at \od\ta mit älnjeic^en barauf l^in^ bag 
9^ili)ipi axuäf in veligiöfei: $ittft<bt aU Sentralipunet galt 
0btter febet Station (atten ndmNd^ bort t^r $eim, fo 
ber aitp^rvgif^e ®ott Wilcn, bie t^racifd^e (^oU^eit ^en-- 
bid, bie oftotifilfte Xrtemi»^ ber griecbif^^Oa^uil, 
bann bietbmif(i^en Sott^eiten !3u^iter, Siana, WtU 
nerüa, SSefio. ^ejonbere ^ere^rung genog ber (Sott 

P.P. Apoftotomm I (1881) p. 260 »ifb flea«»oHi «nfbeflAi^ oO 
aiitetmft.cebontf<te6ftttbt oufgrfflttt: iX^to^(fOi)nQ<Htiaxe 

i^tXtffftmp nmg^dtvtp Mamwdowlav n»t*L 
1) «gl. 6. 77 Rot 1. 

^ OmtSo VI, n od. WeniOorf p. 496. 800. 



Digilized by 



unb bie $^ili^)}ergemeinbe. 



81 



©ilüanuiS, ba in feinem 5)ienfie bie meiften ^rieftet 
fianbcn. 9lud^ laffen aa^lreic^e 55otit)|leiue^ bereu ^u^ 
fdl^riften um Xeil no^ Uferlic)^ {inb, oevmuten, ba| 
^l^ilippi ate ane «rt a^aOfal^rttOTt galt 

@ben biefe SSebeutuuc; einer religiöfen (5eutral)uiltc 
mo^U ne^en anberen günfttgeu ^orbebinguagen, bie in 
bet Sage unb ))0lttif4en SteQttiig ber 6tabt, la%tn, htm 
Slpoftel ^UiuUu^ 'i>I;iiippi aU ein bcloubcriä millfornmene^ 
^rbtit^felb erj^eineu laffen, ba er mit Vorliebe fold^e 
SHifftoiidliatioiieii axAqttoä^U ^atte, m i^m bad 4^eibeit« 
tum am unmittelbarflen unb t7ern)egenften entgegentrat. 
S)a6 er fid^ in feinen ©rmartungen nid^t täufd^te, jeigt 
bie (int^j^ungdgefc^tdl^te bet ))^tti)>yi((l^eii Oemeinbe 
unb boi^ qawi befonbete S^erl^ättnifS ^ in meU^em biefe 
Semeinbe ^um ^poftel ftanb. 

II. 9ic |!l|ütf|iecgmeinbe* 

S)er \)[. ^Ipüfict ^auluö ^attc, lüie uw^ bie :;]lpo|tcl- 
gefd^id^te (5lct. 16, 9 f. f.) crjä^U, auf feiner jmeiteu 
Sl^if f iondteif e^ et Dom nörblui^en ^^r^gien ^er 
na<l^ %toa9 gefmnmen mctx, eine fSifion empfangen, in 
ber ein ^^acebonier i^n hat, in fein ^anb ^u fommen 
unb bovt bad (^angelium su )>rebigen. d^i^ gefiiiHk^ biei» 
im grü^a^re 51 Vaulud folgte fofort biefem Stufe 
unb fegelte in '-öegleituncj bcc> 3i[a^, ^imot^eu^ unb 
Sulad m Xroai& au 6amot^race k^orüber na^ ^ieopolid 
unb ging t>on bovt |u ber via Egnatia entlang 
nac^ ^^ilippi. iiUe QuberiDärtÄ fo galt auc^ l;ier fein 
$efu(^ auuäd^ft ben 3uben. ^ber in ^^ilippi befanb 
{14^ feine 6|^nagoge, fonbetn nur ein Set^aud, eine f. g. 

1) MUsion Arch^logiqae p. 75. 85. 
«Icrt. OMCtalf«^ 1869. ^cfu I. 6 



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82 



^rofeu(i^c {nQoaevx/j Act. 16, 13), loeld&c «rif JW(ffid&t 
auf bie gefegUd^en SOBofd^ungen am Ufer eine^ ^lü^d^en^ 
Ui%, ha» ben tmtmn 6tabtteU befpübe^). 

5Dort^{ii mtn (enfte bet Spoflel am etflen Sabbate na(b 
feiner Slnfiinft feine ©d^ritte. ^oc^ fa^i er fidb in feiner ßr- 
martung infofetn get&u{(i^t, aU et im 8etl^au{e nur grauen 
antraf- Sßad bie atAnner babon ab^elt, Rd^ <ui ber bffent> 
lid^en SSerfammlung gu beteiligen, ifi unfd^mcr gu crra^ 
ten. ^l^ilippi l^errf(^tc nämlid^ bagumal gmif^en 
ben tömifd^en unb jübifd^en IBemo^nem bet @tabt ein 
Mntlitotqü freunbliii^ei^ (Sinoeniel^men, bied jeigte ft^ 
beutlid^ an ber Erbitterung, bie unter ber römif^en 53e: 
Döttetning entftonb, aU fid^ bie Jtunbe t9on ber älntunft 
jubifd^cr ^rembliniie in ber Stabt verbreitete. SRan batte 
$aulu^ unb [eine ©cfä^rten pm jübifc^cn SBetl^aufc gc^^en 
fe^en^ man ^atte bie eine ober anbere mi^oerfianbene 
Se^re ab jjftbifdl^e £el^ aufgefangen, biee genfigte, 
um fie aU jübifd^e ©inbringlingc bei ber römtfd^en ©ürgcr» 
fc^aft ju toerbäd^tigctt (9lct- 16, 20—21 unb einen förm= 
Ud^en IBolbauftauf gegen fle in ^ene §u fe^en. S)iei» 
ifi nur Derflftnbltd^, menn man annimmt, bag iunut ein 
tiefer 3^i^fpö^t jtDifdj^en 3"ben unb Sflömern ^errfd^te. 
(Iben biefer 3u>i^fpalt legte aber ben ^uben in Eudiibung 
i^er religiöf en ^iü^ttn bie grbftte Sorfid^t auf. Srl^gere 
gufammenfünfte ber 3uben, fotoeit fic^ fol(^e aux> bcm 
männlidl^en ^Ue berfelben bilbeten, mürben t>on ben 



1) S)lffciSlfl6(|en tonn beeOangUe» ni^t fein, toit Bigl^t- 
foot (St Paul*! epiitte to ibe PhilippiMit. London 1986 
p. 52 n. 4) oennntct, ba biefes S(u| loeit loctiiib t»ott ber 
$tQbt lief (Dgt. ben 6itnationi|iIan in MWon Anhtelogiquo 
de Hnoödoine). 



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^^ilippi unb bie ^^ilippetgemeinbe. 



83 



9lömern überhaupt nie gerne Qcfel^en, an bcr ^-^erfamms 
lung i&bifd^er grauen nahmen fie mentger ^nftog. ^agu 
tarn no^, ba§ foeben hux^ (Haubiiii» ein faifetli^eiS 
(gbift öcröffenllictt toorben toax, meiere« ben Quben ba« 
SSerfammlunQdced^t (elbß religiiifen j^medm t>oüfiän^ 
big eittjog^). 

eomit entl^ölt Me SHad^rid^t, bag ^ulu« bei feinem 
crften 5Bortrage in ber jübifc^cn $rofeu(^e nur grauen ^u 
^tt^öcennnen ij^oUe (SUt. 16^ 13) ni^td Umaf^x\d^mü^ii. 

nntet biefen ^touen roax nur efaie^ bie bev neuen 
fie^re fofort beitrat, ©ie bic6 £ 9 b i a unb loat eine reid^e 
^urpur^änblcrtn au^ ^^patita. 

5Da bie 64vift fie eine ^fiBßofäni %w nennt 
(«ct. 16, 14), ber Ublif^e 9lame für ^rofel^ten bed 
^^oreiS, fo nimmt man allgemein an, bag £pbia, 
tetne etgentlid^e 2[übin, {onbetn ^rofel^tin gemefen fei. 
5Die Xufci<j^tigfeit i^rer Qefe^mng ben>A(Yte ftcb gläu^enb; 
einmal, iueil fie in uneigennü^igfter 2öeife ©aftfreunbfd^aft 
an y^UÄ unb feinen (Sefa^rten übte (Slct. 16^ 19), 
bann babutilb/ bag fie t% att il^re erfle 6otge Betra^tete, 
auc^ \\)x ganjeg ^au5 taufen laf)eu, unb enblid^, meil 
fie e^ fo t)oitreffltc^ üerftanben ^atte, ben ©eift bet 
£iebe, bef mit bet Xanfe in ifft^ani» einsog, 
na 4 unb na(j^ jum (Semeingttt bet gangen @es 
meinbe $u mad^en. ^^an fann fagen, bie treue ^n-^ 
^änglid^feit an bie $eifon bei» ^i>oilett unb bet banibate 



1) Dio Caasius LX, 6 ed. Hamburgi 1750. Tovq 6\ Vbv- 
Scuovq JikeovuoavTsg ai:(^ig w€ii ^ra'^.tnioq av ävfv Ta(juxf/g vnö 

6* 



84 



Opferftntt, in bem ^ ^l^iltppi t^or atten anbeten Oe« 

metnben aiiöjeid^nole , mar baS geiftige ®rbe, ba« bte 
eblc ßpbia ber ©emeiube f^interlieg uub ba^ in ber golge 
fo überreid^e Sinken txuq. aSenn $aulud üon bet 
(tppetgcmeiube al§ ton feiner „greube unb feiner Ärone* 
4, 1) fc^^reibt, fo ift ba^ geioig bag ^öä^iU >iob, 
bad fUt^ eine ®emeinbe üetbienen lonnte. 

6o ging über bem gafllid&en ^aufe ber ?purpur^änb< 
Urin ein 2x^i auf, bai8 jum Ivetten Xaqt anmud;^, ef^e 
ein S)eaennium Derftri^. ^eiliiii^ foQte biefem Süid^U aud^ 
bet 6$atten nid^t fehlen. Aaum l^atte eiS mit feinen 
erflen ©trafen ben S3oben öoii ^l^jitippi befruchtet, fo 
))ermifc!^te lieb mit bet j[ungen grucbt aiub fd|^on ha^ ^iut 
bet treuen (Si^Mbelennet. h 29—30 Id^t bat< 

über feinen Milieu uoraii aber ging im Äampfc 

^aulu§ mit feinem ©efä^rten 6itag. 2)ie 3Ipoftelgef(hichte 
betid^tet imfed^ael^nten StapM S. 16 ff. batftbet ^olgenbei» : 

^ineiS ^age^, aU $auIuiS mit feinen ®enoffen §um 
jübif^en ^ett^auS gingen, begegnete i^nen ein SJläbd^en, 
ba» einen ,,t»9tbif<i^en Oeiü" l^atte. itaum ^tle bad 
aRdbd^en fie gefe^en^ ba rief e< auiS: „biefe SRannerflnb 
^Diener hc^ ^öd^fien @otteS, bie eud^ ben ^eg beS ^eiled 
urerlünbigen". 5Dted t^at ed mel^tete %a%t nacb einanbet^ 
fo oft e9 bed Slpoflett nnb feinet Oef Ab^en anFicbtig mutbe. 

nad^ ber ^DarfteHung ber ^Ipoftelgefc^i^te biefer 
«PV^^ii^^ Seift" ein 2)ämon mat, fo muffen mir aud^ 
boiS 8elenntnid bei» WtUiJb^M auf b&monif<ben (Sinfiuft 
5uviidfül;icu. ^ärnon banbelte babei ^öc^ft egoiftifd^, 
er motttc fidj^ ben ^efiß f^ineö OpferÄ fid^ern unb glaubte 
biefen fimed om beften babut^^ |tt eneidj^en, ba6 et bem 
Slpoftel au @efatlen tebete. ^(uditd but^/fd^aute bie fiifi 



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94i(i|>pi unb bte ^^lippcfgemchibe. 86 

unb ttieb ben 5D6moii aui». Sad äRäbc^^eti koac gel^eiU, 
ato fflt ^jkmlud (amen Uttete etunben. S)ie «,4^^^" 

be3 ^Wäbd^en«, tDa^rft^ctnlid; ^^^rtefler \ai)cn fid^ um all 
i^reti @en}inn qehxad^t, benn bal !D?öbd^en fotttite koal^r* 
fageK unb mbiente baburö^ feitten i^^men" fd^meved 0eQ). 

2)iefeg ©a^jrfagcn {f4ctytivea&ai Slct. 16, 16) ift ent= 
n}eber fo oerfte^eu, bag bte bamouifd^c MadS^t in ber 
^efeffeneii eilten ^^f^t^ bei» ^eUfel^end erzeugte ober 
bag tl^r 3uf^^n^ MntgiS 6aisl gltd^ , oon bem 

hie 6d?rift 1. ©am. 18, 10 fagt, bafe ber bofe @dfl i^n 
Abetfatten l^abe, {o bab ex i,tDeii»fagte" (M^^j}) ober toie 
«man befifer üBerfegt, [o bag er „rafie" b.l^. na^ Ifrt eines 
S^lafcnben ober @fftati|d^cu Sufeeruiiiicu ncn fid^ gab. 

ber Uferen Kuffaffung bitten mir an bem äM&b^en 
ein 0egenW §tt ber belp^fd^en ^ptl^ia^ n>ie benn fd^on 
ber Jiamc be^ 3)ämon yiiJ^ow eine folc^e SBergteic^s 
ung na^e legt. ^u6f ift befannt, ba^ bie belp^ijc^e 
$]^tbia gtetcbfaOd il^ren Grießem ungel^eure 6untmen 
eintrug. 3)ie« läßt WUegeu, bafe in $biU|>^i bagfelbe 
betrügerifd?e Spiel getrieben tourbe mie in S)elpl^i. SJlan 
formulierte bort bie e!jiatif<3$en ^ui»f)>rä(be ber $9tl^a, 
bie an ftc^ nur unjufammenl^ftngenbe Sorte ttoren, au 
Drafelfpriic^eu unb Derfauftc fie bann an bie^ melö^c t)om 
Orafel etmad erfal^ren moOten. 

1) iU f^etnt, baft bad STiäbc^en eine fog. ^ietobule b. 
eine iempelftlobin toax, toie ed beten an faft jebei bebeutenben 
ihittitflflStte gab. 9Ranc^ma( ftieg i^ce 3^^^ auf mehrere Xaufenb 
(tjgl. Strabo XII, 2, 5 p. Ä37). 3)aS ^nftitut ber Jpterobulie 
tarn i\uer[t in lNeina|!en auf unb blühte befonberiS in ßappabocien 
unb ^^rijgien, iDtttbe bann auc^ beim berühmten Zmpti ber 
MemÜ in 9pit\n§ cingeffttct unb l^atte M ^ott anf ont^ 
übet anbece grie4tf4e 6tflbte oecbceitet 



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86 



9?i4t anber« loerbeu bic „ßerren" be^ befeffeneu 
au&^4ieni$ itt$^Ui))pi getrieben ^aben. S^benfatti» ging 
eil mt4 l^er iiU(t ol^ne Setntg a6. 

nun hai> cjel^eitte unb tüie man aiinel^mcn barf, 
au(b belehrte SJ^äbc^en {td^ p toeitereu 2)tenrtert nid^t 
mel^ gebtau^eti lie|, fo toar bat gute Sef^ftft (fioUj; 
iqfaala) ju @nbe «tib bic golge mar, ba6 fic^ ber gan^e 
fanatifd^e 3ortt einer unerfättlid^en ^ricfierfd^aft, bie fic^ 
fo Jift^ttn00 um ben befien 0en>inn gebrad^t fa^, gegen 
$auliid toanbte unb bie Xrt unb Betfe, tote ed gefc^a^, 
tüar ebenfo gemaltt^ätig toie raffiniert, ^auluä mürbe 
plö|li<j|^ auf bem SBege aufgegriffen ^ doy bad 6tabi< 
gcrid^t gefd^Ieppt unb bort unter bie XnHage geflellt, 
ba6 er ein j ü b i f e r 21 g i t a t o r fei (2ict. 16, 
20—21). SHe gkidfte ünf(j|^ulbigung traf axO^ &iUa, 
ber mit $aulu8 oerl^aftet unb gleid^faltt bem ®erid(te 
übergeben morbeii mar. 

£utad mar im ^ugenblide ber Serbaftung entmeber 
ttid^t an ber 6eite beg 8i«)ofietg ober eg l^atte i^n fegenb 
ein glücfUd^er llmi^anb ben Sliden ber S3erfo(ger entjogen. 

©ine SBer^)üftung burd^ ^rioatperfonen mar ober 
ua^ rdmif^em (Befe^ ftrafbar^ jja nmrbe einem ütten« 
täte gleid^gead^tet, auggenommen ben ^aU, bag einet 
auf einer ^^at betroffen mürbe, meiere bai^ ©emein- 
n>ol^t fd^äbigte. Stufmiegler burfte ieberman feft« 
neigen SRit biefer Sugnal^mg^Oefümmung bedten bie 



1) %t\b, (iJejc^id|tc be§ römijc^cn Ärimiimlpco.^efieö. iieipjig 
1842 ©. 287: „©lofe in '^e,^ie^un9 auf jolc^c löcrbrec^en, wo- 
bur(^ ber ©taat felbft in (^efa^r flcbrndit roiirbe, ober oud^ \)\tx 
nur ^inft(^tli(^ ber nieberften ülafle t)on 4ic({oneit %\t\i man eine 
l^ct^aftung fAc geiec^tjcctiat". 



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f^Ut4)|»i unb bic $^Ui|i))etociiictnbf. 



87 



itnb €ütt» anahe toegen SCuftoiegelei benuniietteii; )u« 

glei^) rüljrten fte ben alten 3ubeu^)a^ ber (imiüül;utvic^aft 
auf, inbem (ie bie betben S(nge!lagten toegen antirömifd^er 
Oeftitnung mbäd^ti^teiu S)ad genflgte |ttt etßeit 
ftlebigutig i^rer ffiad^e^ baiS toeitete (eforgten bie Stiftet, 
^iefe, bie 6d^rift nennt fte aTQam^oi, e^ tcaren bie duo- 
Tiri, bie oberfien 9]i{uiiid)>ialbeamte Tdmifdiiev StoUnit» 
üftbte, BeMmmerten Rd^ nid^t im genngfieit um bie Gd^lb« 
frai]c, fonbern öerfügten bie fof ottige SBefltafuug ber 
SlngeHagten. 

S)abei entbldbeten He fi^ ^^^^ ^ gevobe 

jene Strafen ju »errängen, bie man fonfi nur bei ge« 
meinen^erbrec^ern unb bei 6 ! l a t) e n anjumenben 
t)flegte. Qm^ n&müiä^ lUi mn man {ie tounbl^atteii 
(Set 16, 22. ogL Xct 16, 88), bann tt>atf man fie ins 

(Beföngnid. ^eibe Strafen enthielten eine grobe Sled^tiS« 
)}erlegung. 

5Die 0ei§eIttng tooc eine fivengece £eibei»flrafe, 

eine fold^e fonnte nur ber Stattl^alter (^rofonfut, $ro« 
prätor), nic^t aber irgenb ein iU^unicipalbeamter üer- 
Rängen ^) nnb felbß bet etattl^Uet iftatte ite in bet Siegel 
nur bei Unfreien in Xnttenbnng au bringen. 

@benfo ungered^t Joar bie @ef ängniiSflrafe. 

9ia^ ber ©(bi^^emng ber SI^)pofie(gefd^id^te 16,24 mur« 
ben ^anlui^ unbSilad ber fog. eotfcodia pabliea {gmloaaj) 
übergeben. SDieS tüar bie fd^ttjerfte 2lrt ber ©efangen« 
f^aft. ^ie Verurteilten tourben in einem finfieren 
üerter oertta^rt nnb tooren an $&nben nnb Sü|en ge« 
fefjelt; legtere tourben nid^t feiten in einen ^ol^btod 

1) Oteib 0. a. O. 6. 466. 4$]. 



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88 



eittgettofttigt, toie bad mit ^aitlud uvtb &iUa gefd^al^. 
biefe Strafe fam nur bei mirlUd^en^erbr ed^em 

in SliUDeubung. 

toar ed toibet atted Sted^t unb ^er!ommen, 
bag man eine Strafe au^fftl^rte ol^ne DorauSgcGange^ 
neö ^erl;ör. ^iemaU burfte man eine fieibc^^ftrafe 
Derl^ängen^ e^e bie Sc^ulbfrage fefigefteUt toax. äßol^l 
ge^ttete ba9(Befe| biegfreifpreij^ung ha,m man bei 
ber llnteiiud^ung über baS >non liquet« n\ä)t l;iuau3s 
tarn, in {einem %aUc jebod^ gefiattete eine ^erur- 
teitung auf Serot^etool^l, o^ne Unterfud^ung 

Somit tDurben bie gefet^Uci^en B6)xanUn in mel^t« 
fadper ^infid^t gemattfam burd^brod^cn. ^Durften fid^ 
bad bie beibenSMnner gefatten laffen? ünfangd f<jftmie« 
gen fie, meit eg bie Umfi&nbe fo tMiil^ erf^einen Iie§en^ 
aU ahn bic 6tabtrid;tcr, tvo^bem fie i^rer 8(iulb fic^ 
ben)u6t mürben, ftatt ben {o ungered^t Verurteilten @es 
migtl^ng geben, luv alten S<i^ttlb no^ eine neue, 
bie ber ^eud^elei fügen moDten, tnbem Tie ^i^ ald 
bie Großmütigen au^jpieüeu unb ben ®efangnieu bic 
l^eimliilfte dnttajfung anboten, ba \af^ fic^ ^oulud 
Detanlagt, gii]tn eine berartige SHigac^tung aletSÜed^tg« 
formen eutjd^iebcn Stellung 5U nehmen, nic^t in fduem 
Sntereffe, fonbern in bem ber jungen unb fd^ma^en 

1) Cicero or. in Verr. I, 9: eanta oognita multi possunt 
absolvi, incognitft quidem nemo condemnari potest. (Sitte 
^uSna^me tpurbe an^ ti^ bringcnbften t^aUe gee 

ftattet, bonn nfimli(|, toenn ftc^ um Untecbvfldung einer 
6taat0gefa^r ^anbelte. „SBitflic^e (Smpöcfr mürben ttott 
jel^er auger bem @)efc|e fte^enb betrachtet, unb fctbft bie es» 
ceptioneUften ^agregelii galten gegen fie immcc aU «e<^ mib 
^fli<^tma|ia". Ocib a. a. 0. @. 276. 



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eemeinbe^ bet et beit 64ml bet defe^e fU^eni tPoDte. 
ftat in biefer VbMt l^anbefte er; um« et alfo t\)at, 
toax fein gute^S ^edj^t. (St protefiierte gegen bie i^m 
tttib feinem ®eiioffeti miebetfo^tenen UnbUben unb gkoac 
ttiitet Senifung auf fein tömif^ed Ofltgetted^t. ^6ie 
^aben un^ o^ne Urteil öffent(i(^^ peitfd^en 
laffen, bie kpir römii(i^e ^ätget (inb, unb i^a* 
ben und ind OefAngnid getootfen, unb nun 
iüeifen fie unÄ ^eimlid^ ^inauS? 3^ein, fonb ern 
jie mögen felbft fommen unb unS ^inau^f ü^jreu 
(9icL 16, 37). S)ie SS^itfung biefed ^totefie« toax eine 
auietotbentli^e. 5Die 6tabttid$tet erfd^raden bot ben 
folgen i^rer Unt^at. Bie \a\)cn ficb üor bie bittere 
SUtetnatiDe geftettt, entioebei: bie gan^e 6ttenge bet Oe^ 
fe|e tttt fid^ etge^en }tt taffen ^) obet bad gef^el^ene 
Unred^t öffeiUUd) mieber gut ju matten, S)ie Älug^eit 
riet ilS^uen bad leitete. 

aRan iat nun ben 8eti<i^t bet HpofietgefibUi^te an* 
gejmcifelt unb gemeint, fo tok $aulu8 l^ier gef^itbert 
iDerbe, ^abe et nid^t l^anbetn löunen. @r fonnte nid^t^ 
fagt man, erH eine 3ü<^ü0ung wibet ffU^i übet fid|^ 
etge^en laffen, um bann eine um fo gt56ete 0enug= 
ii^uunci barou^ jic^en SIber bie „c^röfeere ©enugs 
t^uung'' ift boc^ eigentlid^ eingetragen. 6e^en mit uniS 
9kl. 16, 37 nA^et an, f o etgiebt fii!^ bataud feineMegd, 

1) W\t bciorgt ber populns Ronmnufl um bic (5^tc jciner 
iöür^cr Trar unb mc ftreng er jcben "Eingriff auf biefelbe beur- 
teilte, ergibt fid) qu^ Cicero or. in Verr. V. GG: Facinns est 
vinoiri civem Komanum, sceloa verberari, prope parrioidiam 
ndcari. 

2) 'mt\i\&dtx, ^ad a^oftoUicde ^eitaa» bcc cdn^Ucben 
ihsi^c 1886 @. 2i9. 



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90 



ba6 bem ^T^ofiel bei feinet SÖcrufung auf ba^ rö^ 
mifc^e lötlrgerced^t um petldnHd^e ^efriebigung 
§tt t^uii mar ober basum^ fi4 f^lbfl ffit bie 
erlittene Unbitt ju entfd^äbigen. @r moHte nur, bafe, 
tood öffentlich oerbrod^en mürbe, aud^ öffentltd^ 
fittt gemalt tvevbe. foHten bie Stt^tev i^t Unved^t 
nid^t blog einfel^en, fonbent audt; fül^nen. ^iefe Slb« 
ftc^t n}ar geiDig forreft. Itonnte eiS bod^ nur §ur ©tär« 
fttnd bed fo tief gefd^dbigten Ked^tdgefftl^IeiS beitragen^ 
memtbieCeleibiger bad, Re in amtlid^evCigen» 
fdj^aft ben Seleibigten entzogen bitten ^ bie g^ei^^it, 
au^ miebet amtü^, menn audft um ben $Teid )>e¥fbn« 
lid^er ^Demütigung , tefUtuierten. 5Dabei Derfu^t bet 
Slpoftel mit möglid^Her ©d&onung. ©r ^ätte bie '^iä)- 
Ui Dor bad gorum bed rbmif^eu ä^ribunald bringen 
Unnen, toobei benfetben bad f<!^Iimm|}e beüorgeflanben 
toäre. 3nfamitruug, SSerbannung, ©Hatjenbienft u. bgl. 
icaren bie Strafen, momit bad (Befcg ^ig^anblungcn 
Ybmif^et Sorget %u abnben pflegte. ^auUa gieng nidftt 
fomeit, meil er nidjt räd^en tooHte. (Sr t^at nur, 
tOQÄ aum ©c^u^e bed cuattgelifd^eu ^erfe0 unbebingt 
notmenbig mar. S)em Sipofiel lag aOed baran, ben 
Verbaut eines Sufmieglerft unb 8oIl9t»erfiihrer9 Don 
fid^ abjumalaen, bamit nicbt etma bie^emeinbe unter 
biefem Serbadftte fernerhin leiben ^tte. 

Um {id^ aber oon biefem Setbad^te ganj reini« 
gen, gab e« fein beffereö 3Hitlel aU tüenn bie !Hi$ter 
felbft öff entlicb unb amttid^ Uvxe Unfd^ulb bezeugten. 

6omit mar fein Serratien bttr<b bie StftdC» 
fid&t auf feine Stellung Qerabe5u geboten. 

gragt man aber, marum ber ^ofUl mit (einer 



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WUtppi unb bie $^tli{)|>ecacmeinbe. 91 



Ctn^od^e fo lange gemattet , mium ci erft iiad^ er- 
Itttener Strafe m oU Romanas )tt ettenneii ge« 
geben ^abe, fo mu6 geantivortet toetbe«: tieil tl^at 
ex, er nic^t anberiS fonnte. 

S)ie Set^tung gefd^al^ f o pU^ttidi^ unb uitt>etmutet, 
bag ^qvSM unb 6ita0 gat iit<l|^t tDiffeti lontiten, 
tDelcbem3^^<^^ Tt^ erfolgte, ^uä) ^atte ftdl^ nad^ 
act. 16, 22 fofoxt ein Stxzi» l&menber Sufdftauec um 
fte gebilbet, bie an ber ^eflna^me bet i^etmeintlid^en 
3uben ibrc \)eUe ^^reube l;atten/ fo bafe bie fo plö^lic^ 
AberfaSenen toeiteren @emaltt^ätigEeUen nut burc^ ^c^toeU 
gen tOTbeitgen tonnten. Srfl att He ben Kic^tetn 
ftanbcn uut) bie Sliiflagen uerna^men, tt)u6ten fie, tooran 
fie feien unb je(t koürben fxc \iä) gemig aud^ oeraut^ 
mortet l^aben, — toenn man i^nen 3^^^ ^^^S^ 0^' 
laffen b^tte. Slber ba« mar eben bie Wretenbe Un^ 
gered^iigfett , bie man gegen |te begieng, hai man nid|^t 
einmal ein Set^öi mit i^nen anfteSte, gefcbto^ifl« 
tegelre^e Berbanblung Dornabm, fonbern fofort gut 
iBerurteilung fc^ritt, iubem man fie aifogleid^ ben 
toten |U¥ (Beigetnng fibergab, benen gegenüber jiebet 
9toteft ebenfo bebeutungd- mie loitlungSloS geblieben 
märe. <5omit blieb ben beiben 3J2önnern md) allen 
Stegein ber ittugbeit ntc^td anbered fibrig, aU ftd^ oor« 
Uuftg in boiS Unoetmeibti(be au fügen. Unb ba$ fle 
bamit ba^ ^efte getroffen, jeigte fc^on ber näd^fte Xaq, 
3^re §reife(ung unb bie Slrt unb äBeife, mie 
fie bot fid^ gieng, mar fftt bie Sa^e Sb^ifti 
offenbar ein größerer ©eminn, aU wenn fic 
ben unmittelbaren folgen ber fcj^meren Slnllage 
bur^ irgenb einen ttmüanb entgangen mftren. 



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92 ^ ^enle, 

92od|^ ein Quillt Unnte Sebenlen emgen, n&mlidj^ 
hit, bag $aultt9^ ab ev tinb feinen 0ef filmen ob 

römijci^e Bürger angab, fofort ©tauben faiib. 

Slud^ biefei^ ^ebenfen tpiegt ni^t ^ö^mt, menn 
man oeift, loie eiferfüdfttiQ bet Mmet HAet fein 
Säürgette^t toa^U. Qeber 3Wi6brau(^ beSfelben toarb 
mit ben firengfteu Strafen belegt. Unbefugte {^ü^rung 
bed XUeU »elvi« Bomanasc ober unbere^tidte S^entfung 
auf bie Sii^itftt galt att crimen capitis. Cbenet^ 
^atte Slai\ex ßlaubiiK^ ein ®cfe§ tu biefem @inne ev- 
laffen ^ux bie füll^nfie iBetkoegenl^eit mo^te fiä^ 
ba^et an einem folgen Oefe^e t)erge^en. 5Da abev ein 
fo tolIeiS aSagniS bei ^f^iemanben Dorau§gcfe|t tuurbe, 
fo fam eÄ^ ba§ eine ^Berufung auf ba^ romifcbe ^Bürgers 
vecftt immet unbebingten (Slanben fanb. SQBir erfel^en 
bai» on# oniS einem anbeten Sorfalle im Beben be9 
^pofteU, t}on bem bie Slpoßelgefc^id^te im 22. ^op. 
dtmii^nnng tl^ui. 

SOi» n&mlid^ einige Sa^ f^fttet in ^entfolem ber 
tömifd^e Oberft iii;)ia^3 burc^ go^^^^ ^Jlpoftel ein 
©efiftnbnis bet )SetgeI;eu ^erau^btingen n^ollte, meldte 
bie Snben i^m gut £afk gelegt l^atten, ba lam ^auluS 
ber i^m Dermcinten ^Peinigung §ut)or mit bet etnfad^en 
grage: „S)ürft i\)x einen römi)($en Bürger unb 
einen ni(bt »etuttetlten geifeeln? (ilct. 22, 23.) 
Sttf biefe grage be0 StpofieU loutbe bet ^au^tmann, 
unter beffen 2luffid^t bie golter toor \iä) ge^en jollte, 
fo betroffen, ba^ et fofort jum Oberfit eilte unb i^n 
intett^ettiette: toillft bu t^un? bet SRenf^ 



1) Suoton, Claudiiu c 25. 



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WliMii unb bie W(4Mw«0em(hibe. 93 

ift ja ein m^met" (S. 26). Unb bev Ofretfl nol^iit 

biefe 5Dlitteilung fo ernfi, ba| et fogleid^ 511 ^aulu)5 Qieug, 
um aus feinem 3Runbe bie ^eftätigung Derne^men^ 
unb aU ^oitlttd befUmmt mit antmortete, ha seilte 
ft(^ bet Oberfl aDetbingi» übettafc^t, toeil er bem ttn« 
anfel^nlid^en ^U^anne eine fo l^o^e bürgerliche ©tellung 
ni^t augettaut l^atte, aia ed fatn i^m nid^t im txtU 
femtefien in ben 6inn, feiner Srllfining ju miBtronen. 

©omit finb bie erhobenen Sebcnfen burc^au^S nic^t 
ber %tt, bai man baraud Slnlag nehmen töunte, ben 
8erid^t ber Xpofie(gefö(i<l^te über bie gef^ilberten Smr« 
gftnge in Qtoii^cl ju giel^en. 

Olei^ei^ gilt gegenüber ber (Sr^a^lung t)on ben 
Qortommniffen im i^er unb bem, »od fi4 baran fd^iog 
(«ct. 16, 25-34). 

^ad Scbbeben, ha^ plü^lic^e Oeffnen ber Spüren 
unb @)>rengen ber gfeReln finb S^inge, bie aU mun« 
berbare IBotgänge il^re (ErfUlrang flnben unb {eben^ 
falliS ni^^tg 2Biberfiunige3 auSfagen unb iüa<J üon ber 
Sefe^ntng bed ^ertermeifierd er^A^U mirb, ifl für 
bie m^ige Betrachtung unmittelbar üerftftnbOdb* SlnfangS 
flarr t)or Sc^recfen unb mit ber SSergroeiflung ringenb, 
ba er nic^t anberd bac^^te, ald bie (befangenen feien ent« 
flogen, tpar er aufiK tiefße bemegt, att er bie SEBorte 
oerna^m: „X\)nt bir fein ;Beib, lüir fiub alle ba" (SS. 28). 
Sofort toar e9 i^m Qar, mit n^em er eS t^un l^abe, 
namUib mit SK&nnem, bie ni^t bed Sdbu^ed ber äHlen« 
fd^en bebürfen ; f onft toären fie bei ^aä)t entflogen. ^He« 
fer ©ebanfe ilbertoättigte i^n, eS regte fxd^ in i^m baS 
IBertrauen |u einer Stetigion, bie fo ganj auf fUft felbfl 
fianb, unb aDmä^lid^, befru(i^tet Mn ber Onabe unb 



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94 



£e^re, tourbe bai^ Sertratten }uiii0tatt6eit {Derfter? 

fermeifler liefe ftd) taufen unb mit i^m fein ^au« unb fo 
mxh |um etften ©lieb ein smetted gefügt, ^ie eüangetif^^e 
^fUvufßinq begann fid^ Aber ben Wammen einet ^auftge« 
metnbe gu erttjeitern. S3alb fprad^ man t)on einer pljilippi^ 
f^en ©emeinbe. äBir lernen aud bem ^^ilipperbriefe 
eine Steide t>on9{amen lennen^ bte flcb auf eine %x&im 
Xn^a^l \>on Emilien «»erteilen. 

^5)iefe ©emeiube nun befafe baö ^erj be^ 5(pofteU, luie 
leine anbere. (&t freut {Id^, fo oft er fic^ i^rec erinnert 
ttttb biefe Crinnernng ifl eine ungetrübte, batum 9er« 
traut er, bafe ba§ gute 3Serf, ba« er bei i^r begonnen, 
feine S^f^"f* \)aben n^erbe 1, 3 ff.). 

6old^e 3^ugnif[e ^aben fonfl guten ^ebit, gleicbwol^I 
tiefen unb laffen ^\6) Stimmen im gegenfeitigen ©inne Der« 
ne^?meu. 6(^on 2^1^ eobor et jagte ben ^^ilippern geizi- 
gen ^od^mutl^ nad^, neuere (Srfl&rer toiffen nodj^ eine S^ei^e 
anberer SRAngel an i^nen ouiS^ufe^en unb bai^ SDlaterial )u 
biefen ^luöfteHungen mufete ber^^ilipperbrief liefern. 2Bir 
ftellen biefe Slnflagen im ^Rad^ftel^enben fur^ 5uiammen. 

1) Stadls 1, 6 unb 2, 2 ^abe ei» ber Oemeinbe an 
bcr „voUen (Knljeit be» religiöfen Sefönfetfeine" gefel^lt *). 

2) ^aö) 1/ 9—10 fei t^rer ^iehe „bie ftare 
(&r£enntnid unb jegli^ed (^efü^l be^uf« ri^tiger Seur^ 

1) SMm ftimoi xfii» ^ ^ htUbg ucßta (to, Phil. 1, 27) 

tilQ «ttt cvfi^pwvUxg n^oa^yaye avfißovxip, Opp» Tbeodoret. 
t. lU pRg. 568 Kigoe. 

2) ^olften in ^o^rbb. fflt prot. Xteologie 1875 6. 481. 
eibmibt, 9. tS. StcnteftamentCic^ (iit^ertvittr. Serttn 

1880 e. 51. 



$^ilt|)pt unb bie $^i(ippecgemeinbe. 



95 



teilttng t»oit SBal^eiit ttnb^i^rtgem, @utem unb Qöfem" 
itnb ebenfo „ber unter ben ©emeinbegliebetn maltenben 
Unterf^iebe" abgegangen 

3) 2, 14 lefe M ^^faU toie ein Zabel, 
man beufe an bie „jübiidtje ©rbjünbe beö 3)lurreng unb 
Sftaifonnieren^ tüiber bie tounberbarlici^en 2öege ©ottc^" 

Unb enblid^ 4) ent^te 1, 27--2,16 imb 
8, 16 eine 9lei^e t)on 9nfpielungen auf Tttttid^en ^ünUl 
unb ^ittlfeü unb Übergebung'). Stucb £ig(;tfoot 
giebt bief en UMnitten eine ))o[emi|<l(e lBe|iebung. 9ltd^t 
Ott ob bet fl^oM biteft table, aber bettno(b fei eg ibm 
mit feiner 5lufforberung gur @in^>eit, pir ©efinnungä^ 
gemeinjcbait um Unterbrüdung Don Streit- unb ^^artei- 
fii^t }tt t^n gemefen. S)ag ifl »enigfieng bet 6inn 
VOM Sig^tfoot'd augeinanberfeftung *). 

^Ue biefe SSormürfe {tnb gejuckt, n^ie ha^ aui 
ben angesogenen Stellen, fo balb man ße auf SEBorttaut, 
3ufammen(ang unb tl^te ^ataSelen prüft, oon felbfl 
ergiebt 

aun&# h ^ betufrt; i^Sertrauenb, 
ba§ bet, meldet in eit^ ein guteg SBet( 

angefangen, ed auc^ Dollenbeu mirb hi^ ^um 

1) ^olüen 0. a. O. 64nitbt a. a. O. 6. 39. 

2) hofften 04 0. 0. 6. 455 9tote 1. 6<(mlM o. a. O. S. 64. 
8) @(^ina, 9ie(^Ttft(i(4egtemeinbeiU^^tUppt. 3an(§1888 

<^50f. aRe^ct-gcanfe, ftommcntat Über ben ^^ilippetbrief . 
glMtingen 1886 6. 196. b. 6oben, S)ec Qcicf be4 IMx'ftetd 
tpanitti an Me tnUtpper ^reibutg t. 9. 1889 6. 89 f. 88. 

4) Idgbifoot , 8. Panrt epIsH« to the Philippianti Lon- 
don 1886 p.67: »8t. Pkiil itops forwaid to oheek the gro- 
imigttnclency (scofitrife). Thit he doet with ohanoterutle 
deUeaey, «triking not lew lorely beeanae ho itrikei for the 
moet pari iadireetlj eto.« 



Sage e^tiüi Sefu" — fo ift eine obfonbetli^e 
IttSlecjuugdivetfe, bief« 9Bocte im 6iiiiie einedXabeU 

tüegen mangelhafter (Sin^^eit beS ©tauben ö 
|u net^men. @ben ^atte bec ^oftel an ben H^^ilippern 
bie i^Oemdnfd^aft fftt baft (Sbangelium" («oowla «fe to 

ti«yy^^tov) b. h- i^r einmütige^ 3wf^"*»"^W9^^^w 
^ujammenfteben für bie eüangelifd^e Ba6)t gerühmt 
itnb nun fft^t er bte gutoerft^^tUd^e Hoffnung bei, ®ott 
merbe bod bei i^nen angefangene fE^erf auö) feiner Sottens 
bung ^ufü^ren. S)aö ijl eine fo felbftüerfiänbli^^c goU 
gerunfi, ba6 eis ft<i^ fci^mer begreifen l&ii, wie man bie 
Körte beS SpofleU auf einen Sortourf beuten lann. 
SWttn benfe fi^ nur in bie ©timmung be« Slpoftcli^! 
@r lebt mie er in ben erfien 3^^^^^ i^^^^^^ ^riefed 
oerTtdftert, in bejiftnbiger freubiger (Erinnerung an bie 
^ß^ilippet unb biefe (Srinnerung Ififit in feinet Srufl bai( 
®ebet nie tjeiftummen. ®a^ fann nun biefe^ @ebet 
anbered beimecf en, aU ba| bie 3uhinft ber ^emeinbe in 
einet i^tet Setgangenl^eit, t^rer erfien f<lft0nen Xnfftngen 



l)6orncIiuÄ a idap. unb C^ftiu« beuten xoiviovla im 
Sinne bcr materiellen Unterftü^unq , meiere bie 4^l)ilipper bem 
^poftel ;^ufommcu ließen, allein ^iejc aftioc ^cbcutung Jjat 
xoivwvia im 5?. X. nirqenb^, audj iud)t ^Höm, 15, 26, mo baS 
SBort nur X e i [ n a 1^ nt e , allecbingd eine Doc attent int lIBo^l' 
t^uu fid) crjocifenbc Jcilno^me Ijeißt. 

^er 1)1. 6 ^ ri) f 0 ft 0 m u § unb X^eop^plalt benfen bei 
xoirwrla an bie (Mcnieinfrfjnft ber ^M}ilippcr mit bem ^^(puftcl, 
über in biejem <"^QlIe [tünbc entiucber noc^ (.itr' ^nov babei ober 
lyitöv ^ottc bie ^^ebeutunq eine? Obi.=@en., maß ipradiioibrig 
tuäre, ba bei xoivwvlu boö Cbjeft im 5^atiD fte^t ober mit einer 
^räpofition ücrbunben luiiD. S)a9e9en jpric^t nid)t 1. Äor. 1,9; 
2. ßor. 13, 13 unb %\]\{. 2, \, ba ^ier bie ©euitioe aU 6ub' 
\tUi»%tVi\i\^t einen gan^ guten @inn geben. 



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ttnb bfc Wl^fPPngitmtMi. 97 



mikrUden Seife fU^ tteitetgeßatteit mOge? man ÜfyiA 

barum bem .gcrjen beÄÄpoflelS cntf(^iebenllnrtd;t, menn 
man {einen 2ßorten einen anbeten^ einen ungün fügen 
6iim ttnterle0t — 

5{){efeC6e GinnentfleDttn^ begegnet uniS bei bet oiU 
gen Deutung con^ß^iLl, 9—10, ^er Slpojiel fd^reibt: 
»Usb bieiS ifl'i» um toai» i4^ bete, bag eure Siebe 
Ro$ me^r unb mel^t teid^ toerbe iit Stlennts 
nid unb jeglicher ©infici^t {ala&r^aei) , um su 
{»rftfen bad8ef|ece,bamit il^r vein feib unb o^ne 
9nflo6 auf benXog Sl^rifli^ Um toaiS ^ter ber 
SlpoPel betet, ift offenbar nur bie näl^ere Slngabe be« 
iR S. 6 k)orauddei(^i({ten oUgemeinen Sebeted. S)em 
apofiel ^aulud ift bie SDf^al^nung aum (efiftubigen fUtlid^en 
unb getfligen gortfd^reiten \o geläufig, ba6 mir il^r mie- 
bet^oU auc^ in anbeten Stiefen begegnen tx>o ^um t>Qu 
Ifiatln Ue Bemutung eined SortDUtf ei» oudgefd^Ioffen 
bleibt a. 53. mm. 7, 4-5; 12, 2; 15, 13; (Sp^. 1, 17; 
ftoL 1, 9; 1. 1. 10—11; 2. ^^eff. 1, 3. 11. 

atttii mul alfo annel^men, hai ei» bem ll))o|let aiui^ f^in 
nur um eine aWal^nung unb nid^t um eine SBariiung 
ober ^ermatnung )U tl^unfei, ba für eine jpeatellere 
8eaiel^iig auf etioa i»otHegenbe äRöngel ber Stief felbft 
(einerlei Slnl^altdpunfte bietet. 

©anj baSfelbe mu6 mit 8eaug auf bie Deutung öon 
2, U gefogt tpetben. Cd ifi eine mmx, »enn 
man behauptet, ber 3wtuf: „^^uet alle« of)ne 
SÄurren unb Räubern" gelte ber „jübifc^en (Srb^ 
fiknbe M äRtttveni» unb atoifonniereni» toibet bie tounber» 
barlid^en äOege ©otted" benti e« lagt [x^ burd^oui» nid^t 
ua^tDeifen, bag bie älngerebeten el^emalige 3 üben maren. 

SiMLOaBMiMtllt IBM. ^ I. 7 

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98 



Siibli4^, toaiS fott ed l^eilen^ »eim in ein unb bem» 

felben Sltl^em ben ^P^ilippern „fittlic^er ^od^mut, @ifer« 
fuci&t, liebloje^ unb felbftfttdtligeö 53etragen** toorgeiüorfen 
iDitb unb sttgleii)^ an i^nen getürmt toivb, bafi „^e afU 
ftd^ nur guter unb Ubltd^er ^anblungen unb Seflrebungen 
im S)ienfte be;^ ^errn unb feinet eoangeliumö betoufet 
feien" Snttoeber ifi bod eine ober bod anbere mo^r, 
niematt aber beibe^ sugUid^, unb mon foffte bem W(>Oi 
fiel boc^ fo üiel pf^d^ologif^en Xati jutraueu, bafe er 
{oU^e ®e0enf&tf6 ni<iftt mit ein unb benfelben $erfönli(^« 
leiten aufamntenbringen tonnte. 

9)ian fage nid^t, bie gerügten Untugenbeu belögen 
jtcb nic^t auf alte, f onbern nur auf einzelne $l^i(tp))er, 
benn bei biefer Xnnal^nie bliebe €9 gerabe§u nnerlUr« 
lidj;, marum ber Slpoflel um biefer einjcluen miöen bie 
gan^e ®emeinbe in fd|^iefed 2x^1 fieOte, benn bie oui^ 
bem Sriefe gebfenen StoHfleEnngen lauten ja gan) aO* 
gemein. Um fo unerflärttd^er bUebe bieö, als ^aulu^ 
im vierten ^Uel ^koei grauen, für bie er Sefürd^tungeu 
^egt, namentlid^ aufführt, to<a bo^ beutli^ bereift, 
ba6 biefe grauen im Unterf^iebe üüu allen üh- 
rigen ©emeinbegliebern ben (^rioartungen unb 
Sftnf^en beiS StpofieU nid^t gan) entf^Mroc^en bitten. 
2ßarum follte bie g a u 5 e ©emeinbe büßen müjfen, mag 
biefe jmei grauen gefel^lt Ratten ober umgefe^rt, menn bie- 
f elbe Unlngenb bet Stoietro^t aud|^ bei Ruberen ^erDovtrat, 
manim foHten gerabe fie fid^ alÄß^pouenten ^;aben ^ergeben 
müfjen? jeber ^eife märe bie ^anblungiStpeife bei( 
S^|>o{tett bei fold^em Sad^berl^alte eine uidbrtelte, menn 
ni^t )>arteiifd^ einfeitige gemefen. 9M Sorgel^en M 

1) e^tna a. 0« £). e. 51. 



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nnb bie ^fiüipptiQtmiMt. 



99 



X)>oflett t>etliert imt bann {eben Sd^ein i»on ^&xU, 
trenn bie beiben grauen mit il^remS^if^ß allein flan» 
ben^ abet koegen i^ced SKnfefiend, bad ite hxü)cx in ber 
Aemeinbe ^enofFen l^atten^ allen Orunb ^nr ^td^t ^aben, 
e3 mQ6)ie il^rc ^tokixaä)t t)on übten Solgen für ben 
©emeinbeftieben überhaupt fein, fo bag ber 9(poflel mit 
feinet Sermarnnng nUS^tA anbete« be)meAe, oU bie 
bisset in nngefidttet Ctnttai^t (ebenben 0e« 
meinbeglieber and) hinftig barin er^^atten. 

S)iefelbe SIbftcbt oucb ben 1, 27 unb 2, 2 
iDotaudgefi^en Wta^vmqtn §ut Cinttad^t su Otunbe. 

2Bir l^abcn inhc^ für unfere SlnRcbt, bafe alle bic 
nachteiligen ^u^fagen über bie ©emeinbe ^^ilippi un^ 
begtünbet feien, au4l|^ )>ofitii»e Seoeife. 

5Daffit nftmli^, ba^ bie ^^ilippergemeinbe im großen 
unb ganjen fi(h vortrefflich bemä^rt hatte, laffen fich aug 
bem 93tiefe fo Diele unb fo jiatfe ^emeidmomente an« 
ffibicen, \>ai aOe Qegengtflnbe fiß^ ab luftige ^i^potH^n 
barflellen. 

^or allem beadj^te man ben überaus h^lid^en, 
fteubig gehobenen Xon, ben bet IBtief anf4flägt, fo oft 
et fi^ an bie Sefet biteft n)enbet Sie (Semeinbe ato 
folcbe b. h- i>i allen ihren ©liebem ift bem ^poftel 
fo teuet, ba| et nut mit (Befühlen fteubigen 2)anled 
für fie betet (1, 3. 7). SHo^ allen gebt bie eebnfn^t 
feines ^erjenS (1, 8), alle trägt er im liebenben ^jerjen. 
5Dad fo häufige näyteg (1, 4. 7. 8. 25; 2, 17. 26) ift 
geioifi ni^t ohne Slbfiibt gebtoucbt unb meldh' anbeten 
6inn fönnte eS \)ahen, att ba| alte @h giften $u 
^bilippi f^ine Ä^iebe in befonberer äüeif e oer^ 
bienen. 

7* 



Dig 



100 



^er Slpoflel betl^el^It und au(6 ni^t, ber ©runb 
biefec feiner befonbeten Sttnetgtutg fei. ^teu Ratten bie 
$^i(ipper ba9 t)cn i^m überfommene (St>anqdinm ^rijH 
bi^ jur6tuttbe (ax^i tov vvv) bema^rt 1, 5 unb 
biefe ^teue (^atte aiU^ f^on bie geuetptobe beßanben, 
l^atte fi(i^ in benfeI6en It&mpfen Ufoo&J^xi, mit benen er 
felbfl SU ringen l^atte (1, 2&— 30). ^\)x Seiben unb 
{ein Reiben erf^eint i^m barum aU gemeiufamer iDpfec« 
bienfl (2 , 17) , oaft fein $er| mit fo oiel gfreube unb 
SBonne erfüat, bafe e« il^m ein S3ebürfni5 ift, bie fiefer 
in eine förmlidjie ^ubelflimmung in mfegen: freue 
miil unb freue mi<)i mit eu^; freuet eu^ unb 
freuet euö^ mit mir! freuet eu^ allezeit, 
no6)maH fage id(> eudj: freuet eud&! (^^il. 2, 
17—18; 4, 4). äJian lefe btefe äBorte a»eimal unb 
bann fage man und^ ob ein 99lann ber fo fd^reibt^ feine 
^IBorte nic^t aü^ ^efü^leu t)oltfier 3uf t uDen^^eit 

mm 

ferner loenn irgenb eine 9emeinbe, fo berbiente 

^I^ilippi bad 8ob, bag fte jeber^eit bemül^t toax, ben fBfin* 
f^en be« SlpofleU nid^t nur naä)^, fonbem fogar aut?or= 
)ttf ommen, mie tt>ir bod avA 4, 16—17 erfe^en« 
XU 9autui» in ^effaloni^ toeilte, too il^n bie »eit 
beffer fituierten (^^rifienjeben SOlangel«, mie man anne^imen 
fonnte, über^obeu^ ba toaren bie gut(;eraigen ^{^^iiipper 
trobbem in Sorge um i(n unb fd^idten i^m ein unb ha» 
anbere Wlal fiiebeiSgaben. 3a felbfl bad 720 römtfctie 
ajicilcn (= 144 beutfd^e SWeilen!) entfernte 9lom mar 
i^nen su biefem S^^dt nid^t gu loeit X)ie{er rii^renbe 
3ug oon Xeilna^me Yam bem Slp. fo unertoartet, bag 
er ®ott unb ben $()ilippern in ber greube feined ^er- 



. i^cd by Google 



$^i(t^pi unb bie ^^itit^pergemeinbe. 



101 



gen^ bafür banfte uub mx)iä)exte, er 6abc jeßt mel^v aU 
genug, ja in flbetfüBe (Tvc/siljf^ctf/ioi dsSofiorngta naif 
vftm 4, 18). 

IJftlt man nun gegenmärtig, mic bie d^rifl« 
lid^e (S^aritod getabe im Alreife ber ^^^ilippergemetnbe 
eine fo ^eroif^e ^ßege fanb, bann fftl^U man bie ganje 
€d(tt>ete bei( ttnfeil^tiS, ba0 man il^t anti^ut, menn man 
behauptet, bie ^l^ilipper Ratten fic^ gegenfeitig mit fc^ceten 
^liefen angefel^en (^olften, @^mibt), {eien in ^^arteien jer^ 
Oüftet getnef en ^) litten M )»on Eigenliebe leiten laff en 

2luf Seute folc^er 2lrt pafet bod? uid^t ba0 fdj^trungt^olle 
£ob: ^meine greube unb mein ^ranj!" (xa^a 
»od awt^fi€ttf6s fiov ^^ü. 4, 1), mit bem fi# $attlud Don 
ben ^^iüppetn Detabfd^tebet 

Me^ in allem bie ©emeinbe ^^>ilippi war i^re^ 
ßelj^rerd unb 6tifteYd n)iubtg. @ie ^at ben paulinifd^en 
Oeifl mit ooDen Sfi^tn eingefogen unb biefer Oeift »utbe 
beii^r nim Fermente einer ©lauben^ttc iie unb fiiebeSübuug, 
bie i^r noc^ öO ^a^re fpäter üom \)L ^ol^tarp ben 
genKft iHelfagenben Sl^entitel «Xbbilberbevtoal^ren 
8ie6e*») eintntfl. * * ♦ 

I) 6o {(^onStorr, Interpret episi Pauli ad Philippen« 
eee (Opusc aead. ad interpr. libr. iaer« Tblniigae 1796 VoL I), 
ferner %latt, eoclefungen flier bie Briefe $aitli an bie ^ffU 
lipptx, ftoloffer u. f. f., terattSgefieUcit Don Itling 1889; Ci^« 
(orn, tinleituna in bo9 91 Ob. ni , t Seip^ig 1812; 8ef« 
t^ofb, (tflor. frit» Cinteitnng in fftmll. bnon. nnb opofr^))^. 
6(^riften VI. Zeit, Uanaen 1819. K^einttalb, ftommentar 
über ben Qfief $auli an bte ^^ilipper. Min 1887 n. f. enb» 
liäi $an9rati, fanlnS 6. 489. 

8) fBeiifAtfer a. o. O. 6. 848. 

3) Ep. ad Philippenses I, 1—8 (ed. Fimk p. 868): JSwt- 
Xct^^v vfjiiv tityaXm^t iv xv^ut ^fxuiv 'I^oD Xifiattp, it^ß^ftihoig 



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102 



0( bie f<l^6iieii Xnf&iige bet ^I^Uippetgemdnbe ft^ 

nod) ircitcr l>iab hajtia emiefen, ttjiffen mir ni(i)t, ha 
bie '^adfxiä^Un übcx il^te ipätere ©efd^id^te äugerft {pätlic^ 
fliegen. Cd Rnb mafleve 50ateii, bie obet infofem nid^t 
ol^ne Sert ftitb, ab fle itniS toenigfleiiS ein l^itb t»oii 
bet ä u 6 c r e n f i r l i ^ e n 6 1 e II u n G ^^l^ilippiiS geben. 

S)atna4 fianb ^t^ilippi iif^n h\& ^um 14. Si^u 
(unbett l^etob im Stange einer BRetto))i)le. 

3n bcr 2)iatppoftö bcö ^laiier^ 2cd bce ^^^^i= 
lofop^en (886—891) ifi q^^ilippi aU bie öd. ä)UtropoIe 
(Sowag t^tmaatog ümttog) eingetragen, mft^renb fte 
in ber eit^efid beg ftaiferg SUibronSug fßatrlologug 
(1282—1332) bie 47. ©tette einnimmt 

SBBA^renb bed lateinif^en iiaifertnmg mar $(|ilip;i>t 
ber 6i| eineg lateinif^en ^rjbifd^of^. Unter benSrie« 
fcu be^ ^apftc^ Qnnocenj III finben fid? jtinn an ben 
©r^bifc^cf 2öil^elm Don ^^ilippi. S)ei; eine ent^ 

bie iBerlei^unggurfttttbe beg ^aUiumg, er beginnt 
mit einem Zitate au« bem «P^Uippetbriefe (^6il.2, 5—7) 



ßaXtv vfdtv, Tovg ivfiXrjfifiivovg xoiq aytoiiQmtaiv Sea/AHiQ . • . • 
xal <itt ^ ßfßaia tti^ nhzeiüg tfiibv ^ü^, ^ i^tüwv xatayytX- 

3e6(fiov ijfiSiv Ifjoovv Xgiaxöv ;c f. A. 

1) Codinus Curopalata, De Officiis et Officialibus Curiae 
et Ecclesiae Coustantinopolitanae. Ed. Venet. p. p. 326. 339. 345. 

2) Epistolae Innocentii III 1. XV. ep. 56 ed. BalnaiiB 
Tom. II Parisüs 1632 p. 620: Wüldmo PhiUppensi JreM^ 
piscopo, ojusque succesBoribos canonice sutistitneiidis in per- 
petuuiti. Si bumilitatis ezemplum stadaeris imitari, sacro- 
■anctae Romanae Ecclesiae matri toae reverentiam et obe- 
dientiam impendendo, aicut Philippenses Äpostolus exhoriatur, 
ffHotf' inquiens ^ vobia «enltre quod »t m Ckmto Jm , giM, 



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ttiib bif Wili)»|yetocmcinbe. 103 

ber anbete ^anbett m SBUebetenpevbitiig unte^tm&lia 
«erftitlettet IHtd^engüter 

S)ie iDiitercn Qä)xd\aU ber ©cmeinbc babeu fid^ 
{purlod t^etloten. ^et ^albmonb l^at toie an taufenb 
anbern Orten cud^ ^ier mit aQen flbemffen 4tiRIi4^ 
Äultur ooflf^ftnbtg aufgeräumt. 3^ur ein einjigeä in 
einem S)en!)~tcin emgemeigelteditreu) l^at {i^ erhalten') 
itnb au<li^ biefed m&re fl<j^et fetW^rt toovben^ toenn ni^t 
^uffittig auf bentfdben Steine ft^ ba9 (Smblem 
einer alten t^^racifci^m @ott^eit be[änbe, boiS man fd^onen 
mollte. 

£>{efe fd^er^I^e %iat\a<i^t , ba§ bai» Sl^rifientum 

gerabe bort, m e« feine erfte gläii^cnbe ?probe auf 
euto))&ifd^em ^oben bejionben ^otte, um alle feine @r< 
innentngen gebraut loutbe, bermag bad $ti{ittd^e (Bemflt 
mir f(^mer ivl oetminben. @d fud^t nad^ einer @r!lärung 
unb ba liegt eiS nal^e, baiS tragifdj^e ©efc^id ^^ilippi'd 
att Strafe ju beuten unb ed (at audft nfabt an fot 



cum tn /brma Dei esfet, non ra|nnam ar&i^ratu« esl esse se 
aeqmlem Deo, exinanivit se, formam servi accipiens, f actus 
öbediena uaque ad mortem, mortem autem cruds" — abeque 
dnbio exaltaberiB apud eum, qui superbis reeistit, humilibus 
autem dat graiiam; propter quod exaltavit illum Dem, et do- 
navit Uli nomen, ui in nomine Jesu omne genu flectatur coe- 
U^mm, Urmiirnm <l ntfemorum, quia Domintu Jesus est in 
gloria Dei patris. Haae igitur formam doctrinae, quam Apo- 
8tolo8 tradidit Philippensibus , tu eorum factus antistes dili- 
genter ob^erva, ne ab obedientiae bono, ad quod nuper Phi- 
lippensis Ecclesia est reversa , de cetero avertatur etc. 2)er 
te^te 8a^ nimmt SSepg auf bad gnec^iMe Qd^t^ma, bat au(^ 
$^ili{)pi Don diom getrennt ^atte. 

1) Lib. XV. Ep. 50 L c p. 619. 

2) Miarioii Archtelogiqoo de Macedoine etc. p. 85. 



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104 



antiDOttli^ maiiUn im« l^at biefed tMeU f ettfl» 

toerfiäublic^ nur bie Scbeutuug einer fubjeftit/cn SWeinung. 
S)er cinjig fompetcnte Stid^ter ifl ^ier her, in bejfen 
^ttb olle bie gej^eimnidooKen g&ben bon Urfod^e unb 
SBitfung auf beut SeUete ber 9Beltgef(l^t(!^te iu^avmm 
laufen unb befienSluge i,an jebem Drtc ifi'' (©pr. 15^3). 

1) 9Im offcnftcn fpric^t fi(^ in bicjc» SBe/iicfjung ®rctjcr 
Quö : Lector una mecum tot nobilissinaarum ecclesiarum in- 
teritum deploret; pleraeque enim vel funditoa interiernnt, 
vel, ei quae supersunt, aub Turcico jugD hodie gemuut. Qui- 
bus quae tanti mali causa, nisi schiäma et haeresis et a sede 
Apostolica Romana defectio? Gerte enim, quam primum 
Graeci a Cathedra Petri sese abjunxenint, quotidie res eorom 
in deteriiis labi coepere; donec taudem jostissimo Dei judicio 
in eas calamitates incidere , cum quibus bac etiam aetate 
conflictantur. Id ita esse libens fatebitnr, quisquia a Photio, 
praecipuo schismatis architecto, historiaui Graecorum usque 
ad oversum eonim imperiura revolvere solet. (Prooemium in 
Orientalium episcopatuum Notitias ap. Codinum, de OfBciia 
et Omcialibus etc. p. 2d7.) 



ui^ui^i^ü uy Google 



3. 



Sie ^l))oßoa|(^eu Honßitutionen. 

IL 



Son $cof. Dr. ffunh 

^>abc juuäd^jl eine lüeniger ban!Bare Slufgabe al3 
bisher. SBöl^renb bie frü^^eren ilritifer für i^re abireic^^en* 
ben Slnfiil^teii i&iüxibe i>ortea^teii, bie ftd^ (ncftfen lielen^ 
ief$t&iilt ft^ a II d l[(i^eUil{]i bei Sef^^ung meinet 
6(i&rift in ber ^t^eotogifc^en Sitteraturjcitung 1892 ?Rro. 
20 im allgemeinen aufd bU&e $el^au)}Un, bejto. Semeiiien* 
Hilter biefen UmfUlnben ifl eine luMnanbetfe^ung ni^t 
tooljl möglic^. 2lud^ [iegen no$ »eitere ©rünbc Dor, 
oon einet @rtüibetung ab^ufe^en. ^^elii^ \)at fi(^ auf bem 
Oebiete bet Ultevasl^ißonf^en SMM no# ni^t fo toeit 
hmä^, um fd^on ffiv feine bloHen Sel^au^^tungen Stot« 
ben beanfpru^en }u fönnen. ^ie Unteifuc^ung über 
bie itanoned ^ippol^tö 1891 ifl m. äB. bie einiige ein« 
f^Ulgige SfBeit, unb biefe 6d^rift HeBt i^m noä^ leinelSs 
lüeg^ ein Sfteifejeugni^ auö. Sie jeugt jtear oon XaUnt 
unb Oelei^rfamleü. älbet fie \>mät on^ erl^ebliif^en 



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106 



SRaitgcl an bcfonnenem Urteil iinb Serftünbiü^ ftir baiS 
etfotbertt^e ttitifö^e l6etDeidt)erfa^¥en, unb iftv Srgebnii» 
ifl gerabe »erfel^rt. SHij^u (ommt ein toeiteM. Kd^^eltd 
fle^t au meiner ©d^tift^ fotoeit fie bi? ^anoneö ^ippol^t« 
betrifft, in einem rein gegenfft^li^en Ser^&Unii», fo hai 
et ftd^ ftlbft eben fo meit «verleugnen mu%, att er mir 
juflimmt, unb baö ifl bei ber 3nt)erfid^t, bie er in {einer 
SLrbeit an ben Zag legt, ni^t fo leidet ermatten. 
9t ifl alfo ^arteimann, unb Hunte um fo mel^r feine 
SluMaffung gegen mic^ auf ft(^ berufen laffen. 3nbef[en 
glaube id^ bo^ mid^ äu|ern foOen. 9li(j|^t aQe fennen 
ben Ga^oer^alt, unb auil bem 6$tt)eigeu lOnnten leidet 
falfd?c ScblüjTc c^c^ogen »erben. 

^nt>m liddelid eine (urje Slnab^fe meiner Unter- 
fu4^ng über bie 81.11. giebt, ffigt er bei : fe^e barin 
ben 2öert biefe^ Sud^eS, ba6 ^ter bie in ben legten 
^a^^rje^nten über bie 91.^. gemonnenen feften 9le{ultate 
nod|^ einmal in audfttl^rlid^er Sffieife begrftnbet toerben. 
^ie grofee ^Breite, mit ber bie« gefd^ie^t, ift unnötig, 
aber t)erflänblidj>. 5Denn g. ift e« ja geioefen, ber |tdj 
am l&ngüken gegen alle biefe (Ergebniffe protefiantifd^er 
Ihriti! gefhAubt l^at. 9lod^ 1680, 1882 unb 1884 be« 
[tritt er, bog bie fprifd^c 5)iba^falia bie üuette üon I— VI 
fei; erft 1685 ^ et bie (Sinl^eitlid^teit bet 3nteq>olation 
afler 6 Sild^er angegeben, aber auä) bamaU nod^ bie 
3bentität beiS Qnterpolatorg mit^feuboignatiuS beftritten." 
3n bet annal$fe felbfl toitb beteitg bemetft, bie 3ben* 
tität bet 3ntet)>oIatoren wn I— VI unb VII, „an Tid^ 
natürlid^, fei längft nac^geujiefen unb anerfannt." ^ier^ 
no^ foKte man meinen, baft bie Unterfudl^ung Aber bie 
fLIt. in i^tem ^au^en Umfang f((on bor meiner Xrbett 



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S>tf S^ioflolif^cn ftonfHtHHonf ft. 



107 



tft ber ^miptfcu^e nolUnbtt, in einem befonberen ^unft 
aitin minbeflen feit einigen ^a\)Xie\)nttn abgefd^loffen vm, 
mit) bemgtmäg für mtd^ nid^ts anbeccä übrig bliebe aU 
bie »(ErQebniffe ))Yi)teßantifdi^er StxUd** anjuedentten unb 
alenfaDd ne$ meiter §tt er^Men. 3n Sßa^rl^eit jebo^^ 
öer^^ält ptb iJit' ©ad^e folgeubermafeen. 

1. Um bie »Ungfi na^euiefene unb anedannte" 
Sbentttdt bev 3ntetpoIati>¥en ber S)ibadfo(ia ber S>ibad|^e 
3U prüfen, bejto. §u crfcnnen, baju l^aben mir bie 3J?ittcl 
eift feit Einfang bed Sa^red 1884, alfo nodj^ nid^t ein 
Sal^i^e^ni. 

2. ^te fraglid/e ^bentität mutbe juerß ^uic^ <^ar« 
uad 1884 Derteibigt. 

3. S)e¥ Oemeid ^vuad» fiel abev nid^t fo an«, 
bafe )ofort ein ,,fefteS SHefultat" gemonnen geioefen märe. 
Qa^n, mo^l ber eingige meitere ^4>roteflant, ber ben ^unft 
btdl^ec felbfiänbig unterfud^te, fam }u bem entgegenge» 
gefegten Äefu(tat. 2öic tjiel in biefer ^^c^ic^^ung noc^ 
3u t^un mar, !aun man fe^en, menn man bie !ur3cn 
Snbeittungen m ^omad, fiel^re bet )mölf Stpofiei 6. 
2B7— 268, mit meiner 2luÄfül^rung 6. 116—132 t)er^ 
gleid^t. 

4. 2)a| bie 2)ibad{alia bie «mnbfd^Tift btx 9LSL 
ift, nmrbe frfil^et lebigli^ bel^auptet, unb bie 6a<3^e flanb 
aud^ )}ormaU nid^t fo, bag man t?on einer proteftantifcben 
auffaffung teben t5nnte. S)em ^votefianten £agarbe, 
bem fpdtet galftn beiflimmte, ftanb ber ^totefiant SB. 
^idell gegenüber, uiib biefer ^at jubem feine Slnficbt, 
ba^ bie S)ibadtaUa ein Siud^ug aui^ ben fei, nidj^t 
blofi behauptet, fonbern augleicb bemeifen nerfud^t 
i)ie ^eu)ei:^grünbe für bie ^riocitäi ber ^iba^talia iDur- 



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lOB 



ben hutä^ mtd^ s^erf^ l^erau^geftcHt. ®« tfl bcS^alb 
gnmblod, (iet dou einem (^gebnid ^roteßantifd^ Sxüit 
|tt teben^ mib UU^erli^, mir ein 6ttfttt(eii geflen Mefe 
^ritif üorju^atten, ba biefe ja gar feine ©rünbe ange« 
geben l^aUe, beten tdj; mid^ eine 3^it i^ng i^ätte ernoef^cen 
Unnen unb bie l^dtte f<(Iie6Ii^ anerlennen mftffen. 
SBenn tc^ meine Slnfid^t änberte, fo gefc^al^ lebiglid^, 
tDie id) fd^on in ber Qu. ^(il^nft 1885 6. 163 anbeutete, 
infolge SelanntmetbeniS mit neuem Xei^tetoaterioL 

5. 2luf bag 8. öud& ber 21.^. ^at fid? feit ber mit 
äluffinbung ber ^iba^e eingetretenen n)i{fenf(i^aftlic|^en 
OelDegung bie gfovf^g üUtl^upi nodft ni^t erfteedtt. 
SluS eiujelnen 6ä^en üon ^arnad ließ fi^ jmar fc^liegen, 
Wie id^ in meiner 6d?rift fetbft bemerfte, hai biefet ©e* 
leierte filr bad 8u# benfelben Gearbeitet annel^me toie 
ffit bie )>oraudge]^enben Süd^et. Sber bamit mar bie 
6a(^e bod^ ft^er nod^ nid^t fefigefteUt. ^it^ mxh man 
um fo loeniger 6el^au)>ten bürfen, menn man bevüd{t<j^s 
tigt , roel^ flarfe Serfe^en in bet Sd^rift ^amaA bei 
aU bem ^id^tigen fid|^ ftnben, baS [ie enthält. 3^^^^ 
ftebt aucb Iftier gegen ben aSenfaDftgen @4lu6 bie and« 
gefprod^ene SnfÜ^t iH>n 3^^"* &^ tt)ar alfo gerabe^u 
alles neu au mad^en. S^it meldj^em ®runb fprid^t ba^er 
Sl. )9on in ben legten 3al^r|el^nten gemonnenen f eften Sie« 
fultaten unb Crgebniffen ptoteflantifd^er IMtil? 3fl i^m 
fogar anö) ie^t nod^ ein .gauptpunft jmeifel^aft ! 2öä^s 
renb nac|^ meiner ^u^fü^rung bie (BrAnbe für bie 3u« 
gel^örigleit ber Slt)ofioUfd^en Jtanonei^ §tt ben X.JI. loenig« 
flenS ebenfo ftarf, menn nid^t uod^ ftärfer finb a(ö bie 
für bie urfprünglid{^e ißerbinbung bed 8. ^u^ed (ol^ne 
bie Xanonei») mit ben fteben erfleUi «fd^eint ibm in ben 



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Sie llCpotloflf(|eR Ibn^tationett. 109 



OuL Apost. beutlti^ bet Berniter, nU^t ber Xutov ber 

ber au rebtu '. 

Seigt {t4 ^ienad^ über ben 6tanb ber ($rage 
f e(t ntigeiutu untertU^tet. S)ie %e^Ux , bie et begel^t, 
toiegen ttm fo fd^mercr, aU er f^on au§ meiner @ibtift 
eined befferen (^ätte bele^^ren fonuen, ba td^ bei aUen 
^au)>t)mittteii angebe, xm toeit bie gorf^j^ng bisher 
gefommen \% SJ^an möd^te {te baber unbegretflicb ftnbeti. 
3Kan begreift aber, fobalb man ermdgt, njie in 
feine bu^e Sef))ted^ung ben tonfeffloneSen (Seft^tdpunlt 
^erein^ie^t. fprad^ in meiner ganzen @$rift nie 
)}on ^at^olifen unb $roteftanten, auger mo ed burd^ bie 
6adbe geboten toar. 

3n bet toeiteten Satlegung mitb anetiannt, ba§ 
meine Slnfi(^t über bie 3^t ber unb bie ll^eologifd^e 
eteUung i^ted Serfaffeci» beadj^teni^toett iß. 3<b bemette 
boiS mit Senngtl^uung, meil mit getabe bie ^efifiellung 
ber ^di beg !!löetfe)S, tüie fdjon au^ bem erfien Ba% 
meined Sortootted l^etiootgel^t, oiA bie btingenbfle unb 
lDi(btigfle Aufgabe erfd^ien. 6ben bedtoegen ^Atte abet 
biefer ^unft me^r l^ert^orge^oben merben foHen. 2lud^ 
ift beiaufügen, bajj bie ^bentität t>on ^feuboOemend 
itttb Vfenboignotittft ni^l^t, mie man no^ 9(. glauben foHte, 
baten abl^ängtg mad^e, bag jener ntc^t um 360, fonbern 
fur^ nac^ 400 gefd^rieben l^abe. $on einer foUben 9e« 
bingung ift in meinem 8tt<be nidj^tiS §u finben. 3$ ttieia 
bie 21.^. ganj unbebingt bet 3^^^ ^^"^ ^i^i^S 
400 ju, unb nad^ 3J2a6gabe ber ©rünbe, ttjelcf^e bafür 
iiotUegen, ift bie ünfftettung aU butd^aniS ftdftet )tt be« 
trad^ten. S)er SBertoeiiS auf 6. 367 meiner 6di^rift, »o 
bie Snful^t nur aU Setmutung )ootgettagen fein foQ, 



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110 



ifl unbegtünbet. fEknn SL bie 6tette näl^ev ottfte^t, toith 
er ftnben, bag ed ftc^ bott um etload anbetet l^anbelt 

^e« tüeiteren mirb mein ^^ad^irei^ aU n(^tig an* 
erCannt, ba^ (^ipbontuö nicbt bie Cennt, mie man 
in bet letten aOgemein annahm, fcnberit bie S)ibaiS!aUa. 
3)agegen foü Ti^ mit bem Opus imperf. iu Matth, 
umgefe^rt \)ex\)aiun, ^ie ©rünOe^ bie ^ier ^. au^s 
na^mMeife angiebt, ftnb inbeffen unsuveiii^eftb. S)a bad 
Opus imperf. ein Sitat bringt, baft auf bie ftd^ 
ni(bt jurüdfül^ren lä§t, trollt aber auf bie SDibajSEalia, 
{o fennt fein iBerfaffer Itd^er biefe 6^nft. Sofern 
baft anbere Citat fidft auf Beibe 6d^ften lurflclffi^ren 
läfet, fann er aud; bie gefaiint ^aben. 3ft aber 
(o Uidj^t an}une(^men, ber älutor toerbe beibe 6cbriften 
gefannt unb btnüit ^aben, bie ^ouptgrunbf^^rift unb 
bie ftberarbeitung mit ben S^f^^^n ? ^6) glaube nidftt 
6oIIte ed aber fo fein, fo erleibet meine meitere 8e* 
oeidfä^rung boburcb feinen (Eintrag. S)er XpoUinarid« 
muiS ber mirb baburd^ nü^t, toie IL meint, seitKdft 

in grage gcfuLlL Opus imperf. ift unbebingt in 

eine ^üi fegen, in meieret bie ^,SL citiert loecben 
tonnten, ttingen Xillemont unb SKontfaucon au^ tool^t 
9u xoeit, »enn fie bie S^rift hi& in« 7. Qa^r^unbert 
berabrüdten , fo ben^eijl i^r ^erfal^ren jebenfaU^, bag 
(ein entf4;eibenber 0runb borliegt, biefelbe nid^t in eine 
entfptecbenbe 3^ unter bie 9LSt. ^u fegen. 

^ie,g)auptbifferen§ betrifft ba^ ^crljältniS oon VIII, 
4 ff. ju ben Dermanbten ©(b^iften. tarn in biefer 
8eaiel^ung }tt bem gerabe entgegengefegten drgebntiK aU 
21., unb id^ brad^te für meine 2luffaffung ©rünbe nox, 
loä^renb er bie feinige nid^t erhärtete; benn bie bU)|e 



iMc 9)»o|l0Uf4ett tonfKtuttoncii. III 

69no)>RiS ber Gd^rifteu ent^AU ni^t f^on, toie et meint, 

ben bejiiglid^cn Semei^, fonbem ba^ 33e!üei^ütrfa^ren 
(;at auf ®runb berfelben eigentlich erft beginaen. 
9. fonnte bemgemäg aui» meiaec ^d^iift erfe^cn^ »ie 
tM Problem su bel^aiibeltt ifi, unb toenn i^m meine 
©rünbe ettoa ni^t als fti(^)^Qltig erfc^ienen, fo ^atte er 
{te SU mibetUgen. S)ie älufgobe toirb ober aud^ nUt^t 
(eife in flngtiff genommen. Unter biefen tlmflftnben 
tft eiiifad) auf meine SluSfü^rung öeriueifen. 5^ur 
ein paar ^^un!te foQcn l^ier no4 Hit) beleuchtet merben. 

Sl. (&|t mi^ bie ilononei» ^ippoü^ti» einfa(b ini» 
6-— 13. Sa^r^unbert fegen unb fügt biefet Eingabe ein 
2lu«rufung^3eicben bei. 9öer meine Darlegung ©. 280 
unbefangen lieft, mtt> bad (gntfe^en ni<i^t empftnben, 
baiS ibm bie Xnffaffnn« einfUbt. ^ f^alU ffiv bie 
(^ä)x\\i aiiö^ noö) einen Xeil be^ 5. ^a^^r^unbert^ offen, 
obtpo^l mir biefer frülS^e Urfprung nict)t gerabe aU toai^u 
f<betnli4 loottommt^ unb ob mein ä(nfa( tid^tig ifl, baft 
hängt einfad^ oon ber ^obe^altigfeit meiner Srfinbe 
für bie Priorität ber ah, bie ^. nic^t einmal p 
entb&ften Derfu^bte, gefd^meige benn U)irUi<b entb&ftete. 

fM ben Gonsiitotiones per Hippolyttim foD i(b 
ferner bie grage DaOuid) üon tjorn^erein toermirren, bafe 
i<h ben iiaurcntianu0 unb ©arberiuuij, bie 3^it0^n bed 
jefeigen Xeited ber feien, mit ben ^ff. ber Gonst 
per Hipp, aufammentei^e. Sber m foUte bennoon 
t>on ben beiben ^{f. rebeu^ Diefelben enthalten 3lud« 
afige and ben ^St., unb fte »aren bemgem&l ba |ur 
Bptai^ §u bringen, »o oon ben Sludaägen überhaupt 
ge^anbelt mürbe. 5^on t)em ^üarbaiiuiig bcmcrfte id^ 
)ubem @. 1^ au&t>xMiifS^, hai er eine eigene ^teOung 



Digilizeü by C(.)0^lc 



112 



einnel^me, unb toatf il^n alfo nid^t etma mit ben an« 
bent in einen 5Cot>f. S)et £(ntreniiantt9 bagegen 
gel^ört, lueuigftenö naä) hex ©efd^reibung üon ^iixa, öer 
i^n etnfad^ mit bem ^alüanuS 828 ^ufammenfleUt, in 
bie Heilte jenev ${f. 5Daf( in i(^m ber SSome ^t^polyti» 
fe^lt, l^at ni^t« bebcuten. gn^aU giebt bie 
^ntfd^eibunQ. ^aS ^erl^öltui^ mag übrigen^ biefeS ober 
fened fein: bie Qavaptia^t »irb bobuv^^ lebigliiil^ nidftt 
berührt S^enn au$ bie ^ff. bet Constitationes per 
Hippolytum ftnb S^UQen bed jie^igeu ^e^teiS ber 31.5!.^ 
ba bie e^tift ein Kudiug an» btefem merl ifi, unb 
bafi ti ft(i^ fo üerl^dlt, ifl für {eben Cinfid^tigen but^oni^ 
Kar. S)ie Sadj^e mar in ber legten ^eit aud? fafl aU- 
gemein oneriannt ßagarbe^ bet bie Sd^tift ^toeimol 
l^erauiSgab, fprad^ ftd^ beibemal in biefet SHd^tung avA. 
®Ä fofletc mid^ bal^er eine getoiffe Überminbung, ba« 
Setl^&Uni» @. 145—150 n%v au begtfinben. 9lun a<i0t 
mir X., bag bie Crdrtemng nod^ mel^ angezeigt tnot, 
aß idt? frü^^er annahm. @r erflärt ben offenbaieu Slug^ 
|U0 ottfiS neue für eine ältere XejctedgeiiaU, unb be« 
metft mir, id^ ^aU in biefet Se^ie^ung bod mid^tige 
©d^oUon überleben, ta^ von $itra Juris eccl. I, 45 f. 
mitgeteilt tu erbe unb baiS mit Gonc TrulL c 2 unb 
bem 2. $faff fd^en 3ten&ttdftagment )ttfammen|ttfUlIett 
fei. S)a§ Sd^oUoii, enthalten in Cod. Coislin. 211, 
tautet: uii Ttegi xeiqotoviwv ta^etfg tuiv ayuov dnooto- 
km iyQdgffjae» dui ^Innokviw ml %a At %^ ßißlto- 
^TIKT^ %ov ^Qqiyhovg dia Tlafiqdlov tov ieQOfidqtvQog 
£K &f ^AvTioxd<} ovvodov %Wf moatoXiov, tovriativ 
%mp otmdmiif aCtüh nmmm* admcta dk (ood. & 
dfma) imm }Myoy%fu %oi nQog tovs dgxi^QBtg (nvatma 



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i)te 8())oftoIii(^en ßonftitutionen. 



113 



yQag>onat> etg vofÄwAnmu betul^t aOem nad^, fo xodi 
ci8 bic Const. per Hipp, betrifft, einfadft öuf ber 3iiffri^)tion 
büfe» @4äftfUUled; eil nimmt ferner offenbar auf ben 
Annon n beft Zrulfamtm Seaug, fallt olfo unter boiS 
3al^r 692 berab, uub biefe SRott.^i eiltet unbefanuten 
mittelatterltc^ea 6cboliaßen, ein opofr^p^^er SQifd^, foU 
ttn» beJUmmen^ }tt nerleugnen^ loail fUft mit l^nben grei« 
fen lägt ! (Über ba^ ftagUd^e gragment fprad^ ic^ mid& 
fdbon 1891, 522 aud). 2lnbem Sld^elid eine fold^e Sumutung 
erlebt, fett er feiner ftritil bie ftrone auf. Sftan mirb 
ei bo^er begteiflid^ finben, toenn i^ nnbefftmmert um 
bie^rognofe, bie et mir am €^lu& feiner Slrbeit fieUt: 
toenn viS^ biefe toid^tigeGtil^e^ bie Const. per Hipp«, »eiter 
Derlenne, »erbe mS^ bie angeUnbigte Xnilgabe ber Kit 
barunter Sd^aben leiben, ru^ig meinen 2Beg meiterge^e. — 
3um ^d^lug fei no($ bad Urteil gemürbigt, bad 
Si eol^m, itir^enre^t I 1892 6. XX, ftber bie fto« 
noned ^ippcl^td fUtt. S)erfelbe enif<l(eibet Ttö^ einer« 
feite gegen Sld^eli^, inbem er annimmt, bie ©c^rift ge= 
^öre nii^t nad^ Stom, ba bort um bie äAitte bei» 3. Sa^r« 
^nbertd, toie bie Briefe S^prianil bett^eifen, bie aRar< 
tprer nicJ^t mel^r o^ne tpeitere^ aU ^^ircilnitti gegolten 
^aben^ fonbern ben ^rei^b^terat nur burc^ bie Orbination 
erlanfiten, unb fie falle nid^t in bie 3eit ^tpf^oi^ül^ ba 
ber in i^r em7ä^nte 6ubbia!onat in 9lom erfi na($ 236 
eingefe^t morben fei. ^nbererfeitS aber ^{ciu\ii er gegen 
meine Xuffaffund bie 6(trift mit 6id^er^eit no<b bem 
9. ^a^rl^unbert pmeifen su Ibnnen, ba eine Oe^mmung 
tt)te bie, bafe ber S9ifd^of au(^ t)on einem ^re^bpter ge: 
toei^t merben lönne unb ba| ber äRart^rer aud^ o^ine 
bie Orbination ^reilb^ter fH, f)»ftte|lend im 3. Sa^r« 



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114 9ufä, M «MwMiMoi fMUtntiown. 

I^iibett mdfilU^ gelDefe« feL ^Dagegen ifi isbeffeft fu 

bemerfen, ba6 bie Äanoue« bie crßc ©eflimmung nid^t 
l^aben. 3n bem i^anon II über bie SSif^^öfe kfea toir 
aHevtingd: Deinde eligfttar onnB es episoopis et pree- 
byterie (ober iaoerdotilme naä) ^(UiebetgS ftbevfe^ung), 

qui maiium capiti eius imponat et oret. SIbet böS 

i{i ni^t mit @o^iii beuten: ed fönne ein ^if^of^ ei( 
fSmie abec ou^ cUi $tfi(b9tet pit ^^nbaufb^uiig ge» 

toäl^U toerben; iueuii 53i)c^üfe anmefenb feien, merbe 
felbflöcrftänbüd& ein ©ifcibof ettoäi^lt toerbeu ; menn aber 
feUl »iMof ba fei, emftl^ matt eisen {ßvedbi^ter. @oIUe 
ba6 bevCimi fein, fo mägte ed w^enbig l^eigen: tums 

ex episcopis aut presbyteris, unb baß jene Deutung 
unbered^tigt ift, aeigt ubecbied ber ^on IV, m aU 
imterf^eibenbeg Vttomnt stt>if<|eii Oif^of unb ^Hüptn 

ange(ü^)rt mirb, hai ber lefetere nic^t orbinieren fönne, 
quia potestas ordiuandi ipsi nou tribuitur. ^erSu^* 

bntd pxeBbyteri im itanon II ifl f omit ein blofeet ^eonoiS« 
mnd nnb f^nont^ mit bem SBott episoopi. QUna^ 

lUiht nur bie 5meite ^eftimmuiiö, unb biefe fann un8 
nidl^t im 8. ^^rlj^unbert feß^altes. 6ie {iel^t audft in 
ber fog. Ügi^ytifd^en Mt^enorbnung unb fomit in einet 
©dbrift, bie in feinem gatt über baÄ 4. 3a^r^unbert 
jurücfge^t. ^ie i!anoneS ftnb ferner abl^ängig toon bies 
fer ^titt, nid^t i^te (Brunbloge, mie nail^ meinen iBe» 
meifen ntd^t 5u beflreiten ifl. 3n bem SeT^Itnig bet 
©d^riften ju cinanber liegt äberl^aupt bie ©ntfd^eibung 
ber ^rage. Qo^^m \)ai ba^er (eine ilnfl^t gan^ onberd 
Sn begtcftnben. 9m be^ ober »irb eg fein, menn et 
fie fallen lä^t. S)enn ein fo unbeftimmteö Sujlesmilieu, mie 
er ei^ barbietet, fann feinen erniiti^en gorfc^er befriebigeu. 



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4. 

Ser SmueII{)mmentar ^i^)ioll}td. 
«on 9«0f. Dr. %miL 

nur ^agmente MCcmnt. Sie fl^eit in bet tbOqabt 

i^agarbe^ S. 151—187. 3üngft ödaug c^j bem ©rted^en 
Dr. ^. @e 0 r g i a b e bad gan^e t^ierte $uc^ and idid^t 
9tt tte^ ir fanb boilfeKe in bn ^(tot^ci bev t^o* 
logifd^en 6(]^ule auf ber Snfel (S^alfe. S)ur(l^ ben %nnh 
ermutigt fteUte er toeüere ^ad^forfd^ungen an : auf (^^^alU, 
in ibnjlantino))el amb auf bem iBerg fit^i^, Iftmaät in 
ben SibUot^efen beiK Stbenblanbei»; tmb loi^tenb bie 
bortigen Unterfud^ungen §u feinem loeiteren ©rgebnt« 
führten, entbedte er ^ier auger ben bereite bekannten 
9ta0nienten einige neue 6tftd(e. SHefelben tparen bisher 
unberüdftd^tigt geblieben, )um Xeil beSl^oIb, toeU man 
{te bem ^ippolpt t)on X^eben im 11. Sal^rl^unbert ^u- 
f^rieb; fie gel^bren aber, toie ber grole gunb }eigt, 
bem Alteren {^ippolpt an. Ser Sntbeder glonbl nun, 
auf ®tunb be8 ertrciterten Wlatmai^ eine fritifd^e 9le* 
{onßrubion bed gongen ^ommeutard beioertfteEigen in 
(bnnen. (ünfloeiUn mbffentlul^te er in ber "EmIij' 

9* 



116 



0$ainmi^ ^^H^ua 1885/86 bad aufgefunbene vierte 
fMi, eine ivfUrung tt>n 9>an. 7—12. 2)eiiifeI6eii 

gingen, toit if^m f^on bie bisherige goii^ung ergab, 
bui ^üd^ti t>oxa\a. ^ad erfte be^anbelte bie (^e(d^i4fte 
ber 6ttfamia^ bai» §»eite ben ttefang bet btei aRAmiet^ 
ba^ brittc 5)an. 1—6. 

S)ie ^ttbUbUion fanb ^uerfl in Srlanb unb Snglattb 
eine meitere Semertung. 3. Aetineb^ gab einen 
^eil be^ ©tücfeS, Einfang, 3)atte unb ©nbe, mit @in* 
leitung, Slnmerfungen unb englifc^er Überjegung l^etaud 
(S)ttbUn 1888). SiglfttfoDt erörterte bodfelbe in feiner 
neuen Slu^gabe ber 5tlemeni»brtefe (II, 391—394). ^urd^ 
biefe Slrbeit n)urbe bann au^ in ^Deutjcf^Ianb bie Sluf< 
merlfamleit auf ben ^b ^ingeUntt ^^amad befprad^ 
benfelben in ber Zl^eol. )ßitteratttr§eitnng 1891, 33—38. 
%atb barauf t)eranrtaltete @. ^ratfe eine neue Siud- 
gäbe M Sud^ed, unb er brachte baffelbe gan} unb 
^ugleid^ mit ben Koten be9 erflen ^erauiSgeberiS jum 
abbrudf. 5Wc «Publilation, njeld^e bie 6(^?ri{t Ici^jter 
tug&nglidft nuui^t, fftl^rt ben Xitel: S)a» neu entbedte 
irierte 8u4 bee Daniel ^ itomntentard non ^ippotptud 
(»onn 1891). 

a)ad ä&idftHgfie bei» gfunbee ifi bie genaue Qe:« 
Wmmung ber Seburt unb bei» XobeH S^fu, unb barftbev 
foH, um ber ^itte eine^ ßeferg ber Quartalf cbrift ju 
entfpred^en, im folgenben turi berid^tet toerben. 3^ 
gletd^ aber möge no^ ein anberer ^unlt, unb {»ar in 
erfter Sinie, in^ 2luge gefafet merben. 

1. Sie 6dftrift }eigt uni» mel^r ald irgenb eine an« 
bere, n)ie fe^ bie alten S^rifien unter bem SMrud^ ber 
Verfolgung )oon bem @ebaufeu an bad ^dtenbe unb 



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hii beborfle^enbe ^iebechmft M ^errn erfüllt toaren. 
5Da ttnb bott glaubte mau, haü Csbe koetbe in bev 

allem&ci^fien 3^^^ eintreten, unb man n(!^tete ftd^ bem- 
entfpred^enb ein. @S tuerben und in biefer ^e^ie^ung 
Stvei bemetleiu^tDeite iBorf&lle ex^Ü. „Sin &9xUn bet« 
führte ftc^ bor nid^t gor langet 3^it ein Sorfie^er bet 
Äird^e, inbem er fidji o^nc ^Berft&nbniS mit ben göttlichen 
@(briften befd^ftftigte unb bet Stimme bei» ^errn nüf^t 
fo^te, uttb et felbft betffil^tte toiebetum anbete. Set 
Jperc jagt nämlid^: tocrben t)iele [aljd^c S^iiftuS unb 
falfd^e ^rop^eten erfiel^en unb ^iUl^m unb Sunber t^un, 
f 0 baft fie, b>enn e0 mftglU^ toftte, ou^ bie tkMxv^U 
ten t)erfühten iDfltben. Benn bann einet §tt tnü^ fagt: 
©ie^e, l^ier ifl S^rifhi^ ober bort, fo glaubet eg nid^t; 
ftel^e, et ifl in bet müfU, {o gel^t nU^t binoud; Ftelfte, 
in ben SemA^etn, fo geltet ni^t l^inein' (SRatt^. 
23—26). 3ener aber toerRanb ba^- inö^i uiib überrebete 
Diele ber Srübcr, mit äBeib unb itinb ^ur ^Begegnung 
(Sl^fd in bie müfi^ j^nou^ittge^en. S>iefe ittten nun 
in ben ^Bergen unb SBüflen, bafelbfl uml^erfd^toeifenb, 
unb eiS fehlte toenig, fo kodren fie t)on bem Statthalter 
aU Xdubet etgtiffen nnb (ingetiilhi^ tootben, »enn nid^t 
lufaHig beffen %xm eine 9Uubige getoefen »Ate nnb 
er tion i^r \)äne befiimmen laffen, bie ©ad^e auf 
ftd; berufen gu lafien, bamit nid^t jener megen eine $er« 
fotgung entHel^e. Sie gto| iü bo4 bie Z^otl^^ unb 
Unfenntni« biefer Seute, ba§ fie ©hriflu« in ber SBüfte 
fud^en, fo toie aud^ 5ur Qcit bed ^roph^ten Slif&ud bie 
@öhne bet ^topl^eien ben dliai», aU et ^imoeggenommen 
tootben towc, btei Xage lang in ben Qergcu fud^ten. 
S)et$err ^ai gefagt: ,äBie ber ^lig auiSge^t t^omSluf« 



118 



gang unb leud^tet bid gum ^iehetqawQ, fo tvirb aud^ 
Ue «nbinft bed 9»eti{<lfteiifo^»eft fein' (äRatt^. 24, 27), 
iittb et beiitetf bamtt Hat imb beflimmt an, bofi et mtt 
ber Wad)t unb ^entid^fcit be« SSater« t)om ^immcl 
etfd^eiiieii toecbe. S)ie(e obet fucbten i^u auf bea i&et^n 
unb {» bet IBftfle. 5&emi ni^t fo mitb feine §tDeUe 
3ln!unft fei«, mie bie erße mar. 2)enn bamaU crfd&ien 
er nur aU atmfeUget ä^eni^ ; ieftt aber erfd^eint er aU 
wußtet bet qanyen SeO. tbib bamaU (am et, um ben 
Wltn\d)ü\ 5U retten ; jegt aber fommt ci, um aHe 6ünber 
unb bie, meldte gegen if)n fre))elten, 5u ftrafen. ^ad 
abet fagen Mit (ut Ctftttnng bet gUnbigen Qtfibet, 
bamit fte bem Sflatfc^lug (Sotted nid^t Dorgreifen, fonbern 
ein jeber erlenne, bag er an bem Xa^e, an meldi^em er 
bief e tteft betl&lt, beteitiS gerichtet ifi ; benn ttet i^n 
ifi ba« Cnbe gefornmen. tt^nlt^ mt ein anbetet 9tann 
im $ontud, auc^ ein ^orfte^er ber ^ird^e, ^mar fromm 
itnb bentfttig; et ortete abet nidftt fotgf&big auf bte 
6d^riften, fonbetn glaubte me^t ben (Seft^ten, toeld^e 
er felbfi fd^oute. 9la4bem er ndmlid^ einen unb einen 
imetten unb einen britien S^taum gehabt, fing et an 
ben Stflbetn toit ein ^o^b^i toor^erjufagen: Siefe« 
toeife td) unb biefe« mirb gef(^e^en. SU« i^n aber biefe 
t)orberfagen Irrten, bag ber £ag bed ^ertn beoor^b^/ 
flebten fle in bem {^tm mit Jttagen unb Z^tAnen, 
^a(i)t unb %aq ben fommenben Xaq be« ©eric^tcS t)or 
Eugen ^abenb. Unb er brad^te bte trüber in {olct^e 
gitr^t unb Sngfi, ba| fte ibte SBo^nungen nnb idet 
tt)üfle liegen liefen unb bie SDk^rja^l i^;r ^efi^tum wer« 
laufte. (Sx aber fprad^ ^u ibnen: SBenn nicbt gefd^tel^t, 
inie id|^ gefagt ^abe, fo glaubet aud^ ben 6c|^ttften nt^t 



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9)ev S)aii{cIloiiimeiitaf 6i|i|»ol9ti. 



119 



me^T. Da fte tum auf hu (fofftQsng maxteUn, nHi» 
obre eintrat, mB jener gefagt f^atte, nmrbe er felbfl 

al^ Lügner §u 6d^anben, bie ©d^riften aber erfd^iencn 
aU malj^r, unb bie trüber jauben fi(i(^ {c^mer geärgert. 
3nfo{0< beffen heirateten bie Sungfranen fortan toieber 
nnb bie 3}Mnncr fdj^ritten jnr ©ebauung ibre« ßanbe«; 
biejenigen, meldte i^ire $abe umfonfi tetfauft l^atten^ 
baten f;i>äter mieber um biefelbe* tM begegnet ben 
nngebObeten unb leidet Betoegtid^en SRenfd^en, bie nidbt 
genau auf bie 6c6riften ad^t^aben, fonbern ben menfci^i 
lid^en Überlieferungen unb t^ten ^rtümem unb £räus 
ntereien unb SRi^tben nnb Xtoeibenoorten ntel^r glauben. 
S)enn aud^ beii Äiubern 33rael3 ift S^nlic^e^ begegnet; 
bad ®efe^ ©otted ad^teten fie für nidj^tö unb übertraten 
€i^, ben Überlieferungen ber Uten aber nntermarfen fie 
ftcb mit Sßo^IgefaBen. Unb je^t magen einige ^^nlid^ed ; 
inbem fie auf eit(e ©efid^te unb fiepten ber S^ämonen 
ad^^oben unb am @abbatb uub Sonntag oft ein gaflen 
anfe^en, ml^ei (Sf)tift»a ni^t angeorbnet l^at, t)erunebren 
fie baä Güangelium beS ^errii" (SBratfe 16, 9—17, 7). 

^ipjiolvt tritt bem Sntum lebl^aft entgegen, 
l^ebt namentlid^ j^erttor» bag ber Sreuel ber Serttilflung 
(3Rarf. 18, 14) jutjor fommen müjfe, toäl^renb jegt nodj 
ba^ vierte ^^ier 2)anieti8 l^errfc^e ober ba3 Slömerrcid^ 
begebe (8r. 14, 31). dt bemertt, ba6 nad^ ber 6<jMft 
(SRattb. 24, 14) bai» Snbe nid^t eintreten toerbe, bebor 
bag Stjangelium be§ §errn jum 3^'^9"^^ ^^^^ 3>ülfern 
t)erfünbigt fei (15, 16). (Sr beredbiut bie 3)auer ber 
SBelt na4i belanntem Sorgong anf 6000 ^a^re, nnb ba 
Cbrifhi« nad& feinem ^(uiafc 5500 geboten »urbe, fo 
rtnb ed no(b einige ^a^^r^unberte bid ^um ^nbe (19—20). 



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120 



Unb inbem et fo 90u bec ^eit ber äBieberfunft bed ^mn 
ffoMÜ, lommt et §ttte|t an bet {^anb «oti San. 12, 

9—13 auf baS Steici^ bei? §crru unb feine ^errlid^feit 
au fpred^en. 9la4 StU&niud bed Sibfd^nitted folgen bie 
Sötte : nun bet l^ett feinen Sftngetn ütet bad 
ffinfttge 8teid( bet ^eiligen er^äl^lte, toie e9 fo l^ettli^ 
unb tDunberbar fei, bcmerfte 3uba3, erflaunt übet ba« 
Sefagte: Unb »et koitb biefed fe^en? S)et $ett obet 
etlofbette: X)a9 metben bie feigen, toeU^e tofitbig finb* 
(^r. 44, 15—19). 1)k ©teile bereitete ben bi^^jerigen 
d^Uätetn groge ©d^lDietigkiten. Seotgiabed bemetU 
ba}tt : et toiffe nid^t, ttotaniB boil genommen fei ; in ben 
erfien brei ^angelien ftnbe ^ä) nid^tiS berarttgeis. ^au 
md )DertDei|l auf ein apofr^pl^ed @t)andelium, mit t^rage« 
^ei^en auf bad ^btAeteoongelium , unb ffigt bei, bie 
9etiIo|>e fei fonfl nid^t befannt. Qtntle ffi^tt bie 

6teIIc auf 3o^. 14, 22 — 24 5urüdt, unb ev glaubt bie 
3ufammen[teQun9 gem&b bem ^tppol^t eigenen freien 
9enft|ung fflt butd^auB iutdffig ^en }tt bfltfen, iu« 
mal ber ^affuiS burd^ bad ^el^len ber fonft übli^en Sln^ 
ftl^rungdfirid^e tu ber anzeige, bag er uid^t aU etgent« 
li^ei^ (S^ai i»et|ianben fein tooOe. 9lbet biefeiS Setfo^n 
i|l offenbat unri(i^tig, tote bie Sergleid^ung bet 6tellen 
jeigt, unb ber 3ö)ßifel ber anberen ©elc^^rteu lägt fid^ 
leidet löfen. 9)ie $eti!o{)e iii ni^t unbe!annt. @te toitb 
nnfl btttdl^ StenAnd Ady. haar« 88, 8—4 att but<l^ 
^Papiag unb bie ^ßre^b^ter überliefert mitgeteilt. 3n 
2lnbetra(^t biefcr Überlieferung fanb fie au^ in bie neuen 
Xni»gaben bet 8l))ojiolifd^en Sätet ILufna^me. {^tnad 
t»etga| atfo, bag et hai GtAä f elbft fd^on einmal bel^anbelte. 
2. £)ie eteae über bie ©eburt unb ben Xob (Sl^ri[ii 



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Der t^aitiendimneittot ^i|))>ol^. 121 



mx f^on ftüfftt UtamU 6ie i|i ttf^alUn hux^ eine 
bet Sibliotl^ef (Sf)\Q\ in ftom unb fle^t (ei Sagatbe 

153, 12—15. 3u ber ßf. toon (S^alfe aber erid^eiut fie 
otel umfangreicher, (^enfo in bem gcagment einer ''^a-- 
tifet {^fv bie {enet ^ut Ctdftitaitiig bient, iitbem fie eiiii0e 
2öorte bietet, meiere bort fel^len. ^eUe , inbem ic^ 
ben %eict ber beiben ^f[. jum 5lbbrucf brinc^e, bie neuen 
Eiiflaben in Ulamment. Set 6o6 lautet : yaq nqmvi 
fMQwala tw mfqUw i^fW 17 baa^iMog, [iv ij yeYiwrp^ou] 
ey Bij&leifi, eyivero [ngo öxtoj xalavduiv iavovaqUav, 
^fdQ^ TnQttdi], ßaaüieifovTog Auyovatov [taoaaQcmoatov 
smi d96%9Qcii^ Irop, Axd di fS9ift<mttt%tltoaw0 
Kai ntvtaxoaioazq) eiei* enad-e dk tqioxook^) tQiti^^ 
{nQO 0X1(0 xahxvdwv anqtXitav^ ^if'^Q^ na^aOHSv^f oxna- 

Kai ^PovßeUkmg]. @d tDtrb ^iet al\o für bie @ebutt 
ni^t blo6 bie 3eit beg SluguftuÄ unb ba5 2öeltiaj;r 5500 
angegeben, toie bort, fonbem au4 t>a& Siiegietunddia^v 
ht9 jtaifetft, bet SRonatdtag unb bet So^entag; bie 
Seit bc^ Xohe^ lüirb nic^t blo& burd) bie SKngabe ber 
ü^ebeni^5eit beftimmt, ed ivirb aud^ ha& Kegierungdia^r 
beg Xibetiud, bad Honfttlatdjal^t, bet atonatgtag unb bet 
Söodjcntag beigefügt. Slm bemerfeu^iüerteflen ifl bie ^n- 
fejung ber ©eburt ^xx\t\ auf ben 25. Deacmber. S)ag 50a: 
tum etf^eint l^iet mebt ald ein 3la^r^unbett früher, aU eg 
fon|^ anjutreff en ifl. ffiag i|l obet Don bet Stelle ju galten ? 

S)ie ^eraus^geber betrad^teten bie 6tette aU ed^t. 
9hub ^arnad fpraC^ fidji bal^in aud, inbem et erfUirte, 
bet Itommentat fö^eine oon Interpolation frei au fein. 
S)ai8 Urteil ^ielt inbeffeu uid^t lauge au. ^xaitc tarn 
in türaejler 3eit t)on feiner anfänglichen älnfid^t iutüd. 



Dig 



Snbem er in hex S^itf^vift füv »ifienfil^aftlidfte Xl^eologie 
36 (1892), 129—176 bte eteOe einet ii%ceii ^rüfun^ 

uutcr^ofl, gelangte er bem ©rgebni«, bafe ber Xcft 
ber üon (Sl^alfe l^ier interpoliert feL S£)ec ucfprüng» 
li^e liegt i^m im (S^\%u%xaffnM ttor. Cbenfo 
fonb ^ilgenfelb in feiner Untcrfud^ung (3- f. tü. %\). 
36, 257—281) ben ^eyt nid^t unDerieJrt ^ux nimmt 
ev Ett^t eine fo toeitde^enbe iBecänbenmg an »ie S)sat26 
iSt l^fiU ben (E^aKe^^e^ im aH^iemeinen ffis ed^t, tiefl 
aber bei ber ®eburt tiqo (f vtuvurv dfiQikicJv ft. ti^o 
ouro) Mttlcofdua/ iwfovaQinWf b. ^. er fe^t baiS Saturn ein, 
bail auf ber Gtotue {^ii^pof^iS fielet, beim Xob ober ber 
fiebenöjeit tQiaxooT^j ftatt tQucxoattf tQitq) unb bei 
bem SRegierungSjal^r bed S^iberiuä kttxcudexchii) ft. ojaw- 
MTMlcKOf^ (6. 275). Semer fpxQidi {t<^ an(l|^ iBorben» 
l^elDer, ber 9erfa{fer einer trefflid^en Unterführung über 
ben ^anielfommentar ^ippoli^t^, gegen ben neuen 21cyt 
ata (m ahinbfdftatt 1891 9lro. 8). S)ad Urteil ift 
überl^au^t, fotteit eft M um ben 25. Sejember l^onbelt 
bereits faft aücnt^albtn bai8 gleid^e. 21U Sßertretcr ber 
anberen ^n[xä)i ift nur £agarbe mit ber 6(^rift : SUteÄ 
unb 9letted Aber ha» SBei^mubtdfefi 1891 (SHitteiittUfien 
8b. IV), 5u eroA^nen. 3n ber X^at fpre^en bie (e^ 
»id^tigften ©rönbe gegen bie 2lngabe. 

S)en $f|. toon (Sl^atte unb $arid ^l^t aaerbingft 
Oeorgiud Si^ncelbi« gur Seite, toelcber in feiner am Xn« 
fang be^ 9. Qa^r^jimbertS toerfafeten 6^)roiiograp]ric (ed. 
Bonn. I, 596/97) bei ber ^^erecftnung ber ©eburt ©^rifli 
auf ben 25. ^De^ember ficb auf ^ip^ob^t besiegt. Suf 
ber anbcrn ©eite aber mirb baS S^>i9i=gragment burd& 
ben ^raberbiji^of (fleorg beftätigt/ ber in bem ^rief an 



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S)aitieUotitmeittav ^iiMiol^tt. 128 

bea ^x^ibyiix 3e{ud 714 (ilberje^uiid t>oü ä^pffel 1883 
6. 48) bie Stelle fo tviebergiebt, lote fle bott lefen 

ift. 2)ie 2ßa^rfd^einli(^feit fpriijt überbieg el^er bafür, 
bag ber 25. ^eaember^ nad^bem ex bet Xag eineiS d^rift.- 
li^en ^uptfeM geiootben toar, eingettadeii, aU bafflr, 
bat et midgekffen iDitrbe. 9iu6) ifi fd^tver anaunel^men, 
ba6 ber berül^mte .^ircbentel^rer , trenn er baS wichtige 
S)atum beiettö ^ei^abi ^ätte, tu bei £Utetatuc bec gotge« 
)eit^ bon Oeotgiud G^nctllttft algefe^en, tiitgenbft aU 
3eu0e bafür folltc angerufen njorben fein, obmo^t bag 
Saturn, tpie ^^rpfoflomud in fetner äßei(^nQ(^td^omi[ie 
seifit, nübt ol^ne Slnfedl^tttiifi blieb. 3n bet Ofiertafel 
enbli^^ toeU^e auf feiner 6tatue eingegraben ifl, fe^t 

^ippol^t bie yeveoig Xqiozov an ftQo (T vwviitv art^ei- 

Um. (ix nimmt alfo ^iet ben 2b. S)eaember %ax nid^t 
Ott eebustdtafi C^TifU an. foUfter fiitt i^m bev 

2. 2lpril ober^ ttjenn man je baä 2ßort yiveaig mit ^ratfe 
ote (SmpfdngniiS beuten moßte, ber 2. Januar, ^ie ^n» 
fiabe bet 4^f. )>on Sl^alle fle^t alfo mit bet bet ORet« 
tafel in ffiiberfprucb/ unb toeld^e jurüdautteten l^at, bürfte 
faum fraglidb fein. 2lu(^ ifl jene Eingabe nid^t etwa 
bttt^ bie Slnnal^me )u tetten, ba^ bet ftitd^enle^tet in 
biefet 9e$te$ung feine Xnflö^t im Saufe bet gellte ge^ 
änbert l^abe. SDaju liegt fein ©runb t)or. ^ie 6ad^e 
ifit im ©egenteil burd^au^ unti}a]^rfdi;einlicb. 

^ienod^ untetliegt ed mo^l (einem S^^^^f 
26. S)eaembeT in ben eine f|>fttere 3ut^at ifl. IBie »eit 
abet bie be§ügUd!?e ^anb etm nod^ weiter eingriff, tft »enU 
fiet lei^ stt bejlimmen. Sdft enthalte mi4^ üotetfi eined Ut« 
teiä. SieOei^t btingt (Sleorgiabed in bet in 9udfi(^t fieflell« 
ten ^ublUation todim ^iln^altdpunfte einer @ntf d^eibung. 



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n. 



1. 

md) @toro ^offmanu, $rofe|fot in ^iel. — ftid, (£. 
3. ^äfeler. 1891. 106 @. gr. 8. 

5We B6)xi^i acrffiHt in jrtci Seile, eine Untcrfudj^ung 
über ©ntReJfung be« SBuc!?e^ $iob (6. 1—36) unb eine 
beutfc^e, Don {al^Itei^en fritif^en iliimertuiifleii beglei« 
tete Übertragung bed in ber Unterfud^ung refonftruferten 
tttfprünglid^en %ud|^ed. 

S)ie Unterfud^ung flatuiert t^ier Stufen in (tnU 
flel^ung berS^id^tung: erfteni» eine Altere (Sefd^id^te 4^iob9, 
roel^e „bie ^eiüäl^rung eine« ©cred^tcn" inä)mte, 3)icfe 
6d^rift (og t^edj^iel üor unb gab i^m Xnlag aut ätennung 
4^iobiK in feinem 14. ftapitel. S)tefe Altere S^^rif t tann 
gauj \x)o\)i beu Prolog fomo^l aU ben ©pitog beg jefetgen 
Sud^ed umfaßt unb mitten inne einen Dialog befeffen 
^aben. S)ie ameite Gtnfe mar ba» Ad^te 8ttd^ l^iob, 
beffcn ^erf. c. 500 to. (I(;r. fc^)rieb. S)cr ©runbgebanfe 
biefeiS iBuc^d fei ber @aft »bag bai9 Reiben bed äRenfcben 
gramer fei ate feine Sd^utb oor Sott". SHe IReben M 
@U^u fel(;lten in biefem ^u^e. ^hcx „m 2efer beiS 



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125 



unDerfel^rten SBud^e« uerflanb ni<it, tok ^iob 9te^t hc- 
(alten (ottnte, obgleidi^ f^on bie i»etmeffeiie unb bftnfels 
(ofte Ml^nl^eit {einer Sprad^e auf t)eTfiedtte Untauter« 
feit beutelt fdf^ien, unb gefiel t^m ni^t, bag bie 
BttTftdtDeifunfl betfelben burcb ben Rillet att^uipeiiid 
f4;arf unb aiüSfü^rlic^ ifl. ttm bie Xbflrafung ber gred^« 
l^eit nad^5ulj/olen, DerHeibete er [lä) in einen vierten 
iftngeren degner bei» $iob, ben (Eli^u . . • • unb f(bob 
bie Sieben, toeld^e er i^m unterlegte, leintet ben Siolog 
mit ben 2)reieii unb t)or bie ©rfc^^einung ®otte« ein" 
(6.2S). S)a« mar bie brttte Stufe. 9tun aber macf^te 
fi^ f^tieltid^ noä^ eine t)iette j^nb an baiS 8tt4: bie 
„beS 3^^f^örer«". ^er le^tere ärgerte fic^ barüber, baft 
in ber ^eo))(anie nur bie brei greunbe, nidftt aud^ 
fjHoh getabeU n>erben. S)e0M( entnal^ni er ben Keben 
ber gr^unbe längere ^artieen unb legte fie ^iob in ben 
äRunb, fo bag biefer „{di^lieglic^ ald ein mantelmütiger 
nnb btt6ferti(|et Sfinber etfc^en unb bet Bebingung 
ber ßU^ureben für feine 53egnabigung entfpiadj " (6. 25). 
€in fol((eÄ 6tütf war a- 33. 21, 7-28, 28, bad ur^ 
f))rflngU4 ber Siebe S^P^^ angel^iyrte, je^t aber i^om 
Serflörer auf ^iob übertragen juarb. Slufecr biefen ums 
faffenben Umflellungen ertaubte ftd^ ber^^i^örer aud^ nod^ 
oerf^iebene Heinere Interpolationen, bie aum Xeile eben 
burd^ bie UmfleQungen nottoenbig gemorben nmren. 

€d ift nid^t unfere ^bfid^t in eine Aritif btcfet ge» 
»ift fd^rfünniaen unb offenbar lange unb reifUc^ öber« 
legten ^^pot^efe einautreten. Stur fo t^iet mdd^ten toir 
bemerfen, bafe xoix toor allem ben toom Sßerf. ftatuierten 
Vrunbgebanlen bed IBud^ei» «ba| bad fieib bed SKeufd^en 
grdger fei aU feine Sd^nlb bor Oott" feinetoeg« aU 



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126 



^offmann, ^iob. 



Icüciibe '^hcc beif 2)id^teiö anjucrfcnncn vermögen, 
übcigen fei iin^ geftattet^ an\iait jeglid^er Rüiil ber 
tUn f{ia9ie¥teit Suffaffuiid bed Su^k^ ^iob bie eindS 
anbeten, ebenfalls l^ert)orragenben SßertreteriS ber 93ibel= 
hiti! gegenüberpftellen. @orniII, in feiner Einleitung 
in t><a aUe %ifL (gteitutg 1891) itrteUt & 231 iUm 
bie §Iil^us9lebeit: ^,^0 giebt in bev gefamten ^eiligen 
6d^rift menig 6tüde, »eldj^e ficb an Xiefe bed Oeboit' 
ten^ iwb ^o^eit bet ttefUuntiig mit ben Cül^iurebeii meffen 
ttnnen: inl^blid^ ftnb {te Ue Jfarove beS Sud^eil {^iob 
unb bieten bie einzige £öfung bei» ^roblem^, meldte 
bet tMitn oon feinem oltteßamenUid^n etanbfmnlte 
au9 ^eben lonnte, ba bie molare itnb enb^tige i^m 
nod) toerfcbtoffen »ar". S)iefe felben @li(^ureben tperbeu 
loon ^offmann iüx eiitdefd^oben etliäct unb mu|ten oUet» 
bing« fo erlUlTt n^etben, toeit ibt Sn^t bev beveitd 
beanftanbeten , tjon ^. üorau^gefe^ten ©runbibee n\d)i 
tnt\ptvä^U Über i^en ^n^aU aber urteilt „Qm^ 
(b. ^. be0 Sefevil) Srgänaung befielt axA latttec ftebe« 
unb ©ebanUafcßen, meldte allen leiten, jumal aiicb ber 
64^lu|rebe (Sottei» entlehnt finb. (Sinen neuen Oeii^^ti»« 
)mnlt eröffnet er ni^j^t" (6.28). 6oI$' biametcale 
(Segeufä^e ^luder bcbeutenber unb grilnblic^er gor)c^er 
in Beurteilung ein unb berfelben ^^aterie betoeifen boc^ 
m% ba6 in ber fog. b<^beren »ibeUritif bie enbjefti« 
«ität noc^ eine ungeiPö^nU(i^e Flotte fpielt unb ba^er 
aud^ Dorerft bie behaupteten 6rgebnif[e biefer jugenb* 
lidften SS^iffenf^aft unter biefem Oefi4^ti»)>un{te fu beut« 
teilen finb. Setter. 



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Oorpoi Sorifttonun latinonia. 127 



2. 

Coipiis Serl^nmi eedes. latliioTiim adiinm oonnlio 
et impenris Academiae littonumm OaesareAe Tindo- 

bonensis. Vol. XXI. Fausti Reiens i s et Ruricii 
Opera ex recensione A. Engelbrecht 1891. LXXX, 505 p. 
— Vol. XXII. S. Hilarii Pictaviensis tractatus super 
Faalmot lec. A. Zingerla 1691. XXH, 888 p. — 
ToL XXIII. Gyprisni Galli poOtae Heptatenclios, 
rec. R. Peiper 1891. XXXIX, 348 p. — Vol. XXV. 
S. Aureli Augustini operura sect. VI. rec. J. 
Zjcha 1891/92. LXXXVI, 997 p. Vindobonae, F. 
Tempeky; Lipsiaa» Freytag. 

1. erften biefet ^änbe ^er Steuer äludga&e 
bet loUinifd^en ^ird^etif^riftfieK^, toeldfte feit unfern 
(e(teti 9n§eige (1891 , 805 ff.) erf d^tenen ftnb , erl^alteit 
mir einen Zeil ber ©d^riften M Sifd^of« gaufiu« üon 
Stiele De gratia, De spirita 8., Epistalae 12, Sermones 
81, iinb bie Sriefe feined {fttigeten fieitgenoffen^ bee 
©ifc^ofä Sfluriciuö t>on Simoges^. 3)ie Überticfcrung ber 
©d^riften ift eiue jnannigfalliöe. 2)ie Ülejenfion geftaUet 
M infofem einfädle, a\A einige 64^riften j[e nur 
ottf einer nt^en, füt bie anbeten meifleniK eine fü^- 
renbe ju ©ebot fte^t. ©röfeeren 6d(;n)ieri9feiten 
untetttegt bie Uttetat^if^o^fc^^ ^age. <l^d Ij^anbelt {id^ 
^kt nft^et^in um bie SermoneiS. 5ÖeT glaubt, ba6 
jwci ©Qtnmlungen üou ^omiUen beiS gauftuiJ erhalten 
fmb, bie eine in einer ^urla^er, begto. KarUru^ec $fv 
22 6tAde umfaffenb, bie anbete in bet Sammlung bon 
66 ^omflien, »eU^e ®atgneitt9 untet bem !Ramen beiS 
(^ufebiud t)on@mifa oeröffentlid^te unb ^. ©d^ott um 18 
betme^tte. 3ene lommt in bem botUegenben ^anb mit 



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128 



CSorpna Seriptonim Utinoniiii. 



9 tDeiteten ^omilien, bie anbeten ^{(. entnommen ftnb, 
}um Xbbnsil. SHefe Sammlung ifi einem imeiten 8anb 

öorbcl^alten. S)ie Qa\)i ber erfauuten ^omtlien beS 
gauflttd toüxU fiä^ alfo auf 105 belaufen. & glaubt 
in bet ^ra^e im allgemeinen einen feflen 9mnb gelegt 
!?aben. S)o(^ t>er^el^lt er fi^ nic^t, bafe bei treiterer 
$£)uc(^totf(bung bec ^a^ttei^en einfcbl&gigen ^ff« nocfi 
einzelne ^omÜien aufgefunben loetben Unnen, meUfte 
gauftu^ angeboren, ©beufo räumt er ein, bic 2Iuffiii- 
bung neuen äRateriaU toerbe Slnlag geben, biefe ober 
jene bei obigen 105 {^omllien bem ^aulhig ai^uSpxtö^. 
3a ber %f)at ifl ^ier noä) mand^e Unterfud^ung ange^ 
jeigt^ toenn aud^ anjuerfennen iß, bag d, mit {einer 
Zl^efe einen glüdtli^en SB^urf getrau. 6elbfi boA t>or« 
Uegeube 9JiateriaI medt budi^ ^ebcufen. 3)er 6ermo 
X @. 259 mürbe in ber 6tabt bed .^onorat, in 
Slrteg gel^alten, unb bemgemA§ ift iUxM^^ an einen 
®eift(id?en ber bortigen Äird^e ot« Hutor ju beulen. 
3öie Säumer in ber Sitter arifc|?en ^unbfc^au 1892 ©.69 
bemetb, toirb bie ^omitie in einer t>on Otleang aug 
bem 7. gal^r^unbert tüirflid^ bem ©Ifariu« Don Ärteg 
^ugefd^rieben. Unbebingt notmenbtg ift freiUdj^ bie 
nabme ni^t. gaußug prebigte, mie 6iboniug Ep. IX» 
8 melbet, getegcnl^eitlid^ in S^on, unb ebenfo mag er 
aud^ in Slrte« geprebigt l^aben. 2lber in einem fol(^en 
gaU giebt ein $febigev t>on Sebeutung boilft gemdbnU^^ 
auct irgenbwie }U t>erflel^en, bog er in einer fremben 
Äirc^e \pxi6)t, unb ba^ gelten einer berartigen Slnbeu« 
tnng ift nidftt gering ansufd^lagen. 3<l^ {omme ttbet ben 
9nnft um fo weniger ^inmeg, att 9. benfelben in einem 
anberen gaU fid^tlic|^ ^u leidet na^m. ^er Serfaffer 



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Corpns Seriplornm latinorom. 



129 



bet l^omilie Aber bie I^L Slanbina in ber anberen Bavm» 

lung, giebt \i(S) beutUd^ aU ®eiftU(^eu üon fipon 311 er^ 
lenneu. 2)a| et tion ber ^irc^e dou £pon aU ecclesia 
nobira unb oon gocinuiS ($otlftimtd) beatns pai«r 
noeter fpri($t, mag an [läf tpenigev iiitf Cetoid^t fallen, 
wie 6. in ben ©tubien über bie ©d^riften be« U3ifd^of0 
gouM 1889 e. 66 bemedt. ilber bet (Segenfat, in 
ben et bie ecclesia oosira anbeten Mn^en fttUt, 
nötigt uuiS ju ber Slnna^me, bat er felbfi berfelben 
gehörte. Unb tute ^ier eine frembe ^omilie in bie 
Sammittttd Hufnabme fanb, fo tann eft ax^ fonfl no^ 
ge{4^e^cn fein. 3m allgemeinen bagegen mögen bie 
Sammlungen ^omilien be^3 gauftu:^ bieten. 

2. SHe 8le|enftott bed ^falmenlommentatil bed 
^otiud tDOt mit bef onbeten Cfbtoiettgfeiten t>etbuttben. 

ift fein üobei üorl^anben, ber für ha& ganje 2öerf 
aU Sü(;rer bienen fönnte. 2)ie beiben ättejien igftv t)on 
6t. (Batten (^ttmpfefl) unb 9on Setona, bieten nnt 
einzelne Steile, bie jweite meifl überbieö ja^lreid^e ^ev- 
für^ungen unb ^itter^olationen auf. ^uc^ bie übrigen 
^ff. ünb mebt obet toeniget unDottf^finbig. 2)et $9. 
batte babet einen fd^meten 6tanb. 3nbeffen bütfte et 
bie ©c^iüierigfeiteu , bic fic^ jeinem Uutevue^^mcn bar- 
ftettten, but^ anbauernbe langi^btige älrbeit im ganzen 
fiMAiib fibetmunben b^ben. S)ie ^totegomenen geben 
t)ou feinem ^erfa^ren furje 9ted^euic^aft. Slu^fü^rtic^er 
batte er fid^ über bie Aufgabe fd^on an anberen Orten 
ge6u6ett. Reibet »ot ibm eine toicbtige entgangen^ 
cod. Lugdnn. 881 saec. VI, unb bdiS flberfe^en ifi um 
fo bebauerlid^er, aU bie , enlbc^lteub bie ^falmen 
51—69, 91, 118—136, oielfad^ in biei^üdten ber beiben 

xtMi* omomimkih. um. ^i. 9 



Corpua Scriptonua latiaonim. 



attberen alten ^f|. eintritt. S3ei ber gepjieflung ber 
e^rift^Ben lotttbe et hux^ feinen iBcuber, ^omUpU 
iulax S^inqtxU in Orient, unterftüftt. ^^rojbem mürben 
noä) ^a^retd^e @teBen übergangen, unb felbft 
toeUj^e buc<j^ secundimi apostolam iinb ft^nlid^ ffiocte 
t>m Vtttor l^fnUnglidS^ angezeigt tvaten. 60 mar, um 
nur einiget ati^ufü^ren, 5U bemerfen 21, 22 Eccies. 
1, 4; FroT. 8, 22; OoL 1, 16; 68, 19 Born. 6, 4; 100, 
12 I Cor. 6, 6; 871, 28 E^b. 88, 11 ; 468, 12. 14. 
15 Rom. 10, 4, Gal. 3, 24, Rom. 1, 17; 7, 14; 491, 
21 CoL 8, 8; 495, 4 Rom. 6, 4. 8; 676, 4 fiph. 6, 14; 
862, 12 Rom. 8, 19. 

3. ^en ^auptbeflanbteil bed fotgenben $)anbeiS 
bilbet eine ntetdfdfte SS^iebevgobe ber {leben erften fßiUtn 
ht9 9. S. Xtt 8erf affer nennen Me ${y. ^pprian. S^te 
^roüeniena unb bic 6prad?e beö ©ebic^te^ läfet ben* 
felben ald SaUiec etfennen. iß. be^eid^net i^n bement« 
fpreci^enb in feinet Xu^gabe. Xn bet |^anb ber Don 
i^m bcnü^ten unb ber i^n benüßeuben Slutoren, über 
meiere ein fel^r forgf&Uig gearbeitete^ Ser§ei(bnid ber 
parallelen nftl^eren 9uf fci^Iug giebt, oeifl er loeiter na^, 
ba6 berfclbe am Slufang bc^ 5. 3^i&^^/wnbert3 (ebte. 
grüner würbe bad (^ebid^t met/rfa^SuoencujS }uge{prod$;en, 
neuefleni» aui^ hnti^ Vitra; aber fidler mit Unred^t. 
5Iöeiter aU ber 5Rame tfl übrigen^ üoii bcm Slutor nid^t 
befannt. Wt, S. ift ni(bt einmal biefer gang Ft^er. 
i»iele Schriften unter bem Starnen be0 berfl^ten 8i« 
fd^ofi^ X)0\\ ilait^ago in Umlauf famen, fo !auu au(^ 
Iftier ein ^feubepigrap^um vorliegen. 

S)er 6d^rift folgen einige tleinere Sebi^te. %fkc 
bie bra nä^fteu (6. 212-230), über eoboma unb So-- 



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Corpus Scriptorum latinorum. 



nad unb an eiueu abtrümugen Senator, tDitb in ben 
$f[. neben anbeten Kamen miebentm (^gptian att Vutox 
angegeben. Ser $g. fpri^t {te inbeffen bemfelben ab, 
unb für bai8 brittc nimmt er einen äüeren Urfprung unb 
eine anbete ^imot an, ttä^enb et bie beiben etfien in 
btefelbe baefelbe Sanb fe|t. Sie weiteten 9es 

bid^te, über bie ©enefi«, ba^ 3Jlartprium ber SJiaffabäer 
unb bod (^pangelium (6. 231 — ^274), be^eidl^nen in ben 
4^ff. Ott i^en Cetfaffet ^ilatiniS i9on ^ottieti», unb % 
ift geneigt, mit ©iytu« von ©iena u. a. fie ^ilariu^ öou 
Sltled ^u\6^x^ibm, bad IRattabäerlieb, bod au^ in 
einet etoad abtt)eii!(enben unb na^ bet j^. m atatinS 
Siftorinus ^errü^renben @eftaU mitgeteilt \mh, jebod^ 
mit ^orbe^att. 

4. X)et in jlnei Xeilen etfd^enene Sanb entl^t ael^n 
antimanic^äifd^c ©d^riften 53[ugu}Hn«, barunter bie 33 S9ü* 
c^er CoDtra Faustum , bad umfangrei^fte äBer{ biefer 
Alaffe. S)a§tt fommt bie e^tift De fide eontra liani- 
chaeos t?on bem 93ifd}of @t)0biu3 t)on Ujala, einem 3^tts 
genoRen beiS großen Hird^enlel^rerd, unb ta& (^ommoni» 
totium übet bad iBetfal^ten bei bet Sufnal^me bon fon« 
t)ertierenben SRunic^äern, baS jwar unter bem 'tarnen ^u- 
gufiind erhalten, be)ien ^d^t^eit aber t)on ben ^aurinern 
bejititten nmtbe. 5Die tibetlief etnng i% toie bei gauflud, 
eine mannigfaltige. (Entf^recibenb bet beträd^tlid^eren Sn- 
ia\)l von ©(i^riften ifl bie 3)Zannigfaltigfeit noä) größer, 
gftt bie meifien 6d^tiften bient ie eine befUmmte ^f. aU 
^l^tetin, fo ffit De ntfliinte credendi eine j^f. non C^els 
ten^am, für De duabus animabus eine $f. von ^ailanb, 
füt Contia Fortouatam eine bon Ooulogne, füt Con- 
tm Adimanhim eine l^i* fatiiS, für Contra epietalam 

9* 

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132 



Corpus 



limdamenti eine ^f. l»oii SorWe, be^. Petersburg üom 

ßnbe beg 5, Qa^r^unbertg; ober treten mcl^rere ^umat 
itnb meifl iDtebetum i^eii^iebene in erfte üinu; ebea(o 
Rnb ottilb bie imtetoeotbiteteti tielfo^ tterfd^ieben. Unter 
biefcn Umflänben erhielten bie ^rolegomenen, obtüo^^l fie, 
abgelesen t)on beii betben legten 6d^riften, bei benen aud^ 
bie litterorl^ifioriMe ^age für) be^anbett oirb, im 
ganzen nur bie Xe]?tfriti! betreffen, einen er^eHid^en 
Umfang. @5 mar eine grofee Slnja^l t?on $ff. 311 be= 
f^reiben unb bei jebec einzelnen 6(bnft bie @runb(öte 
baraulegen, toelcbe für bie Ze;te8re)enfton befümmenb 
njaren. SDcr Umftanb mar aud? für bie Ort^ograp^^ie 
}U berü(fri<i^tigen. ^ie .gff. fteUen fic^ in biefer ^ejte^ung 
Derfd^ieben bar, unb bodb fonnte nicbt bei j[eber Gd^rtft 
eine t»erf<|iebene Sdbreibweife jugetaficn, e9 mu§te Diel» 
me^r eine ®{e\(i)\)eit angeftrebt merben. @« fommt ^ier 
namentli^ bie ©d^reibung ber ^rdpofttiouen bei ben Rom* 
pofitQ in fletrad^t. 6inb bfefelben rein ober afftmttiert 
ju geben ? ^er $g. fc^dig ^icr f cttjenbeä 33erfa^ren ein. 
©orneit bie befferen ^fl. ftetö bie älffimitation ^aben, mürbe 
biefelbe beibebalten ; bagegen tpurbe fie bei ben i^orten 
t^enoorftu, bei benen bie reine gorni von bem Sutor be* 
ma^>rt morben fein fc^ien. ^er .^g. gefielt in ben 
^roUgomenen @. XI» in ber ^erieid^nung ber iBarianten 
M (Buten §u Diel get^an $u ^aben, unb er belennt ba» 
mit felbft, wai iä) mducii'cit^ fc^oii bei frül^ercn 33änben 
auiSgefprod^en l^iabe, obmol^l bie dloten bei feiner Slrbeit 
nidl^t me^r ätaum einnel^men, atö bei ben anberen* §8 
fotttc unb fönnle ^ier nod^ me^rSWag gehalten merben, 
unb bann märe bem !;äufig geäußerten äSunfc^e auf i^- 
m&|igung bed ^reifed bod^ einigermafien unb leicf^ter su 



CorpiM Sonptoniiii U^tmociuii. 



183 



entf^ved^en. SBei lOefpre^une bed Codex Paris. 2098 
toitb 6. LV mit Ke^t auf einen frül^eten Ott oertoiefen, 

wo t)crfelbe bereite befc^rieben lüorbeii war. Söarum 
aber ni^t aucf) bei Cod. Trecensis 40 , t>on bem eine 
breimaliee SBefd^teibuttfl gegeben loitb^ 6. XXV, XXXIII, 
LIV, ber au^ immer T l^&ttc benannt »erben foüen, 
ni^t aber einmal R? ^ie ^^riftfieUen ftnb im aUgemetnen 
mit 6otgfatt notiert. 5Dodft fe^U bie Stngabe nod^ an 
manchen Orten, fo 899,8; 911,9; 912,22; 951,8. 
6. 888 [\nh Die (Zitate um eine QciU 311 tief gefteHt. 
äl^nlic^ auc^ {onft noc^ einigemal. $im Index scripto- 
nun n)erben bie 6dftriften bei» SRaned unb bie SKften beft 
Seuciu« fe^r toermigt. S)ag SBerfel^en lägt fic^^ übrigen« 
in einem meiteren ^anbe tDO\)[ gut mad^en. 3)er ^rudf 
lonnte eim& lorrettet fein. S)ie geinter ge^en ftber bad 
am 6<i^Iu6 beigefügte 8er§eici^miS no(( etmag l^inan«. 
5Die 5!omma glcid^en fo oft einem ^^^untt, ba§ bie bejüg^ 
tid^en Oettern, wenn ni^t eima auberi^ abgel^olfen wer- 
ben lann^ unbebingt entfernt merben foUten. %unt 



8. 

1. (Sin (^Dclitd i|ripele0ifi|rr (9emä(t)e ani ber ßatatombe 
be9 ^eiligen $etni4 nnb äl^arceatnuft. Sin» erficnmat 
(eranggegeben nnb erlAntert t>on 9. ttil)iert. SRit 9 

Kofeln in Sic^tbrucf. greiburg, ^jerber 1891. Vni, 
58 ©. gr. 4. ^43ret«: 8 9J?. 

2. Sie gottgetocilten ;Jnnofratirn in ben erfteu ^a^r^un« 
berten ber ßtrcbe. 92a4 ben t^atrtftifcben Ouellen unb 
ben Q^rabbenfmftlem bargefteOt tion 3. mi|»ft. SRit 
5 !Do|>))eItafeIn unb 8 Vbbtlbungen im ^e^t. greiburg, 
©erbet 1892. VIll, lü5 @. gr. 4. «ßrci*; 18 iOi. 



ui^ui^i^ü uy Google 



134 SBilfiect, S^ciliologiic^e &mäiU* 



3. La Porte de Sainte-Sabine ä Rome. Vm J. J. 
Berthier. Friburgi Heivetiorum 1892. 90 S. 4. 

4. Tke Blessed Virgin in the Cataoombs. By Bev. 
Th. J« Sahaa» D.D., Professor of Gharch Histoty 
in the OaÜiolic üniyerdfy of America. Baltimore, 
Murphy 1892. 80 S. 

1—2. Sit ber ftatabntbe bet \)l $etru6 unb SRat^ 

ceUinuS beftnbet fid^ uumeit beiS gegenioärtigeu ©inganged 
eine Otupt^e iDott btei (BrabfammeYit, bereu SQi^&nbe gaii) 
mit SRalereien aiuSflefcl^milA finb. S^on Oofto (atte 
fie aufgefuubeu. ^luf bem nac^ feinem Xohc angefertig« 
ten $lane [inb fie mit beu 3^^^^^ unb 54 üer? 

metit. übet ev ipfi^lte für fein SBerl nur bie befien 
etl^attenen ^em&lbe au», nämlxö^ bie aui» ber Cammer 53 
uub einige aud 52. S)ie übrigen, meldte fleOentocife 
iMtblagt maren, blieben unbecui^tet unb oetoeflen. Sbm 
unetmflbt{<|ettgfotfd^ungdeifevS.d gelang ed inbeffen jüngfi 
mit groger 3)M^e, naö) unb nadj baö ^ecfengemälbe 
Der ^mmer 54 flar ^u fteHen. ^ad{elbe bilbet ben 
^tiptgegenßanb bet ))OtUegenbett $ublifation. (U be« 
fte^t au3 neun gelbern, gel^ört etnja ber ^itU be« 
3. S^^t^unbertd an unb fteUt einen @p!luiS t}on d^rifio« 
logif^en Silbern bot. 9Bic feben bie IBertflnbigung^ 
bie btei SBeifen mit bem Gtetn auf bem 0ange, bie 
Sßeifen beni S^riftfinb i^re (^efc^enfe barbrtngcnb, bie 
Xaufe ^^rifti, in ber SRitte unb Don biefen oier Silbern 
umtabmt (^tifiud Oeti^t Iftaltenb, in ben biet Sden je 
iXotx Oranten unb jwei gute Birten. Xie ©rflärung 
fül^rte |u weiteren Unterf uc^ungen , unb unter biefen 
ragt namentlid^ bet Uf^niU äbet bie Oronten 6. 30—49 
l^etvor. 9B. finbet in ben mannigfaltig erR&tten giguren 



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SHe gottgctoei^ttn Sungfsouen. 185 

i^SUbet t>a in hex 6eUg!eit gebac^tett @eeUtt be( )Bec« 
fbYbeneii, toeUfte ffti bie ^intnUiebenen beten, banttt 
auö) biefe baä gleid^e Qid erlongen" (6. 43). 

S)ie atüeite ©(Jtift aerfäHt in jtoei Steile. S)er 
etße bel^nbett ben 6tanb unb bie SebenUtDeife bec gott« 
geiDeil^eii Sui^fraueii. Sit ev^aben nftl^eren Suffd^IuB 
fiter ba8 ©elübbe ber ^unöWi^^it^^^it ©mfleibung 
unb bie getemonien, untet benea fie k)0{geiu)nimeti tDuvbe, 
übet bad niev, in loeU^em bie Stm^froiieit fi$ Sott 
meisten, über ba^ tägliche £ebeu ber ^rofeffen unb bie 
erflen Anfänge ber flöftetlid^en ©enofyenfd^afteti. 2)er 
{toeite ^i( mad^ mit ben bilbti^en ^Datfieaungen bev 
gottgetoei^teii ^ungfrottett unb beten l^etborragenbeten 
®cabini(i^rifteu anS ben ri^miid^eu ^atafomben belaunt. 
9ei0efft0t Ttnb bei @<(rift fiinf Sopyeltafebi; fie ent« 
IM^en ito)>ien bon ben m% ÜbetHefetten ^dfogemUben, 
©olbgläferu, 9Reliefbi(beru uiib einigen ©rabjc^riftcn. — 
S)ad finb annä^^erub bie SBorte, mit benen bec iBetf. 
felbft ben 3nlMt bet G^tlft angiebt 5Die «vbeit tnl^t 
auf einge^ienben ©tubien. S)ie einf^lägigen ^hf^anh- 
lungen ber S3äter tourben fe^^r fteigig toerttjertet. S)a6 
ein l^nptgemicl^t auf bie altd^fili^en Silbtoetle unb 
Snfd^riften gelegt tourbe, betfie^t Tt^ bei einem llr^fto« 
logen toie SB. üon felbfi. ®te Slu^fül^ruugen ujerben 
im allgemeinen iiib bemd^ren« ilbec (ie tönnten in eini« 
gen Vnnlten no# boSfianbiger fein. ee§figli<l( ber Set« 
fi^Ieierung ber 3i^n9fi^öw^tt ^t^^ ^^i^f Unterfd^ieb 
|U)if(|)en bet lateinifd^en unb gried^i((!^en Stixd^i niä)t 
eingegangen. Ober mitb betfelbe ettoa ni^t anetianntS 
9)ann mx menigfieniS !ur$ bie @(tttnbbflg!eit bet be» 
Sügli^en ilnna^me baraut^^un. 6. 24 ff. uecmigt man 



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136 



Berthier, 



bie entjprec^uMibe Serüdfid^tigung ber ©pnobalüerorb« 
Hungen. S)ie einfa^e SBemeifung in einer fitott auf 
aiartftne unb Qing^am genügt nx6)t 3)ic SSorfd^rift bet 
afrifantfd^en Mx6)e bepgtid^ M Alters bei ber ilou^ 
febation ber Jungfrauen burfte in bem Slbfc^nitte um 

■ 

fo tt)en{ger übergangen merben, al9 fte t9on ben SuS» 

fü^rungen beS 55crf. über ben SBraud^ ber römifc^en 
ftird^e abtoei^t unb ri4 ^nl^er bie gfrage oufbrängt, 
ob bie $ra|i9 ber betben ftirc^en n>{rRi$ mf^teben 
roar, ober ob nid?t ettua bie beftimmte Drbnuug ber 
afritanifdl^en Airc^e bei ber ^Deutung ber einf<i^Uigigen 
Kotigen für bie tdmif^e itir^e ind Oetotd^t faSt. Cnb* 
Udb fiel mir auf, bafe bie 3lpoftolifd?ett .f^oitflitutiouen 
nirgenbd berüdficl^tigt mürben, ba fie bod^ an terfc^ie» 
benen Orten i9on ben Jungfrauen l^anbeln, ym, 24 
biefelben inebefonbere aU fird^lid^en 6lanb ermähnen. 
2)ie Slrbeit bietet infofern einige Süden bar. S)od^ finb 
biefelben nid^t f o bebeutenb, hai fie bem ffiert bet Cd^rift 
erl^eblid^en ©intrag t^un. 2)ie beigegebeueu tafeln finb 
toor^üglid^, bie ^it^flattung überhaupt, ts>U au^ ^^i 
ber erßen ©d^rift f^rft^tig. 

9. ^ie britte Slbl^anblung, eine Beigabe aum Index 
lectioniim ber Uniüerfität greiburg in ber ijl 
eine gfeftfcbrift }ttm 70< Seburtdtag bei^ ftatatombeu« 
forfd^erd be Stoffl. 5Da9 Tie aum 9egen« 

ftanb \)ai, mürbe {d^on üielfad^ erörtert. (^iS ^anbelt 
M nä^erl^in um bie Sadreliefi», mit benen badfelbe 
gefc^müdt ifi. S)ie anrtd^ten über bie 8{(bn>erle gelten 
weit au^einanber. ^ie Urteile über bag SlUer bemegen 
fub amifd^en bem 5. unb 12. Ja^rl^uabert. ^ie Srfdl^einung 
begreift ßd^ / fofern bie rein auiS bem C^arafter 



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La porte de 8. 'Sabine. 



137 



bev SflbtDetfe pi befürnnten iinb biefe (Srunblage eine 

jiemiid^ ld;manfenbc uub uufid^crc ift. 2)er Sßerf. teilt 
bie ^n[\6)t ber 21rc^äologcn, treidle für bad ^5^erc 3Iltet 
ftnb, unb »eifi bieXafeln bev üntfiel^ngiS^ett beri{tv4^e 
§u, t)iet dudgenommen, in benen er eine ^pätttt Jtaä^ 
biit)unQ, au^ bcm 9. 3al^r]^unbert, eifeunt. ©tünbf, 
bie er für bie Sluffaffun^ beibringt, finb fel^r bemertend« 
»ert, xotm fie aui ni(bt {eben S^eiUl au flbem>ittben 
»ermögen, ^ie ^ubtifatton ift fe^r banftuismert. 6ie 
toirb tDO^ koeitere @tubien anregen, unb in ben ^bbil» 
biingen bet 9a0relief0, tDeU^e fie bringt, bietet ite ba« 
fttr eine erl^ebliii^e frteicbterung. ^lacbtrftglid^ !ann 
iofort beigefügt toerbeu, ba6 bie ©tubie 51. ^-öertram 
)tt bem 6d^rif tcben Deranlabte : bie Spüren x>on 6. ^ 
bina }u 8lom baiS Sorbilb ber Semmarbdt^firen {$iU 
beg^cim, 1892), beffen ©ruubgebanlc bereits^ bur^ beu 
Xitel I^ialängli4^ angezeigt mirb. 

4. Sie iDierte G^rift ifi ein Seioeid, baft bie «uf * 
merffamfett aud) jcufcit^ bee Ojean« ben Äatafomben 
jumenbet. @ie ergebt nid^t ben ^nfprudj^, bie ^ijfen- 
f^aft )u fftrbem; fie toiil bie Stefultate ber mobernen 
f^orfd^ung iHelme^ einem tneiteren ^ubtifatm §ugängli(b 
mad^en, unb biefem ^td^ä^ g^^nügt fte t>ölltg, inbem bie 
einf(|^tägigen Hauptpunkte überficbtlid^ unb tiar bärge- 
funt »erben. gfunl. 



4. 

IDte (^rif}tii|r üs^atotogie in ben Gtabten tbrer Offenbarung 

im 31. u. yi. %. 5D?it befonbercr ©erüdiidjtiöuui] ber 
jübifc^cn ©gdjatologie im 3«^töltfr (Itirifti. ^on Dr. 
iücen|tfb t|bef|Cf a.o. $r9f. ber Z^tol uub Uuioer' 



138 Sl^becgec, 

fttötiSprebiser in ÜJ^ünc^en. Wit Approbation be0 ^oä^to. 
(^rabifc^ofd t). Sreiburfl. Sreiburg. gerbet 1890. XV 
u. 383 8. 

SBenn aud> leibcr ettoa« tcrfpätet, fo bürfle bod^ 
eine ^ilnjeige oben genannten ^ud^ed mand^en £efern er- 
mftnfit^t etfc^inen. 5Deitii badfelbe be^onbelt j[a eineii 9e* 
genflanb , tod^n für Me menfd^Iid^e Srieimtittt ebenfo 
ge](^eimni!ät>oII aU für bad reltgiöfe ©ernüt anjtel^enb tft 
Bvah toix to4 äSkinbeYer in biefem S^ak bev g^l^ren 
ittib mit bem ^. Slpoflet oon bem fei^nfil<i^ttgeii Setlongen 
crfüHt, ben ^afcn ber eiüigen S^lu^^e uub ber emigen ©e^ 
ligfeit gßdü^ )tt meinen. SBaS lam und alfo milt 
lommener fein, aM eine Kare SarfieSung bet Offenbarung^- 
ma^rl;eiten über bie testen 2)inge, meldte ber natürtid^en 
Sernuuf t ein unbut^bringlid^ed ®e^eimnus fmb ? 3>»<^^ 
fel^lt ed uni» nid^t an guten Stbeiten ilbet bie e^^io* 
logifdj?en gragen, aber nid^t^beftotoeniger mufe eS aU eine 
banlendkoerte (Babe be^eic^net merben, menn im eine 
audfül^rlid^e , aufammen^ängenbe, genetifd^e SatfleDung 
ber gejammten Dffeubaruug biefe^ ©egenftanbe* Ö^^^o^^w 
tt)irb. ^enn in menigen Xeilen ber Offenbarung bürfte 
bie 0ef(bi4tli(be CnttDidDung einen fo breiten Wommen 
einnehmen mie in ber ©iSd^atologie, Slnfang unb ®nbe, 
^UgemeineiB unb ^injelue^, ^Jlatur unb SVlenfd^ \o innig 
miteinanber verbunben fein wie in ber Seigre Dom gjltl 
unb @nbe ber ganzen ©c^öpfung. 

S)er ^erf. §erlegt feinen 6ton i» brei bur^ bie dla- 
tur bed Segen^nbei» gegebene ttbfc^nitte: bie d^oto« 
logie be« 21. bie jübifd^e ©Teratologie im Seitalter 
(S^rifti uub bie i^i^c^atologie m ^. %, 3m ^. folgt 
er mit Siedet ber mutmaftUdften ^iflorifc^en Mfolge ber 



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2)ie (^ciftUf^e ({Teratologie. 139 

?Bü(^er, benn biefe (äfet auä) am bcften bie gef^id^tlid^e 
CnttDidluiig ber Si^c^atologie evfeimem ^et ^ntateud^, 
bie Attereii (ytototanoniMen) Sef^id^t^bfld^er, bie protib 
!anomJd?en poetifd^en ©ü^er, bic prop^eti)<^en, bie beu= 
tetolauonifd^en iBü^ec bUbett bie aaturliiiften Unterabtei« 
Ittngeii ber ftotfielttng. Set 8etf. l&ii ftd^ ni^t auf 
bic neueren frilifd^en fragen ber altteiiamentU^cn 2öif|en= 
i^aft cia, obmo^l er bie ^e£annt[4aft bamit beutlic^ §u 
erlentten giebt (Eine |»riii)ipiel[e KttSeinanbetfe^uiig mit 
ber negativen §tx\ui loäre aud) jmedlo^ gemefen, aber 
einige ^erüdficit^tigung l^dtte mo^l nod) anbete aU blog 
beit gadftmami inteteffiett. £te|e ^ fi^ niö^i leigen, 
hab bie neuefie ^e^ateud^^ppot^efe auä) unter bem eü» 
(^atologiWen ©efic^t^punft fici^ al^ unhaltbar ermei^t? 
ttäie ei» mögtic)^, bab bie üu^beuie für bte (U^U>U)%\t im 
$eittateu<i^ unb ben Uteren gefc^id^tlid^en ^üc^ern fo gering 
audfäUt, menn bie ^bfaffung bed ^e^ateucb in bie nacbe^i- 
Ufil^e 3^ )tt oerbgett »ftre ? Oerni^ ^fttte man \pikiet 
Un etttf^j^iebenen ^ortfdbritt ber ^ropl^eten nid^t berar« 
tig ignoriert ober ben fremben (Hinflug fo gering ge[d{;ä^f, 
iDie ed bei biefer ^ot^efe angenommen toerben mttfcte. 
Xtt4^ bie bebeutung^iwik 6teOung, meldte bem Sjedj^iel 
in ber (S^d^atologie (2luferflel^ung be5 gteifd^e^) jufomnit, 
Mre mit ber 9ioüt, meldte biefem $ro))t^eten in ber ^e^ 
latend^fritif jugemiefen mirb, au Dergleid^en. Sad^ltd^ 
tat ber S3erf. ben e^c^atologifc^en ^nl^att be3§ 21. %. gut 
^erauiSgefleKt unb erU&rt. 3>ai er fid^ oon ben Xppen 
bed St. %. babei leiten He§, um bie mannigfad^en Un« 
fidjerl^eiteu ju übertoinben, irtrb jeber Sefer begreifücb 
finben. märe DieUeic^t gut geu)e[ett, tomx er bad 
Serl^Altnii» Suin ^arfltou« etoai» genauer t>erfolgt ^Atte. 

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140 



34> bin tjleid^fallig Der Slnfid^t, bafe bic (?nt(e^iuiugen ntcbt 
in bem SO^age ftattgefunbeu \)ahm, toie bie dteligiottd« 
gefd^iiSl^te 6e^aut)tet, glaube aber bodf^, ba§ bie toeitere 
5lu5bilbuug bev bctrcffenbeu iic^ren in ben ejrUif^en unb 
uactiefiUfd^en 6(^rifttn barau^ erflärea ijL 3» n?ie 
toett femitif<bet (Sinfittft auf ben ^atftiSmud eingetoirtt 
bat, toäxi noö) befonberiS 5U luitorfu^en, benn bie §iem= 
lic^ toett gel^eubeti S^G^f^^nbniffe Gpiegeri^ fcbeinen mix 
nid^i in aOioeg gered^tfertigt ju fein. 

2)ie jübifd^e ß^cbatologie im 3^italter ß^rifli ge^^ort 
^voax \nd)i in bie DffenbarungÄUI^re, ftc^t aber mit bem 
%. in {0 «)ielfa(l^et iBe^ie^ung unb ifi fflt ba« Si X. 
ein fo unentbebrlid^ed 9RittelgUeb, bag i^re Serfidftcb« 
tigung burd^au« gered^tfertigt ift. greilic^ mar fd^toer, 
in {0 ((einem Kaum eine iiberfubttu^^ X)acfie(lung bet nev« 
ffbiebenen unb n)iebetfprud^dt)olIett ^been au geben. fMe 
bet fflerf. tüteber^oU bemerft, finb biefetben auf^ engfie 
mit bet äReffiadle^re oevbunben. SieiS gib aber aitd^ 
filt ba6 9. X. Crft bad % X. unterfc^eibet smifd^en 
b^m gegeuiDärtigen unb bem jufünftigen äou. @d m&re 
»ol^l angezeigt getoefen n&l^et |u unterfud^en^ in mie 
»eit biefe ttKtetf<b^ibung in ben jilbtfd^en 9lf)o!rppl^en jener 
3eit t}orbereitct uub umgefel^rt {päter au^ bem ^. X. 
eutkbnt mocbeu fei. 

Sei bev DarfteOung ber QM^atoloqit beiS St. Z. 
fann fic^ nic^t mel^r um ben cjcjd^id^Uicttu @ang ^an^ 
beln, foferu biefer nid^t bur^ bie ^^copl^^ette angebeutet 
ift. S)0(b ifi ber Serf. bierin febr Dorfi(btig , inbem er 
einerfeit!^ bic dnlia)lifd;eu ^ciuuugcu mögtic^ft cttmi-- 
niereu fuc^t unb anbererfeitd bie ge{d^i(i()tlid^e ^uffaifung 
ber Slpotali^pf e. bebeutenb reftringiert. Um beflen gef&Ut 



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3)ie c^ctftltc^e iSdc^atologie. 



141 



ihm bie ton 33. ©d^äfer gegebene 2luffaffung biefeä ge« 
i^eimuidDoIUtt Sm^^ed. Si^ bet f^flematif^en i)at^llttii0 
tDerben We leiten Singe bet ftefl^e nad^ aufSfüt^rlid^ unb 
erfc^öpfenb befprod^en. 9}?andj)mal fc^tint mir ber 9la^>- 
mn au meit auiBdcbe^ttt »ocben fein, loä^cenb nä^ec 
Kegenbe %ta%tn etload au (Uta abge^anbeU toutben. {Die 
fic^ie t30u ber ©nabe unb ^Re^tfcrtigunp ^. ^. fann bei 
htx ^efcbceibung beiS ^immeU aii au& bei; ^ogmatit be« 
lannt noraudgefelt iverben, bagegen ifl bie %taqe na4 
bet 3bentilät hc^i 2Iuferfte^ung§teibe8 für bie (^^6)ai0: 
logie Don größtem Sit^^^^lK* ^i^f^ ^Ätte aud^ bci^t^alb 
eine eingel^enbere Unlerf u(f^ttng vetbtent, toeit bie matetia» 
liftifd[>e Httffoffung, meiere fie tieuerbinge mieber gefuuben 
})at, toeber burc^ bie Offenbarung geboten md) bem apo* 
logetif^en 3nteveffe fdtberlidl^ i% a)0(^ bfitfen foU^e 
)|Mrii9ate ©ünfd^e nid^t abgalten, ben reid^en ^n^jatt 
unb bie fleigige unb umfic^tige ^arjtellung auauerfennen 
nnb ba» fbu^ ben tj^eologifdl^en Steifen a^ empfel^len. 

@($ana. 



6. 

Lea prßcheurs bnrlesqueä en Egpa/a^ne au XVIII siöcle. 
Etüde sur le P. Isla par Le F. Bernard Gandeaa 
S.J. Doctoor te-Lettras. Paris, iiötaoz-Bray 1891 
XXUl et 508 p. Prix: 7 M. 

$)er gröfeere ^eil biefed umfangreichen IBud^ed 
befaßt fidj^ mit einet 1768 in Spanien pfeubont^m et« 
f^ienenen, t)om ^efuiten 3g(a ftammenben Satire auf 
bie oerborbene jeitgenöffifd^e fpanifd^e ^rebigt, einer 
6atite, bie in S)eutf(l^laub toenig mel^i: befaunt i{l unb 



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142 



Qaadeaa, 



auä) feit ber Überfe^ung t?on 1777 (©efc^ic^te be^ he-- 
tarnten ^tebigecd lOvubet (S^etonbio i»oii (ioMpa^, 
fonfl SetunMo Boteil genannt^ in smeit tBdnbeit. SMy^ig, 
6c^iüi(fert) feine beutic^e 9[u«gabe unferc3 SQBiffen« me^r 
etfal^ten ^at. ^er fürd^tet, eiS möd^te mit einer fo um^ 
fangteti^en Unterfucf^ttiig einem betactigen Sffiett ynioiel 
C^re angetl^an merben, brandet um eined anbern beleiht! 
3U tperben nur bie 6attre felbft unb ha& obige $uc^ 
)u (efen. 3n bec 2^at nimmt Sdia'd fatirifd^et 8loman 
in bet0efd^i(bte, felbft in betXb^mrie bet ^tebigl einen 
ganj ticrt^orragenben ''^lai^ ein. Ginmal n^a^r^af: 
tiged, toenn aud^ becb gejeut^netei^ unb fd^arf geä^ted 
itontetfei einer ^tebigtmeife, mel^^e in Spanien am 
I&ngften fid^ behauptete, aber aud) in gtalicn, S^eutfd^? 
(anb unb granfreid^ blühte, nur beiläufig ein Sa^rbun« 
best fcOber. @obann abet aU einzig mirlfamed Segen« 
mittel gegen biefe nenud^te ^rebigtmeife , bie man in 
ber %f)at aU eine 2irt ß^riftenperfolguug be3eid?nen 
fann; benn toad ^abnungen unb SorfteSungen, ma& 
ttnigUd^e unb fird|^lid(e S)efrete in Spanien nid^t gu 
6tanbe brad^tc, ba^ bemirfte 3^[a burc^^ hc^S ^ad)cn^ 
morbeube Äraft, burdj Die ibbtenbe ßauge ber 6atire^ 
in meld^er bie iOaaiaen jener (ä^eifted^^^nl^eit abflarben. 

^ie ^rebigtmeife, um toeldbe e9 ftd^ b^^nbett unb 
roeläfe feit bem SHoman 3^la'^ üon beffen Xitel^elben 
ben Flamen Oeronbianidmud erhielt, ifl in unferem 
8ud^ in ibrer Cntflebung unb in ibrem ffiefen toortrefflicb 
gefc^ilbert. ^\)xc ^auptfpmptome ftnb: völlige 5Ber* 
lennung üon ^md unb ^ni ber ^rebigt, ißermaltung 
be0 $rebigtamtd lebigUdft )ttm (S^elbermerb unb }ttr 8e« 
friebigung bei; (SiteUeit; unbebtngte ^lefpeftierung bed 



Lea pr&cheurs burletques. 143 



üerborbcnen SSolUgcfd^madä ai^ beö oberftcu ©cfe^e^; 
mögli(^fte äludmet)Uttg bec Wiloxai unb Sludnä^ung ber 
fiogmen att toiflfimtiiietter Xnldffe, um eigenen l^ttn« 
gcfpinflen unb geiftrcic^cu (Einfallen naci^^ujagen unb um 
bad SBol! in bie alten ltta(|i{er, ^lt)t\)o[oQien unb gäbet- 
M^ct aOer StI efai|iitDei(en ; lede aftiilftanblung ber (t. 
Schrift, fotauge fortgefegt, bU fid^ i^re SlusSfprüc^e bem 
eigenen ©inn ober Uufinn fügen; in ber gorm Zex^a\L 
aUtn Glitt unb Setiidftt auf leben guten 6ef4^macf, 
(hfejung jeber üernünftigen unb natürli^en ÄuebrudC«? 
oeije burd^ eine möglictift ^odl^trabenbe, untlare unb 
gef^ttbte. 

eine Sol^e ^rebigtmeife mbiente eine fc^atfe ©eigel 
unb S^ta mar berufen, fie fd^mingen. ^en legtem 
fMH^tHÜi erbringt )ttr Oenftge ber erfle Xeil bei» Sud^e», 
eine mit franaöftfd^er (Regan) unb beutfö^er Srfinblid^« 
feit gef^riebene Siograpl^te beS P. 3^la unb eine gute, 
bur^au^ obieltiüe C^araltecifHf feiner eigenen ^rebigt« 
meife. Slan lernt l^ier ben Serfaffer ber Satire att 
(Belehrten, att fiitteraten, att ©eif^egmann unb att ^re- 
biger t^od^\^ii^ü unb man ertennt i^m, fo menig er 
bon ben geifHgen S^itttani^tÜen gan) berfd^ont Hieb, 
bo<^ gerne ba^ 5tec^t, fafl bie ^flic^t ju, eine folc^^ 
f<^rfe Stut an ber f)>aniid|^en ^cebigt ücr^une^men. 

6d!^arf mar btefe Jtur. SieleiS im „grap (Berunbio" 
erfc^redt gerabe^i burc^ feine 5)erb^eit unb diild'' 
fld^tdloftgteit; ^&ufig {(beint und ber ^erfaffer [ic^ bod« 
^fter flbertretbungen f^ulbtg $u madigem Xber bie 
?5roben, meldte unfer 59u(^ au§ bor .uitgcnöffifcben ^rebigt 
giebt^ aeigen, bag t>on Übertreibung faum bie ^Jiebc fein 
lann, unb man fftngt an au begreifen, bagi bie Slranei 

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144 



toivUUI^ fo {^atfer 3itdvebieii)ieii beburfte, um }U mic« 
len ; benn toxt f^on M €tf(i^eiiieii beS fbuä^e^ ein Set« 
tl^eibiger fiäf audbiiidte: bie ©angrdna tarn nid^t mit 
MofeniDaiiev gel^eilt metben. 

S)ad SRittet toitfte. 3n acl^n ^agen toar bie ganje 
erfte 2luflagc be^ erfteu ^anbe« oerfauft. 2luf ben 
jtanieltt t)olI)ogeii üdft fafi muaberbave Oete^ruitgeu; 
^rebiger f^i^mttveit dffentlic^ ben 0etoiibiatiUmui$ af>, 
hm fte bil^er gel^ulbigt unb banften bem ^erfaf^cr bed 
^u<l|Kd, ber i^nev bie Rügen geöffnet l^abe. S(m ^g 
nad^ bem (Etf^einen beft Sucres, lann 8anbeau fagen, 
waren jmar iiic^^t aHe ©eronbio'g aiiÄ ber SGBelt t)er= 
fc^tDuuben, aber mar bem Oetonbiantdmud bie CUieUe 
abgegraben. Spanien fd^üttelte fi^ Dor Sa^en, aber 
bad mar ein gefunbed Sad^en, bai^ S^gleiij^ bad ©ift 
andmarf. 

greilid^ bad Sudb bradj^te bem Serfaff er ni^^t bIo| Cr* 

folg, fonbern aud) ^Berfolgung ein. ^ie ©atirc, tüe[d;c bie 
^an^eln Spaniens t)on einem faft ^unbertiä^rigen Unfug 
nnb @(anbal fdnberte, verfiel ber 3n(|tti|ition^ meldte 
1758 meitere ^rudlegung uiib SScrbrcitung berfelben 
t)exboi unb na^ jtpet ^a^ren ba^ förmlid^e ^ermerfungd« 
urteil über Re fpracb. S)ie 3n(|ttifition lonnte, mie 
uni'er 53ud^ bartt^ut, fid^ nic^t mo^t anber« 3Sla'« 
äSerf ftellen. ^adfelbe ^eigt in ber X^iat manche ^lö^en 
unb munbe $untte, unb bad <£^ef4rei ber Oegner mar 
gTo6, »teroo^t fie weniger jal^lreid^ waren, aU bie 
greunbe; benn, wie S^to felbfi bemerft, ber ©d&merj 
mad^t ft(j^ in lauterem ^d^reien Suft aU bie gfreube. 

SiSla'd Satire unb bie SJ^onograpl^ie ®aubeau'd 
be(>aUen iffren ^cxt für bie @e[d^id^te ber ißrebigt; bie 



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L68 prteheim burlefqoes. 145 



leitete bcfonbcrd bc^megen, meil Jie auf eine ber im* 
lefeiU4^fieii unh iinDet üdnblti^fieii Seiten in ben SinnaUn 
ber ^riflltc^en $tebigt tDillfommeneiS Sid^t n>trft. II6et 
beibe ^üd^er entlEialten audi^ fe^r mxit)o\ic^, mün^bared 
l^omiletifdl^ed MttaJL äBenn mau fujft üiel in ber neueren 
^omitetifd^n Sitterotur (eiuegt, fo n>ei6 man fel^r too^I, 
ba6 ein g^^^i^iff^t gemilberter ©eronbiani^miiö aud) ^eut- 
Suta9 uod^ unb kool^l lu allen 3^it^n )oon ber 

X^eorie ber ^omttetif beUm^fen ift 3a beim £efen 
\>on ^^la'^ SHoman möd^te einem ber bc!5l;afte Oebanfe 
aufzeigen, ob ed nic^t oiellei^t mo^lid} unb rötlid^ toäxe, 
in einem gemilberten neuen S^a^ Oerunbio bie i^arafter» 
fd^mfid^en bet ^euti^en $rebigt seidenen unb mit mebr 
©rfotg abjubejlellen, ai^ beffen fid^ bie rechte ^xiiit unb 
X^eorie rflbmen (ann. (U toirb bied umlomeniger ndtig 
»erben, jeme^r man auf 6eite ber $rebiger befliffen 
iR, au« 3^la'ä Satire unb ©aubcau'« öortreffUdS;em 
fbuä^ felber bie ^nfequen^n }u sieben. 

Ae^t^ter. 



6. 

SHe SieQnng be0 b^. X^omai» ti. tiquin |n let nnleflcllen 
lii|ifjiitOiii« ber ©otted mntter. ^ogmenge{d)i4t« 
lic^e SIblianbrung üon fötldrim Zöhht, ^rieftet ber S)iö* 
ceie Ddnabrüd. a»flnfter 1892. X^eiffing. 104 6. 

ifl ein traurige« Seiten fflr bie fat^olifd^e %f)eo» 
logie, ba6 eiujetne ©egenftänbe, roeläje für fi^ burd^au« 
Rar unb lAngft bid aum äberbrufe bebanbeU »orben fmb, 
immer toieber auf bie Zage0orbnung gefegt werben mftffen, 

mxi c« ©ele^rte giebt, bie um leben $vet« unb mit allen 



146 



mögltci^en Mtiflen bet jlritÜ uttb !3nter^Tetation ^inge, 
bie i^ren ^ieblin^meinungen tDtbevfpredben, aud ber ^elt 
f^affen iDoUen. 6ie geben fui ber angette^en daufton 
l^in, hai bie ^trlid^ter, toeld^e fie tiieBeid^t guten Ofant« 
beniS aufgefledt \)ahcn, anbern aU mirf(ic(;ed 6onueii(i(^t 
leiUftten. 3^ ^^^i^i^ ©egenftonben ge^drt bie feit 2 äa^t- 
l^unbetten oet^nbelte %taqe, oh bet ^. ^omad ein fleg« 
ner ber unbcfledten ©mpfängiüö ber felioftcn 5ii»öfi^iiA 
gekoeien fei. ^er au6) nur bie 27. Qaaesiio beiS 3. Weites 
ber 6umma aufmedfam gelefen ^at, fann übet bie SKei« 
uung beg l?. ^l?oma« auc^ nid^i im geringften j^meifels 
l^aft fein. 58on einer 3^ejtüertdtf(|>un0 ^ ber legten 3"- 
flu^t bet Slatloftgfett, ^&tte nton l^iet am bellen niemaU 
gefprod^en, benn ber gan^e feft gefc^loffene 3ufammens 
l^ang tciberfte^t jeber 2lui8[döeibung. @r bemeift aber 
jugleid^, ba| aud^ bie ^Iteid^en S^emetlungen in früheren 
€dMFten ni^t anbetd etfUltt metben fönnen. 50ie Untet« 
fd)eibung jiinf^eu paffiucr unb aftit?er ©mpfängni^ fiibri 
ebeufo menig }um ^id, beun ber ^. ^^omad er!(ärt mit 
aUet tt)finf(tendn)etten Ittatl^eit, ba| et bie etfiere im iUige 
^abe. 3)abei ift e^ gauj gleid^gültig, ob man mit if^m 
unb ben alten ^fpd^ologen überhaupt bie (^iugiegung 
bet 6ee(e in eine fpfttete Seit, obet mit bet neueten 
ißl^^ftologie nnb ^f^c^ologte in ben SugenblM bet Sm« 
pfängniö »erlege. 2)ie^ allee ^at nad) frül^eicu ^^orgäiigeu 
gum legten male Dr. ^nittel gegen ^otgott in eiuem, 
mie eis f^eint fafi allgemein obM^Ii^ ignotietten^ 8t< 
tifel biefer Seitid^uit Qa^rg. 1878 6. 355—401) \o tiav 
nad^gemiefen^ ba|j mir uui^ ber SDlüf^e überl)ebcti fonuen, 
na^et batottf einsuge^en. Obmo^l nntetbeffen iSotnoibi 
bie gleid^e ^^e{e mieber aufgefteUt ^at, mürbeu iDir ed 



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S)ec i). X^otnad über bie uiibefl. (£m|)fängnid. 147 

füv unnötige WlH^e cxad)iz\\, bie 6ilijpl;u^arbcit Quf^ 
neue beginnen. SS^enn toir ttotbem oben genanntei^ 
Bd^ti^ä^en, in tveU^em übtiqtni^ ber ertofi^ten Stbeit 
mit feiner Silbe gebadet ift, ber 2lufmerffamfeit für mert 
balten, fD gefct^iel^t bied megen bet i:abUaUn Steuerung, 
loeU^e Dr. S^neibet in unfetet ^rage aü tlntoerfal^eU« 
mittel ber tl^eologifci^en 2öelt geboten ^at. 

Wiit Sle4)t bemerft ber ^. SBerf., ed fei t)Otaudaus 
fe^en gemefen^ baft 6<l^neiber Detftul^en toerbe, bie Ot« 
t^oboyie btiö älquinaten retten; e^ fragte fid^ nur, auf 
toeUbem SBege er {eine £eb<^ ib^^n^ kDenigftend an- 
f^einenben Sßibetfinnuibe gegen hau S)ognia ^exau^n^ 
bringen inninc^cu mürbe. 'Änch bie«? mar tJorauiSjufeben, 
ba| 6(bneiber eine mogUcbÜ parabo;e ^öfung verfn^en 
iDftbe. Unb f o ift auöb gebmmen. 6<lbneiber t>ertDirft 
alle biei^cruieii Oknbebelfe, aU ob bem b- ^^omaiS ber 
gtagepunCt nicbt genau beiannt gemefen ober ber Sibers 
f)nnt<b in ben eingelnen SuiSfül^vungen entgangen fei; eben 
fo miü er doh einer 5lertfätfd^ung nicbtS »ijfen. ^ieU 
mebr toitt er eine £ü{ung geben^ bie aud ber £ebre bed 
b. Xb^mad felbft %^WpH fei unb bieten ouftiibtigen Xn« 
Rangern beö ^i. :2ei?rerg gefalle, ^iefe Sofung beftebt 
nun bartn, bag äJ^aria jmar in ber ©rbfünbe empfangen 
fei, hai aber ba0 )B e b e n ber Crbfflnbe in ibr, bait ^ etu 
']ä)en berfelben niebcicjc^atten miirbe burd^ J)ie specialis 
Providentia t)or ber ^efeelung unb burd^ bie i^r üer-- 
Uebene ttnabenfüUe in ipso instanti animationlB. 3n< 
bem er baS »Privilegium« (gratia et privile^io) in ber 
^uQe pUi^' IX mit ber > specialis pro?idenüa« bed b* 
XbowAd ibentifi§iett, bringt er ben Safi 6tanbe: 
„Xlfoma^ ftimmt btd auf ben $unll auf bem i überein 

10* 

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148 



mit bet S^td^e; tinb er gel^t barin toeiter^ mie atte fo» 

genannten 9?erteibiger ber unbeflccften ©mpfSngui^". 
ift ballet nun mef^c eine ^nberacbeit §u leiten, ba| bie 
ganae mitbem^. X^omad übeteiiiflimmeiibe abenbUnbif^^e 
^rabition tueit btjitr mit bem S)09ma übereinftimmt oU 
aQe Sogenannten ^erteibiger berfelben. 3Bte fonnte todf 
au4 bie Xf^eotogie fo Detblenbet fein uiib qoasi pro ans 
et focis f&mpfen ! 

Difficile est satyram non scribere ! ruft ber l^erf. 

9. 58 and. 34 bin berfelben äKeinund; ba aber 
ebenfo toenig ato er fiufl l^abe, eine 6atire }u fd^reiben, 

Uttb für eine ernfte Sßiberlegung bie §i;potl;efe aU §u luftig 
anfeilen mni, fo mag ed genüflen ^ier bonon ätoti^ ge« 
ttommen ^aben. 9Ba0 aber bie ^ofttiDen Xndffi^rungen 
bc^ äJerf. anbelangt, fo bemerfe ic!^ nur, baß er bie abcuös 
länbifd^e Xrabition ju peffimiftifd^ , bie morgenlänbi<jJe 
an optimiflifcl^ beurteilt. ift rid^tig, bag Sluguflinn« 
de gr. et nat. c 36 ^unftd^fl bie aftueQe ©Anbe meint 
unb c. Juliani op. imp. 4, 122 e^er gegen atö für bie 
uttbeftedte Cmpf&ngnid \pxi^U aber ber Bufammen^ang 
an ber erflen 6telle mit ber Se^re Don ber Crbffinbe 
(c. 39 ift Uöm. b, 12 filiert) fd^eint mir hoö) für eine 
attgemeine SrtUiruttg §u \pxtä^tVL iLu(|i füi^rt ^f((^ariud 
XabbertuA bie fromme SReinung ate eine in ber IMr^e 
loeit t?erbreitete (constat) an. S)en SBetpeiö bagegen für 
bie ununterbrod^ene ^rabitiou in ber grie^if^en Stixd^t 
ift ber Serf. fcbulbig geblieben, benn nreber bie fortge» 
fd^rittene ©ntnjidflung ber 3Kariologie noc^ ba§ ge(l ber 
Uttbeßedten (^mpfänguii^ retd^en ^tefür au^. ^ie pofitis 
ben S^niff^ fetten ungef&^r in bie 3eit bed $af<l^fitti» 
unb baiS geft gilt im Orient ber olttoen (Snipfängniil bei 



Xe( ^. Stomad über bte unbefl. d^mt^fäagnid. I49 

ber 3ufarnatt0!i. ©d^ou 9)1. ßanu« l&at Loci theol. 7, 1 
ben etatib bev Xrabition (lar fejigeflellt unb fa|^ ftd|^ 
9U ber Semerlung t)etdnlagt, er toole nid^t, mie anbere, 
bie 6d^riften btt $ätet fälic^eii. SRan mug alfo tuie 
bi0]^ bon ber Stegative aui^ge^eit. S>iefe iü bei ben 
erte^eii leiii^t au beurteUen, iveit fte Me Crbffinbe über» 
^aupt tpeniger ftreng faxten , \)at aber bei ben Slbeub- 
länbern eine um fo grbgere Oebeutung aU fle im Stampft 
gegen ben ^elagianidnind {1^ ber ganjen Xragmeite ber 
£e(^re toon ber ©rbfünbe bemufet gemorbeu finb. 

g[ür biejenigen^ meUj^e mit gemiffen ®e)>fio9en^eiten 
Mftonierter Xl^eotogen weniger betannt finb unb felbfl- 
bemufete ^^^rafen für bare aHünje utfjmtii mbdt^lcn, bürfte 
h<a fritif^e 6(t^rif id|^en eine ^eitfame S)ou4e bieten* Sie 
im Sln^ang abgebructten einfd^Iägigen AonfHiutionen er« 
möglichen eine Überftd^t über ben @ang ber ürd^lid^en 
Be^rentmiälung. tlbrigend ^at Dr. S^neiber bereite eine 
Cnoiberung berdffentUd^t (Wlan^, ?legendburg). 6 d^ ang. 



7. 

1. Dr. 3. 6(btt{lerft 4)onbbn4 anr «ülifdlen •ef#i4te. 

gür ben Unterricht in IHrc^e nnb Sä)üU, fottte jur 
©clbftbcleljrimg. ü)?it harten, planen imb t)\tUnS)oU' 
fct)nitten. dUü bearbeitet Dou Dr. 3. 8). ^eliammer, 
S)omfa^tttUir unb Siegen« M bifcb« SemtnariS }tt äRatn§. 
Sfinfte berbefferte Huftage. Ultit ti^^obation ht^ ^oc^m. 
bifc^. Orbinariat^ üJiain^. 233bc. greiburg. ^erbcr 
1891. LIV, 879 u. 744 @. 

2. «ef^iilte ber tUligiin M 9ia^mtif^ ber gbtttt^en 
Offenbarung unb tbrer(Erl^aItnng bnr<b biefttrdbe* 9m 

«fnff^Iug an ha^, „Se^rbuc^ ber ^Religion'', fßon ». 
fgilmcr«, $riefter ber (S^. i^. 1. )3b. (Qc^iU, neu bf 



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160 



orbcitcte, öcrme^rtc Sluflagc. 9Jiünftcr. 2l(d|cnborff'fc6c 
iBuc^^anMund. 1891. XVI u. 451 @. 

CS {|l bei beut engen Staunt in nnferet 3^itf4ttft 

uid^t motjlid^, bie neuen 2luf(ai]ni rcgelmäfeiq ju be- 
ipxt^tn. Mix müffen und für demö^nlic^ barauf be« 
S^t&nUn, auf bad bem legten ^efte M ^al^rgangS 
betgegebene ^öerjctc^ni^ ber eingelaufenen ^üc^er ju üer^ 
»eifen. SQäenn toir bei beu oben genannten SBerlen eine 
Xttdnal^me maii^en, fo te<j^tferttgt fi^ biefelbe butd^ bie 
ujeite syerbreitung unb fortc^efe^te qute 5(ufnal^me, melcbe 
biefelben in aUen J^ceifen gefunben b^ben. 6ie mtifien 
bemna^ einem allgemein Dotl^nbenen Sebftvfni» ent« 
gegenfommen unb ben l^entituu iiiiiforbcrungen gut ent« 
fprecben. S)iefe Slnettenuung ^at au$ bie iBec« 
f äff et ermutigt, immet ipieber bie t>ecbe{fernbe ^anb 
anjulegt'u unb bie neuefte fiitteratur 511 verwerten. 

1» 6<j|^u{iteriS biblifc^es ^anbbud^ ift bei und in 
bev ^anb bet meifien ftotedbeten unb brau<!bt bei^b^^b 
nid^t mcl^r befonberS empfoblen gu merben. 5I)adfelbe 
foQ nid^t eine grünblicbe e^egetifcbe unb apologetifd^e 
Silbung etfe^en, ift aber febr geeignet, bem tflcbtig not* 
gebilbeten ^b^o^^^Ö^i^ unmittelbare SSorbereitung für 
bie Erteilung be^ fated^etifcben Unterri^td §u erleid^tern 
unb ben nid^tl^eoUgifd^en £efer übev bie ^al^Imd^en, bie 
b. ©(^rift betreffenben fragen unb Probleme nacb bem 
beutigen 6tanb ber Siffenfcbaft ju uuterricbten. S)er 
^ad^mann mitb tool^l man^e (gtlUltungen beanflanben 
unb öfter bad Sefheben, bur4 eine mel^r fromme aU 
U7i{{en{(^aft(i(be ^rtlärung bie @dj)ko(erigfetten ju befei^ 
tigen, mal^me^men mttffen. Kber einmal ifi bad IBud^ 
tticbt für ibn gefd^rieben, fobanit muft aud^ er Me 8es 



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151 



rcc^tiguno( ancvfeuiien, in einem für meitere toife ge^ 
((^riebenen ^ud^e, ba^ $t)potl^eti[d^e unb Unfic^ere ber 
neuetett Xl^eorieit mögUdj^fi mmdben. 8lnbemfeU0 
follte man freilid^ aud^ bie ber eigenen 3Iuffaffung gün^ 
ftigen ßvflebniffe ber 2ßi))enjc^aft äf^nlic^ fritif^ Pesten 
unb namenttii^ in betreff bet Steligion^gef^ti^e bie 
Altere £itterdtiit mit großer ^orfic^t benügen. 2BaiS 
3. 33. ältere ©(^riftftetter über bie meffianifd^en $offi 
Hungen bd ben <S^inefen unb Snbetn berid^tet ^aben, 
ift na^eju metttod, ja felbfi mad neuefleniS über bie 
(binefif(i|;e 3)?etfiae[;offtiuug nad^brücflicit; gelehrt tDurbe, 
^t fi4^ aU burc^aud unnötig l^erandgeßeilt 
fdnnen und Reinere XudfleKnngen, meiere an einem grogen 
^Berfe ftetd unfcbtoer mad^en finb^ nid^t ab^alten^ 
badfelbe befieniS )u empfehlen. S)ie neue lUiRage ifi 
aufser beu gemö^liil^en Serbefferungen unb Crgänsungen 
burcb eine 3uf^^^^>^f^^Qun9 meffianifcben äBeid« 
fagungen am S^luffe bed 1. iBonbed, bur^ neue 38u« 
ftrationen unb hwc^ DolRommenere, oud bet neuen Xuf« 
läge t?on Dr. u. 9iie6' ^ibelatlad üermel^rt morben. 

2. S)ie{e öef^i^te ber Steligion be^anbelt aunU^fi 
benfelben Oegenflanb n>ie M bibttf^e ^anbbud^, er« 
meitert fid^ aber einer allgemeinen ©efd^id^te ber 
R\x^ }u bem befonberen, auf bem Xitel angegebenen 
Stotd. ^f)xe (Hnri^tung ifi au^erbem toefentU^ burd^ 
bie Sejie^ung 3U bem n^o^i befatmten „^e^rbudj^ ber 
fteltgion'', bem fie ald Srg&n)ung bienen foK, befUmmt. 
Sin ber Sorrebe pix 4. X. (1872) bemerft ber 8erf., 
t>ai er mit Siücf fic<^t auf bie 3«itt)er^dltnif[e e& für rat= 
fam gel^atten ^abe, in ber neuen iUifioge befonberd auf 
jene Segebenl^eiten uAl^er ein^uge^en, in benen M 



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152 



tBUmecf, iBtiäfid^H bev Weliflioii. 



tird^lid^, toon 0oit eingefelte Sel^t9ett>alt in iMotta? 

genberäBcife betrat igt. 3n ber 6.81. f^at er namentltd^ 
imü%di ber (Bef^id^te, tpeld^er [xä) bie Segrünbung 
ber Offenbaning )ttt aiufgabe gefegt f^, neu ieatbeilet 
3u biefer Oegrünbung ^at er aud^ bie ®e\6)i^U ber 
2luä8breitung beö €(^riftentum^ t)ertt}ertet. 3n ber ^cs 
j^anblung ber 1^. Gd^rift ifl fo ^iemli^^ berfelbe 6taiib« 
pun!t eingel^alten toie im MMifd^en $anb6ud|^. Ser 
©feptiji^mu« gegen bie moberne ^^atur- iinb Sleligion^i 
tDiffenf^ft tu iebenfattd eUoa» su toeit getrieben. Zto^ 
aOer ^ppotl^efen fielet bod^ etmB me^ feft gn ber 
2)arfteEuug ber ^ird^engef^idj^te ftubet man oft mel^r aU 
man enoartet. S)ie »id^tigeren fragen »erben aud ben 
QiteEen bearbeitet unb bie ftontroberil^nlte jiemß^ 
au^fül^rUd^ befprod^en. Segtered ift aderbingd jur Orien- 
tierung bed £eferd um fo mel^r notmenbig^ aU fuf^ ber 
8erf. getoöl^nlicb auf bie 6eite ber b^rlbmmli^en tluf« 
faffung unb in ©egenfa^ ju toieten neueren gorfdjiertt 
ßettt. 6o fm^t er IB. bie Xnful^t aufredj^t )u er^at 
ten^ bag $apfl 8iberiud feine ber ftrmifd^en ^ormetn 
unterfd^riebeu ^;abc, nimmt o^^ne meitereiS ben jmeiten 
iHemendbrief M e<bt an unb bejmeifett/ baft ^ipl^olpt 
aU(Begiupapfi inXom aufgetreten fei 9iuä) l^inrtd^tUd^ 
beö ^eil^ältuiffe^ beS ^^apftesS ju ben allgemeinen Roxu 
§iUen nimmt ber Setf. bur<baud ben Alteren @tanb))untt 
ein. S)a ed ft^ aber in biefen fünften um bi^t^utable 
£»inge ^aubett, meldte üielfatb bei bem 3J^augcl genügen^ 
ber %a<i^ri(bten nie ooQflönbig entfdftieben merben Unnen, 
fo ifi bon benitritilem nur ^u f orbern, bag fieSrünbe 
unb ©egengrünbe objeüiü barfteUen. 3Bir ^metfeln ba^er 



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Gardair, Corps ei Arne. 



163 



mä)t, bafe au6) bicfe neu bearbeitete SÄuflagc in üiclc» 
Ihreife« eine tool^lmoUenbe Sufna^tne ftnben toitb. 

a 

Corps et Ane Msais aar la plnlosophie de 8. Thomas 

par M. J. Gardnir Professeur Hbre de pbilosophie 
ä la Faculte des lotlres de Paris, ä la Sorbonne. 
Pttiii. LeUuellenz. 1892. p.391. 

SBir (glauben auf biefe geiftreic^e ©d^rift aufmerfs 
fam mad^en gu foUeu, iiid^t aU ob eö un3 in ^eutfd^^ 
lanb an 64rifteit flbet bie $^ilofopl^ie be« t^. S^^^omad 
fe^Cte ober oU ob ffitt erfl bev Sci^tflffel aum toasten 
Setftänbniö gegeben tt)orben luäie, fonbern mei( bod^ 
oon einigem Sntereffe ifl, tote an bec 6ocbonne $acid 
biefe ^^ttofoplH^ in dffenttt^eit Sorlefungen be^anbett 
tüirb. S)te ^eftüre beä ©uc^c^ mx^ abcv üu4) baburd^ 
on^iel^enb unb beU^tettb, ba§ übecaU bie moberne ^Ra- 
tttttDiffenfd^ft )ttm SevgUid^ beigesogen ^aft bev 
SSerf. in ber IBegeiflerung für feinen ©egenflanb fidj 
öfter etmad ^u loeit forttei|en lägt, augere ^Jl^^nlic^ feiten 
fftt innere fiPbereinfUmmung audgiebt, t^etotif^e ffien^ 
bungen ffiv Söfung f^mienger Probleme bietet, tonn um 
fo nieniger auffaUeu, ciU baS ^ier be^anbelte ®ebiet 
ben bunblften ^actien bec $^i(ofop^ie gehört 

Stad^ ber gem6^nti<(en Klage über ben 9ovtf<(ritt 
be^ 3*^^W^ ber ^iegation finbet ber S^erf. in bem 
$orn)ort ge^en baS ^auptübet ber „(Sntmidlung" nic^t 
etma in ber lBem>erfung ber (Entmidtung ein äftittel §ur 
iBerteibigung , fonbern in ber rid^tigen @rflärung beiS 
miU&. ^iefe Srflärung ift aber bereitö im Mittelalter 



154 



Gardair, 



pcgebeu luoibcii, in einem ©pflem leligiöfer ^I^Uojopl^ie, 
in meldSiem bte iu\\ien @ebanfen beu gried^ifd^en $(^U0' 
^armoitifd^ mit beti l^ü^^en Sttidebttngeii ht9 
(^^riflentitmiS aufammenleben, im 6^ftem beS 1^. ^^omad. 
3^ muß nun jwar qe\ti\)en, ba^ mir gerabe bieferS3e: 
griff ber (Stitroidluiig ni#t atö bei Uitenbe Sebante be« 
9u4eiS erfd^ieneit ift, toenn man benfelbeit ni^^t in bet 
bcfannten Seigre t>ou ben fubftauticQen Itmmaublungeu 
finbeu ivxU, oielme^i; jc^eiut mir bte ^aupttenben^ gegen 
ben (fortefionif^en G^ititnaliiSmuil gerichtet fu fein, 
©egen biefeii bietet bic iieijie toou ber 2Rattrie uub gorm 
aUerbingd eine ^uptmaffe unb biefe ift jugleid^ fe^r 
geeignet, ber mobemen iflatnrmiffenfcftaft in ^o^em (Brobe 
geredet 511 merben, meit fte eine fubfiantieOe Cinigung 
Doii ällaterie imb ^^orm annimmt, ^ie prinzipielle ^urd^s 
fft^mng unb lBertt)enbung biefed üfiomi^ bitbet vaoffi, 
baiS ^aupmerbtenfl beg Snd^eg. 

S)ie ©cbrift ^errafft in brei Steile: bie 5lftioität in 
ben unorganifc^en ^(^rpern, bie Gräfte ber @eele, ber 
Organigmng unb ber 0eban(e. erften Xeil gieüt 
ber ^scxl eine ^arfteHung ber Sltomifli! in ben Oiatur« 
n)if}ettj(Jaften unb beim \}, %i)oma^. öei aller Sner^ 
lennnng bei» Unterf^iebg glanlrt er bod^, bab berfelbe 
ben 0runb ber ariflotetifd^n Sel^ non SRoterle unb 
gorm nic^t berühre, ^ndbefonbere erkoä^nt er aud^ beu 
^Qet\ud^ ber ^[efuiten (£iberatore tu o.), biefe ^ufammen« 
fe^ung auf bie Xtome §tt be^ie^en. ^ntereffanter ftnb 
bie SlU'ifül^rungcn über bie SebenSfraft uub Seele. 3^^^^ 
polemifiert er gegen bie ^e^^auptung, ba^ biefelben nur 
metopl^yfifd^e, ibeeHe Sftegriffe ol^ne fubflantieSen flninb 
(eieu, aber ebenfo ent{d^ieben t)ern)a^rt er fic^ ^cj^en bie 



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Corps et Arne. 



165 



Trennung toou bcr ilhiteiic, öom J^örper. 2)ie Xeubeuj, 
toeUl^e 6et Körper r>on ^flatnx iux dntmufluiig nadft einem 
(efHmmten 3^^^ (^6^/ Genüge burd^au« |iir StfUrung. 
$)er befeelte fieib trädjöt, empfiiibet; bie immaterieüe 
6eele UM, miU. 2)ie nieberen Ardfte bleiben ncub 
bev Ztennung mit in ber 6ee(e noU ^in ber SBurael''. 
3)eT ^. 3^^oma^ ift ber Sc^irer par excellence in ber 
Se^e t)on ber (Einheit bed SKenf(^en, bed Aompofttum, 
loeUbed bie Seele mit bem Seite bilbet. bie ent« 

ipred^enbße gönnet erf^etut i^m: »Non enim corpus 
efc anima mmi doae sabatanfeiae acta eziatentes, sed 
ex eia dooboa fit ona subetaatia acta eziatenac (c 

Gent. II, 69). J^nbem ber l;. X^oma^ feinen üölidt in 
den arifüoUii|c!^eu i^egriff t>on äJlatecie unb gorm ))er» 
tiefte, ^at er bie übetraf^enbe S^nt^efe von einem 
^rinjip reinen 5Berben^, ba^ burd^ ein fpejipjc^ed '^oxm- 
Prinzip iu einer e^iftierenben 9lealit&t altualifiert toii^, 
gefd^ottt, eine Spnif^t, toM^t jebed YOtpetli^e ttefen 
aib^brürft, ob e« rein p^Viilcf) ober ,^ug(eic^ P(H;ufc^ unb 
iebenbig, ober p^pfifct^, lebeubig uub fü^Unb, ober enbitcb 
VWS^, lebenbig, fft^ienb unb benlenb fei. SMefet Senie^ 
gebanfe tüirb un$ ba« ©e^eimiii» be^ 3"!^"^"^^"^^^^^"*^ 
oom fieib unb 6eeie in ber (Sin^ett bed menjcbii^en 
SefenA offenbaren. 

iBon ber 2Iue|ül;rung njoüeu mir nur menige ^uutte 
bertibcen. ^er ^. $erf. fiuoet ben ^auptbemeid für 
bie SmmateriatttAt bet 6eele in ber Unioerfalit&t bei» 
mtu)c^Ii<i^en ®ebanfend. Äer Seele (i^ieibt er, \vol)[ 
mit Unrecbt, eine ^robuftion i^on 3öärme gu. ^zii^in- 
ttonb bn»l^ bad SKaper'f^e idefeft gebe nid^t, benn bie« 
fed fei nur für bic ^u^ie^ungiS^ unb HbflogungiSfväfte 

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156 



betüiefen. 3)a5 göttliche SBor^/ermiffen ber fontingcnteit 
S)inge txtiäxt er ni^t mit ^offuet u. a. aU ein 3BtiTeii 
in causis, fonbent aU ein fi6ev§eitli4ed Siffen. SMe 
tl^omiftifd^e Sc^re üoii ber ^Bettjegung beä mcui^Ud^cii 
StQend burd^ ®ott (applicatio) fitcbt er baburc^ mal^r^ 
(d^einlii^ mad^en^ ba| et mit £^omad bai» ffiittetids 
vermögen für jebc« ®ut, tueld^e« r\x6)t ba8 üoHfommene 
Out ift, inbifferent fein läfet, fo ba6 ®ott baffelbe, menn 
ev ed bemegt, nid^t }tt biefem ober lenem befUmmt S)od^ 
gefte^t er jelbft, bog biefe ©rflärung eine 2)unfel^eit 
^urü(!(a{ye, aber man fönne nid^t erklärten, bag über 
eine grage, beten ein Sbaivm eine götttid^ SoIRommen« 
l^eit ift, ein ^leS Sic^t oetbteftet »erbe. 

9. 

jitur^gefagter ftemntrntar gut Reibend« nnb IBtrfloriiiiQSoe^ 
Mi4te aefn C|fipi t>on Dr. grini ^att«)>rälat 
Seiner ^idpfMid^ {^etligfdt nnb 9rofe|for betX^oIo« 

gie an Der I. f. Uniüerfttöt in SBien. ®ra^, @t^ria 
1892. XII. 527 @. $reii^ ö 

S)te gorm ber Se^anblung \)at unferen QeifaS; 
vuir finb \)kx ber 6cbu(e be» unüergeftUd^en Slberle 
an biefelbe geföi^^ut, too fleU bie Sibelteite in ber ent« 
fpred^enben KebeneinanberfleEnng Dorangef^A tt^nrben. 
2Benn in bem üorliegeuben 33u(^)e nid^t blofe bie teyt= 
Critifd^^f^racbiicb^n, {onbern aud|» bie ^ifiorifcb-arcbaolo« 
giften Crdrtemngen unb Oemerfnngen unmitlelbar an 
ben iöibelteyt angereiht merben, fo fann man fidt> mit 
biefem Serfat^ren ooUft&nbig befreunben. S)em gried^. 
Zeit fd^enß ber ^. Serf. ale Sorgfalt nnb bie bei* 



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Kommentar 5U1 £eibendgei(^t4te. 157 

gegebene beiitfd^e Überfe^ung, hie fid^ biudjauö an jenen 
mi^iU^t, ifi touett, ben 6iuu immer ricbttg totebet- 
^ebenb unb babei bixi^ gefftHig. 9Ht ben 8lefiittateti 

aud^ ber neueflen ?^orfc^img ^^eii^t ber 3liaor üerttaiit 

geregnet toerbeit, ba| ei( ben Sefet jebedmal mit ben 

üerfc^iebeueH Sluffaffungen unb (Srflärungen befannt mac^t 
unb bann ben 'B^q }ur (Sntf^eibung jeigt. ^efonbeced 
•eioUl^t bgt bet Serf . auf bie ^erfieUnng bet mrmonie 
amifdbeu beu ßoangeliften in gällen, mo $)ifferen3en ju 
Xage treten. U. (S. ge^t ber gefd^ä^te (gelehrte gerabe 
Sterin mand^mal }u u>eU; fo §. IB. menn er 6.401 
hie ^ifferens im\ä)en 3)krf. 16, 1 unb 2ul 23, 56 be= 
trefji^ bed ©infaufd ber Spe^ereien burc^ bie grauen 
am Sbenb bed Karfreitag«^ be^ie^ungdweife am Slbenb 
bed 5larfamdtag^ bur^ bie ^nna^me beseitigen mlQ, 
ed ^abe iu ber dou 3)^arfuiS angegebenen ^tit um 
eine 6rgAn§ttng nnb^etDoUftftnbignng bevZagd 
§ut)or gemad^ten ©inföufe ge^anbelt; ö^nlic^ erfc^etnt 
ber ^udglei(t;ungSt)erfud^ ^ijd^en Mail 16, 2 unb 3o^. 
20, l, mona4 ba« mmiilanog tav i^iitov bed äRartnd 
t>on ber ^tit ber SDiorgenröte mfle^en wäre 
(@. 400)/ fünfilic^. 3}^an t^ermag feineu tiernünftigen 
Crnnb entbeden, »edlf^alb man S)ifferen}en ber %tt nid^t 
einfad^ ald foldjie anerlennen unb au9 bem @tanbpun!t 
ber 6d^reibenben erflären foüte. ^er 55err. ipoüte bei 
SLbfaffung feineiS S9ud^ed ancb ben prattifdl^en Sebflrf« 
niffen ber Seelforger 9led^nung tragen, unb tft gar 
nid^t 3U leugnen, baft befonberg bie 2lbf($nitte über bie 
(ünfetnng ber ünc^arifiie (6. 69—96), über bie ^dl^ein^ 
nng 3efu am Gee ^iberiaiS unb bie ftbertragung beiS 



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158 



oBerflen ^irtenamtcÄ an $etru« (©. 465—492), über 
bte Sludtüftung ber ^poftel mit ben apoflolifd^en ^oQ^ 
madfUu (6. 492—502) in hn ^ta;i« fel^t fvu^tbat 
ermcifen tttinen. 3" folgenbeii fünften ettoiBt {td^Slef. 
feinen abmetd^enbeu 6tanbpunft Don ben ^nf(tiQuungen 
bed ^. ißerf* bar^uUgen* 

1) S)et Cinfug Sefu in Sentfolem nmi in bet 
fieibenecjeic^id^te unter ben »orberettenben ©reignifjen 
16eni({ti4^tidun0 erfa^^ren icegeu bciS unmittelbaren 
fammen^ugft, in toeUl^em biefe ^^atfo^e mit ben 8ot« 
gangen be« iJetben« unb 6terben3 fle^t. 

2) ^ad 53eftreben, ben 14. 9^ifan aU %aq M 
ißa(((Kinui()U unb ben 15. 9lifan aU Xobedtog ^efu auä^ 
md^ 3o^<inneiS feflfnl^Iten , ern?eifi ftd^ aliS etfolglo«. 
SDer ^. SSerf. toibmet ber ©törterung unb SBegrünbung 
(einer be^ögli(^en ünfi<^t einen längeren übfd^nitt (6. 
40—54), er nimmt onlerbem bei nefpred^ung ber ein« 
jelneii \)m in 33etrad)t fomiTtenbcn ©teilen jcbeSmal bie 
(äelegenl^eit koa^r, auf ben fraglict^en {(^mierigeu ^^unft 
Snrft<f§ttfommen unb bie entgegen^^enbe Suffiettung 
abjuweifen. S)iefeg gauje S3en3ei«üerfa(^ren f)at un^ uidjt 
überzeugt; bie 6a(^e f^eint un3 Jo ju liegen. ^Jiac^ 
ber S>ariiefl[ung bei» 4. (Enangeltflen ifi ber Xag bed 
^ßafd^ama^ld ber 18., ber ^ag M Sfobe« 3efu ber 14. 
Mfau. ^eatiglic^ be« erfteren ^J;cvmin8 ift 3o^. 13, 1 
ügL mit £ttf. 22, 7 entf d^eibenb ; j^üifi^tli« bed ameiten 
3o^. 18, 28. 8Bad immer ^n Sunflen ber befannten 
Sluffafjung btefer 6tclle ((^ijeii bev gricbaUopfer) Dor= 
gebraut kperben mag, fomo^l na(^ bem unmittelbaren 
Wortlaut, ab nod^ bem biblifdften 6)>ra(l^gebr<m(|^ be» 
beutet ^xx^'ctyirö ^da^a „badOfieflamm genießen" unb 



^ .j i^ .o l.y Google 



159 



bcr umroetbeutt(^e 6iini ber qan^cn6teÜe ift: bic ^uben 
gtngett tu ba^ ^ßiätorium nid^i hinein, um iti^t eine 
UaoWä^t Seruntetttigiuig §tt toetf^^ulben unb am ütnui 
beil Oftedammö gcl^iubcrt ju iüaöen. S)emMad) erfolgte 
bie ^ecucteiiung utib ^itiü^tung 3du uor bem ^-Begtmt 
bed iflbif^en $af4a b. am 14. 9tifaii. ^Uefelbe 8or« 
tteüuuö er^iebt fic^ bei einem ^^Urf auf^ol?. 19, 14ii. 19, 
81. 3» Süibetca(j^t bec (Senauigfeit bed 3o(^aunef^ in 
ben 3eitangaben^ in Snbetrad^t fobonn bet bai» Slefevat 
ber 6i)noptifer berücffic^tigeiiben, ergäiijcnbeu unb oiel- 
iadf beii^ligtnben ^arfieUunQ biefec (goangelieufc^rift 
foOte man, meint Ref., hai angebeutete au9 bet ^fung 
be§ $^o^aime^jcüaiiöeüum§ ^ertjor^e^enbe ^efultal aU 
ben feften ^oben beirac^^teu, auf meieren man fi^ für 
bie Cntf^eibung bet Shtage fleflen mui. S)ie Stftnbe, 
iDel(^e bie Spnoptifer ^u i^rer cigentümlicßcii 2)arftellunö 
befiimmten, finb j[a jiemlic^ tiar unb bie Spuren gaai 
unDertennbar, baft au^ fte bie beiben bon ^o^anned 
gebeteneu Xeriniue im Äuge ^aben (V[][. Suf. 22, 7; 
23, 66; mxl 15, 21 u. 15, 42). ©omit i|t bie ,gar^ 
monie ber (ibangeUen bei biefem aSerfa^ten tl^atj&^lic^ 
in (einer Sßeife gefä^rbet. 

3) S)er ^. SSerf. nimmt bad befannte xa^e^ijs 
&t{. 1, 3 in bet Sebentung : 4ronologif4^e Dcbnnng. 
9lun mag immer^iiu jugegeben merbeu, bafe ber ©tjan- 
gelift mit feinen befannten äBorien bic ^bfid^t au^Drüden 
mifl, bie Sceigniffe im gonjen in »eitlic^et golge §u 
bejdfereiben, unb er ^at fi(^;er biefer 5lbfi(^t gemäjj eine 
genauere (i^ronologifd^e Orbnung einge^ten atd mand^e 
bon ben «.«rteUn 8orgAngen^ melfte er beim ftudf)>re(^en 
ienet äBorte berüdfic^tigt. Mm ))reffen barf man 



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160 



bell ^uiSbrud bed fiufa« iti<^t itnb und f(^eint ber ^. 
$erf. t)iel ju meit f^egaugeii fem, toenii et ^toeimal 
(6. 68 ti. 109) nac^brüdlUI^ t^tmxf^tbt, toegen bet 
SerrK^erung bed (Soangetiften im ^rolo^ milf[e man 
a priori üermuten, bag er unb ui^t hie in ber ^norb« 
mnq ber Sreigniffe i»on i(m atoeu^^enben anbeten 
6^noptifer Me d^xünoUQx\^t Xufeinanberfolge feß^atte. 
£egt mau biegen äJ^agfiab ber ^eurteitung an, fo fommt 
man bei ber (fottäruno bed Soangeliumd im einietnen 
fe^r l^öuftg in bie peinH^^fle Serlegenl^eit. Um nUfyt 
erinnern an &ut, 4, 14 ff., an Diele ©teilen im |og. 
Sletfeberid^t, fei nur in ber £eibendgef4^i((te felbü auf« 
metffam gemad^t auf 22, 54; 24, 8 ff., mo mit naö(« 
metfeu fönnen, bag fiufad bie ^reigniffe feineiSföegö tu 
ber 8let(^enfolge berichtet, in meldtet fU gefdj^e^en finb. 
S)emnad|^ bfirfte größere Sorrt^t in bet Sbitfegung jene« 
Begriffe geboten fein. 

4) ffiad bie (Eri^rterung ber geri^tU^t^en IBer^nb^ 
bmgen betrifft (6. 187 ff.) , fo fKmmt Xef. bem Siitot 
bed ^ud^ee DöOig bei, menn er ein $^erl^5r ^efu Dor 
ainnad annimmt, el^e ein foUfted bor itaipM erfolgte. 
5Denn bie gtammatifil^ tici^tige SrKAtnng M dfUaretlsv 
(Äor., nic^^t Plqf.) nötigt jener Slnnal^me. 2)agegen 
ift bie Slnfulftt, baft für ben ri^mif^en g^rolurator bei 
ber Cntf^^elbung , ob et ein Don bet fftbifö^en 8el^5tbe 
gefäHleiJ Xobcgurteit beftätigcii ober nid^t ju beftfij 
tigen dabe, bad iübijcbe (3efe( unb nic^t bad römif(^e 
Ste^t mafigebenb mar , gan} ^inf Attig (6. 243 iu 204). 
®emi6 ^aben bie üor intern eigenen gorum ben 

^eitanb nac^ ben @a(ungen beiS mofaif^en @efe(ed 
be^anbelt, inbem fie i^n bet 0lai»i>(emie bef^uIMgten 



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J^Ollllnelltar |uv Seibendgefc^idite. 



161 



iinb barum bed XobeiS fftt loiltbio ern&rteii. Sbet fo« 

fort bei i^rem erften ßri^eiucii cor ^ilatuö Viesen pe 
bie gan^e äluflage megen ©ottedläfterung fallen unb 
etl^oben bie anbete toegen eine0 6taatdt)etbredfteiid. SRan 
la{je rt(i& bur(^ betitlmflatibtHil^t tfiufd^en, bag bie^uben, 
Harbern $i(atu^ bie jllage geprüft unb bie 6d^ulblods 
etflätund abgegebeit l^atte, eine @4^n)eti!un9 mad^en unb 
Snm früheren &9ftem ^utüäU^xin, inbem fie fagen: 
tt?ir ^abeu biefen al3 ©otte^äfterer erfiinbeu, ber mä) 
bem mofaifcben @efe^ fterben mug (^o^i. 19, 7). . 6oU^e 
6<|tt)enhin0 etfolgte blog in bet augenblidU^en looll» 
(ommenen SSerlegcnl^eit. 9Bie nadj^ Sol^. 18, 33 qUxä) 
anfangt 'oox ^ilatuiS bie politifd^e 6eite ^ertiorfe^ren, 
fo t^un He ba» audft f^tet toieber (3ol^. 19, 12); unb 
f(^lieglid^ giebt bei ^ilaittd bie ^Dro^ung ber ^uben, 
mit einer 5lnf(agc tpegen SJlajeftätsDcrbrec^en gegen i^u 
Dor^uge^^en, fällig er 3^fum, ben politijc^en ^erbred^er, 
ni^t t>ettttteile, ben ätudfdj^lag (3ol^. 19, 12). SHod^ alle 
bem tDar in bem ^ro^eg bur(i^aud bad römifcbe S^ied^t 
maggebenb. 

5) S)ie S^age, in toelcbec ^gedßunbe bet^eUanb 
geheu^igt morben ifl, gel^M mit einigen anbeten aug 

ber ©efd^id^te ber Sluferftcl^ung ben fd^mierigften. 
S)et ^erf. ^at in reblid^em (^ifet fi^ mit berfelben 
bef4&fHgt (6. 816; 887 f.). Ct ftnbet bie £öfung bed 
Problems in bei Slnna^me, 3ßfw3 f^i ^^"^^ 7 U^r 
morgend oerurteilt unb um 9 Ul^r and ^reuj gefd^ta- 
gen tootben. Sie 6d^mietig!eit liegt in 9Rat!. 15, 26 
ogl. mit 3o^. 19, 14. ^£)er SHef. feinerfeit« gcflebt ed 
offen, bag i^m bie @ntfd^etbung gerabe in biefer grage 
nicli^t fo f4imet getootben ift; Tie fümmt mit bet Slnfi^t 

StcH. OMMMMiqt. IBM. ^I. 11 



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168 



Migiiniitaiiblftiltr. 



M «etf. ni4t übeteui« ^itt foOte inaii fu^ tm fte« 

nnf^eit prattifd^en (Srtüfidungen Idteti laffen: fobalb man 
bie t}on ben @oangelirten geic^ilberten ^orgönge io con- 
ereto ftd^ DetdcgentDftttigt, gftoiniit man Me fcfle jUet« 
jeugung, ba6 bie Ser^anblungen m ^il^ttixd. He «m 
6 U^r motgenö ober ganj furj t?or^)er begannen, toon 
il^tem ecften Anfang hi^ gur gäUung be^ llrteiU mit 
ben «etfi^benen baimifd^en lie0enben d^eigniffen (iBmp« 
ffi^Tung oor ^crobe«, SBerfpottung 3efu 2c.) um 7 U^r 
ganj unmöglid^ abgef^loflen jein founten. SBielme^r 
erfolgte Sefu SevuvteUung (ut} nad^ 11 U^t 19, 
14 bg(. mit 1, 40 n. 4, 6 — jübifd^e Gtunbensä^Iung) 
unb bie Äreujigung um V2I2 Ul;i. ^ie 2)?arf. 15, 25 
axA^uU^m i^, t^at bet ^. felbft 6. 337 oage« 
belltet «elfet. 



10. 

1. 4e|iln4 btr fM|« Keliiltn im 9nf4{u| an ben ftn« 
te^ttmnf bet 9)i69efen i^Otn, %nfx, IDHInflet nnbSfeS« 

lou öon Dr. «. ®lQ|{(cllJcr, 1. 2:eil: üon bem^Iauben. 
^ricr, ^aulinn^brucferci 1890. IV, 143 6. II. icil: 
üon ben Geboten, ebb. 1889. 110 ©. ti.S. 

2. lUtiil. l>i(iaetif für Ü^^mnafiaq^rtma. fßon Dr. th. 
9. 1^1^, Obevle^m unb KeligionM. am ft%t <9t^m« 
naftum ju ?lni«berg. Sreib. 1890. XII, 221 @. gr. 8. 

3. ©ntnbri^ ber 9))olOQfti( für bic oberen fiTnffen liöljerer 
£e^ranftalten t>on Dr. th. ^ermintt SBelttUirr, ^Jieligiond« 
.(e^t an ben Sgi. ^Qmnaften an SStedbaben (Se^rb. 
f. b. fat(. nengioninnterd^t II.), gmette 9ttff. 
8teib. 1890. IX, IIS €. n. 8. 

4. (Brfd|ii^te tirr mx^t ^t\u (if^xl^i für @tubterenbe üon 
Dr. ttlmcnl iiMU, ^omfop. unb (deneralotfar |u 



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168 



$eIt)(Hi. 1. 2)6« 4ti9t ICltertttiit. 2.iictt(e<itl. 
«ttft li^m, »oeitig 1890. VIII, 142 6. n. % U 

c^riftL aj^ittelaUer 2. Slufl. ebb. 1892. @. VI, tt. 

145-296. gr. 8. 

6. 8c|flw| Ht ftin|e«|ef4i4if fflr bie Obedlaffen ber 
aRtttdMuIeii bon Dr. 8ilt|. ttttiicrr IDomla^. in StO^ 

bürg. 2. üerb. 9(ufl. $rag, IBieti, ^itipdfQ; Sei))). 
greDtag 1891. 2 931. 188 ©. 0r.8. geO. 1 fl. 5 fr. 
6. ^Irbnil tier ftiTi^eitgrf4ii|te |um (^ebrau^e in ©c^ulen 
mib sunt @elbfttttitern4te bon W^il 8ibcr, ®|>irittta( 
unb Sidigiottdle^ret. (Eine boHpAnb. ^hnleorbeitnng 
bc« SBuc^eö «Ä'urje Slirc^engefc^. f. b. Sugenb" toit 
^ibcr*3Rofcr. Snnöbrud, 9loucl& (ü. ^ßufttt) 1893. VI, 
269 @. a iX. 1. 60. 

W ifl tt)eber für unfere (S^mnöfien nod^ für unfere 
Migiouöl^anbbüd^er ein fd^led^teS ä^^d^i*^/ leitete 
tto| i^tet {tetö toa^fenben ga^t immet »iebev ben 9Beg 
in We Sd^len fid^ Bahnen unb neue Auflagen erleben. 
SieDeiti^t barf man fagen, baß nac^gerabe in biefer Slic^« 
titng bed Outen ^woid gefdüe^e ; aUeiit ^ bief e tlbet« 
jeugung toirb gtüdtid^ertoeife immev affgemeiner — ein 
aud^ nur ^albn)egig gutei^ g eb rud te ^ ilompenbtum tfl 
iebenfoSiS viel beffer, ato ben Steligiondunterrid^t für 
biefe Sfterdflufe nad? eigenen ^eften Dor^utragen. Unter 
ben ^ier aufgeführten ße^rbücftcrn tüirb mau jcbem bad 
^eugnid geben milflen^ baft ed {einem ä^^^ unter be$ 
fUmmten SerbMtniffen genflge. 

1) ^er rote e& fc^eint erfte Sßerfud^, ben 93ebürfniffen 
ber f^ö^eren ©c^ulen auf unmittelbarer ®runblage M 
Jtated^iftmttiS geredet }u merben, gebt wn ber ttbei^ngung 
au3, ba6 ber ^d;ü(er ba^, loaä er in ber guten gorm beS 
^tecbü^mud fdl^on gelernt b^t/ iti toeränbertem Sludbrude 

11* 



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164 »eli0iotu»^iibbfli^t. 



feinem ^ebädj^tniffe n\d)t no^matö ein^uptägeu braud^e. 
Sbavm 0ieM ber Serfaffev 9utiA<^ß beit Xe|t bed Statt* 
d^Umud (fragen, 3lnln)orten, 3ci)iiftfteIIen, SInmcrfungcu), 
unb fnüpft fobaim an bieten jeiue lueitercn '^üb3fü(;cuagen, 
«meUifte (S^\a^\^t\X unb Mr^e mit (Bdinblt<l^leit su Der» 
einigen fud^en^. 5Dte 5hli5e fcbeint un« für 6<l^üter l^ie 
unb ba baö ^Berfiänbni;^ ju erfc^njeren. ^aS 93üd5)lein 
fott aber au|etbem ben Itateii^eten fftc bie unmittelbare 
Sotbereüung ein praftifd^eiS {^ilfiSmittel fein unb baneben 
ben {ünfüijtii ^-ßoUöid^uncl;rcrn bienen. Sei ba Sßer= 
manbtfd^aft bed neuen ^Jtottcnburger ^ated^iiSmuiS mit 
bem bet genannten ^iö^efen fann biefer itommentar au^^ 
unfeten Itate^eten nnb Sel^m empfohlen toetben. 

2) 3m SSormort ju biejcm i^e^rbud^c roirb mit 53es 
tufung auf ^&pfi(id(e unb fpnobale Sludfpcäc^e (erooc« 
ge^oben^ ba| bet SieUgioniSuntetrtdftt an ben l^ö^eren Bd^Uß 
len ^eutjutaßc eine bti'ouDere unb ^jcrt^orragenbe apoto: 
getifd^e Aufgabe ^at, unb barum iDoUte ber ^erfaffer 
bie S[|)ologetU für bie oberfie ^pmuaftoinaffe in breitetet 
9Cui8fü()rung geben. !Rad^ i^m foK bie genannte ^ii^iu 
plin, obtüo^l fie im tl^eologijd^en 69fiem unb im Uni= 
9errttöti»U^r))lan bie etfte Stelle einnimmt^ benno4^ im 
Si^mnaflaluntetrid^t ^ulegt be^anbelt toetben, n>eil fie einet» 
feitiS^ auf t)cu gefammten SflcligtonSnnterrid^t jurücfgreife, 
anbererfeitd „ai& notkoenbige Armatur ber l|irimaner für 
bie gefa^tDoIle neue Saufba^n" bon gtdfitet Sßi^tigfeit 
fei. 6^ merben im 1. ^cil „bie nalürlic^cu @runblagen 
ber tat}). 9leligion" (uatürl. ©ottesäerfenntni«, SSer^ältnid 
Sottei» }ut SBelt, Setl^. bed 9Renf4en |u ®ott)^ im atoeiten 
„bie fibetnatfitli^en Stunblagen" (1. bie Offenbatung, 
2. bie ilirdj^e) berfelben gegeben, koobei mii Oied^l auf 



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165 



bte ijec^enrnftttig Detitetteten Strtümer am attiSfü^rU(]bften 
eingegangen mtrb. „3^ad^ ber Dktur beiS ©egeuftanbe^ 
uBb ua^ ben Srfa^mngen, bie bet Secfaffer mit ben 
fe^t i^erfii^iebenatrti^eii ftlteveit utib neueren Se^tbft^em 
gemad^t l?at, glaubte er auä), ba^ biefe^ ^uä), um fo= 
m^i bem Sd^ület bie Sltbeii etUid^tetn, aU bem 
Uutenid^te ben Ctfolg fl^ern, bie fletoeife grögtenteild 
nid^t nur in imcn unb blo§ ffijjiert, fonbern in extenso 
enttoidelt unb ausgeführt barbieten mufe." Äein ^toü^ti, 
hai bet Setfaffet babur<i^ ein 6pe§imen*entf(i^iebenet tl^eo^ 
logifd^er ©rubition unb apologetifi^er Umfid;! gegeben 
^;at. ©leic^troM i)äiU Dkferent fd^were S3ebcnfen, bad 
fßuö^ feinen ^^äiern ato £el^Tbud|^ in bie $anb §u geben. 
D^ne unfere ßrfal^rung gegen bie beÄ üerbienten SSer« 
fafferS audfpielen ju lüoUen, finb njir^bod; überjeugt, 
ba6 bie toenigflen aud^ bev ^timaner ben gelehrten %u»* 
fü^rungen biefer Slpologetil Ü6etall )u folgen imflanbe 
Rttb. 6d^on burd^ lange unb ju fd^mere ©afifonftrufs 
tionett/ toeld^e füt ©d^ulbäd^ec boppeU gefäl^rlidft finb, 
toirb bie« erfd^ivert, ni^t meniger bttt$ ben l^äuflgen 
Gebrauch {(^olaf^ifc^er S^ermini. 6obann fd^eiut ui\^, 
um einet treffenben Segeic^nung und ^u bebienen, ber 
unge^ieferattige Ateinbrud, toeU^er tool^t neunae^ti ^mn* 
jigftet (]egenüber bem ©rofebrud auSmad^t, nirgenb^ un^ 
geeigneter aU in einem 64ulbud|)e. (Sana anberd liegt 
bie 6a<!^e in S)rel^et0 toeitberbreiteten (Brunbrtffen, mo 
baiS ^etit nur Slumerfungen jum ®roßbrudf ciitl^ätt; l;:cr 
bagegen tritt Unterer {ofel^r |urücf, bag er o^ue erftered 
{e(bfl ffir ben 6^a6 sutoenig , gerobesu unDerfifinblidft 
ttjäre ; im Äleiubnuf liegt ber 6d^merpunft ber ^emeife. 
gür befonberd günftige ^er^äUnijje mag )id^ ein {oictied 



IBuc^ tvB^UW^i füv hit Me^raa^l unferer älnfialten f d^n^er« 
lUft. Sagege» »dte mit gveube }tt begrftlen unb^ 
teic(^e Sntd^t batoon §u erhoffen, menn b«9fel6e butdft bie 
Sd^uU feinen SiBeg in bie üreife gebilbeter £aien fäabe^ 
Utt% Setiiftnbni» unb iBebtilipfiii« itteifetopl^iii tteff» 
lidft entfprid^t. 

3. 2)em Umfange uac^ faum bie ^älftc be^ üorigeu, 
iMtnuto äi^ebemei;^ Mc^Uiu ben ^nfprü(^en ber Schill- 
mUmm tDO^I elfter §u geuftgen. SBeieidftitetib iü e6, ba| 
biefe j\Deite Sluflage (gegenüber ber erflen toielfodfte Äürjs 
ungen jetgt, aud loel^en fieser ben^afe'i^en entgegen^ 
gefette Crfa^ngen ft^ etfdftlte|eii (äffen. 5E)ie Hudfft^« 
Tung i{l infofem ungleti^, ott aud^ i^ier Me imfere 3^it 
ben^egenben gragtu einge^euber bel^aubelt pnb uub ber 
SBiberlegung m\ Tlattxial\Amu&, $anil^eii»mud^ UnSieti* 
lidftfeitft» itnt Üiiiibet(eiigiiu»g gtdieret 8Uium unb be» 
fonbere Sorgfalt geiDitmet ip. 'i>üi' Übcrmuc^erung beÄ 
jlUiubrucfiS mug aud^ biefei^ Q3ü4^lein fi($ ()üten. 

4. SHe ttintoftiibe, »eUfte gegen bie erfte Ibiflage 
biefer IHrd^engefd^id^te geltenb gemadftt tontben {auiSf in 
biejer 3eitfd^r., f. 1880, 164), (^aben ben SSerfaffer ju 
mandtKYlei jtnbeningen beftimmt. S)en Umfang unb bie 
Xnorbnung beg 8iu(eg }u oerAnbetn lonnte et fUb nidftt 
eÄtf(^^lie6en. Sßenn bie Äritifer fi(j^ barüber aufspielten, 
ba6 „§uttäd^{l ftc bie oberen itlaffen ^6^erer ^e^ranftalten'' 
btei SMnb^en suuiel feien ^ fo bnnte biefer 6tein beg 
Änftogeö ganj einfad^ baburd^ befeitigt »erben, ba6 je« 
uer 3^i^& Auf bem '^ite[ unterblieb, ol^ne bag bamm 
bie 6dftftler ber (B^^mnaiten gani aug bem Kuge geblieben 
ober <mgfdftlie|Udft an alabemifd^e ^örer gebadftt toorben 
märe, ^ie ^itteraturaugaben eigutu hai l^uc^ allenfalls 



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167 



and) für leitete; ein ^auptjmedE be^ SJerfaffers mar tib= 
rtgend m Xttfang an, t>m @4fiU¥ fftt« {)>tot^ fieben 
eitt Xnbfiileii an Ue 6#ule geben, IDofftv ei( toie me« 
iiige geeignet ift. ^ieö beiueiöt fcbon ber Ibja^ ber „üer^ 
(ditnii^mÄBid ftarCen erßea Siuftade''/ ^ie 1879 er$ 
f^^eiL Sag aud bev Snorbiittiig beiS 6toffeft mäf bem 
Oreifad^en 2InUe ber Kirche ftd^ lln^ufömmticbfeiten ergeben, 
lugt auf ber ^anh, unb bie ©egenbeiiurfuugett @. IV f. 
b<Yiiid0eit biefc Xffatfad^e ni^t befettigeit, tDenn man 
aud) hm praftifd^en @rnub, iparum jene ©inleilung beu 
behalten mürbe (um bie ^enu^ung ber erften Auflage 
in bet 6d^U nicbt unmAglUb au matj^n), {i4 nt^t bet» 
fd^Uegen fann. ^en angefül^rten Mängeln [teilen unleug- 
bare ^orjiige gegenüber; ber ^iftori{c^e Xatt bed 
\a9tt§ iiiu in bet ^u»mail bed Stoffeil unb in bem se« 
funben tlTteil flbetaB antage. S)ie eingel^enbe S)arf!eQung 
ber patrtt'tijcben ^itteratur unb ber ba5uge(;i)rigen ^erfön^: 
Ulbteiten, ber 6(bolafUt unb äR^ßU, M ^umani^mni» 
nnb bet df^riflüd^en ftunfi gereid^en einer fold^en itit^en« 
%t]ä)\d)U nur jum Vorteil, mie [xc and) burd^ bie Sitten 
tatntangaben an SraucbbatfeU fe^t gemonnen IM 
Unfer günfHgeS @efammttttteil glauben mit in bie 8e» 
mevfung faj)en ^u fönnen, ba§ eS um bie fat^oUfcben 
itkntalfeminate namentUdi^ M Sudlanbei» nDd^ gut be« 
fUIt to6u, toenn fie alle i^ten ^öqlinQtu eine ittt^en« 
gef^id^te boten, mie {te bec^err @eneralt)i£ar bou $^l{)(tn 



1) 91|og'i fkitrologie »irb no4 ^et 1. Vujlage tton 
1866 litieit (feit 1888 liegt bie niette ddc); »on «Digt'6 Sie« 
l»efieteBnng t|l bie ertteKuflagc iKtaltet. fbf e Sedoeifnng onf bie 
ft9gmatif(anbbft4ef l»im (einchb «nb S^^eeben eif4eiiit ditf* 
fWg, »0 cf fi(i um t^omiegenb btflotif^e gcogen benbeit (6. 138). 

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168 



Domicgenb für ©^mnafleit unb ßaienfccife geliefert l^at. 

5. ^iefe« 1880 iu erfter Auflage erfd^ienene f^ön 
audgeflattete IdüOflm ifi ei» «orttefflid^« Hilfsmittel 
für obere ®pmnaf!ainaffen. fimar ift e0 tool^l eienfaU 
)U umfangreid^, boc^ ifl burd^ (mäßigen) 5lteinbru(f 
mand^ed aU fatultatio audgefd^ieben. S)ie iliilage bed 
8ttd^eiS, bie Sbtdtoa^l unb 8e^anblung bed 6toffed fd^elnt 

fel^r gelungen. S)ie brei grofeen 3^itrönme merben 
ie in ftoei ^etioben abgeteilt unb innerhalb biefec boK« 
Stellt fid^ bie fad^lid^e 0ttt)>)>ietung in je fünf ftapiteln, 
üou benen baö ^lueite ,,Kird;e unb ©taat" überfd^rieben 
ifl. infolge biefer (Einteilung treten man^e fouft in 
berartigen Sel^t bildftent toeniger beadt^tete 6eiten in beffmiS 
£1(^1, toie j. § 9 bie juriflifc^e ©runblacje berß^riften= 
Detfolgungen, mad pm ^erflänbni^ fe^r t)iel beiträgt* 
SefonbetS anevf ennen^toert ifi bie Beigabe tutser 6teBen 
au3 93ätem unb Slften im Urtcft (5. ^. ber iüi^tigfie 
6a J auiS Äonftautin^ ^oleranjebift, ber ^inmei« auf 
bie aRart^reratten bev ^. gelidtai^), fotoie bie i»erl^6ltnü9s 
nidfeig auiSfü^rlid^e $Dar[teIIung ber Äunfi in ben Äata« 
fomben unb ber Äunfl überhaupt, mie au6) ber ürd^* 
lid^en äBi{fenf(|aft — «igentümlid^leiten, bie foUften 
ihreifen unb unfeter 3eit nottl^utt. SaS but^ 1 1. 9Hnt« 
fterialerla6 für allgemein juläffig" erflärtc, toon meUn 
Otbinariaten approbierte Sel^bud^ berbient bie m&rmfie 
Cmpfel^lung. (flüne flberfegung bon hzü ^ofepl^ud »3ilb. 
^cieg" Don Raulen fcnne id^ nid^t [©. 5]). 

6. „batte bei ^bfaffung biefed £e^rbu(bd oor« 
aftglid^ fotdl^e Sel^ranftalten oor 9lugen, an benen bie 
flaffifc^en ((ateinif($e unb gvied^.) Sprachen nid^t gepflegt 
»erben, ooran^e^rer« unb >ie(/rerinnenbilbungdanflalten% 



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160 



Demeibet Mfyiü> alle lateinifd^en ober gYie^if^^en (SU 
täte, unb toenn baS 8ud^ füt fiiuedf e bed Sellfhtntent^t« 

giemU(^ oiet Stoff aufgenommen ^at, fo ift burd^ 3(n5 
tDenbuag t^eridj^ie^enen S)nid(S angebeutet^ „t>ai beim 
Sebrottd^e beSfetben in e^ulen nOtigettfaU gat mand^eft 
ilberfdjjlagen tr>erben fann". bic Einlage eine glücfs 

lic^e toäre, toiih fid) ni^i leidjft be(;aupten laüen. S)ttt(b 
eine Don ben ollgeiiteiii angeitommeiieii bvei B^ttr&umen 
ganj abfe^enbe, ben toieleu 6toff eiiifad; in fünf Venoben 
gltebecnbe Einteilung, mobei bie^J^eu^eit in eine^ertobe 
lufammengefagt (unb fo bie ünflabe: „in biefet S^it" 
6.241 ju einer gan^ toagen, nid^t einmal ba^ 3a^r= 
l^unbert anbeutenben) mitb, gel^t ein tuefeutltc^ej^ ^^oment 
ber Uberfiii^tH^teit oedoren. Statt ba6 OueHen aum 
SBorte fämen, tüirb j. SB. ©. 19 fafl eine ganje 6cite 
au3 S)el^arbe entlehnt; überhaupt fc^eineu bem ^cx- 
faffet ntel^r ))0))ul&];e benn toiffenMaf tlid^e Scl^riften ai» 
Vortagen gebient 9u ^aben. ^ie Sefltmntiind be« Su^ed 
^dtte bie Angabe meuigftend bei* aUertDid^tigften ^ittera- 
tur nid^t ottdgefc^loffen. SBenn audna^mdmeife 6.48 
ein ®etodl^r8mann citiert nrfTb, fo ifl ed gerabe anbiefer 
6teIIe mxUWf ba baS bort ©efagte n?eit über ben 33e= 
rt^t Xmmian'd l^inaui^ge^t unb fo bie (Imitation teidj^t 
fatf (^e SReinungen ermeden lönnte; Julian ift auä) fonfl 
et»a« fd^ief beurteilt, ©ine biograpl^ifc^e Se^anblung 
empfie^tt fx^ %mii für äierl^äUniffe , tote Sierf. fle im 
9uge ^at ; bann tritt aber bie ^erfönlid^Ieit |. 8. be0 
Slt^janafiu!^ §u roenig ^ert>or. SBa« über fird^tid^c äßiffens 
fdj^aft unb Rm% übet ^atatomben, ^umani^mu^ u. a. 
gefagt loirb, ift §u wniq, mogegen e9 bocb für ein foU 
d^e^g ^^^ibu4 auloeit ge^t, über bie (^iufül^rung oon 



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170 



nur in ehoio gefeietten Se^», ber £iib<iidoffi|ieii f&r 
Ue %a^cniiit u. (L |tt teferimn. ^S>ie Xmife bev lte|ct 

' ifl gültig'' lägt Ti* mö)t fo aagemein o(3 ©efd&luö 
%ic6numd ISlinfteUen (6.53); ebenfokoettig baif man 
fageti^ ba| „bet fo evtavtete ^umanttmud ^itmSotUttfft 
bc^ ilutl^crtiim^" tDurbe (184). „^icrard^ie ber jhrt^c" 
obet »hi;4ii<^^' $>max6^W {(j^eint und pleonaftifc^, unb 
l^oit einer „d^tftaJtmq" bed gottfd^n 6tUed (186) |tt 
reben flingt eigeutümlid^. g'^rmen unb aBcubuugcn roic 
SBonifadu« (84), gjlönci^Stum (77 u. ö.), ©(i^oppen^auer 
(232) ; Sttlian fief bie mbannten »if^^öfe ^utüi, „hamü 
fie rt(i^ im ftampfe mit ben Slrianern gegenfeitig 
aufreiben follten" (47) ; Saloin «ftubierte mit fortiüä^rcnb 
ficd^lt^ec ttntetiUluno'' (2M); bie 0)>t>ofUioii »ffl^tte 
§uv eUbung bet fog. ntlat^oHIen'' (240) — betattige 
3iadt)läffigfeiteu mögen burd^ bie @ile (Söorm.) entfd^ul^ 
bigt meiEben, Rnb aber in einem Sdj^ulbu^e bo))peU 
mi|l{<l^. S)aft XeBgiond^anbbtt^ fot fftt ben 6^^fi(er 
aud^ ein ^Äuftet präjifen, ftiliflifd^ fel^lerlofen SluSbrucf^» 
fein. SIU £efebn4 fi^i^ tuettere üceife bürfte fid^ bad 
fbüäilüa f^on loegen feined Ulligen ^Mf«* w)^ otn 
beften eignen. 3J2erfle. 



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lU. 



S>ie mm Ut II. ^txpttaa tnl WMm, bie ^lOt ber 
att4vt^U(|eii SKattvcien, mun Mlftt wn im UUeiniMen 2:e£t 
Müvat Stenbel ^artil »niilM im 8vfilMv 1889 in 

bcv QiUiot^cf bei m»ftnB üwtt |t ^tüh in 3ecu|alem (Ood. 
8. Sap. 1) cfai liollßaitbiger griec^ilc^er Xe^t aufgefunben wib 1890 
in 8fiHnbuii0 mit (Stfforb »etdffentlic^t. ^er^tinb legte natne* 
gemal bie grage na^e, tueldjec ber beiben nunmehr Doc^anbenen 
3:e{te bet iiTfprfingIid)e fei. 2)ie herausgebet bed grtec^ifc^en 
Zestci f^^rac^en btefem bte Priorität ju, unb ^ornact ftimmte 
i^iten in bcv %f)tol fiitteratur^eitung 1890 ®. 403-406 todflig 
bet ^»tlflenfctb glaubte in ber 3ettf*rirt für roiff. X^eol. «b. 34 
mentgftend [ür bie l^ifionen einen puutjc^en Urjprung annehmen 
)U foUen, inbcm er baS ^oit afa c. 10 Don betn femitifc^en afar 
(6tQub) herleitete. 2)udje*ne führte bogegcn, in bcn Comptes 
rendüs de TAcad. des iodcr. et belles-lettres 1891, biefed aud) 
bei 3}?aitiQl, ©eneco u. o. üorfommenbe Söort mit ©runb auf 
büö ötiec^ijdje ß^#/ jurücf unb fprad; [ic^ feuierjeit^ für ben Iq» 
t(inif(^en Urjprung beü^ H^art^riumd aud. ©c^on ein Qüq gebe 
bafür ben S3etDeiö. 3" SSifion be{< SaturuÄ c 13 tuirb er- 
jä^lt, bag bie 9]'{art9rer im ^arabieS il}rem ^ijc^of OptatuS unb 
bem $red6l)ter'2>o(tor (doctor audientium) ^jpofiu^ begegneten 
unb Perpetua mit i^nen ^ned^ijdj ^u reben anfing. ^43enier> 
tung fte^t üt betben Xejten; fte weift auf loteinifc^en Urjprung 
^in, unb im griedyiidjen Jejt ifl fie nur aU Überfe^ung au8 einet 
lateinifc^eu ^ociaflc begreiflich, f^emer finb bie moutaniflifc^en 
3üge im ^^rolog unb ©c^luB im griec^ifc^en Xt^t getilgt ober 
abgefc^ttäd^t. Se« meitcren finben fic^ in biejem jntjlreic^e fje^ler, 
toelc^e jic^ aU falfc^e Überlegung au# bem ^ateinijc^en barftellen. 
8o mirb discincta c. 10, 20 = cinota unb callicula ober galli- 
cula c 10 i»eima( = caliga ober caligula genommen. Kuf 



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172 



fbudffttiu 



ber onbereit Seite ttbet ent^te bet grie^if dfte Ztjfi eine wertooHe 
Qctnevfung, bie, fei fie iicfinrftitgti^ ober nwc eine 01offe, intntec« 
(iti offenbar eine otte ftbetliefemng beieiige. Thnbulio nuniu 
»ecbe e. 2 att Satecflobt bev (t. Veqwtua unb i^tev Seibeni« 
genoffen genannt , nnb biefe Hnflabe beftfttifie bie alten SRavtiirO' 
l00ien einerfeits, ttie fie anbetfcfeitl eine nnei^tigleit in be» 
feiben ettlAte, inbem In Manritania dvitate T. oobt anS In 
minor« dfiiate T. entfhinben fei. gu betfelben UnMt ftber 
ba< 8ei^S(tnÜ bev Xcjctt gelangte gleic^5citig 3. 9. Slobinfott 
in ben Texte and Stndies 1891 I, 2, inbem et att ftenn^eic^en 
bes&becjc^uud betrofttete bie dinfc^altnng non MUenngen, tteUbe 
fflt ben nvfpcüng(i(ben SefedceiS ftberflülfig waren, ben me^ 
lodevenC^aroltee bec i)arflettttng nnb hai ^^len üon Sortfpielen, 
toie eines im lateinifcben Xest c 21 ttorliegt. dagegen glanbt 
ert^^ttbntbo nit^t at§ bie^eimat bec9laTtl|m bettodbien, in ben 
beiüglic^en Angaben »iefmebe eine fietwe^Mung bec 2Ravtl|m 
bon t;tttbnebo vom 9!^ ^u(i (b. ^. ^^apma, ^onatiVa, @etunba) 
mit benen bom 7. IR&e} ober ben unfrigen erMtden foVen. 
IDie anbete Vuffaffung t>erbient inbeffen ben SSot^ug, ba aucb bie 
Qotte taparrenit d« didtato pater 0. 5 im lateinifcben Xe^t 
batanf (iniueijen, bog bie 9J?art^rer an einem anbeten Orte ali 
in ber C^eimat im ®efängntd maren. Ober foQte etroa bad ®e« 
fängni« üon Äart|ago aufeer^atb ber ©tobt öcmeieit [ein? 7iU 
Änna^mc ift nic^t unmönüd), ober bod) nienigcr ttJQljr)c^einli(^. 
JRobinjon untersuchte übricieti^ nidjl bfo§ bie ongcfüljrtcn fünfte. 
(&& werben aud) bie 5BfÄici)uii9cn beS Birten bc« !perma8 unb ber 
!Petru8apofoIt)pfe §u ben S^ifionen erörtert, bie ^ifionen auÄ ber 
ffiigentünilid^feit bc§ Sttt« al8 ^tufä^eidjnunqeit ber betreffcnbcn 
^erfonen crroiefen, bcv übrige Zeil aU SBerf 2:ertunianl baiiu* 
t^uu öerjuc^t. %n Unterfuc^ung fc^Iief3t fic^ eine neue 9tu«gQbe 
ber Xefte an, bei meieret für ben lQtcini[d)en Xejt jwei neu 
Dcrglic^en werben fountcu. ^mSln^ang jocrbcn bic öerfc^icbenen 
Siejte bc§ Ü)iQrti)rium§ ber Scillitancr beigegeben. 2)er gricc^ifc^e 
hätte au einigen ©teilen nod) etwoS me^r au§ bem i!ateiiiif(hen 
emenbiert luerben fbunen. ©tatt tx z'^^ nroÄAvc cbodr/m«? ßa- 
gaivdf^evoi f)aitt bie Überfe^ung nrjptünglich [td^ec, mie auch 
S)U(he8ne fah , ix tfjg ndkecog an' odvyriq (ober dxTjöia cf. c. 9). 

dum mit non 3Rai(anb 318. ber 3eit|(tirift fiir miä)tn: 
ge^chichte XU (1891), 381—386 fuchtO. ©cec! nochjuweifen, boft 
ti ein Sbift oon äDiailanb, bad (ich mit ber Sh^U'^enfrage bejchäf« 



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KttAUtttit« 



173 



itgte, Ute ^gitUn %aU, dtne ttdunte, mldft man mit biefcm 
Stanten benennen pflege, fei unS ^wat Tto4 in SBottfant et» 
^Iten. 9ba bicfe fei cipen» leinCbilt, fonbecit einSnef; stoei» 
tenf fei fie ni^t inSRattonb eif äffen; britten« cfi^ Pe nii^tlNm 
ftenftontin t^; biettenS biete fie ni^t t»em ganieii ftei^e oefe|- 
lU^e fttttbung, toelfbe bte S^tifleii bamoU fcton Untfk befaBen 
(iiamfi4 feit beut Sbttt M MetiuS 811), foitbeni i^t Sn^att 
fei bo« biet bef^itltecev Vebeiitnng. 6ie betieeffe nnt ben Orient, 
tno aOein bntit ben Sanatitmni feine» 9e(enf4ert tHasiminni 
Soja tTo| bei Xotenniebiltci b. 3. 811 bie Öecfotgnng fortfle- 
»fltet fobe, nnb bat 0efe| fei bon Sicinini, nnb bon i(m aSein, 
ettaffen »orben, fobalb er in 9Kfomebien, bee ^tt|»tttabt bev 
ef^ Vvobina, ml^ er bem 9bi(iminni entriffen, att Gieger 
eingebogen nwr. QoOe man bafer einen Kamen fftr bag tfefe| 
^ben, fo bflrfe man e9 Mnftig nii^t me^r boA (Ebitt bon fltailanb, 
fonbem nnr ben Crlab bon 92ifomebien nennen* S)ieX^efe mirb 
bon 8. «arrei in ber fieitf^rift ffir miffenf<|aftfi(be Z^eotogie 
XXXV (1892), 286—896 att «robntt ber «bpertritit anre^ie' 
mieten. (N mirb namentli^ l^orge^oben, bo| ber Serfaffer ber 
@<^rift De morübiu peneontorom 0. 48 atterbingi bai bttr4 
Sicinittg |tt 9{ifomebien nerdffentlii(te tsemiitar ber Urtnnbe auf« 
bema^re nnb im tatcini|4)en Sorttant mitteile, nnb (infebini 
H. £. 10, 5 bie griec^ifdie Übeifei^una bei i>orm bei (Irtaffei 
biete, mie i^n ber etatt^attec $aiafttnai »ecöffentlic^t ^atte. S)iefe 
beibenfformen feien aber n{<bt bie ntfpiüngüc^e ®e{tatt bei Cbiftei. 
S>er flrc^eti^pus, bag d^emplar , tuelc^ei ftonftontitt mnb l^cinini 
im Itnfonfl bed 3. 318 noc^ i^ter eigenen Unifage in Wailanb 
neriffentlii^ten, fei beiloren gegangen; er fei ni(^t an einen ein* 
^etnen etatt^atter, fonbem ft(^erli(^anbiebeibetjeitigen $rfitoriat« 
pi&]tUtn gerid)tet getvefen unb l)abe aOen C^ripen im Mei^e ge« 
gölten, natfitli(^ mitVninatme bei dieicbianteiti oon SRasiminni, 
anf ben ei erft auigebe^nt merben tonnte, aü berfetbe erobert 
»tttbe. %ai ei ntibt oon Sicinini aQein, mie Seed motte, fon* 
bem in erfter fiinie unb eigentlich gana Don ftonftontitt ^trfi^te, 
bemeife fein monot^eiftifc^er S^acaftec, bie fortmi^renbe Siebe 
bon summa divinitas ober numen divinom, ^u^erungen, bie 
fiicintud bei feinem S^arafter unb bei feiner S)enfnjeife nic^t felbft 
t^at, fonbem bic er einfach ^inna^m, ali fie i^m burc^ feinen 
überlegenen 3J2itfai)a oorgelegt mürben. Sfiitt^^ 
Si^ni giebt in ben 3a4tbb. für ptot. S^jeol. 1892 ©. 181—840 



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174 



HiK Aii9fltr(i(^< 3)offle]Iuna über üüfff 8c|n Ha« ber Butßt 
um bie alte 0iiffa||«ii8 Utfclbeii giBen bieVomtcfe bec0HtMr« 
Meli 64tt(e |t »ecttibigen. Sut^er ttMt bitrcb feine oevgebli^eii 
Semftlttiiflni i» ben «ffctifi|eii fibHngen unb in bei „nidtt minbec 
M«cc||{itM ak»iifenl4iitftlfcd tnu^ bit fiv^tiibe 9it|)>ta|U Mb 
bcien ttuittcfifiti^ M^tftbott* §n bee ttbetieugunn üeloatmen, 
bafi ble göttttcbe Sflnbenbetgebttn^ niilt M eigenem Seibienfl, 
fonbeni auf fllnobett mittd^ be4 Wottbeni edangt toevbe, nnb 
ba| ottf baf 9bfo(aUon9n>»it att bat 9an4>t^ im Onlfofm« 
mente «nb anf bie ittnbige tneiomina biefci VhtM bii4 tNtf 
(eifHegiefiae^kniftt aflelMDif^k an tcgen fet irfBol^l nntev« 
(<^lben bon beut vcfacmatorifi^tt <0ntnbQebanfen bau best im 
•(anben ergriffenen ^rtftoart ber «bfolntion ifl nun ber gani 
onberf geartete 6a|, ber nng bei Sut^er in feiner frfl|erett nttlm* 
berger 8^t bfterl begegnet, baB bie watre 9nie niitt bon ber 
Snnit bor ber Strafe bei 0efc|eg» fonbem bon ber Siebe inr 
üere^tigfeit onfeben mnB** Vlon tbnnte nnn beibe Monfeii' 
reiten tta4 ber f|»ftteren reformatorif^en Setrbitbnng fo mitein' 
anber bereinigen, bat man bie erfit anf bie lle((ttertigHng, bie 
imeitf anf bie ttiebergebnrt be^ictt !Diefe Vnlglei^uttg ^at aber 
8. anfftngti^ ni^t bofl^en, fonbem ^at an«^ bie iRögli^feit 
einer gan^ anbem Se^rentioitfinng offen gefoffen, »el^e einerfeiti 
bnr4 Ofianber, anbmfeiti bnrt^ ffgticofa »olliogen morben ift. 
9tan tonn an4 ni^t ble erfte 0ebantentti§e oon ber convendo 
impü, bie |toeite bon ber pa^bentia beg ttiebergeborenen benten» 
»eit babnn^ eine „freiließ fe^t frfl^e eingetretene" fiHlfennnng 
bei reformatorif(ben SRc(btfertigunggbegriffs gegeben nnb Me |ier« 
fbnlif^en drfai^ntngen 8nt^ ati bie einei SNd^tc^riften bärge* 
fkellt mftrben. Vtetancbt^on ^at ober in ber 9U}oIogie bie Srmei** 
temng bei nrfpTflngü^ien ^egcijfeg bec paonitonüa §nr coBTorrio 
impii ooflaogen, inbem er bon ber Soraudfebung audgieng , bog 
bie 0ninbfbnn ber On|e nicbt bie fog. paenitoBtia e^ngelica, 
fonbem bie p. legalis fei, »eli^e i^rm VuSgong ni(^t oon ber 
erft bnrcb bie ble(^tferttgung bei 6flnberi ermöglicbten £tebe an 
•ott nnb feinen Geboten, fonbem oon ben 9)ro^ungen bei 9e* 
febeS nnb ben ®(bTC<lra bei (9e»iffeni ne^me. (Degen btefe fie^r- 
loetfe, »eld)e bii auf bie ^egenmart a\9 bte unAmetfrl^ofte SJteinung 
bei eoangelijcben ^irc^r, minbefteni nac^ i^rem Iiitl^cnjc^enS^pui, 
gegolten ^at, ^abcn nunSlitf^t unb feine Sdjulc nic^t nur®ibcr- 
fpruc^ et^obcn, jonbecn anö^ beifelben ben ed^t lut^eciid^eii S^aiafta 



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tbuilcHfii* 



176 



oiQclpftitcn. 9m0e(|fnfa|t im pM. kgftUs foO iui4 Sutten 
H^tn mib ««f)icflii(|IUitt fllciiiiiim bk p. evwigttlioa foiMl bei 
lRf««8 «Ii Me Metbenbe OMtott itfifUi4ef Qutf ftiii. fltiloiHt- 
tloa lobe bie urft^vUngU^e 9e4te bet Wefonnotofeit aHfgegebeit 
trab biif4 8oniitfle1IttiiQ bei 0e{ebei »ot ben 0(aiibeit »eine 
DoBblette §tttii fbnifibeft OnWaCioiiieiit'' fi^^offen (^rntit). 
Die 0ebie Mn bec Öii|e »nebe incfidgebilbet anf Sut§eri ^ 
binlen bon bec contriiio (passiva), auf boi SHbean be§ ftat^o« 
(iiiinni nnb onib ffic bie SRec^tfettigung „bet Vnfab au einet 
unbeilbcinoenben SRiBenttnitflnng gegeben" (Soofd). „i>te9{(H»bec 
tinbealeltnno b^ben ibn (8ut^ec) ba^u qthvaäit , feine jc^mec ee« 
ttm^ Memitnii ineficfauflelKen nnb ftc^ »iebet in ben engen 
(Keftibt^fKÜ bei fbmifc^en Idufifattament» au begeben", „^irfe 
üntevloffung, nnb toni bnmil eng aufammen^teng, bai IBiebec» 
onffommen bei bt^liic^cn (Slaubendbegriffd, ftnb bie beut(t(bfien 
3ei(^en bev 9ectflnimentng , in welcber bie 9iefoimotion junäc^ft 
fiecfen blieb" (|>enntami). £ipfiud ^at xoo\ SRec^t, menn er bagegen 
bemerft: „SBelc^c fümmetlic^e SorfteKung wirb bur(^ eine jolc^e 
Öef(^idji»betro(^tung oon ben treibenben *Diad)ten be« ÄeformationI« 
»erfei unb oon ber eigenen (£infid)t ber JReformotoren crttJCcft'M 
(6. 183), ober e« ift i^m nidjt gelungen, bie X^otfac^e befei« 
tigen, bo^ bie fc^Iimnien ßrfQ^rungcn mit ber paenitentia evan- 
gelica allein o^ne bie (furcht üor @(^utb unb v^trofe luefentlic^ 
Quf bie fpätere fie^rc üon ber ©ufee befliinmcnb cingewirft ^aben, 
tDenn au(^ nid^t gerate bie iBifitationdartifel ^IRctand)tt)ond oom 
^. 1527 audfc^Iaggebenb getttefen finb. S)er Don iljm jci^r belonte 
@egenfab a"*" tömifc^cn iBuHfafroment fü^rt fonjequcntertüeife 
ju bet Se^auptung 8litfc^Id, benn jeucö ift nic^t ba« beliebte 
©(bredbilb einer rein mec^anifc^en Quälerei^ fonbern forbcrt einen 
Don ber ($urd|t auc Siebe fortge^enben bfpc^otogijc^en $roaeg. 
@ilt er flipftug aU befonberß n^icfjtig, bcu öcnten ba3 ©emiffen 
äu jc^drfen, idcü jetc anbere yjietl^obe ,i,iini Selbftbctrug fü^rt 
(6. 331), fo joöte ber äBeg jur (^emiiicn^erforfdiung unb /^um 
©ünbenbefcnntniS nic^t nieljr qÜ^u bejc^wcrlit^ fein. 5)o^ rrGÖtt* 
tic^e ^IbfotutionSmort" bleibt ouc^ bcftet)en, wenn man mit Oiitjdjl 
beu (Stauben old einen SBiUcnSaft bctrad)tet iinb bn-? innere fitt- 
Ii(^e Sebcn berö(fft(^tigt. i^i^^ilit^ \t\t>tt baruntec bec reforma* 
torifc^ie Ö)runbgebanfe oon bem einzigen Iroft, ber abfolutcn -veif^' 
geroife^eit, melden 9litf(ftl gerabeau eine „^allucinatiou" nennt, 
anedennt i^ij|)ptti fcibit einen SKanflel. %tt ^t^itt Ueae in 



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176 



Xnateften. 



bcf f^n in ber Vpologle auffeimenben Steigung |tt cii»i fBn» 
mif4ttna bef nliattfcit ttnb ber et|iW<ii Seite be< ^Sprofclfcl« 
i)cv0Kunb fttt bief er OenniMntm (ieflc ober haxin, bo| bie ettif<^ 
CnieiieniiHl nut bonn bie Sol0^ bef celidiftfeii Secfd^nnng fein 
tbnne, nenn bcm Sevlangen na4 biefct felb|l miebev ein et^iMet 
Sorgang in bev@eele Mionlgcgangen fei; biefec ttnne ober nnr 
fttt eine Qirtnng ber gntU praeveiiieiiB anfgefalt n>erben* 
^ne fofiie 0nabe flennen ober bie Reformatoren nii^t. Die in 
biefem 9nnft intreffenbe ftritil oonStitfi^f« Soofi nnb^errmonn, 
»eI4e feinei»eg§ bie 8ReIan4t|onf4e IDorftellnng aVein trifft, 
ikeigt olfo bocb einen fltongel bei 6l|^emg. fam fUi 

Si9»fiui mit brm StoroIÜmui biefer Sehnte aucb ni<tt befrennben^ 
ober obne Serbinbnng bei etfif^en mit bem retigibfen iRoment 
ftt^t man Dergebeni eine (ün^it in bie 8e|re »on ber 9tt|e gn 
bringen. Smmer^in ifl ei inteieffont, bie pnemtoiiti» logalis 
oli bie ri<itige 8e^re fint^eri borgefteOt an fe^n, bo onbere pto» 
tepontiftbe tl^eologen, mie 0. SHeif^off gerobe borin bie einzige 
9ere<btigung farSntteritlnftreten finben, bog er ber norreforma« 
torif^en Se^re t»on ber otfacitio, melile oni ber %uidit ben»or» 
geH entgegengetreten feL 6^on|. 

Doi Moft^m ber Sliebalfdlien Sigloa, Aber boi 1891 
e. 708 getanbelt »nrbe, mirb in ber in ber S^eologifcfien geit* 
fcbtift oni ber 6d)tDeia 1898 ecf(^einenben „Ihrc^engefd^tc^te ber 
eöiwtih bü onf ITorl b. 0^" 6. 69—81 m 0. (SgU erbrterl 
(B »irb vermutet, bob boi etntbob, melibei 6crbini Mba 
no4 ({afon Sr^äl^Iung (». 8, 1) im ^. 57 H. C^c bei Octo« 
bumw onric^tete, bie ^iftorifc^e ®runb(age betSegenbe fei, tnbem 
unter bem (Einfluß (|)Tift(i(^ec ^nfc^auungen fett bem 4. ^at^X' 
bunbeit bie t^rei^eitimott^ver ber Sc^roei^ (Blaubenimortlyrem 
geioOTben feien. i)ie ^t^pot^efe unterliegt aber fielen 6(^»ierig« 
feiten, a(i bog fie eine größere Seac^tung finben fönnte. Sgit 
mug feine ^^antofie f(^on ftarf »alten laffen, um üonOctoburum 
(SRortign^) au(^ nur uac^ ^gaunum, bem 8c{)au)>la^ bed SRar« 
tQriumd, 5U gelangen. f^unl. 



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ber 

%txbtff6it PHittgg>m<i|i|onblttitfl, jmbmfl im >ccUfttii> 
6Qe(eii ift etf<(teii€it tiitti bttc<( alle OuA^anbliiiioeii %n beiic^n: 

SreUeu, ^rof. Dr. , Sic ^^o$tcld<^l4i<4^^ ü^^^ 
fe^t unb erflart. ^2it sipi^cobatiou m ko^w. ^tnu Siübi- 

f(^of« t>on ^teiburg. gr. 8» (XII u. 486 ©.) M. 8. 

SMin, $rof. Dr Sitc^no^äbte nnb INetl^a^o« 
l9^ie ^er 3:^e0lddie. gr. s». (xu u. m &) n. 8; in 

Ociginat'^albfratiibanb M. 9. 75. 

^aö ^ert bilbet einen '3eftanbtet( unferer «.tl^eoUftif^cn Bi* 
klMW. (Sin au9fil^U(^ei; ^lojpeft übet biefetbe wirb auf ^er» 
IftiiScii gratis unb fronco oefanbt. 

Sto^, ^. 0*^ Somttiifattettlofter in Staufs 

ftttt aitt 9Katn. 13.— 16. 5Q^rl)unbert. ®ronentctt^ 
na(^ben ungebiucftenOuelUn bedl^lofteracdjiD^ 
Beatbeftet. gr. S«. (XVT n. IM 6) M. 8. 

Granterath, Tb., S. J., ConstitutioneN dagniaticae 

Sacresancti oecnmenici Conc ilii Vaticani e\ ipsis 

eias actis explicatae atque illustratae. c um ipproba- 
tione Rev" ' Archiepiscopi Fribargensia. sr. 8*^. (VIII u. 244 S.) 
H. 2. 80; geb. in Halb&a&i mit Rotschmit M. 4. 60. 

Potters, Dr. (k)mpendiuMi Fhilo.sophiae iiiora- 
Hs 860 Ethicae sccundum principia 8. Thoinac ad 
uBtim scholarem. Pars I. Ethica (peneratis eomplei^n« 
friaeii^ia ffeneralia ordlals moralig nataralis. gr. 8^. (IV 
n. 884 &) Breda, J. J. vao Tamhoat. M. 3. 78. 

Wir haben den Alleindebit dieses Werkes fQr alle Län- 
der mit Aosnahme ron Frankreieh, Hollaad and Belgian, 
übenumiBMB. 

Hoensbroeoh, P. von, s. j., Christ und 

DtT'iil^kTt/^liina'i' Beitrag zur YertlteidipnnEr der 

YYlUt^ilyllllOtt Gottheit Jesu Christi uud zur Clia- 
raktarittik 4m Uaf IsakaM In der proteilaaliMkaa Tliea- 

logie. Mit Approbation des hochw. Herrn Enhiiohoft TOn 
Freiborg. 8». (VlU u. 168 8.) IC 1.50. 

Peacb, Tilmann, S. J., Bie grossen Welträthsel. 

PhiloHophie der ITatar. Allen denkenden Natnrfreimden 
dargebotoB. &tm1$, Mrtaiflrte AM^ßage. 2 bd^ gr. 8*. 



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l^trbrrTrtjf UcrIagBfjnnMung , Trnbnrg im l^rftsgoit. 



KrsterBand: PliilolopliiMlie NaturerUIniBg. (XX Vm 

u. 800 S.) 

Zweiter Band; Naturpbilosophisühe ffeltauffassiuig. 
(Xn u. 616 S.) 

Beide Bftade taBammen M. 18 ; geb. in Halbfirans M. 22. 



In unserm Verlaffe erscheinen und sind durch alle Buch- 
handlangen zu beziehen: 

Strassborger Theologische Stadien. 

Herausgegeben vog Dr. Albert Ehrhard und Dr. 
Engen Mlleri nofessoren am Priesteneminar m 

StraBsburg. 

Erster Band. 1. und 2. Heft : HQUer, Dr. Natnr und 
Wander. ihr Ctocensati aai ihre Harmoale» JGÜii apologe- 
Uadm Vwmid^ gr. V. (XX u. 206 8.) M.2.80. 

Dieses neue periodische Organ fBr wiasenschaftliche Theo» 
logie wird in zwanglosen Heften von ca. 5 — 8 Bogen (bezw. 
in Doppelheften) erscheinen, deren jedes ein Ganzes für sich 
bildet und einzeln käutiich ist. Aeusserlich werden je vier 
Hefke Cbesw. swei Doppelhefte) sa einem Bande vereinigfe. 
Dem Inhalt nach werden die »Studien« das Geeamtgebiet 
der Rpecnlativen, praktischen und historischen 
Theologie umfassen. Den Fragen, die das Elsass berüh- 
ren, soll selbstverständlich eine besondere Aufmerksamkeit 
dmet werden, doeh wollen die »Stadien« anch aneaerhalb 
Heimatsdioecese zur Pflege nnd Förderung der theoL 
WisMnschaft in bescheidenem Maasse beitragen. 

Smpfehlaag des hoehw. Herrn Bisehelh Ton Straael^arf« 

f,Wir empfehlen nnserm Diöoesancleros von ganaem 
Herzen die ^Strassbnrger theologischen Studien^ and bitten 
denselben, diese Stadien sowohl dorch Abonnement ale anoh 
durch eimge Mitarbeit anteretütsen sa wollen^. 

t Adolf, 

Stratibarg, 29. Jnai 1892. Bisohof Ton Sttaeebnrg. 



CMtter, Dr. SR., 0. 8. B. <9tmh Vtolllte saplenter. 

,,$faQiret toeife!" erfläruna bei- ^^iaImell im Reifte be« betracft- 
tenben ®eDct§ uub bcr Siturgic. Dm (KleruB unb ^oik iieroibmct. 

5)ritter ^anb: «Im LXXII— C. Stoeilc* «luflage. 
9Rit ^iijpcübQtton bed ^ot^m. ^ntn (Sr^bijc^ofd bon c^ceiburg. gr. 
8*. (lY u. 574 ®.) M. 6 ; geb. in ^^albfran.) mit Kotfcbnitt M. a 

iai SBerf (ieflt nunmebr tutcbev boUftänbig cor : ffittf fBänbt/ 
trobon '•:8anb I— IV in y.vntn ^hifloc^c (XXXII ii. 3022 8.) M. 31 ; 

geb. in ^albfcan^ mit ^otj(])nitt M. 41. (Binhan^tccCea k M. 1.40. 




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L 



1. 

Sie SntiDUniing M OfterfufUiti* 

8oit $tof. Dr. tftoaf. 

Sn« bie legten einge^enbereu Uiiterfud^ungen über 
Dfierfaßen, b^m. feine Ocbnung im ^xifilid^tn 
Sttettum, itt Seutf^lanb atigefieSt timtl>eii, bux^ 
fiiemfe, SMe üuabragefimalfafteu ber iRird^e 1863, 
3. $ r 0 b ft, j|isd^luj|^e ^IdaipUn in ben brei etßen c^rift* 
tiii^en Sa^tl^ttberten 1878 €.260—281, u. SL Sin« 
fenmaper, (futtDicflnng ber Üvd^iic^en gaftenbi^aiptin 
big 3um Äonjit t)on 9iicäa 1877 ©. 19—63, ipar man 
Met bie etnf4^Ul0i0e Stttetatitt nod^ nic^t fo toeit im 
Koren, um Beteitg §u einem rid^ttgen i^gebnid gelangen 
p !önnen. (^ine ©d^rift, tt?eld^e in ber ^i^age eine grofee 
IBebeninng ^ot^ bie 8())ofiolif4e 9)ibadfalia, lom etft 
bev Xvbeit Siemle» an bie ßffentlid^tett. W» bie 
beiben anberen Uuteriudj^ungen erfd^ieuen, n?ar fie tro^l 
bereite gebnidt, abet no4^ nid^l ju einet toeiteten Itennt« 

12* 



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180 



nii gelangt, infolge beifen beftanb fAn eine ^toeite 
toid^tige ©d^rift eine falfd^e SSorfteHung. ^ie Slpoßo« 
Ufd^en ^ttfHtutionen galten in ben etflen fed^d 8&(^em 
ato ein ^obuft nud bet ^loeiten $älfte beiS 3. Sa^r« 
l^unbert«, mä^renb ber %e\l eine Überarbeitung jener 
^c^cift ifi, bie, tote feit ^ec(>frettUi(l^und ber (Scunbf^ritt 
feflflel^t , ftfi^eßend um bie Witt M 4. ^abt^unbettd, 
üUcm mä) fogar erft am Slufaiuj bcv 5. ^a^rlpuii^trlss 
toorgeuommeu tüurbe. ©benfo fd^rieb man eine britte 
Sd^rift bem 3. Sa^r^unbert su, bie Ganones Hippolyii, 
tüä^reub biefetbe nacb meinen Ülad^tneifen eine bie 2lpo= 
ftoUtd^en üonflitutionen ootauiSfe^enbe 5temli(!^ fpdte 
itompilatipn, jebenfaUi», »enn fle ie t>on ^ippol^t l^er» 
Tfl^ren foHte, für bie Qeit be^felben eine febr unfid^ere 
ßueHe ift, ba in biejem galle unbebingt ipäure 3nter« 
polationen an^ttne^men ftub. Sine @4rift, unb )toat 
eine fe^c bebentfame, Hieb fo bei bev Untetftt(^ung he^ 
Dfterfaften^ in ber öornicänifcbcii ,^cn aufeer Scirac^t, 
unb umgeletici würben gmei anbere in ^nipru(|^ ge« 
nommen, toeldj^e fflr eine fp&tete l^üt sengen. Unter 
biefen Umftänben konnten geißlet nid^t aui^bleiben. 3)er 
©egenftanb bebarf ba^er^ bem heutigen ^tanb ber pa» 
trifUffl^en äBiffenf(^ft entfpred^enb ^ eine neue 8el^anb« 
(ung. @tne fur§c S)arfieflung finbet fid^ bereit« in meiner 
Äird&eugejc^iic^te (2. 21. 6. 62. 176. 262). gab fie 
l^ier, ba bie ®ef (^id^te ber lir<^(id^en S)U}i|piin oon grofier 
tt)i{fenfd^aftli4^er Sebeutung ifi unb oon ben ftin^en* 
biftorifcrn ni(^t fo ftiefmüttcrlicb bebac^t Serben follte, 
ai& bid^er meiftend gef^et^en ifl ^a ber $unft uu 

1) ^ctge uiütljei getjt in feiner umfangreichen Äirc^cnge- 
|d)i(^te auf bad Dornicänifc^e Dfterfaften gar nic^t ein. £^iilic^ 



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Xie dtitoitflnna bei Oftevfafleiii. 



beffett ^al^t^unberte lang eine anbete Huffaffung etful^r, 
ffl et nod( atidfü^rlid^er etMem. 

©5 ^aiibclt fid) forue^mlic() um baS Ofterfaj'teu in 
ben elften brei i^^^i^^^ubetten. ^bec aucb bie toeitete 
CnttDtdIung bebatf einet neuen Se^anblung. S)le Xuf« 

gäbe üofljie^t Rcb ^auptfäd^lid^ in ^üii)igun9 ber ein^ 
fd^lägigen 3^U0nif{e. 

I. 

S)ie erfte ^J^ad^rid^t erl^alteu mir burd^ 9renäu3. 
S)etfel6e lommt auf bie SCngelegenbeit in bem IBtiefe 
ju fpre^en, ben et au9 9nta^ bed CfierfeietfheiteiK an 
^apl^SSiftor (189 -199) xiä)Uic unb ben unä eufebiu« 
m. V, 24, 11—18 aum Zeil übetliefett ^nbern et 
anetlennt, ba| ha^ (Se^eimnid bet Slufetflel^und be« 
^errn nur am £cniUag feiern fei, bittet er iUftor, 
ni^i qan^t ^emeinDeu, koelcb^ eine t}on ben ^^[^orfabteu 
etretbte Sitte beoba<l^ten, t)on feinet Oemeinf(baft aud< 
juf^Uegen, unb na(^bem er mel^tered in biefer 9flic^tung 
t)orgebra($t, fä^it er tpi)rtlid|^ fo fort: ^^enn ed b^nbelt 
fldft ni^i bioi um ben %a^, fonbetn aud^ fogot um bie 
9tt M ^afienS; bie einen glauben nAmlid^ nut einen 
^ag faften }u muffen, bie anbeten jmei, aubere noä) 
mel^tete; anbete nebmen 40 Stunben be^ Zageii unb 
bet Sad^t au il^tem Xage gufammen — oi M naaa- 

ijfiiQo» aikühr*'. SOad Ofiecfaften bauerte ^ienacb 
$ut 3^t bed jtlt<l^ent)atetiB teild einen Sag, teiU gtoei, 

ftianiw Otfli! beWtftnfk ü« M. 4.«. 6.118 auf bie Be* 
methtng: »OinP^tli^ bet Ottobtageflmalfoflett tetcf^ie gtofe 
Scffitiebenieit'', mit bet im (Bfunbe mc^ti gefogt i^ 



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182 



teil« nod^ länger; teil« umfaßte e« einen 3^itrQum Don 
40 Stunben. 2)cei bec oiec iUtgaben lauten gaai genau. 
8tuT Ue britte bebotf einer nft^eren SefUmmnng. SBie 
toeit ift iibir hie grift üon gmei Xaijeii, ber fie gcf]en= 
&betfie{|t, l^inauiBiuge^eni^ ^ie gtage ift nid)t gona be< 
fHsnmt |tt beantiDOTten. S(U ft^et borf abet gelten, 
bag baö 9)^e^r nici^t er^eblid^ mar. ^ila6) ber 6tefle 
felbft mar bas Oftcrfaften im aDgemeinen lurj, unb mit 
foottilften bem (Sinbnid, ben {te ma^t, um fo roenxqn 
}tt mifitrauen^ att et bttt# bie folgenben 3^ud"MT^ 6e« 
fiätigt mirb. 3" deinem %a\L barf man über bie Äar^ 
modj^e ^naudgel^en. Sielleid^t begann bad ^flen in 
ben bejüglid^en Xteifen etfl am Sonneifttag obet-SRitt* 
toüd). $)ie ^rayiS mar natiirc^emäfe nic(?t erft bama(3 
aufgefommen, fonbetn fie beftanb fc^ou länget. 3^^näug 
l^ebt bie» felbfl f^tmt, inbem et unmittelbat fottfA^tt: 
„Uub eine folc^e SScrfd^ieben^eit in ber Söeobad^tung ifl 
nidj^t erft unferer 3^it entftanben, fonbern üiel ftü^^et 
|ttt 8^^ unfetet IBotfa^ten, toeldfte, mie eiB fc^eint, gegen 
bie genaue %oxm bie 6a(j^e feft(^attenb bie au9 Sinfatt 
unb Unfunbe entRel^enbe ©emol^n^eit für bie golge^eit 
gebilbet (aben. Unb ni^td beilo meniget ^aben aUe 
biefe ben grieben f>emf)xt, unb bemalten mit i^n unter 
einanber, unb bie $erfd^iebeu(^eit im gafien empflel^lt 
bU Cin^eit im Glauben". 

S)ie eteSe ifl im gangen bur^aud Kor, unb Re 
^batf feiner mciteren ßrläutcvung. ^^ur über bcu 
Sd^lugiag, bet oben aud^ im griec^ifd^en ^iBortlaut mit- 
geteilt tourbe, ifl eintgeg beigufflgen. 9iufin übetfet^te 
benfelben fo: nonnuUi etiam qnadraginta, ita at horas 
diuTDas nocturDasque computautes dieai statuaat St 



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2)ie (Snttoidluna M Oftecfafteiu». 



188 



ie|tD. nid^t )tt bem folgenbeit i£^t utib U6t 

Me bezüglichen ^rifien fo 40 Xage faflen. Sie 9uf< 

faffung 6at lange 3eit me^rfad^e 33eiftimmung gefunben. 
ffUmxhm^A belaunte fid^ nod^ $cobfi }u i^^r. S(uc|^ 
SBeilel, 5Die d^fili^e ^affafeiev 1848 6. 93, 217, toer* 
trat fie, ol;iie inbefftu eine 33e9rünbung gu giben. 6onfl 
aber fc^eint jie ^eut^utage allenthalben aufgegeben 5U fein. 
Hütet biefen Umftftubeti löntite fie mit Mä^t auf ba« 
oHgemeine Urteil o^ne weitere« eiufad^ abgclel^iu mers 
ben, jumal !ein unbefangener @jcegete über i^re Un^aits' 
badeit aucb nur einen üugenblid im lits>ti\d fein lann. 
S)od^ follen bie @rfinbe ni^t itnge^Tüft gelaffen loetben, 
kDeld|;e ber ueuefte ^erteibtger für fie noc^ glaubte an^ 
ffil^ten 3tt Unnen. Stid^t alle finb in bev £age, bie 
6ad^e ta\(f) au btttdbf^anen, itnb toie bie Vrüd'fd^e 
Äird(;engefd^ichte jeigt, ift bie falfd^e SDeutung nod^ ^mU 
lutage nicbt ganz öbermunben. 

^Tobfl meint, Stenünft fpved^e im Anfang ber 6tele 
löon einem QxoüUl nid^t blo6 über beu Zaq he^ gaflen«, 
fonbern aud^ über bie 2lrt he^ gaftenö, alfo \>on ^toei 
oevfd^iebenen bod ga^en betreffenben OegenfiAnben, unb 
bemgemag müffe in ben folgenben Korten auc| t)on 
biefem boppelten ©egenfianbe bie ^ebe fein. äBirfli^ ' 
l^onble bex itir(bent)atev juevit 4ion ben Xagen bed 
Saftend ; meU et abet eine Setfd|^iebenbeit bet 6pei)en, 
Xeropl^agien u. f. tp. mä)t erträbne , müffe fid^ bie 21 r t 
bed Saftend auf bie^tunben bed £aged unb bet 
SRad^t besiegen. iOiefed (abe and^ einen Sttnntetfdbieb 
im gaflen gebilbet, fofern einige uadp 3lblauf be^ Xag^ci 
aften, tote biefed bei ben ^uben übli^ gewefen jei, bie 



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184 



na6) QchaiUwcm ^age^faften bei ?Rad^t fclbfl ®aftma??le 
f)ielUn, wä^retU) anbete aud^ bie Sla^t faftenb ^uhxa^Un. 
S)iefe9 t)oraiiS0<fett, mfiffen bie 6tuitbeit, metl bie 9tt 

bei? be^eic^nenb, üon ben ^agen geji^icben merbcn. 

^ie äBorte ol fihf fiicof i^ftigav hi^ ol dk teaaaQwtona 

geboten ballet ^ufammen : benn bie Slrt bed ^oüiM, ob 
BloS bei a:ag, ober aud^ bei ^'iad&t, fei in einem eigenen 
6a6e be^eid^net , bor bariim nid^t burd) ot dk mit bem 
ttorauj^gelfteiiben t)ecbiinben fein tdnne^ fonbem ffiv ft4^ 
baflel^e (tird^t. 6. 278 f.). ?>ie SCu^fü^irung untere 
liegt jebod^ einer 9lei^e üoii ^ebeufcn. ®S genügt dne§ 
^ecDoraul^eben. ^en&ud foE Don bet älrt be« haftend 
im tlntetWeb Don ber 3cit bedfelben fpred^en moVen, 
unb bice foU au3 bem 5Infang bcr ©teile erl^eHen. ^er 
Slnfang mucbe aber Di^Uig migDerfianben. S)et bort er« 
loftl^ttfe Xag ifl ni^t aU Sag bed 9afien0 )u Derflel^en, 
»ie ^ßrobft überfegt. 2i)to bic ciulciteuben 5öorte oi;j£ 
yoQ fiovov neql r^g r^fdigag bcutlidj^ onjeigen, bejiel^t er 
fi^ auf bad, mi^ bereit« im Dorau^gebenben bebanbett 
iP, unb toenn »ir biefeS berüdfic^tigcu , fo fteHt 
er fic^ aii %aQ ber Ofierfeier bor. 9irenäu« Witt alfo 
gar uiä^t, mie $robfl annimmt, Don ber %Ltt bed gafleni» 
im ttnterf^leb Don be» ^eit ^anbeln ; er toitt nur dou 
ber 2lrt be« gaftenö fprcc^en, unb trag er unter biefer 
Derile^t, a^iflt bie nadj^folgenbe SOorlegung, in toeUfter 
We Derfd^iebene fDouer be« Saften« in Derfebiebenen fir^» 
lid&en Ärtifeu aiu]efiibrt tPirb. ^ie SBorauSfeJung, üon 
ber gJrobfi auHc\)t, ift alfo unim^ unb mit ibr f&Kt 
bie ganae Stu^ffibrung bobin. 

gerner liege, mie ^:pvobft weiter b.nurft (6. 274), 
iubem er eine ^emerfung Don ^eDeribge mieberboü, in 



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^ie SnttDutlung M Oftecfaftetil. 



185 



ber Slngabe ber gafttage üon Einern MS tjierjig eine 
6tei9eniii0^ bie innerl^alb ber äBotte oi ^ unb M 
verlaufe unb aufgel^obeti werbe, iDenn matt oteTsig auf 
6tuubeii bcjic^e. 3)ie SBemertung flettt fi(l> inbeffen uttter 
lebetn (geftc^UputiÜ ald grutiblod bar. gflri^ erfie er« 
giebt auö) Bei ber fraglttj^ett ^Deututtg VeitteStoegd 
mit 6i(fierl^cit eine fortlaufcnbe ©teigcniiii], ba bie nleiwes 
uid^t liottoeiibiQ »ettiger finb aU bie twaagAtovra unb 
biefe nid^t nottoettbig tite^r al« jene. 3^^^^^n^ ^f^ ^ 
überl^au^t nid^t uotmeubig, bie Steigerung M8 auf bert 
6a( vMrao^oiTo xviL audjubebnetu ift je^c 
too(( beitlbar, bafi Srettftuft ^utiAil^fl boti betiietiigeit fpra^, 
\vdä)e \\)x %a)U\\ m(S) 2:ai]cu berechneten, unb bann plejt 
noä) foldl^e ermähnte, toe^^e eine getuifieSlti^a^l üon6tunben 
fafleteti. ^Drittelt« seiflt ber SSBorttaut, hai bie etette 
icirfUd^ fo ju nerftel^en ifl. 3)a t)or TiA^/ovag ein nai ftc^t 
unb nid^t üor teaaaQaxovra, fo er^eÜt beutlid(>, bafe bie 
Steigerung bort ein (^be ^at dlüfin ^at bai^ mo^l 
gefüllt nnb bemgemfi§ bad etiam Dor qnadraginta gefegt. 
SEBoUle man anlegt üon 40 5Lageu fprec^en, fo fonnte 
man ni^t anberd toerfabren, unb fi((er ^&tte an^ ^xe* 
nAuiS ftd^ fo auilgebrüdt, toenn er ein 4(HögigejS f^aflen 
§u enoä^nen gef)abt l^ätte. ^oju fommt ein anbere«. 
3nbem ^i^enäud im legten 6a^teil bad befiimnUe ^erbum 
gebroud^t, )>err&t er^ ba| er ^ier ettoad SteueiS anfül^ren 
motite, alfo eine ^raj:i#, bie baö gaften niä)i mö) ^agen, 
fonbern naäf (&tunben beced^nete. ^nbernfaUd mugte 
er ovfifmQovvtig fd^reiben, nid^t avfifarQoCvu 

folgen (©. 274 f.) nod^ einige meitere ferner* 
tungen, unb biefelben foUen bie Deutung inbireft begrün- 
ben, inbem fie bie anbere aU unmftgUd^ bartl^un. (Ed 



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186 



mirb erflärt : ber Sa^, bafe bie (S^riften ben Xa^ i(?reiJ 
Saftend nad^ 40 Stunben be$ ^aged unb ber ^aä^t 
meffen, lönne bei bief et S)eutunQ nidftU anbeteiS audbrfldeft, 
att ba6 fie Xag unb ^Jloc^t faften. 2öenit bem aber fo 
fet^ tooiu bieue bann bad ä&ort t)ier5i9? (Id )}erftc](^e 
fUft bo4 »Ott felbft, ba6, menn fie 40 ^tunben vnvmUx* 
itoÜ^en fafleten, biefeS Xag itnb Stod^t gefc^e^en mii|te. 
S)ie 40 ©tunben feien bat^er neben ber Eingabe, (ic fa« 
Üen Sag unb ^la^t, übeipiüiiig uab fibrenb, b. t^. biet« 
§{0 bflrfe nidj^t mit Stiinben oetbunben loetben. flbet« 
l^aupt fei ei5 eine Ungeieimil^cit, ben S^^^^^'^^^"^ ^'^^^^ '^^ 
@tunben einen ^ag nennen. — ^un, ed {ei fo. Sbam 
mu% Stendud eben ben Sotmutf ^ne^men^ bet in bem 
Urteil enll^alten ift. ^cnn bafe et bie angebliche Unge; 
reimt^eit trirflid^ gejd^rteben ^at, barüber [inb aQe forn^ 
Petenten ätic^ter einig, unb biefe X^atfadfte n>itb bunl^ 
bie @rünbe ^tobflil nid^t erfd^üttert. ^nbeffen lagt nt^ 
no4 fragen, m bie Ungereimtl^eit ift, ob in ber ^ar^ 
fieUung bei» ^ird^euDaterd ober in ber Sluffaffung feinei» 
jttitiletd, unb bie Xntttort fann nicbt a^i^eifet^aft fein. 
(Es tjerfte^e fid^ oon felbft, bemerft berfelbe, baji, mnn 
man 40 6tunben ununterbrocbeu fafte, biejed Xag unb 
Stod^t gefd^e^en müffe. S^eilid^ oetflel^t {td^ biefeil von 
felbft. SDie felbflt>erftänbUd^e 53nuatiuig mixe aber \vo\){ 
an^ unterblieben, rcenn berüctiic^tigt loorben märe, bag 
bie ttttunterbrod^ene gortbanev M gafiend bi« auf 40 
6tunben burc^ ben Äircbentater eben burc^ bie 3ufammens 
faffung t>on Zof^ unb 9kd^t angebeutet mtrb. ^ie 40 
6tnnben fofien neben ber 9(ngabe, man fafte Xag unb 
9{ad!;t, Aberflüfrtg unb fiörenb fein. ob „Sag unb 
^fla^i" nur fo o{^ne weitered =1: 40 ©tunben roäre ? 



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%\e (tnttoidlün^ Oftetfaftettl. ' 187 

21U ob bie 2Borte ni^t ebenfotüo^il met^r M mettiger 
bebiuiiü tömUn i foU ungereimt fein, ben 3^itraum 
toon 40 Stunben einen Xag su nennen. 5Die 6teBe fagt 
biefeäS aber and) ^ax nid;t ober menigfleii^ nidji in foldfier 
Sieife. fprtd^t uid^t {(f^led^ti^m oon einem ^eit« 

räum oon 40 @tunben^ fonbern et (at einen gani U» 
ftimmteu, nur einmal im 3a^>re eintretenbeu gall üor 
SluQen. (rr nennt auci? bieten 40ftünbtgen 3«ittaum ni^t 
Mle^t^in Xag, fonbern et beiei^net i^n ate ben Xaq, 
he^tD, Safttag gemiffer Seute. Ilnb ha» foS ungereimt 
feitt? finbe bie Slu^brudiSnjeife burct?aud äuläjfig, 
Der ^ttd^enbater lonnte bei ber fragUd^en ^lapii Don 
einem Zog reben, ba ber in Setra^t (ommenbe S^t« 
räum nid^t auf gn)ei 3!age fic^ erftrecfte, wenn er aud^ 
aber einen Xag binauiSging. (tc tooEte k^iedeid^t au<b 
ein SBtortf^iel Utben, inbem er, ba er im t>i>rau0ge^ettben 
Dcn einer üerfc^iebenen 3^^^ '^^^ ^agen be3 J^aftenS 
rebete, bei ber (Srmä^nung ber 6tuuben))ra;id §ugiei4 
auf ben XuiSbrud Xag surfidgriff. SRit bem avww 
mä) tr.v rjusQov mxh 5ubcm angebeutet, bafe ber Xaq 
n\d)t im engeren ober pl?y)ijd?en ©iun ju toerfte^^en. 2)ie 
HttiSbruddmeife ift a(fo in (einer SQSeife su beanfianben. 
3n i^rer prägnanten ftür5e täfet fie fid^ fogar aU fd^ön 
be^ei(^nen. ;;3lube))en mag man biefe^ Urteil ablehnen 
ttttb, toemt man toiU, bie lludbruddmeife ettva eigentäm« 
tid^ ober fonberbor finben. Sad ergiebt aber nikb feinen 
0runb, fie für unmöglich ju erftären unb ju üermerfen. 
%>aii @atgefäge fd^Ue|t ebenfo bie lOejiel^ung bed ttaaa- 
qoomta auf bad torl^ergelS^enbe ou9, afö ei$ feine Ser* 
binbung mit bem to(genben forbert, unb biefeö 3)lüment 
giebt bei ber (Klärung ber Stelle ben ^udfcblog. Ob 

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188 



8funl, 



un^ ein ein^eliier Slu^btud me^c ober koeuigec miM&Ut/ 
ift ba6ei oon but^aud untetgeotbnetut e^beutung. 

3nbem bie fragliche 3)eutuu9 tüiberlegt mürbe, waren 
bereite aud) bie .^auptgninbe iu berü(;ren, tpelcbe bie 
anbete (ErtlAtung bebingen. 6ie liegen in bem Jta2 Dov 
nlelomg unb in ber ^otm bed SetbnmiS im legten 6a(' 
teil, !ommen aber auä) no6) bie ©(i^tüierigfciten in 
^itxa^t, benen bie ftaglic^e S)eutun8 unterliegt $robfi 
ne^ blefelben mfjlÜDeMid^ auf ^\ä) (entl^en. 6onfl l^ätte 
er feine ^culuucj auä) nid&t einen 5(ugenbli(f l^alten flni^ 
nen. @d genügt, einen $unlt ^er^^orau^eben. äBad {oU, 
mui man fragen^ »enn in bet Stelle nut von einem 
f^aften naö) Xaqew bie $Hebe ift, lua» foU bann ber 6d?lu§= 
fag bebeuten; i^^ren %aQ bemeffen fie nad^ ben 6tunben 
bed Xagei» unb bet 92a<j^t? 5Die Entmott giebt und 
^robft fetbft. 6eine oben ermäbnte ©rftärung bejiel^t 

atterbiiicj^3 auf bie t)on i^m befämpfte Deutung. Sie 
gilt aber offenbar aud^ fftr {eine eigene Deutung. S>et 
6a^ lann aud^ in biefeni ^aOe nid^td anbete« au9btfl<Ien, 
aU: fie faften ^ag unb ^aä)i, b. 1^. ununtcrbrod^en. 
5Die ^Deutung fft^tt alfo )u einem ununtetbroi^enen 40« 
t&dtgen Mafien, unb man btaud^t nut biefe jtonfequena 
l^etau^^ufteüen, um ben legten ^todid in ber 6ad^e 
lieben 

StenduiS etlDftl^nt l^ienodl^ ein iOtagigeiS gaflen td^t 

Xae Cfterfaften umfaßt i^m ^öd^ften^ jtüei Xa^^ ober 
eiroai mel)x. Snbejfen {(^toeigt er über bie Cuabragei^ 
nidl^t blob einfad^, fonbetn et f<l|^tt)eigt untet Umfl&nben, 

1) (B lann benevft tDetben, bot onit bie atottnif^e &bet« 
{(|ttng ber JKf4cngef<l(i4te M Cufebiitf von 40 6tunben cebet, 
lA^t oon 40 Xogen. 3(4 oerbante bie SRittciluiig (tn. Dr. 8ettcr. 



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S)ie (Snttuitflung bed £)(tetfaftend. 



189 



toel^e fein S^lDeigen ^um ^etoei^ erl^eben, bag btefelbe 
110$ 0at ni^^t befianb ober ü^m loenigfieiii} uabelantit 
toat. €eine Xbft^t toar, Siftor in bei Angelegenheit 
ber geier M Dflerfefteö \>on einem S9rncb mit ben 5?ers 
ttetecn ber abtt)ei(^enben ^xai^i^ ^uxM^alUu, unb er 
tooOte biefeiS errei^en, inbem er ben $apfl auf eine an« 
bere unb mit jener in SBerbiubung fte^enbe SBerfd^iebens 
^eit ^inmie«. 5DaÄ ^w^^i^ßf)^ erbeifd^te eS alfo, biefe 
5Differen9 in i^rer ganzen Ordge lur ^Oarflettung }it bringen^ 
unb bafe 3renäuö fi^ beffen tüo^t bemüht mx , jeigt 
bie oben angeführte gweite 6teIIe, too mit ^^ac^brud 
t>i>n ber fo groben Serf^ieben^eit bie ätebe ifl dHne 
40tägtge Übung fonnte bemgemAg nid^t unermö^nt bleiben, 
mm eine fot^e befannt toax. Sie läit fidj^ auch ni<ht 
etma unter bie Sorte mi aXeiomg fubfumieren, ba bie 
Steigerung, oelcbe fte enthalten, ni(ht fo weit nu^^ubehnen 
ift. 6ie mufete au§brüclli(^ erträhnt ober toenigflen« 
fieser angebeutet werben, unb U)enn meber baiS eine nodh 
bad anbere geflieht, fo folgt eben, bafs bie ttbung bem 
Äir$ent?ater unbefannt ipar, näherhin, ba er cbenfomohl 
im ^^orgentanb aU im ^enblanb ju ^au& toa%, ba| 
fte no$ nulh^ beftonb. 

S)er jtteite Qcuqc ift ajertulUan. (Sr be^eid^net 
De ieiuD. 2 aU bie ^üt beiS firchii(hen Dfierfaftend bie 
Xage, in qnibns ablatns ast sponsiu, unb er filgt bei: hot 
(dies) 6886 iam solos legitimo8 ieinnioram Ghristianoram. 
^ie ©pra(he ift fo beutUc^ qU möglich, bie ©laub= 
»örbigfeit erleibet nicht ettea babur<jh einen eintrage ba| 
Xertultan bie SBorte erfl fdhneb, na<|beni er mit ber 
jlirche gebrochen \)atie. 3m Gegenteil, ^ertullian tritt 
in bei; 6<hiift De ieianio aU Slnmalt für feine neue 



190 Suiif, 

tfligiöfe (Befenfdbaft imb aU ^olemffet gegen Me afte 
Stixf^t auf, unb fo mad^te i\)m fd^on bic btofee Glinge 
l^eit }ur Vfli^t, ftdft m Slndaben über tM^^U^e Set« 
l^öltniffe feine Slöge geben. ^Da^u fomntt ein }tt)eite9. 
3)ic 3Jlontaniften, ju i)cncu er übergetreten mar, bitten 
bie Saßen nid^t Dertingert, fonbem loecl&ngest, unb ba 
e0 galt, biefe 9teuerung gegenftber ber ftir(be t>et< 
teibigcn, fo founte er fi(^ aflenfatt^ t?erfu4t füMen, bie 
3a^l bec in bet &ix^i übiicben gafitage üecgröfcertt^ 
ober nii^t, fie gn «»etminbern. (Ed iß beiSb^lb gerabe^u 
unbegreiflidb, mic man neuerbing« (Äatbolif 1892 1, 457) 
behaupten fonnte, fein 6d^tDeigen über bie QuabrageiS 
betoeife, baft biefetbe in ber römifdben i^iril^e beßanben 
babe, ba er bieö aU 3)ioiUanift unb fd^arfer Slnfläget 
\on\t bea bortigen ©laubigen gen)ig gum fd^iDeren ^or« 
t »urf gemacbt ^&Ue. Sbn ©ad^ioerbalt mirb bamit ge< 
j robe^n auf ben ^opf gejlettt. ^a XertuDian gegenüber 
bem lur^eu fird^lic^eu gafteu bad längere ber HJ^ontaniften 
au red^tfertigen f^atU, fo mugte er auf eine längere 
ftbung bintt)<if^n^ »^nn eine foUb^ irgenbmo beßanb, 
unb ficber l^ätte er bie römifd^e S^irc^e als bie $aupt= 
tixcbe ber fatboUfcben (^rißenbeit nv^t unertt)ä^nt geiaifen, 
toenn ße bad 40tägige ^aßen bantatt fd^on gehabt ^fttte; 
btuii 1*0 fonnte er bie ©egner am einfad^ften uiib fcl)nell; 
Iten 5U paaren treiben , inbem er i^nen bemertie : bie 
$ra^ ber SRontanißen, bie ße ald nngereiibtfertigte Seue« 
rung aufed^ten, ge^e ja nicbt fo mii, aU bie ^rayi« 
ber ^ir4^e, toeld^e fie al& ^aupttirc^e anerfennen, ba ibr 
gfaßen nur ^ttei SBoiben bauere, bad gaßen ber Kamer 
aber 40 ^Cage umfaffe. S)ie 6a* e ift üöllig Hör. fDie 
Eingabe XertuUiand über ba^ fircbUd^e Dfterfaßen unter« 



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2)ie (Intioidluna M Oftecfaften^ 191 

liegt feinem S3ebenfen. ©ein ©d^teeigen über bie üutt« 
btaged imn mt bol^in gebeutet »etben^ ba6 er bie tlbung 
noc^ iii^^t (annte. tliib roenn übet bie gutäffigfeit bet 
Folgerung je nod^ ein 3^^Ü^'^ obmalten fönnte, Jo mü^te 
et buu^ bie IBetüdri^tigtttig bed S^ugniffei» M Srenftu« 
gehoben »etben. 5S)adfeIbe gtebt jioar eine einge^enbete 
$)arftellung ber ^karid, inbem e§ bie befte^enben SScr« 
fc^ieben^eiten ^ecooc^^ebt. älber baün trifft ed mit ber 
Angabe XertuQiand pfammen, hai eiS im ganjen nur 
eine fur^c Übung tennt, unb ba^ ift ^ier bie ^auptfadie. 
2)a^? f{rdbli(^e Ojierfaflett baiierte ^ur ^exi 5tertuIlianÄ 
im oUgemeinen jtoei Zage. 5Dte $ra|id beflanb nA^et» 
l^in in bem lateinift^en Slfrifa. '3ei bem engen ^ev^äiU 
nig, rodd^t^ jtpifc^eu bcr bortigen Äirc^e unb ber römijct^eri 
befianb^ ift fie aber mit 0runb au^ für biefe ^ir^e 
anaune^men. 

Snbem S^ertuUian bie 3«it bes^ Cfterfafteui^ be^eic^- 
net aU bie dies in qnibos ablatiu est sponBos, beutet 
er ben Srunb an, auf toel^^em bie Itbung ftd^ aufbaute, 
bejTD. baS ©d^riftmort , ba« in ber erften ^üi für fie 
maggebenb toar. @d ift bad ä&oit, bad ber ^err ^u 
beu Süngem beS XAuferiS fpra^, aU fie i^n fragten, 
warum fte unb bie ^^avijäer l;äufig, feine ^lüiuj*^^ ^^^^ 
n^t fafiten. mürbe benfelben ^att^. 9, 15 ermibert: 
^Mutten bie 66(ne be6 SrAutigamd trauern, fotange 
bet SBräutigam bei il;neii ift V iperben aber %aQe 
fommen, ba ber liBräutigam von i^nen mirb j^intoegge« 
nontmen »erben, unb bann »werben fie fafien". 

^er Itarfrettag unb ber j^atfamfttag erf^einen bei 
^ertuQian als in ber üirc^e allgemein gültige gafttage. 
%uA ben SOSorten De ieiun. 14: Cur . . dicamus et iein- 



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192 



niis parasceven? erhellt, bafe mel^rfadf) fogar nur jener 
Zag beobad^tet toutbe. t>n SCutor fpn^t aber aabeter« 
feitil att$ toon toeiteten ^afltagen an ober tot Oftevn. 

bie jlat^oUfcn gei^tuübir bcr '^^euorung ber ^outa- 
nifteu bemerken, bag fie bic burdj) 6cbnft uub Über- 
lieferung befUmmte 6ttte fefibaUen^ )u bev lein SufAt 
machen fei, cnniberte er i^nen De ieiun. 13: State 
in isto gradu, si potestis; ecce enim convenio vos et 
praeter pascha ieianantes citra illoB dies, quibne ab- 
latus est sponsns etc. Cfterfaften IDUtbe (ttfo auä) 
Aber ben Karfreitag \^inau^ au^gebc^nt. SS^ie mit, wirb 
nicbt gefagt SlSed aber f;^ri<l|^t bafür^ baft ei$ ber tt>et< 
teren Zage nur n^enige maren. 3n (einem %aü ^at 
mau über bie .Niariuod^e l^inauiSpge^en. 3m anberen 
gaU bÄtte ZertuHian, ba i^n {ein ^ntereffe trieb, hoA 
Hr^^Ii^e Mafien fo lang aU möglid^ bariufleOen, be« 
ftimmter auiSgeCsrüdt, unb mir bürfcn bei ber Karmod^e 
um fo eber fteben bleiben, aU m6)t biob ber nur ein 
paax 3abr)ebnte frflb^r f<breibenbe 3ren&ud, fonbem au^ 
bie beiben folgcubcu ^en^en nod) fein längere« Öfter* 
faflen fennen. ^ie Übung beicbränfte fid^ ou^erbem auj 
gemiffe Areife in ber Oefamttir^^e, unb fie mar tt^enig» 
fleni^ in ben ftirc^en, in benen bie beiben le|ten Zage 
ber i!arn)0(be al& bie alleinigen gefeglic^eu gafttage %aU 
teu/ etmad greimilligei». 2)od^ mod^te fie in einigen ftir^en 
bereite audb mebr ober meniger allgemein beobad^tet toot* 
ben fein unb einen geU}i|)en oerpßic^tenben ^^arafter 
gekoonnen b^ben. 

3n britter Sinie giebt und über bie SMd^iplin bie 
Sr?)oftolifd^e £)iba^UiUa 3Iun"d)luB. ^ie Sd)nft, 
bie (Sruttbf^rifl ber ie<i^d erfien ^üc^er ber ^o)U>U)(ben 



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Cntttricnuns beS Ofterfaftend. 



193 



JtonfUtiitioiteii uiib al^eU^en \>on bet l^tet ))otliegenben 
iibexaxUüm^ nur f^rifd^ erhalten, entflanb in Serien 
iiitb tto4 90V bet aRUte bed 3. 3al^Tl^ttnbeit9^ Siemlid^ 
iva^rfd^pinlidl) noc(^ in bem evflen Bietet beil Sa^rl^un^ 
bertt, wie [td^ mir bei ber Unterfud^ung bcr 3^^^ in 
meiner ilb^anblung über bie äl[t>oßoUf 4en ItonfHtutionett 
1891 6. 60-4i4 nAl^erl^in ergab, i^r tx\(S^mt aum 
crPenmal beflimmt bie gan^c Ä^ariDod^e a(ö ^aftengeit. 
5£)o(j^ i{l bad Sailen nicbt an allen Xogen ber äBo(||e 
baiSfelbe. Xn ben biet evfiett Zogen^ t>om aRontag bid 
SDonnerllag, tüar um bie neunte 6tunbe ber ®enu6 
Don 16rot, 6ala unb ä&affer geftattet; am greitag unb 
6am9ta8 aber fottte gat nuj^tt nenoffeit loetben. (6$ 
blieb alfo bie alteOrbnung mit ben a^ei flrengen ^afi» 
tagen; aber fie erfd^etnt sugleid^ mit toter 2^agen leides 
teren Saflenil emeitert. S>ie betreffenbe 6telle lautet 
in bev loteinifcben ftberfe^ung, oeU^e icb in QAIbe 9er« 
öffentlicben n)erbe: A decima (sc. luna), quae est se- 
eoiida oabbaii, diebos paschae ieiunabitis atque pano 
et aale et aqua solnm ntemini hora nona neque ad 
quintam sabbati. Parasceven tarnen et sabbatam in- 
tegrum ieiunate, nihil gustantes. 

5Die 6dMft fleOt ni^t eigettttid^, wie 3renfttti( unb 

^ertullian, eine bcflel^enbe ^raji« bar. 5)ie Slpoftel, 
üon benen fie ^errü^ren roxU, orbnen bad S<^ßen an, 
unb eil l&it ft^ beulen, ba§ ber IKutor, mail er bei 
apofleln in beu9htnb legte, nxä)t bereitil ootfanb, fon- 
bern erfl eingeführt miffen moUte. ^od^ lögt {td^ biefed 
nur fAr ben er^n ^il ber gaßenorbnung annehmen, 
iittb aud|^ für biefen nur infotoeit, att etu>a eine bereit« 
ba unb bort befte^enbe Übung einer aügemeinen 
si<tt.QMBtiai<|iift.ijB8e. ^o. 13 



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IM 



8«* 



wA gefe^Itd^en gemalt toerben folte. (kttrtfl^dt 6e* 

fielet aber auc6 barüber ntd^t. @d ift anbererfcitö mögs 
Hd^, ta6 bie Ocbmiiig in ber Umgebung beiS Slutord 
6mtt6 i»oi;^bei toar unb ba| berfelbe fu eticfa# is 
feine 6^rift b^tüberna^m, o^ne burc^ bie Surüdfü^rung 
auf bie ^ofttl für fie eine toeitere Verbreitung }u er« 
ffapebeti^ ober o^ie boroi |ti betfen, ba| bie0 bie 
fein nmgte, toenn bie gtftion für Siki^r^eit genomniett 
tüurbe. trifft aber auä) erflereg ju, fo b^itte bie 6<ijrift 
fft¥ bie entu>idHttn9 ber SDtdii^lin immerhin feine in* 
mnnragenbe Sebentnng. SHe 9tettetung, bie fie etma 
herbeiführte, ipar, tote Sren&ud unb S^ertuUian leigen, 
beieiti» iiorbereitet 

9Ü oieitec S^uge (ommt S)ioni^fiui( b.0t. tMm 
Slleyanbricn um bie Wliüe be§ 3. Sa^r^unbert^ in 33e; 
tso^t S>etfel6e tourbe 9on einem ^i\6fo^ ^aftUbeS 
gefragt ^ pi xkUin 3eit bai OfUtfoßen |tt beenbigen 
fei, ob fcbon am 5lbenb bes^ 6am§tagd ober in ber 
grü^e bed folgenben ^geiS, beim ^abnenruf ani6onn« 
Itt0, lirie es itt Mo« bet gaft fei, unb inbe» et feine 
^nftdbt über bie loerf^iebenen @nbtermine audfprad^, 
fügte er eine $emer!ung bei, aui^ toelcber fi(^ bie Dauer 
be« OMa^n^ etlennen Ugt 9t fd^tcibt: bie 
U^li Xage bec fallen ml^abe« ftd^ nid^t nie glei$ 
nod^ dbnlid^; benn bie einen bringen fogar aUe ^age 
fortgefe^ o^ne @t)eife )tt, anbeve aber ^wi, anbete 
bfti, anbete biet, anbete abet leinen; nnb benienigen, 
»elcbe ftd^ in bcm fortgefeßten galten i'ebr abgemüht 
haben unb bann vor dcrfchöpfunfi beinahe hergehen, ifi 
bai f ^neBete 0enie|en loetjeihen; loenn abetmawl^e 
in bt:n ooraui^gegaugt^tieu )»ier ^agen uic^t blog nid^t 



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Sie Snttvicflung M Qjterfaftetid. 



195 



«nunterbrod^en , fonberit überhaupt mä)i gefaftet ober 
foQat gef^melgt Ij^oben, utib bann bCog me^r ben 
Itod leiten Xogen tommen unb an biefen, am ^^itog 
unb <Bamitaq, ununterbro^en fafteii uub bann glauben, 
ttm^ ©roM unb ^errli^e^ ju teifien, menn fie bis 
Stun SRovgen oui^^ben, fo meine k^, ba| biefe nid^t 
ben gleiten ftompf beftanben l^aben mie jene, meldte 
meistere %aqe tjorber geübt ^aben" (Migne PG. 10, 
1278). SHe Gteflie betoeiß^ ba einfadft Don «ben fed^ 
2:agen bet ^^^fien" bie Siebe tfl, ba| in Sleiranbrlen 
bamald bie gan^e ^armod^e im allgemeinen ali gaflens 
}eit ^cit Gie jeigt abet aud^, baft bie ftbung fel^r 
fdl^ieben toat nnb bet gtagten etrenge ein getoiffev 
ßan^mu« 3ur ©eite ging, inbem einige an allen ober 
bod^ an me^reven Zagen gar nid^tö genoffen, to^^renb 
onbetetfeiti einige felbfl an ben betben ^aupttagen, am 
greitag unb ©am^tag, ba^ %a)icn n\(S)t ganj ober obne 
llnterbce(^ung beobachteten, an ben früheren ^gen ed 
gof nid^t l^ietten. SISie aber bie Stami>ä^ im allgemeinen 

aU %a)Uni^cit trjd;eint, fo cvIkUi au« bet ©teile noc^ 
meiterbin, bag bad Ofterfaften iiä) auf bie SOi$od|^e be* 
fd^Anfte. IDioni^fiu» ooDte ja ^d^üU^ bie Seiffatng ein« 
aelner fü fiarf aU mbglii^ ^crü erbeben, ©leicbmol^l 
enoä^nt er ein ^af^en nur innerhalb ber Itarmocbe. ©eine 
S)ar{leilung br&ngt alfo pm hai et ein Ungereft 
gdflen ober bie QuabrageiS nod^ ni(bt fannte. 

S)ie ^emerfung beiS i)ionpfiuiS grüubet fid^ natura 
gemfti »unAdftfl auf bie $ra|i» feiner Aird^e. 3n «le« 
iranbrien, be^w. Ägypten galt bemnad|^ um bie SRitte 
beiS 3. Qabr^unbertö bie gau^e ^artpod^e aU gaflenjeit, 
nnb bie Orbnuvg mxht loon ben frdmmeren $erfonen 

13* 



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196 



aud^ beobachtet. T^ie gleite ^rayi« Bcfianb nad) ber 
^pofloltfd^en S)i^adfalia in 6prien. €te lögt aud^ 

^oläfitna amte^mett, ha bad £aiib imifd^en {eneit 
beiben fiönbern in ber Glitte liegt. 9Ran barf fogar nod^ 
toeitet ge^en iinb bie Orbttung im allgemeinen auf bie 
gaiqe S^xd^e aiUSbe^neii. Sie Xrt unb äBeife, loie SHo« 
npftu^ loon bet 6ad^e rebet, mad^t burd^aud ben Cfiibtutf, 
oU ob bie Einrichtung fd^on eine aOgemetne gemefen 
fei, unb toir bfirfen bemfelben um fo el^et Devtrauen, 
ob bereiU SvenAud unb XettuDian ein fütt ben Jtar« 
frcitag ^inau^jßc^iiibciS Dftcrfafteii fennen. ^rt!tem. toax 
bie Orbnuug, tuie ^ion^fUid t>m&i, noc^ nic^t ftreng 
att^gebUbet (Sc fpcic^t bon Senten^ »etd^e in ben ecflen 
toter Zaqen ber ilanwüc^c gar nicbt faften, unb menn 
bie(c§ ^Ber^alten aud^ in feiner Söeife feine ©ittigung 
fittben fonnte, f o entl^alten {eine Spotte onbetetfeitt aiidft 
feinen auiSbrüdfli^en ^abel. 

(Sin fünftel 3^i*9"i^ ^i^ö^ lö- ^omilie bed 

Ocidenei» übet ben Sebiticui» oov. SHa^bem in bet< 
felben baiS iübifc^e Mafien aU für bie ^riflen ntd^t 
«erbinblid^ nad^getoiefen unb ju biefem S3e(?ufe julejt 
boi» a&ott bed $eitn 3Ratt^. 9, 15 angefti^ct moTben, 
toirb fottgefa^ten: Uli (sc Jodaei) ergo ieionent, qni 
perdiderunt sponsum ; nos habentes sponsum ieiunare 
nott possomus. Nec hoc tarnen ideo dicimos, ut ab- 
stineiitlae dirisiianae frena lazemoB. Habemna enim 
quadragesimae dies- ieiuniis coiisecratos. Habemus 
quartam et sextam septimanae dies , quibus soiemni- 
ter ieinnamiu. Eefc eerte libertaa Chriatiano per omne 
tempos ieiunandi, uon obseiraiitiae anperatitione, sed 
yirtute coDtiuentiae (Migne PG 12, 528). S)ie ^teOe 



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%k intivUnttim M Ofteclafteiii. 197 

9tlt 9ett)6l^ntid^ ab ft^ereft d^dvU fftv ben 8e|iaiib 

ber üuabrage^ jur ß^it ^^^^ Drigene^. 5)ie Sitiffaffung 
unterlUftt aber ben getDid^tigflen Sebenletu ^ox aUem 
Metel Me Übetliefetung in feinet Steife Ue erfotbetHd^e 
©eipä^r. giufin ipar fein getreuer Überfe|}er. @t cr= 
loubte fic^, an {einen Vorlagen Anbetungen üor^unebmen. 
3n bet Sombe }ttt ftbetfe^nng bei» ^eciatdfton be9 
Dngened unb in bet ^eroratio 5U bet Überfe^ung M 
ilommeutar^ über ben S^ömerbrief fprid^t er fidj^ barüber 
auilbrftdttdft aud. Kn bem ^oeitenOtte bemetft ev t)on 
feinem Setfol^ten nft^er^in: Supplere capimi» ea, quae 
ab Origene iu auditorio ecclesiae ex tempore dod tarn 
ezplanaiionis quam aedificationis intentione peroratae 
eont, sicnt in homiliis svre in oratinnealia in Genesim 
et in Exodum fecimus, et praecipue in Iiis, quae in 
librum Lentici ab illo qaidem perorandi siilo dicta« 
a nobie yera ezplanaadi tpede tnmalata sant; quem 
laborem adimpleDdi quae deeraut idcirco suscepimus, 
ne pukatae quaestionee et relictae, quod in homiliatico 
dioendi genere ab illo saepe fieri solei, laiino lectori 
fasüdium generarent. ^ be^eid^net alfo gerabe bie 
6d^rift, meldte })kx in grage fielet, aU biejenige^ meldte 
untit feinet ^nb bie meifien Setdubetungen etful^r. 
^iena$ lann, mad in ben ^omilien übet ben SetrtticniS 
fiebt, nic^t obne treitered aU ^udfage bed Drtgened 
gelten. S)e la 9iue, bet gelehrte ^etaudgebet M 
Xteianbtinet«, bemetft tiielmebt t)on benfelben mitSRec^t: 

Ex eins (Rufini) licentia factum est, ut, qui legat 
has homilias, iDcertos sit, utrum legat Origeuem an 
Rofinnm (PO 12, 896). GoO bd^et ein SBott bem 

^^U^anbriner juerfannt merben^ fo mu| ed fx(^ aU fot^ 



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198 



(^ed betoä^reu, uiii) bieg oermag bie fragtid^e Stelle 
am aBettDemgßen. aBenit itgenbmo, lägt ftc^ M i^c 
ein eingriff annehmen. 

dlad) allem, roa^ mir miffeu, beftanb bie Ouabraged 
)ttr 3^it Origened noii^ gar »id^t. 6ie mar na^ 
meiitti^ in ben beiben ftir^eii uiibefasnt, an loeU^n 
Drigeiie^ trirfte. 5(Ieranorien ^aben »ir ein 3<^ug= 
nid, bad ber legten ^ebendgeit bed (BtUf^tUn ang^^ört, 
trieUet(|^t fogar f<bon fibet fein Seben l^inaudfftDt SHiiK 
gcugni« für ^alä]iina:Gyxien ift jmar tra^rfd^einti^ 
&lter, uub ba Origened bie ^omilien über ben ^eoiticud 
allem nad^ etd in ber le|ten J^M feinet £e6en9 unb 

fomit in ^alafniia ^iett, )ü ionnU man fid^ ^unädjft 
iima gu ber ^nna^me oerfud^t füllen, bag bie S)idiipUn 
bort eben initoif d^en in ein tveitereS 6tabium tootgerfiA 
fet ^ei rcifli^er Überlegung tüirb mau aber Ouüou 
ab^urte^eu (^aben. £)er gortfd^ritt ift für bie unter 
UmfUlnben anf toenige Sa^re ^ufammenfdbrumpfenbe 
3eit SU getraltig, ber ^^uqe p meuig glaubtüürbig, ai& 
ba6 tt)ir un^ bei feinen SBorten beruhigen fönnteu. ^ad 
Beugnid bed ^ion^ftui» W ftberbied andj^ fflr ^M&fHna 
eine geroifie Sebeuhing. ©in 3Wi6trauen gegen älufin 
ifl enblicb inSbefonbere in öiefer 2lngetegen^eit Qexeä^U 
fertigt Sie »ir oben (&182) gefe^en, trug berfelbe 
in ben ©rief bei5 ^renäud an Siftor, bejm. bie ßird&en= 
gefdi^id^ie bed Sufebiiu» jäljdS^iicb ein gaften oon 40 Xagen 
ein, unb toenn et bei einem Sofnment, toie jener Srief 
el ifl, fo »erfuhr, toirb er bann bei einer 6(^rift, bie 
ebenfo unb oielleic^t uodp me(;r einen erbaulid^en aU 
einen ttHffenfdbaftUdi^en Gl^araeter ^atte, fidft ftng^ii^er 
an ben SBortlaut gehalten Iftaben, menn bie inimif^^en 



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9ie C»tl9i(Riiim M Olierfa^eni. IM 

fortgefd^ene SHilfiiAi« eine tnbemim fp umiriltellav 

ual^e ItgieV 2)ic Slntroort fann ni(3^t jmeifcl^aft fein. 
2)te Stelle f^eint aubem feUß einen Eingriff feiteniS beiS 
ftbetfetetil }tt loenote«. 5Det eisifc^lftgige l^ouptfa^ 6(» 
fagt nid^t, bafe bie ß^^riften in ber üuabrage^ }a^tn, 
toie biefeiS bei ben 6tation?tagen int folgenben 6a| 
(emtge^obe» ifL St fogt oielmel^v, ba| bie Zage bec 
Ouabrageg butd^ Mafien gel^eiligt feien. Ober foHte 
etma überfegen fein: ben gaflen gemibmet? S)aiS 
ift fi^ev toeniget tDabtfil(einii4. 9§ ifi alfo m einet 
4)eiligung bet Xoge bev Ottobraged bie Stebe. Sie 
Heiligung treift auf einen befannten Quq im ^eUn be# 
^ilanbed (nn. fid l&it fub bo^et Demuten, ba0 in 
ber Sorfaige 9on bem 4(Mftgigen e^nflen beil ^txvn bie 
Sflebc mar unb bort bemgemä§ teaaaQoxovta flanb, nid^t 
Y«(KMK^a»oavj^ SSie ed ftc^ aber oer^alten mag, ald 
ein d^üvid bei Otigeneg fix bie Onabtogei lann bie 
Steile au^ beii auijcfü^rten ®rünbeu niäjt gelten, gum 
minbeften ifl fie in ^o^em (^rabe üerbdd^tig. @in S^^if^^ 
an ibm d^tbeit ifl begtfinbet, nnb »et benfelben 
fo o^ne »eiteret glaubt abmeifen }u fönnen, voie e3 
no^ iüngft (^at^oli! 1892 I, 458) gefd^e^en i% ber bu 
»eift nnt, ba| et bie obmoltenben 6<btt^ietigleiten an^ 
nid^t aur Jßälfte gebü^tenb erlogen l^ot 

Slann man l^ienad^ auf ba^ Drigenedjeugnid teenig* 
Send ni^t mit 6idftecbett bauen, koenn man fi^ nieOei^ 
att4 niibt entf((Ue6en mag, bailfeKe i»MIig abaulel^nen, 
fo fommt bagegen ein anbereS 3^wgnig, auf ba8 no<b 
in ben legten Unterfuc^ungen gro|ed (Bettlet gelegt 
nmtbe, fflt bie notnic&nifile 3eit unbebingt in ttegfaO, 
bad ber ^pofto Uferen ^onftitutionen V, 13. 



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200 



betreffenbe 5tapitel gehört aU 3^^^^^^ ^\\Ux\ioiatoxi 
htt SiMIalia einer {päteten fieit an. 

Cbenfo ifk Don einet toetteten fai ber leiten 
oertüerteten ©d^rift für bie ^veftfteHung ber ätteften 
)iplin ab^ufel^en^ ben nur arabti(^ unb erft but(|^^anb' 
f^tiftett M 14. Sal^r^unbettd itbetUefetten A a n o n e d 
^ippDli;U. ^ie 6c^rift fte^t mit bem aä)Un ^u6) 
ber 9lpofloUf(^en 5lonftitutionen in 3ufammen^an8. ^od^ 
iß bie 8ettt)anbtf4aft leine unmittelbate; bie 8e|iel^n9 
ifi toielmel^r vermittelt butd^ ba^ jtoeite 33uc^ ber foptif^en 
Slpoftolii^en Aanoned ober bie ägpptifc^e ^ird^enorbnung, 
mie man \M 8u4 nene^enft )u tt^M^ntn beliebte^ unb 
bicfe« SJiittelöUeb fe^t nn^ in flanb, ba« 33er^>ältmÄ 
nä^er ;u beftimmen. bie ^gpptifd^e ^iir^enorbnung 
Stoeif ettoi^ bon ben XpoftoUfd^en Aonftttutionen ab^&ndid 
tfi/ fo folgt, bog bie AanoneiS ^ippoIptiS noüf fpdter 
fallen, nid^t aber, tuie Hc^elis in feiner älb^anblung über 
biefelben 1891 ol^ne nft^eve Untetfui^unt annahm, att 
entferntere OueSe mangelten. 50ad )i6er^ftItniiS untere 
(ie^t teinem 3^^^'^f^^- Sebenfalljä mu6 bie 6d^rift in 
ber l^er in SHebe fie^enben ^ngele^enlfteU auf fUft be« 
mljen bleiben, bi» bie »emcife entfräftet ftnb, toeld^e 
idji in meiner njfonograpl^te über bie Slpofiolifd^en Äon* 
lUttttionen 1891 e. 265—280 unb in bet X^. Qu. ecbtift 
1892 6. 426 ff. gab. ttnb n>enn ein ® egenben^etd je erbrad^t 
würbe, fo tt)äre immerhin no(^ bie grage, ob ber 5!anon 
IX, nftl^erl^in bie bie CUiabtagei» betreffenbe SteSle ed^t 
ifl. S)enn bobon fonn ja fd^Ied^terbing« leine Siebe fein, 
ba^ bie 6d^rift gan^ fo, mie [xe vorliegt, mx .^tppolpt 
l^errfil^te, unb jene Riefle ertoedCt mie irgenb eine anbete 
9etbad^t. Xd^eli« erlUrte Tie fflt eine fiKItete 3ut(iat. 



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9if MloiiKttiia be» Ofletfofteit». 201 



Sod )ut nSJ^tttn Segtfiiibttng bef 3iiteq>olatioii )90tt 
i^m angeführt mürbe, ba| fie mit bem ftmioti XSH in 

©ibertprudj^ ftei^e, trifft freilid^ nid^t su, toie id^ in meiner 
64nft über bie XpoftoUf^en ^nfUtutionen 6. 27S leigte. 
3mmevlHn ober bleibt bie 6teOe unboltbat. SHe Oe« 
föbfd^te beg Dflerfofieu« giebt ^tet ben 2(u0fd)lag. ^k- 
felbe ifl und beffet betaunt ald irgenb ein anberer Ißiuift 
ber a(td^rif!tid^en Didsiplin. Sit bet bid aur SRitte be« 
3. 3al^r^unbertg öcrfolgenben @nttt)icfluii9 ^at bie 
CUiabtaged leinen $ia(, unb bei biefem 6a4^t)erbaU 
lonn bad Urteil über eine Gd^rift ni<bt f^manfen, totld^e, 
bereit« fonft \ä)on \)öd)^ terbäd^tig, bie (Einrichtung für jene 
3eU ertoäbnt/ unb itoat i4lon a(d fertig unb ab^efdiiloflen 
unb ni^t ettoa att no^ in ber SuiSbilbung begriffen. 

$)ag Ergebnis ift aud^ für baS ^nburteil über basf 
Oriftened^eugnid non iBelang. iBidber ^lauiU man bie 
8ebenlen, benen ei» unterliegt, mit bem {^inmeid onf bie 
3eug«if)e ber Slpoftotifd^eu ^onflitutionen unb ber Äa= 
noned igippol^ti» überminben ^u Ibnnen, fofern biefe be« 
reitiS bie gleite Cinrid^tung lennen foOten, bie eine 
6d^rift in ber näc^ften golgejeit, bie anbere fogar ctma« 
frübet. )}iunme^r fleUt fi(b bie 6acbe umgefe^rt bar. 
Sie beiben 6tfl|en finb l^fAIig. Sine menbet fi# fo< 
gar nad^ ber entgegengefe^ten ©cite. 2In bie ©teHe ber 
Slpofiolifcben Aonfiitutionen tritt bie ^ibad!alia. 5Die 
64tifi tatnt gbid^ ben anberen, loeU^e für bie 
SBetrad^t fommen, nur bie 5?artt}0($e a[§ gaflen§eit. Um 
fo meniger ift baber an^uuebmen, bag Drigenei^ bereite 
ein fecb^mol UngereiS %afitn gelaunt ^abe. 

$)ie bii§^cr genjürbigten S^ugniffe gingen alle t)on 
streben aud, in benen Oftern am 6onntao^ n&^erbin an 



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M2 »mtr 



bm ecftm 6oiiiittt0 na4 b€iii U. SKfan, gefeiett mutbe. 

Sic bejiel^cii fi(^ aw$ aHe auf bie betreffenbe geter. 

^eugnid bed ^renöuS erftredt ftd^ tool^l juglei^ 
ottd^ auf bie (|ttartobedmaiiif((e $ta|EU. 5Do4 ttitt bic 
Seatel^ung nid^t beftimmt l^erbot. S)eiiientfpre(^eiib »ucbe 
biÄ^er toon biefer ^rapiS abgefel^en. ScDot »ir aber 
toeiter ael^eii, ifi aiuift bad ffin üblul^e gra^ »od^ bttl 
)tt iintetfud^eti. 

S)a bic Cluattobedmaner baiS $öffa^ bereite am 
Xobedtag bed ^etrn, am 14. 9K{aii feierten, mod^te t>eu 
felbe meldet tBod^entag nur immer fein, nid^t am fol« 
geubeu 6ouutag, l^atte ha^ 3)?oment, tueldfiel na4 
tutlian für bad £)fterfaften bed größeren ^ile^S ber ^ird^ 
beflimmenb »ar, bie dies in quibiis ablaios esi spon- 
8U8, für fie feine ^ebcutuug. ^nbern fie am 2(benb 
jene^ XageS il^r geft begingen, brad^en fie naturgemd^ 
Ittgleid^ ha» gaßen ab. (^f ebiiu» bemertt St9. Y, 23, 1 
in biefer ^e^iel^ung onSbdldFlid^ : Me rm ganj 

^fieu (Asia proconsularis) glaubten ^ufotge einet älteren 

Überlteferuiit ben 14. SRonbiog fär bad geft be« |ett« 
brtngenben ^offa^g beobo^ten au f ollen, an bem au^ 

ben Quben ba^S Samm opfern geboten roar, fo ba| 
bttr<taud an biefem (Maritavwijpi), auf koelcben Xa^ ber 
Bo^e et nur immer fiel , ber 6(blu6 ber fallen §n 
madjen trat, ^ie ©teile mürbe jmar in ber neueren 
3eit anberd 0efa|t. ®. äRai^er, bie ^tl^ett M 
Cdongelittmg nad^ Sobanueg 1864 6. 994, bemerlt: 
@ufebiuS fage nicJ^t: an, fonbern: naä) ober gemäfe 
biefem ^age fei nad^ ber Meinung ber Slfiaten ba$ e^afien 
^tt beenbigen; b. b- uadft bem 14 9üfau rid^te ftdi^ aud^ 
ber äluferße^ung^tag unb jomit ba^ (^nbe bed gaftend. 



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S)ie <iiitmi(flttiia M Ofkerfofleiif. 208 

5bU S)etttttii(| fanb ^ms «u^rfa^^en OeifoiL 6te 
oitDO^l fte burc^ 6c^firer De oontroTeniii pasehalibiis 

1869 p. 12; 3eitf(^nft für l^iftorifd^e 5C^eologie 1870 
&. 196, bndt» toiberlqit toutbe, no4 in hm 8l))oflo« 
Kf^n uQb nad^apoflolif^^en S^^Un von Sed^bt 8. S. 
1885 e. 563 2Inm. 4 eine ©teile. 6ic liegt aud^ ben 
fDarfteUuttgen b^c ^ic(t^ett^ifipci(ei: }tt (ätunU, toeUj^e, 
iDie ^geiiTdtlfter jt9. 2. K. I, 187, ftvouil Jt0. 2. & 
6. 113, Sriicf Ä®. 3. 6. 116, für bie 5liiaten nic^t 
ein einl^eiUi^ed ^iia)^te|t annehmen, fonbem biefetten 
}m 14. SUfan ald Zobedtog bed $mn unb bann ben 

16. DRifaii al3 2(uferfte^ung^tag feiern laffeu. ^3ie ijl 
aber iid^n uiinct^tig. 2)aiS xora ^otif^r^ iann f^eigen: 
an Mffem Zog; ei( loutbe fröret an^ immer fo t>et> 
ftdubcn, unb bafe e^ an unferer 6telle mir!U(^ biefe 
^ebeiUung ^ai, ^eigt ber B^f^^mmen^ang. äRoyec be« 
merlt ftoat loeiter: fobalb CnfeUni» im folgenben 6a|e 
üon bem ^age fprcdic, au ir>c((^em ba« 5*^ftcn beenbigt 
tOixU, gebcaud^e er richtig bie entfpreii^enbe ^ebekoeife: 
an feinem anbeten Xage (fif^ i^i^) an bem bev 
2luferftei?ung. 2lber gcrabc biefer ©a^ bemeifl ^i\]er\ 
t^n. bemfelben mirb bie gaftenpra^id ber übrigen 
JKnifte gegei^net; biefelbe ttritb inglei^ in 9egenfa| 
ber ^rayi^ bei ^uartobecimaner gtücHt, unb biefer 
6adf?t)er^aU oerbietet bie 5rnna^me, leitete ^aben i^^r 
%a^n nUfyi mit i^tet ^affabfeie? am 14. SRifon abge« 
brod^en, foiibern noä) biiS gum 16. ^Ufan aU bem Zag 
ber Sluferflcbung tortgefe^t. ^enn in biefem ^aU mx 
ia {eine S)iffeven| m ^ebeittnng üovl^anben; in beiben 
Greifen faPete man bann bi« jiimXag ber 2(uferfte(?ung ; 
nur mar biejer mei)ieni& ein t)erf(biebener äBo^^ntag. 



204 



Unb toenn man bofiknbd üon Um etfleu @a| oiUge^t, 
bann betf^^loitibet betSegenfal gerabe^u gau^Hi^. Cufe^ 
biui? foff fogen: bie Slfiatcn bered^nen i^ren gaflenf(i^(u6 
nacb bem 14. ^Hx\an, uub bad (oft ettoad Sefonbeced (em, 
loA^venb bev gleid^e Xag bo<| auii^ ffiv bie tBne^nung 
ber übrigen .Huc^i btn 2luegangöpunft bilbetc. S)er 
Aonte^t entfd^eibet alfo unbebingt gegen bie Deutung. 
S)te gotm tommt ni^t in Betraft. Sie ^MpofiHoii 
xcna toixh nic^t feiten, morauf fc^ou ^ilgenfelb, ^er 
^fd^oflreit ber alten Stixd)c 1860 ©. 287, aufmerffam 
macbte^ gan} einfacb bon ber 3ett gebcaiulbt Sgl SRottl^. 
27, 15; 21®. 16, 25. 

Siber n)ann begann ^iec baS gaften ober mie lange 
bouette ei»? 6id^etli<l^ toA^Tte ei» nur (urse ba 
bad Ofierfaflen bamaU aQent^atben nur über menige 
Xage ftc^ erftredte. Slttem na^ befd^ränfte e3 tüenigs 
üend in ben meifleit ftit^^en, auf ben 14. Stifan. 
p^oniuÄ berid^tet H. 50, 1 üon einem 3tt)eig ber üuarto« 
becimaner feiner Qexi au$brüdlid|^, bag er an einem unb 
bemfelben %a%t fafie unb bie SR^Hetien feiere^ unb H 
ftMTid^t oVe« bafür, bag Med bie urfprünglid^e ^ra^id 
ber üuartobecimaner mar. @ine fürjere S)auer gab esS 
für ba» Oflerfafleit übetl^au))t nii^t, unb bie ftbiiito 
Jotte, roie mir gefe^en, im allgemeinen bie S^enbenj nad> 
Ißerlängerung, nic^t nad^ Slbfür^ung. S)emgema6 iR bie 
eemerhittd bed 3ren&ui», baft bie einen nnv einen Zaq 
fafttit, mo^l l^auptfddl^lid^ auf bie Xfiaten }u bejie^en, 
toenn gleich zugegeben merbeu mui, bag aud|^ einige 
anbete Airdften bamaU bai» gaßen auf einen %a% be« 
fd^rAntten. Sod^ mod^ten einige jürd^en aud^ in Sfien 
bad 3<^fien eikoad früher beginnen, ^ie 3^^^ 



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Xte dnttoidlung M Ofterfaftend. 



205 



ntannicjfaltig oerjd^iebcn, unb liegt Uin ©ruub Dor, 
einige ^erf^ieben^eit ni^i bei beu CluartobecM 
«lanetn antuit^meti. 

n. 

S)ad etüe fuj^eteg^ugnid füv bie OuabrogeiS bietet 
Ullis bie C^Kobe tK>ii 9ltcfta. SHefetbe befKmmt c. ft 

für bie eine ber beibeii ^rot)in5ialft^uoben, XOii^t j&l^rs 
lidb abgebalten loecbeii foQen, bie l^tit nifo tmtaa- 
Qoxoatfjg. 9kan fönnte stoot eiitigetma§eii ameifeln, 
ob bie 2e^axi ri($tii] erhalten fei. 3)ie SBorte, meiere 
|ur ^egcilnbung bed XevmineiK beigefügt koecben, ))af{eii 
ni^t gati) }tt bem t90vattiSge(enbeii. 5Die Opnobe fol 
öor ber üuabiagtc abgehalten tocrben, bamit na6) ^c« 
feitigung aUet geringen @e)innung ©ott eine reine ©obe 
bargebrad^t toecbe. Sbet toatum, lA|t ^ in biefem 
gaHe fragen, üor ber Quabrage$ ? 5!önnte ed ni(!t^t aud^ 
ebenfo gut itnb noö) beffer bei&^n: md^renb ber üua- 
brageiS ? i>ie 2)atbtiiigttiig ber reinen 0abe bejie^t fulft 
bodS) mol^l eber auf bad Zeitige Opfer unb bie jtommunion 
aU bad gafien. (Sd brängt fi(]^ ba^er bie grage auf, 
ob fiatt t$aaaQaKoav^ nidbt }tt fe|en fei funmoow^^ 
nah bie Sermntnng lögt Wä^ um fo el^er toagen, att 
burd^ bie ©^nobe von Slutiod^ien 341 c. 20 aU bie 
3eit ber fraglichen S^nobe koirUid^ bie ^entefofte be» 
Seid^net mirb, na^er^in bie Diette SBo^e berfelben, unb 
biejer Dermin fpätcr überall cijc^eint, luo bie geit ber 
69nobe nö^er augegeben voixh, Slud^ lagt fi6) bemerken, 
baft im anberen %afL bev giDifcbenraum tmiS^tn bet 
^erbftivnobe unb ber grü^ja^r^f^nobe faft ju gering 
ijL (^in 3meifel an bet »icbtigfeit ber :Bedart iji fomit 



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206 



nUH 8<ui§ ttttbegtfinbet. 3nbefftii roOL auf bm 9t* 

benfen in feiner SBetfe befielen, ^iefelbcn ^aben ^ier 
tvenigiiend feine fac^Uc^e ^ebeutung. 5^U Quahiage^ 
iDfarb um biefelbe ^dt ober in ber n&äfi^in %olqt^it fo 
^äufig bezeugt, bafe fie unbebingt bereitiS and) [ui Die 
^eit ber erflen aUgemeiiteii @t^nobe angune^men ifl. 
SttfeUiift treibt De solemn. paseh. 4: mit fiiem Dfitm, 
inbem rvir jur Vorbereitung bie 40tagige Übung auf 
und nehmen, unb c. 5: bie ^eit oor Dflern flärten wir 
UM in m^en tmxö^ 40täq\%t SUfefe (Migne PG 
607. 699). flt^anafiitiS gebeult ber Ostabtage« in 
feineu Ofterbriefen d. 3. 330 an fowte in Encycl. ad 
epiae. ep. 4 unb Apol. ad CooBtaat. 15. S(U meitece 
Beugen mdgen nod^ angereiht metben iS^M bon Seru« 
falem 347 Procatech. 4 ; Catech. IV, 3 ; bie 6^nobe 
iM>n £aobicea um 360 c 49—54; (^t)>l^aniu« um 375 
Btpoa. fid. 21. SXe Sebenlen, »eldbe ber lUnon Y 
»on D^icäa erregt, fönneu ^ienac^ tiollftänbici auf ii^ 
berufen bleiben. 5Die Cluobraged beftanb fi^er berettö 
9ur l^tlt bec S^nobe^ unb eil etl^ebt fii!^ mtt no# bie 
^ge, tt)ie lange fte bamaU fd^on he^tanh ober in meiere 
geit il^r Urfprung fäUt. Uber ^ion^ftud ben ®r. f 264 
ift^ nHe ft^ ttttil bereiti ergabt nii^t inTfid^uge^en. 
SHe tlbung mag ba^er in ber ^riebendperiobe gegen 
(^ube ht& 3. ^al^rl^unbert^ aufgefornmen fein. Vielleid^t 
entßanb fte aber aud^ erft am Slnfang beil 4. 3a^f ^n« 
bectil. Sag fie in bem ftanon Y i9on 9HcAa bereit 
ai& eine befannte Einrichtung ficb barfteQt, httoeift nid^t 
gegen Untere äbinal^me. Sei bem großen Umf<l|Houng^ 
ber in ben Serl^filtniffen ber iHrd^ burd^ Jtonfkintin 
herbeigeführt nmrbe, fouute bie 0leuerung mo^l fo rajc^ 



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Sie fRMdluna bed Oftetfajtenf. 20? 



ftd^ ^täneiUn, bafi bet Sui^btutf ber 6|^iiobe m Xidla 

ft4 begreift. 

Stl^ediu, Origines du colte clir^tien 1889 p. 281» 
ifi geneigt, iiibem et Mt itittet $^tM Stamen ei^atteiie 

6c^rift De vita contemplativa mit Suciu^i (2)te X\)ttai 
^euUi 1879) bem (^nbe M 3. ga^ri^uiibettd iutoeift 
«ab unter ben in gef^^Ubetten Wteten, ben S^eta» 
^peuten, bie etflen ^riftü^en a}iöad^oöcfeIIf(i^aften in 
Sgppten erfennt, bod ^iet c. 4 — 8 ermahnte fiebenojöcj^ettts 
U4^e ga^en getotffermafien ate Sovfbtfe bet ltobtt<(en 
üuabrageiS §u betrauten, fofern, luoiS junä^fl bur$ 
$etionen geübt tDurbe, bie nadj^ einer befonberen ^oQ« 
bmmenl^ fltebten, aflm6^ti(^ unter ben OUhtUoen 
eingefül^rt unb gule^t huxii bie (ir^Iid^en ®efe|e vou 
gef(^rieben morben fei. ^ie ^uffaffung ifl aber ntd^t 
^^oUhi. & foa nidftt betont toei^en^ ba$ bie Un» 
e^t^eit bet frag(i(!bett 64rift nod^ leinedloegiS fefifle^t 
SRaffebieau tjerteibigte in ber Revue de Thistoire des 
religions 1888 mit bea<i^tendtDetten (Stftnben miebec 
bif Xutotf^oft 9(iIoi». Xbet ha» ffiOt l^et in» (Betoi^t, 
baj m(^t ton einem fiebenmoc^cntlid^en ^^^»T^^^f^if^^tt/ 
fonbern t)ielme]^r üon einem immermä^renben gaften bie 
Stebe ifi^ ba9 ^auji^tfAd^li^ nur butd^ ben fiebenten %a% 
unb inäbefonbere baS greubenfeft am 6c^lu§ ber fte= 
beuten SBod^e unterbrod^en mürbe, ^ie ^i^fefe beginut 
|a, ttvenn jenei 9eß uotübet ift^ toiebet bon neue«. 
9ta$ ben Gebeten, ^eigt eiS am @d^Iu6 ber 6d^rtft c. 11, 
siebt fidj^ ein ieber in fein Heiligtum ^urüd, um ficb 
miebetum bet grtool^nten $^ibfo))^ su)un)enben unb 
il^rer Pflege mibmen. 

^ angeführten &lte{ien ^^ugniffe gehören aEe bet 



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208 



Otie^ifd^en ilit^e an. 5Datattl^ bfttfte l^etDorge^en, ba| 
bic Ouabrageä il^ren Urfprung im Orient ^at. 3" ber 
lateinild^en ftitd^e mixh fie §uecil burc^ Slmbroftud De 
Noe 6t arca 18; De Elia et ieioD. 10 ettofil^iit, ettDOil 
fpäter bur^ .gieronpmug unh 5lugu(linu«. iBon bem 
iBiid^of t)on ^ippo ^aben tnit eine Steide üon Sieben 
auf bie Seit. S)et Umßanb f&ttt stDor infofern toeniger 
in« Oetoid^t, aU bic lateinifd&c Sitteratur hinter ber 
grted^ifd^en in ber einf^Uigigen Qdt, in ben Sauren 
825-^76, h€txä(t^i\Ui pMd^f^t Uer immerl^ttt iü 
er (emerlenMett. S)a6 bie St^itobe «on 9H€fia, bie 
etfie 3^wgitt, einen öfumenijd^en ßl^arafter ^)ai, betoeifl 
nid^t etXDa, hai bamaU aud^ f^on bad Slbeablaab bie 
Cinrid^g l^atte. SMeG^nobe Beflanb toenigflenft §ttm 
größten ^eil au§ Orientalen. 95[ud^ legte fie i^ren ^u6- 
fanonei^ bie ^totionenorbnung iu Sntnbe, obkpo^l bie^ 
felbe, »ie in bev X^. Ou.64rift 1886 6. 378—885 
nad^mied, eine (^tgentümltd|^!eit bed Oriente^ m\h bem 
Slbenblanb unbekannt n7ar. 

Seo b. 0r. nennt bie Otiabraged einmol (Serm. 48 
c. 1) eine göttlidfie 2lnorbnung, ^mcimal (Serm. 44 
c. 2; 49 c. 1) eine apoftoUjd^e S^Pi^i^tion, unb bieSluf^ 
faffung ift infotteit tidj^tig, aU fie hai Dflerfajien im 
aflgemeinett betrifft. <DaiSfelbe grünbet [icft, mie fd^on 
XertuQian De ieiunio 2 ^erüorl^ebt, auf bad äBort bed 
4^etrn 15: toetbenSage (ommen, ba t>on 

il^nen (ben Jüngern) bet IBtftutigam tt)irb l^intt)eggenonimfn 
merben, unb bann luerben fiefafteii"; unb ol^iie S^^if^t 
mürbe ed tton Slnfang an geübt, älber koeiter \Ait |tcb 
bail ffiott nid^t iemftl^ten, unb e0 baff um fo meniget 
betont tperben, aU e^ au^ einer ^iit ftammi^ ido bie 



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9ie MiPiAung bei Oflf tfafleni. 209 



OuabYa^ei» ^on fo toeU eingebfirgert toar, baft fte leUl^t 
aU eine bid in bie apoflolifc^e ^eit jutüdge^enbe Übung 
angefallen merben fonnte. ^uf ^ieroupmu^ fann man 
ft^ in btefet iBe^iel^itg nUftt berufett. S)evfelbe fi>vi<j^t 
Ep. 41 e. 2 tool^t 19011 opofloUfd^et XtaMtioit. 9(er er 
ruft fie nid^t fo fajl für bie jQuabrageg als bofür an, 
bag bie tat^oUf^e IKrd^e nur Cine Ouabtaged feiere 
unb ni^t brei, mie Ue SRontoni^en. Seine SBoite 

(äffen barüber feinen 3*i>^if^^- Nos unam quadragesi- 
mam, {(^ceibt er, secundum traditionem apostolorom 
toto nobis orbe oongnio ieinnamos ; iUi ira in anno 
faciant quadragesimas, quasi tres passi sfnt salvatores. 
^i6)t untDa^rf^einlid^ koar bei bcr ^uftafjung aud^ eine 
folfd^e ftberliefentng oon (Sinffnl. ßwax ifl niil^t an» 
annehmen, ba§ ßeo bwrt^ bie Slpoftolifd^en ^ouftitutionen 
irre geführt »urbe, ba ba0 ^JBerf gu feiner ^eit mo^t 
f^on (eftanb, aber bem Uenblanb w>4^ nnbelannt war. 
SBol^I aber (ommt bie lateintfd^e Überfe^ung ber ^ird^en« 
gefc^id^te bed (^ufebiuii^ ^ier in 93etrad^t, in n^etc^er, toxt 
mir gefe^en, aud bem Saßen t>on 40 etunben, Don bem 
3tenftttg rebet, ein 40tögige$ f^aflen gemad^t toar. 

^ie 92euerung ^atte allem nad^ einen biblifd^en 
0rttnb. SHe Ckobrage« foUie ein Slbbilb bed 4Otft0i0en 
^afleng M ^errn fein. Unb »enn bem fo ifi, bann 
bilbet ba« ?faflen ben SluSgangSpunft unb bie ©runb« 
läge ber Einrichtung. bürfte bei^f^alb nid^t fo fe^r 
}tt betonen fein, att ed bnrd^ S)ud^edne in ben Origineo 

du culte chretien p. 232 gefd^tcl;t, roenn Da^fetbc in 
ben erflen ^erid^len nidjit immer befonber)^ i^erDortritt. 
t>ai (Sv^I Don Semfalem indbefonbere bie Onabrageg 

nur aU Qdt be^ ilatec^umeneuunterric^te-^ unb aU ^eii 



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210 SttttV. 

bft £u|e f&t We jldte^urnttten U^eU^mi ober tote Ime^ 
becfl^rt, ba ev j|a «ut ))i>vft6ergel^enb bonwii fpric^t, et* 
flärt fid^ (^inlÄiifllid^ au« feiner 3lufgabe. ®r batte e§ 
in feinen Sorttdgen nuv mit bet Socbeteitung bec Stü^ 
tediumenen §nv Kufnabme in bie ittrd^e )u if^un, ni^t 
mit ber 3)i35iprin ber ©täubigen. d^U^iu^ fpric^t, mie 
toii gefebei^ {(bort fnibet oon bec Quobtoged gan^ oUs 
gemein ob einet Sotbeteitung nnb betWcefe 

ber ©(äubtgen, unb uiiui' ber ^^ce{e ^etfte^t ec {td^er 
ba£ Saften. 

5Die Qnobtage« umfa|te fe^d 8Bod|^en. SHe 

njar aber nic^t überall tiböig bie gleid^e. 3n ber las 
teimf(ben, be^to. römifcben strebe n^ar bie 5!am)0(i^e in 
üe inbegtiffen^ nnb bief etbe ^xat^ befianb na^ 6ottateil 
Ä®. V, 22 in gObrien, ©ried^enlanb unb Sgbpten, na<5 
Sojjomenu^ VII, 19 aud^ tu ^aläfHna. ^ie übrigen 
ititd^en be^ Ottenti^, bon itonfiantino))el bid nacf^ $^0« 
niaien, mie 6o§omemid ben Setei^^ biefet Obfetr>an5 
bef^rcibt, lie|eu bie üuabraged ber 5lam)0(be x^oxan- 
gel^n. S>ie eine IDtbnung n>ttb in bet ftlteten 3^ nod^ 
meiterl^tn be^engt bnnlb Cnfebiuft De solemnit. pasch. 5 
unb burd^ ßttrill t)cn i^iif^^^^"^ / inbem er in ber am 
ilac{amiStag gebaltenen i^atecbefe XVIIi oon ^biefen 
«etfCoffenen 5Cagen betOnobtageiB'' bieftattooö^e 
alfo in bie üuabragci? einbejiebt; bie anbere burdb 
filiuS b. (^r. Horn. XIV in ebriosos 1 (Ed. Bened. II, 
122), i^b^nitti Expos, fid. 21, (S^foflomu« ^m. 
XXX in Gen. c. 1, ben SSerfaffer ber SlpoftoUf^en Ston- 
flituttonen V, 13 unb ^{euboignatiu)^ im $bi(i)>petbtief 
18, d. S)ie gefomle gafienteit umfaßte alfo in einem 
bettäd^Üi^n Xeit U» Orientes^ in JKeinarten unb ben 



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S)ie (Sntioidluag bc« OJterfaftend. 211 



angrenjeubcn Sänbern, fiebcn Söoc^cn, inbem $u ben 
fe^ ttodfte» bevCUiabtoged wd^ bieitattood^ l^infttto«. 
SHe B^^'S^^ Safttage »at aber nid^t größer aU me* 
atgflend in ber tömifc^en Jürd^e. .^ier mar fte, ba an 
bem Coimtage nt^t gef aflet mutbe, 6 x 6 36, bott, 
ba tmOtient att^ bie eamdtage, ber itarfamiStag allem 
aufgenommen, in SBegfall famen, 7 x 5 -f 1 == 36. 
eoffuut USpti^t hdA Setl^AUiiil, ben ttntetf^ieb ber 
«o^en unb bie «leid^^ett ber Sage, in ColL XXI, 27, 
28 unb Dertoeift ^ur ©rflämng ber SSejeiti^nung ber 
36 SfafUttge ald Clitabtaged auf bie bibltf^en eeif)>iele 
m bem 40tögigen Mafien. 

2)ie 3a^( ber 36 gafhage ergab fid^ übrigen« für 
bea Seil bed Oriente^, toeld^er bie fed^il&^enUuj^e 
ObfetDan) l^atte, nur bann, toenn in bemfelben ond^ am 
6amätag gefaftet tpurbe. $)iefe SSorau^Je^ung traf in= 
beffen jebenfalU nid^t lange p. & tourbe im Orient 
balb allenthalben ttli^, am 6amMag ni^t au faflen. 
So^annei^ ßaffxanu« fpri^t lustit. III, 9 in biefcr 33e- 
lie^itng bereite bon einer allgemeinen @itte unb ern^nt 
o. 10 bad SamMagdfafleii nur in bet tdmifd^en unb ^ 
einigen anberen abenblänbifd^en Jürc^en. 2)ie 3lpoflos 
ii{(^en itononei^ verbieten c 66 bad ©om^^gdfo^ 
getabefu unter Snbrol^ung bon 6trafen, unb bei ber . 
3lnerfennung , bie i^nen teil tüurbe, Jjörte badfelbe 
naturgenUift mit ber geit oIUntM^^tt <iuf. ^td^erlid^ 
toat td, WM je nid^t f dl^on früher, jur Beit beiS Xxuttofi 
numS 692 bereite überall im Dften außer S^rauc^, ba 
bie Qpnoht c 65 bie ri^mit^t^e ^irdt^^ unb nur fie, fonft 
nid^t »0^1 iDegen beSfelben tabeln bnnte. 5Die %olqe 
bei: ^ilu^be^nung biefer $rafi^ mar, ha% fid^ bie 3^yi 

14* 

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212 



bec üuabrageftmalfafitage tnnet^lb j|ener Dbfett>att| 
um ffliif t^eminbette. inU Obfemit} f^eiot abet an« 
beretfeits aDmfil^ltd^ felbft bet flebentDO^enttid^en Mafien« 
^eit getpid^eu unb fo bie ©leid^l^eit tpieberl^ergefteHt tpor» 
bell }u feilt Kui( bem Sf^od^brud, mit oeU^em hoA 
XtuDamtm c 66 loeiiii aud^ in atibeter tBesie^ung eine 
(^nl^eit im gaften forbert, bürfte ^erüorge^en, bag bet 
Umf^tvung flegen (Snbe bed 7. Sal^c^unberU fid^ beveiU 
t»oIIaogen ^atte. 

bie itird^e Don SJlaUanb, mie Slmbroflud De 
Elia efe ieinnio 10 ^eigt, am Sami^tag aui| in bet 
Ouabtageg bad Mafien unterließ, f o erl^ebt ftd^ bie ^rage, 
ob fte etma nur 31 t^ofttage ober aber gletd^ einem 
Xeil bed Ociented ein ftebenmö4entli(^ed gaflen DOt 
Oftern ^atte. Crflete Xnnal^me ifl nfaiftt unmöglici^, ba 
einige Äird^en, toie mir atebalb fe^en »erben, in jener 
3eü ein noc^ äiraered %a^n Ratten* ^u6f mbient 
bemerlt au tt)etben, bag Tt^ fftt SRailanb felbft 6tmren 
einer riebenroöd&eutlic^en Ob)eri"»au§ nid^t er^^alten ^^aben. 
S)oc^ bürfte bie anbete ^nnai^m ben Soriug berbienen. 
SHe f{ebento64entUd^ gfaflenaeit Ufit fi<b ivenigfteniK füx 
metterc 5lir<^en im 3lbenblanb uadjmeifen. S)ie6pnobe 
))on Orleond 511 c 24 k)ecorbnet, bag oor £)fiecn nid^t 
eine OuinquageiS, fonbetn eine ünabtoged gel^alten 
toerbe. 2)ie 6^nobe t)on Orleans 541 c. 2 trieberl^olt 
bad Verbot, inbem fie ouc^ k)on einet 6e|aged ^ftiä^t, 
nnb ba fie nodft mettet an ben 6ami8tagen bet Qnabraged 
fafteu gebietet, fo Derrftt fie jugteid^, bafe bie Don 
i^r be(&mpfte Cluinquaged mit ber Untetlaffung M 
Safieni am Samdtag lufammen^ing. 

^ie Steuerung biaug naturgemäß nic^t mit einem 



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Xie (Snttoidlung be« Ofterfaftcn«. 



213 



6d^(age in^ fieben ein. beburftc üielmebr einer 
getDiffeti 3eit, ii» fie {U| einMrgette. 2)a« BeugnU 
bei SMon^flu« (at und gejeigt, wie fc^on bfe Hülbens 
nung bed OflerfafteniS auf bie ganje ^amod^e 6d^tDtengs 
biten begegnete. Um fo toentger ifl §u tmaxttn, ba| 
bie neue unb trfel gtdgete (Srmeitentng ftd^ fofott 0eItttttg 
mf^afft ^aben hjerbe. pr Egypten läßt fld^ bie ©nt* 
ttidlung an bet ^anb bet Ofietbtiefe bei I^L 8bb<tna« 
Rtti eittigetmafien Deffolgen. Sil bie eigentlid^e Mafien« 
|eit erfd^eiut junäd^ft bie ilarmoAc 3m erfreu 53rief 
3. 329 rnicb bie Ouabtagel gac nt(b^ ectoöt^nt unb bet 
Segiim beg l^ettigen %afUn9 auf ben Stontag in bet 
Äartüoc^e angefegt. 3)a bev eierte unb ber fünfte ©rief 
332/333 biefelbe Sierorbnung bieten, Ȋ^renb in ben 
§l9el üOToulgel^enbett Sriefen neben ober nor ber itar** 

lüod^e bereit« auc^ bie Quabiagc^ä eine ©teüe ^at, fo 
lft|t fid^ aud bem erften Briefe nicbt etkoa ((bUegen, 
bot Ue Ottobvagel in flgi^t^ten bamatt noA unbelannt 
getoefen fei. 5Bcl;l aber »errät bie ©rfd^einung, ba6 
man noc^ im @iabium M Übergangen Don ber alten 
Ovbnmtg |tt¥ neuen fl4 befanb. Unb toie el in SBfarl* 
lid^feit mit bem gaffen in ber üuabrage^ ftaub, jeigt 
ber S3rief an ©erapion, ber bem elften gef^brief ange* 
l^ftngt iit unb Don tttbanaflud 340 in 8tom gef^rneben 
tüurbe. 5)er '^ifd^pf t'oii 2^^mut«, ber für biegeit ber 
Slbmefen^eit bed^ifc^ofiS üon ^e^anbrieu mit bec Ober« 
ottffi^t ftbet bie itircb^n Utf^ptM betraut mar, mirb 
barin angetoiefen, ;,ben ©rübern hai 40tögige t^aflen 
iu oerfünbigen unb i^nen bie Übetjeugung üom t^aften 
beiaubringen, bomit ni^t, toenn aOe SBett faflet, mir 
aQein, bie \mx in Egypten leben, wegen 9lid^tfaften« 



214 



»erfpottet werben, Diclmel^t um in biefeu Xageii ber 
greube \)xr\Qtbm\ 3m 19.8rief 346 bto^t Stl^anafiud 
bm Unfolgfamen mit Stix^^tnfixait, inbem er f^reibt: 
„2ßer bii -Beobachtung be2 40tägigett gaflen« gering 
achtet, mer gleidl^fam unbebad^tfam unb unrein ind ^Uec^ 
l^igÜe eintvitt, ber feiert ha» ^ffo^fefi nid^t". X)tts 
c^e^ne, Origines p. 232, maä^t auä) bie iBemerftttig^ 
ba| Slt^anaflud im Anfang t}on ber 3^^^ ber£Uiabr(u 
geil unb ber SB od^e M Safiend, fy^ftter aber bon beut 
gafien ber üuabrage« unb ber 1^1. Dflermod^e rebe. 
3ii ber mir ju Gebote fte^euben Überfejung ber geflbriefe 
t)Oii fiarfoiD 1862 Ui|t fid^ in biefer 9e)iel^ttit(| etnUn« 
terfd^ieb itnb eine Snttoidtung nid^t erbnnen. 2He 
Sßerorbnung lautet l^ier (6.69) j4|on im ^tpeiten 93rief : 
^Sait beginnen boi 40tftg^e gaßen am Idten bed SKonotil 
^l^amenot (9. SRftra); bamad^, toenn mir ba9 Mafien 
ber S^ei^e nad^ abgewartet, beginnen wir bie ^od^e bed 
l^L OÜerfeM am 18. b. äR. $|^armut^i (18. it)>riO, 
nnb menn mir nni erquidft l^aben am 28. beilfetben 
SDlonati^ ^^armut^i (18. Süpril) unb barauf ben 6onntag 
am 24. (19. Xpril) gefeiert, bann reil^en mit biefen 
Xagen bie fieben ffiod^en bed grogen ^ftngftfefieiS an. 

Hn einigen Orten bilbete fid^ aunäd^ft bie ^^^rajisJ, 
nur bie Hälfte ber Ouabrageil )tt faflen, unb amar teiU 
in brei getrennten SBod^en, teitt in ben brei So^^en bor 
Dfleru uad^ einanber. 3)ie Drbnung fommt im 39ereid!;e 
fomol^l ber fed|^toi^^entU(^en aU ber fiebenm()d|^entli<l^n 
Obfefban^ Dor, unb fle erlieft ftd^ aiemli(^ lange, ba 
6ofrate!j unb 6o§omenu« in i^ren itapiteln über bie 
i8ex{d^tebenlj)eit bet tird^licben Oebräuc^e fie ab no<b be» 
^l^enb ermdl^nen. 6o(rateil U|t inMefonbere bie rbmifd^ 



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Sie ^tviiKitiig M Ofterfafletii. 



215 



Mr^e bie bvet SBod^ett i>ot Ofleni faflen. Sa et bei* 

fügt: auiSgenommen 6amdtag unb Sonntag, fo fleUt et 
bie aXitteUuna felb|i in Stoge, ba getobe bie tdmif^e 
jtit^ l^auptfad^Udt» mar, tu toeU^et am Bm^iaq ge« 
faRet tüurbe, mie einige S^it^n fpäter aud? üon il^m be^ 
mettt koitb. 3^ Slngobe jürnmen aiui^ nüi^i bie 
^^omiUen 8eo9 I ftbet bie Qtiobtageg. ^n bet etfleii 
(Senn. 39) erfd?eint fofort ber Einfang ber QuabrageÄ 
^UUi oU bet SUtfang bet gafienaeit Sn bet fel^nten 
(Sann. 48) mitb ha§ %afteu tiot Ofletn oudbtfldli^ aU 
ein gaften t)on 40 ^ageii bc5et^nct, eine 9lebetDei{e, bic 
ftd^ mit einem galten )ooü btei Wi^o^tn obet 18 Xagen 
fUftet f^ki^t pfammentiimt C0 liegt alfo tvol^l itgenb 
ein 3Serfc^tu oor. SSieHeid^t unirbe bas^ gafien in 9lom 
in btei äBo(^en fitengec beoba(btet aU in bet übrigen 
3eit. SieDeid^ tourbe bet Stande einet anbeten obenb« 
länl)iictien Rixö)c aü\ i)ie römi}4>^ übertragen, ^er Um- 
jtonb, bab bie ^emetbing but(i^ (^^ffiobot in bet Histo- 
ria tripartita IX, 38 miebetl^olt tirftb, netlell^t betfeKen 
feine gri)^*'^*'^ ©iaubiüüibigfeit. Q-i ipirb aud) Der ^weifcl^ 
b>{e ^tum üon bem SHic^tfaften am ^omiStag erneuert, 
S)a bie Ottobtogeg fabiS Sod^en umfagte^ fo be« 
gann fie mit bem fed^^ten ober naä) ber anbeten Dbjer- 
Dans ftebenten Sonntag t>ox Dftern, bas gaflen 

ndl^^ mit bem fotgenben 9Rontag. 3n ben Ofietbriefen 
be« 1^1. 2lt^anafiu^ ift ber ^lufang be« gaften^J ftetjj je 
auf ben be^ügUd^en SRontag angefegt, ^ie Drbnung 
mat olgemein. 3n bet Ait^e i9on äRoibinb begebt fte 
no4) ^cutc, ha Da^ gaften bajelbft erft mit SDJontag naä) 
bem erften Sonntag ber üuabraged anf&ngt. St^nlicb 
beginnt in bet griec^Men ftitcbe bte fitenge gafienieit 



216 



nod^ ituU mit bem ß^benten Sonntag vox Dftern, ber 
Kvfumii tijg fv^o^oyw» fo gftuuiiit, meil toon ba bcT 
Oenul iiUftt blog Don gfleif^^ fonbem aud^ i»oii itdfe 

unb 9)ltld^fpeifeu überhaupt außul^ören \)at. S)a6 bie 
Dtbnuttg ebemate aud^ in 9lom beflanb, }eigt (^cegoc 
b. 9r., inbem ev in Horn. XVI in Evang. n. 5 bie Sal^I 
bei' gafttagc ouf 36 befümmt. römi)4)en M^aU 
flingt biefelbc no* ^mie burd^. 3)ie Sefret besS erften 
6onnt09« bet Cluabrageil beginnt mit ben SBotten: 
Sacrifidam quadragesimaliB initii solemuiter immo- 
lamus. 

S>ie Otbnung erlftiett ft^ in bet tömif^en Stvc^t, 
ttrte ha^ angeführte B^^Gnt^ Sregord b. 9t. seigt, h\$ 
um b. 3. 600. Qmx fdjeint bereit« ber Slutor be« Uber 
poniificaüB eine (Enoeitetung bet gaflenteit angefitebt 
)u baben. Setfelbe f^reibt »enigfleni^ bem $apfl %t* 
U^p^om^ bie ^erorbuuug ut septem ebdomadas 
ante pascha ieiunium celebraretur. %>a^ Sotl^aben 

btang obet, loenn eis beflonb^ ni^t but^. IBagegen ttat 

im Saufe M 7. Qa^rbunbertö in ber römifd^en ^\xä)t 
eine meiteve (^ntmidlung ein. S)ad gaften mürbe um 
i9iet Sage DetUngett, bet ibifang auf ben SRittmiHl^ 00t 
bem etilen Sonntag ber Quabraged Dorgerüdft. 
ancttü ber 9leuerung liegt am ^age. S)ie ^a\)i ber 
0afktage bed ^ettn foSte t>oU gemad^t metben. Snfolge 
biefet Cntn>idlung mutben bnnn mo^t au(^ bie 6ttttlon9« 
meflen für bie brei ber Quabrage^ ooraudgebenben Sonn^ 
tage angeotbnet^ fitt bie Sonntage in Septoagenma, in 
Sezagesima, in Qninquagenma. Sie Qdi bet 8otbe« 
reitung auf Dftecn erftrecfte fid^ fo auf neun SQßod^en. 
%>tt Sinfang, bie bii» auf ben äDiittmod^ oor ber 



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%>it d^nttotdlung M Oftecfafteni. 217 

duabrageö, ^^atte inbeffen feine »eitere ©igeutümlidjfelt^ 
att baft getDiffe (Bebete obet (Befänge untetlaffen totttpben^ 
namentßii^ ha^ XDelttfa (Ratramn. G. Graec. opp. IV, 4). 
Äa« Saframentarium ©rtaftanum, ber erfie Beuge ber 
Dies Safttage r>ox bec Quabraged, fv^xt htuiu aucb iene 
btei Sonntage befonbet« auf. Ugt M i^anbfd^tift« 
lic§ biiJ au ben 5lnfang be« 8. ober baö @nbe M 7. 
^al^vi^unbertiS a^irüdüerfolgen unb gef^t tiit^aUUci^, menigs 
ften« in bn ftberliefetten «eßolt^ ni<bt über ba« 7. 3al^t« 
^uubert jurücf. (Stn?a3 [päter pnbet fid^ bie Orbnung 
im Saframentarium ©regorianum, ba« in (einer über» 
lieferten Oejlatt bie rbmif<be Liturgie unter 4^abrian I 
(772—796) reprÄfentiert. grüner fd^Iofe man au« ben 
beiben ^aframentarieu auf ein l^öl^ered Sllter ber Orb- 
nung. WUii ftu|erte fid^ in bem Kalendarium monuale 
II (1881), 91 noö^ neuerbingS in biefem Sinne. 5b$t 
©d?[u6 ifl aber burd^au« unrid^tig. 3)te 6aframentarien 
fteUen bie Liturgie in einem ft>äteren Stabium bar^ att 
burdi i^te Stauten angt^elgt wirb. SMe Ga^e ifl für 
jeben jtüeifeHog, ber nur einigermaßen auf biefem ®es 
biete betoanbert ift. S)ur(i^ S)UibeiSue tourbe in ben Ori- 
gines p. 114—127 bie 3^ ^ beiben 6a(rameutar{en 
aud^ nä^er benimmt, unb fein ©emei« faub tu biefer 
Sbe}ie^ung felbft auf einer 6eite ^nerfennung, auf meU^er 
man feiner aLmSffi^rung in anberer ttiö^tung glaubte ent« 
gegentreten ju foHen. ^robft erflärt in ber 3«itf4nft 
f. fati^. 1891 6. 210 auiSbrüdlidl^, gegen bie ^a^ 
tierung bed (Bregorianum niili^td ein§utoenben au l^aben. 
3n ber 6d^rtft: ^!e ftlteflen r0mi]d^cn Gaframentarien 
unb Orbinei^ 1892, nimmt er auct^ ^^^^ ^iemlid^ meit^ 
gel^enbe f))Atere ^[nberung bed SelafUinum an, unb giebt 



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218 



Sunf, 



er 3U tjerficl^en, bafe bie ©mciterung be« Ofterf aftcn* 
auf 40 ^ge erft na^ ©elafiuS eintrat, ^uf ber aus 
bereu €eUe meint et olbet aOe 0ebete unb Offizien i»ok 
bev Seil^nat^tdoigtl bid jum erften {^aftenfouuta^e, ben 
Drbo allein aufgenommen^ fomit au^ bie Offt^ien für 
bie Sonntage ^eiptuafleflma^ @e|agefima unb £lttitt(|tta« 
geftma uub ffiv ben SRitttood^, Sreitag uub 6omMag 
in ber SOBod^e jQuinquagefima , als 8eflanbteile be^^ ur- 
f ))ningU(|)eu (Belafianum betra^teu au tönneu. SDemnad^ 
gaB es f^on feit OelaHuiS Safttage tu bev SBod^e m 

ber jQuabrage!^. 'Jhir joUcn biejelben Jeiueu ^eftanbteil 
bed Dfterfafteuf gebilbet b^eu, fonberu biebne^^c ein 
Stotioudfafieu, be|to. ein Quatembetfafien gelDefeu fein. 
::}hc^bem fc^ou 2co 1, bcmerft ^robft, ba* früher üb^ 
Udj^e tDöct)entltci|^e 6tationdfaflen in ein t^ierteljä^rigei^ 
betloaubelt l^abe, gel^atten im 4., 7. unb 10. äRonot, 
fei iut Seit beiS ®eIaftuiS ober burc^^ biefen ^ap^ bai 
im §rü(;jal^r ober bor ber üuabragc^ noc^ gebliebene 
@tatioudfafiten |tt einem Quatembet fafien unb bad Offt» 
lim be9 beaügltii^en 6ouna6enbiS bem ber ftMgen Oua» 
temberfonnabenbe gleid^förmig gemad^t morben. S)a« 
Ofierfofilen felbß s^^Ue ^ienadft im 6. So^rl^unbert nodft 
36 Xage. Xber ei gingen i^m bereitil einige tteitece 
gafttage unmittelbar uorauf, unb menn biefe fhcng ge- 
nommen au<i^ einen anbereu (S^arafter Mten unb ni^t 
|ttr Sorbereitung auf bad ^ol^e gefl Meuten^ fo bilbeten 
fte bod) infoferu mit i(;m ein ©an^eio, aU fie eben jeit^ 
li^ mit i^m oecbunben tooretL S)ad Oflerfafien in bem 
fpAteren Umfange mar in ber ^auptfad^e gegeben^ unb 
e« beburfte nur nod^ einer fteinen änberung unb ©r* 
Weiterung, um ooUenb^ ^um ^bfd^lu^ bttugen. 



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S)ie (Snttoidluita bei Oftccfaftcni. 219 



SDü eac^e ift in § 41 6. 191—195 audgefü^rt, unb ba 
bie »ttffafitttm füt bie ünttoid biiig be« Oflnfafien« iti^t 
ol^ne öebeutwng \% fo ift fie «ä^ei prüfen. 

$ro6fi gel^t bam auiS, bag bad äBort Statio in 
bem 0eIaftaimiii mit iiUn S)ihttu>o4 k)ot bet Cluabrageil 
ooiloimiit, toA^nb t€ im f og. Seonianiim gar (eine 6teKe 
^at unb im ©regorianum burd^ 2lngabe ber Äirdj?e er- 
fe^t \% iu toel^et bie $(oa^(fion (Statio) fU^ betoegte, 
tinb n fiiibet boffat txa Slnaeid^en einer tfmqanqi» 
periobc, t>on 2eo I burc^ S^enuaubluiig ber möc^entlid^en 
ga^en in merteljäi^riGe eingeleitet unb je^t burd^ ^ei* 
ffl^mm eineil Dietten DierteljldlftttgeR Xetmini» DoDenbet 
Sur 93eftätigung biene, ba6 ©elafiu« imc^ Ep. 14, 11 
ben elften gafienfonntag gu einem Ctbinatious^tag er^os 
ben ttib bobur«]^ bad bemf elftes DorouiSdel^eiibe gaften am 
^Witlrood^, greitag unb ©om«tag bem beä 4., 7. unb 10. 
SRonatäi gleich gemad^t (labe, ^ie ^orte ber gerta IV : 
Inehoata ieiunia efee.^ loetbe man ni^t aä ein Üenn» 
seichen beft ^fc^etmüttoixi^d (ober be9 Ofierfaftend) er« 
ftäten tooEen, loeil bie ^reitagiSmeffe bed ©eptember^ 
Cluatember mit benfelben Sßorten beginne, tlberbie« 
lonune man auf einem anbeten ffiege ju bem gleid^en 
9iefultate. 6ott>o]^( im ©elafianum aU im ©regoria^ 
num fehlen bie ^Donnerdtag^meffen ber Ouabraged^ unb 
»eil Aregot I an einigen 6am<tttgen bet gfafien^eit megen 
(Srmübuug unb 2llmofengeben feine 3Reffe celebriertc, 
l^aben in bem urfprünglic^ett (Btegorianum aud) bie 6amd$ 
tagimeffen 90t bem etften unb legten gaflenfonntag ge« 
mangelt, ©regor II l^abe biefe ßüdte aufgefüllt, inbem 
er bie S)onneTi$tage mit Wk^\ni aui^ftattete, bie er bem 
Aeiaftanum entUl^nte. S)ai(feibe ftnbe abet auilft ben 



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220 



beiben SamdtagiSmeffen gegenüber fiatt. 6ei bem (o, 
banii fei bie SReffe: Feria aeptima in Qainqtugeniiui 
be0 •elafianum in bem urfprünglid^en gelaftanifd^e« 
6aframentat Dorbanben gemefen, uttb loeil i^t bie 
geda IV unb VI aU Of{i|ieii in ieiunio pnauk staliona 
de^Oren, au<^ biefe. 6ie ttnnen flü^ bei^^oK tinmOgli^ 
auf bell l^iic^ermittrood^ uub beu Anfang bet Ouabvagei^ 
be^ie^en (6. 194). 

2)ie Xttdfä^ntng mag auf bett erflen VM IbefUd^en. 
3)ie Spiac^e lautet fe^r auüer|td^tli(i&. S)ie ©rünbe fielen 
aber baju in umgefe^rtem SSer^ältni^. feiaent (Sifer^ 
mdgliilifl t)iele l6e|laiibteile in beut Oetaüanum aU ttr« 
fprilnglid^ nad^juiüeifeii, f^at $robft einen ^unft über- 
feinen, ben an^ufübren genügt um feine gan|e i)ebu!tion 
|tt iDiberlegen. Seine Seioeiftfft^rttiio toid ben Straftet 
bet fraglid^en ^afittage beflimmen. XHefer ifl aBet na$ 
bem 2Bortlaut ber ©ebete gar nid^t atoeifelbaft. Qn ber 
gveitogdmeffe toetbeii bie gafien audbrüitlicft aU ieinnin 
pasehalia bejeidjinet. j^fl b^enad^ baiS ^aflen ein Oflet« 
fafien, bann bejeicj^nen bie SBorte Inchoata ieiunia in 
ber SRittteod^iSmeffe ben Sinfang biefed gafteni», bann ifl 
ber 9littmo4 ber Kf(|ennitnDo4. Sie 6adbe tmtetliegt 
Qud^ nicbt einem leifeu 3^^^^Üt^I. 2)eStalb braud^en bie 
Slrgumente ^robfts nifS^i einzeln enth&ftet merben. 
6ie tooUen ia fetbfi nur mibevlegen, tood nii^t mibetlegt 
werben !ann, eine offen baliegenbe ^b^^f^d^e. 3^ur jioei 
^ßunüe mögen nod^ fur^ beteudbtet merben. (BelaftiU 
foE bad Officium bei^ ©amdtagd Dor bem erften ^ften« 
fonntag bem bet flbtigen QuatemberfamiStage gtetd^för« 
mig gemad^t b^iben. ^)a^ gelafianifd^e ©aframentar 
seugt aber unbebingt fürd SegenteiL S)ai» Officium jeue» 



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S>tc inttDiAuita bei Ofierfafleiii. 



221 



%a^i& ifi x>on bem ber üuatemberfamiStage t)erf(j^teben. 
SRaii loevglei^e bie Officien in bev Xtiftgabe i^on Stigiie 
PL. t. 74 1066, 1136, 1178, 1189. ®elafiu8 foE 
mit bec ^erorbnimg in Ep. 14, 11 ben Sonnabertb \>ot, 
Mft ben 6otuiabetib na4 bem etjteii Soitiitag ben Oita« 
braged meinen. 9Ran (tmi^t aber ben BoYtlant nnt 
einigermaßen genau an)uiet;eu, um bie Un^altbarfett 
biefer ^Deutung |n erfennen. 9>tt Xag »irb bejetd^net 
aU dies sablmti qnadragesimalis initii, att GamMag 
im Anfang ber {^aftenjeit. ^ad Ouabragefimalfaflen 
begann abet |ur l^tii bed ^apfted (Belafiud mit bem 
evfien Sonntag bet Onabraged, be§to. mit bem folgen« 
ben ajioutag. 35er 6anu3tag im Einfang biefer ^eit tmn 
aljo nur ber nädl^ftfoigenbe {ein, nid^t aber ber ooraud- 
ge^nbe, ba biefer ber duabrageftmalieit nod^ gar nidftt 
angehört. 5^1 e 'Ba6)c ifl tt)ieberum fo fiax aU möglich, 
unb koeun fie trogbem loerfannt mirb, {o ift bad ein ^e- 
mett , bajs bie 5Dobtmente nicf^t mit ber Unbefangenl^eit 
geprüft »urben, o^ne bie ii(^ im ©ebiete ber SBiffeufd^aft 
nic^td erzielen lägt, felbfl toenn nod^ (o \>xd 6(l^arf|inn 
ttttb ftele^rfamfeit aufgemenbet toixb. 

!Die Steuerung ging ^ienad^ oon 8tom au9. ffnea^ 
t)on ^arii (Adv. Graec. 175) filiert fie auc^ audbriicf* 
lid|^ auf bie römifd^e ftird^e inrfid. Sie brang aber balb 
aud^ in n)eitere Jtreife, ^auptfadt^Iid^ infolge ber tBemlll^* 
ungen Äarli8 b. ®r. für bie SSerbreituug beö römifdjfen 
Kitud. S)ie ^rooinaialf^nobe, toeUi^e burct^ ben ütibU 
f^of 9[mo non Salzburg 799 na4 SRiedbad^ berufen^ 
in Sreifing fortgcfe^t unb 800 in ©aljburg beenbigt 
mürbe, toerorbnete in ben an legterem Orte erlaufenen 
Statuten c. 11 : ber SNitttt^od^ t)or Anfang ber QuabrageiS, 



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222 



t)on ben 9tömeru Caput ieiimii genannt, folle feuclid^ 
mit flUottie uiib SReffe nadft ber neuitteii etunbe begaiigeii 
toevben (^efele , ^onaiI{eit«®efd&. 2. %.Jn, 782). 3» 
bem auf ber 6t?nobe toon 6oiffonö 853 \>on Staxl beut 
ftol^Uit eclaffeiten ^itulace ecf<l^eiiit c 8 ber Wtiütooä^ 
Kwv bem Slnfang bet Quobtagei» beteiU aU Oeci^td» 
tetmin. 5lmatatiu5^ Don 9)Jc^ ^be^cugt bic Drbuuug De 
eccles. ofüc. I, 7 im 3. 820. ßtload fpätere Beugen 
fisb ttatramnui» Oonira Graaoonim opponta IV, 4, wtJb 
äneaö t»ou ^^^ariiS Adv. decem obiect. Graec. 175. 3)ie 
STwffajfiuig ^ergenr5t!)erS (^^otiuiS III, 190), alÄ ob bie 
Otbnung iuetfi im gh^onCenteid^ befbtiibeti imb erfl ook 
ba att9 toeitet ftd^ t)erbteitet l^abe, ift nx^t faltbar. Sei 
beu beftimmten ä^i^oniffen, toeU^e für ben frül^eren SBe^ 
ffcanb in bec tömif^en Stixi^ totUegen, fUib bie äBocte 
bei» ^apfleft SUblaud I i»Ott ben deciinie onrnis, loeUbe 
bie ß^rifien in ber DuabrageÄ geben (Resp. ad consulta 
Bulg. e. 9) ni4^t aU fitenge ibigabe äbet bie l^üi^i ber 
Saßtage )u f äffen, ttnb toenn eft je fo fein itnb bie 
\>on ^ergenröt^er angeführten weiteren SBortc: Sunt au- 
tem totius anni decimae diea sex et trigiuia, ^Üolauid 
angel^ören fottten, fo mü§te man annehmen, boft bie Ser« 
gleic^uncj ber üuabragc§ mit bem 51uIq6 gab, 

biefetbe im älteren 6inne i^erfteben unb bie äBeitec^ 
bitbnng auler od^t §tt laffen, loeU^e fie in bet legten 
3eit erfal^ren ^atte. 9io(^ mcnigcr fann S^atramnu« für 
iene 9(uffaffung angerufen werben, ^etfelbe bemerft C. 
Onec opp. IV, 4 mtfl stoeimol: Bonumi sex hebdo* 
madas continenter ante pascha praeter dominieam ie- 
ianant, unb er fügt ba^ ^meitemal noc^ bie 3^^^^ 36 
füx bie gafitage bei. Wx lefen aber anbrerfeiti» in benu 



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^ic «htMcHuMg U§ Oftetfaftf Iii. 288 



feUeH tttüpüü: tarn romana quam oocidentalis eoclesia 
fafle fe(!t;d SBod^en soperadditis qnaifchior diebns hebdo- 

madis septiraae; vel Romani vel Occidentales obct, tt)ie 

et fi^ etUHid fpäter audbnictt, ^masi seu Latini fafien 
40 5Cd0e t»ov OfUm. Sail 4Otdgi0e gafleti loitb otfo 

auä) ben Slömern pgefd^riebcn, iinb jtüar mit fol^er SSe^ 
fhmmttfeit, ba^ ber ^iberfprud^ ni(i{^t fo o^ne meiterei^ 
mit bet CtHäniig ft4 Meiligett lAgt, in ben beifl^Ii^en 
©teilen fei ber Dbferuanj anbercr ^irc^cn, nanuut 
I{<^ ber ftäittif4^en bie 9iebe. @d ifi oielmel^r eine an^ 
bete S6fttttg }tt fu^en^ itnb fte ifi nidftt f^met ftnbem 
Oer ^uiSbtttff Romani tfl in jenen beiben Steden im 
iDeiteten @inne nehmen; bie @ö|e be^iel^en fid^ auf 
hin ittt^en M UbenbUinbei^, toeUj^e nod^ an bet ftlteten 
9ta|i9 non '96 ^aflta^en fefl^ielten. Vn ber ameUen 
©teile ifl bieg aud? fonfl no^ beutlid^. 6ie leitet, nad^s 
bem im notanilgel^enbett eine SÜcij^tfettigung M 4Ot&9i0en 
^afteuB bet Romani toI Ooeidentales gegeben motben 
ift, eine ^Begrünbuug ber 36 gafttage ber Romani ein. 
S)et ^d^btud liegt auf bet Qoi^i, uab bie Romani finb 
qlmiä^ ben Romani Tel Occidental« bet i^otttttdgel^enben 
6telle Diömer Lateiner ober Slbenblönber , luie bemi 
jtpifd^en beiben ©teilen au^ ber ^udbrud Komani vel 
Latini tHMTlommt. 5Det6pta49ebtan<bttittinbemSIMe 
no6) meiterl^in ju Xage. (S^ fei befonberö auf IV, 6 
t>ertDiefen. 

SBte im Sbenblanb fo etfn^ bad Mafien au^ im 
Dtient nod^ eine (Sttoeitetung. ^et tteibenbe 0tunb 
mar o^ne 3tt>eifel berfelbe: man mollte bem gaflenbei* 
ft^iel bed $enn mögli^ft na^ f ommen. Sbet bie Otb* 
mtno, bie flö^ (ilbete, ift eine anbete. 3u ben Ml^erigen 



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224 



fteben gaflentDod^en kourbe eiue ad^U l^in|U9efilgt. 5Die3a^^ 
ber Safttage {Ueg fo auf 41. 9M %afken in bet neuen 

Sßo(!t^e \mx inbeffeu iDcni^^er ftreng aU in ber eiijeiuUcteii 
Ouabraged. aRU(ij^i))eijeti toax^n uod^ etlaubt. 9lut 
ber Aenuft t>on S^fd^ toar mboten. S)er Sonntage 
toeU^er biefe Drbnuug einleitet^ erhielt barum ben Dtamen 
KvQiwar^ mw^uty ipä^reiib ber folgenbe Sonntag, 
i»on toeldftem an ou^ bte SRifabfpeifen mboten finb, 

KvQiconj vrjg vvQotpayov l^eifet. 2)ic gaften^eit umfaßt 
fo aö)t SBod^en. 3^ benfelben tourben aber, ä^nlt^ mie 
im lUenbianb, no(b itoei äBo^en |ut entfernteren Sot« 
beteüung auf Ofletn gebogen. S)te bejügUd^en 6onn« 
tage l^/eigen nad^ ben eoangelifdl^en ^erifopen ber eine, 
ber lel^nte üor Ofiem , KvQimr %aO nimav jcai %av 
g>a^afalaVf ber anbere KvQicoer tov dmkinK 9At ganje 
Seit ber je^n 2Bo(^en erbielt jpäter beii Ükmen Tqul>diov, 
mä^renb bie ^i\X k)on Oflern bid pr Cftat) oon $fing« 
fien nemptoatoQw»^ bet flbrige XeO beil ittrd^enia^reiS 
OxTöwyxo? genannt lüurbe. S)ie ©ntiincfluiig mar, fo= 
loeit [xt bad Ofierfaften betrifft, um bie ä9liUe bed ^. 
SabrbunbertS bereite abgefd^loffen. Unter benSormftrfen, 
mel^e ^^otiu^ gegen bie Slbenbtönber ergebt, befiubet 
[icb aud^ ber, bag biefelben bie erfte ^od^e ber gaften 
bon bem übrigen gafien abtrennen unb fie nod( ium 
©enug Don SRild^ unb Mfe unb anberen Völlereien 

sielten. Sögt. Phot. ep. 13,5. Migne, PG 102, 723. 

{^ergenrötber, $^otiud I, 643. ffiitoUaa I formuttert 
bie SInÜage Ep. 70 ({^arbuin, Conc. Y, 803) nft^er ba^ 
l^in, bag bie ^benblönber nid^t in ad^t SBoc^en üor Oftern 
bed Oenuffei^ oon §kifd|f unb in fieben äBoc^en bed 
nuffe» \>on Mfe unb Ciem fld^ enthalten« t^nli^ tt^t 



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2)te ^uttuidlung M Oftecfaftend. 



225 



Slatramnud IV, 4 bie ©rieben fagcn, quod non ieiune- 
iniis sicut illi octo hebdomadas aute pascha a carniunii 
et Septem hebdomadibiu a casei et oyorom esa mo 
more non cessamut. S)ie iSnMilmq mag fo im Saufe 
be^ 7. ober 8. 3a]^rl^uubertiS üor fid^ gegangen fein, 
^ag bod XruUanum übet ben $uiitt {^metgt, ^ot füt 
eine «ältere 3^tt6eflimmttng nid^td p bebeuten. SMe 69« 
nobe beriH^rt baS Dflerfaftcn überl^aiipt md)\ , obttjol^l 
badfelbe i^tet ^^ü, auö^ mm bie a^te gaßeniood^e 
no$ nidH aufgelommen mt, im gansen Beteilige ber 
gried^ifd^en i^ird^e fidler fd^on eine anbere Drbnung ^atte 
old in ber lateinii^en 

1) 8u bev Vemertimg flaec bai Saften in ber Mnte »on 
9toi(aiib 6. 215 i|l beianfftgen, bei M 9eo»iiiaioIIeiiMt Mit 
SRailatib t».9.1b65 (^cbulii X, 056) ben tinfang berOttobtagei 
fftr bieiNnbeiMiYOliiiit ^at auf ben VMetmittiooib an|e|te, aber 
bie 6tabt aXaitonb nnb bie Zeile ber tDibcefe» »cI4e noib bcn 
anbcoliattiMen WM baben, ton ber Scrorbmtng auinabnu 



15 



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2» 

3ut ®efi^i(l§te bet neueren (iroteftantif^en 2;^eologie 

WScttifiUiitik* 



8pn 9Y0f. Dr. C^Mj 



IV, 

»ei ber 5Dft(fl«attii9 bet CiitmUnitng bctbibltf d^eii 

uub l;iftorifd^cn 3^^eolocjie ge^t ^fl. oon bem 3. 
1835 avi^, meld^ed für bte (^cfenntnU bec biblifd^en ©runb^ 
lagen bei» (B^flentttmiS epo^ema^enb getDOtben fei. S)eim 
in bcmfetbenerfd^ien ha& „ficbenSefu" DonS).gr.6trauS, 
bic Unterfu(3^ung ber ^af^oralbricfc von ^^r. Söaut 
unb bie Sefd^id^te bet alttefiamentlid^eii fteligioit bon 
SB. S^atfc, brei 2öerfe, in »eld^en bic Anfänge bcr 
l^eutigen alt- unb neutefiamentlid^en 6d^rtftforfd^ung be« 
{(bloflen tDOten. Set entfd^eibenbe Untetfdftieb au bet 
frül&eren rationatiflifd^en e^egefc t»on 6emler, fieffing, 
Berber, iSi^l^orn, be SBette, ©d^leiermad^er u. a. einer» 
feitd unb $aulttd anbetetfeitö befielt batin, ba§ an 
6teDe bet blog negatiben fttitif bait pofittoe iBetfUbib« 



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Sttc (8ef(^t<^te Ui ittotefl. Z^eologie. 227 

nid M gef<lfti4tU^ii Utfptuit^ unb bet Oebeutung ber 
ein^elseft neutefiametttli^ett Soften filt Me ®efd^id^te 
bc^ Urd^riPentum« trat unb bie „natflrtid^e" SBimberer-- 
üätung huid) bie Slupfung beö gef^j^i^tlid^a 3ia^aUd 
bet CiNmgeKeii befeitigt toutbe. S>aft evfle gef^al^ bur^ 
bie fritifd&cn Slrbeiten '^anx^ unb ber ooii ilm bireft 
ober inbireft angmgten gorjc^er, bad anbere burd^ bod 
Seben Sefu 6ttau|. SHefer l^t ba0 „Qetbietifl'', 
bie proteflantijci^c ^^cologie auS ber ©ad^gaffe, in unld^e 
fie burd^ SScrleugnuntj ber Söirflid^feit öon eigetUlid^eti 
SSI^betn tco^ bet ttef^j^ul^tlul^leit bet teiltoeif e bon Xugen« 
jeugen (errü^reiibeit Stjäl^tungen geraten mar, befreit 
§u ^aben, inbem er burdj^ {oiijequente ^ur(i|^fü^rung ber 
fyiibm Stxitil bie l^emmenbeti Sotoudfelutigett befeitigte 
ttiib freien Oobeti ffit ein toiffenfd^aftlid^ed Setfiaiibnig 
jd^uf. „S5en ^Begriff be^ Wli^i^ni auf ben ganzen Um= 
fang bet Sebendgefd^iil^te 3efu antumenben, in allen Xei» 
(en betfelben m^t^ifd^e (^jö^lungen obet »enigjleng ^aü^ 
fcl^müdungcn ^crftreut flnbeu^ bied ift ber 6taubpuutt 
bei» Setfaffetd." 

Sie nngel^eute SBitbtng beg Sebeng 3efu fei füt 
©trau6 felbft unerroartet gefommen. ©igciuümlid^er 
glaubte et bie bogmatifd^e äSa^t^^eit feft^olten )u 
fönnen^ obtso^I et bie Oefd^id^te t>teiggab. Set (Bntnb 
lag in feinem ."pcgcliaiii^^mu^ , ber ubtiLjaupi tro^ ber 
Slupjuag bes (^(^rifteutumd in ))^iloio))^i{dj)e ^been ein 
|poftüt>eg (E^tiflentnm )tt legten meinte obet botgab. 
Tiefe Selbfitäuid^ung, meint ^-Pfl. , habe bei Strauß ets 
toad Xragif4ied gehabt, meil er biefelbe mit ber ganzen 
p^ilof op^ifd^ SUd^tung feinet 8eü teilte, alfo ni^t Det« 
föttlic^ bajür i»vianttt)ortUc^ gemacht merben fonnte, tüä^s 

16* 



228 



renb bie fatalen golgcn biefer S^ti^ung fi$ auf i^n 
)>et{5nlt(!^ toxe auf feinen ^n}eiteu entiaben Ipaben. @d 
max bet @ruiibirttiuit hex ^egerfd^en $^tlofo)>l^ie^ ba§ 
bie ffia^ibtit ber Slcligion im logifd^en VetDugtfein Don 
metapl^pfifd^en ^ßerl^äüniffcu befleiße, mobei ba^ mirHid^e 
äBefen betfelben, mie im ®efüi^U' unb äS^iUendoet« 
mögen befielet, gtünbliii^ fiberfel^en iDutbe. „ffHi^i batin 
alfo lag ber ge^>ler üon 6trau&, baji er in ben SBuubcv- 
er^dl^lungen ber ©üangelien 6innbUber ibealer SBa^r? 
l^eüen etbliAe, — hai fte biefed in ber X^ot ftnb, liege 

mit icid^ti^feit au« bem %. ermeifen — , fonbeni 
ber gel^ler lag barin, ba6 er biefe SBal^r^eiten außer« 
balb ber SieUßion fud^te, fiatt in i^r, in metop^^ftfd^en 
Kategorien oon ^obCematifc^em SrfenntniiSmert, fiatt in 
ben ^^atfad^en bed frommen @efii^ls unb fittlid^eu SBiQeni^, 
in toelcf^en bie erlöfenben unb befeligenben SBirbingen 
unferev fteligion toirKid^ Hegen, ^fttte er auf biefe 
fittlicb retigiöfcn äi^a^r^eiten, bie „Sluöfagen beS frommen 
^eiblibemujjtfeind" nadSi ^l,,bi^tx gead^tet, fo glitte 
fU^ aud^ t)on felbfi bad SBettere ergeben, ha% biefetben 
in ber gefd^iid^tlid^cii ^erfon ^c\u uid^t bloß ein sufällig 
geiüd^lteö S3ilb unb ©eifpiel, fonbern i^r fd^öpferifdj>e* 
lUbitb unb ü^ten gefd^id^tiidj^en Ottea))unft ^aben" 

Son ben 9(ntiflrau6en aie^t $fl. nur brei in ^e^ 
trac^t: 91eanber, UUmann, 2Beiffe. Über S^eanber 
foge etraufs treffenb: «,3d^ glaube, ^m, ^ilf meinem 
Unglauben''. UDmann gel^e tiefer: er gebe ^fit6^« 
boUfd^e« ^u, Verlange aber eine ©renje. S)a& ©traufe 
biefed nid^t getl^ian, ba| er feine ilrbeit auf bie blo|e 



1} '^^ileibeier, a. a. 0. 8. 26a 

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flnv <0ef4i4te bec ^roteft. T^eolodte. 229 

IRegatioti bed flbetliefetteti iefd^&tift l^abe, barin fitibe 

UHmann mit 9led^t ben Hauptfehler be^ äöerfe^. Slöeiffc 
koenbe bie allegorifd^e ^unbetetfläning an. ift ge« 
iDig, bafe evfl mit biefet iBetra^tuitdAioeife, Detbunben 
mit ber fd^arfftnnigen Unterführung ber OueHeu mä) 
i^iem Utterarifd^en SSerl^ältniÄ uub Söert, ber rid^tige 
Seg bef(|^titteii mt, auf iDelij^em bie Geologie übet 
bie bloge tiegat{t>e ÄrltÜ Don 6trauB i^inotid ^um pofi^ 
tiöen SBerftänbni^ ber ©Dangelien ju gelangen l^offen burfte. 
5Die toeitete SBetfolgung biefed SS^egei» bur4^ bie «»Xöbiitget 
6d^it(e'' l^at §tt ben (ebeittfamfien Slefttttaten gefül^rt'' 

S3aurg biblifd^e i^ritif rrirb nun eingel^enb befpro^ 
4en. (^r ^abe bad befte, gerecblefte unb gninblüf^te Ut« 
teil über Strang abgegeben, inbent et s^igte, ba| man 
5U einer l^öl^eren ®eiLnf3^eit über bie SÖa^r^eit ber cüau- 
gelif(j^en @ej(^?id^te gelangen tönne, menn man auf ber 
Otunblage ber etraul'fd^en Mti( fein bii^berige» SBiffen 
al9 ein ^^i^ttoiffen anerlenne. Um über bie 92egati)}ität 
be^ '}iefuUatä ^inaudjufommen, müfje bie Äritif ber etjau« 
gelif^n d^ef^id^te sur Uritil ber Soften n>erben^ meU^t 
bie OneHe biefer 0efd^id;te fmb. 3u biefem ^roei m% 
ber (^^;arafter jebe^ einjelnen Süangetiumö genau erfannt, 
bie fcbriftüeaerifd^e S(rt unb Slbftd^t feined Serfaffer« 
unterfncbt nnb fein Serl^filtnid na ben aOgemeinen Seit« 
toerbättniffen feflgefe|t merben. ^iefe Slufgabe lö\U ^aur 
in feiner äirt, inbem er, t>on beu Iparteien in ^orint^ 
aniSgebenb, baiS gan§e Urd^entnm unter ben fi^roffen 
©egenfag be^ ^ii^^"' unb ^eibend^rifientum^ , be0 ^e= 
ttinidmuiS uub ^^auliuidmui^ fteOte. S)arnad|^ mareu für 



1) fL a, 0« 6. 868. 



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bie ))auliiiiict^eA l^riefe, t)oa beneti nur üier atö edf^t an» 
etlaiiiit urntben, tote fftv bie f^no^tif^en (foangelieii unb 

bie 2(poflc[giid;id;te ber Dil in her ©ntfte^uugegefc^id^te 
bet latl^olifc^en Rixd^e angemiejeu. „$on nidjit geringere 
IBebeutttitg fftv bie ftlfttung beiS SetfiAttbniffed beiS tlr» 
d^rtftentum^, al^ ba^ Äuif über ißauluiS, mar bann ferner 
bie^ritU beiS^o^anne^eoangeliumd')." „^a^Sjol^anneifc^e 
Cbangeliittn entl^fitt eine mit bet l^ettfd^en (Bnoftd 
^toax m^t ibentifc^e, aber boc^ na^ Dertoanbte d^rifllidt/e 
®no)iö, eingefleibet in bie gorm einer gefd^id^tUd^en 
^atfteftnng bed Sebent Sefu." 5Diefe Iftnfid^t Dom tnevten 
diMingeßttm, toeld^e aU Smnbtage aDet XenbenaMHI 
gilt, ift nad^ $f(. im ganaen burd^ aQe f))ateten ^ox- 
idim%en nidftt »iberUgt, fonbetn nur immer neu befUU 
tigt tDOtben; fte ift epocbemadt^enb nnb fftt aDe fernere 
©rforfdbung be« Urd^riftentum« grunblegenb. SBeniger 
befriebigt ift über iBaurd Stellung |tt ben f9nop« 
tif^en drängelten, »eil er, im dnlereffe feiner Xenben^s 
!rtttf, bei ber terfel^rten ©rieijbacb'icben $i;pot^efe, nac^ 
koelc^er bad ^^arfueeoangelium ein @;^erptaud SO^ottl^attd 
unb ißutas fein foHte, ftd^ beml^igen bnnte, toft^renb 
bodb fdjim Sßilfe unb $Beif)e bie Uvfprüu9lid)feit be« 
3Warfu« alg ber üuelie bet bciben anbern „flat unb 
unmiberlegli((^'' betniefen iaüta. bei ber X)>oIo« 
Ippfe, bie er im gntetejfe be« 3ubat«mu8 für cc^t l^ielt, 
^^abe 8attr fein fonft fo fc^arfer fritifc^er ^(icf uerfagt. 

3nm »ett>eu» bafftt, baft bie biUifc^e Sttttxl 8aur« 
ni^t ein überttmnbener 6tanb))ttn!t fei, n>ie man in iDeiten 
Steifen bet Ij/eutigen beutfcf^en Xl^eologie fid^ einbilbe. 



1) VfL 0- 0- O. 6. 275. 



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guc (bt\^id9U b€c t»coteft Zoologie. 



231 



miU $f{. ,,bad Urteil cined 3Ranaed, bef{en 6ad^^ 
femttiiid uab Unbefangenl^eit t)oii aUeti anetlaimt »trb", 
leifügett. itavi t>. SBeijfdAet, bet ^ad^folget 
39our8 l^at netnlid^ in einer befannteu ^anjlenebe SBaur 
boctcibigt unb nadb^utDcifen gifu^t, ba| bet dtunbge^s 
banfe gcMMen fei^). StM „ttepd^e eilb", tt)el$e« 
bcr „mürbige 3^iad^f olger" ©aur3 oon SBaur enttoirft, 
»irb t>on ^oKouf beft&tigt. ,,(eine {ol^e $erfön^ 
B^Mt 4Mt auf eine getoedte vnb em^fAnglid^e 3ugeiib 
einen Giubrutf üon einer 5^iefe unb 3}iacfu, Don meld^er 
fid^ boö l^eutige &ef(l^le<l^t {einen SSegriff me^c mad^en 
taim. Iteiii aSunbet, baS Saut vom evflen Saj^rjel^nt 
feiner afabemtf<^en SBirffam!eit an eine 6d^aar toon 
Sd^iUern um itd^ fd^aarte, tDel()^e Derftänbni^üoll in bie 
9i^{hi))feii bed atelfletd traten imb balb butd^ f elblMtu 
bige Söeiterfü^ruug feiner gorfd^ung 2Ritarbeitern 
feinet 2Ber(eg tourben." 

fßon biefen Sd^flbm toetben genannt: 6ttatt§, 
Gb-Seller, Sllb.Sc^ujegler, ^. ^ tau cf, Äl.iRöfttin. 
S)ie beiben legieren l^aben bie ^enbenjfritit mitbetn 
gefnd^t. Itft^Un l^at ^ndbefonbeve bai» SBevbienft, }u« 
erft erfannt ju l^abeu, ba| ^auliniSmug unb Reiben« 
dl^flentum nid^t {o ol^ne to^üm^ ibentifi^iert tperben 



1) 3m ein^nen toei^t 0. felbft bebeittcnb bon Oont ib, 
^ B. iin{i4tli4 bev f ^nouHMen gcoge nnb bcr ttpoIaliMife; abee 
an<9 bieilkgenlftl^e im Us^riftetttiun anedcmit er tti4t in gleiiter 
e^rofneit. fibev boi Unltqientnm bgl. ba» o9»oMf4e S^t- 
ofler bet ((rifltt^en IKtite. gveib* SRotr 1886. S>a)tt. biefe 
8ctt{(^rift 1887 6. 482 ff. Untei^effen ift eine iMeiU fCnflage 
(1CK92) erf (Lienen. S)f efe ent^iUt im einielnenoiele Oerbeffetungen, 
ober im mefctttlic^en gleich geblieben, wtt^Ob idft ben Sefer 
auf iene Sn^eige immdfen fann. 



Li^i j^L Geogle 



232 



bürfen". Ta^ ^eibcntum l^abe fogar bie ^nä)t M ©e-- 
fe^ed nötiget ^e^abt, fo bag bie Aneignung ber bogma« 
tif^eii 9efe|e«« uitb Sted^tfettiguiiddlel^te be« $au(u9 
praftifd^ unmöpli^ f^cii^efen fei. '?£flan fül^lte baÄ 9e» 
bürfniiS, ben ibcaten ^auliaidmud aac^ 6eiten ber realen 
6üttt4feit bev äBetfe au evgAnaen, unb bied brttdte ft^ 
barin au^, ba§ man mit ^aulu^ ben betrug pfammen« 
ftellte über gegen bie ciufeitigen ^arteilofungen ber ^ä- 
rettter ft^ auf bie autoritöt atter ^BipoftA, auf (S^tifU 
felbfi betief. 9lod^ toeitet ging 91. 9lttf(!^(, ber au« 
einem ©d^üler 93aur§ ju einem ©egncr bedfelben mürbe. 
Sbai et bie Stiefe 1 $etri unb Salobi gegen ben Saut'» 
f^^en SualidmuiS vettoenbete, 6e§ei$net $ft. attfine but^ 
ben forcierten 2öibery^ru(f) gec]eu 33aur tjeronlaftte 33cv-- 
leugnund bed gefc^icbUid^en @emif[end, vmi abet bod^ 
eine beted^tigte Aotrettur bet ftberen Zübinger Snfid^t 
barin crfennen, ba6 $Ritfd?( bie entmicfluug jum fatl^o^ 
lifi^en (S^dtißentum niö^t me^t, tote jene, t)om Suben» 
d^üetttum, fonbevn nom ^eiben^rifientum auftgej^en lie|, 
tüetd^e« mit bcm ^auliniSmuö nid^t ju ibentift^iereu fei 
S)et ^ßauliniiSmud ^abe felbft eine neutrale ^aftd mit 
bem Subend^tiflentum gemein gehabt in ben &^ten Don 

©Ott, Gniödii unb ^)ämonen, je(3^3er unb füuftiger 9Belt, 
äBiebertunft ^^tifti, ^uferftetiung unb (^erid^t. M^fL 
nod^ boraut baft gerobe aud^ bie f|)e§iftf<l( pau* 
llnifdjen fiel^ren von 1kx[ü)\nu\Q unb Dtcd^lfcrtiguug il;re 
^ißurael in bet iübifd^en (p^ariimidl^eu) £{^eologie gel^abt 
^aben. 

Sur befferen ©infid&t in bie grünblid^e 5lbfctir ^^itfd^r^ 
üon Söaur ift baS 8. Äapitel ber genannten ^Wonogropfeie 
inütuftit). 9ii ift ttbetfd^tieben: „S)et fbiuO^ mU Idaur 



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iinb ber Übergang t^on alten neuen tl^eologifd^en 
Sttfga^n''. Säur fei betottig in feilte (6t\^UItMon» 
fintftion t^erranitt geiuefen, bag et atoei^enbe Xnfti^teit 
gat nii^t mel^r begreifen oermod^te. „^ie Über^eug^ 
ung von ber abfobtten ObjebiiDitöt feinet @tanb)>ttiifted 
roat ein %M feiner ^erfanlid^fett f eIbfl^ Stttfd^I fd^reibt 
einmal, $aur Ij^abe i^m in einem Briefe ^iemlid^ fpi^^d^ 
Semerbingen über feinen Oefd^madt an mannen Sfld^em 
imb feine nnMtifd^e Xenbena, bie Ctl^t^eit t>on 6<i^nften 
bed ^11. au retten, gemad^t; bieg fiele i^m nic^t ein, 
«ba er bie @ad^en auffaßte, »ie fie fidft g&ben, unb bann 
an ben Ort ßeOte, m fte l^ingel^dren". 2)a§u bemerlt 
5lttf(|)l: „9öa« bod^ fo ein alter .gegelianer für einen 
SCbergtouben an bie ObjiemioUftt feinei» äBiffend ^t". 
^^ie Sfibinger @($ule ifi audeinanbergef allen, unb il^re 
Slnregungen lüerben nur in bem Tla^e 2lnerfennung Oer» 
bienen, aU fie }um <3egen{a(e gegen bad t)on Saur unb 
e^tnegler bargefieDte &9fkm ber d^rifllidQien tlrgefd^id^te 
führen unb aU fie ben Slnbau ber biblifc^en X^eologie 
me^r f(^cbern,. aU ed bisher ge|4)e^en ifl''. 

Unter ben ®egnem tBaurd ang ber pofttiüen S^ule 
iitiuii 'ffi. Zicxid), ©lau, .^ofmann. „53iel be^ 
beutenber aU biefe burc^ bie (^nge i^red (ir^Ud^-bog». 
matifd^en 6tanb))ttnftg gefeffelten Xl^eologen flnb bie ber 
firc^li(^en 3Ritte aiujttjorigcn iilibeiter auf neuteftament: 
lid^em @ebiet, bei tpeld^en aud^ ber Segenfag gegen bie 
Saur'ftl^e jtritil lein fo unbebingter ifi, toie bei ben oben 
©enannten" Obenan ftellt er mit ^ed^t ben um bie 
gefd^idftUi4)e ^e^anbtmtg ber ^. 6d|^rift t^erbienten 9ieu6. 



1) % a. O. 8. 886. 



284 



5Daiiii folgen Sü€^Ut,^lctl, SRangolb, älle^et, 
SB ei 6. SRe^et ift ber einfbifetei^fle unter ben neueren 

(Sjegetcu be^ gemorbcu. Sein Äommcntariuerf 

ffl^vä^VLit fi^ aus burd^ reid^e (üiellei^t überteidt^e) ^ejug= 
nol^nie auf bie Sefcbidftte bet (Siegefe unb but^ pf^VLoU^ 
gifd^e ®enauig!eit bei refatiDev bogmatifd^er Unbefangen- 
i^eit". Unter ben Bearbeitern ber neuen Sluftagen bed 
äBerfd aeicbnet fUf^ befonberd Wkii cm, bet bur4 f^ine 
X^eologie bei» 9t. Z.'d fid^ einen Stamen etmorben bot 
Unter ben fegt uod& tebenben ©d^ülern 33aur§ ftnb 
^ilgenfelb unb ^o(!mor (t 1B92)|U nennen, ^onecfterem 
feieu »o^Iberecbtigte CtmAligungeu an bet Qout'f^en 
X^eologie gemacht moibeu, inbem er ben uic^riiUi(^eu®es 
genfa^ gemilbert, bie gemein)ame ©runblage bei^^aulud 
unb ben Uta^ojieltt anetlannt, ben betedfttigten fUtli^en 
dtealiiSmud bed ^ubeutumd )ur ©eltung gebrad^t unb auf 
bie 5ur Union ^inneigenbe ireuifc^e Stimmung bei ^au^ 
\M aufmetffom gemad^t l^abe. SSoUmat ^e bon ben 
§tt)ei ^auptitttilmem bet Saut'fdM AtitK tbet bail 
SWarfuöetjangelium unb über bie jo^^anneifd^e Slpofal^pfe 
tt^enigßend ben etfteten gninblub )»etbej{ett/ inbem er 
bie Urfptünglid^feit unb gtunblegenbe gefd^id^tlid^e Qe^ 
beutung hc6 ^DiarhiSetoangeliumü au$ xiic^t fteUte. Sluc^ 
barin gibt i^m ^-PfL ^edj^t, bag er in ben e^angeliicben 
dhc^ft^lungen uietfod^ ben f^mboUfd^en Stiegel unb SCuA» 
brudt ber eigenen gefd^id^tlid^en ^rlebniffe unb (Srfabrungen 
ber dl^riftlic^eu ^emeinbe ftnbet. dagegen folge er in 
feinem itommentat sur jol^anneifd^en l()>oCaU^fe ben £6» 
binger l93otatti»fe|ungen M p ben Ifibnflen unb uumbg« 
li(^ften 2)eutuu0en ber apotalpptiic^cii Silber auf bie anti^ 
pauUnifdt^e ^atteipolemit bei» ^iubend^tiftentumi»» 5{)iefeiS 



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9u<^ ^fatttt je^t ald üöUig antiquiert gelten, no^^bem 
biit4^ Söttet bie 3ttfatitmetife(ttti9 b«r X^olal^^fe aui» 

SBeftanbtcilen öon t^erfc^iebenen SSerfaffern unb S^i^^-^i 
uac^gemiefen^ unb fogar feine ^ntftel^ung au^ d^rtftltd^en 
ÜbetavbeituRflen einer üftbif^nOrunbfd^ft burdftSif 4er 
in \)of)ex^ai)x\^mUäfleit erhoben tootben ifl" Xm 
näd^ften an ^ilgenf elb {daliegt fic^ o l ft e n an. r u n o 
Satiet mit feiner Seitgnuna ber (Befd^tc^tlid^Ieit bed 
llt^fientunt^ lann nur dü „bie abfonberlid^fte ©rf^ei» 
nung in ber ®efd>i(j^te ber neueren Äritif" ®rn)ä^;nung 
finben, obtool^t er am beflen )ei0t^ mf^in bie ftonfe<|ttent . 
ber Xenbett^friH! fü^rt Cr Mteb nidftt babei flel^en, 
blofe bie ^iutfaiiung unb ©eftaltung beS 6toffej5 ben 
CoaitgeUften an)uf^eiben, fonbem „tt Vertrieb ben 
rid^tigen 0eftd^tiS))ttntt ber GubjeltiMtAt ber eoangelifc^en 
3lutoren bis ju bem mon^röfen ©ytrem, bafe biefelben 
bie freien ^robnsenten bed ganjen 6toffed fein foEten". 
3tt ber Cnangelienfra^e i{l$. $oIt§maniiber IBort» 
fül^rer ber je^t am trciteften terbretteten Slnftd^t (9Rarfu«= 
^ypoi^eU) geworben. 6eine Einleitung unb ber unter 
feinen Xuf)>i)ien erfd^einenbe ^anblommentor »erben fel^r 
gelobt, mä^renb ber bamit ri^alifierenoe Kommentar ber 
pojitiüen ^^^eologen unter ber Leitung 3ö<JierÄ gar nid^t 
ertDd^nt n>irb. (6Mi^ oirb ncib ^aui^ratbatt 8er» 
fafferberneutefiamentli4en3(itgef(i^ic^terü^meub ermähnt. 



1) S. n. O. 6. 295. tBentaer ttttKrfi^tli^ lautet (iecaber 
bftillrteitOeiftfAileii. 8{o«(bem er biefe minbeftenil nnbewiefencn 
^otbefen «bgelDicfen bemerlt er @. 486: ,,9^ flbriflen bleibt 
c9 babei, baB loir nur Qemnttnnflen anfPellen , nnb iä^ ^Ite et 
fftr (einen Sor^ng, wenn ein 8erfn4 anf biefem Miete {eben 
6a| mit 6i4erbett anf feinen tlrfinama beurteilen vM". 



an beu gcogen ^auptfrageu gana in ben ^intergninb 
gebtftngt. „5Da (am ein neuer SmpuIiS i»ott betfeKen 

©citc, üoii iüelc^er ein 3JIeinc^inatter üorl^er bie gan^c 
^ekoegung ausgegangen mar: mit bem xa\ä) nac^ein* 
nnbet erfolgten Crfii^einen ber SBerle von (E. Stenan 
mib 2). g. 6trau6 über baS fieben 3efu mar biefe 
i^töge aufs neue in ben SSorbergrunb beS öffentti^en 
3ntereffei» gerftdt". etraufe biefei» £eben fflr baS 
ganje SBolf, b. ^. näl^er für bie gebilbete SWännertuelt 
beS beutfi^en S3olEeS gefd^rieben. ^ie ^auptfad&e ijl 
il^m ba^er toentger bie geleierte OueEenfriHt, in »eU^er 
er na^ W fi^ 5u ftrift an Kcaxe» Mn[\ä^t anfd^tiegt, 
al& bie Äritif beS ßeben« Qefu. Slucb t)or ©utfd^eibuug 
aller iener enblofen tritifd^en fragen lönne man menig^ 
flen« üBer bai» 9tegatine inil Steine fommen, ba| in ber 
^perjon unb bem 2ßer! 3^fu nid^ts Übernatürliches, ni^tS 
. non ber ürt getocfen fei, boA nun mit bem Sleigemidftt 
einer nnt)erbrfi(I^Ii($en, blinben (Stauben ^etfd^enben Vu« 
torität auf ber 3)^en|djl;eit liegen bleiben mügte. „llnb 
biefed SlegatiDe, fagt ^trouft, ifi für unferen ni^t blog 
j^ißorifd^en, fiberbaupt nid^t rfldmArtd, fonbem normftrti» 
gericbteten Stued qerabe eine — um nt(^t Jagen bie — 
$aupt{a(i^e''. Über bad $oruik)e fei ^mx uiä^iA 6i(bereS 
au fagen, aber eine Mreijbnung Aber bai» nadft ie|igem 
6tanb ber f^orfcJbung für mal^rfd^einlid^ äu ^altenbe 
müffe erlaubt unb ermünfd^t fein. S)urd^ biefeS ^b- 
red^nuttg^alten, biefei» iSilan^sie^en l^at nadb ^fL 6trau6 
lüieber, mie in feinen frül^ercn Sdjriften, bcv ^iffcnfd^aft 
einen fbrberU(ib^n ^ienfi geleiftet unb fruchtbare ^mpulfe 
gegeben. 5D04 f^i bie äBirtung eine geringere gemefen, 



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Sur @ef(^i(^te b^t ptott\t. X^eplogie. 



237 



loefl man ftd^ \dihm mel^r an Mefe negatitoe itritif 

geiDöl^nt l^atte. 

auf bit beibeti ffierte non Stetutn unb @trau6 ifi 
ein „gattaer Strom Don iSeben-^efu^Sttteratut'' erfolgt, 
ber fteilid^ immer me^r üerflad^te uub üerfaubetc. ^an 
fei nal^e^tt mieber ju bem Stanbpunft ber ootfritifdften 
Spologetif unb l^armonifHI aurüdgefe^rt, teilmetfe fogar 
ber fog. natürlid^cn 2öunbererf(ärung nad) ^4iautu3'-- 
f^em äRufler. beftätigt fic^ hierin bie öfter ^e» 
mad^te Seobacbtung^ baf'ffir bie ortl^obope Slpotogeti! 
bie finulicbcu Seeaalen an ben cüaugeUjc^cu äßuuber: 
9ef<bi4t^n tut »idi^tiger unb koertooUer ^u {ein pflegen 
ab bie tiefinnigfien religidfen Sbeen^ in meldten bie 
Äritif ha^$ 9J?otit? unb bcu ^cru jener (Sr^abiungen et; 
iannte. 6ofern nun alfo mit biefer legten ^Beübung 
bie Sü^fiplin bed ^£ebeni» 3efu'' ibten ftreüstauf DoD« 
enbet 5U ^aben f^eint, bürftc ^ierau^ für bie "Jl^cotogie 
bod gajit ergeben, bag eine miffenfd^aftlid^ gefi^^erte 
Sebett^bef^reibung Sefu bei ber Befdftaffenbeit ber nor« 
^anbcneu üueUen überhaupt nid^t mögCid^ ift" !ßnm 
©c^tufe befprid^t ^fl. noä) bie äöerfe ton Sc^enfet, 
fteim unb SQei^f&der Aber baiS £eben 3efu. S)en 
erflen tabeU er megen feiner fünft(i(^eu ^armonifierung 
unb loiUfürlit^en Deutung bed (^^xxiin^\)i[he^, ben ^toeiten 
toegen feiner OeDortugung bed 9Rati^äui(et>angeliumd, 
ju bem felbfl 16, 16 — 18 gerechnet werbe, unb megen 
ber )Berteibigung ber Sluferfte^ung, ben legten lobt er 
toegen feiner griinbltdl^en Unterfu^ungen ber OueHen^ 
obtDO^l er i^m namentli^ in betreff bed ^oj^annedeoan- 



1) «. a. O. 6. 804. 



288 



geliumd eine ^olb^eit (mit ätettan, ^a(e, aUufe u. a.) 
Domirft. SHefe mittlere ^ofUioti mflffe mit bet t^OOigen 

^rciSf^abe apoftolifdjer ^Se^icl^ungcn jum üicrten (St)ans 
gelium mt>in. 5Dadfelbe jei ein ^robuft beiS ^eQemj^^en 
(SeiM. a|>ofloUfd^e Beitoltet, in met^^em 33. 
tüeiter fortgcjd^iüteu ift, mitb bcuu anä) jelpr gelobt 
©eit^Baur*^ „S^cijientum bet btei erften 3a^r^unberte* 
fei nt^ti» 8effeteiK gefd^rieben lootben ftbet bie SlnfAttge 
ber c^riflli(^en Äird^c at^ bag apoflotifd^e 3€italter aCB.'d, 
be« tpürbigen ^^ad^folgerd auf bem £e^rftul?l ^auf« 
Sttd^ na^bem $fL fein eigenei^ neueM äBetI übet beul 
Urc^riftentum, in meld^em er bie SBaur'f^c ^^eotie üon 
bem ilampf unb Slu^gleid^ gtpifd^en ipaulini«mu3 unb 
Sttbaidmud tDefentUdft mi)bifl|iect ^at, bef^tod^n f^at, 
tMebetl^olt et: „Hbet toetd^eft an^ beten (bet tDiffen« 
(d^aftlt($en e^orfd^ung) ^efultate fein mögen, ha& merbeu 
mit bo<t^ aUe mUeinanbet ni^t mgeffen bütfen, bai 
nnfete gan^e je|ige unb fftnftige ©efd^id^tdmiffenfd^aft 
Dom Ur^tifteutum beruht auf beu bal^nbred^euben unb 
gtunblegenben Seiftungen bed gtogen Xübinget äReißexd 
eaut*. 

Hubert tautet ba§ Urteil ^onurä ^) über 35aut 
unb @ttau6, inbem et bie iBibetfptü(be mit bet @e« 
f$i4^te beil C^ftentumd unb bet ftitdfte mS^t^ei^t 

^Kad) bell tcnbcn,^iü)en Äonfttuftioueii !öaur'<g ^ätte cigcnt= 
U4 bad (^^cifientum teiueu perfönlic^en ©tiftet: kodte 
etH babut4 gemotben^ baft ed {14^ aflmA^Hd^ in ^olge 
jener Xran^aftionen jmifd^en ^etrineru unb ^auliuem 
)}on bem ^ubentum lodioaub. äln ben ^^^etfonen liege 

1) «. a. e. 311. 

2) ^. a. O, 830 n. 



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miiU, meine föawc, fu finb 3Umm, bie 3bee ifi alled. 
tnUit eil ift mtmöglic^, bie (Sef^i^te be» C^fietttitmd 

o^ne bie gragc nad^ bem Mftorifc^eii (Stifter beSfelben 
|tt erlUtoeit (S^nftud ielbec unb nid^t ein ,,$(0^6 ber 
3bee^ ait$ iti^t btefer ober jener X^o^I ift bet Stiftet 
bc§ ^riftentumä, ber Stifter pnäd^fi be^ @lauben§ 
ber ^ofiel, ber im mefentlid^ett einträchtig xoax, meil 
btjoc^ ben Cinbnid befHmmt^ ben feine $erfon in i^ 
gcfamten SelbftbarfteHung auf fie mad^tc. '^aur'ä eytreme 
^^fpot^efcn über3eit unb 53erfaffer ber einzelnen ©d^rif= 
ten umvben r>on feinen ed^lem felbfi betampft etrouft 
^^at in feinem neuen £eben 3cfu anerfannt, ba6 bie 
(gttt{^e]()ung be» (^^^riflentttmiS ol^ne e^rifitud nvä^t erftärt 
toetben lonn. Sfiää^tenb et ed abet nod^ vetmeibet, mit 
Stenan feine Seugnun^ be9 Shtnberd unb bed Übema« 
türlid^en in ber ©rfd^einung Qefu nur auf Sofien be« 
O^altetj» 3eftt obet bet ilpofiel bnt<jft)ttfil^ten^ f o »itb 
et ho^ )u fatalen Jlonfequenjen aud ber Saur'fd^en 
Xcnben5f(5riftftellerci gefü^/rt. ©r toitt je^t ber ah^xd^U 
la^n SHf^ng meit me^t Stoitm att frfil^et i^etfiattet 
bi^en. SKe SRi^t^il btid^t in 6tfitfe unb Meibt nur 
bie 3llternatit)e jtüifd^cu tenbenjiöfer ©rbic^tung ober 
SBobc^t im großen unb ganzen übrig. ift@tratt6 
nid^t mebt mOgli^^, aHeil auf Sb^^enUIbnng ^utfidfu« 
führen, aber aud^ nid^t möglid^, fein 33ilb beg fünbelofcn 
^eilanbd mit ben 6elbftaud[agen ^efu über feine $et« 
fünft itttb feinen Sr(6fetbetuf unter Seugnung aHed 
Übernatürlid^en in ©inflang bringen, ©r oerma^ nd) 
ber meitertreibenben ^Iteruatiüe nicbt ent^ie^en; eut^ 
mebet toat (i^rifiiid (tt>ie SUnan ^u behaupten feinen 
ilnflanb nimmt; ein in gciftlid^cm «god^mut fr^ueluber 



240 



Bd^mämet, ober aber l^obeii jene &MfUM\<i%tn {einem 

innerften 6elbflbetüu6tfein unb ber 3öo^rbeit entfprod^en. 
2)a^er ifl bad ©traufe'fd^e (S(;arafterbilb 3efu einfad^ 
aU ein 3Bibet{)mt4, aU eine (iüorifdfte Unmdalid^IeÜ, 
al« eine logifd^e, fittUd^e unb religiöfc SWonfhofitÄt ju 
i?erwerfen, foferu er i^n atö ©ünbcr tüill gebadet miffen 
unb bod^ jene l^ol(^en ^elbHaudfogen aU aut(entif4^ ans 
etlennen mug. S)ie negative flritif, mit bem Sßotfen- 
bilttler gragmentiften beginnenb, eilt bal^er nun unmibers 
{le^lid^ bem 6<i^lu| i^ted ftreü^loufed 

Sei ber Sefd^id^te ber alttefiamentliii^en iMtil unb 
@fege{e fann ic^ mid^ fürtet fa[)eu, ba ic^ an einem 
anberen Ort bereiti» eine audfül^rlui^e i)ar{iellung ber» 
felben gegeben babe. ^ tver^Ut ftcb burd^auS sufUmmenb 
ju bcn neuefteu X^eorien. @r ge^t oon 55 atfe'g ^ud&: 
i,2)ie äieligion bed 91. na^ ben Ianonif<j^en Süc^em 
entn^idelt" (1836) and, in toeld^em ber Anfang gu einer 
nid^t minber bebcutenben UmtDälpng ber ^nftc^ten über 
bad ü. X. enthalten mar, mie in Strauß' Seben Sefu 
fflr baiS 9L X. 6obann befprid^t er Smalb, Sraf, 
^at^fer, ^ubm, tüeld^e ber neuen Slnfidj^t üon3i5raeU 
äteligiondgeidl^idi^te bie äBege gebahnt l^aben, bid {te i^ren 
„ma^tDoSften SorUmpfer'* an Suliud Sellbaufen 
raub, er felbft bat fid^ über bie ^(Sefd^id^te 3^raeU" 
(1878) tote no<b feiten über ein anbered 9u4 d^f^^^ 
meil il^m bamit bai» brfidenbe 8l&tfel ber attteflamentt 
tid^en 9^eligion^gef^id^te enblid^ in einer bem ^Begriffe 
menf4li(|^er »SnttDidElung'', unter toekbem er fi<^ amb 
alle Reßgiondgefdl^te aKein su beulen t>erma0, ent« 
fpred^enben 2Bei|e o^eUU fcbien. 2)iefe muficr^artc ^Hie^ 
tl^obe 9e{4^idi^tli<b€r goriibung (ei auf bU ti$raelUij(^e 



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ätelidioni^gefcifti^ie erfimaU »on Aueneit ongetDonbt 
tDorben. 6te (abe il^t genaueiS 6ettenfHld in 8atifd 

ÜWetl^obe ber ©rforfd^uug öeg llr^riftentum«. „2öte 
iBaur t)om ^ofiel $aukd oudgegaagen ifl, unb Don 
ben bttt^ ü^n bezeugten o^oMU^en Setl^AItniffeti bie 
barauS ftammenben ®ef^id^tebüd^er oerfte^en fud^te, 
unb oon ba aus erR auf bie älnf&nge bed ^^riftentumd 
oor $aubi4 ttftdfcbUlffe }og^ gan^ ebenfo ge^t Ituenen 
T)on ben erflen fd^riftftellernben ^rop^eten au«, fud^t 
au« ben 5Ser^äUtti{Jen i^>rer ^eit bie barau« ftammenben 
Oef^tc^tdbäi^ §tt bet^e^en unb )u beutteiUn unb ^ie^t 
haxana feine €d^lii{Te auf bie Sorjeit, meiere fo gebadet 
tperben mufe, ba^ fic& barau« bie SBerlj^ältniffe ber pro^ 
y^etifd^en 3eit aU natfttli<be SntkPidlung jener älnf&nge 
etSdten laffen." S)a| eine betattige peMtio principü, 
toeld^c an obigen 2lu«^prud^ $Jtitfd^r^ über ben ■•oeqeliancr 
fbaux eiinnett, auf eine ^onfiruftion ber ©efc^ic^te nad^ 
bem optiorifd^en Oegniff bev i^Snimidlung" l^inaudlduft, 
ift faum ^u tierfennen. 2Bäre bie 6ac^e fo einfach, mie 
behauptet mirb, fo märe ein „fold^er feinere l^iftorif^e 
StnfHnft'' nüjftt fo feiten, bafi fid^ gewdl^nlt^e iBeute ferner 
aud^ nur in biefe 3Öeife ber Unterfuc|?ung öertoidfelter 
^Probleme ^ineinbenfen können. 

9la<j^ ftuenen unb äBeU^oufen txat ber „SUmeifler 
ber Mblifd^en ^orfc^ung unb Urheber ber neuen Oetteg« 
ung" 3fleu6 mit feiner ©efd^id^te ber \). Schriften 21. 
^eroor (1881), ber immerhin ettt)ad oorftd^tiger unb ruhiger 
ifl aU bie anbem. (Eine 3ttfnntmenfaffung ber ^orfd^^^ 
ungen gibt ^Bett^aujeu iiu erften ßeft ber „6fi3,3en iinb 
^Vorarbeiten" (1884). tiefer mti^ Mmt mir bie 
Sumnie beffen |u entl^olten, »orftber bie itrititer ber 



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242 



8leu6'®taf'f(l^ett ^ic^tung emüerflanben finb, unb roaii 
loo^l ftlft f<^oii att bat geftd^erte (^^ebnid bev tteuefleii 
ftitijdjtn Arbeiten betracj^tet merben barf; toai natürlt^ 
mäfi aui^fd^Uegt, bag in ben SDetaiU noc^ üteleiS frag« 
lUft bUibt ttttb bie Knfid^teti ou^ ttiiteir ben ftdtüem 
bicjer $Ric^tung felbft au^einanberge^^eu" ^)te 2Öieber= 
j^olung bei» nun folgenben ^ud^ugd ba\)on müifen toiv 
ttbetgel^en. dt entl^Alt bie befannte Don äKofe0 aus« 
ge^enbe religton^gefd^ic^tlic^e dnttuicfluug o^ne göttlicbe 
Offenbarung in 3öort imb 6cörift. ^a« SDeuteronomium 
fUmmt CM bet geil Sofia« (621), bie $tieftevgefe|» 
gebung tjon @8ra (444), bie gefd^id^tli^en löüc^er ftnb 
unter biefen ®eRd^t§puutteu überarbeitet. S)aÄ Opfer* 
toefen, bad Sflationat^igtum, bad ^tiefiertum am Zern« 
pel ifl 3um teil ein ^eibntfcber ttbetrefl )um fett ein 
SBerf politifd^er ä}^aci^tnationen. Z)te eigentliche nttlid^e 
Religion begann erfi mit bem älnftreten bet ^rop^ten. 
^e Sefd^tftnlung bed ^c^h^ebienM auf S^ntfatem nmt 
bie populäre unb praftifil^e gorm be« prop^ietifc^en HKonos 
t^idmui», abet bet oom (Sefe^gebet (^ofiad) beabfidft« 
tigte 9lebenerfotg biefer SRa^Teget n>av bie Seförbetnng 
bcr ierufalemijcheu ^ierofratie unb bamit »ar ber Steim 
ber {p&teten gefeilteren S)egeneration gegeben, ^ux^ 
bie Chtfü^rung M prieflerti^^en Sefelbud^eg Cdra'g 
tourbe ber ®runb ja bem ^ubentum ber golgejeit gelegt. 

»S)ie grojse Sebeutung ber je^igen altteflamenilid^ 
ftrHif lA^t rt4 nur etmeffen, toenn man biefed neue 8ilb 
ber i^raelitifd^en ®efd^{d[)te mit bem früheren trabitioneUcn 
betglei^. X)ort oon Slnfang bii^ Qnbe eine ätei^ oon 



1) «. 0. o. 6. 32a 



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Mtfeln, toon )>f9<|K>(o§ifd^eii itnb l^ifiotiMeii Unbe^f« 

li<^!eiten: ^ier öUe« begreiflid^, eine Ware unb fonftiger 
@efc^ic^te analoge ^ntiotdlunß , äiif^ere ^ßoU^e'\ä)id^U 
unb famete (defc^idftte bed reliaiftfen IBeioultfeiti« im fleteK 
^hiHoTig unb ftfw^rtarer SBed^felmirfung; §tpar nid^t 
eine geradlinige ebene «Jpeerftrafee aUgemetnen gort* 
fil^tiM, fottbeni ein mft^fameiS SlinQen bet Ziäqn bet 
l^ö^eren ^bee mit ben ttAgen ^Raffen, ein 9iingett, wo 
Sttolge unt> ^Ueberlageti in biamatiid^em ^ed^fel ft^ 
folgen^ abet an(^ biefe nut bapi bienen, bie iBa^it 
felbfl immet teinet avA i^ten onfängtid^en ^üQen ftd^ 
^eraui^bilben 511 laffen. 5Dat eben ift menjc^lic^e ©e^ 
\dMU : ftbetafi munbetbat unb tyoH götttk^et Off enbat^ 
nng, übet nitgenbil t>on SBnnbetn tmtetbtodlen obet in 
uncermittetten Sprüngen ben 3^f<^n^^n^<tng bed @e- 
f^^end abbte^enb'' 

Stt «ielf ad^em 98ibetf)mi(l(; fehlte ei» bet „fü^nen 
Steuerung" nic^t. ^Dft richtet fic^ berjelbe augbrüdlid) 
nnb DieUeid^t nml^ bftet füUfd^meigenb getabe gegen bod, 
BMig und <di bet 9etDinn biefet neuen S^eotie etMMnt: 
ba| au bie 6lefle ber ge^eimni^toollen ffiunber unb Dffe«s 
batungen eine meni4)ii4 begteifiidl^e (^ttokflung gefeit 
ifk". 9to „bogntatifd^en 8otaugfe|ungen'' entfptingenb 
fönne biefet Söiberfpruc^ uicbt für bie (Sefi^ic^te ma6= 
gebenb fein. Stnfl^afte ^eod^tung oetbienen^^bogegen 
fold^e Cinn>fitfe, loeU^e bon geleierten nnb bogmatif^ 
unbefangenen Zennern beö 21. auf ®runb eyafter 
Oueftenfotf^ung erhoben mocben feien, ^fenbeti» bie 
l^etoattagenben 6^let Cwalb'g: 2){Bmann, 6<^rabet 



16* 



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244 



uiU) Sflölbcfe, ferner mt^m, ^eliffd^, 5!ömg, ©trad, 
Qottbiffiii, erebenlamti, Sb^ffel/ iSuttuiil, gfineUr, JNttel 
ti. ö. fommen ^ier in Setrad^t. ^er ^aupteiimanb 
be^iel^t ftd^ auf bie ^ermetfung bed ^rieftergefeged in 
bie no^eiUifibe badfelbe fei Dielme^r in ba9 o^te 
^af)X^). in verlegen. 2He Setteibigung l^aben befonbetiS 
Äa^f er nnb Äuenen geführt, ©rfterer fragt : „2öenn 
bie ^t{|ef(bi(^te emiefen ^ot, ba6 Aefe^e bei» (ilobim« 
bttibed erft pr geit S«ta'i( in« Seben getreten ftnb, 
wenn bie ^^itterärgefc^td^te ei ind fieUt^ bag tai 
fdud^ frfl^ec atten Sd^riftfieDeni unbefannt xm unb e« 
mit auf (Btnnb bet Xnf^auungen d^ed^iett tid^tig «et» 
ftanben merben fann, menn fci^liefeUc^ bie ©prad^gcfc^icbte 
miber i^un äii^illen aeigen mug, bag ed aUe <l^ent6m« 
Itd^Ieiten biefet geit an fid^ ttftgt: Don mob^t ttrfl man 
nod^ aubere tBemcifc enuanen, bafe eS i^jr mirflid? an« 
gebbct? $5id anbere ^nftanaen an bad Xagef^lic^t treten, 
»erben mir befugt fein, mit dU^i bie ^raffdfte ^}fpo* 
t^efc al^ bie am beften begrüiibete unb allein überaflf an%i 
reid^enbe (^tlärung bed ^entateud^^ an§ufe^en". ^ucb 
bie jföerle t)on Gd^ulta unb 8. 6tabe ftebenauf 
biefer JÖorauSfe^ung. 

8ei ber Jlird^en« unb ^ogmengef c^ic^te 
mufi und eigentlidft mel^r bie äRet^obe aU bie »irftidfte 
Seifhtng intereffleren, meil gerabebeut)utage bie Sefd^icbte 
bie 3Kittel jur SSluflöfung ber Äird^enle^re bieten foll. 
SBie eine k)orgeblidi^ ge{<bi(btii4e iBetcadj^tung bed ü. 
unb 91. X. tur Qefeitigung beiS 9Bunber0 unb ber Offen» 
barung geführt \)ai , \o fofl bie n^Wid&tlid^e Unterfud^^ 
ung bec !ir(blicben 2)ogmcnbilbuug ber dntkoertung 
ber S)ogmen fübren. Iföie bef(baffen aber btef e 9t\^UiH^ 



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gttf Okf^i^te bet ptoUft. X^eologie. 245 

httta^nq x% Idnneti tobe and bet attgemeiiteii 9Cuffa{T= 

ung ber S)i§^i^(in entnel^men. 5lird}engc)c^id^tiSfdöreibung 

jeberieft in engeir Seö^felmittund. 9ta4 bem atafi 

unb ber 5lrt feine« etgcncu 33erftänbniffe« bc3 S^riftens 
tumd fie^t ber ^ii^en^^ifionler au4^ bie Sergangen^eit 
ber ftird^e an, Beurtettt er ba0 ^anbeln ber gefd^id^t« 
tid^en ^erfoneii unb baö Söcrbeu bei fird^Iid^en ^nftU 
tuiioMü, 6itten unb £e(iren. .ginmieberum ift batw abec 
oiu^ baft Qerfiditbiiij^ ber Jtird^e ein mUtoirfenber ^at 
lor für bie Silbung ber bogmatifd^en Slnfid&t üoin 2ßefen 
bed (^^rtftentum^^ üon ber ^ebeutung feinet tlbetUefer« 
ungen in Seigre nnb 6itte ber Itird^e. 

^ie rationaliftifd^e ©efc^id^t^fd^reibuiig ber Slufflär« 
ungdperiobe (6 p 1 1 1 1 e r , ^ l a n d) tabelt $fl. entfd^ieben. 
6ie bermod^te fut^ in bie SDenfmeife unb in bie reßgiafen 
3ntereffen unb SBebürfniffe ber SSergangen^jeit uic^t un* 
befangen unb teilne^menb l^ineinjuüerfe^en. ©rfc^einungen 
toie bo« $apßtuni, bie ed^olafikif, bie äRi^fUf finben bor 
^iand'» 9tid^terftu^t ebenfo »enig ®nabe tirfe nor Spitt« 
Ut'^. S)a6 biefe ^inge 511 i^;rer j^üt notmeubige unb 
borum aud^ bered^ttgte ähii^brttdttformen btü religibfen 
Semeingeifle» maren, fann ber fubjeltfüe IBetflanb ber 
Xufllärung nicbt t^erftel^en, barum beurteilt er fie fur^s 
toeg ald bebanemi^merte Sierirrungen, 6(^tt)ftrmereien 
ober aud^ 8etmg. (ti biefem 6tanb|mntt ber 6inn 
für bie objeftiioe 58ernunft in ber ©ef^id^te, für bie 
Sntmidlung bei» 0eiM burd^ oecfd^iebene fbmuitUin»- 
fhifen unb für ha» Siedet frember ^nbibibuen, in »eld^en 
ber ©emeingeifi il^irer 3^^^ Uc^ ^inen einigerma|en hiäf- 
tigen Xtti&brud gegeben ^at. 



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246 



jum (^^riftenlum übergetreten fid& unter bem S)ru(fe ber 
^Uumad^it'iö^in S^teben ^um Stubium bec ^(Kologie 
entf^Ioneii l^te^ um «.eoigen itneg su fü^ven «Ü be» 
gemeinen SBerftanb, ber fic^ \)onx cangen (Zentrum ber 
Sefeu, bem @öttUc^en^ immer mel^r entfernt''. @r l^abe 
etee ti^Hge @4ft|iui9 bet alten (ikfcbubte im IBetRAnb* 
ni^ für baö 3nbit>ibuelle unb ni^t eine bogmatif(^?e 
^ormel für aOe. Dlur gegen eine ^ic^tung i^abe ^. 
feine fon^ttge SDulbfamtett nicbt |u üben Detnuxl^t: gegen 
bie ^egel'fc^e 6d^ule nnb bie Tübinger ftritif. S)aran 
^abe i^n feine ©efü^Ut^/eologie ge^inbert. Dk^e üer« 
»anbt mit fei (afe gettefen. S>ie unbefhettbaxe 
Unparteili^feit beiS UtteitiB fei ein Sor^ug m ^afe'd 
51tir(i^engefctict;te, ber um fo (^öl^er fdjägeu fei, je feU 
tenet man i^n in „unfeter X^eologie'' finbe. itt ^abe 
Don ber XüMnger ftritit gelernt 2)a| er i^ aber ni^^t 
uiibebingt gefolgt fei, toiuic i\)m nur ,^um ^obc gereichen 
S)ab {ein günfiiged Urteil aucb auf ^aje'd $i>lemt{ 
auftbel^nt, f^ri^t gerabe niil^t für bie Un|)arteilkb(eit 
bt'öielben. $)enn bafe in bcrfe(beu giicd^t gegen bie 
fat^oitj^e iiird^e wax, aber Uiber feine ^miberung^ 
fonbem grbbfte Oeleibigung erntete, fann bo4 nur ber« 
jenige fagen, mel(^er ganj auf bem ©tanbpunfte $afe'« 



1) «. 0. D. ®. 352. 

2) S)ociter, a. a. 0. @. 865 bemerft, einzelne beftimmen bo* 
3iel ber ÖJcjc^ic^tc cinjcitig fonfcltioneü lut^erijc^ ^-ö. ©ueride, 
Sinbner, Äurft) , anbcrc nehmen eine pt)iIo)op^ijd)e ^bee ot« ben 
HWöBftQt' M 3rortf(^rittÄ on O^aur) , bod) ^obe bie SKet)r,^Q^I 
(92eanbei, (S)ie{eler, ^afe, ^d^Uiecmac^ec unb ^Jtiebner, diiüUt, 



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8ttf 9k\6t\dfU bet ptottlft, Xfeotoote. 



847 



5Dai» Urteil übet bie SBebeutung iBaut'« für bie 

(Sefd^id^te Vinnen miv naci^ bem gnil^ereti leicbt o^nen. 
„3)a^ bebeutenbfie firc(;engef^id&tlic()e äBerf biefe^ Sab!* 
(«nbevt« ifl ha» Don (S^r. Saut, feine le(^te grobe 
Xrfteit unb bie rciffte ^ntd^t feiner itmfaffenben toiifen« 
fd^aftlicben gorf(bungeu". 3nbem ^fl. juerfi bie 3]or« 
arbeiten bef)>ricbt, anertennt er »enigftend bie t^eolodü^« 
p^itofopbifd!^^ Befangenheit beiS (Sefd^id^t^fd^reibeviS. Aber 
bie 6^rift: „©egeufafe be« Äat^oli^i^mu^ unb ^rote« 
Hanti^mnd nadft ben $rin}ipien unb ^auptbogmen ber 
(eiben Sel^rbegriffe'^ (1834, 2. X. 1836) bemerlt et: 
ift eine burd? ^iöl;ler^ 6i;mboUf teranlafete ^po- 
ioflie bed ^roteptantidmiuS, freilicb nicbt bed em))irif(ben, 
in ben (it^^lid^en Setenntnijfen auiSgebtfldKen , fonbetn 
eine^ ibealen ^roteftanti^mii^ im @inne ber Sd^leier« 
mac^tr jcben (^(aubeo^le^re uiib ber ^^egerfcben ^eligiond^ 
Pbitofopbi^ mit beten f)>elttlatii>ett Selsten bie litd^lid^en 
Dogmen mit einer getpifjcu naioen Unbefangenl;eit iheniU 
friert merben. ^iefe$ ^inmegfel^en über ben tiefgebeu« 
ben ttnterfil^ieb feinet aBeltanfd^auitng t>on bet ititd^en« 



^ogenbQc^, ^ocobi, fjfncfc, Schaff, fiange) einen freieren ©tonb- 
punft unb einen Dotieren Segriff Don bem S^riftentum unb feinen 
Aufgaben fid) bewahrt, ^egcnfa^ p ben jc^roffen Serttier- 
fungdurteilen ber alteren Qtxt n^iber ben ^at^oli^i^mud unb ba< 
Sl^ittelolter, bejonbere tviber bod ^ierarc^ifc^e ald eine tUudgeburt 
ber ^öOe, bie fic^ bis jur grunbfä^Iicben Siebfofung M Don ber 
tat^olifc^en ßirc^e Semorfenen ober ^ludgefto^eiien oerftieg, ^at 
fid^ me^r bie gef4)i(^tlt(^e ®ere(^tigfeit geltenb gemacht. <B. 868 
Ä. 1 : SÄe^r ncdenb unb reijenb ift ber Ion oon ^afe'S ^olemi! 
auggefoUen , roetc^e , ftott bie ©torfe be* ooUen , pofitioen refor» 
matorijc^en ^rinjipä ^croor^^ufetjren, bo? and) eine irenifc^e Seite 
an fi(^ t)at, fid) )u üiel in ^^ebeiibingen ergel^t, meiere niä^i bem 
ftot^oU^tdmuil nad^ feinem ^ciniip ^ut iöaft faHetu 



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848 



Utftt ifi für Saut be^eicf^AeiU^: ei^ ift tetU hie golge 
feinen guten tl^cLfc^ifd^en SetDiffend, feinet fefienü6et« 
jcugung, auf bem ^obeu beS proteftantifd^en ^rinaipd 
uttb {einet normalen £e^rentmi(fiung }u fielen; teils 
a(er au^ feinet Steigung, bogmatif^e SotfleDungen fu 
ttnmitte(bar, mit ftberfe^uiig ber mirfltc^en Wiot'm beS 
religiöfen ®eifled, im ^inn plj^iU>fo))l^if(ii^er 3been p 
beuten"*). 3^ möd^te bem nur beifftgen, bag 8aut 
burd^ biefe „naim" ^^entifi^ierung fic^ verleiten lie^, 
äßd^let bie {4tt>etften ISockoürfe übet bie angebiicbe 
Slifibeutitng ber ptotefiontif^en Symbole ^u ma^en, fo 
ba6 Wia\)Ux in ha 9iepUf bittet- über ben JoU 
legialen'' Xon ^aur'i^ beflagt. älm ftärtften (et biefe 
einfeitigleit in ben folgenben bogmengefcbi^tH^en 
SBerfen über bie SSerfö^uung unb ^reieinigfeit, fornie 
im Setjrbud^ ber 3)ogmen0ef(|ic^te ^^erDorgetrelen. ^er 
(Befabt bed ^egel'fcben Optimii»mud, bet im ffiitfliiben 
Sernunft finbet, fei 33. ni^t entgongen. „Wlan mirb 
in ber X\)ai fagen löuneu, bag feine ^^efangenl^eit in 
bem SegtiffM^ematidmud bet^egeHd^n $^ilo{op^ie eine 
8cbmä(je feiner ©efd^id^t^fdprcibung mar, tt)e((öe baju 
biente, aud^ ba^ ^a^re unb Xieffinnige feiner 3lufs 
faffung bet (Befdbid^te oU einet atoecbollen Cnttoidlung. 
bed menf^lid^en Seifte« in 6d^atten au fielen unb ben 
priuaipieQen Gegnern mand^e fdi^einbare flögen p 
bieten\ 

Umfome^ rül^^mt $fl. an flaut, ba| er ft(b in 
feinen fpäteren ^af^xnn öon biefem SKangel „merflid^ 
lodgemad^t (at unb )u einet unbefangeneten Xuffaffung 



1) «. 0. O. (3. 356. 



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3ui; i^eic^ic^te bei piolcft. X^eologie. 



249 



be« re(ig{ö(cu unb gefcbic^tüc^cu Sebent fortgefc^^ritten 
ifl". &c ^aU smifc^en Religion unb $^ilofop^ie fpötet 
befümmtet untetf^iebeit itnb ba0 etbmetgetDidftt bet 
erfteren in baö 6iltli(3^e, nid)t me^r in ba^ Qi^^^^^^-'^^^^tte 
gefc|t. 3« bet ®cf4i(^te (?obe er bie ^-Perfönlid^feiten, 
bie frfl^ei l^ititer ber iUgemeiiil^eit bed Segriffd na^e^u 
t?erj(^)n?unben feien, in i^ret Sebetitung aU Präger ber 
3bee unb aU bie fontreten 5Criebfaäfte ber ©efd^ic^te 
me^t luv 0elttttt0 fornmen laffen. 5Diefec gorlf^ntt 
jeige fid? in feinem testen 2Berf, ber Stxt^enqe\6)\6)U, 
bie eben barum bie reifjte m\h gebiegenfte grud^t feine« 
6(^affeiid 0emoTbeit feL gaffung ber Xufgabe, bie 
Urgefd()ic^te M (Sl^riflentttm« in ein^eitHcl^ein Bufammen« 
^ang bar^uftellen, unb ber ^et^obe, ba« (Banie im 
gufammetibatig unb in Sinlf^eit t>m felbÜgeUgteii 
(Bruiib bed ft(!^ §ut Jlird^e geflalteiiben iS^l^rtftentumd ju 
erflären, alle« in ein möglic^ft (?armonifd^ei8 ©itb 
au Detetuigen, ,,tDirb jebenfaUd für alle S^ii müder« 
gütig bletbctt". 3n bev Sui^fü^rung möge wol^I 
manche« toerfel^lt fein, ,,aber im ganzen ift bod^ ber 
etfle tonfequent unb beftiebigenb burcbgeffi^rte Serfud^, 
bie Cntflel^ung bed Cl^flentumi» unb ber Medice ßreng 
g e f i 1 1 i , b. 1^. aU einen im ßwf^^'n'nfnnjirfen 
mannigfad^er menfdj^licf^er Urfacben naturgemäb fi4^ ^oü^ 
}iebenben CntmidRungi^pro^effe« (?) beiS teUgidfen Seifteil 
unferer ©attung, begreiflich ju machen. 5E)a3 ift e«, 
ma^ ^aur'd Aird^engefcf^ic^te, unb §n)ar befonberd ibrem 
erften 8anbe, eine Kafflf^e Sebeutung fflt aOe 
fid^ert" 

1) «. a. O. 6. wa 80l. bagegen mm h 898: „«bei 
eigentlid) fein ^auptnntfnietmen onf bem Miete ber Hinten« 



250 



Seit 9aux fei (eilt bebeuteiibeteft SBed übn bit 

ganje Äird^engefd;icbte erfd^ienen, bie 6pe§ialarbeiten 
tttoäf^mvi, toür^e aber mit führen. 'Jüir auf ein 
neueßeiS bogmengeMülfttttcbe« ffievt loiB ^fU niHlb (in« 
»eifen, toefl e« bic „neue Sflid&tung imferer ^jiftorifc^eti 
%\)CDioQU" in ^etoouagenber ^eife oectrete, uemlic^ 
auf ^atnad'd Sogmengefi^iibte. S)a tvit biefeil in 
protef^antifd^en Greifen t>M befpro<j(ene fflerf frübet in 
biejti ^eüfc^rift angezeigt b^beu, fönnen roxi und auf 
»eilige ätotiaen aud ber Seutteihing $fi'd. befd|^t&ii(eti. 
SRit 8te4t, (agt $fl., toolle ^. ooii ber „eelbflbemegung 
t)ed ^egriffed" uid^W miRen, fonbern er ^eige, ^roie bie 
Segriffe in ben M)>fen ber einfebien Z^eologen fub 
geflalten, mie gar Derfd^iebenortige SRotibe be« Stauben« 
unb ber ^^ilofopbte, bei$ ilultue unb ber ürcblicbeu 
Sitte unb Serfaffung lufammenmirlen unb fti^ (reu|en, 
toie bie gemeinfamen ^ntereffen bunl bie Meinungen 
unb fieibenfcbafteu ^er ein.^duen geförbert ober gebemmt 
Oerben", ^enn er aber mit dU(t^t gegen Säur bie 
)^ragmatifd^ 9let(obe ber ratiimatifUf<l^en 4^ifiori(er aU 
teilipeife nod^ \^enU für uu^i Ic^rieii^ in 6c^ub nebme, 
\o loerbe t>Q^ bieier gortfcbritt nacb einer ^icbtuog burcb 
eine Cinbufte uadb anberer Seite erlauft. ^. nA^ere 
iid) ba iationaliftif(ben (^ejc^id^töfcb^^eibuug auct miebet 
in ber pe{fimi(ti)cbeu -Beurteilung ber ^ogmengefd^icbte, 
bie bail anbere 6|rtrem bilbe p Saur'il etmail a(l§tt 
opttmiftifc^cm ©lauben an bie 33ernunft in ber menfd^- 
lid^u uub fird^lid^en Sefc^ic^te. dr lege einen ber S)og< 

gcfd)id)te i]<''ct)eitcrt ift, roar i^m i^bnnen, bafe ev est mc^t 
me^r aleben bMUi^te, bag man Abec i|)n l)inoeg obe(ani|)m 
Dotbciging". 



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Sur def(^i(^ bet proteft. S^eologte. 251 



menMtbung fremben SRagfialb an. {^ie6 biefer bei bet 

rotionaliftiid^en ©efc^id^tfd^reibung: littlic^e 3ßernunft, fo 
(eiftt et bei ^. ; (S^angeUum 3e(u. 2)et Unterfi^ieb 
fei nid^t fo grog, a(0 man meine. ,,2)enn mad bei ^. 
unb ber tcii i^m ju ©runbe rielegten 9flilfd^r(d^eii ^^eo« 
logie «bad ^oangeUum'' ^eijst^ bad ifi genau befeben, 
bo<$ au4^ eine me^v ibeate ab ^ofttii»e %om, bie ftd^ 
mit feinem fonfreten gefd}icl;t liefen Saturn unmittelbar 
bed^t''. 5Dec Slitfcbl-^arnacflcbe ^tocmalbegciff ift ,,eben« 
fo febt ein ibeatet Begriff, toie bie ^Semnnftreligion" 
bcr SRatioualiftcu ober bie „3bee ber abfoUiten 9'leligion" 
bei ben fpeluktiDen ürttiCern. „^irb nun aber irgenb 
ein Sbealbegriff bed Q^fientumi^, bet aU (Stgebni« au« 
ber ganjen ©ejctidjte be§ (Sbriftentum^ cjeiüonnen ift, 
unmittelbar mit feinem länfang ibentifi^icrt, )o bat bail^ 
)ut $otge, bafi eine Detnflnftige 9tottoenbig!eit feinet ge« 
fc^ic^tlic^^en ßntiüidlmuj uid;t \m\)X 311 be^uifen ift 
biefe alfo nur uocb unter bem pe{fimi(itii(bsn (Sefubtd- 
punft einet S)egenetatiott unb 2)epoten)ietttng, 8ettnelt< 
lic^ung unb 33erberbung bes (S^^rifientum^ fallen fann" 

5&iefe 6cbattenfeite, bie unoerfennbar ben prinzipiellen 
Gtanbpunit bet afU S)ogmen gefc^icbtlid^, abet naii^ Dot* 
gefaxten 3fiormen auflöfenben $)ogmengefc^ic^te fcnn? 
leid^net, lägt ^fl. bann bie ^i^ic^tjeiten beiS ^erfe^ folyjen, 
abet ni4^t p^ne mtebetbolt auf ben «rftbetfc^atfen" &^(Kti* 
ftnn bed l^tftotiferd unb Atttilerd unb bie nicbt feltenen 
SelbfttDiberjprücbe biwjun?etfen. Qndbefonbere ift i^m 
andft bie 9)atfteBung bet 9lefotntationiSaeU f9mpatbif<b- 
Stadlern et ^otnad'd ^pmnud auf bie äBiebett&ufet 



1) fL a. 0. e. 870. 



258 



»iebergegeben ^at^ fügt et bei: «0etDift tveffeiibe Ut« 

teile, bte tok fflr ein erfrewlid^e« Slnjeid^en bafür nel^men, 
hai enblid? bie protcftantijc^e ©efc^id^tefc^^reibung ben fo 
lange fd^ndbe Dertannten Sftättycem bei ftegteuj^en 9U» 
formaHoiKfiTd^e 9txed)ü^Mt toiberfa^ren lu taifett it* 
ginne; e^)e bae flefc^ie(?t, merben mir feine ©efd^id^te 
bec ätefornation unb bed $totefiaiitigmud ^aben, bie 
i^em Segenflanbe getuad^feit mätt" % 

Sonier tonnte int ^a\)xe 1867 no(^ fd^reiben, bag 
im gtofien unb ganien unbef(^abet ber etnflen Jtömpfe 
in etfreuliil^em ttmfang eine eintragt in ben »id^tigfien 
fünften mieber eingefteUt ^abe unb behaupte, ^flad) 
{oldben 9lomtn, mit bie evangelif^^e Kitd^e fie butdl^« 
lebt l^abe, fei bie freie betoulte unb Doflete SHebet« 
»ereintgung mit bem protcftantitc^en ^rinjip ein flarfer 
^ekoetd für feine innete iBece^tiaung unb d^rifUid^e ffloU 
toenbigfeit, bie mit gutem 8eriratten iur Sufttnft bet 
proteftantifd^en Äirt^^e, ju ber fiebenSfraft unb grud^t- 
bacEett i(fced $tin)ipd ecfütten bftrfe. ütoj^bem mir ber 
^^rung Vfletberer'il burd) bod .^Sabi^rint^ ber neueren 
S^^eologie" gefolgt fmb, bi« mir bei ber 33ermerfung 
aller ^^elenntnif{e, aUer S)ogmen, aQer übernatürlid^en 
Offenbarung angebmmen maren^ fo merben loir an biefem 
optimiftifd^en Urteil jmeifeln, guten ®runb ^aben. 
2)er koettau^ größere ^eil ift nur in ber ^Jiegation einig. 
Sa0 b09matif<^e C^rifientum gilt in meiten Jtreifen aU 
abget^an. ^ie aSe^ ©rnfteS aufgeworfene $rage: 
«©rau(^en mir ein neue« $)ogma?" gibt nur ber Sorge 
t>ieler i^udbrutf, n>ie fid|^ ber Xl^eologe unb ber (Blftubtge 



1) «. a. O. 8. 388. 



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im mobetnen Sinne ben ^efenntniffen ber evan^elx^ä^en 
itiTd^e )tt {leEen l^obe. ^^Slaube unb S)ogma'' toecben 
efatanber degenübergefient. 6d tottb felbfi fftv ben Xtfiger 
einefi fird^lic^eu 5lmte^3 für genügeub erad^tet, „wenn er 
ben (Stauben ))on bex t(^eologi[d^en gomulietung tren« 
lenb fi^ bedfelben SlaubeniS miffe, ben bie SthtJ^t el^e^ 
bem in ber 6pra^e i^rer 3^i^ ^»-'i ^l^efenntiii|Kii 
Eiebetgelegt ^abe" ; aU ob man ben (Slauben bec l^irctie 
anbetilDO att in i^ten Setenntniffen flnben fönnte unb 
ber einjetne im 6tanbe märe, 5Rebenfäci^tid^e^ unb Q3(eibeii: 
bed {(|)eiben unb bie (Semeinbe )u {einem Glauben 
|tt belehren! 

(gg bleibt alfo nur ba^ ^IMterialprui^ip be^ ©(anbeut 
fibtig, meld^ed nadj) bem @runbjag £ut(^erd, ba| bie 
^. 6$viften bama^ )tt beuvteiten feien^ ob fte (E^riffatm 
traben, Der biblifc^en Äritit hcn meiteflcn 6pie(raum 
gem&^rt, ober bamit ben ©laubendin^alt met^r iiub me^r 
auf bie teligidfe (Icfa^Yung bed ein§elnen befdfttAntt 
2)ie gegenwärtige Oücjmatil'c^e Slrbeit fotl jroar ent; 
f^eibenb von ber ^neuen religiösen Stellung'' beftimmt 
»erben, toeU^e in ber Slefotmation getoonnen unb in ben 
©efenntniffen bezeugt i)"t, aber bie eigentliche t^eologifcbe 
Slrbeit be« 16. unb 17. ^al^r^uttbertd foU in feinet 
ffieife fftt il^f e Xufgabe met^t görbetung )tt bringen ge« 
efgnet fein, alü bie ber großen £el;rer ber patriftifd^en 
unb f<^olartif(ihen ^eit. SBie aber bie Unteren feit ^ut^er 
in ber )>rotefiantif<(^ett X^eologie geioertet »urben, ifi 
befannt. 6ie ^aben na^ i^r bad ^eibentum in bie 
itir^^e »ieber eingeführt, ^a^er bleibt nicbtd übrig, aU 
ennoeber nad^ Aanl'fd^em Sorbilb aOe ^RitS^as^W^i au 
t)erbannen unb eine et^ifcbe 9ieligion o^ne Dogmen 5u 



fonftruiercn, ober nad^ Sd^leicrmad^er 9Ket^obc bie 
Steligioti in txa Se^et bed SefO^U su t^ttDeifem %>a 
ftd^ ober ber Seift M SRenfc^en gegen eine [old^e XteR« 
nung fttäubt, uub eine tix^U6)e ©emeinfd^aft o^ne 
einidenbe Stomen nidjlt t^ergefleUt unb erbaUen metben 
fann, fo toitb einerfettS bie reCigiöfe Crlentttnil bittd^ 
bie iemeiligeu 9{id)tungen ber ©eifte^tinf^eiifd^atteu be« 
ftimmt, anbetecjeitd bec ®laube an S^tifhid unb bie 
JHtd^e me^r nnb mel^i: etfd^üttevt werben. Sin gvoget 
Oetienfaj jh)if(^en ben ungläubigen ober mobern gläubigen 
Sebilbeten unb ben aum größeren Xeil nodft (BUUtbigen 
bed SoHeiB ifl im ^roteflantifd^en ^Oeutfd^Ianb bereit! 
meit üerbrcitet. ^nc ©cmeinbe glaubt and) in ber Wef^t- 
aufric^tid on ba^ SlpoftoUfum unb an bie @atra« 
mente, ber Pfarrer mufi fld^ enttoeber feine perfftnticlbe 
6ieUung ju benfelbcu irgenbtoie nad^ ber miffenfc^aft-- 
liil^n Über^ugung ^urec^t )u legen fuc^en ober auf bie 
Xnwenbung in ber Siturgie oersiibten, wie bei und bet 
%a\i 6c^rempf neiiefteno gezeigt ^at. ^er Streit um bie 
IBebeutung bed ^oftoUtum, m^l^it gegenwärtig bie 
Xb^otogen unb Saien, boü JUrcbenregiment unb bie 
©Laubigen in Slufregung oeriegt, ^at für ben .giftorifer 
unb ^ogmatifer nid^td ^uffallenbes. (^d ift bie alte 
Antinomie §wif(ben ber freien gorfcbung unb bem 8e« 

fenntnid, .^tpifd)en ber Schrift aU ber norma normans 
unb bem '^efeiintnie aU ber norma uoraiata. ^ie mos 
beme Xb^ologie bat nur ba§tt beigetragen^ ben Oegen« 
faj 3u ttifdjärfen unb ba« lUiüufetfein baoon in meiteren 
itreifen |u wecCen. 



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8. 



Smi Vvof. Dr. IMt. 



5Die M^moires pabli^ par las membres de la 
mimon arch^Iogique fran^ae an Oaire ioo« la di- 

rection de M. ü. Bouriaut bxa6)Un 1892 im en'teu 

^ft bii^ 9. «aabe« atie^ifd^e Orud^Üftde t)on brei 
aften 64tiften^ Hont Sudft |)tnocl^, toont (foangethtm 

unb bct Slpofal^pfe M ^^etni«. ^a« ^enod;fiagment 
iü infofetn i^oa gecingerer ^ebeutung, aU bü @(^rift 
fU^ in einer At^iopifdl^en tttetfelung erl^ielt, ouit bet 
ftc tjurcb 21. ^illmann 1853 beutfc^ ^erau§tje(^eben 
touiht. älber eiS oetmebtt immerhin bad gnecbijct^e 
Ze|!te«matetiat fteMd^Ii^. SHe bi^betigen, ^an«)tfft(I^Hd^ 
i)itvc^ Oeorc^iu^- cvucelluö in feiner S^ronogtap^ie aufs 
bmai^xUn gragmente befcbränten ficb nacb £)iUmaiittd 
Cintettnnt auf 6, 1—9, 4; 8, 4^10, 14; 15, S— 16, 1. 
3€|t erbalten mir ungefä^t bad tjanje erfte günftel ber 
6(buft, bie ^cm>itei 1—32. ^ie beiben anbeten ^tags 
mcnte flnb bagegea faft i^l^flig neu. Son beut fßetmis 
ODongeltem bat fid^ gar nic^td erbalten. $on ber ^ßetru0> 



256 



a)}0la(9^fe liefen too^l einige ^a^mente not, in ben 
©(logen beiS Älemen^ t)on Slleyanbrien imb in ben Apo- 
critica bed äftafaciud äRagned. 2)ie{eU»en ftnb aber 
fel^r unbebeutenb, unb etfl ha» neue8ru<||lfitf bermitteb 
un^ eine nähere ©inftd^t in bie Schrift. 

5Die ^anbii^iift, ber toix bie gragmente t>etbanUn, 
n>tttbe im Siiitev 1886fi7 in einem ö^tifttid^en Stabe 
iu 2lf^mim, bem alten ^anopoti^, in Dberägppten gc= 
funben unb toivb burc^ ben ^ntbecfei unb i^ecauiSgebet 
Sotttiant bem 8.— 12. Sab^bunbett |itge»iefen. 6ie 
umfaßt 33 ^ergamentblätter, 15 Zentimeter i^oc^ unb 
12 breit, ^ie ^etrudfragmeute fte^en @. 2—10 unb 
6. 1S»19, ba« l^eno^fragment 6. 21-^6. S^te 6eiten 
11, 12 unb 20 fiub leer. 6. 1 ent^/ält eine 3*^^<^^ttlAtt0/ 
ein foptifd^ei^ iireu^ baxfteilenb. 

2)ieXej^e »urben in^tDifij^en in benSitungi^betiilb« 
ten ber 33erliner SIfabemte 1892 aufiS neue ebiert, bie 
^etruSftüde burcb 21. ^arnad in 44—46, ba« 
^eno^ftagment bttt(b X. S)iamann in 51—63. S>ie 
^etru^ftürfc würben burd^ ben neuen Herausgeber ju» 
gleich; nä^er befiimmt, n)ätirenb ber erfte mol^l i^ren 
d^aiaftec ertannte, aber ni<bt meitet auf fte einging. 
Um fie jenen Sefem jugänglid^ su macben, meldte bie 
genannten Memoires unb ©i^ungdbericbte nid^t ober nur 
fettet eneid^en, foUen |ie oucb in bie Cliiartalfilftrift 
lufna^me ftnben. — ®i« ber ^btnd biet erfolgen fonnte, 
platten bie ©lüde aUerbing^^ bereit« eine meitere S3er« 
breUung erlangt j^arnadC Ue| feine iUidgabe in ben 
Zeiten unb Unterfuc^ungen §ur @ef(b. ber altibriftl. 
Sitteratur IX, 2 (1893) in ertoeiterter ^eftalt unb mit 
einer beutfcben Überfe^ung erf((^einen. fonfl umrben 



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^agmeiit M yttcitMaiiQetiitml. 257 



inatvif d^en neue Studgaben Detanflattet, burd; 3. 9i. 81 0« 
binjon unb 3)^. ^. 3amed: The Gospel according to 
Peter and the Bevelation of Peter, London 1892; 
bttr<lb ®* 6[u>ete]: The Apocryphal Gospel of 
Peter, London 1892; t>\ix<i) 2ot>&: Evangelii se- 
cundum Petram et Petri Apocaljpseos quae supersunt, 
ParisÜB 1892 Sbenfo etfdbienen ftberfe(ttii0eii in 
üerfc^iebeiieii 6prac^en. ^aiä 5öor^abcn foll aber be^s 
tpegen nic^t unteibleiben. 2)ie SiuiSfü^rutig mirb immer: 
l^in no4^ §abttei<ten ißeferit ermünfcbt fein. IBor ädern 
mögen inbeffen einige ^emerfungen über bie Sd^riften 
folgen. 

L S)ad ^ettudebangelium loirb |uetfi um haü 3. 
200 eriDftbnt ^et Oifc^of Sero^ioit von Sntioöftieit 

tDibmete ibm eine 6(^rift, unb er wath baju burd^ einen 
Biuxi oetanlagt, toel^ec iiö^ übet bad d^oangelium }u 
Stboffud in diticien erbob. flmib bem f^ragment, bad 
(ruji'bub^ VI, 12 baraii» mitteilt, geftaltete er jus 
erft bie j^eftüre bei^ if)m \wö) ni(S)t nä\)ex befannten 
Cbangeliumd. Atö et abet badfelbe U«, Anbette et fein 
Urteil. @r fanb, bag ^toax ha^ meifie bet tt^tigen 
Jbet^re bed Srlöfcr^ entjprecbe, einiget aber l^iu^ugefügt 
(nQoadma%€Üi^dm) fei unb ben SDoCetidmud begünfiige. 
ema« fpdtet la^ Otigene« In Matth. X, 17 (Opp. III, 
462) bOiS ßüangeUum unb jaub in i\)m bie S^otij, ba6 
bie «»tübet'' Sefu ebbne Sofepb^ aud beffen etfiet 
C^e gemefen feien. Z^eobotet H. F. II, 2 ec^äX^U, ba| 

1) ijob^ flob Qudj büS VcnocfjfrafliTient neu t)craih^: Le livre 
d^Henoch, fragmenta grecs decouverts k Aklimiui \^liaut^- 
figypte) publi(?8 avec les Varianten du texte ethiopien, tra- 
duits et annot^B, Paris 1892. 



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258 



^ yUL^atäet es gebrauten. SufebhiS SM. III, 3, 2; 

25, 6 unb ;gieroit)^mu§ Catal. 1 erioäl^nen cd unter ben 
^pohppffziL ^ilgenfelb, Noyam Test, extra ean. 
receptum lY 1876 p. 48; ed. II 1884 p. 39—41. 

^Jkcb ©erapioii teiflete baS ©oangelium bem SDos 
(etidtnud l^ocjdj^ub. (Sin getoiffed SD^ag ))on bofetijc^c 
S)enfi»eife loerrdt au$ unfer ^agment 8. 10 totth 
f)on bem ®efreu5i(^tcn ex^ä\}U, er ^abe Qe]6)Xoie^tn, in» 
bem er feinen 6ct^mec§ empfanb. 6tatt bed illagerufed: 
iRi, (Eli lt. f. to., bett bie lattonifd^en ^iigelieii bieten, 
lefen mir 33. 19; '^eine ^raft, meine Äraft, bu ^afi 
mic^ üerlaffen, load Übrigend nad? ©ufebiud Dem. ey. 
X, 8, 9, iDie ßobd (e. 11) (al^, au« eine blofte £iber< 
fe$unc3:^cigentflml{4IeU fein fann; unb fiatt be9 flßotteS 
unterer ©Dangelien: er gab feinen (Steift auf, ifl beige^ 
ffigt: unb na(bbem er biei» gefagt (Kitte, iourbe er auf« 
genommen. Saft Fragment entfprid|^t atfo in biefer 
SSejiebung bem Urteil, meld^ed Serapion über baS ©Dan- 
gelium f&Ute. entjpridbt bemfelbeu au^ infofem, 
att eft im übrigen einen ort](obi>;en 8tnbtud( ma^t unb 
am ßnbe feine ^ilbfaffiing burd? ^-Jietrud ^iemlic^ benllid^ 
betuubet , inbem biefer ^po(ie( 59 von fu^ in ber 
erflen $erfon ipri^t Beftterer ^bii ifl }mar ni^t 
unbebingl ftc^er. 3n ber Stpoflolifcben SibaMatta treten 
Perfcbiebene ^ilpoftel aU rebenb auf, unb babei ftellt fid^ 
bie 6(bnft olft gemeinfame Arbeit ber Xpoftel bar. 
(Hn Al^nliij^eft Ser^ftltnift fönnte an [\(S) aud) bei bem 
giagment obmalten, pmal ^. 59 junäc^fl alle Slpoftet 
gemeinf()^aftlt(j|^ aU rebenb erfc^einen. Snbeffen begreift 
fUb biefe Sluftbrutfgmeife au<l^ bei ber Slbfaffung bur(( 
einen einzelnen älpoftel, ba biefer mit ben anberen \iä^ 



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gfrogment M ^etrudeüangeliumd. 259 



fttfammenf äffen fontite, unb ha in htm Fragment nitr 
^ßctru« aUein in ber erften $erfon 'ipxid^i, fo ifl ba«« 
felbe mit feinem Flamen in Setbinbung ju fe^en^ fo 
lange ntc^t etma ein meitevet Xe|t ndttgt, t)on i^m ah 
tuge^en. 

3n ben oben ongefil^vten Stellen h)itb bai^ Cban* 
getinm audbtfidltd^ genannt. 50a nunmel^ ein betrft^t«' 

lid^e^ ^luö^^iüd Dorliegt, fo lägt fid^ fein ^ebxauä) nod^ 
tpeitet oetfolgen, unb ben Sta^meid muvbe bereits bon 
Sobd itnb Qamad geliefert. Xad^ S. 2 ifl eiS ^erobeiS, 
nid^t iDie nad^ unferen (^t)angelitnt $iIatuiS, ber ben 
^erm t^erurteiit. ^erfelbe 3ttg finbet {14 in ber Sipo« 
fiolif d^en SHbadfalia, unb er lam in biefe 6d^rtft «er« 
mutUd^ au« bem ^etru^eoangelium. 5)ie ©tette ber 
S)ibad(alia ma^^t f ogar ben Sinbrud, aU ob fle unferem 
Sru^flfid boranqegangen U>ftre. Sie mag bal^er l^iev 
folgen. 6ie lautet nad& bem fprifd^en ^eyt (Xlagarbe 
folgt in feiner grie<|if(l^en SfUßitution me^r bem Snter« 
Potator ober Searbeiter ber Spofi. jtonfUtutionen V, 19): 
„®ö^>renb jener ^eibnifc^e unb einem frembeu SSolfe 
anget^i^rige ^id^ter ißilatud ben SQ^erfen i^rer Ungere^« 
tigfeit nid^t beifUmmte^ fonbem Saffer nal^m unb feine 
^änbe \dn']d) , fprec^cnb: ^ä) bin unfc^ulbig an bem 
eiute btefed ^^anue^ (t)gl. ^^t. 27, 24), antwortete 
bod Soll unb fprad^: Sein 8btt ((omme) über un9 
uiib unfere Ätnber (^t. 27, 2ö), unb ^erobeS befal;l, 
baft er gefteujigt iDüioe". äBenn aber (^ier baS ^etrud« 
etMingelinm bentitt erfd^eint, fo mirb man aud^ bei eini< 
gen weiteren eigentümlichen Sägen, meldte bie £eiöen«* 
gejd^ic^te in ber ^ibadfalia ^at, wenn auc^ {eineSroegd 
bei allen, an jene Onette beuten bftrfen. ^arnail glaubt 

17* 



260 



fibetbie^ etne Steide üon au^ereiMingeUicll^en ^erntiDorteii 

auf jene üueOie jurüdffü^reu ju bürfcn, im ganzen bic 
t>on »e|4 in ben ^xaptfa @. 95, 97, 99, 105, 118, 
129, 847, 896, 404, 407 au« bet S)tbaMalia audgebo« 
benen Stellen. 3^^^ nimmt er für btefen Urfprung 
nur eine ^röjubia an. ^SR. !ann man aber fc^on 
bedloegen nicbt fo meit ge^en, toett mancbe 6teilen, 
n}el(be 9lefd^ aU ^errnmorte anftebt, feinedmegd al9 
fotcbe feftfte^eu. 2)oc^ bleibt bie ©enüßuug beiä ©oans 
geliumd in ber S)ibai^{aUa immerhin f ebr tt)abr|<betnlt<b- 
3)a§ ^ier jetgen üerfud^t toirb, hai SefuiS nacb feinet 
^eisifagung (^t. 12, 40) mirflic^ btei ^ge unb brei 
Si2&(bte in ber (^rbe rul^te, bort aber nicbtd bergleUbcn 
ft^ flnbet, betoeifl nicbt bagegen, mie äxM (6. 24) meint 
S)er2lutor ber '^»ibaSfalia fannte unb benü^te ja jmeifel? 
lod aucb bie tanonii^en (^oangelien. S)er Umftonb be« 
toeifl nur, t>a% 8lef(b in ber Semeffung bed 5DtbaMalta« 
(gtoangelium^ äu iueit ging. 

@in ttjeiterer 2lutor, roeld^cr baö ©üangelium ma^r* 
f(beinU4 benfttte, ifi 3ufUn. 2)erfelbe fpricbt Dial. 106 
gerabeju Don ^Ano^vr^^iovtifActta avrov, b. \}. md) bem 
3ufammenl^ang niigov. S)ie 6teUe n)urbe ^u^ai: oiel- 
fod^ auf bad a]i2ar(ttde!)angellum ober, inbem man wfoO 
in avvcbf^ ftnbette, auf bie Angelten überhaupt gebeutet 
©ie ift aber, mie nunmehr au3 unferem gragment er» 
bettt, mit 0runb oon bem $etrudeüangelium au t>er« 
fteben. Suftin oerrAt n&mli<b tio<l^ eine toeitere 8es 
fauntfi^ajt mir biefem. Apol. I, 35 fc^reibt er: dia- 
avQovreg avrop ixa^usa» inl ßijfimog ital daw u^iw 
lifih. 5Die eteOe betflbrt ftd^ burdftmeg mit 8. 6—7 
bed gragmented, n^ä^ieub bie einzelnen Qü^e, bie [ie 



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Sfragment M ¥etniiet»an0elium9. 261 



enll^ält, In itnfmti (EDangelien feilten, bad im&iaag inl 
ßjj^atog ettüa ausgenommen, baiS Sio^. 19, 13 eine 
^axaXitU ^at, toenn bad IBerbum, entgegen bev bU^et 
getvöl^nlid^en SuMegung, tranfitit) genommen mirb. Dial. 
97 finbet ftc^ meiter bei ber 5Hebe Don ber SSerteilung 
bet i^Ieibec bed $errn bet ^udbrud laxfiov ßallaneg, 
bet ebenfaUd in unferem ^tagment 8. 12 Hebt, lo&^venb 
bie fanouilc^cii ©üangelien unb ^f. 21, 19 aUc x>l/;^ov 
bieten, nur So^anned 19, 24 bancben au6) ha^ ^erbum 
lax!Ofts¥* ApoL I, 50 iuft man , baft aQe Sünget oon 
bem l^eTtn nad^ ber Ateuaigung abfielen, unb hai ftimmt 
ju 33. 26, 27, 59, tüä^renb eö in ben fanonifc^en ©tjan- 
gelten ni^^t fie^t. ^antad Gemutet no^ meitet, ba0 
au4 bie ffiotte t>ott ber Serbinbung be^ ^erobeS, ber 
3ubcn unb M ^ilatuö mit feinen Sotbaten gegen ^c\n^ 
Apol. I, 40 unb bie Semerbtng DiaL 1(^, bag $Uatttd 
3efttd gefeffelt }u ^erobeS f<i^i(fte, auf unfer eoangelium 
jurüdfgel^en. ^odj toiU. er baraiif fein ©emid^t legen, 
Sumal bie geffelung in bem gragment nic^t ftelj^t, fon« 
bem nur für badfetbe attenfaOd p erf^liegen Sie 
erfle Stelle !ann m. (B. aii\ ben {anonijcf^en ^oangelien 
ober auf 4, 27 berufen. 

Semer ift §tt bemerlen, ba§ 25 in einigen (Sitm* 
gelienfd^riften eine ©teile ^at. 3){e ßurcton'fd^e fprifd^e 
tlberfegung bietet au m. 23, 48 nad^ ^dt^gend äBieber^ 
j^erßeHung ((^ngelienfragmente 1885): nd aantg o2 

Ufoms* oiU 13^» %L fiyw»; oAd ^pS» ia6 %w 
a/naQ^tw ^lim, S)er Codex Sangeminoeiims l^at: di- 
centes: Vae nobis, quae facta sunt hodie propter 



S62 Shtnl, 

peeeste notbra; appropinquant enim desolaüo Hiern- 
aalem. ^uä) ©pl^rämS Kommentar §um S)iate{faron 
bmmt in Setradl^t, inbem nadj^ etto&^ituiig bec Set« 
ftnflerung bev 6oniie bemerft toirb: tnno per iatas te- 
nebras eis lucidum fiebat, excidium urbis suae adve- 
niaw (Ed. Moesioger 1876 ft 246). «nblub erinnert 
ber Sujat bei» Cod. Bobbiensifl §tt aRarl. 16, 4 (tRe^ä) 
6. 454), tote ^arnaä 6. 46 ^etoor^ebt, an bie Serfe 
86—40. 

S)a na«! bem Slngeffil^rten ma^rfd^einlid^ ifl, bafi 

3uflin ba^ ©oangeliiim benugte, fo fäHt beffen Urfprung 
Dor bie äRUte bei» 2. äa^r^unbertö« äBie toeit, ifi nid^t 
leidet au befUmmen. 9hiT lotrb mon fiber boS 2. ^a\)u 
l^unbett nid^t l^inau^ge^en bürfen. feine ^etmat 

ift kDO^l &9nen betrad^ten^ auf t>a& bie B^^gniffe 
am meiflen (imDeifen. Ob ei» fflr eine 6efte gefdftrieben 
mntbe, ijl ua4) hm ©ebiauc^ ii^aglid^, beu iuner|;alb 
ber Aird^e fanb. 

Sie ^rage, wie fidb bie 6d^rift %u ben bnonifd^n 
©tjangelien t^er^aUe, erfuhr eine ^iemlid^ üeri'd^iebene 
£öfund. Bobd (e. 15—22) fiubet 3)lar!ui» unb audi^ 
SRattl^dui» benil|t; bagegen tfl e0 il^m §tDeifeI^afi, ob 
ber 3lutor auä) 2\iiai gclefen ^abe, unb iioc^ unroa^r^ 
fd&einlidjer ift if^m eine SBefanntfd&aft mit ^o^anned. 
A^nUdft ^dlt ^arnadt (6. 32—36) eine »elanntfd^aft 
mit 3)krfuS für fidler ober bod^ na^^eju ertüiefen. Slbet 
eine ^b^ängigteit ton ^attl;äuS ift er niä^t geneigt an» 
tttne^men, obtt)obt ber üntor biefem unter allen (Stmn* 
geliften »eitau« ant näd^flen ftel^e; e« fei öielme^r ma^r« 
fc^einli^er, ba6 berjetbe auä bem gleiten 3^eenfrei^ 
fi^lifte^ mie unfer äRattfiftui», unb m biefem nid^t birett. 



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(^raament bei VctcnieiNiitgeriniiii. 263 



fottbetn ^öd^flend fehitibftt, DielMd^t gar nid^t abl^ängig 
fei. S^nlid^ fle^c baig ^er^^ältni« ju ßufa«, unb bad 
Bit^äUniA SU Soi^anned fei tmeifel^aft, ba einige 3^0^ 
eine Xb^fingigfeit i»ettaten, anbete bem n>ibevf)>Tedften. 
Slobinfon (6. 32) finbct eine uutterfennbare f&etamU 
\d^aft mit ben t>Ux Güangelien, ba ber Siutot iebe6 ab« 
toed^i^lungdmetfe gebraute unb mi||brau(|e. bet X^at 
^at bie Sd^rift mit jebcm ^üangelium einige 3üge auiS^ 
fiblieftUd^ gemein. S)emgem6g legt ft^ aunftif^fl bet 
6eban(e einet Sefanntfd^aft mit aOen nabe. Stut 
bie ^enügung ber eiiijclnen ^t^angetien eine t)etfd^iebene, 
bei ben imei legten eine febt freie. 

II. ^at bie Xbfaffung bet a)>oIaIppfe butd^ $ettu« 
(onnte S3ouriant \i6) nur barauf flü^en, ba6 ba« T^rag^ 
ment in bet 9la<bbatf(baft bed ^ettudeiDangeliuntö fi(b 
fanb. ffiad et ouilftnracb, iH alfo nut eine Setmutung. 
$)ie Vermutung läfet fi<b aber al§ richtig ermeifen. ßineS 
bet (Zitate, bie JtlemeniS t)on ^le^anbrien aud bet Sipo« 
Ial91)fe btingt: Unb ein 8li|fhabt f^tingt t>on jenen 
5linbern au3 unb fct^Iagt bie 2(ugen ber Söeibcr (meldte 
ibte J^eibei^ftuc^t abtrieben), gebt beutUcb auf 26 bed 
%tii%miüM lutild. ^tnad ma^t in biefet ^fid^t 
nocb tpeiter geltenb, baß bie jtpötf jünger in ber erften 
$erfon eingefübrt »erben unb bag in biefem gaQe ge> 
tobbttU4 $ettud aU bet e^tecbenbe unb bet Slutot 
gebacbt fei, tüie benn in ber %\)at auc^ ein Qünger im 
Singular fpre(be. ^a§ 5lrgument ifl, mie bie 2)iba^falia 
leigt, ni4t Di^Big ftdj^et. ifl abet f^Ut audf niO^t 
notmenbig, ba bereitd ber anbere Ißunit ben Q>^axatttt 
bei» gragmented feftfteKt. 

Sie ed^tift mat um bai» 3. 200 fe^t oetbteitet. 



264 Sunt, 

• 

@ie f)at eine Stelle im Stanon hc^ ^luratorif^en grag- 
mented (U 71 — 73), aud bem fie inbeffen butdl^ 3a]^ti 
(0ef4. b. neulefl. ftanond II, 818 f.) üetmittetfi fton« 
jeftur befeitigt tütrb, fomie im Stanon be5 Codex Cla- 
romontaniu, mo bie i^^^^ <Sti<j^en auf 270 an» 
gegeben ift ftlemen« Don WepanbrieR berlldfUbtigt fte 
nad) Gufcbiu^J VI, 14, 1 in beu ^ppoU;po(cn unb 
btingt (Zitate au^ i^r in ben ©flogen. (Suiebiu^ ba- 
gegen Derttirft Re AS. III, 3, 2; ^ieron^muiS Catal. 1, 
reibt fte ben Slpofr^pl^en ein, unb öbnli(b urteilen bie 
Spateren, ^oc^ mürbe fie no^ im 5. Qa^rl^unbert, tüie 
^o^omenud VII, 19 bezeugt, in einigen Stiiö^tn 
^alärtinoiS am Itarfreitag dffentltcb toorgelefen. Sgl. 
^ilgenfelb a. a. O. ©. 74—78; 2. 21, 6. 71—74. 

3n Slnbetra^t bed SKuratorifc^en 
f^ragmenteg nnb bet Stellung beg Memeng d. X. ifi 
t)cx Urjprung tcr 6c^tift iiic^t ml){ nad) bcr ^itte bce 
2. ^a^^^unberti^ anjufe^en. ^2iu^ inneren ©rüuben ifi 
bie Gd^tift anberetfeitg niii^t leidet ftber bag 2. ^afpc* 
^unbert ^iuauöjurütfen. 2)ie ©riDä^iiung einer klaffe 
ton Sünbern, toctd^e bie &euä)ten »erfolgten unb aud« 
lieferten (IB. 27), fef^t eine me^rmatige Verfolgung auil. 
9l&^er iß inbeffen bie Seit, toie audj^ ^amadt anerfevnt, 
nid^t au beftimmen. 

S)ag ^agment umfaßt na(b ber ^atnactg, 
bie Seile p 86 8ud^f)aben geregnet, etma 131 Stichen. 
6i8 bietet olfo nad) ber 6tid^en5a^;l , roeld^e ber Codex 
Claromontu&iu für bie $etruga))ofal9pfe angiebt, fafi 
bie {^ftlfte ber ^ffydH, na^ ber Angabe bon ^api^ma, 
njelcjjer »on 300 ©ticken fpric^t, ungefähr ein ^Drittel. 

beginnt mitten in einer äBetdfagungdrebe bei» ^errn. 



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Scatinntte bei ^tniifliaiioeltuiiii. 266 



5Datiii folgen itoei Siflonen. 3« bet etfleit (S. 6—20) 

fc^aiuu bie Qünger bie ©etigfeit ber ©ere^ten unb ba« 
^^arabie^. 3n ber jnjeiten (53. 21 — 34) \d)amn fie, 
bea». $ettud, bie ettafen bet Sftnbet in ber ^öOe. 

!3nbem i^, fflt mettetei ©htbium auf bie geleierten 
Uttterjuc^uugen tjon^ariiarf, £ob^, ^obinjon unb 3amej5 
Dettoeif enb, nunmehr bie 6tüde mitteite, itnb no4 einige 
Sorbemerlungen t>orauǤttW(Ien. Um bie Serbefferung 
be§ ^anbid)nftli(ten XerteS bemü^iteu ficib aufeer ben 
Herausgebern baupifä4^ii^ ^i^i^ uit^ ^* ^- ©eb^arbt^ 
beibe für bie Xuggabe oon {^aniad, biefet au4 in bet 
$)eutfc^in Vitteraturjeitung 1892 9iro. 50. 3(1^ bejeid&ne 
bie Üiamen mit beu Slnfangi^bud^ftaben. S)ie ^Beiträge, 
tt^eU^e ^atnad von weiteten (i^elel^tten et^ielt, f A^e id^ 
nntet feinem Flamen an. Sie 5ta^ite(eintei(ung flammt 
k)on ^arnad. @ine Überfe^ung füge iiadb bem iBor- 
gang i9on £obd unb mit Senütung feinet Xtbeit in lo« 
teinifdftet Spraye bei, nm butc!^ 9[ntt>enbttng \>on lie« 
genber ©c^rift bie ^öcftaubieile bei bem ^etruSeoan* 
geltttm leidster anzeigen §u fönnen^ n^elc^e au6) in 
ttttfeten (SiMingelien fl<^ finben. 3n ben 9ioten finb bie 
^auptftellen ongegeben. ^ie iDeiieren parallelen abet 
tüurbeu nictt immer angefü^/rf. S)em SBruc^ftüd ber 
9l)>ofal9iD(e ffige i^ im Snteteffe bet IBottü&nbigfeit bie 
toeiteten {td^eren Fragmente bei 



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866 »ist, 

I. 

Sfangelinm ieeandnm Pelram. 

... 1 T[(uv] de 'lovdaiüiv ovößig eifi^/Mno tag 
XßSQog oM ^^HQwdijg ovd* ds ' a^^nw* Anw * 

töte xeXevet 'HQwdr^g 6 ßaoiXevg naQa[hf\fiq>9f^vai %6v 
»vQWif unwv atkoig^ ovi oaa exeksvaa vfdv noifjoai avfff 
not^aare* 8 !f<rri^* 6^ ixA ^Imm^ i <pilog JIh- 
Xdtov xai Tov xvQioVy xai eidcigy 6%l oiavQioy^^iv ai^ov 
fiiHovatVf r^k^eif nqog %6p üeiXdiov xai jjrr^oe to otä^ 
TfA wqIov ngdg vaqp^ 4 Ktä 6 JlBilaMog aifi^pag 
nQog ^Hgiüdrjiv f^flw avrov tS atüfia, 5 Xfd 6 ^HQwdrjg 
ig)tj' l^deXq>i üetläze, ei xai ftr^ %ig autov jf^^'ptetf r^^üg 
tfvror i^dfst0fu»f intl ml aaßfittrop imqfwmu* yi- 
ygcunm ydg iv ttf voftqt, ^hov fitj dihfot inl fwqpomi- 
fiivt^ Kai naqiöoixev avfdv %ip latji riQO fuag %w» 

6 Ol di laßintg %6p mQtm äSüVP ovrdr TQi- 

XOVt^S ^cci eleyov 2vqu)^€v * tov vlov tov d'BOv e^ovala» 
avTov iappmag, 7 Kai noqtpvQo» mkov negiißakoif ' 
mt hii^tawß aww inl m&^Qo» ngtawg Hywuß^ 
^ixaiüig xQivBy ßaoiXev tov *IaQarpL 8 KaL rig avtujv 
weyxtup aticpccvov dxävd'iifov e&r^xev ini f^s xeq>aAr^g 
toO »vqIoik 9 Kol h9Qo$ kfwwtBg iifkaum takov wmg 
otfmif neä aXXoi vag iftaywag atkov iQonma», hsQoi 
xakdfiq> fvvaoov av%6^, xai ti¥€g avrdv ifdaat^ov ki- 
yamg' Tiwwfi %ififj tifi/fimfio^ ^ vor viöp tov ^cou 

1 oiyJf/t; — 2 ai rCoy em • aiiovC, avzov züjv B {iCov post 
xai) n post vni'aoüai interpungentes — 3 ßovXrj^ivtwv . add 
ui iibv G — 4 IhiXdirjq — 5 Xarijxtt C, i^xti B — 5* xai — Äa^ 
om B — 6 oi^w^itv C , tv^jtufxev B — 7 ntf^tßakXov C — 
8 xifirfiafiiv B. 

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Stagment bei (elfttletianseattiiii. 267 
I 

Evaugelium secundum Petram. 
1. ludaeoriun autem Demo lavit manus ^ nec Ife» 
roäes* neo qüiaqnam indicam. 2 Qai cum lawi 
▼elleut, surrexit Pilatus, et tunc iubet Herodes rex 
excipi DomiDiim, dicens eis: Quae iussi vos facere, ei 
iaeiatui. 3. Stetit aatem üUc Jos^f amicos Pilaii 
et Domini, et cum ncmnet, fore nt eniii crad^erent, 
venit ad Filattim et petiit corpus Domini^ ad sepal- 
tanuD. 4. £t Pilatus'* com mimsset ad HerodenOi 
petiit corpus eins; 5. et Herodes dixit: Frater Pilote, 
etiamsi nemo eum petiisset, nos enm sepelivissemus, 
com eiiam sabbaium iUuceseat*; soriptiim est enim in 
lege, noD fss esse solem oceideFe saper oociso. Et 
tradidit euiu populo pridie azymorum, feßti eorum ^. 

6. Uli autem com Domiiiom eamprehmidiueni \ 
propellebant enm cnrrentes et dioebant: Illadamns 
filio Dei, cum potestatem eius nacti simus * 7. Et 
Purpura eim eireumdeäeruni ^ enmqne sedere fecerant 
in cathedra iudicii dioentes : Jnste indiea, reat * Israel, 
8. Et unus eorum adferens coronam spineam imposaii 
in eapUe ' Domini. 9. fit alii stantes inspuebanU in 
laeiem eius, et alii maxillas eins perettHe^aini^^* alii 
anindine eum puDgebant et quidain eum ßageüaharU *' 
dicentes : Hoc bonore honoremos filium Dei. 

1 Mt. 27, 24. 2 Lc. 23, 7—12. 3 Mt. 27, 57. 58. 3 ' Lc. 
26, 11. 12. 4 Lc. 23, 54. Mt. 28, 1 5 Jo. 19, 31 cf. Deut 
21. 22. 28. t) Jo. 19, 1. 6i» Jo. 19, lU. IL 7 Jo. 19, 2; Mc. 
15, 17. 8 Mt. 27, 29; Mc. 15, 18; Jo. 19, 3. 9 Mt. 27. 29; Mc. 
15,17; Jo.19,2.5. 10 Mc 15, 19 ; Mt.27,30. 11 Jo. 19, 3; Mt. 26, 
67. 12 Mt. 27, 30 i Mc. 15, 19. 13 Jo. 19, 1 ^ Mt.27. 20} Mc 15, 15. 



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268 



10 Kol ^V9yii€» &V0 wKOÖifyovg mi iatavguao» 
wa ßtiocp aufw tü¥ nvQwy, amog dk iauina tdg ' foj^ 
deva^ no¥ov ^xiov* 12 Kai 6t b wgd'UHjav ^ %6v atavgov^ 
istiyQa^fWf or« citog iatw o ßaaÜMs ^Ioqcp^I, 12 
M€i%9^9iw%Bg%aMvfima i'ianQoadtv avwo0 Stefieglaano 
uai laxfioy eßakov in avroig. 13 Eig di Tig twv xa- 
woSjqftav exüftxfv taifMtasv* avtovs Uyon^* ^HfAug dicr 
%i mna a inonjaafiw ovro» ntn€»&afi»f oStog * di atatrjg 
yBVOutyog tojv dvth^wriuv tL r^dixrjOBv vftag; 14 Kui 
ayavconj^aatrteg in oi^cp Gtilevaccy^ tm fi^ axsloKorst^^^ 
omoß ßaawniifmog ana&wffi* * 

15 fiBarj^ßQiay ' wA üxcTog umkax^ naatcif 

xrjv Uovdaictv, xai i^Oi)vßovvxo ® xai t^yiavitav, ' fn^note 
6 ijXtog idVf^^ ineidri m «^19* yiyQtmm yoQ " ccvvoi^, 
^iUov jur dihm inl netpomvfiivfp. 16 Kol vtg cnkw 
dnev' noriaazB aikov x^^/*' o^ovg^ xai xegdacof- 
tiß iniviow* 17 Kai inl^Qwawf aaifUi ml hBlai^^ 
nawa ueq^a^g avww Ta afia^f]^eu 18 litgir^g- 
XOrro " nolXoi fitid kvxyfoVf vo/nl^oyitg y o%i yuf 
fiony» xai " iniaano 19 Km 6 xuQiog ainß6tys% 

xai tlniüv dvekrjg)\^fj. 

20 Kai aikf^g xrjg üqoQ dugayt^ %6 xarani' 
%uaiM %ov nno^ %rj^ UtQovaaX^ft dg Mo* 21 ml 

wqIov^ xai €&tjMav avzdv inl %^ yiß' xai 1^ ^ ndaa 

1 ÄmSmea oon 0, ita etiftm C: iaumaaaq B ^ 2 puf 
^ 0 H — 8 i&^Owauv — 4 tSwcfil^w — 5 €>^wq 0 — 
6 AiioMßOi — 7 pacffiß^ia — 8 i&opovßo&pwo — 9 ^iymnaaw 

— 10 SHw — U ya^ omC — Ifi nipt^Qx<>^o — 18 jmeI omC 

— 14 MaoPTo: fort. l«geikdiim hwlcatvxo — 15 fiov omC. — 
16 attr^i ifji: aixö^ C 



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^tagment bed $etiud<DangeUuiiii. 269 



10. Et adduxerutU ^ duos maleficos " et cruci- 
fixerumi medium inier eos Dominum hic aatem sile- 
hut* quasi nnlliim dolorem habens. 11. Et cam 
crucem erexissent, inscripserunt : Hic est rex Israel 
12. £t cum deposuissent ▼eatimenta ante eam, divise' 
runi ea et eortem misermt super eis *. 18. Unus 
autem de maUficis Ulis exprobravit eis dicens: Nos 
propter mala, qnae fecimus, sie patimur ; hic aiitenif qui 
8al?ator factoa est bominnm^ qnid mali Tobis intnlit? ' 

14. Et irati in enm imperaTerant, ne frangerentor 
eius crora,'* ut tormeutatus moreretur. 

15. Erat aiäem meridies, et tenebrae oceapaTenint 
UM/versam Jndaeam et tarbabantnr et sollieito animo 
erant, ne forte sol occidisset, quoniam adhuc vivebat; 
nam scriptani est eis, non t'as esse solem occidere 
snper occiso. 16. E§ unus ex eis diaU: Date ei 
bihere fei cum aceio; et cum miscuissent, dederunt ei 
bihere. * 17. £t impleveruDt onmia et cousummaverunt 
in capat ipsonun peccata. 18. Gircumibant antem 
mnlti cnm Inoernis, putantes noctem esse, et cadebant ^^ 
19. Ei DomiuMa eaclamavit dicens: Virtus mea, virtus 
mea, dereliquisH me"* ; ei enm dizisset« asanmptns est 

20. Et ipsa hora sdssum est vehm templi Hie- 
rusalem in duas partes 21. Et tunc extraxerunt 
clavos e nianibus Domiui, et posuerunt enm in terra; 
et terra nniTersa mota esi^\ ei terror magnns fnit*^ 

1 Mc. 15, 22. 2 Lc. 23, 32. 3 .To. 19, 18. 4 Cf. Mt.26, 
68; 27, 12. 14 et par. 5 Lc.23, 88; Mt. 27, 37; Mc. 15, 26; 
.To. 19, 19. 6 Mt. 27, 35. 7 Lc. 23, 39 -41. 7a Jo. 19, 31—33. 
8 Lc. 23, 44; Mt. 27, 45; Mc. 15, 33. 9 Mt. 27, 48. 34; Mc 

15, 36. 10 Cf. Mt. 27, 25. 11 Jo. 1«, 3. t>. lU Mt. 27, 46. 
12 Mt. 27, 51. 13 Cf. Jo. 20, 25. 14 Mt 27» 51. 15 Mt. 27, 54. 



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270 



hrda^^^ q>6ßog fiiyag iyhmo. 22 Tm rjXiog 
tkafixpBj xal evqkd-fj ^ ü)Qa iyarr^. 23 ^Ex/iqrpctv de ot 

aev. 24 Aaßiuv 6k %6v xvqiov iWe »cd ivaih^e ' otv- 

iüMffjgu 25 Tofte oi 'iovMot ml cl nqeaßv%%QOi mä. 

oi i€(}elgj yvoneg, olov xaxov taviolg inoirjaaVf rjQ^avto 

26 ^yw /ttevd %W9 kxoLqow fiov ihmotf/urp^y xal 

ihf avfw dg numovqfoi nai tag %cv voor ^iiloives 
ifingrjaiu* 27 ^nl %ov€Otg naam im^evofm ^ ml 

ixa&e^Ofie^a nevd-ovvzeg xal xlawyteg wx%6g xoi i^fd(fag 

28 2wax^h%9S* di oi yga^ficcwSg OoQUUäoi 

xai nQ€aßvT8Qoi TiQog aM}h)vg, dxovüavreg, oti 6 kaog 
amtg foy^uQu tud xüftmai %d atti^t^ ksyaneSf ö%i ei 
%^ ^aifaup at%ov twku %d fdyma oi^fuSa * yiyoWf 
iders, oti noooy dixaiog totiv^ 29 tcpoßrdTjaav oi nQea- 
ßinsQoi xal f;k&ov uQog Uukazov öaofieifot, cnkov xai 
Hywng* 80 lütgadog i^/äv otqaxuatctg^ Im fpvkofytfu» ^ 
TO f^vrj/nct avtov inl jQtSg ^f4[iQttg]^ ^i]7vo%9 iX^ovzeg 
oi ftadTjfcal cnkov xli^ptaaiv cnkov xal vnolaßi] 6 Xaog, 
Sri ix vmt^fdj» Manj^ ml novrflwttv iQpu» mm, 81 'O 
dk lÜBiluTog na^kdiOM» mkotg netQui^top täw »er- 
tvqUava fietd fnqcmonwv ^vlaaaetv %ov %aipov^ xal 

1 iyda^ — 2 (VQ7]^Ti — 3 iveLhiab Mc. 15,46. fihias C ^ 
4 ivy^atho^Fv C (?) — 5 tivai^evzt^ — 6 aijfuxla — 7 ipvhxiat 

C, ^VML^OJOL Gr. 



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Sfcaflment bed $etru«eDangelium#. 271 



22. Tunc 8ol fnlsit , et inveuta est hora nona 
28. Qavisi sanfe aatem Jadaeif et dederutU Joseph 
carfms eius nt illnd tepelurei, quoniun ndemi om* 
nia bona, quae fecerat 24. Cum autem Domiuum 
accepisset abluit eum et involvü sindone * ei indtizit 
m proprium s^^ulmm,* quod nnneopatiir harkts* 
Joseph. 25. Taue Jitdaei et seniora et saoerdotes oom 
cognovissent, quantam malum sibi fecissent, coeperant 
pkmgero^ et dioeie: Yae peecatia noatro; adpropin- 
qnavit iodieiiim et finia Hiemaalem« 

26. Ego aoiem cum amicis meis contristabar, et 
▼olnerato animo occnltabamna hob; qoaerebamar enim 
ab eis quasi malefici et quasi templom incendere to- 
lentes. 27. Propter haec omnia ieiunabamus et sede- 
bamus lugentes et fletUes^ nocte et die asqae ad 
sabbatum. 

28. Cum aiäem scribae et Pharisaei et seniores 
inter se convenissetU et aadivisseut, populum uni- 
▼acaani murmorare et pereiäere poetora*^ dioentem: 
Garn ob mortem illios haec maxima sigoa erenerint, 

videte, quam iustus sit^ ^ ' 29. perterriti sunt seniores 
et Teneraiit ad Püakm rogantes eum ac dieotUes: 
80 Trade nobis milites, nt oostodiamiis monomentam 

eius per tres dies, ne forte veniant discipuli eius et 
furentur eum et populus existimet eum a mortuis 
reourrexiase *S et nobis mala ÜMaant 81. Püahts aatem 
tradidit eis Petronium centurionem cum railitibus ad 
custodiendum sepulcrum; et com eis veuerimt seDio- 

1 Mt. 27, 45. 2 Mt. 27. 58. 8 Mt. 27, 59. 4 Mc 15, 46 ; Mt 27, 
59. 5Mt.27,60. 6 Jo. 19,41. 7 Lc. 23, 48. 27. 8 Cf.Lc23,27— 81. 
9 Mc. 16. 10. 10 Mt. 27, 62. 11 Lc. 23, 48. 12 Cf. Mt. 27, 54. 
13 Lc23,47. 14 Mt. 27, 62— 64. 15 Mt.27,66. 



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272 



avv aikotg TjlS-ov nqioßineQoi xal ygafi/uctieis ini i6 
fip^fta' 32 xai xvliacarw9S U^ov fikyocv fistd ^ %ov ntv- 

S^rpiav inl tfj dvQ^ rov /uvr/narog' 33 koI «rs^j^^Mrav ' 

fitiov iaqtQoyia/aevov. 

db Tfl di pviai, ^ in&punnuv ^ xvQiaxjj^ tpvlaaao»- 
%w %wß a%ifOKuagw am dio Mo wmi ipgovQWf figyaJlij 
^pomj kykve%o iv zw ovQayffi, 36 Kai eldov dvoixf^h- 
tag ^ %ovg ovQccvovg »ai övo avÖQag xaiei^örtag ixii- 
^ noilt; q>fyyoß iffmag uak iyyiaanmg %iß tagtq^ 
87 Y) dk ll»og * Mhog 6 ßeßhi^ihog im Tfj ^t^^ aq)' 
kairtov xvhad^tlg anixfaQtfiB ^ noiQa fiiQog, xai 6 %a(pog 

xai tovg JiQeoßvtigovg • naQrjoav yoQ xai atkoi • gfU- 
laaifon9S* 39 Kol ^fjyovfdm» wkw^ ä ddw^ nil» 

Kui Toi>g Svo Tov tva ihiog&ouvzag xai otavQOv dxo- 
lovd'ovna cakoiSf 40 xai %uhf fikv Svo %^ xeqnü^ x^' 

vn avtwv vTtSQßahtwaav tovg ovgavovg, 41 Kai qxovfjg 
ijxovoitf ix tujv ovgavwv ^yovar^' ^Exr^gv^ag %oi£ xoi- 
foofdifotg; ^* 42 ÄalvnoKO^ i^irousvo ano tw awavQOv 

1 fiträ: xftta C - 2 in^^gfiaav — 3 dvoix^^kvTsg — 
4 ixft&e — 5 iyyiaavtts D : inlaavrag C — 6 kel&ot; — 7 Ärf- 
X(J>Qt]oe — 8 ivolyrj — 9 xai arroiH: xai &v ol C — 10 Zpaaiv 
i^f).96vTOQ — 11 avÖQfg — 12 x^tn. L: x^^Q^ ^'7^ Tovfxtpov C 
— i;^ (f (j)i'^i 14 xotvoa/nivoig — 15 xrd vnaxor^ C {imaxo^) 
vnaxoijv H vocem cum antecedentibae coniungens. 



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^cagntent bed ^etrudtimngeUuinft. 273 

res et scribae ad monumentom; 32. et cum lapidem 
moffnim ^ advolvissent cum ceniurione et militibust 
tina omnes, qai ibi aderant, imposaerant emn in osHo 
monumenti ; 33. et superunxerunt Septem sigilla,^ et 
enm tabernacolmn ibi fixissenty custodiTemnt. 34. Mane 
antem illnoesoeDte sabbato venit torba ab Hienisalem 
et regioue viciua, ut viderent monumentura obsignatum. 

35. £a antem nocte, qua illncesoebat dies dominica, * 

militibus binis castodiam agentibus vox magna facta 
est iu caeio. 36. Et videruut caelos apertos et duos 
viroa deaeendentes illinc magno splendore /ulgen^ 
teB * et sepnlcro adpropinquantes. 87. lUe antem la- 
pis in ostio impositus sponte revolutus ^ discessit ex 
parte, et sepuicrom apertnm esty et ambo raTenes in« 
gressi snnt. 88. Com haec militea iUi Tidinent, axci- 
taverunt centurionem e somno et seniores; aderant 
enim et hi cuatodientes. 39. Cumque uarrarent, quae 
▼iderant, mians yident tres Yiros e aepnlcro egredientes 
et dnoe illos unura sustineDtes et crucem sequentera 
eos, 40. et duorum caput pervenieiis usque ad caelum, 
eins yero, qui ab illis mann dneebatur, snperans caelnm. 
41. Etandivemnt vocem e caelis dicentem: Rraedicasti 
dormientibus? 42. Et auditus est assensus a cruoe: 
Ita. 43» Consilinm igitur iUi agebant inter se, an 
abirent et referrent baec Pilato. 44. Cnmqne adhnc 
deliberareut, caeli rursus apparent aperti et homo 

1 Mt. 27, 65. 2 Mt. 27, 65. 3 Mt. 28, 1; Lc. 24, 1. 4 
Mt. 28, 2; Lc. 24, 4. Nestle ooniecit, duos yiros esse Mosern 
et Eliam Mt. 17, 2; Lc. 9, 30. 32. 5 Mt. 28. 3. 



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274 



?runf. 



[o]tt vaL 43 2weaMe/it(mo o iV dUi^koig ixeho$ dneld-eh 

Hai cM-QtüTCog %ig xcnel&ojv * xal eioeXd-cuv alg to fnrjia. 
45 Ibdr« idopttg cl mgl tov xenvQifom yvtetog eamv* 

utal if^ffff^accno navra, aneQ eldoVf ayo)vuZvtfg * fifyäXLog 
xal liyotTeg' ^^h^wg viag &£ov, 46 ItinoxQi^elg 

t&v &90Vf vfiiv ^ dk ttfvvo SStf^v. 47 ähn n^o&^iMi^ 
t9£ narteg idiono ariov^ juu noQexaXow* xelevaat 

tUcP* 4S at>inq)iQ€t yaQy q^aaiv^ inftiv ocpkraai (.leylorrpf 
cifiainiav ^finQoaO^ev tov ^eov xal fit; ifatiaelv elg x^^^S 
tov IttoO tm ^lovdidm xoi Xidaa&^vtu* 49 'Etdlevam 

fif^öh' einttv, 

Inetdr ig)l€yovTO vnd t^g OQyijg, ovx inoltjoev htl t(ß 
fun^ftcefi tov wqIov a eui&fjoav noieh ai ywalxeg inl 
cofs Atodv^tmovai md tol$ dyama/dvoig auimg 
51 lußmkfit havrijg tag (pLhxg inl td fm^fidioif^ 
iinov te&elgy 52 xai iqfoßovt^o^ fttj lötjaiv avtag ol 
i&vdäloi^ ital BiMfw Et mil fi^ i¥ iaeiin] ^f^^^ ^ 

inl TOV f.ivrf.i(xtog avtov noiriötoptev %avta* 63 tig 
de ammvUaei rj/uv Mcd %w Ud-ov %6v %€&iifva inl 

1 xaxel&bv — 2 anavtü^vxtq C — 3 fi^Xv — 4 xcu'ttfo 
^ % xB» VL , xal Q. 



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quidam d€9ceHde7ts ' et ingrediens iu monomeotoa. 

46. Quae eum tidimai ouiiiim «i qoi eum eo erani, 
DOctD properavenmt ad Pikliuii, daemniet aepnksmiiif 
quod custodiebaut, et narraveroDt omina, quae viderant, 
v«b(eiD«]»t«r sgJLUciii et dicenies: 46. Ver^ fiidua Dei 
ero^.' 46. BeBpoadeiiB PilalnB dixii: JS^ mmdm 
8um a aanyuinc tilii Dei ; vohis autem hoc placuit. * 

47. D«inde accedentea omnes rogabaut eum et pjreca- 
baaiiir« ot luraeoipeiei oeatarumi at militibaa, na 
dioereot, quae Tidiveiit 4S. MaUna anim nobia aafc, 
aiunt, mazimi peccati coram Üeo dabitorea esse quam 
in^idara in manna popnU JndMxnim ai lapidan. 
49. Praacapü igiinr Pilatoa eaBturioni al nilitihna, 
ue quid dicar^iut. 



&0. Dilnenlo autam diai dominieae Manria Magda- 
Ime^^ discipula Domini (perterrita proptar Jndaaoa, 
quia ira inceusi erant, non fecerat super monumento 
Domini, qnaa faceraaoleDt malierea mohaDtiboB et eia, 
qnoa dfligant ^% 51. com amicaa aacum anmpaiaaat,* venü 
ad monumcntumy • ubi depositus erat ; 52. et timebaiit, 
ne videreot eaa Jodaei, et dicebaut: Etiamsi illa die, 
qua crneifixiia aat, non potnimua flare et plangara, 
nnnc quidam super monnmento eins baee fceiamiu; 
53. quis autem revolvet nohis iapidem etiam impoaitum 
tu oafio mammenti , ' at ingraasaa inxta aom aaai- 



1 Mt.28, 2. 2 Mt 27 , 54. 3 Mt. 21. 24. 4 Lc. 24, 1; 
Mi. 28, 1. i» J(K 19, 40. b Mc 16» 1. 6 Mc 16, 2. 7 Mc. 

18* 



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276 



&vQag Tov fiivrj/uelov, iva Biaek^ovaai noQcoia&eo^uj/uev 

6 U&og^ mü tftaßoifu&af juif vtg i^fiäg idij* md tl inj 

dvva/ited^ay xcev inl trjg d-vQag ßakio/Lisv ä q)eQoitiev etg 
fm^aoiwfjv avtov,xAxxt aoinev xal xoipofne^Ofkug iX^w/uev 
Big %w Am iqfim. 55 Kai intl^ovaat, vöv 
taipov r^vet^y^hw^ nuA n^oatik^ovacti nadhm^fa» ixei 
ml OQukJiv ixei tiva veavlaxov xa&e^Oftsvov ^ * fiia^t %ov 

Savig iiftj avroüp* 56 Tt^l^ave; tim^tj/tütt; fnj top 

GjavQOfd^ivTa ixelvov; dvkatr^ xal oTiiil&ev' et 6t fit] 
nuneverey^ nagooevi/jctre xai idete^ icv tönov, iyda 

äneoiakrj. hl Torte ai yvvaixeg (fußi^&eloai * tq>vyov. 
58 Hv dk %ehviaia i^fdiga vwv a^t^coy, xai aokkol ttvsg 
^ij^X/o^^ vnoawQi^pimBg dg %ovg (Atovg atkm %iQg 
ioQTtjg navaafdivf^. 59 *Hf4e7g dk oi düdmujt /ua^^al 
%w xvqIov ixlaiofiev xal Hvnov/nB^a, xal txaatog hu- 
mifimrog dta %6 avftßäp antfiJidiy^ dg vcV oZxoy oi^otl 
60 Ey€^ Si Slfim Tlhgog xal l^M^fk^ 6 ddditpog ftov 
Xttßovteg rjfifjjv ta Um djirX^afiev dg tr^v d-dkaoaay^ 
Mti ^ aw ^fiU Aevüg 6 %w \di^q>aUn)^ dv acM^io^....« 

1 om C — 2 Ttiazevfxm — 8 i'datF — 4 (poßTj^elg — 
^S^dtjrcnb tcx ftorreftur fam mir burd) bic (iJüte be^ Jperru 
^rof. Dr. 3?e)tle bic neue unb rcoibicite '^(uggobe M ^ctruä- 
eoanflcliumö üon Sroetc (l'onbon 1893). i^üi bicfelbe roiirbc 
bie ^onbjc^nft aufö neue eingcfetjen, unb flel)t qu^ iijr IjerDor, 
bag bcr erj'lc Herausgeber nie^rfot^ unrichtig gelefen ^ot. 
no^m bereite an einigen Stellen tu bcn SJoten auf fie ^e-^ug, 
namentlid? ba, m bie tjonbjdiriftlic^e Mort (C) gegen bie ber 
^luSgabe bon Bouriont (B) ftcljt. Scitereä fonnte ic^ bort uic^t 
Qn[üt)ren, ba fonft ju biel ju ücrcinbern ijeioejcu luäre. foflcn 
aber i^ier bie übrigen 2^erbe[)erungen folgen, ^ie jpj. bietet ben 



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277 



daraus eique debita reddamus? 54. ma^nus cnim erat 
lapis^ ^ et timemus, ne quis dos videat; et si uon 
posdmus, ad oatium saltem fandamas quae afferimns 
in memoriam eius, flebimus et plangemus, donoc 
redeamus in domum uostram. 55. Et abierant et 
invenerufU sepulenm apertum^* et com accesBiBseDi, 
ineUnaverunt se • illuc et vident ibi iuvenem quem- 
dam sedentcm * in medio sepulcro, formosura et 
amickm stola spletuliäissma^^ qui dizit eis: Our 
▼enistis? qaem qnaeritis;* an erueifixum'' illnm? 
Surrex it et abiit; si vero non credatis, inclituUe vos* 
et videte loeum^ uhi tacdnU^ quia ibi tum est; remt' 
reaU enim * et abiit eo, tinde mimns est. 57. Tone 
muVietes perterritae fugerunt.^^ 58. Elrat autem dies 
ultima aBjmonuD, et multi ezibant, redeuntes in do« 
mos snas festo finito. 59. Nob yero, dnodeeim disd- 
jjuli Domini, fJehamus et contristati eramus^ et unos- 
qaiaqne discessit in domnm snam, oontristatuB eis^ quae 
aeciderani,** 60. Ego antem, iSMuonPe^m« et Andreas 
frater meus, suniptis retibus nostris abivimus ad mare ; 
et erat nobiscum Levi Mphaei^ qaem Dominos . • • 

1 Mc. 16, 4. 2 Mc. 16, 4; Lc. 24, 2. 3 Jo. 20, 5. 11; 
Lc. 24, 12. 4 Mc. 16, 5. 5 Mc. 16, 5. 6 Jo. 20, 13; Mt. 28, 
5. 7 Mt. 28, 5. 8 Cf. v. 55. 9 Mt. 28, 6. 10 Cf. Jo. 16, 5. 

11 Mc 16, 8; Mt. 28, 8. 12 Mc 16, 11. 18 Lc. 24, 14. 
14 Jo. 21, 2. 3. 15 Mc. 2, 14. 

emmbierten Xe(t in folgenben 9etfcn : 2 ixiXtvaai 15 fitamißgUt, 
^iymvlwp, Uv, 18 9i«^i4cigc<wro> 21 iodoBn, 27 hnisttAoiMg^, 28 
itwvx^ivt^, atumüt, 88 mt ahoL Die eiitf4>it4<nbeit SZoten 
taien alfo mt fftt bieSditio prineepsMluiid, nidit aiu( ffir bte 
i^itb{4tift. tCttf bcc onbmn Seite liefl biefe ▼. 6 tt^wf ft. oMv, 

12 atttvgwtt: otavffdy, }b m^wivftdim, 28m.* 7f«, 24«M^i% 



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278 



n. 

Apocaljrpsis PetrL 

... 1 lEMoi ^ Smmat $p8vdm(mpfjTm tmi 
cdotv icoci doyficna nomika ^ %rjg otntaKduQ öida^ovaiv, * 
2 "EmhfOi &i iM tr^g omdtkig ' y mj aww m , 8 wai vor« 
Sisimrm 6 S^ig inl tovg * ntmoig fjtov wijg rnu ß dh - 
Tag ^ «CM ditfmntxs wxi ^hßoidvovg xal h YOt)f ^ 
ßU^ tag tfnfx/äg iaumß SarnfmC^mmg nti uQm^ ttäg 
vMg tifg MfOfdtig, 4 KeA n^opMß i nvQiog E<pi] • 
^Aywft» dg %6 ogog, * sv^atfie^Om ' 5 jinegx^fievo^ * 

Stmg S§i^rj irfiüf Sm %w nkikfm v^ftmß * dmtdmtwif 

fW^fJpf^ md ^miiarfio9%9g no^^o^foim^m wati 
W99g AiovoifW9ig i^Htittv «r9^ttWovi6^ 6 Kai wxoptkßm 

r^imiüv a[(pvoi\ fflaivljovtui dvo av6Q€g latWTes i'fm^oa- 
Smf tov jni^u. 7 Ji^€[ldvvng] ovx i^wi^dn^ 
mßwtßUnjm* Ü^fft"^ trg [o]}ffm$g aäwm 

dxTig ftte i^kiov, xai (piotuvm cn\TÜ}v %o] erSvfMO, 
inoiw 0idinon wp&ai^iog upI^qwIuov «2dey* ov /dj^ 

Öo^aVy ry ivededvvTo xal to xa/,[los^ Ttjg Ö]il/€(ag 
ccvTwy 8 (WS Idönag ixhxjußwthjfi&f * ^ ' vo fthf yaq awfiam 

1 nmmXol — 8 MAS^mw — 8 SfoXaUeq — 4 — 6 

tdr om C ^ 10 «^«[ilMyrfd f...O ~ 11 

dirrly » 18 fvniM^y — 18 M^iMvc&fey* 

14 jH^Mi «m^]! oorr O, «. cMowt L — Ii inMwm ef. 

17. 80: MU m m o 0 — 18 moU»... 0 — 17 ^8tv^94%tfv 
OOB a — 18 AmdfCfoi^ C v.fil. 



L iy i^cj uy Google 



n. 

ApocaljrpnB Petri. 

1. Multi ex eis erunt pseudoprophetae ' et vias 
et dogmaia varia perditioois docebuofc. ' 2. lüi mU^m 
iUii pfrdUioni»* fient, 8. efc tuiie vsawt Oeot ad 
fideles meos, qui esuriant et sitinnt et iribulantor et 
in hac vita animas suas probant, ^ et iudicabit filios 
uiiquitatiB.^ 4. Et adaoieos Dosamne dixit: Gamm 
in numtem,* orenras. 

5. Profecti autem cum eo nos, duodecim diflcipuli, 
rogavimus, ut ostenderet uobia Kgiain e fr^tribuü oottrii 
iuatis e iniindo egieasis, ut videremiis, qnalis «saei 
eorum forma, ^ et auimo sumpto etiam bominibus uos 
audientibufi Auimum adderemus. Ö. £t orantibiu jaobis 
sabiiio ^^parent dao vih ^ stauteB comn Domituou 
7. Aeeedentes non potuimns Intneri; ezibat enim ab 
eorum £»cie radius quaai solis, et lucidma erat eorum 
Teetimentiun t qnale nunquam ocalas hominis vidit;' 
namque os non potest ezprimere Tel cor cogno8C«xe 
gloriam, qua iuduti eraut, et pulchritudiuem aspectoe 
eormn. 8. Qaos com Tidisseuma» obstupuimus ; corpo|ra 
enim eorum erant candidion omni nire et rabrioa^a 
omni rosa. 9. Mixtus autem erat in eis ruber color 
aibo, et ut brevitef dicam, non poaema descrijbejre 
pnlchritadinem eorom. 10. Görna enim eornm crispa 
erat et florida et decorabat et vultom et humeros 

1 Mt. 7, 15; 24, 24; II Fetr. 2, 1. 2 II Petr. 2, 1. 8 
Jo. 17, 12; II Theas. 2, 3. 4 II Petr. 2, ö. 5 II Petr. 2, 3. 
6 II Petr. 1« la. 7 iX Petr. 3, 11. 8 Luc. 9, 30. 32; U,. 4. 
9 1 Cor. 2, 9. 



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280 



nctvtog ^oSov 9 awexixQcao de to tQv^Qov aiTiov 
XevHipf ^ xal dnluig ov dwaf^ai i^r^ytjoao^ai j6 xdllog 

lud intnginovaa amwv T(p ze nquaiaru^ wd toig aiinoig, 
wanegsl * ozigxxvog ix voQÖoafaxvog Timleyfiivog ^ xal 

adfw jj 9vn^tn9ut, 11 7(Miv«ff oA^ amw vo «oJUoff 

ixd'afißoi yeyoyafÄty ngog lakovg, iiuidrj atpvia iq>unfiav, 

12 Kai fiQoael^w wqti(f änw* Ti»9S dai» ovroi; 

13 jikyii fioi* Övwot dßiv oi aStl^pol vfuSw * ci dUmoi^ 

utv f]d^elrjoaTe zag /uoQg)ag idelv, 14 Kdyiv iiprjv aik(^' 
Kai nov ßlai Tuoftag oi dbtaio^ in aolog iatuf 6 auap^ 
kf ^ dat %uAnpf Sxov%9q %r^' S6^; 15 Kai d »vQtog 

iöti^i fioi /uayWTOv ;fct5(>o>' txtcg toinov toi xco/uov 
vniglttfinQW ^pw^i, xai zov ut()a lov txei waloiv 
i^Uiov mnalufmSfsmfWf ucd yry amjpf w^rnnm dfut" 

x^üjv xal dg)d'aQTüJv xal xagnov Bvkoyr^fuevov (peQovxiuv, 
16 Toaovvoy dh ^ %6 äif&ogf wg wi iip' t^fiäg iMU&Wf 
^iQsa&m, 17 (X Si oanrtoQsg ° vo«f Tonw mtdwv iv- 
dedvfiivoi '^ ipav iv6vf443t dyyHm q^wttivtovy xa\ OfAoiov 
ij9 %d MvfM avtw %fl xAf9 «tivcuy. IS '^yysloi di 
nsQiitQexw aitovs Mu§9» l^^hn^ dk fpf diSu tdh 
ixet oixf^OQWVf xai fu^ qjtovf^ icv xvqiov &e6v avTetHfr- 



1 TU»' ?.Bvxü)v C — 2 xal H : xav C — 8 avS-e^ä — 
4 toanfQtl^i u)ane(j ttg C — 6 vagdvamxvo;; fitn/.fVfjiivog 
6 xoMvrrjc; — 7 ^//u)v — 8 <J6 ouc^tOQfg G : dioucijZOQfg C — 
9 ivdtdvfiivoQ — 10 <püftiv5}v — 11 zdv x, dvtefi^fjtov H : 
tov xv(fiov ^(ov avtvipifiiow C. 



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Sragmrnte bet $etiuda|)ofal9p{e« 281 



eorum, quasi una Corona uardostacbyo uexa et variis 
floribos Tel ui areos in aere: talis erat eoram gratia. 
11. Com igitar Tidissemas eornm palohriiudioem, ob- 
stupuimus in eis, quia subito apparuerant. 12. Et 
accedeus ad Dommam dixi: Qai sunt hi? 13. Dicit 
mihi : Hi siint firatres Teetri imti, qaonim yolnistis formas 
videre. 14. Et ego dixi ei : Et ubi sunt omnea iusti, 
aut quäle est saeculum, in quo suut ei, qui talepi 
habent gloriam ? 15. Et Dominus oetendit mihi permag* 
nam regionem extra bnne mnndum Inmine maximo 
retulgeutem etaera regionis illius solis radiis illustratum, 
et terram ipsam florentem floribos immarcescibilibos 
et aromatibos plenom et plantis polcbros flores mit- 
tentibus et incorruptis et fruetum benedictum terenti- 
bos. 16. Tantus autem erat odor florum, ut etiam 
ad no8 inde proferretor. 17. Incolae aotem loci illios 
induti eraut vestimeuto anf;»'lonim hieidonm), et siinile 
erat vestiroentum eorum loco eorum. 18. Aogeli autem 
drca eoe ibi ferebantor. 19. Aeqoalis Tero erat gloria 
eorom, qui ibi babitabant, et ona yooe Domino Deo 
acclaiuabant gaudeutes in illo loco. 20. Dicit nobis 
Dominos: Hic est locus docom Testrorom, hominom 
iustorom. ' 

1 t)arnQcf fie^t (S. 51) in ben jroei iUiauiiern, roel^c in 
biefer iiiifton ben Slpofteln erfd)einen, mit ^cjuj] qu| 5?. 13 un* 
beftimmte ooUcnbete QJercc^te. l^^eftlc (Suang. Äird)cnblaü juc 
^iiurttcmberq 1893 92ro. 4) eitldrt bic betben SDJännet anö) \)itx 
Wie im ^ctrii^eOQnfleliitm für SWofe« unb SlioS, iinb bic Deutung 
tfat Qfle SÖQ^ric^eiulid^leit für ficft , bü bie ^i^ifion 2 auf ben 
^erß oerledt ift (8uf. 9, 28j uub auc^ II '^etr. 1, 18 auf ben 
^eiligen ^erg oectoie)en rairb. 



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2d2 i^unf, 

rifäv 0 xvgwg' Ov%6g iaziv 6 %6nos w«»' ^^VJi^ * 

avx/n^ov orta, ' xer2 ^ %6nog uMtmwg, mal oi «oAa- 
^Oftevoi ixBi xai oi Kola^ovteg * äyyskoi axaiet^op ^ 
dxo>if «tmr &fdvfm ' mcvd %6v «Ufa «ov Tonou» 22 Kol 

i^aof ßkaoipr^iAOvneg tr^ odov ttjg dixaioavvr^Sy xai 

23 Kid liftvij «C ^ fABydlrj nmh^iojuhtrj ßoqßoQOv 
q>l6yo/u€vov, iv ([) i-aav avd-Qwnoi tiveg dnoatQiipovreg 
%r^if dixcuoaii^f nui inixeivto wuuHS iiyy^koi ßaaavi- 
mttL 24!B0av £Uoc* yvimmg wä» nloKOfim 

t^r-Qtr^^ivai avtatigo) tov ßoQßoQOv ixeivov toi' ara- 
TtcHpld^wcog, ccut[ai] de rjacev ai ^ TtQog ^oixaiav xoofuj" 

juotx^icfg ^ At «wr nwS^ • • • • x| Qe/Lidfievoi] ' zag xexpa- 
las A%ov iv t(f ßoQßoQlip. ^Eyw dij äjByov - Ovx im- 
9%mm Misiomt^ dg %a9m tiif tinw. 25 Kmi tavQ 
ipwsts ^hmw mi wvq avm$6ras^* oturo^** ßeßbj- 

fABvovg ty ZIVI zötu^ TS&ltfiftht^ xai nenltjgiafiivffi iq- 
nstd/¥ novr^fmv mi füjqaaofäkißovs vno %w &vjQim 
iuimif xttl ovw mg&pofdifavg «cel Aß %ij moHoh 

ixsiyrjf inix^ivio di aihoTg ox(üh:xeg cZaneQ vecpeXai 
Qxitiovg^ ai öh iftoxai zwv ntg>ovevi4ivw¥ 60%(jja(u xai 



1 &^rjywv L, OQx^Q^^ ^> ägx^Q^^^ B> Unt. döektpibv cf. v. 5. 13 
— 2 hxalQOv rdnwv — 3 ochxiAtK^v Smu 6 : ai;ifiij(f6vt(ov C — 
4 axokal^ovrsg — 5 axotivdv — 6 ivAeövfjiiva C — 7 %v — 
8 fieixlccg — 9 avax^fidinsvoi OOB H — 10 [iyw (ec. nizQOi) 
6h\ ö — 11 avveiö6xaq D : awtia6za<i C — 12 ahtovq — 13 
ovra»^ t^eipoftevovg oon Qt — 14 xoXa^^i — 15 axd^xi^* 



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21. Vidi autem et aliura locuni ex adverso caügi- 
D08UBI \ et erat locas sappiicii , et qui pnniebantar 
ibi' et aogeli pmiientee atram faabebant mmm tertt- 
mentom secundum aera loci. 22. Et nonnulli erant 
ibi liDgua suspeusi : hi aatem erant, qui blasphemabant 
liam imütiae; ' et saliiacebat eis ignis ardMis «t 
pmieuB «oe. 28. Et Btagnmii erat magnum, refeitom 
luto ardenti, in quo erant bomines, qui iuetitiam per- 
tertebant^ et instabant eis tmgtAi UttUmtB, 24. firaat 
anten et alii, noliereB crinilnie tortis eospeiieae eapra 
lutuni illud fervens : Ime erant, quae ad adnlterinm * 
se oruaveraut ; qui autem labe adulterii earum com- 
maeolati mmt, pedibos sospeDBi erant et eapte habe» 
bant in luto. Elgo vero dicebam: Non credebam me 
veniunuD esse in hone locum. 25. üomieidas quoqae 
vidi et oomilii eomm participee ooDiectoe in loeo 
qnotea angusto et referto eerpentibae malte et biatns 
iUis vulneratoB et sie ibi versantes in supplicio illo, 
iaoebant autem enperw vennes velaü nabes «aiigiaie; 
anmae autem ooeisoram etantee et ratnentee enppli* 
cium iüomtn honiicidarum dieebaut: Deus, lustum 
ittdicium taum.^ 2Ö. Juxta locum illum Tidi aiium 
loenm angaBtoiD, m quo pne effinebat et foetor 
qai poniebantur, et <[\iam stagnnm ibi fiebat. Bt 
illic te debaut luulieres coilo teuus in pure, et ex ad- 
verso ialaiites matti, qai iasmatore parti ernnt, «e- 



1 II Petr. U 2 II Petr. 2,9. 3 U Feti. 2, 2. 2L 
4 a Petr. 2. 10-14. 5 Apoe. i% 7; l», 2. 



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284 Sunt, 

iq>0Qwaav ijyv xoii^aoiv ixeivtov tmv (fovuov iXeyov *0 
^WQy duuUa aov ^ xQiais* 26 Wafiiw dk %ov %6ncv 
intthov ddw ^rsQov %inw Te^Xtftuim ^ ip 6* IxftiQ 

xai t) dvo(t>6ia %(Zv xola^ofdvv)v xaieQQee xai Loo.itQ 
li/tivf] iyi^sto ixtii^ xoKei iKa&tpno ywalxeg ix^mai 
tiv txAfa fdxffi %w xqafjrfjoif wi dnmQvs awtSv noklol 

naldes, o\iTLV8]g ä[v]ii)Qot * ituaovto, xa^rfievoi Ixhxiov 
mal nQoi^QxoyfO fc§ avltwv dxTiv]€g ^ nvQog xai tag yv- 

d(}a[itu ai avUaßoji'Ow * »al iiffQtaaaffau 27 Kai he(Hu 
[m>dQ€g\ xai ywaixsg (fXeyofievoi r^oof fisxiii tov t^fiwoifg 
avraiv xai ßBßhf^fikifOi i» %imt(f axor&vtp* koI fioattio- 
figifoi vno mnvfioxw novr^qm jccrl io^iöfiSi'Oi %a anlayx'^ 
vno oxuih]xiav dxoift/jwv, ovtoi de f]o{xv oi öuo^ccvteg 
tovs doiaiovg not na^ovteg ^ avrovs* 28 Kai nhfjaiw 
imbna» nahif ywahag xaü SifdQes fHxawftOfoi ttvrw %d 
X^ih"^ xai xolai^c^ufvoi xai TcenvQhtfdvov oidr^Qov xu/u 
%wv Offt^aXfiüiv kafißccvonsg^ ovzoi dk rpav ol ßlaa^t^- 
foffiMmeg uei xamg dn6n€g %^ odw vijg datoiüaihnjg* 
29 Kai xoTccvTixQv rrnntov aHot naltv avd^ag xai yv- 
vaUeg %ag yhioaag ai\iüv fiaawfdevoi xai nvq cpXeyö 
fitifw fxcmes i» atofuert, ojvot de ^ow ol ymdo- 
fiaQTVQeg, 30 Kai iv itsQq) vtA vonip x^r^tofiS^ 
o^vi€QOt ^upf^y xai 7iavi6g oßekiaxov, TienvQfüfiivoiy xai 
yw9Sx€S ml wfö^ ^oaa^ ^tfnoQa hdBÖvfsihoi iwliono 
in ahvh xolc^o^tevoi, otiro« Sk ol hkovswrteg 
xai Ji^ nlüvrqf avtwv Tienoi^^otag xai fxr^ il6J]0avTeg 
OQ^pa»ovs wl TPTIf^t dfiaX^aavtBS %ijs inol^g toö 

1 om C — 2 o|*? avTcu]Q H\x-'V)noi D — 3 nxTTv]fQ D — 
4 apatm ui at '/.).. U: nou[xvcig ifxo jOaOiOon Cr cf. Clem. £clog. 
49. — 5 oxoziv^ — ö Tot^aäiyieg. 



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2BÖ 



deutes iiebant, et prodibant ex eis Üammae igui:» et 
feriebaot malieres in ocnlis: hae erant maledictae, 
qnae oonceperant et partum sibi abegerant. 27. Et 
alii viri et mulieres comburebantur diniidia corporis 
parte et ooniecti erant in loco obflcuro et flagellabantur 
a flpiritibas malis, et devorabantnr visoera eonun Ter- 
uiibus noii quiescentibus : ' iji erant, qui vexaverunt 
iostos et tradiderunt eos. 28. £t iuxta illos rarsus 
malleres et yiri, qni mandebant labia ena et poni- 
ebantur et feirum iucandescens in oculls accipiebant: 
hi erant, qui male et contumeliose locuti erant de 
via iaetitiae. 29. Et ez adverso alii rmm viri et 
mulieres, qai lingnas suas roandebaot et ignem ar- 
dentem habebant in ore : hi erant faisi testes. 30. £t 
in alio qnodam iooo silioes erant acatiores gladiis et 
omni basta, ardentes, et mnlieree et viri sordidis pan- 
nis induti voliitabaiitur super eis, poenas luentes: 
bi eraot divites, qui divitiis suis confisi erant ^ neque 
orphanos et vidDas miaerati snnt, sed neglexerunt 
mandatum Dei. ' 31. In alio antem stagno magno et 
referto pure et sanguine et luto ierveuti stabant viri 
et mulieres genibus tenue : bi erant, qui foenerabantur 
et nsnras urararum exigebant. 32. Alii yiri et muli- 
eres e monte praerupto deturbati devolvebantur ad 
imum et rorsus propellebantur ab bis, qui eis insta- 
baut, ut aublime in montem praeruptum ascenderent, 
et deturbabantur inde ad imum neque requiem habe- 
bant ab boc supplicio: bi erant, qui poUuerant cor- 



1 Mc 9, 4a i Act 12, 2. 3. 2 Uerm. Via. I, 1, 8. 8 II Petr. 
2, 21; 3, 2. 



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286 



Tivov ^ xai alfdotos xcd ßoQßo^v m^ioviog ^ iatjjx€ufix¥ 

doMi^omc ' jfoi imumM/%9S tduovg «oMtw. 32 ^jMm ^ 

opdites >(c(l ywalxsg du 6 xQt^fivov ^eydlov xuzaOTQecpO' 
fwm ^(f%ono mtaWf mu ndhv 7jlawo¥M^ vao %üh^ 

Ofgiipofro • ixud'ev nd%(Oy xai r^ovxiav oim elxov ano 
tmffiis xoluaBWQ' ovtoi dl i^ocof oi fumayiag td 

mivw ytmSxeg ahmt ^am ot avyxoififiS^ai ädr^lats 
eis ov dm^ fiQO^ yt/vuuta- 33 Kai nagd ttp x^r/Mfif 

uHom wS^f Amg vcrü? tSUtag x^><^^ ^omm icrwofc 

inoirjaa» dvri ^€oi', xai nag* ixelyoig ävdges ktegoi xal 
ywmx9g ^dßdovs i%0¥%9s oUj^Iovs tinwüneg uat 

iiegoi ndhv tyyvg ixeivtov ynaixeg xai dvögeg (pXjeyo- 
Itnm ual a%Q%if6(4evoi xal zr^avi^d^oh ov^oi di ^oa» 



1. Ji6 xal d nh{i()g xf^ ^AnoxaXvipei (f fjoi' 
Kai datQonij nvgog nt]öiuOa dno zw ßg&pwv ixeivwv 
noA nl^ovoa %ovg dfpd-alfiovg %^ ywamCh. dem. 
Alex. Eclog. § 41. 

2. AvtUa 6 nhgos iy %fi ^AnoxakinffH q>ifiiv 



1 nolov — 2 ßoQß6g<p dva^owe^ — 8 Öavi^ytfQ C — 
4 äXXä 5 Hen&wnrro ^ 6 xtnaatgtipano ^ T nvgäq D : 
ng6^ C. — 8 yifiotp EL : ytvCw C ^ 9 ii^p$Aifng C. 



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poffn mm^ v«kiti HiiiUMrts sese gereutes; mulieres vero 
cnm eis versantee, hae ennt, quaa alia alü oobcqIni^ 
mai nk vir »TiHeri, * 88-. Et prope nantem ilhun 
praeriipiam locus erat igae maximo reüerttts, et ibi 
ababaat yhi^ qvi pfoprik manibiia ajawlacm «ibt 
feceraDt pro Deo, et apud illos alü Tiri ae BaUare«t 
qui virgas tenebant et inter se feriebant neque 
anquani detiete b api ah hoe tocmeato, ei alti rar- 
na piopa üloa nndieres et Tiri^ qui cramibaBtiir ei 
volutabantur et assabantur : hi eraut, qui deserueraut 
Tiam Dei • . . 



1. Ideo ei Petras in Apocaljpsi dicit: Et falgur 
ignis eznlieDS ab infantibus iUis et mnlieram ocalos 

perstringens. 

2. lilico Petrus in Apocaljpsi dicit: Infantes 
aborÜTi sortis fainri melioris. 

3. Mulierum autem lac deflueus ex uberibus ac 
concretum, inquit Petrus in Apocaljpsi, bestias parvas 
camiToras pariet, ei in eas reeorrenies devorabnnt 
Ot n. Petr. 2. 19. 

4. Dictum in Apocaljpsi Fe tri: Terra statuet 
omnes (qni indicaninr) ooramDeo in die indidi« cnm 
ei ipsa iadicabitnr nna cnm caelo complectente. 

5. Et tabescet omnis virtus caeli, et complicabitur 
caelnm sicut über, et omnia astra cadent sicut folia 
de TÜe ei sicai folia cadent de ficn. Gf. Jes. 34,4. 

1 Jod. 8. 2 Born. 1, ^C-Sa 



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288 SunI« ^fcagnirnte bec %tiiniapota\^p\t. 



{nti^ Cod.). Ibid. § 48. 

3. To di yaltt %tav YvnoßHüSv ^iov ano %m itam^ 

xal nr^yvifteyw j (pr^oiv 6 TlhQos iv rrj ^AnoxaXvtpeif 

aikas xareo^ieu Ibid. § 49. 

4. To UHijgyfihm h ttj Jtftonalmfmi toß TlktQov 
m •'H yij noQaotrjaei nccnag i(p &e(p (xQivoftivovs) iv 

n^mg ftiXlovaa xal ovn; itQino^tti aw ml %ff 
9UQiix(mi ovQ<mp. Macar. Magn. Apocritica IV, 6. 16. 

5. Kai laxr^aerai Ttäoa övvafug ovqovov xal eXtx- 
iH^stM 6 ovQQviig uig ßißUoVf xal nccvtct %a aa%Qa 
mmSxtu iOQ fpvklot ufinelov not nimti ifvUju 
äno at/x^g. Ibid. IV, 7. ' 

1) BQ{)n, ®efd}. be§ ueutcft. Äonon? II, 81Rf., bält aud) 
bicfcS flüiij mit ^ef. 84, 4 sufammcnfatlenbe ilBort für einen ^l^e- 
ftoiibtcil ber '4JctruöQpofQU)pfe. ^)Q^)clbe irirb Qbec üon beiu 
Reiben IV, 7 einfoc^ al§ todjrijttuort angeführt, uiib bic ent-- 
fprec^cnbc Xorlcgung be^ Sl^riftcn IV, 16 qiebt feinen (Scunb, 
auf bie 9IpofQlQpfe äurücfäufü^ren, jonbern fie nötigt üielnie^r, 
QlS Üi^ürt M ^efoia^ ju foffcn. ^tnn M ©ort be§ i^ro- 
Preten lüitb Ijier jur ^Jcfroftigung ber 6tefle r/ y'j n(Xi>uati)oft 
xtX. ongcfü^tt, ui(^t etn»a jur (frljiirtung einer iroeiten 8 teile 
Qu^ ber Spolalijpje. 3)ie 8teÜe luurbe ebenforoo^I t>on bem 
iperanögebct beö ^JiafartU'? aU bon ^ilgenfelb \o aufgciaßt , unb 
m.^ niit3?e(f)t. l'iit JHücffidjt auf bic onbere $luffaj|ung glaubte 
tc^ aber immec|)in {te ^iei anici^en {ofletu 



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4. 



$aul Scrttitorid. 

@in augeblidl^er Reformator oor ber Steformation. 

8oit Kaplan ikmliU in äftanc^en. 



Unter ben melen bebeutenben @ele^rten^ bie gegen 
Cnbe M SRUtelaltetd 5Deulf^Uinb )ttm Kii^me ge« 
reid^ten, nimmt ber granjirtöner ^aul ©criptori« 
m\)i \nä)t bie legte Stelle ein. ilud ber ©tabt 9Beil 
in Sl^tttemberg gebürtig^ fcblog er fUb in {einer Sugenb 
ben SRinoriten ber Obfert^an} an. Sie Xl^eologie ftu< 
bierte er p $artd unter bem aus^ge^eicbneten Se^rer 
6te)>l^an SBrulefer. 3n bie ^imat {urflclgefebrt, 
mnrbe er Seitor ber Xl^eologie am OeneralRubium ber 
granjiäfaner in S^übingeu unb gehörte aU fold^er )u 
ben ^rofefforen ber bortigen $o(bf(^ule ; fip&ter ftanb er 
aud^ mehrere Sa^re bem Xfibitujcr ftont)ent att Suarbian 
t)or. ©criptorid lef^rte inbeiS ni^t blog ^(»eologie 

1) Dag @. ausgebreitete ftenntniffe im ^btäi\dftn ge^aM, 
iDte fitnjenmann, «^anfjen unb anbere be^oupteni tft unrichtig; 
tonnte er bo(^ feinem Ovben^bniber ftonvab VeUitan nii^t 
tim. QMii#|cift last. ^ II. 19 



ui^ui^i^ü uy Google 



290 



im StctiSt x>en ^eunbeii unh Ittnbegietigeii S^^üUm 

trug er au6) bie mat^cmatif^en SBijfenfd^afteu t»or. 3m 
Sa^te 1497 gö^Ite et in {einen iBotUfungen übec duh 
tib unb bie ^toIemAifilfte Seogtap^ie fafi fAmtli^e Se^t 
ber ^odjifctule gu feinen ßi^^örcrn 

tBon leitetet ^Birffamteit abfe^eub, moUen mir \)ux 
&cdptoM blo| aU X^eoiogen betrad^ten. (Sd ift ndm< 
li^ bem au^gegei^neten ©ele^rten badfetbe 9)'2iggef(^((f 
tpiberfal^ren , mie {o manti^en anbern ^ertorragenben 
Wt&mttu bed audge^enben 9KUtetaUetd: et ifl aU ein 
SotUufet bet fogenaniiten Stefotmation gefeiett tootben. 
®* mürbe uns 511 meit führen, moUten mir aße Schrift' 
jleUer namt^aft machen, bie bem Xübinget gran^idfanec 
unfitd^Ud^e Xnftd^ten suf^teiben Begnügen oit und, 
barauf l^inaumeifen, bafe t)or fur^cm iiod; ccnptori^ neu 
Sfleufd^') qU ein „S^leformator t)or ber Deformation" 
bqeid^t »otben ift Ob mit 9ieibt, mitb bie folgenbe 
Untetfud^ung §eigen. 

glaciud Slli^ticuiS, ber fo manche gut fat^o^ 



etamat bie nttioe Meitimg gam 8efen bef ^(tftif4en geben. 

Qlronifott bei ftvnvob Vellitent beranlgefieben bitr<b 0. 
fRiggenba^. Oafel 1877. 6. 16. 5Dtc einjiige UnterfUl|inig, bie 
8. bem Vefliton bei bem bebtfttMen 6tubinm getoA^ctc, befranb 
bfttin, bab et im Sabre 1499 f&v feinen 8tebting§fc(fl!et einen 
flbetaii gtobm bebtftiMen Sobei, ben ^Oittn iNm bem 9lah%er 
8«on|ifllmiet 9aiil 9febbetSbeimi einem belleten ^ttbea, ec^atten 
balte, nnf ben 6<bn(tent üon SDlatni nacb S;flbingen tcng. 

1) 9etK(an9 C^beoniton 18. 

1) Mbfl bcY fMtft fo na<btenieXb. ttiebemnnn (Dr.3o> 
bann M gtegenibnrg 1865. 6. 18) t^t fiä^ be§flgH(b ^iefef 
fttflltei iwn ben ^teftonttf (|en 64tiftfiellew in bie3rce fObren 
(nffen. 

3) «l%iinetM «Mtf^e «iogennbie. »b. 88 (1891). 6. 488. 



Digltized by 



$aul ®criptori9. 



291 



Htmpeit aud^ unfern Scdptorid su einem SotUnfet 
Sutl^etiS. 5Dem Begrfinbet ber ^aqhtluxqtx Centntien 

gufotge, mare ber fd^mabijc^c granji^faner f4on §u ^ari« 
in bec 6<^ule IBnileferd für bie reine :^et;re gewonnen 
morben. £e(tem foU nAmli^ Detf<|Kebene unfif^tt^ 
Slnftd^ten vorgetragen ^aben, bie bann 6criptori« ju ben 
feinigen gemacht ^ilngefic^t^ iolc^er S3ei^aiq}tttttgen, 
bie t)on fa^tteid^en )»otefianU((t^en ^d^ftfteOecn »ieber« 
l^olt »orben ftnb mivb vM^t unnötig fein , unfer 
Slugcumerf jucrft auf 55rn(efcr richten. ®ir merbcn 
fo (Gelegenheit ^aben, einen 9)lann tennen )u Unten, 
ber gegen Cnbe bed 16. 3al^(unbert4 Ungere g^tt in 
SWainj aU X^cljrcr ber ^^eologie fegenSreid) gemtrft ^at, 
StepJ^an ^rulefer geboren ju 6t. a)ialo in ber 
Bretagne, trat )u 5Dinan in ben Orben ber SRinoriten 
(jtom>enttto(en). SRit bem glüdlid^flen dhrfolge üoSenbete 
er feine roiffenfc^aftlicbe 2ludbilbung ^ari«, erhielt 
bafeibfi ben S)o(torgrnb unb einen iBe^r^nl^l ber 6cos 
ti1Uf((en ^^cclogie unb gelangte aud^ aU ^rebiger ^u 
gro6er SBerü^mt^eit. 3Begeu feiner ^cterobof en SCnfic^ten 
märe er inbeS, glactud h^ioi^^, t)on ben ^rifer X^eo« 
logen nerfolgt »orben; um biefen Serfolgungen lu enl« 
ge^en, ^ätte er jüd? jc^Ue^Licii iia^ Wlaiiij^ pcüdjje^ogen *). 

1) M. Flacius Illyricus. Catalogus testium veritatia. Ar- 
gentinae 15fi2. p. 563. 

2) J. J. Mospr. Vitae Professorum Tubingensium ordinii 
Theologici. i)eca8 Prima. Tiibingae 1718. p. 60, Wo nodf üer« 
l't^icbcnc anbete 3tutoren, tuic (fc^inget, ^edenbotf, SJu $teifift' 
SRotnaQ u. \. ro. angeführt ftnb. 

3) ©gl. ^rctburger ftirc^enleyifon II*, 1355. 

4) »Qaamobrem Parisiensiam tyrannidcn) experttu, Mo- 



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292 



gu SRoina W Bnitefev aaerbingiS eine dufMt 

gefud^t ; bte ©riinbe aber, bie t^n bcflimmten, ^ariS 
toerlaRen, ttjaren gana anbete, als jene, bie bet lutf|eri{(j^e 
6tr<mi^eolo0e anfft^rt. diu Sd^üiet »ruUfet» gi^t une 
l^ierübcr näheren 2Iuffd&tu6 in einem 53riefe, bcr 1500 
p ^ßarid, alfo unter ben Slugen ber angebli^en ^ex- 
folget, bev Oeffentlic^fett übnqebtn mürbe SdtuUfet, 
fo l^eigt e9 in biefem S^iftreiben, ^abe fU^ ouS ^emiit 
ben fielen ©^renbejeugungen, bie i^m in granfrei^ 511 1 dt 
tDUYben, entstellen tooUen; er fei bed^alb nac^ S)eutic^' 
lanb gegangen, nm bort in einem Obferbantenflofter fein 
ßcben in ftiHer Scfc^aulid^feit befd^Iicfeen fönnen 

äOir Ij^aben übrigens nocb einen anbern ^^u^cn, um 
§u bereifen, ba6 BmUfer in $arid fein unrfi^mliijfted 
Slnbenfen jnrütfgelafTcn. Qn bem b^ftigen geberfriege, 
ber am 2lnfang bei§ 16. ^^^b^^^wwbertS jmifdben ben 
beiben gran^tdfanerfamitien, ben Itonoentualen unb ben 
Dbfetbanten, ani^brad^, fommt 8on{faciud4Set)a,ber 
^rooin^ial ber ^arifer .ftouüeutualen, au6) einmal auf 
IBrulefer fprec^en. SBirb nun bei biefer (^elegenbeit 
ben Obf enmnten bieUei^t ber Sornmrf gemacht , t>ai fie 

Kontiain eonceant, ubi enn plnres artioalos dootrinae Pt- 
pisticM eontrariofl in diapiitAtioiiem Tocaret^ neoattiapericiilu 
ei peneontioiubat caniit«. Oatalogm teit. ver. 563. 

1) S)er 9rief i|l folecnbev @4tift Dorsebrudt: Opaiciila R. 
M. Fr. Stepbaiii Bralefer. Piurinii 1500. a 

2) »Vir clariaBinm» poiihae oonaderaat laeram 
raligioiieiii in alüsnina bumilitaie fbndatam perielitari bo* 
noriboB, .... calcato honomm fiMtigio ae regia eiTiiate re> 
lieta» doetor ipie dlwipali forinam aMamptunu, cum magna 
Tiamm diiofimine . . . adüt barbaram illam Oermaniam , ao 
▼ebat ineognitue ad candidam obtervantiae Ineem traasfo- 
laTii ibjdem«. 



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208 



mit offenen Kernen einen mit bet Mv^e terfaSenen 
Zl^eologen aufgenommen ^den? 9liil^t im Seringflen! 

(iem fielet fic^ üielme^^r oeranlafet^ bem früheren Ston* 
toentualen ^obf^vfid^e |n etteilen. Suve betö^mtefien 
SR&nnet, mie 8rulefer nnb anbere, ^ä(t et ben Obfet» 
toanten tooi, )uib au5 unf erer Tlxüc ^jertorgegQnqcn 

^a(b Slaciud ^ätte 8rulefec auc^ in üJlainj untix^* 
Ixd^ Xnft^ten t^otgetvagen^ mii inr %vHqt (atte, bai 
er and) \)iex allerlei SBerfolgungen erbulben mufete. 
©anj anber« fprec^eu jebod) bie gleichzeitigen ^mä)ie. 
OhSi^on bet bemfttige IDtbendmann nidj^td fe^nlidftet 
mflnf^te, ato im ftemben JHofler ein mborgene« Seben 
führen, fo mugte er bod^ au^ ©e^orfam mieber 
ben Aall^ebet befleigen unb bie Seitung bet SRainjet 
OtbeniSf<^te ftbemel^men Xud^ oufiet^alb bet 
Äloftermaueru fe^Üe i^m nid)i an e^renber 3(ner= 
fennuiig. Sin bet ^rooinjialf^nobe, bie ber (^rgbiicl^of 
Settl^olb non ^ennebetg im ^lof^xt 1487 imt 
anfialtete, na^m ber fran^öfifcf^e @ele(^tte tegen SlnteiP); 



1) Defensoritim elucidativum ObtOTTMitiexBgiilarii fmiram 
Mioonim, editum aR. P. Bonifacio proyinde Francie minittro. 
•. 1. e. a. (1516). fol. Ob. »Pnaclarioref qaibat illnctrata 
e^t familia vestr» vixot Mgala mater edaeavit, ut reTerendnm 
fratrem OliTtmm Maillardnm , Stopkuumm Bnilofer plaio«- 
qoe aliofl«. 

2) 3n bem oben ermähnten Briefe ^eigteft: »Postquam ioibi 
cum humilibut fratribns wir profimdiiwinae homilitatit «ab 
indocti facie bomiUtor eeset cooTemtus, lacernam lub modio 
positam Doiu miiericors elareioere voluit; lectoris offieiam 
Mdem quamvis renitenti a euppric ribus extiiit iiyiiiiotliaK» 

3) Opuscula 202—206. Questio d« tymoiua» In igr- 
nodo quadam MoguotiDenu edita et olero piopoeita par 
M. Sieph. Urolafer. 



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294 ^üiui, 

tDurbc er beauftragt, üor bem DerfammeUeu SiUxu^ 
itt twebigeti, \x>a§ i^m OeUgen^eit %ab, bie (^r^oben^it 
bed SRego^fetd unb bie ][;o^e Sfttbe bed !at^Uf((en 
^rießertum^ ju feiern ßin anbcveij 3)la( mufete er 
auf ^efet^l bec Obern am gefte ^i)2ariä Himmelfahrt 
m bem 9Uiiii}er StUxu^ eine lateinifd^e ^tebigt im 
5Dom l^alten'). 

Slld 1488 bie oberbeutfd^en Obf erbauten i^r $ros 
Dintialta)>itel in Kfttnbetg abiftielteii, foSte^ tote ^mbfy^ 
It^, eine tl^eoIogif({^e Disputation Hattftnben. Obgleich 
ber ®eneralDifar ber ci^moutauen Dbfen)anten, ber ^xan- 
§ofe OÜk>iev äRaittatb, sugegen mar, mugte bod^ 
Snilefer ben Sorft^ fül^ren, md^rettb fein früherer 
©d^tiler, ber Xübinger £eftor ©criptoriiS bie 35ers 
teibipng ber aufdefteUten X^feu übernal^m 



1) Opuscula 207—225. 

2) Opuscula 252— 264. ^erStrafebiirtjcr r^oiirt^erft . 5 ctjm i bt 
jf^eint glauben, baü ce ein äUagui» luai, mit beni „liclcroboyen" 
^riilefer inSfrfe^r treten; er frfireibt nämtich (Histoire litt.'- 
raire de l'Aleace k la fin du XV. et au commeucemeüt du 
XVI. Bit-cle. Paris 1879. 1, 128) : »».^uanU le francisciim fitienne 
Brulifer fut oblige de i^uitter Paris \)i\ir avoir prolesse quel- 
ques doctrines contraires Ii la tradition , Wimpheling n'he- 
sita paa a le fr(5quenter a Mayence«. ^tls^ 'ilclcg citiert Sdjmibt 
bie ©c^rijt 2Bimpt)eling8: Contra turpem libellura Philoruusi 
Defensio theologiae scliülaeticae et neotericorum. ÄQp. 8, wo 
jebocf) nichts anbereS ^^n finben ift , aU baö üob 33rutctec*, bcn 
ilbiniptjelinc) 5U l'^otu/i Peifönlid) teuiicu gelernt ^otte. 

3) Chronica Fr. Nicolai Glassberger, lu ben Analecta 
Franciscana. Quaracchi. Tom. II. 1887. p. 504: »l'isputatio 
8ub praesidentia eximii doctoris Stephani Bruliier, iu tbeo- 
logia magistri Parisieuaie, sab aevo doctissimi, pro tunc studii 
Dostri Aloguutiüi rectoris, rcspctudento Paulo iScriptoria, in- 
geuio clariwioio, lecloie Tubmgeuai«. 



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$aul 6uiDtoii«. 



$on HRaitt^ mürbe !6rulefet ftU £ettov bei Xf^to« 
logie naöf 9Ret betufen. O^tte gmeifel oef^]^ Uli im 

3al;rc 1490, ba er feine ^orlt)uiit]eii über ben J^om^ 
mentar bed I^L ^onaoentura 511 bem erfteu öuc^e bei 
6<iiteii|eii am 28. ^uiii U90 au äRaini be(4l»ft ititb 
baan in 9Reg bie Gnflfiniiio bet btei anbeten M<bef 
fortjeljte uub beenbigtc ^ier erl^ielt et <mö) 00m 
«enecolDifat DUiotec äRaiOatb ben i^uftcad, ft4 Mdft 
bet 9tetague au begeben, nm ben SMbetffainb, ben bk 
S)om^crren üon 6t. ^xieuc feit toieten Qal^ren ber ©r^ 
tt^tung cineiS DbieitoontentiofteYiS bafelbfi entgegenfe^tett, 
buxd^ fein iLnfeben nnb feine Mn^b^ in befeitifHtt. 
Dlad^em bieä gelungen, jog fic!b SSrulefer, bem 3^late bet 
Slet|te folgenb, in ba§ cinfame, X)on einem (Se^öl^e nnu 
gebene uab unfern bet äReetedU^ bet Xkretoftue q/tt 
legene 5{Iofiet tBemon ^ntfid, um im (einurtli^tii Alinui 
bie angegriffene ©cfuiib^cit lieber ^erjufletten. Seine 
itb&f^e $ilaetf(baft neigte fub i^o^ sum (inbe; et 
^atb in Setnon balb na^ 

6d^on auö biefen dufeern Sebenöumfiänben getit 
§ut Genüge \^ix\)ot, baft ^tulefet nie haxan gebacbt 
l^at, unfitij^lübe Sebten notintnisen. 5D«dfelbe etgibt 
fid^ an6) au0 beffen Schriften. 9iamentli(b in ^Betreff 
bet ^ecbtfertigungdie^re unb bet fit<i^li4en ^otität 



1) Excellentissimi ac profundissimi humauaram divina- 
ramque litterarum doctoris fratrie Stephan! Brulefer or- 
dinis minorum charitate igniti reportata clarissima in quatuor 
S. Bonaventurae doctoris seraphici sententiaruni libros Scoti 
Bubüliö secundi incipiunt feliciter. Basileae 1501. 4°. S)ie 
obigen Angaben finbet man am ®(^luf|e bed ecfUn uobfam An- 
fange M ^toetten )t)u(^ed. 



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896 



\oU ^ruUfer proteftantiid^e ^Inftd^teu vorgetragen l^aben. 
OeaftglUift M ecfien $uithed ^ftUe er bie £e^e, meldte 
bie Ste^tfeTtigung menfd^Iid^en IBeYbienften auftreibt, 
aU eine „^eufeli^le^re'' üenüorfeu 2Benn aber SBru- 
kfer %tUitt f^ai, 6a| bec ^en{4) bie (Snabe bec ätedj^t» 
fevtigung nid^t oecbienen tditne, fo toitb i^n tool^t nie» 
manb raegen biefer 3lnfic^t aU „5le^er" üemiitiUu 
moQen; beun in bieiem fünfte ftimmen alle fat^oliid$;en 
X^eologen mü bem fcaii}6ftf4^eii (^eU^tten überetn. 
^en ©ntfieDungen gegenüber, bie SRelatid^tbon in 
ber ^ug^burger ^onfeffton unb beren Slpologie fidj^ 
6<l^en lommen lieft, tonnte ber SDominifaner ^o^ann 
aXenfing ertUren'). ^SEe tot^oQfc^en Xl^eologen 
tt)iffen m^l, ba^ \im burd^ ß^riflug alle ©ünben oljne 
unier Serbienft gejdj^entt finb in ber erften Rechtfertigung, 
nnb nid^t attein ol^ne unfer Serbienfi, fonbem aucb 
n)iber unfer iBerbienft, bie mir tiättcn nic^t allein 
nid^t^ gutes, fonbem aucb bie emige ^erbammnid Oer- 
bient. SSSer fagt nid^t, baft mir in unferer 
erflenSled^tfertigung Vergebung ber 6fins 
ben erlangenburc^ ben(ebciibigen®lauben 
an 3^{um d^t^ri jium o^ine unjer IBerbienft?'' 
„2)ie ganae Sl^riftenl^eit unb oDe ^o^en 6((nten (aben 



1) »Magna auditorom frequentia, constantia animique 
integritate magna , contempto charactere Bestiüe , defendit 
atque propugnavit , doclriuam quae meritis hominum justi- 
ficationem adflcribit, mendacem esse, immo diaboUcamc. 3Rojec 
60, nadi ^lactud 563. 

2) 8)otn Detbienfte unb rec^tfertigungen be^ giaubin^, heben 
unb guter werf. Unb auff beu Xrijtten unb Sieiöen artilel 
Sut^erifc^er confejfion, Sampt $^t(tp 'iD^elant^oni^ ^otogia 
unieril gegeniPOKt^i» ünbec tei^U. 15;^5. iöl 5b. 20b. 



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297 



büd bU^et 9eU(^vt/ 60 tonnte benn aud^ 3dtuUUt, 
offne mit bet Jhr^e in fßibeTfpni^ geraten, lehren, 

baf; bic rocbtfcvtit]cubc Ghiabc o^uc uorgel;eube SSerbienftc, 
aiieiii um bcr '^erbienfte (^^rifti iDilleu, un^ mitgeteilt 
metbe Snbeffen fugt er f^ingu , bag ber Sünber bte 
Bted^ltfertigung , menn aucb nt<j^t de oondigno, fo bod^ 
de coiigruo üerbiciieu tönm, mtl anbern 3i5ürtcii, ba§ 
er fi4 auf bie fl^ecl^tfertiguttg mit ber (S^nabe (Botted 
unb bunl^ ben Üthtaud) feinet freien SBiOend oorbe« 
reiten fönne, eine fie^re, bie balb nac^^er t»on ben 
l^teuerern heftig befämpft würbe einmal ber 

6finbet gere^tfertigt, (el^rt 8rulefer meiter, fo fann 
unb mni] er bnrcfe c\n\c 5öerfe , bic mit bev ©nabe 
<BotU0 uoHbracbt wi^ibeu, beu Gimmel oerbienen'). 



1) »Gratia pratiiiii faciens est forma nobis a Üeo f^ratis 
data sine nieritiü praecedentibus«, Reportata in St. Bona- 
ventnrani. lib. 2. diat. 7. q. 2. >Niillu8 uuquam reaurpit a 
peccnto nisi pttssione Christi taoquam meritoria«. lib. 2. 
(L 28. q. 1. 

2) »Licet gratiticatio |)Os?>it cadere aub merito con^'rni, 
uuoquBin tarnen polest cadere sub merito condigni, loquendo 
scilicpt de prima gratia (habituali)«. 1. 1. d. 41. q. 1. »Pecca- 
tor apn<l Deum nihil meretur de condi^no, sed tainen niereri 
poteat de congnio ... Rt hoc uon potest esse sine aliqiia 
gratia datis data, quae disponit de congruo aii ^ratiam gra- 
tiim faciciitt'm*. 1. 4. d. 15. q. 5. »Ad susceptionem jostifi- 
cationiH in adulto leqiiiritur motus liberi arbitrii , secandum 
quem consentit gratiae-«. 1. 4. d. 17. q. 2. Cf. Opiiscula 58a: 
-»Fere ouines theologi in hoc coni orditi>r conveniunt, scilicet 
quod Opera informia a gratiis ^n■ati^^ datia elicita et facta 
extra charitatem uierentur de congruo ipsam charitatem et 
diBpoDunt ad ipsam . . . licet non aiat bona bouitate meri- 
toria de condigno« 

3) »Nunquau Dens aedificabit mihi domum in paradino, 



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296 



2Ba§ bann ^rulefer^ ©tcHnng ^nx tixd)ii6)e\\ 3lUi 
totität t^etciff io foU glaciui» a^folge^ tu hm ftom« 
mentar )u ben Sentenzen teuren, bie S^x^ ^be bad 
^ted;i uicl)t, ctiuad unter cincu ^oöfüube gebieten, 
^er ^ran5i^!anei* U^it alierbingd, bet $apfl uub aubeu 
hrcblid^ Dbttn (bniteii bie (Semiffen nidj^t untet einet 
^obfünbe tjerpflid^ten. 3)tcfe ©e^auptung fc^räuft et 
jebo^ ein burc^ einen {e^r lui^ttgen ^^taft/ glaciud 
oetfc^toeigt. Anliefet fagt nfimlt^ : bie !it<lftU<lftett 
Obetii Mniieii und iii<^t nutet einet Xobffinbe t)et« 
pftid&len, f o f e r n j i c e i n f a e 3yu n f e n f i n b. 
6ofetK {te ft(b abet auf bie Slutotit&t dotier WS^^, 
fofetn fte aU SteOioetttetet ®ottei$ auftteten^ fbmien fte 
ganj mo^l bie (_^Kiüi)(en mpflic^ten. ^ie^ fei 3. 5^. 
ber Satt beim gaftengebote, mie auc^ beim Gebote, bai 
man an 6onn« unb geiettagen bet Ij^L Wie^e beimo^ne. 
Ser ba^er am Sonntage bie ^l. ^effe o^ne genügen» 
ben &xmt> oerjäume^ ber begef^e eine 6ünbe 



j\m ogo aedificem cum eo; aedificare enim domum in p&ra- 
diso est mereri vitam aetcrnam«. 1. 1. d. 40. a. 1. q. 1. 

1") »Nulla transgrcseio facta contra traditionem hominis, 
tn quantiim homo est^ est peccatum mortale. Nulla trans- 
gresHio t'actu contra praelatum aliquem in quantum est aliuü 
praelatus a Deo et distingnitur a Deo, nulla talis est pecca- 
tmu mortale. Tota Ecclesia, ut nun inuititur Spiritui sancto 
vel ut distiu^^uitur a Spiritu Bancto , non potest oV)lij£rare ad 
peccatum mortüle . . . Ecclesia lU innititur Spiräm sayicto, 
etiam summns ponlitex vel aliquis praelatu« in ipmnt mu inni- 
titur Spiritui Huncto , poteM ohligare ad ptccaium mortale. Et 
ideo est quod Ecclesia obligat ad jejunium quadragesimale, 
quia innititur Spiritui sancto«. 1. 2 d. 5. q 1. Cf. Opuscula 
61: »Non andiens miasam in die doniinico omni excusatione 
legitima postpoaita, peocat mortaliter«. l^^un je^e man, vovt 



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^aul @CTt|rtoct«. 



299 



übrigens )Brulefec bie S(utontät ber Stitö^e 

nid^t geringfd^ätte , jeigte er genügeub, inbem et offen 
erHärte: 2Ber l^artnädfiij etiua^ gegen bic (^iuj(^eibung 
bev Stixd^e le^ce^ bev {oUe ald Keger angefe^eii unb aU 
fold^er gefiraft metben 6« barf itnd benn au<3^ nid^t 
2Bunber nehmen, menn rvix, tro^ aller gegncrifc^en ^-öe^ 
l^auptungen, tu bea ^ö)xi\Un bei^ ftanjöfif^fen ^xm^i^^ 
fanerd niilftt bie geringfle Wioei^ttng oon bev fit^ti^l^eu 
Se^re entbeden. 

2)ad{elbe gUt üon beu 64rt[teit \dnesi 64üUrig 
6cri)>totid; benn au^ leitetet fyii glüdtid^emeife ein 
t^eologifc^eg 9Bet! ^interlaffen, au» meld^em bie fheng 
lir^lid^e ©efinnung be'5 33erfafferd uniuibeileglid^ nad^-- 
gemiefen »erb^n tann. %>kü äBerf, oam ;;3|a(^re 1498^ 
enthalt bie 8ot(efungeii, bie Scrii^torig p Xfibingen 
gehalten über beu Äommenlar Deiä S^uiic» 6cotuö 
bem erften ^uc^e ber ^enten^eu ^dtte man bieie 
^orlefnngen^ ftatt nnt beten Xitel anjnfü^ten, ttxoaA 



Sfacni« (Catalogna 563) bie Sliidffl^ningen '^rulefer« gefftlfi^t 
^ot: »Supra Sententias Bonayentnrae icribeiia, diserte dicitf 
hisce etiam ferne verbit: Neo Papam, neo Coneiliam, nee 
aUan plane hominem potae quicquam praeoipere sab poena 
mortaliB peccati, quod ante a Deo praeeeptam bob evet«. 

1) Opnaciila IdOb : »Quicunque aiierit pertinaoiter aliqnam 
pfepoeltioiiem contra determinationem Ecdeeiae, eet baere* 
tieoB cenflendna et ut haereticue pnniendni«. 

2) Lectnia firatris panU seriptorie ocdinia minorom de 
obaerraniia qaam edidi^ declarando rabttUanaiai doetorii 
Bubiilis aenteniias eixea magiitnua in primo libro. Hat S(^lnffc : 
Eaplicii exacta ezpoeitio . . . ordinarie laeta in con?enta frairom 
minomm in alma nnivertitate Tnwingend, nbi et impreeaa 
per HagiBtram Jobannem Ottmar. Anno HOCCCXCVIII. 2*. 
8»eite Knisobe. Carpi 1506w 



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300 



Hälfet bettaid^iet, fo mürben f<j(oii (&ngfl üerfc^iebene 
'mlijc Urteile über Scrt^toriiS aui^ ber Sitteratur Der« 

fd)mimben fein, "äümi unter allen 6d^nft|"te(lcrn , bie 
t>m Xtibinget ^e^irer unlicc(^U(t^e iUificbten juf^reiben, 
ffai fi^ lein einziger bie SRü^e gegeben, auf bie am 
meiflen glaiibmürbicic Oauilc jurucf^ucjcL^cti 

(3Ux6) in Dec ^orrebe befunbet ber ^erfaffer feine 
gdniluj^e {Eingabe an bai^ SBorl ber l^eiligen ^irdfte. 
geierlid^ beteuert er, ba6 er niemal« eine SInficbt oor« 
tragen moDie, bie ber (Sntfd^eiDung ber Äircbe juroibcr? 
laufe; foEte er inbed fi^l^ierin oerfef^len, fo toiberrufe 
et jegt fc^on aUti, er irrig t^ortragen tdnnte *). 



1) £. Äcllec (5ofianu uon 8taupi|^ unt) tue '^lufsinn? ^cr 
9ipformfltton. i-'eipvn l^'^P- 3. 13), tiei bcn ha orfirift 
anfü^tt, ^ält bell Doctor sulttilis, über bcn Scriptori« ^ortc» 
junflcn gegolten, für Cef am, beii befanntcn Oku^uer M %äp^U 
licfien etnfjle*. 2^iefc '^^oilicbe bc^ Jübingcc liifljrer^ für Ocfam, 
meint ber -vcvi 3hct)iDai, „flärt üielleic^t '?}?anrf)e^ auf, ma^ bi^» 
\)(x bunffi wax". ÄcUer iucife aljo nic^t, baß unter bein I>nctor 
Bubtilis nidjt Odom, fonbcrn 5)un* Scotu^ 511 Dcrftct)eu fei. 
.t^cllcr folgt t)ier übrii^end nur 8tciff, bei cbenfalld CÄlIg. b. 
^^ioflrapt)ic. «b. 21. 1886. 6.549) bcn Doctor snbtilia, übet bcit 
©criptorii? '•8orlc)ungfn aetjolten, mit Ocfam uenuec^felt. 

2) 5 Protektor in hoc actu legendi , declarandi et docendi 
et qtiocunque alio verbo vel scripto Dei gratia in posterutu 
per nie tiendo , non intendo aliqiiid dicere vel scribere quod 
Bit contra ileterniinationem eacrosanctae matris Ekicleaiae aut 
contra deterrainationeoi doctorura ab ea approbatorum, qnod 
cedat in favorera articulorum rite, legitime et diffinitive con- 
denmiitoruni per quamcunque universitatem vel episcopalem 
aucioritatem (et notentur illa tria: rite, legitime et diffinitive), 
quod sit contra bonos mores vel quovis modo valeat ofFen- 
dere pias aures. Quod si oppositum oontingeret (quod Dens 
per Biiam piissimani misericordiam avertere dignetor), ex nunc 
prout ex tuuc et ex tuac prout ex nunc, casio, re?oco et re- 



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Vttttl ecritrtocii. 



801 



3n beit Sorlefttisdeii fdbfl roixh bann uäl^ex gezeigt, 
irarum ein ^t^eologk' bcm Uiicil ber .(^ird^e fid^ uuter- 
toerfeu mittle. äBo^l gibt ScriptoriS gern ju, bag bie 
tid^tig i}etflanbene ffL 6<bvift eine dUubenilTegel fei, 
t)on bei man nUbt abtoei^en bürfe ') ; bocb befennt er, 
hab bie 2lutorität ber 6d?rift {(^^tieglicb auf ber Slutorität 
ber ittvcbe beni^e ^flid^t dU ob bad i^nfel^en ber 
ftit^e gröger fei, bad 9nfe^en ber Mbltfc^en 
Schriften. 3n biefem 6üine , bemerft er , bürfe ber 
SUidfpntcb bed Sluguftinue : EvaDgelio non crederem, 
oiri catholicae eoclesiae me moreret aactoritas, nidftt 

tneto et babeo pro non dieto, pmim rerocare, eanaie et 
ananllare ad correctionem oiqiielibet anctoritateni habentis 
et meliuB teatientiic. 

1) »Scriptora iacra est fidei regnla contra quam deiie 
nUeBeeUm non e«t edmittenda eatoritaa nec ntio cigiiseiuique 
bomin», neo allqna cootnetodo vel ooottitatio nec obiervantia«. 
90a. S)tcfc 6teQe bo^t »obl Stociitf im %v%t gebebt, »enn er 
non GeriptoriS benotet: Anerens omnia Dei Tcrbo oea lydio 
quodam lapide probanda, caetera enim omnia erronea omc«. 
Catalogne 568. 92o(b SanUen T*, 126 n. 8, ber M auf 
Z^of ul beruft, wftcben M Aber bie bibliftben Gtubien bc6 
6criptocÜ bemecfteniipeete WittXixmqtn finben bei Betold, Diäter- 
tationec jnridioihpoliticae. Aigentinae 1641. p. 148. ftm be* 
treffenbcn Orte ift tebo<b A^er 6ctt|»torU niibti su finben. Xb^fttt 
»oflte n»abef4einliib Beiold, IKwertatio de jore academico, 
citiecen. 9n lebtevem ttette, bei mir nicbt m^ii<b if^i f^e^t 
n&mliib (p. 145—176), »ie i<b ou» SRofer 66 crfete, Salob 
dbingerf Oratio de lendibni Aoademtae Tobiogenatk »ortn 
non 6crtptoriA bie Rebe ift 9n feinem Qortvage b^t aberCbin« 
aer, mie man ott6 SRofer MHe|en tann, nur bie oben angefftbrten 
tnlemngen bei ^laeini mieberbolt. 

2) »Ultimate ezpontio et intellectnt tacrae scriptnrae 
reiolyitnr in anctoritatem Ecdeiiae approbantit et leeipien- 
tis, qnae eieditor a Spiritn «ancto dirigi in bis qoae lunt 
fidei«. 20a. 



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302 



Derftanben toerbeti, too^t aber in beut 6ittite, hai toix 

o\)ne bic ^ixd)c lüdjt lüüfeteu, in lüclc^cii 3d)viften ba§ 
Moxt i&otm entl^aitea \n; nur bie nom ®ei)te @oUed 
erUud^tete iHi^e fann iiniS fagen, toeUl^e 6(|^riffen t>om 
^1. ©eifte eingegeben morben 3^^^^^ ift '^^ 
nur bie unfe^^tbare iUrc^e, bie unö über ben magren 
6tmi bet ecbrift autl^entifc^en äluffc^luft gebe >). 3{i 
bed^fb einmal ber Sinn ber Schrift but<!b bie JHrd^e 
fefttjefteUt, fo bürfe man uic^t mel;r baüon abioeic^en 
^u(b foUe man mit ben ile(ern, bie fxä^ bec (^tf(^eibung 
ber Airdi^e ni<^t fügen moQen, tti<]^t lange ^emntbi9|>us 
tieren, fonbern bie bcftclpenben ®efe^e gegen fie an- 
kuenbeu^). ^oUte man einem ieben geftatten^ über 
t^eologifc^e fragen, wie i^m gerabe einfdKt, ftdft 
au^jufpred^en, fo fönnten nur ju leicht allerlei ^xx^ 



1) »Sic debet intelligi: Ego non orederem qaod illnd 
ewet Terom erangelioiD, nin Eeoltna dixiMet ipram etae 
feram eTangeliam, qoia malti Talde tcripsenmt eraDgelia et 
miilta falat unmiseiieraiit; ideo Eeclevia edoeta a Spiritu 
aanoto tradidit nobii evaiigeKiuii illnd qood est Terum evaa- 
g«ltnm , nt adaniT» qaid Chrittot nobls tradiderit St non 
debet nc iatelligi, qaod Eoelenao autoritaa ait m^jor aatori- 
tato Christi, qiiae est eadem cum antoritate OTangelH«. 14a. 

2) »LiteraUs leniui non est aedpiendiu ad arbitrinm 
eignscnnqne, aed noatEedeaia spiritn sanoto inspirata aocipit 
et detenainat, qnia altima resolutio daclarati?a pertinet ad 
oondliom et Eodeäamc. 21a. 

8) »Per conoilia et per dootores diaeaflsa est aeriptora et 
aenana cjoa eat aententialiter düfinitoa«. 21b. 

4) »Per jnra et legea, (nt manuteri poaait) proviana eat 
aenana Seriptnrae. Et ideo non oportet nnno eam heretieia 
diapntare motton, ted teeimämn eamnm cmn m ogi, Videaa- 
tur tamen inqmaitorea ne aint \\m pejoraa heretieia hia contra 
quoa inquimntc. 21b. 



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$aul 6crt))torU. 



303 



leieren entflel^en ^ei^^alb fei fo notioeiibig , t)a6 
ha& £el?ramt t>cr aügemeinen Rixöfe beii ^rofefforen 
bet Xl^eoloeie sttt eeite {lel^e, um etUNti^e drttftmet 
5tt berichtigen'). Sd^on Me (Entf^eibvng etnei» Vi» 
fdjofeö, ber bod^ irren fann, mn& man mit @^rfnr(^t 
annef^men'); um xoimd me^t bie £e^tentic^eibunden 
eiiKi» aBgemeinen ftonflK, bad in S(aube9«fa4^en unt 
fe^ibar ift *). 2^ragen mir alfo fein '^ebenfen, mit 
ooUem Vertrauen ber itirc^e und anjuict^lieSen *). 

üngefiill^td {old^r (^Uärungen über ble Catl^o(if<be 
eioubeniBregel bürfeti wir tt>o(( t)oraudfegen , bag ber 
Xübinger £e{^rer aud^ bepglic^ ber einjetnen Dogmen 
ni^tö l^eteroboied tdorgetragen ^abe. 9iameiitli4 in 
treff ber grage t^on bet SHed^tfcrtigung unb ben gute« 
Söerfen ftimmt er gön^üc^ mit Den aubern fatl^olifd^en 
Geologen überein. äBie Untiefer, fo le^rt au(^ 6cri))« 
todil, ba| ber 6ftnber auf bie ätec^tfertigund fu^ Dor« 



1} »NotaDdum est quod non est bonam quod unusqoisqne 
sit über loqaendo de roateriis theologicalibiu ad nutum suuiu, 
quia cito posRent hereses fondari«. 21b. 

2) >Neoe88aria est auctoritai universalis Eceleiiae in lec- 
toribus, qui aliquando in exponendo errant, nt possit error 
iptorum corrigic. 20a. 

8) »Quam Tis non sit praecise articnlni fidei quod anat 
episcopus com dootoribut suii determinat, nec in oppotitom 
iiitens est per hoc hereticns, tarnen reddit se Tehementar 
aospectas«. 21b. 

4) »Qnidquid determinat universalis Ecclesia est simpli- 
citer tenendum pro vero; sed hoc dictum dcterminarit nni* 
versalie Ecclesia per concilium generale legitime congregatum 
et continuatum. Ergo est verum«. 128b. 

5) »NuUo modo debemus diffidere nos committere Eocle- 
siae«. 14a. 



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304 



9ottTtti, 



beretten unb biefe(be de oonfpruo neTbtenen fönne 

3)a6 bcr gratt-^töfaner entfd&iebcu für bcn freien Söillen 
eintritt, brandet m\)i nic^t nöf^er begrünbet au merben 
2)er gefallene SReufd^, leiert er, fönne fogar aud natfir« 
lid^er ^raft ®ott über Mi'^S [icbaw, aUcrbiug^^ iiicbt auf 
eine 2BeiJc, bic a"»^ erfpriefeUcb tüäre*). ^ux 

S^oEbringung t)erbten{h)oIler SEBerte ift ber 6tanb ber 
Snabe erforbert. Ign biefem Gtanbe fann ber SRenfd^ 
mit ®otteg ^ilfe fic^ ben Gimmel üerbienen *), unb bieg 
felbfl bur^ 6u|erli4^e SSierte, tote hux^ gafien, Ma^tn 
tt. bgl., üorauiSgefe^t, bag biefe 9Ber!e mit einer guten 
2lbficbt üerricbtct iiHröen Slbcr uic^l nur burc^ unfcre 
eigenen t^ecbieuftooUen äBerfe, and) burd^ bie Safra^ 
mente, fomie bur^ bie Serbienfie unb bie Erbitte ber 
^eiti^eu füuueu wir üon ©Ott ©nabe erlangen 



1) »Quieunqne Itbenter vellei tcire ei fiioere qiiae erfrant 
ffteienda et soienda, iUe mereietar de oongruo ja«tifieari . . . 
talem jnaüficat Deut cum proprio merito de congnio et com 
merito Chriitic. 10a. 

fi) »VoluntM est libera tarn ad contradletoria quam ad 
eontraria«. 88b. 

3) » Volnntat natoraliier poteet Deum diligere super omnia, 
«ed illa dilectio Don ewet meritoria vitae aeternaec. 14da. 

4) »Mereri vitam aeteraam ett in potettate merentis 
Bttpposita generali infloentia, ai habet oanm üben arbitrii et 
cbaritatem«. 148a. 

5) »Opera ezteriora, nt j^onia et Tigiliae etc., de ee non 
■nnt meritoria vitae aeternae, aed in qnantom elicinntur a 
▼olnntate ex iacliaatione eharitatia , et ab illo actu interiori 
▼oluntatia dicuntur bona meritoria«. dOa. 

6) »OrdinaTit Deut per certa media noB debere aoqnirere 
gratiam » ut per laoramenta et orationee et opera meritoria 
et intercewionem aanetorom«. 131b. »Per merita aanotorom 
aequiritur gratia«. 175a, 



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^ottl ®cn|»tonf 



305 



^lad) %laciui l^ätte ©criptorid bei bcr (rifläcuag 
bed liierten ®iulfted bet 6enten)eii in feinen SocUfungen 
fiber bad aller^eitigfte ^(tardfaframent bie XranAfub^ 
ftamiation geleugnet Wie menig aber auä) in biefem 
$nn!te bec lut^erifc^e etteitl^eologe Olauben oetbient^ 
ge^t fc^on au9 bem UmRanbe l^emor, ba§ 9 e iB n e r , auf 
ben er ftc^ beruft, bie betrcffenbe grage mit feiner Silbe 
ermähnt @cripiocid (oil Übrigend auä^ j^ier nur bie 
9lnft((t fetneiS Se^retd 8tulefet «»orgetragen ^aben*). 
9iun ^?at aber IctUcrcr in feinem Kommentar 5U ben 
Sentenjen (1. 4. d. 10 et 11) ba^ "T^ogma ber Xraud? 
fubftantiation mit gtoftev 9(ttdfö^clt<^feit unb gan^ in 
!at^o(if(i^em Sinne bebanbelt. „^ie SoSmac^t , meldte 
C^riftud ben ^rieftern tjertieben", fagt er au einem 
anbeten OxU, »ift fo %xob, hai eine gtb^ere einer puren 
Areatur nii^t tdnnte mitgeteilt merben; benn toad gibt 
cd förbabenere!^, ale öa^ (^efd^öpf in ben £eib beÄ 
6(i>öpfer!ä ju Derroonbetn?" *). 

^rdgere Beadfttung, aU bie 9el^uptungen bed 
glaciui^, Oerbienen bie ^ngaben^ mel^e $ e l U f a n in 

1) »Bruliferi ipulus Scriptoris praeceptoris articulos 
oiunea apprehenclit et «ecutiis est, et cum Tubiugae Scotum 
praelegeret et ad decimam 4. libri distinctionem deveniret, 
transsübstantiationern nej^avit«. Catalogus 5ü3. ^enit^Iaciud 
fotgeii .vottiuflcr, (iiu)iiuS ^4>raff, !ä»pfet, ©olf, (S^ingec, öiebc- 
mann, ^i^^enbac^, ^Keujd) u. j. n>. 

2) C. Gegner. Bibliotheca Universalii. Tiguri 1545. p. 540b. 

4) Opuscula iilUa; »Taiita est poteBtue et tarn honorifica 
a Christo collata sucerilotibus, iit nulla major seu honorabilior 
po^sit alicui purae creaturae comtDunicari. Quid enim po- 
tentius et quid honorificentius guatn transiubstantiare creaturam 
in corpus creatoris.* 

QiMiMM^stft. im ^cfiU. 20 



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$aulu«. 



ber 5iutobiogra^)^ie, bie cu uad^ jciiiem ^Ibjalle üoii ber 
Hirc^e um bie Witte bed 16. ^abr^unbertd in ä^xid^ 
\>€xiaitt , übn 6criptorid mitgetetU. Met aud^ aud 
biefen SJIitteilungen fann fetneeroeg« ge{(^[offen tperben, 
bafc ber Tübinger ^ef^rer eine unfirct^lid^e Stellung ein« 
genommen ffabt, 

fiontab ^eSttan, au« Slitfad^ in ObeteIfa§, mar 1498 
ind bortige granji^füuerflofter eingetreten; 1496 mürbe 
er mö^ Zubinden gefanbt, um \^'ut feine ^tubien fort« 
|ufe|ett. S)et flifle, arbeitfame ^fingling tDUtbe balb 
ber Siebliuyöjcbüler bc^ ©uarbian^ 6criptori^, ben er 
auö) auf perfc^iebenen Steifen begleiten burfte. ^n ters 
ttaulidj^en (&t\px&d^en, fo berid^tet nun ^eiiitan, ^abe 
i^m ScriptoriiS toieberbolt gejagt, ed ftebe bie ^exi be* 
Dor, luo man bie X^eologie umgcftalten, bie jc^olaftiid^e 
äKetbobe aufgeben unb ben alten i$ir(benU^tem |tt« 
rftdfel^ren mfiffe; au4^ tiete OeFe|e foDten oerftnbert 
werben ^ied fonnte inbe« 6cnptori§ fagen , o^ne 
ficb baburc^ g^g^n bie fird^Uc^e Autorität aufjute^nen. 
3n ber 8leformationi»a^tt ^^btn fotl^olifcl^e 16ore6m|>fer, 
tt)ie Qo^ann ^offmeifter unb ©art^olomäu^ 2lrnolbi pon 
Ufingen, ganj äl;ulic^e ^ilnfictiten auögejprocten. Söirb 
man bedb<^U> biefe äR&nnet ben Neuerern bet)&(^len 
bürfen? 9>ai ber granaidfanet eine Erneuerung ber ba< 



1) $enifiui4((^roni(on24: »Seriptom loiebat mihi dioeie, 
inttRie tempus mntaiidM theologiae et deferondM •cbolasticM 
dwputfttionii, renunendoaqiid pritcot S. Doetoret et obmitten- 
doi P»ri«eiiiee. Item, tempm appetere mutandaram legum 
plorimanim«. fteder 7 fc^rctbt ittig: „^eflitan befUltigt^ bei 
€crM>torif Hectrattlid) freiere tlnfic^teit Aber bie fttc^ entehre 
ge&ugert ^abe". 



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9aul ©cciptorid. 



307 



matigeit 6^ultl^cologie l^trbeimünfd^te, tvttb i^m nie« 
manb tjerargeii. Wlan tönnw i^m metme^r ben ^ox- 
»Ulf mad^en, ba| ec felbet in bcn gef^Ut gefaKcn, ben 
er, ^elKifan jufolge, getabelt ^a(en foD. eevobe fein 
t^eologifdjc^ 3Berf liefert ^lU fdjtagenbflen fflemei« für 
t)ai SlbmeUeu ter alten {c^olaftijd^eu äi^iffenfcf^aft beim 
audge^enben 9)ilittelatter. Tlan bebarf einer ni^t ge- 
nügen ©ebulb, um fic^ burd? bie sa^Hofen ^ifiinftionen 
uiib bie fpi^flubigeii Subtilitäten, mit beneu ber S3ets 
faffer fein SBert angefüllt i^at, ^inbur^^suacbeiten. ileine 
©put t)on einem etnflen 3wrü(fge^eu auf bie 64dft 
ober bie alten i^äter ! '^lux mx bie^ 'Berf nie angefc^en 
f^at, mitt> mit ^ o l b e bef^aupten mUen, t>ab bec Xü» 
binger Se^rer «,mit ber 6<i^o(afiiI lerfaSen mar* 

3ur ^dt, wo Scriptori^ fein t^eologifc^e^ 2ßerf 
oeröffentlicbte, al|o um 1498^ tpurbe er ^ier unb ba 
eingelaben, in ben umUegenben Ortfi^aften, mie in ^orb 
vnb SIeutüngen, e^eftprebigten 5U galten. 9ei folc^en 
©etegen^eiten foU er nun über bie ©oframente, bie 216* 
l&ffe, bie @eläbbe unb anbere fünfte ^ufi(t^ten audge« 
fpro<^en ^aben, bie, wie ^eHifon bemerft, fpAter aU 
lui\)exi\ be^eid^iiet mürben. (^^ gieuc^en M\)aib 
bie Tübinger ^(;eologen, bie bat)on Kunbe erhielten, 
mit bem Oebanfen um, gegen i^n eine Unterfud^ung 
tpegen j^egerei ju beantragen^). @criptorid mirb aber 

ly Kolbe, %U bctttf((e iHugu^ncf^ftongregation nnb 9ob<^nn 
von 6tott|ii|. giot^ 1879. 6. 215. 

8j ^eHilan 13: »Ubi nimit pro trtu tomporibns libere 
pfMdioAoa» qvoadam urtiealoi aiooTorabat et probabat for- 
titer leriptitr de tacrameotis, iodalgeiittis, Totii et alüt, qni 
poetoft dieti annt, 11t hodse, Intheraoi. Propter qaod et fama 
perTenleoa ad theologos Tabiogensea infienm emn teddidit 

20* 



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d08 



ol?ne 3"^^U^^ ^^^^ ^cm\iii \m, jid? rechts 

fetitgen fömieti. iLud ben^ctlärungen lu fct^Uegeit, bie 
miT oben au4 feinem t^eologif(!^en Itommentat ange« 

fü^?^t, tat er fieser auf ber j^an^el feine uufirdjlic^e 
£e|ire oorgetragen; ec koito ipol^l nut bie üor^anbeneii 
aRifibrfiit^e f((arf gegeißelt l^aben. 

^afe aber ^ellifan beina(?e fünfzig ipäuv 
fc((be ^eugerungeii aU lyluit^erifc^^" anfa^^ perfc^lägt 
ni^Hi. Wlan mii ia, wie gern bie bleuerer bie ^et« 
üorragenben !at(ioIifc^en ^Ifinner, toetc^e Dor bem 9tai: 
brucb ber rcU^ibjeu 2iUrien gegen bie 3Ki6bräu(^e [xö) 
et(^oben (motten, aU (3i>ftnnunglgenof{en ausgaben. 
9lanientU4 bei bem Wid^Un, arglofen ^eßtfan, für ben 
bie luttcriic^e '3ctt)cguii9 üor allem ein Kampf gegen 
bie ^igbräuc^e xoav, fonnte mau Utdj^t in ^efa^t 
fommen^ für einen ßut^eraner §tt gelten. (Snbe 15^, 
roo ^eQtfan bem 39a)8ter ^(ofter aii ©uarbiau üors 
)tar\t>, \)\eit [i^ ber ipaiui4^ granai^faner ^ranjii^' 
tu» Oui uonne), von einer iBifttationdreife aud 
6a(^fen surfidfe^renb, einige ^age in 9afe( auf. 3n 
feinen Unterrcbunöen mit ^^>eüifan foü er bei biefcr ©e: 
legen^ett, mie Unterer btxid^Ui, ein groged ^nteceile 
fflt Sutl^er )tt ertennen gegeben ^aben; nur bie 6(^rift 
über bie ^^abi;loni)d^c (iJcfangenid^an i^ättc tv mit bes 
trübtem ^er^eu gelefen Miixti^ man nun über Cut« 



universitati eatenuH . ut deliberarent de inquiüitore bereticA« 
piavitatis acceräcndo contra eum«. 

1) ^eOitan 77. »Mihi multom lo({uebatur de causa lu- 
therana , quae magna ex parte arridebat viro bono et docto, 
praeter librum de captivitate Babel, quem legerat Wormatiae 
cum moerore et diBplicentia«. 



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9tttt( 6crt|»ton». 



309 



nonttea Sludfage ^eatfati« (eimen^ fo Unnte 

man fafi mmtn, bev ^paniS^e ^aii§iManer fei ein 

ßul^eraucr gcmcjen ; uiiD bod? luar e^^ ein ftvcng fat^o^ 
lifc^ec älelidioie, t>tx baU na(^(^er (1Ö23) anm Obec^ 
^awpt bed gansen Orbend etmA^b tDurbe unb f^Atet 
(1628) au(i) beti 5!arbinaU^ut erhielt *)• 

Weniger glau^ooU geflaltete \iä) ber ^eboiti^lauf bed 
Xübingei: 0uarbiauiS. ben fteimatigen Sieuftetungen, 
bie il^m von einigen Y>erflbelt würben, tarn no(( ber Um« 
ftanb, bag er bei feinen Untergebenen gar nid^t beliebt 
»ar. (6x mürbe bei^^alb beim ißrot)ittaial oerllagt unb 
im Saläre 1501 auf bem ^for^^eimer StapUtl nadft 
^afet üerfe^t, too er Weber prebigeii iiocb S3orlefungen 
galten, fonbern )ic^ nur mit {^riftrieUecljc^en Arbeiten 
befd^ftftigen fottte '). SBei biefer ^Serfe^ung f^^eint man 
befonber^, wie ^eüifan meint, bie Slbfic^t gehabt ju 
^aben, ^criptorid oou {einen greunben in @dtiwaben )u 
trennen. 

9ui| in 9afel foDte e9 inbed bem gelehrten Orbend« 

mamxc ni^t an Slnfeinbungen fel^len. 3a^;re 1602 
würbe er na<l^ Qobnn berufen, um (14 t>ox ben Obern 
wegen feiner freimütigen 9ett|erungen §tt Derantworten. 

Uuterweg« gemarnt, bafe i^m ßinfcrfcrung bro()e, begab 
er fi(t^ in bie bfterreicbif^e Orbeui^prot^in^ nac^ SBien. 
8on l^ier reifte er balb nad^^er na^ 9tom, wo er olftne 
3weifel an ^öc^ftcr 6tcüc rc{^tfertigen wollte. 2)at 
bied i^m t^öüig gelang, beweift ber Umftanb, bag er 
ganj unbe^eSigt, of^ne fi^ einer Sufte unterhielten fu 



1) GubernatiB. Orbis SersphioiM. Romfta 1682. 1, 20^218. 

2) ^caifan 13. 23. 



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310 



müffen, in bte o6erbetttf<l(e £)tbeiiiB))roi>tna auvfldfe^reii 

fonnte 

^ie Dcbendfc^riftfteEec bexid^Uü Denn anä), hai 
Bcdpimii nUffi toeqtn U%txi\dfex SCnfid^ten, fonbern 
tüegen feine« freimütigen Stuftretend gegen bie SKifes 
brdu^c üerfotgt morden ift. ^3Bei( er [\6) gar ju ^lefs 
lig um bie SBal^rlj^ett angenommen'', tx^it 0 o c t u « 
na t u4 4^ tt eb ev „ifl et in« (Etenb loerfloBen motben". 
@Qua ä^nlid^ ^atte fid^ fc^on ucv ^ueber, auf ©ruub 
einer b<^nb{c(^ciftli(ben (^^coni! ber ^i^lner gcan^idfaner« 
prooin}, ffiabbing audgefptod^en'). 

J)er beftc ^öemei^ aber für bie ^^te^itgtäubigfcit De^S 
6criptorid ergibt ficb am ber ^u^a^id^uuug , bio bcm 
unfcbtt^^ oetfolgten OtbeniSmanne am Ubenbe feinei» 
SebeniS nod) ^uteil toutbe. feiner 9HldRe(r aud 

9lom l^atte er fic^ im ^lofter ^^eilbionu nieberge^ 
laffen. 8aib aber erbieU er einen Stuf nacb granfreid^. 
^er ®eneralt>ilar ber cii^montanen ObfertNinten, HRars 
t i a t 0 u l i e r , ber unfern 6criptorU fdiiutc iinb 
lieble*), beauftragte i^n, juXouloufe bie Xbeologie oor* 
gtttragen. 6ofort ma<bte fi<b ber ^an^ifttaner auf ben 
SGBeg. Säafel bat \\)\\ ber bortige ^-öifcbof, i^m üor 



1) 9emfan 24. 

2) IDif 9fo4e fifsnm^ oon bem brci|fo4en Otben bei groffen 
b. CibenltKIfteii ^tancilci. SKiln^n 1686. 6. 662. 

3) Amuüw Hmoroni. 2a Editio. Vol. 15 (1786). p. 288: 
»Obüt hoc anno (1504) Paalm Siwvni WiUennt, vir dootas 
et religiofaa, qni veritatit praedioandae causa dziliam el 
tribulatioDM paasiu«. Gf. Wadding, Scriptoret Ordinit Mi- 
DOniiD. Romae 1650. p. 274. 

4) Vemtan 24: »A Generali Yicario gallo, qni Tiniiii 
norat et diligebat, Tocatns ect at legerettheologiam^ui Tploea«. 



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311 



ber ^breife noö) bei bei Sieform etned jllofterd be^Uf» 
lid^ }tt fein. SBSft^renb nun @cn))tond bem Mf45flii|^en 
Auftrage nacbjufommen fud^te, tüurbe er uutermeg« t)on 
einer jlraufl^eit befallen, (ix begab [id) baffer ind ^xaxu 
iManevHofiet su Itaiferdberg (Obetelfag)/ too er einige 
Xage fpäter (21. Oftober 1605) ben ®etft aufgab*). 

^ad) feinem Xobe üerbreitetcu einige baiJ ©erüc^t, 
6criptorid fei k>on ben älioncben vergiftet »orben. $on 
bem gut unterrt^teten ^^Difon loirb {ebo4 bieft (Se« 
rü^t aU ^öU\(\ m\\va\)x bejeid&net (Ebenfo umual^r 
ift bie ^e^auptung, ©criptortd fei — in proteftantif^^em 
Sinne — ein Sieformator \m ber Sieformation getoefen. 



2) 9ns Xobe^inlir tütrb allgemein 15Ü4 angegeben. 3)?itUn» 
rect)t I Gine gteidi^eittne OiifUe, ba8 Ü^ffrologium ht?> ehemaligen 
jJranj^iSfoncrfloftcre tn ^-öambcrg, bcrid^tct: An. 1505, 21 oct. 
in die sante Ursuie in Keyseraberg obiit ibique aepultua est 
Fr. PftuluB Scriptorie, in omni genere doctrinarum eniditisai- 
mu8, qiü a luultia annia guardian thüwiugens. et lector theo- 
logiae pluriiiios inHtitiiit fratres^. ^Ugl. ^i3eri(!)t über ben Stanb 
unb bad SBirfen be^ t)i[torifd)eii söccetttd für Dbcrfrantm 
Bamberg, ^aljcfl. S6 (1878). (3. 56. 

3) ^cdifan 25 : »Rumor falsue per Sueviam a suis fau- 
toribus diseeminatus est, in diem hodiernom , quod moaacbi 
eum sMnficaTdnnt» aed id certo ooastat mihi, fa i am muH* 



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n. 



1. 

1. Psallite sapienter „^faQieret meije!" drftärung bec 
$|almen im <0dfie M betta^tenben QMttt^ nnb bet 
Stturgte. !^em filenti» unb flSoIfe gemibmei oon Dr. 
Vlmtni »oUrr O.S.B., ergabt tjon @t. 9J?artin 
©euioji. ^roeite ?lufl. (Srfter üBanb. ^ß{otm I-XXXV. 
flr.8. XVT. 606 @. ^4^rciö : 1 Wl. — Stocitcr «onb. 
9fa(m XXXVl— LXXI. gr. 8. 701 @. $retd: 7 SR. — 
SMier 8anb. 9fatm LXXU— C. gr.8. 674 @. $m«: 
6 SR. — Srciburg, §crber 1891. 1892. 

2. ^ie ^falmrn ber l^nlQata über|. iinb nad) bem fiiterat« 
finn erftört oon @. $ober|r 2)f)ftor ber %\)\\. u. !lyeol., 
Orb. $rot. b. Unto. Sreibtttg. — gteiburg, ^erbex 1892. 
0V.8. XXZn» 388 8. $rei9: 8 SR. 

3. ?)te Wttlwm. S^Jac^ bem Urtcjtc überf. unb er!(. ö. 
P. g. «offl, O.S. Fr. III. S3b. ^^i'alm 107-150. greu 
burfl, Berber 1892. g(.8. YIII, 304 @. $retd: 

1. Qn ben Aiomnuntareu ubtr ben ^jaUer ^äf^lt 
bod gvoge äBexf beö {eL (graabted Don Neuron, beffen 
bvei evfie iBdnbe «unme^r in tloeüet Sfuflage etfd^ienen 
finb, nur in bem Sinuc, a(d ei$ eben ben '4^)aUei; be- 



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^aucu^« PaalUto »apieuter. 



313 



l^anbctt. dlid)t ein eyegetijc^e^ 2öerf fottU uadj? ber 
Intention be« Setfaffetd fein, fonbem eine ai^^etifc^- 
liturgifc^e (Wtätung ber ^fatmeii. S)iefem 3^^^^^/ ber 
ficfe freiließ üiclfad; mit ber ©ye^efe berü^^rt unb teil» 
»eife auf ilfx aufbaut, iü bec Serekoigte in gTogartigev 
Seife geredet geworben, unb fein 9udf mlltbe ein teu<!^« 
tenber ©tern in ber fat^^otifc^stl^eologiic^en Sitteratur 
au4 bann bleiben, menn ed ni<f^t }U0lei((^ bad Utteratifcbe 
Seben^metf eineiS SRanneS mdre, ber bur^ bie l^ö^ere 
gü^rung feinet fiebenSgangcS, burd^ inneit (^rteucfetung 
unb umfaffenbed äBirten an bie Seftoiten ber alten l^^&ter 
erinnert, eined Wtamt^, ber glei^ einem H 9ReSrop 
Sa^lrcid^cn cjeiftüd^en ©emeinben flegeiiübcv bie ©orte 
bed ^poftiU SU feinen eigenen macf^en (oniUe: In Christo 
Jesu ego TOS genoi. 

Tii^ bcvronaiuiibc 53ebeiitiinci beö 3Bolter'fc^?eu 
^erte^ für ad^etii^ed uub liturgifc^ei^ Sierfiänbnid ber 
^falmen ifi benn au^ toom Crfiib^in^n M erften 9anbeiS 
an aÜ^umciu auerfannt tüorben, unb Me ^^atfadjc, t>a^ 
feit ^ai^ren bie brei erfteu '^änbe üöUig üergriffen maren, 
bezeugt gür (Senflge bie grobe Verbreitung unb bantbare 
2Iufnal?me, iiulct\ luic ^falmenerfläruug meit über 
bie Srenjen bei^ eigenen Orben^ Winand gefunben l^at. 
SHefe brei Sftnbe, beren Sehlen feit melftreren ^a^en 
ben S3e,^ug be^ 5öafei^ ©an^en unmöglich gemacht 
^atte, liegen iiunmet^r in jmeitcr ^iluflage t)or. ^o4i 
(at bie Derbeffernbe ^anb bed Sr^abted felbil an ber 
neuen Slnflage nur me^r geringen 5Intei(, e« war ein 
Orbendgcnofio M ©eltgen, ber bie Vorbereitung ber 
sn}eiten SCufiage ühttnaf^m. linbemngen gegenüber ber 
erflen 3luflage würben nur infofern angebra^t, aU ber 



8ROttVll0* Piallite sapienter. 



Herausgeber jal^Irtic^e, Don Sad^fennttitö ^eui^enbe, et* 
läuternt)e ^Roti^eu über bie ^e^ie(^unn^i< t)ed ^ulgatatefted 
3tt bem bec äRaforet^en anaeffl^t i^aU 

^ie (Ernatung ifi burc^ ba« gaii^e aSerl ^inburc^ 
mä) einem flareii unb genau eingehaltenen Schema ge-- 
arbeitet : ^uex^ toixb ber Su(gatate|t jum Slbbrud ge« 
btad^t unb je in ber nebenflel^enben ftolumne eine beutfd^e 
Überfc^ung be«felben gegeben, ^iefe Überfejung ift, 
mie bei Zf^al^oitt, in r^^t^mifdjier gorm gebalten: 
o^ne eigeutltcb gebunbene Stebe §u fein^ bemegt fte m 
burd^göngig im jambifc^jcn Sfll^pl^mut^ unb bereinigt ba« 
mit — mad be(onber^ l^erüorget^oben merben mug — 
getoiffenbaft treuen Unfcbtuft an bie lateinifcbe Sortage. 
3uglei4) ift in ber Überfegung bie ftrop^ifc^e ©lieberung 
ber etn^elueu H^ialmen, m eine joic^e üom Überfe^er 
angenommen mtrb^ iemeiU bereit« AuBeriid^ marKert. 
3)ie ©rflärung felbft beginnt mit einer gejc^ic^Uid^^n (^nu 
leituug über ^erfafjer uub ©ntfte^ung bed £iebe^^ bie 
ed {{(btti4 met^c auf oratorifcb lebenbige 3<i<(ttung bet 
©itnation, auf trodene »^ritif abgelesen ^at. .£-)icran 
jct^liegt lic^ bie ;BitteraUrfldrung ber einzelnen ^erfe mit 
3u9runbe(egun9 bed SSutgatateiteiS. iBon ffin and ge^t 
ber SSerf. regelmäfeig über gut „(iturgiid^^mpftifc^eu '}Uu 
menbung". ^ie ^^Bearbeitung biefed ^bi4fnitted miU burcb- 
gängig ben beiben (8efi<bti»pttntten geredet werben: bem 
Uturgifd^en unb bem a^^jetifc^en, unb jmar bem aSjetifd^cn 
nacb brei Kategorien, für bie ©lieber ber Äird^e über-- 
l^aupU für bie $riefier unb für bie OrbenMeute. «in 
genaue* unb fe^r betaiOierted ©acbregifter am 6c^[uffe 
eined jeben Raubes macbt bann in alp^abetifc^er ^iben« 
folge biejienigen Stellen aud bem Stoffe ber (ErtUmngen 



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9o6er0i ^te $fa(meii Ut Sulgato. 315 



naml^aft, Me etwa ^ut toeUeten 8enDevtttiig in ^omU 

letifd^er ^mficftt fid& eignen. 

SRöge bu äBoUer'f^e ^fadnenerfl&tung^ bie nun^ 
ba bie betben testen Qfinbe bev erfien 8uf!age noc^ nic^t 
t^crflrifjen \int), mieber üoüiftäuöig geiporben ift, aud^ 
femer unter bem beutfd^en i^letud ja^lreicbe unb be« 
geiflerte Sefer finben unb in tli;rcr praftifd^en Semenbung 
reid^en ^ugen ftifien! 

2. äRit bem oben befpro(^enen äBerCe bed ^euvoner 
©r^abted ^at $ ob et 9 '9 ^fatmensftommentat bad ge- 
mein, bafe beibe ©rflaiuiigeii ben ^ulgatateyt ju ©runbe 
legen. @ie unterf(|^etben ftd^ aber tt}ieber barin oon 
einanber, bag ^obtrg oon bem tittttgifd^^ad§etif4^en Se« 
l^alte ber ^Jatmcu gäii3lid) abfielet, inclmet^r einjig ben 
mörtU<^eu 6inn bei $iaimeu unb ^loar blo^ ber SSulgato« 
pfolmen er! (fiten miO. S)et l^toti feinet Sud^e« tfl, tote ber 
5Berfafter auiäbdicflic^ cvflärt, „bem Stubierenöoii bev 
Xi^^oio^u bud ^licitaubuiö t>ci A^itecalftund bec ^ulgata« 
ll)falmen Detmitteln". S)iefem begtenjten S^tät tnU 
(pricM Mi ^aiijc ^Iiioitiunn.^ bce "öuc^Ci^ : mirD je^ 
weild iu ber Sluf)4inft bei» 4^)almei$ bellen @ruubgebante 
gefenn)ei<bnet, bann ber (ateinifc^e Ze^rt in unge^mungener 
aBorttreue übertragen, (hierauf bie gefc^icbtlicljc (int- 
flej^ung bed i^iebcS, iaM innere ober äußere ^n^aUiS- 
pvmttt baffir oor^anben ftnb, in aUer iMr^e erdrtert^ 
unb enblid^ bieieuigen ^orto be^^ [atciuiic^eu Jitey te^S, bie 
nicbt unmittelbar !lar fiub, nad^ i^rem 6inn unb 3^' 
fammenlftang erläutert. %>a bie iBulgatapfabnen nid^t 
and bem ^ebräifd^en, fonbern aue bem (^Jriecfeifc^en übers 
fe^t finb, fo tptrb in ati' beu gäUen, mo ha^ J^ateinifcf^e 
nt^t burc^ fid^ felber erflArt »werben tonn unb ein 3u» 



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316 



rüdö^^*?» „Urtejrt" notmenbig ift, aU jotd^cr 

nid^t t>a& ^e6t&i(4e hex äRafocetl^eii angefe^en, fonbetit 
baiS Ode<l^ifdf^e bet Sle^panbriner. S)ie Seijie^ung bed 
.^ebräifd^eu pubet nur aui^iial^m^meife unb im ganzen 
\t\^x feiten ftatt. S)ur4 biefe ^et^obe, bte ber )!Bei:faßer 
— abgefe^en t>i)u ber na^ unferem 0effl^le unmotis 
meitcn Slufnafeme ^iemlic^ ^a^lreic^er ßitate au^ axahi- 
jc^cu ^{alrneuüberfefimiicn — fonfequeut burd^^efül^tt 
l^at, iDitb ber ^ttibierenbe in bad iBetfi&nbnid M £ite? 
ralftnnd ber etn^elnen ^fatmeti unb $ugletd^ bed 8uC« 
ijataftiU in ber %\)at eingeführt. Unb mir glauben, 
bag bad iBiuj^ für ben gebaciftten^ genau begrenzten l^to^d 
in ber ^anb befl Stubterenben fotoo^t aU M )um 
S3reüiergebet Derpflid^tcttii "^Prieftcr^ ein re^t braud^bare^ 
^ilfi^mittel fein mirb. (^ine förmlic|^e <S$eg^fe t^'^ili4# 
bie att4 ^cn fritif<i&en SeR^tiKpunften unb ber liturgifd^en 
^ermenbung beg ^faltcrS SRec^enfc^aft tragen lüürbe, 
tonnte unb mollte bei biefer 9}?etl)obe nid?t erreidpt mcrben. 

Uebrigen^ ^at ber Serfaffer feine £efer burd^ bie 
beigegebene prünblic^e (Einleitung in ben $falter (6. VII 
biiS XXXI) für weitere, tiefer get;enbe 6tubien^ ge.- 
nügenb orientiert. 

3. S<^ft glet<(a^ttig mit ^oberg'iS $faImenfommen« 
tar unb in berfelben ^BerlagiShanblung erfc^ien eine 
jmelte, toon einem !atl)otifd;en ©elel^rten (^errü^renbe 
(Srflörune ber ^falmen. 9i a f f l aU bem Orben M 
fjli, %xan^x^t\x^ ^at Don feinem auf brei Mnbe hmi^^ 
neteu Kommentar beujenigen ^anb juerfi üeröffentlic^t, 
ber bai» fftnfte $falmbu<jft befianbelt. S)er iBerfaffer 
legt berdrfUirung ben ^ebrftif(^en ^ert mAmnbe, unb 
wibmet prinzipiell ben te;ttriU)c^eu (fragen befcubere 



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%it widmen. 



317 



9lufmet!fam!eit. (^i liefert aud^ bev oortiegenbe ^anb 
bea ^emeid, bag ^aff[ an bie fc^mierige ^ufgabe^ 
bie et ^ i^t\e%t, geniigenb Dorbeteitet ^erangetteten ifl. 
(&c befijt offenbar bie erfotbettic^en fpracbltcben Äennt« 
nij{e^ {ntifdl^ed Ucteil unb (>at mit grogem gleige bie 
neuere Sittetatut Aber ben ißfalter bur<l^9earbeitet 
feiner Stetl^obe ber <lr!(ärung, bie im allgemeinen mel^t 
auf Jüritit be« ^eyteö, aU auf (i'ycgefe abjielt, ^at er 
befonbere 0e(tung ber (o))tif<j^en Üßfatmenftberfe^ung ein» 
gerftnmt, bie er §ur !riti[(i^eii ^erfteQung M €eptua* 
gintateytc^ in ausgiebiger SSeife bei^ie^t. greilic(; Ueben 
biefem (riti{<j^en jtommentar no(| man^e, bei ber 6(^mierig« 
feit ber Aufgabe m\)i begreifliebe Mängel an. Sot aßem 
oerrät er feine aHju rafc^e gertigftellung burc^ bie ^äufig 
(eroortretenbe älb^^ängigteit von ber beuti(ten £iteratur. 
diejenigen 98er!e ber e^regetifcben Sitteratur, an beren 
Urteil ^affl fic^, iibrigenS miidie<i)t, gerne auffliegt/ 
f4^immem bo<^ gar au unioerlennbar bur(b feinen eigenen 
Ze^t ^inbur<]!^ : e9 ftnb bie beiben Tutoren 9lein!e unb 
^^eü^jc^. gerner ^at 9t. e^ unterlaffen, ficb für bie 
i^^egefe ber einzelnen $falmen ein feflei^ 6(^ema ^u 
bUben^ ober^ menn er ed je getrau, bodfetbe niii^t ton« 
fcquent eingehalten, ^enn bie SDkt^obe ber ©rüäruug 
toect^felt im ^uct^e fortmät^cenb. 60 finbet bie S^iU^un^^ 
M Siebeft in feine ^auptgebanlen i^ren $Ia|: bei 
^falm 107 am iilnfange ber ©rftännicj, am 5cbüiffe 
berfeibeu bei ^^{alm III; bei üntxdUi^^ t>Oü ^ifaimeu 
fftOt biefe Itategorie fiber^au^t auft. $ei ber (SrÜfirung 
t)on ''^iaim 119 pflegt di. nacb Telifefc^'ö Slkucjang \eDe\\ 
Dtionai naö) {einer (^runbioec unb feinen (gebauten = 
gange ju (ennaeid^nen. S)eUtf(^ t^ut bieft regebndftig 



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318 



am Anfange ber ©rflärung. ^u^ jd^liegt tiUUx 
mo^Ibegtftnbeten 9inorbnuitg an, aber hU>i fäv ben etfieit 
Oftonar, t)on ba an folgt bei i|m bie gcbai^tc Kategorie 
regelmäßig erft auf bie t^oHjogene erf(ärung. S^ulii^ 
me^felt bie SRet^obe filt bie 'Übecfe^ung bev ein^lnen 
OÜoiiare: beim 5., 7. mib 8. gel^t bie ^^trofa^ftberfe^ung 
alg pfammenl^äiigcnbe^ ©an^e ber (irfläruug öoran, 
bei ben übrigen Oftonaren fe^U fte entmeber gana, ober 
ift je beim einzelnen Serfe eingereiht, f « mag pebanttf^ 
er)d)aiicn ober aud) fein, auf beraitiiie J^ormalitäteu 

^VL geben, allein ed bleibt eben boc^ lua^r, ba6 bie 
genaue (EinMtung etneiS beflimmten 6<hema'd bie pxaU 
ti\6)e ©roucbbarfeit eine« Äommcntar« mefentlic^ er^ö^t. 
3iu biefer »Ipiufic^t xmvc auc^ loünf^eu^tücrt, bafe in 
ben folgenben 8önben bad fritifdl^e Sßaterial fc^on fflr 
baiB Sttge Dom rein e^regetifd^en 6toffe gefd^ieben mftrbe, 
fei e^ burc^ Ueineren 2)ru(f, fei e^ bur^ ^enpeifuiig 
in bie Anmerkungen. 

3n ber tlberfetung befolgt 8L bie SRetl^obe, 
ba& er faft rctjclmäfeiq jeben ^falm jmeimal über? 
fefet, §ucr(l aU ©anje^a in metrijc<>er gorm, uub bann 
no(b einmal profaifcb im Verlaufe ber ürfUlrung. 5Das 
burd^ roirb bertlmfang be« ^n^t9 unnötig t>ergrö6ert, 
ed fommt aber nod^ t^in^u, bofe bie metrifd^e ^ßerfion 
eben oielfacb ungenau ifi (ogt. §. a 107,9. 18. 23. 26.; 
109,7.; 110,1. 2.; 111,2. 4. 8. u. f. to.), unb ba^er in 
einem Äommentar tüiffenfc^aftüdio '^ered^tiguug über* 
l^aupt nic^t in Slnfpcuc^ nehmen tann. 

5Dem maforet^ifd^en %e^tt gegenüber nimmt 9t'iS. 
Kommentar eine cigcutüiiUid^c ^uUuiitj ein. @d trirb 
n&mli^ burd^gängig oer j^ebräifc^e ^falter ni4it nad^ 



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%it ffalmeit. 



319 



ber Slebaftion ber 9)^a)oret^€n übcrfe^t unb fommeiiiiert, 
jonbern uact) ber ooa $rof. ^tdell reConfttuierteu S^eited» 
geftalt. Unb §mar oe^t K. j^tetin fomeit^ t>ai er in 
fetner melrifc^cu Übcijeiuiug iiictit btofe Mcjeuicien 2Borte 
unUrbrüdt, meiere ^ideU, meift aud metrij^en (^tünben, 
tilgte, fonbettt fogac Die i»on Sidell i^otgeMbidenen 3u« 
Wje o^ue lueitere« in )eiuen beutf(^en %en aufnimmt, 
aQecbingi^ meift^ jeboc^^ uid^t immer^ m ülamm^cu fe(t. 
60 liefl man ^- bei in $fa(m 107 nad^ bem 
2. 3^cr« eine 3^^^^/ mebor ber mafoittlpijd^e 

Ze;t Hod; irgenb eine ber alten Überfegungen 5lunbe 
(at, ebenfo finb ^mifcben 8. 9 unb 10 bedfetben $falme« 
äiüci ^dUn eiiigcicljoben, bie abtvmale jeglicher äußeren 
33e5eugunfl entbe^^ren. S)ie ^ietät, meiere di. burc^ 
bie SInmenbung biefev aitet^obe feinem £e^tet ^ideü 
i^)ai^äd^^^ö) aitijegcnbriugt, ad^tcu luir t)urc^au^i, Die Wie- 
t^obe felbfit aber t)ermö9en wir nic^t 511 billigen, ^^ei 
aller Snerlennung ber grolen ^erbienfte fbidtfVü ^&tte 
ber 33erfaffer eben Docb mit ber 3Jiög(icbfeit rennen 
fotten, baj^ ein £eil ber £ejer mit ben von ^icfell 
vorgefcb^Agenen Smenbationen, fet ed pringipielii, fei ei^ 
nur t)on %aU gaH, nic^t eint>erflanben tfl. 2)iefem 
Xetle feiner £e)ei' fonnte ^. nur baburc^ geied^t luerOen^ 
hai er ben maforetj^ifd^en Xe;t in aU ben göflen ^u« 
grunbe legte, m biefer ni^t offenfunbig tverberbt i% 
unb einjig ba, lüo Uj^tcrcö jiutrifft, auf ©runb ber alten 
Überfelungen benfelben rid^tig )u fleUen fucbte. £nbes 
rangen, bie bU% au€ metrifcben 9rfln8en fid^ empfehlen, 
unb bie uicbt aud; burd? bie Sluftorität ber Überlegungen 
fU^ beifen laRen^ üclKenbd aber gar 3^f^t^' 
burd^ bad SRetrum geforbert »erben unb beren Sn^att 



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320 



mcift rein luiUfürlid? jolllen i^re ©teile in öeii 2ln- 
mecfuiigcn \)aben. 

9204^ menigeT fannen xoii und mit ben Slnf<l^attunden 
M 5Berfaf)er« eintjerftatiben crflären, menn er bai 
fritil'dje Qntereffe gerabeju über ba^ ert-getifc^c fefte. 
S)ied f((^eint und abet ber gad }u fein in ber ürt unb 
Sßeife, mte et ben berft^mten mefftanifcben $falm 110 
fommciuierte. ^ei ber (Srflävuug biefe^ ^5f<^(me^ märe 
bocb kvo^l in ecftet ^linie bie grage erbctem, 
im erflen Serfe ber fteferterenbe , ob iDat)ib ober etioa 
ba« 55o(F, unb wer ber 2lugerebete ift. '^^ic ^^eaut^ 
mcriuni; biefer grage, bafe nämlid) 5)at?ib referiere, ber 
äKeffiad aber angerebet fei, fe(t 9i. bei ^efY»re4^ung beö 
1. liSerfed einfacb t^orauü», ber Setoeid fotgt erft, ttnb 
jtrar 5U furj unb fragmcntarifcj^ , am ©dj^luffe. Statt 
biejer »ic^^ttgen unb gninblegenben t^eologifc^en (^röcte« 
rung über ben mefftantf<l^en (Sf^axattex bed $falmd liefl 
mau bei ^. einen 2lbbru(f be^^ btbiäÜc^cu ^erte^ mit 
ganj umfaffenben ^bdnberungi&oocjcblägen, beren ^^e- 
grünbung übrigen^ nic^t einmal loerfuc^t roixt, obwohl 
biejelben nidjie menicjcr aU unmittelbar einleudjunb 
finb. ©0 foUen gleicb 5U ^ilufang M ^^falm^ ^mi 
Moxte audgef allen fein, bie gan) getotg bid jeftt no^ 
ntemanb loermigt ^atte, unb bie ebenfo ficber jeber für 
überflüffit^ erad^len njirb, rcenn er fie nun bei 9t. lieft; 
ferner foUen §u älnfang üon ^. 5 ebenfalls ^mei äBorte 
festen, bie aber tl^atffiij^ltd^ im 3ufammen^ang mit bem 
unmittelbar Jvolcfcnbeu nur eine ^autotoiiio fd^affen, 
^mifc^eu '43. 6 unb 7 foüen s^uei l^albe ©tropften aud' 
gefaflen fein, beten ^meite mit h begonnen l^at, unb am 
©c^luffe uacb 7 ift gar eine gan^e ©tropV»^/ bie mit 



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^Die $fa(men 



821 



2 begann, loerloreii gegangen, ^ad Sanje 

Iftuft haxa\i\ l^inaiid, ba| nun, nad^ all' biefen tdOtg 

roittfürlid^eu ^nberiiuf^eu , ^f. 110 ba^ Slfroflid^on 
l[>iy* ]VOi^ ergeben foQ. 5£)em fügt bann bec ^erfaffet 
bei, ba6 man mit biefem SttofHd^on I. 9Ratt. U, 41. 
47 rercUoici^en möge, fann bo(i^ nur befagen 

motten, hab $f. 110 ein maffab&ifi^ei^ £ieb fei, ge« 
bietet auf ben Vnefterfütflen Simon. 9lun aber Der^ 
lüirft 91. uaclUHv auebrüdlid^ unb mit vollem 9lec^t 
Dß^aufen'd ^^pot^efe oom maflabdifd^en Ucfprung bed 
$fatmd unb bemettt fogar, bafi biefe 4^9pot(efe mit 
ber 2(iinal;me bcö mcffiauifd^cn 6()arafterS unvereinbar 
fei (6. 39 unb toiebec @. 43). Somit mug ed bem 
£efet enttoebet ein 8t&tfe( bleiben, mli benn 81. mit 
jenem tertFrttifdjcii Muiiftiiüdf, bcffen ^enbenj er iiac^- 
f)it felbec ablehnt, eigeutli(b beabfid^ttgt ^abe, ober ed 
ifi eben an|une(men, bag ber SSerf. in biefem gaEe bie 
Äritif über bie ©ycgefe geftellt ^at. 

Xxoii ber l^eroorge^obenen Mängel bleibt bad gu 
Anfang gef&Qte Urteil befielen, ^g biefer erfle 8anb 
WQd) alljufebr bie ©puren raf^er Jvertigung auflücift, 
mag mobl in erfter Ä5tuie bur(^ bie äugeren ^erbält^ 
niffe bed Slutori^ manlaftt fein, ^enn bermutlic^ 
f(^u(bete eben ber 58erf., ber^eit ©uarbian im ^ran^i«» 
fanerftoi^er ^al^burg, einen guten ^eil feiner Qelt 
ben Sirbeiten ber ©eelforge unb feined f lbfierti(^en a^mted. 

Setter. 

2. 

Psalteriiui seu LIber Pgalmoriim. Jaita Vnlgaiam 

latinam et versionem textu8 originalis hebraioi cum 

%|mL OtMOIAlf^fL 18M. ^11. 21 



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822 



fillcooh» 



notis istrodiictioimlilms et com ugumentis eicgeticift, 
qQiViis harmonia otriDsqna versionis demoiiBtratnr. 

Exaravit Dr. Melchior Mlcoch, publ. ord. professor 
stndii biblici V. Testameuti ei di&lectorum orieutal. 
in facalt. tbeol. Olmnce&ri. Com licentia Arebiepiscop. 
Ofannc OIinfi«,9dte(1890. 8. Vmu.5176.9r.10». 

S)eii t)tblifc^en ^jalmen, bereu em^tgartige fbe» 
bevtunfl \>ün Slmbroftud praefat in psalm. fo f^ßn bar« 
get^an tP, \)ai i)ic Hnö^c 5U oflen Reiten if)xe f(^önfteii 
©ebetdUänge entUi;nt. S)ad ^reüUrgcbet, btcfe^ ©e^ 
bet ber ^ir<^e unb bed in i^rem 9lamen betenben ißriefterd 
befielt aum loeitaud größten Xeil auiS ben ^falmen. 
3oit^p(? öon ßupertino gab einem 53ifd?of auf bie grage, 
toa» er fflr bie Heiligung {eined ^ievi^ t^un !önne, 
Sur Xntmort, er fotte t>on feinen ^riefiern stnei SDinge 
ju erlangen terfuc^en, nämlic^, bafe fie i^r ^ireoier rec^t 
beten unb bie iU^effe gut lefen, bad genüge, fie ^u 
l^etligen. S)amm ifi e0 bor allem notmenbig, baft ber 
baS S3teoier betenbe ^riefter bie ^falmen redjt ocrfte^t 
il^ren S^^Mt/ ^inn unb @ebanfengang fennt. ^ebe 
gute ^falmenerfUtrung ifl beft^lb mit 9<enbe unb S)anf 
3U begrftten. SHefen freubigen 2)anl berMent ber 
genannte Kommentar. 

X)en 3n^lt non WiUso^'^ Paalterinm gibt ber £itel 
bed fdu^ei an. ^er 8erfaf[er ^at in erfler Stnte foUfte 

fielet im 2(uge, qui hebr. linj^uani non callent (6. 15). 

(£r koiU niii^t bem maforett^ij^^en Xe^t bor bem ber £uU 
gata ben Sorpg geben^ fonbem jenen burd^ eine tDÖrt* 

lid^e latcini(d;c Übcrfct^uiu^ auä) ^Jlii^il.ubräern — an 
ben öfirei(tif(ifcn ü)i)mnaiun fiuöet fein ^ebräijc^er Untere 
tU^t fiatt — |ug&nglUi|^ ma<f^en. 5Die ftbertragung 



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Liber Psalmorum, 



823 



fid; au^jd^liefelic^ an ben Urteyt unb nur in ben xziö)- 
lid^eu eyegetifc^eii flöten tücrben bie SDifferenjen ^mifc^en 
Wafora^ unb LXX befptoc^en, be^tD. auiSgeglid^eii. SHe 
Überfe^ung ift im ganjen febr gelungen unb jeugt oon 
ber Vertrautheit beö ^^ertafferi^ mit bem gegenmärtigen 
Qianh ber 8ibeUunbe, inbem ber Kommentar fa^lUI 
unb p^itologifd^ ben fCnfotberun^en ber äßiffenfc^aft ent« 
fpridbt. 2)ie Slu^ftänbe betreffe ber Überfe^uug einjetncr 
äBorte unb @&fte, bie aUeTbingd me^t ober meniger 
fubjeftitiet 9xt finb, mflffcn n>tr M SHoumed l^albet 
rücffieflen. ^ie praelatio bel^aubelt baiö äöid^tigfte aud 
ber (^inleitungdmiffenfd^aft über Flamen, Snf^alt unb 
Setfaffet ber ^falmen, n>ad bann je an ber 6pt|e eine« 
^falm0 näl^er fpe^ialifiert mirb. Über 5^^"^/ D)iut'if 
unb ®e(ang ber £ieber bürfte me^r gefagt fein, ^ideü, 
ddfer unb Sep l^atten reidplid^ei» ^atetM geboten, ^e 
Slujäftattung besS ^uc^e^ ift eine gerabeju prac^tooUe, 
nad wegen bed baburd^ exlf&fyien ^reifed bie ^Verbreitung 
bedfelben ni^t f0rbern !ann. 

Stuttgart. SieligioniSU^rer Dr. theol. M. Stod^. 



8. 

SnwengefMte ber neueren 3ett. (@eit 1517 n. (Sa^t.) Son 
Dr. 64titne, o. d. $rof. ber X^eologie an ber 

.^önigl. 3lfabemie 20iiiii]tei-. ÜJ?it ^(pprobation beÄ 
{]üd)m. !o^xxn (^r5bif(^of^ üon grciburg. greibmc] i. 33. 
^erber'i^e 16erlagi»^anb(ung 1880. X u. 41ö @. $reii» 
SR. 6. geb. 6, 75. 

^it biefem (4.) iBanDe \)ai Sc^raanc eine Sirbeit 
Dieler Sa^^re ru^mooU beenbigt. 5Die ^Dogmengef^i^te 

21* 



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824 



ber neueven 3^it ift befonberiS toon SEBid^tigteit, toeit einer« 

feity infolge bes im 16. ^^^^^-t^w^^^i^t 6ad^cu ber 
ä^ieligioti unb X^eologie eingetreteneu 6ru4ed mit ber 
SSergangen^^eit unb ber Aircbe atö ber gottbefteOten 
^ütetiii bed depositom fidei gegenüber ben berfe^rten 
JDeutungen ber Si^rle^rer bie alte ©laubenigma^irl^eit 
nA^er beftimmt unbumfc^riebeit ( — ftonaU oon Orient — ) 
itnb anbererfetti» biete fc^on im SHittelatter §iDif<l^eit ben 
ll^eologijc^cn Sd^uleu begonnenen 3)ifferen^en in ber 
na<jj)ttibeutinif(bea 3^^^ fortgejegt, be^ko. aufgetragen 
merben mu6ten. 9[u<j^ in biefer neueren S^tt ma^t fi^ 
fo nic^t miubtT lebhaft aU in früheren 3^^^^^'^!^"^^^^^^" 
ber @nttt)idlungdpro^e6 im (^laubendleben ber Biv^e 
geUenb. 5Dem gewanbten Sierf. ifi ed nun gelungen, 
bad iiberaud xe\ä)f)ait{qe , im ganzen gut gruppierte 
9)?aterial in üer^dltui^mäöig engem Sia^men ju btrgen. 
I6ei fid^tlifbem Streben nad^ j?ür)e ermangelt ber 2)ar< 
flellung !einedn)egd illar^eit unb IBerÜfinbUc^feit, Unmut 
unb ©cnjanbt^eit. !^mr:\t tüerben in einer „^^or^allc" 
(@. 1 — 36), bie wir gerne toeiter auiSgebe^nt münicbtcn 
unb in ber au4 i^^n unb 6(beeben einen (l^ren)>(a| 
t)erbient (hätten (6. 36), bic firdjlicben ^er^?dltni[)e unb 
bie ®e{<i|^i(t|te ber ür^licben ^(^eologie in ben ein3e[nen 
£6nbem ge^eicbnet. 6obann fommen bie (Begenfi&nbe, 
bie burd^gdngig auiS ben Duellen bearbeitet ftnb, in ber 
SReil^eufolge ber ^^eologie, S^riftologie, 6oteriologie, 
Slnt(>ropologie, ber £e(^re t>on ben OiaubendqueQen, ber 
ftir^e unb ben 6atramenten sur 6pra(be. S)abei offen« 
bart ber SSerf. eine Jeltene ©elefcn^eit unb betaiHierteflc 
ilenntuid ber 6d?riften ber ©d^olaftifer, grünblic(?e 2luf-- 
faffung unb fd^arfflnniged Urteil. S>ad Sdudj^ mirb fu^er 



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325 



§u tieferem Einbringen in bie 3)ogmen cerantaffen unb 
anleiten, bie %a^m&nmx, bie ^iftotifeT mie S)O0' 
matifer, toerben ffit manche Sudfit^rungen bedfelben 
banfbar jein. 

biefec ^necfennung bed meclooQen äBetfeiS 
mSgen au^ einige Mtifc^e Semetfungen gefiattet fein. 
5)er SSerf. läßt mo^t bie beiben ^^5arteieu ftet« ju 3Bort 
fommen, aber er toal^rt nid^t immer bie ooHe Unpartei« 
lid^teit, fo }. 0, bei bev £e^te t)on bet scientia media, 
ber p^^RWen SBirffamfett ber Saframente. Sei me^s 
reren gragen märe eine Söeiterfüj^rung , eine ^erauds 
fieOittno neuev ®eban(en, eine fcitifcbe 8ecü(fft(l|^tigung^ 
htfto. Stellungnahme au nod^ fd^mebenben ftonttooetfen 
tDfinfd^eniSmerter aH bte bloge j^iftorifc^e ^arfteHung bcrs 
felben. S(m {argeßen fcbeint und t>ai 2^ribentinum he* 
^anbelt §u fein, ^ier folte unfeved Cta<!|^ten9 au^^ auf 
bie (Sntfte^ung ber befreie unb iTanone^ eingegangen 
fein. 6o lägt ^. bie intereffante ^ontrouerfe 
amif^en 6<i^eeben unb Stanberatl^ über bie gormaU 
urfac^e bet @otte9ftnbf4aft nur buv^ bie Sefd^id^te beft 
Äonaitä [Öfen (ogl. 33. Seitjdfrr. f. fat\). X^eol. 1881 
unb 1883). d^benfo ifl bie raio beatifioa Christi |tt 
für} unb §u fd^fic^tem (6. 106 f.) be^anbelt. Sudft ba 
()ätti bie neuere ßitteratur 5lu^funft gegeben, j. 33. 3J2at= 
te^ in ber ^ilbedb^i"^^'^ ^^{onat^ic()rift I. ^aina 1850, 
6. 558 ff. ; 620 ff. (Aat^oL 1872 unb £aa4er eUmmen 
1879 finb befannt). St^r einge^enb ifl ber ^Slbfc^nitt 
über bie p^ilofophiic^^^eologifdden ^ontroi?erfen in Se^ 
treff ber natürli^en iBottedertenntnid, aber bet gort« 
f d^ritt in ber Se^re heü S^atifanumd, ba9 oerto cognosei 
posse gegenüber bem fru|^eren demonstrari posse Eommt 



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826 



gar ni^t Studbrud. älud^ glaubeu mir, ba^ bad 
9tt<j^ bebeutenb ^etoonneti l^&tte, toenn ber liSetf. je bie 

einfc^lägifle tinc^tigere fiitteratur angegeben ^ätte, bamit 
ber £efer ^um ^toed t)on 6)}e5ialftut)ten in ben einzelnen 
Stagen fi4 loeiter umfef^en tonnte. 2)iefe üBemerhingen 
follen bem fonfl mertvotten, fe^r empfe^IendtDerten fduä^e 
feinen Eintrag tl;un. 3)knjc ba^ielbe ber ^ogmeuge{(l|)ic[)te 
red^t oieU greunbe getoinnen. 
Stuttgart. Seligiondle^rer Dr. theoL üoc^. 



4. 

ipriritl in Siotn ober Novae Vindiciae Petrinae. ^Jtcuc litte* 
rarl)i|"torijc^c Unterjudjung biefer „Srage", nicöt „Sage" 
uon 3- ei^mib, $rof. b. X^. i^uient, (Siaber 1892. 
XLIX, 280 8. «reift: 4 SR. 

^4Jrof. 6(imib in Sutern veröffentlichte 1879 ein 
Programm unter bem oorfiet^enben Xitel, angezeigt 1880, 
6. 627. S)et SeifaS, loeU^er ber Srbett jitteil würbe, 
bePimmte i^n, ber ebenfo iutcrcfiauten al^ trictjui^cn 
$etruiSfrage »eitere Slufmerffamfeit au^uwenbeu unb 
bad Z(fema umfaffenber unb er{<^i^)>fenber }u be^anbeln. 
<Die Slrbeit liegt und nunmehr t>or. €ie fteQt ftc^ nic^t 
jo faft aU jiöeite Slufla^c ber früheren, benn aU neue 
^rift bar. & lourbe hinzugefügt ber Prolog: ber 
tfl Vettttd unb fein Primat im ^. X. 6. II—XLIX. 
©anj Uta ift ferutr ber brilic ^Ibfc^nitt: 6imon iJiagud 
unb bie auf bie 6imoni$)age geitü^ten ^^potl^efeu gegen 
ben HufentMt 9etti in Slom 6. 92^145; fafi neu 
ber fünfte ^ilbidjuilt : ja meld^a Ciiijtuid^aft ift ^etruS 
na4 ^om getommeu unb in weict^ed ^erVälinid \^ai er 



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fetruiS in diom. 



Fl* aur römifd^en ©emeinbe geftellt? 6. 185—226. ^)ie 
anbeten Slbfdj^nitte tpurben unter ^Benü^ung ber üt^witcben 
erfd^ienenen einfd^Iägiaen Sitterotur entf;i>re4enb emeitert 
iinb t»erbef{ert. 2lu^ ©. 16—22 öe^ ^rogrammed ex-- 
koudjlfeu 3« ^. 6. 34—71 bei neuen 64)rift. 

S)ad Xl^ema mutbe in ben legten gol^ren toieber« 
^clt fe^r einge^enb be^nnbelt, in ©nglanb biird) %, 
£ioiud 1888, in ^Belgien buc4 Seclec, in SDeutid^lanb 
burd^ Cffev 1889, in 9tanlrei<j& butd^ {»entiot 1891. 
©teicbttjo^l ift bic üorliegenbe ©c^rift mit grcuben )u 
begtülen. 64/. ift ^iftoriCer, unb er roeii, ba6 bie 
$f tnidfrage nur ^fiorif4«Mtif4 §tt be^anbeln ifl. SDem« 
genidfe meifl et baSSRec^nen mit abflraften ©ubtilitäten 
unb 9)2ögli(^{eiten, toie fte in einigen ber angeführten 
Srbeiten )u flnben Rnb, bofi bie Stomefen^eit $etri in 
diom für bic fat^olifd^e Itirc^e feine mefentlicbe ^cbeutung 
(/abe, ba ber römifcf/en ^tr^e ber ^{^rimat üeriie^en 
iDorben fein (önne , auib tt>^nn bet Xpoflel ni^t in ber 
Dleic^^lpauptftaiM geiuefcu jci, er ttjeiß btefe« SSerfa^reu 
gleich im Anfang aU minbeflenS h^d^ft un^mecfmögig 
unb 9ugleidh aU überftaffig ab unb bef^rdnft fuift auf 
ben 93cben, auf bem allein bie grage ausJ jutragen ift. 
@S loerben bie B^^d^^^ Sla^re 200 an rüdmärtd 
Der^ört, unb bie (Sinmftnbe lur&dgemiefen, wU^ gegnn 
beren 2lui8fagen erhoben mürben. @g mcrben bie ^^eorien 
über bie ältefte &ird|^e geprüft, meh^e bie ^fetru^frage 
berftlfttett, unb gejeigt, baft ile gegen bie einf^Ugigen 
Beugniffe ni<j^t auftufommen Detmögen. 5Dag BetoeiS* 
oerfahren ifi im ganzen gelungen. & UW S^^^ nid^t 
gan} an Xrgumenten, mtU^t »enigec üi^b^^Uig finb, 
mie @. 212, wo ber Primat ber tdmif^en iHr(be mit 



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328 



@(^mib, ^ettud in 9)om. 



bet @;fommuiii(atioit ^^eobotd burd^ ^ttov be^tfitibet 

tpirb. Sind) finb bie 33e(cgftcIIen ni^t immer genügenb 
angegeben. 6. 188 »iib bet Drt für bie bajelbfi er« 
md^nte 8leu6eruiig bed (Spi^j^aniud oetmigt. S)ai$ „1. c/' 
meift uic^t fetten gar 311 meit ^urücf. öejüglicfe t>ir 
^idpofition l^ätte eS fid^ empfohlen, bie ber biegen 6age 
angel^ötigett fünfte üon bet {td^eren flbertiefetung au 
trennen. S3ei einer SBevbinbung, mie fie in bem SIb* 
fc^nitt II, 4 torltegt, leiben bie ^iftorifdpen 3^'^9"ifT^ 
leidet not, unb bie @efa^t »irb aud^ burdl^ bie fbe^ 
merhtng nid^t immer gebül^renb befeitigt, ba6 mon auf 
ben fünften nid^t befielen rooHe unb nid^t befielen 
braud^e* 5Die (Zitate mareu fietd in ber Origtnalfprac^e 
ober in beutfdfter, nid^t aber in loteinifdtier ftberfe|ung 
5u geben (©. XXI, 15, 78 11. f. f.). ^od) finb Mcfe 
$un{te t)on untergeorbneter s^ebeutung. ^um %ni 
ftnben fie tt>o^I il^re (^drung in bem meiteren Sefer« 
frei^, melier für bic ©c^rift in '^luoficbt genommen ifl. 
2)ie Slbl^anblung tjerbient warm empfoj^leu ju werben. 

3ur &e{d|^id^te ber ^age mbgen nodft einige 9lad^« 
träge gegeben merben. gu ben Befhcettem be« Sfufent« 
^alteg $etri in 9Rom gel^örte im 16. ;3^^rt)iinberl quc^ 
bet SBiener Pfarrer ^afob ^eregrin. $gl. Zf^. äBiebe« 
mann, 9teformation unb Segenteformation 1, 85. S)er 

Libellus quo Petrum Romam non venisse demonstratur 
toon U. ^elenu)5 (6. ö) würbe 1660 neu aufgelegt 
Salb nad^ feiner Seröffentlid^ung erfdl^ien au^ eine 
beutfd^e Ueberfe^ung: „3« bifem ^Büc^lein wirt . . . 
bewert, bad ber ^ailig ^etni^ gen ^Jtom nietet fommen" 
u.f.n>v unb §tt>ar nac^SBeUer'dRepertonum typographi- 
cttm im 3. 1521 bei S. Otmar in SHug^burg. gun!. 



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5. 

1. l!)ecNei#llt| ittSiWl Dom Sa^re 1545. (Stneeitvafi 
anr IBoTgefd^tdbte bei» f^molfalbifc^eti tttit%a Hon Dr. 9. 
ftittttmoUtrr , Obetfe^ am |irotefl(iittif4en iBr^mm* 

fium 3. ©trofeburgi.®. ©tro6burg,.t)ci^ 1891. 131 8. gr.S. 

2. lartefe unb Stfteit aut •cfW^tc ilt|i«iliiitl iL LZeil: 
3)ev drtefmecbfet bed ftaifer« aRa^imillan H mit 

$iu8 V. XVI, 208 3. 1889. II. ^ eil : 3eftn ®utQ*tcn 
über bic Sage ber fatl)oliid)eu Üixdic in 5)cutfd)Ianb 
1573/76 nebjt beut ''^rotofotlc ^er bcutjdjcn ^ongre* 
gatton 1573/78. LU , 135 @. 1891. )6on ». 
64lNf). ^Abevbom, 8omfatitt«'2>rntoei. 

1. S)ev aUi^i^tag Don äBormd 1645 nimmt in ber 

9teformation^gefctic^te eine mic^tigc Stellung ei«. ®r 
i>erbieiUc bal^er eine monograp^ifc^e ^e^anbluug. ^od^ 
lommen in ber Dorfie^enben ^cbnft {eine ^et^^anblungen 
ni<lbt in ibtem gejamten Umfang jur ^arfteOung, fonberu, 
mic bereite ber Xitel anbeutet, nur bie auf bie 5Bor= 
gefd^id^te M {4)maUalOif(ben ütieded be^üglid^en. äluber 
bem gebnifften Onetfenmatetial ftanben bem 8etf. bie 
auf ölt ^idt bejüglid^tMi 'Mun im ©trafeburger Stabts 
axd^it) iux Verfügung. ^Diefeibeu imt), ba Stragbucg 
an bem Siei^dtag einen ^ertoorragenben Anteil f^aüe, 
n\^i unbebeutenb. ^^^n^'^^in ^^^^ ergibt bie ^arftellung 
iu bicjtm engen 9ia(?mcn, lüie ber 5^erf. felbfl fid^ uic^t 
t>etl^e^U, noib fein in aUen @inseln(^eiten genaue« Silb. 
SKand^e« bebarf nod^ ber ^rgdu^ung. 60 tonnte Be» 
fonberS auf ba<g SSerl^aÜen ber aufeer^alb beiS fc^mal= 
faibijc^en ääunbe^ fte^eiibeu ^oafeffion^oerroanbten nur 
ein fpftvli^ed Sid^t gemotfen, über bie GteQung bet 
ilat^oUtiU 5um iiaijer unb ^ui üon^iUfrage nur 



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880 



«eHu^te SKo^mUtan« IL 



taunM toieber^ott toerben. Snbeffen verbient bie 6(t^tift 
aiid^ fo 33cad)tini9. '^U (Wva^ mdiläufigc Einleitung 
be^aubclt bie faijeilid^en ^ermittlungdDettu^e in ben 
t)otaii<0et»enben 24 Salären, befonbetd vom SBaffenfHUs 
ftanb oon 'Jiijja an. 2^abei w'ixt) ber ©rjbtfcbof SBccjc 
Don £unb , ber eine ^aifecUc^er Drator tnar, 

geiDÖ^n{i<l^ £ttttb genannt, fo hai man meinen fodte, bieft 
fei fein ^4$er{oneuiiame, uic^t bcr ^ame feine« iBii^tum^. 

2. 5)ie jtDeiti' i^nblifation fü^rl un^ in ber ^cit 
um }mei btd btei :3al;^r)e^nte (^etab. ^er etüe Xeil 
bietet un§ ben ^riefioecbfet SRarimitian« II mit ^iu5 V. 
SBon ber Äoirefponbenj maren bieder 40 ©tüde befannt. 
ed^m. timjste ben S9eft$fianb auf 158 Siummetn ^ oet« 
mehren, 91 6d&rciben M Äaiferi^, 67 be* ^apfteiS, unb 
tvenn ad^t anä) nur nad^ ^n^alt unb ^atum nacbge^ 
miefen metben tonnten, fo iß bie S^t^i tmmet^in no<l^ 
fo bebeutenb, hai fie ffir ftcf^ felbft fpridl^t. ^ie Cbition 
»urbe, fomeit bem gernfte^enben ein Urteil ^ufte^t, mit 
gtofer Sorgfalt oeranfialtet. (Sin befonbered 0emic|^t 
toutbe auf (SrläuteniUG beiS iBdefmec^feU gelegt, ^tx 
$g. befaub fid? Dabei in ber fd}n?ierigen ^agc, bafe er 
fetn Don einet audr et^enben Sibliotl^ef fu arbeiten (atte, 
medl^alb fi(b SMen in ben Sitteratutangaben ni^t 
meibcn liefeen. Um io reid^l^altiger würben biplomatifdj^e 
^eric^te unb ^nftruftionen herangezogen, oft au4 um» 
f angreife Stüde baraui» mitgeteilt, unb babuti!^ wirb 
jener ^Wangel me^ir al-^ aufgewogen. $)ie einfdj^lägigen 
äRttteilungen ücrleit^en ber 6<t^rift einen befonberen äBert. 

SBie mir burcb ben §meiten Zeit erfa^en, nmrbe 
im ^ahre 1568 in Sflom eine Kongregation für bie 
beutjc^eu läiigelegen(^eiteu crricf^tet. $ünf ^of^re 



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331 



wuroe fie neu begrünbet, luib ininmel^r gelang i^r 
audf, eine nact^metdbare X^ätigfeit |u entfalten, ^ie 
ie{}\i ©utad^ten, ii>e(c^e jur Veröffentlichung fommen, 
ftej^en ad'; 511 ber Äoniirccjation in einer engeren ober 
toeiteren ^e^iet^ung. S)ad umfangrei(^fte iß bad etfte, 
ein @uta4ten an ©regor XITI über bie £age ber j^trcbe 
in 3:eutf4^lanb (6. 1—19). ^adfelbe ift in üier $ff. 
erl^aüen^ unb ba brei feinen iRamen nennen, mutbe ed 
bnr^ 6cferiftfteffer bee^efuitenorben^ an« inneren ®rünben 
(Sanifiu^ ^ugefc^ricben. @ben(o urteilte '^anfTen, melc^er 
in feiner ®ef<bi((^te bed beutf(ben ^olCed V, 180—182 
8u«3üge mitteilte. a)le vierte ^f. enthält aber anf ber 
Stürffeite einen SSermerf, nac^ bem ba^ ©cferiftftücf t)on 
bem ^arDinal t)on Slugdburg ^errüf^n, unb unter biefen 
UmflÄnben ift mit bem ^q. Otto Sru<Jfe6 aö Serfaffer 
an^unel^men. $J)erfelbe maii fi^ babei übrigen^ ber 
^ilfe Ded i^m enge befreunbeten Orbendmanned bebient 
^aben. ^ie Z)enff<^rift liegt in gmeifac^er @eflaU toor. 
3fiacfe bin biftorifd^en 5ln^alt3punften, luelcbe bie eine 
deftalt barbietet, entftanb fie m^i im Pommer 1568; 
in ber Seftalt aber, meU^e fie in brei $ff. I^at, mürbe 
fie na^ bem 'Jiad)ti»eid be^ ^tl. im ^^sanuar 1873 bem 
^pfte iibenei4;t. ^ie ^miU ^alfte bed ^(inbct^enö * 
füllt bae $rotofoK ber beutfc^en Kongregation mftl^renb 
ber M^vc 1573—78. ii'iwc auejü^ilid^e (Umleitung bicnt 
^ur erforberlid^en Drieutierung. 

6. 

ü)ie 9t«|il)ir»lfe«e ber f |IIof«|i|ie in ibrer (Sntmidtnng 

unb teilmeijeu !iiö\un^ dou %^aM bid Stöbert $amer« 



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332 



Atiauer, 



fing. 93orrc{im0cn gehalten an ber ^. SBicncr Uni- 
öerfitQt t)on JEBincrni finsner. SBien unb Scip^ig, S33. 
^caumäaer. 1892. XVIII u. 408 gr. 8. 

forbert eine ungetDö^nlic^e ^etttautl^eil mit ber 
,®i\ä)i6)U ber ^Ijitojopl^ie unb ben 33eftrt'buugeu ber 
empirifd^en äBiffenfd^aften^ tpenti in {Uinem 9%al^men ein 
flavei^Sitb tton ben t)ielt>erfc^(ungeneu ^faben, meldte ber 
menfc^lic^c ®eift {eit ber jouifc^eu Jlaturp^ilofop^ie big 
)u ber neueren neu!autif(|^en unb barU)iniftiic()«po[itt)9iÜi< 
f^en (EntmiillungMel^re bur^manbert f^t, entworfen toer* 
ben fott. ^enn c£5 i\t fd^mer, baS Sf^ebenfäc^lici^e quIs 
pfd^eiben, o^ne bem $erfiänbiii)le bed äBicj^tigen 
fc^aben, ber gef^tc^tlid^en (gntn^icttung naöf^u^elftn, ol^ne 
bie fiberfic^tltd^e ^arfleSüng ber SpDeme gu opfern, 
einen einjactitu, teid&tterftänblid^en ©til ju {(^reiben, o^ne 
ben 9limbud ber fpetulatioen ä&tffenfdl^aft §u lerfldren. 
S)em 8erf. ifl aber bad Sßagntd einem ^en Xeil 
gelungen. 6o treit man t)on ^^orfefuugou enuarten 
lann, \)at er ed Perftauben, ein für bie üon £iebe jur 
®iffenf<j^aft erfftiten Sefer ansiel^enbed ®efamtbilb ber 
p^ilofop^ifc^tii ^eftrcbutigen alter unb neuer QüUii ju 
entwerfen. 

^e 32 iBorUfungeit oä^renb M äBinterfemeflerd 
i^liegen mit ber $^t(ofop^te be« 9rifloteCei», bie 21 n>ä(^ 

renb M ©ommerfemeftcrü mit ber $(;ilofopl^ie ^amer- 
lingd. d^nenSKiuSjug t>axauü §u geben ^aUe tc|^ nt^t für 
angezeigt, au^ ber p^ilofop^if^e 6tanb|)unft M 

Serf. burc^ feine früheren ^ublifaiiouiu t^iulänglic^ be^ 
lannt üt, fo genügt ed, auf einige fünfte (^inaumeifen. 
3n ber grie^^if^en $^iU)fop||ie toerben mit 9U^t bie 

priu3i|)ieU<.a (^rageu^ lueld^e biiö ^eute bie (^ruuDprobitine 



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Die i&OHptproMeme ber ^^tlofnpljir. 



333 



ber $^t(ofopl^ie ^eMie^ett ftnb, etmai» audfü^rtid^et be« 
^lanbelt. ^eu regressus in infinitum \)aii ber ,5. ^erf. 
für notkoenbig, bie emige ^etoeguno mit ber Sinna^me 
eined SnfangiK a priori ffit tteteinbar^ abet empis 
rifd? für jmöcrlegt; ba^ foömologifc^c unb teleologifi^e 
@ottedben)u6tfein fommi bereite bei $Iato ^ur ^ax\UU 
lung, bo<^ fei ed ^aorfpaltecei §tDif(ib^n beiben fu unter« 
{(^libeti. ^^uiib^eoff ftnb^e^eid^nungett be^C^eiftigeii. 
^ie ariftoteltfcbe ^aturp^Kofop^ie ift in it;ren (^runb^ 
}fl0ett mit unferer (heutigen, mobernen l^iaturanfc^auung 
tbeiitif(3^. ^er ^rid^tig oerflanbene" Sriflotelee ifl ein 
moberner Wlen\d), bie neuere t>on "baco üon SScrntam 
eingeleitete ^kturforfcbung unb 'J^aturp^ilofop^ie, ber 
bie Statur, 3tte« mit einem 9Rale' ifi, ffat biefe Zxtn^ 
nun 9 von gorm unb 9}iaterie aufgegeben, unb fie ift 
bamit auf 3lriftotele§ jurücfgegaugtu, aber auf ben maleren, 
tlafftfcben älriftoteUi», nicbt auf ben ${eubo«Slriftoteled, 
ber (eiber fiber jtuet ^^^i^taufenbe in ben üöpfen ber 
©cbulp^ilojop^en fein Unmefen trieb (6. 145). Sefons 
ber« intereffant finb bie ^udfü(^rungen über gorm unb 
SRaterie, über ben Sinn t>on ^^e/^ea^m (oorrampi) 

unb über ben vovg nad^rjttxog (intellectus possibilis). 

Scbweriic^ micb jtoar ber ^. $erf. auf aUgemeine ^u« 
flimmung red^nen, U)enn er bie Semi^tung ber ^om^n 
bei 2lnftoteleS bcftrtitet unb baö Corrumpi nur t)on 
einem ^iluBcrbienftje^en ber nieberen formen erfldrt, 
aber ec ^at iebenfaOd ben munben $unh ber fp&teren 
peripatetif<l^en 9latnrp^ilofop(^ie bloßgelegt. 3n ber 
uiueflen Äontrooerfe über Den ÄreatiauisJmu^ bei Slriftos 
teled fteOt fi<b ber il^erf. auf Seiten l^rentancd, bocb 
giebt er |u, bag ber Jlreatianidmud nur eine Folgerung 



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884 



au« bet £e^re über bie ^ethitift M ^nteEefti» fei; ein 
tniSpxe^enM SBott für bie ©d^öpfung fanb Irtfiotele« 
nic^t. 2öenn er bem Slriftotelcö aucfe bie fie^re toon ber 
^iUeni^ftei^eit unb ber Sorfe^ung ^ufdj^retbt, fo beurteilt 
er bie menigen ^iefftr vertoeubbaren SteOen ho6f 
dfinftig. 

5Die nad^ älrifioteled folgenbe geit f^at burdb )toei 
^al()rtaufenbe nidfttd tDefeittlid^ 9teue2 j^inaugefügt. @rfl 

bie 6a(be mieber einmal oon t)orne anfangen. fSRit ibnen 
entwideln ft(^ a^ei ^auptflrömungen bed pbUofopbif<^^n 

S)enfcib3, bie cnglänbifd)c unb lontineiitale ^^^itofopbi^- 
SDltt befonberer Vorliebe mecben ilant^ ^erbart unb 
{^amerling be^anbelt. Itant fucbt ber 8erf. gegen 
5al;Ireic^e 33JiBbeulungcn iiuD $ßormürfe in €d)u^ 511 
net^nun. (ei uic^t nur fein ^eförbert^c, jonbern ber 
größte (Begner bed SiationaliiSmud getoefen. Seine ^oftu« 
late feien c^egen eine einjeitige ^enfuotmenbigfeil im 
ätecbt unb bie Betonung ber ^Jioral gegenüber bem 
religibfen S)enlen ein gortf^ritt gemefen. ^nbem bec 
SBerf. nod) bie l^ategorien be^ SRaum« unb ber ^tit 
näber unterfucbt, ba^ni er ftd^ beu ^eg gu ben raum^ 
lofen SHealen ^erbartiB unb ^u ben SItomen l^amerlingd, 
in bereu gcgenfeitiger ^l^i.^iel;uug ber ^iaim gegeben ift. 
5£)ie br)namifc^e ^tomiftif ^at allerbingd für eine moberne 
naturh)if{enf4aftlid^e SBeltauffaffung gro6e IBor^üge. 

T'er ^. 58erf. ift fid? feinet @egenfa|je4 3U anberen 
nalurpl?ilojop!3ifc^en ^ic^tungen bemußt, ift aber mit 
Keibt ber ilnftcbt, ba6 bie reblicb gefu(bte SS^abrf^eit über 
alle« ge^e. Wian mirb fid^ tDobl über üerfc^iebene fünfte 
ftreiten fbnnen, tou i(b a* ^* niilbe Urteil über 



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2)aTkoin niä^i für cidjftig (^atte, ba fi^ biefer in feinen 
Briefen tfid^aUIoS 9um SlgnofU^tdmttiK betannt \^at, unb 

auc^ 5lant iinqünftiger beurteile, aber man muß bem 
$erf. jebenfaUi^ bie (Sered^tigfeit mibecfaj^cen laffen, ba^ 
er mit SBetftfinbnid unb Sefcbid bte fd^mietidfien ^ßtob« 
lerne bcr ^^il^ilofop^ie bar5uftcllen gemußt \)at. ber 
^orrebe tft $u ie^en, bag er Dielfad^ mit einer übel- 
moSenben Ariti! }u fftm^fen ^at. (&% mag bied^ loie 
et anbeutet, jum Xeii in $arteirüdfi4)ttii feinen ©runb 
^aben, bürfte aber bocb auf eine prinzipielle ^erf^ieben- 
^eit bed 6tanbpun{til sutfttf^ufü^ven fein. (6^ xfi eben 
ben Vertretern ber trabitionellcn ^Äiffenfc^aft fc^iucr, im 
^^obernen aucb etmae (Suted an^uerfenuen. ^ie golge 
babon i^, ba§ bie (Begnet m5gli(^fl Diel (BuM batin 
finben moDen unb bad anbere etmad geringfd^ägig be- 
^aubeln. S)ie SBiffenfc^aft lebt \a feit altert ^er t)om 
6treit^ abet bon S^ertretevn bet cbrifitid^en SBiffenfd^aft 
foHte man roenigflend erwarten bitrfen^ bag fte nur um 
bie 6ac^e kämpfen. 6(^ana. 



7. 

3)ie 8f^rf tiou Her ftird|r nad) bem t) ^luguftin. iöon Dr. 
2t0nad 6|ie4t, $rof. ber X^eol. am ItgL £^ceum 5u 
2)taingen. $aberboni. gerb, ©d^bntng^. 1892. VI 
unb 894 6. 

S)er Segriff ber ilirö^e ifl loefentli^ bon bem 

©naben-, bejtr». 6aframeut^bcgrifj abl^ängig. iäugufiinu« 
aU £et^rer ber göttlichen @nabe (fat bed(^alb aucb bie 
Se^re toon ber taXffoli\^en Itir^e grunblegenb bargefleBt. 
@igentümlic^enueife ift trogbem bie Untere nic^t ^u einer 

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d36 



(SefamtbarfteQung gekommen, fonb^rn je nur im 3ui<in^' 
ment^ange mit ber (BnabenU^re bel^anbelt toorben. S)a 
bic« in tieueller Qeit toteber^ott t>on proteflantifd^er 
©eite in ber Slbfid^t gejdjie^en ift, bei äuguftinu^ einen 
ft<^ toibetf^red^enben bo)>)>elten ^irc^enbegtiff, einen 
tDtffenfd^afttid^en, bnY(^ bie ^tAbefUnationMel^re gefor^ 
berten, unb einen tulgärfat^olifd^en, nad^5utüei{en, jo mar 
ed ein ebenfo banfbared aU f^mieciged Untetne^men, 
eine fRonograpl^ie über biefen ®egenflanb «bjufaffen. 
3)er SBerf., metd^er \ö)on fiü^er in einem "^Programm bie 
Cinl^eit bet Aird^e nad^ äiugu^nud be^anbelt f^at, t^at 
eiS t>erflanben, ben acrfirenten 6loff in ein fiberficbtni^e« 
©Vftem ju üereinigen. ^it gutem ©nmb t?at er Die 
f^ftematifd^e äl^et^obe gewä^flt, ba äiugufitinud in ber 
Se^e bon ber Mtd^t niä^t einen d^nlt^en ^ortfcbritt 
»ie in ber ®nabenle(^rc aufmeift. SDemgemäg bejpric^t 
n in fleben $au))tfifiden bie Snflitution , Aonftitution, 
Orgottifation ber Airc^e, bai» Ser^ättnid (Ebrifli unb be« 
1^. ©eifte^ gur organifiertcu Mirc^e, bie ©igeujd^aften unb 
SKerhnale, bad au|erorbentli(l|>e £e^ramt ber üird^e unb 
bad Ser^dttniiS ber irbtfc^en Stlxä^e §ur ^immlif<ben. 

S)er SBerf. ^at mit grofeer ©ad^teuutui^ uiio inel 
^erfiänbnid ben ^. äiuguftinud gegen bie ga^Ireid^en 
Cinn>enbnngen unb ftonfequenjenmadftereien bertetbiiit unb 
ein im mefcntli(^en jutrcffcnbeS ^ilb feiner Se^re t3on 
ber Air4ie enttoocfen. ^it Ueö^i ^at er inöbefonbere 
gegen Keuterd befied^enbe S)arfieSung borauf l^ingemiefen, 
baf> bei Slugnftinu^ bie allgemeine unb polemifd&e 3lu§5 
brucidmeife berücl)i((^tigen fei. Db freiließ mit ber 
Sermeifung auf ben $(atonidmui$ ber Unterfcj^ieb ^mifd^en 
ber ibealcu uub mirUic^cu Klieve geuügenb ertlärt ift^ 



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2)ie fiepte bon ber ^iic^tuu^ tCugufttn. 337 

bleibt fraglidfr. ^cr „gefpaltene" Ätrd^enbegriff wixh 
üid^t nur ton ^orner^ fonbern üon beu meifleit neueren 
t^toteiiaiitifd^en i)09meii(ifion(era Xagu^itttS ^ugefd^e« 
ben. ©eeberg xoxU fogar brei berfd^iebcne begriffe nad^* 
tueifen: bie erfcbeinenbe ^eilÄanftalt, bie ©emcinbe ber 
^eiligeit unt> hex Ott M ^eiU auf (Itben mit ber be» 
^mmtett 3^^^ ^rAbefttnierten, obroo^t er ^ugtebt, 
ba6 toon ber Untevic^cibung jrrif^en ber ecclesia visi- 
bilis unb invisibilis feine ^be fei unb ber Untere älud? 
bnul VMfwsa^t ^um erfletimale 1521 bei SuH^er t>or« 
fomme. ^er JBiberfpruc^ , lu Jüctc^en man Sluguflin 
termidfeln würbe, menn man ilj^m bie :^et;re eined $BicUf, 
^uü, (SalDin auf^reibeit tooDte, denüoi niibt |itr SSiber« 
tegung, meil gegnerifc^cifcitd nicbt biefe Sc^re, fonbem 
bie SUinu ju einer ©ntwidlung fotüo^^l für biefe £e^re 
oU bie lat^oUf^e £el^re bei Sluoufiinu« Dorattdgefelt 
tDerben. iS(^ toirb nur bel^au^tet, Sltt^fUituiS l^abe al9 
kat\)öiit bie 5!onfe(|uenjen feiner ^räbeflinattonSle^^re 
nid^t )u sieben gemagt. äßirb ed ba^er immer jc^mierig 
feis, bie abfolute ^rdbe^nation mit ber Se^re t)oii ber 
iid()tbaren ^irct^e aU ber notmenbigen ^eiUanfialt 
loereinigen, fo l^at bocb ber ^erf. uid^t nur bie ilonfe« 
qttcitteitma^erei in bief em (S^ebiet mit Sfted^t lurüifgetDiefen^ 
fonbem an<j^ ben anf^red^enben I33erfud^ gemad^t, ju 
geigen, hab Sluguflinud, inbem er ^u ber ^rabeftination 
aiul^ bie pnMcientia efe pneparatio beneficiorQm red^net, 
bie V^Abeflimerten burd^ bie tfnabenmittel ber IHrd^e 
jum ^ei(e gelangen tajfe. 5)ie tDteber^olteu 'Berufungen 
auf ben 102. 8rief, in bem bie ^irdj^e bu» auf Sibam 
Sttrfldberledt toirb, meifi ber IBerf. mit ber Semerbing 
ah, bafe Dor (^l^riftu« felbftocrftänblict) t)on ber Dlottoenbig» 



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338 6Mt, S){ede4fe Den bc? ftififte na4 9(ugufHii. 

lett bet fatl^olif^en iUr^e unb tl^ret ®iiabeiiiii!ttel feine 

9teöc fein föime. Qnm 6d?luf)e bcmaft tr, eine anbere 
gcage iei ed, ob SCugußinud m((^t rigociftifd^ utteile, 
inbem er aDe biejentgeit, oetd^e feit C^fluil o^ne i^re 
6ct)ulb ba^ ßüaiigelium n\ä)t üernommen ^aben ober 
)ur fi^tbacen £ucb^ nt^t gelangt finb, ben non electi 
rennet unb att Dom $eile audgefd^Ioffen betrad^tet. 

SBon ben aiibcrn Slbfd^nitten fiiib befonberg bie3luds 
fü^rungen über ben ^^cimat unb bie (^gen{4iaften unb 
SRerlmale ber itir<t^e j^erbor^ul^eben. 3n ber itontro« 
»erfe über ba^ t)on 9lugiiftinu3 angerufene aQgemeiue 
ßon^il entf^eibet fi^ ber $erf. für bad Ston^il oon 
SfHcOa. So4 f4eint mir bie Semerfung (6. 816 Sl 4), 
ba6 ber Sul'ammeu^ang geqcn 2(rle^ fprcc^e, iiid^l ju« 
treftenb )u fein, ba am angegebenen Ort ((^p. 43 n. 20) 
arlei» auiSbrflcilic^ genannt ifL 3n ber CrfUrung ber 
Diel toentiUcrten Stelle über bie Jtorreftur ber aUgemeineu 
^onaiiien buxä^ fpätere Jlon^iiien )d)ii^ii fxöf ber $erf. 
benen on, toeld^e eine itorreftur burdft neue X^atfo^en, 
iDtid^c frül^cr inibcfannt waren, annel^men. ©ine @nt- 
tt)idlung im 6inne bee ^incentiud üon £erin meint 
HugufUn atterbingd nid^t, aber ei^ ift nod^ §u bebenlen, 
bafe 5U feiner Qdt ber ^öegriff öee allgemeinen Äon§iU 
überl^aupt no(^ nicbt (treng ft|iert mar. 3nt iiegertaufs 
fireit betrad^tet ber Serf. bie Sorfcbrift bei» $a^fled 
©tep^^anu^ blo^ aU ein ©ebot unb mac^t bei Gi?prian 
ben bid^iptinären (E^araUer geltenb. ^er ^eut^utage 
meit ^verbreiteten äReinung^ baft (S9))rian bie Jte(^ertaufe 
biii\taue t)ogmatijc^ beurteilt l;abe, mu6 man aHerbingö 
immer koieber entgegnen, bag feine Briefe minbeßeniS 
ein groM Sd^ioanlen in biefer Xnffaffnng behinben. 



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339 



5Da« SBorfte^cnbc feil nur auf bcn für bic iürd^cii- 

Suöfted aufmerffam moil^eii. 98it Mnnen ba^elbe aU 

einen roillfommeneu ^^eitrag ^ur S/ogmengtid^id^te beftenö 
empfehlen. @d^au|. 



V. 

1. tin|niicf4i#t( Don D. t. Mfet, $rof. b. eoatig. 

X^eol. in ^rcelau. ßrftci ^i^aub. grcibiug, Üioljr 
1892. XXII, 636 6. 8 ((S^runbcig ber t^eolog. äBiffen» 
{4H)ften IV. 1). 

2. MtUlte brr tHiiiiii a(i» 9to4tDet« bet gOttttc^ett 
Offenbomng unb t^rer (St^aftung burc^ bte ^rc^e. 
SBon 2ß. mimtH, ^r. b. ®. 3?. Qmikx iöanb. @ec^«tc, 
neu bearbeitete, Derntet)rte \Uuflage. ä^^ünftet, Slfc^en* 
borff 1891. XI, 492 @. a 

1. Obmof^l ed an S)arftettun9en be( Stixö^^nqt» 
W^U toa^xüif niä^i fe^le, bemetft bet 8etf. in bet 

33orTebe, l?abc er bcr 5lutforberung, eine neue ^u fcfcreiben, 
ft4^ ui^t entzogen, mit er meine, bai toit einmal mit 
bet alten Xudmal^I unb Stnotbnung bed Stoffel» bted^en 
muffen. 6cit ctiua jel;n ^^al^ren l;abe er ba^ für fid^ 
in immer neuen einlaufen oerjuc^t unb lege nun bie 
Ctgebniffe oot. 6eine Mfk^t fei, bie Oefd^id^te im fhaf^ 
fen ä^tf^w^w^^'Ji'^^iiiG U^i*^'^" Cilemente i^or5ufü^ren, Greigs 
nijfe unb 3uf^^nbe nur jomeit aufzunehmen, ai& fie 
lebenbige ItrAfte, aRAd^le bet (KnttvidKung obet Hemmung 
bitben. Qu biefem ©inn bie ^iio^d bcö ctoffa^ feft in 
ben ^änben ju galten unb ben ^iid immer auf bad 
€lan|e }tt xii^Un, fd^eine i^m bie l^d^^fie Sufgobe einet 



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340 



fold^en ^tfleOung. Sßie i»ie(ed et auc^ baben Anregungen 
^aruacfiS t>anU, braud^e er nidit befonberd ^er))or|Us 

5Da9 Streben M 8erf. M Mne gute 8ered^ti* 

gung. ^er ^iftorifer unb namentlich bcr 5^erfaficr 
eüted £e]^rbudbed foU immer bad (San^e t)or Slugen ^aben. 
(Et muj} ft<j^ in bet Slufna^me bon (Steigntifen nnb 3u« 
flftnben eine @d^ranfe auferlegen, unb er mag ficb babei 
im atlgemeineu au ben angeführten ^auon b<^Ueu. ^abei 
ifi aber mit Umfu^t unb Wiai su betfa^ten, unb bied 
um fo mel^r, ato bte Unficbten batfibet mel^rfad^ aniS« 
einnubergeben merben, ob etiua!^ aU SWad^t ber (rnt- 
koidlung obet ald SAac^t ber Hemmung in IBetract^t 
fommt. %>tt 8etf. ifl in biefet 8ejiel^ung m. d. |u 
tüeit gegangen, (ix bietet Dielfac^ me^r gejctidjUic^c 3flej 
fle^ionen atö eine )}ofitit)e ©ef^icbtdbarfteUung, ber 6toff 
leibet unter bet fhafFen l^ü^dunq not, fomeit ni^t 
etma ein flberfeben t)otHegt. Cd bürfte fdbtüerlidb 9^' 
rechtfertigt fein, tuenn bie j[ubencbriftli(hen ©efteu ber 
dbioniten unb 3la^t&tx in bem Sud^e lebiglui^ {eine 
Stelle etbaU^tt, iDenn in bem § übet ben S^onard^iani^s 
mug t}on ben ebioiüttjcben 3}^onard^iaucl•^ fein eiujiger 
genannt mirb^ von ben mobaliftifc^en nur SabeUiud, 
menn bei ben SnofHtetn bie O^biten, itat^oftattonet unb 
mel;iac aubere 6d;ulen auch "i<h^ ^^^^ cuitm iißorte er« 
toähut merben, wenn man üon ber Umgeflaltung be« 53u6? 
toefend im Orient gegen dnbe M 4. i^abtbunbettd nidfttd * 
erfährt ti. f. m. 9Wan<be8 ttjirb ferner unter einen min« 
beften^ fe^r jmeifelhaftcn ®cficht«punft gefteüt. 6o 
(ommt bet smeite ^ilbetfiteit unb bet 4^(^otiui^'f(be 
jtird^enfiteit al0 ein Xett bed jlampfeiS bet loteinifd^en 



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ftic4)eiigcf(^t4»U. 



ttnb bi^jatttinifc^eti Bixä^e um bie @laioen&)eU aur ^pradj^e. 
S)er eUberfheit tDtvb überbied nur ganj uebenfM^IUft 

mit ein paar 5ßorteii ertpä^nt (6. 370). 

jt^nU^ {ommt me^recei^ anbere )u fuc) unb tt)icb 
in ber flbetgro§en Itütae ungenau unb uiiDevfiftnblicb. 
S)o8 5Borge^en 3wf^^"^^i"^ Ö^'O^'n ^it^ ^tei Äapitel mirb 
einfad^ aU Ißeibammuug ber %iiüod)enex ^^eobor t)oii 
gtoyftioefle, Zbeobotet unb 36ae beaeid^net (6. 276), 
bie t^cotogiWen '^Sfloii'oe in ber 93ilbung be-o Itonflifte« 
merben ganj übergangen, ber streit Ubiglicb als ein 
8Betf bet ißolttif bebanbelt. S)er (»olüif^e ®eft(bt«« 
punft mac^t [\6) überhaupt über ©ebü^r gettenb. ^Ricbt 
feiten mitb {ogar ha, m bie Überlieferung burc^aud 
lein Steilst ba^u giebt ober fogar fflr boi» Segenteil 
fpricbt, o^^ne tücttere« eine politifc^c ober ^^ierard^ii^e 
Xenben^ angenommen. 6o fenbet ^öleflin einen oon 
ibm getoeibten 8if<bof §11 ben efoten in Sttanb, um 
„bem römifd^en SSifd^of im ^oxt)tn ein neue« unmittelbar 
abbdttgige« ®ebiet fiebern" (6. 260). „SDie 6en.' 
bung be^S ^ßtopM Sugufün unb feiner äRöncbe bur<b 
©regor jur 33efe^rung ber 2tngelja^fen 596 bebeutet 
ben Serfu<b/ tu biefem $ol{ ein üirc^enmefen au grun« 
ben, baiS ni^t mie bie anberen germanifcben Kei^e nur 
[ofe mit bem ^laupt ber Äird^e t)erbunben toäre, fon* 
betu auf« unmittelbarfte mit i^m §ufammen^^inge, ein 
unmittelbare^ Senoaltungdgebiet , eine ini)>eratorifd^e 
^rotins im ©eßenfa^ gegen bie fenatorifd&en" (6. 801). 

Sluf eine weitere SluiSeinanberfefung glaube tcb 
mi4 mit bem Serf. nt<bt einlaffen |u fotten, ba bted bei 
ber burd^gän^^igen großen 55erf*iebettbeit, »eld^e §tDtf<ben 
unfern «nl^auungeu bejtei^t, |u »eU filbren mürbe. 



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342 



3nbem id) bemerfe, bafe ba« SBud> in fetner %xt eine 
^etoouageiibe Seiftung ift, mad^e ic^^ nur uod^ Cuc) auf 
einige Untlc^tigleiteii aufmerffam. S)ie Übevatbeituttg 
ber ^guaiiu^briefe unb bie Crrbid^tuuä ^^^^^^ ^^ricfc fällt 
nUt^t aui^eiuanber, tpie matt uad^ @. 34 annel^men fottte, 
f onbent beibed ifi bie eined unb beiSf e(ben SRanneiS. 
SHe Äfiaten gaben i^re abmeid^enbe Ofterfeier nod) im 
£aufe bed 3. 3a^rt)uubertd auf; fie ecfcl^eiaen ^ur 
heü tton^üi von fftxc&a bereite aU Vertreter ber aüqt^ 
meinen ^raji^ (6. 176). ^a^5 "ii^cil^nac^täfeft mürbe 
Hiebt etft 354 bur4 Ä^ibertud eiugefü^rt (6. 205), koie 
Ufettet belDeifen moSte^ fonbern befianb na^ ber De- 

positio martjruiu bcö Ci(;rcuograpt;cu i\ ^. ^354 l"d)oii 
336, kPie SDuc^eSne im Bulletin critique 1890 iilu 3 
^et^te. %>ai $apfi 3nnoceti§ I bie Aanoned von 6ar* 
bifa aU nicämf(i^ aue^ab, t^cl;! auij Gp. 11 6, ucigt. 
mit 5 nidl^t t^erüor (6. 265), unb toenn ed fo märe, 
brauste man l^nter ber 6a(be no<b feinetoeg« eine 
befonbcre ^enbenj ju toittern, ba baö 33crfabren allem 
nad^ bereüiS üou ber 6pnobe dou .üonftantinopel 382 
angettenbet »urbe unb einfad^ bie goige ber iBerbinbung 
ber juuone^ ber beiben 6pnoben mar. 2)ic SBorte be^ 
3gnatiug nQoxa&f^fih^ ti]s dydnr^g fönncn nicj^t über* 
fe(t merben: Sorbilb in ber fiiebe (6. 60), ba nqom-^ 
&rja&<u nirgenbö in bem fraglichen Sprad^gebrauc^ loox- 
{ommt, unb 3J?. bätte biefe bei ben ^roteflanten jmar 
immer nod^ t)orberrfibenbe, aber miffenfcbafUiib un^tt« 
bare 2)eutung um fo e^er aufgeben foOen, aU ber @es 
leierte, beffen Slnfidpt er faft alicnil^aibttt folgt, fic nid^t 
mebr vertritt, ^arnad überfe^t S)o0mengef(b. 1,365: 
^räftbentin im jheife ber Sd^toeftcrgemeinben. 



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2. Sy^adjbtui im erRen 53anbe biefeS 2öerfe3 ble 

bejn). §ttr S^nobe i^on (S^alcebon bargefleflt tDorben 

toor, wirb fie in bem Dorlit^geuben jroeileu ^aub bid 
)Ut (Begentuart fortgeführt 

Die Oe^anbCuitg ift oielfa^ eine fe^r ungtei^e. 60 
loerben bem 2)^onothe(etenftreit 27 3iiten gcroibmet, ben 
religiöfett Orben in ber ^eit non (Tregor VII bid $oni^ 
faiiud Vm nur IV«, bem babi^Iottif^en ^ Vh 6eiteii, 
ber bebeutfame Streit iubtüigö bee ^^ai?crn mit ber 
flirte mirb gar nic^t berührt. 5Die älnla^e unb (Blieberung 
iü b(o6 4^¥oiiologtf((. (SA toerben loerfct^beite Seitab» 
fc^nitte angefejt unb innerhalb berfelben bann atteS in 
ber diüff^ abge^anbelt, luelcbe burc^ bie jeitlid^e ^olge 
im aUgemeinen befiimmt ifl. Cd folgen bolzet aBent« 
leiben bie üerfc^iebcnften Dinge unmittelbar aufeinanber, 
bisweilen felbfl in bemfelben §, mie in § 177, in tretd^em 
§ttT S)arfleOttn0 lommen «bie l^oj^enfiaufen, 9riebn<b X 
unb % Sllcyanber III, .^einrid^ II von ©nglanb unb XI^o- 
ma^ 53edfet oon ©anterbur^, (Siiitällc ber Dtormannen in 
Sttanb, 3ttüanb bet Snfel, SinfMe t>on Snglanb ^ev. 
Sonbung $einrid^ n, ^atoriner, Sllbigenfer, SBalbenfer, 
^efanber III über $etru^ £ombarbud, % Suciue IIL" 
Sie neuere SUtetcUuv ifi nut bürftig unb nngenflgenb an* 
gegeben unb (etfidrtd(|ttgt. @igentftm(i4!etten ^tiqen, 
bag t)a^ ^uc^ feine i^ird^engefc^id^te i. e. @. b. 2B. ifi 
S)et Setf. toiQ aud^, mie er bereite burd^ ben Zitel an« 
beutet, eine fotd^e nid^t bieten. Sein IRbfe^en ifl oor« 
kciegenb ein apologetifd^ed« unb bie (Befdj/ic^te ber ^ird^e 
ttirb inf omeit j^erangeiogen, aU ed ba)u notmenbig fd^ien. 
Unter biefem Oertcf^t^puntt ifl ba« IBert toegen beil 



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344 



ceic^en ^latenaU, bad beigebrad^t toixh, beac()ten^tDert. 
2)et Sefet ^at ober auä^ l^iebei ben befonberen 3tt><<l 
t)or Slufleu ju behalten, ben ber SBcrfaffer öerfolgt. 2Bcr 
eine fiebere l()iftoti{cbe ^elebning erwartet, mixt> nid^i 
feiten eine (Snttdttfdftung erfal^ren. gnnt. 



8. 

Historia Bibliothecae PontUciiiii Romanornm tnm 

Bonifatianae tum Avenienensis enarrata et antiquis 
earum indicibus aliisque documeDtis illustrata a 
Frandseo £lirle S. J. Tomas I Borna«, typi« Vati- 
canis. 1880 gr.4. XVI 7868. M.20. 

Untet ben bebeuten])eii Arbeiten, rvdd)e im legten 
Sabtaelftnt m ®e|4i<j^te bet t>atüamf4en a^ibUot|^ef I6ei« 
träge geliefert ^aben, nimmt bie obige ^btifation fl^rCeft 
eine gan} b^^^orragenbe Stelle ein. ^e 0lofft \)at in 
feinet bem jtatalog ber ^alattna i»orgebntdten unb an^ 
f eparat erf^^ienenen Sb^anbtung: De origine, biaioria, 

indicibus scrinii et bibliothecae Sedis Apoatoiicae, bie 

Oej^ic^U ber pöpftlid^en löibUoibet in brei Venoben 
eingeteilt. SHe erfle bi0 Sonifo^ VIII tei^enbe l^ot er 

felbft im genannten ii^crfc btipaniDclt. ^er jweiten oon 
Sonifaa bi^ SJlarttn V ift (^rU« mit gemeint, beffen 
erften fboxih »tr ^ter anzeigen. S)te 8. ^ßeriobe m 
©ugen IV b\9 jur ©egenwart ift für« 15. unb 16. Qa^r^ 
l^unbert grofeenteiU burcb Mixn^, ^^ß. ^abre, 3^iol^ac 
nnb iBaÜffol bearbeitet, pr bie golgeaeit fehlen bi« 
le^t einge^enbere ^orfei^ungen. 

©ä^renb be 9loffi mit einem überaui^ fpärlicben unb 
mül^fam aufammen^utragenben SKateriol t^un l^tte. 



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BIbliothMa Pcmtii: Rom. . 346 

ftoj} 8. bodfelbe in etbnltfenbet gfllüe }tt, fofioib einmal 
bie Cntbedung gemalt war, bag bte StUiotl^e! ber 

$äpfie in ber ganzen t?on il^m be^^anbelten ^ßeriobe mit 
bem 64ate »eteinigt toav, unb bie in ben Cammer« 
bfld^em M pöpfilid^en Xrd^ibeiK anfbewa^tten Bd^ap 
tierjei(5mffc juglcic^ aud^ Äatotoge ber ^ibliot^e! enU 
l^olten. 6ol4e ^nbentare ftnb nömli^^ ^ittid^ hiA in 
unfere geit ^etftbergetettet ttorben. 5&et ^ai^ felbfl 
aber tpar feit ber SBerlegung ber ^^apl'trcfiben^ nad? Slüi^ 
gnon in ^mei ^Ibteitungen geteilt, beu tbesaurus autiquuB 
ben iaottifa§ YIII im 3a^i:e 12d5 auetß inbentartfieren 
lieg, unb ben thesannis noyus , ben bie ^öpfle von 9Ct)ts 
gnon naö) unb naö) anfammelten. ^ie ^oflbarteiten 
bed etflef en tonrben bei bem Sevfud^e, fie nact^ Kbignon 
)tt flbetttagen, Sneco geplflnbett, bie Sitzet unb 
8lr(^ita(ien bagegeu größtenteils im feftungSartigen gran* 
^MantxUofUx ^{fifi niebergelegt, hxü 8enebiltXU 1339 
bie Xrö^itMtUen unb einige loenige Sftd^et nad^ ttbignon 
übertragen liefe, mä^rt'ub bei weitem bei gtöfete Xeil bet 
^ibliot^e! in äljfift blieb unb ^eute fpurlod oerf^mun« 
ben i^ d^le (at bon biefem 64a(e fünf no^ ev« 
IJaltene 3noentore au« ben 3a^^ren 1295, 1304, 1311, 
1827 unb 1339 aufgefunben. ^ad tDid^tigfte berfelben 
vom 3A^re 1311 beröffentliii^i er im ooriiegenben Qanbe, 
Ue flbrigen teilt et in bem bon il^m nnb 9* ^nifle 
l^erauögegebenen ©ielgerü^mten „9lrd^io für ßitteratur- 
unb itif^engefii^i^te bei» ä^lütelaltetd" mit, foweit ile 
bie Qfl^er betreffen. Snf bie einleben ftataloge nnb 
i^rc SBebeutung fann \)iex \nd)t eingegangen werben. 
IBemerlt fei nur, bag Q. bie ^ublifation mit ga^lreic^en 
Xnmerlungen begleitet, »eU^e bon feinet botten ^6e(annt« 



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346 



fd^dft mit ber ©elej^rtetigefctitd&tc jener 3eit 3^wö"i^ 
legen, ber erläutei uöeu ^b(^anbluug merben bie 
lUtetar« unb fulturgefd^i^^tlidj^en äluffijl^Jlüffe $ufammeii« 
qefieUt, meldte ftcb aud ben Ser$cid(^nifTen unb il^tet 
IBert^teic^ung unter einanber ergeben, nameullidj^ aber 
bie (Siid^i^u ber 6ammluii9 aufSninb DieUr mit nnß 
emtttbti<jftem difer itt ben Xrc^toen unb StbUot^elen m>tt 
9lom, *2lffifi, Perugia, Slüignon, Xouloufe unb ^arU 
aufgefuclten SDofumente bargeftettt {^erborgel^oben oev« 
bient namentticb in »erben, bag in biefer Sammlung 
fid^ bie erfte 33 ^anbic^iiften umfaffenbe gried^ifd^e 
Qü<^et{ammlung bed Slbenblanbed finbet, beren ^unbe 
au m9 gebrungen ifi. Durc^ ben lebl^aften Sertelftt 
ber aeit0cuö)fifci;en '^äp[te mit bem Orient mar fie p 
@tanbe gefommen. 

aU^btiger iR bie Oef^id^te Ux flibliot^el )»on Xüignon. 
58on il;r publiziert ^. in luiürcm i^anbc jmei Kataloge. 
S)er eine touibe 13ÖÜ im Auftrage Ucband V alA er in 
Stalten meitte, angefertigt, ber anbete unter Sregor XI 
alö and) cx im ^Begriffe mar, nac^ ^om aufzubrechen, 
äli^eitere itaialoge biefer ^45ibliotbe! mirb ber zweite ^anb 
btingen. S)er überaus teid^^atige Aommentat itfytlU, 
ber fie begleitet, oerbreite: fid^ über ben Urfprung öer 
Sammlung, bie ^erbienfte ber einzelnen köpfte um bie- 
felbe, 3ttfanimenfe(^ung, Orbnung unb SermaUung unb 
cnölic^ Die ©efd^icfetc Der SBibliot^>e(. £!ie einzelnen 9iad^^ 
rid^ten finb indbefoubere ben ^ammerbüc^ern, ben libri 
iniroitns et exitas ic, ben dUqifUtn ber $Apfte im boil* 
fanifditii Slrdbio, nä^^erlj^in ber i^lbleiluHij be^felben, meldj^e 
t>a^ Archivium Avenionense ^eigt, entnommen, ^tx 
Umftanb, bag bie Sammlung ben gröfsten 3ttn>a(^ auft 



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Biblioibeca PonUf. Rom, 



347 



hin ^poiim af^ielt, gibt einer eingei^euben ^bj^anb« 
Iitng über ha9 SpoUenxeä^i über^attyt ftnlafi. S)et 

Ort ber llnterbringuiuj füljrtc Unterfu^ungen über 
ben ^apftpalaft ^Dignon, beren ^efultat eine boU« 
fidnbige Oaugefd^i^te bedfelben bitbet, ffit meiere aOe 
irgenbiLnc ui S3etra(i^t fommenben Oiad^rid^ten au^ ben 
äflegifleru mitgeteitt merben. ^im bef)eru ^erftdnbnid 
Rnb eine SInsabt pboiOQ^oPbifcb^t Xafeln beigegeben. 
^ie ®eid;ict»ic tscr 6ibIiot^;ef fountc in biefem 93anb 
nicbt (£nbe führen, ^ud oerfcbiebenen ^nbeutuiu]en 
in bemfelben unb in ben ermAbnten StuH&feen im ^f^xie» 
Denifle'fc^en Slic^iü tjcl^t aber [;ert>or, bafe ber anfe^n= 
i\d)cxc berfelben mit beni ^egeupapfte ^enebift XIII 
nad^ $enidfo(a, Don bort in bad na<j^ bem jlarbinal 
be goiy genannte 5loIIeg ^ouloufe unb von ha bie 
^tfie, in bie (iolbertina aufgenommen, in bie 'j^ational« 
bibliotbef t>on $arid manberten. i)er in Sloignon t)et« 
blcibenbe ^eil fam in 5lbteitungen nad^ Sflom teiU in 
bie S3otifana, teiU in bie ^-J^riuaibibliottief ber Sorg* 
befe, in mekberß. über 300 ^anb)4nften bieferSamm* 
lung entbedte. 6d^on in biefem 8anb teilt ober i&. 
mit, loa^ QU0 jenen 6c^ägen ficb bi^ in bie ©egemoart 
erbalten l^at, fofern er bei ben ein§e(nen dummem ber 
3ni>entare immer bie forrefponbierenben 9tttmmem ber 
anbern S3er}eid;uii)e l^in^ujcgt, ba^u aber audb öie t^c-^ 
^iibnungen, unter benen fie i^iuU in ber ^atilana, 
Sorgbcfiana (beute mlauft) ober ber Slationalbibliotl^et 
t)on ^arig ftcl;en. 

2)ad ä^ert i)'t ein glönaenber ^emei^ beutfd^en 
€ammelflei||ed unb gelebrter Srünblicbfeit unb eine toabre 
gunbgrubc inteveffanter ^iad^iid^uii, luelc^e über bie ©e^ 



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348 ^^kU, fiiblioUiecft Pontit Aom. 

f^ic^te ber ^äpfle ton 9Iöigiu)ii neue« fiid^t tocrbreitcu, 
Unb bo(^ ifl meife äR&|t0ttii(| geübt unb bte toeitete 
SCuiSbeutung hefi bur^gearbeiteten 3RatenaU für (unft- 
l^iliotifd^e 3tt>ede anberen gorf^etn überladen. 

Ringinden bei Sloiibettreii. 

$fanet S)t. 6d|^iiiibt. 



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HL 



Sine 6^ur ober 9?ac^n)trfuTig bcg ^etruSeoanselittinf ließt 
Dielleic^t auc^ in beni tvo^l bem 4. ^aljr^unbert ange^örigen Dialog 
M abamontiuS De recta in Deum tide oor. fBenigften* bietet 
bie ©(^rift einen c^aroftetiftif(^en ^uq , bcr bort fid) finbet , bie 
JBerurteilung be« ^errn burc^ ^etobest. bcr 3«rücfn)eijung 
be§ Dofeti^nm^ luirb bemerft : El Soxt)aei xnl ovx nhj^eta ni- 
novd-s , öoxffafi xal ' HnwSyg ^ixr'itfi, Soxi/ofi xcd TJilätog dno- 
vinxtzai rag x^H*^?« ^oxt)aH xal 'lovöaq na^eöwxB xzX, (Migne 
PG 11, 1832). Die ^l^e,i^ie^ung mag freiltd) nic^t ganj [id)er fein. 
3nbem bei '^^erfaffer in ber Ginleitung ton ben Soangelien ipric^t, 
fü^rt er nur bie Dier fanoniic^cn auf. Die Datftctlung fonn auf 
einer cinfeitigci! ;'^ritfrpretntion ivon l'uf. 2A, 7 — 11 berufen, aber 
übet bie bloBc JJiüi^lid)feit fomiut man in biejer 01id)tung nif^t 
^inauÄ. (5ine mirfluije ^^iaraflcte bietet nur ba^ ^^etrugeoangelium. 
(Ed brautet fid) bal)cr bie 33erniutuntj auf, ber fragliche <Ba^ ge^e 
ouf biej'e ©(^rift jurüd, fei unmittelbar, fei ed mittctbot burc^ 
eine anbere Schuft» ba bec ^ug aüä^ in bec ittpoftolijc^en Dibatfs 
latia fid) finbet. i5 u n f . 

3)ie üitteratur über ben tt|JofW^cn brüten ftortntberbrief 
tft bitrd) einen neuen bebeutfamen i^unb bcrcidjcrt mor^en. ^^rof. 

r a t f e in !Öonn ^at unter ben VQ»bfd}riftcn ber 5ffent(id)en 
iöibIiott)ef 5U Süon einen ^ibclfobcj,; au^ bem 13. ,^a!irf)unbevt 
entbecft, bcr gleit^i bem Don ^^erger aufiiefunbcneii yjuiiuinbei: 
Slobej bie lateinifdje UebcrfejjuniT be§ britten Morinti)erbnefC- nit= 
l)alt. ^tt ber ,,5:t]eDloo. i3ittcratur,mtunii" 1892, ')lo. 24 bringt 
©ratfe biejen jroeitcn lateinifdjen Jejt jum Slbbrucf. Der Dejt 
Don Üaon erfläfljt ben oon Üiailanb infofern, at* bie Deiben großen 
Üücfen , luelc^e ber leitete aufweift , im erftercn auggefüllt finb. 
9?0(^ roeit toic^tiger ift bad innere iBer^ältnid bei beiben Xe^te: 
fie fd^einen n&mtid) — bad ift iDenigfiend unfer üoitäufiget Hin» 
htnd ^ aioet fclbftänbite ttebecfelitnflfit ie|>cAfeiitieren. 



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350 



Vlnaletteii. 



eine (SntbecfuiHi , loclc^c füi bic gani^e 9^uffQffun0 ber altor» 
meniidjeu iiiitcraturgefrfjicftte, unb jdjlicßlid) aud) für bie bcr fird)« 
lidipu unb politijdjen ®ei'd)ict)tc 9tniienienö üon fuiiüdmentalcr '^c* 
beuiung ift, Ijat jüngü ber 4-^an)ec 'iiimcmit V'l. (ia r iörc geinadit. 
©crcitd 'ä. üou Üiulic^mib hatte in bcr ,5ule^t , fur,;\ oor feinem 
tobe, erfcf)tencncn Untcrfudjuui} über SRofeS oon ^^oreii (Kncvclop. 
Brit. , ed. IX. t. XVI, p. 861-863) bie iiicubom)uutät bieje« 
8djri[tftcUerg behauptet , feine ÖJiunbc luaren iebod) fcincötüeöS 
jroingcnb. 9hin ift liaiiiere gelungen, ein neue« ©Moment auf« 
pbecfen, tüv bic ^an^^c 5ragc ÖJunftcn ber ü. (5^ui|d)mib')(^en 
^tufftcllung entfc^eiben UMrb, ober, fann man rvol^l jagen, entidjic: 
ben \)at. — SJcr genannte ®elc^rtc madjte nämlid) bie übcr^ 
rafc^enbe ©cobad^tung, bafe ba? Map II 83 bei ^JJioie« auf i>5runb 
ber vita s. Sylvestri gearbeitet ift. ?luiani]iid) naljm CSarriere an, 
jei bie griec^ifdje vit» i^eiueicn, luclc^e 3Jioici? benutzt Ijabe, unb 
Wofi ^ierouÄ, ba nac^ 5)n(^eSne'0 gorft^ungen über Den Über 
pontificalia baS Iateinifd)c Original biefer vita erft au'> tieii le^Uiu 
^^'Jaljien bed 5. ^Q^'^^J- Itanimni fonn, bie griec^ijc^c Uebctjeijung 
alfo ifbenfall« nod) jünger fem niufj, baB bie armenifdje ®efdji(^te 
beS SJloje^ oon Sporen frübefteni^ im 6. :^'^al)rl). geidjrieben fein 
fönne. 3)iefe feine (^ntbedung ocröffentlidjte Garriferc in bcr 
®ien erfd)cinLnben armenifdjen 3citfd)riit H antess amhoreah, 
in ber 9iuniniei uom 8. Öluiiuft 1892, g. 250—253, otjne 
a^nen, ba^ feine ^^eobarfjtung ak-balb noc^ eine neue, DöDig un- 
erwortete ©rgönjung finbcn foUte. @r unirbe nänilid) idicn etliche 
Jage nad) biefer ^^Jublifotion burd) l^torayr QU'inerfiant gc^ 
niad)t, ba jj Don biefer vita s. Sylvestri eine altarmeniidic lieber* 
fe^jung ^anbfdiriftlid) e^ifticre. 2en Jeft biefer Uebeife^ung, oon 
bem bic ^ibliotl^ef bcr P. P. 3Ked)itbariften JBenebig oier 
3)ionuffripte befi^jl, üergli(^ nun Sarnere im ijaufc bcÄ IJÄonQt? 
Oftober au Crt unb Stelle. 2)a« 9iefultat feiner ^iergleidjung 
njar, bafe Wlo\ei oon (Igoren niAt bie griecfiifdie, fonbern beieitö 
bie armenij(t|c Uebcrfe^ung gefannt unb ey^erpiert l)at. (Sarri^rc 
beridjtet über biefen neuen i^unt> in einem ä^Jciten ^Irtifel ber 
3eitfd^rift Hant^ss amsoreah üom 12. S)e,v 1B92, 3. 37:3—379, 
irorin er andfü^rlid) bie 3)oppeU^efe begrunbet: ^J)i o ) e ^ oon 
©boren t)üt bie arnienifdje lleberfc^ung ber vita s. 
Syiveetri gelaunt unb bcnü^t, unb 5»oar erft in 
ber interpolierten ^orm, meldie cin^g ber armenifcfte, 
liiert aber ber latetnijc^e, griec(|ij<t)e ober i9rijd)e 2e£t aufmeift. 



^ 1^ ^ l y Google 



XnateftcR. 



351 



J)ie)€^ SRefuftat fforrifere*« ncbft ben boian flefnüpftcn f^oIiKrunt^en 
für bie @ntitel)mig«5eit ber armenijt^en ®efd)i(t)tc i)e^3 iU^üiei^ üon 
Sporen ft^eint und unanfechtbar ju fein. 35aö oan^e itapitel II. 83 
Ql§ jpQtcrc 3nterpoIotiou erflflren, wirb bod) uic^t roo^t angeljeu. 
?5Qmit wäre ober audi bie öraflc über bie ^te(htt)eit ober \|Jjeu» 
bont}mität be^ 33u(he5, ba« nacf) beni flanken $one jeined ^n^alte^ 
aa& bcm 5. ^Q^'^lJ- ftönimen mü, entjc^ieben. 

^ie ^iftorifc^c ^crfönlic^feit beÄ oon ber arracniic^en ftirt^c 
unter t)en 'isätern M 5. 3öf)rb. bere^rten 90?ofe« oon Gfjorcn 
ift bamit nic^i negiert, fonbern nur bewiffcn , bQ§ ber ^iftortidjc 
aJ?ofe5 nic^t bie ®ef(hid)te iinb uiAt bie (i)eüi]rapl)ie flcfdjrieben 
t)Qbcn fann, meldjc feinen i^iomcn tragen. 9Bie eö ficf) mit ben 
Uebeije^un^ni (S^ronif bcS ©ufebiniT^ intb ^ieubotaUift^eued) Der« 
^äit, muffen erft weitere Jorfc^unfleii ercieben. 

iBon beioiiberem ^»t^reffe ift ^at?, tiuiö Garribrc am Sc^Iuffe 
feineÄ ^^tDeiten xHrtifeld anfiiljrt. 2;ie atmeuiic^c Ueberfe^iing ber 
vita Sylvestri ift in allen äJianujfriptcn mit ber ftirdjengcjdjic^te 
bei? 3o!rate? t^erbunben, unb ba^ bies fdjon im 13 
fo war, geljt nu? einer 9?oti^ bc§ .piftorifer^ Qirnfo^, ber eben 
im 1'^. ,^a{n■l)ll^^ert jc^rieb, ^eroor. "Jhni aber nennt Vliolif, ein 
^iftonfcc Qu^ bem 10. unb 11. ^Q^'^l)- »^»^i^ Ueberfetjer beiä So; 
fratC'? mit i'iamen , e^^ war nad) feinem 3^i'3"'^ 'tj^^ilon Don 
2;irar, ber im 7. irf)rieb. ©olltc uicüeid^t biefe 9?otii be« 

Äfolif unÄ bie 6pur oerraten, auf ber eiJ cjcluujcn mödite, ben 
achten 9?Qmen be§ ^feubo=lliofeö ,^it erfaljrenV ^enn ift qc^ 
toi^ Quffaüenb, bafj ^4'^I]iIon öonXivaf lUiv bemfetben 0)au iJammt, 
ber bie ^eimat beö lli*oii£i non Stjoren jcin joUte, auö bem CMau 
üon Joron in ber ^roDinj iurubcran ; bafj 'i^tjilon fein ^-öud) 
auf ©efe^I be« tamfarifcften ^rürften Sierie^ jdjrieb, ber pon 690 
on w^flt^i'" bon ^Irmemen mar (Jfc^amtfc^ean, II. 375), getabe 
fo wie 3Wofe8 boö feinige auf Oe^eife be# bagratibifc^cn „^arjpan" 
Sa^at gefc^rieben t)aben rottt; bag enblid) in ber (^efditc^te bed 
SWofe« bieÄami'oricr befonbercr Äufmerffomfeit gewürbigt roerben, 
unb breimal (II. 28, 42, 73) eine fpejielle eJcfc^ic^tc biefe« fürft- 
liefen ^aufe« in ^uöfit^t gefteüt toirb. — SSor allem ift nun not- 
fMdbig, bog bie Uebecfe|ung bed ^^ilon pon^iraf gebrucft werbe, 
bann mufe ftc^ jeigen, ob etma biefe« ©ud) bie t^a rafteriftifc^c 
@(^ceibn)eife be« SRofei» t)on d^oun, bie fi(^ ni^i leicfjt perleugneit 
tenn, auf»eift. Setter. 

UebcT bie Sebeuluna Scacblfli M» Sterjii unb feinet »eget 



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852 



ftnalcTteii. 



in brv Okf^t^te M TOwttttnU tanbdt Dr. aiKft|ma4ef 
in cUiev 1892 ecfi^eiieiitit ®4cift (Jßttiin, Vtaitn uiib Mllec, 
72 6.). mtvenb »enebift ^icndt«^ aflgemeiii all bec 

9atcioT4 allet fOlöiiiI^ be9 Sbenblanbef ge^ert nnb feine Steoel 
att bai bebenteubfle IBert in bec Oef<|i4te M SRÖn^tttml am 
gefefen tpntbe, tritt et bem tlvteil entflcgen. Hebet bai 8eben 
Sencbllti, Mi er an 64{tt| Crgebnii feinet ttntetfttfbnng 
Ittfammen , Miffcn mit nac^ genanet ^tafung bet OneOen nnt 
fittbetfl oenig. 6eine Seben0)eit (ann mit Si^ttf^tU nnt im aViß 
gemeinen an bai (Mt bei 5. nnb bie et^ gaffte bei 6. gabt» 
bttnbetfti gefe|t metben. fbub feine AegeT, feinetmigei nni hinter« 
laffenei IBett, fönne« mie ^ ani einem Qetgteicbe mit Atteten 
ober gtei4|eitigen SRin^ingelit eigebe , fetneimegi in bet 0e« 
ftti^te bei Wwl(tttmi et»o(bcmo(benb genannt »etben. 6ie fei 
nnt eine gef4t<tte SVetnng bet CntmiiKung, bie bai Stimbtnm 
in feinet Seit genommen batte, neben anbeten ebenbflttigenffiette«, 
namenttiib bet Reget bei 4Eftfarini i>on fitlei. IDie Qebentttng, 
melcbc bie Stiftung Oenebitti in bet golgeieit etfangte, etflite 
fiib in ttpet Sinie nii^t ani inneien 9tftnben, ani bet tltefflifb* 
feit betSfliegeC, fonbetn ani finbeten, ani ibtet]Bei>ot|ngniigbttt4 
brnnb bie gtofen 9S9Pe d^tegot I— III , gafbariai nnb ibten £e« 
gaten Oonifatini. 0d(tenb 0tegot b. Ot. innftcbfi mebt inbitelt 
bie Veibteitttng bec Siegel fbtbette, Itähtn feine Stoibfotget ali 
3icl bie aOeittige Vnedennnng bet ftegel Senebifü aÜRotm fftt 
bai IHofletleben bei SIbenbianbei angefitebt nnb ei o^ne &diiantß 
rigleit bntibgefe|t. ^iebntib fei bai Wdn^tnm im tdmifiben 
M|le unifotmiett motben, nnb bai IBctf iaht bann an ben 
f tSnüf Iben ftinigen ftati b. i^t* nnb Snbmig b. gt. feine (St^oUtt 
nnb gottjebcc gefunben. SKibtig toiri) fein, bab bie Anbeten 8ot» 
toten an bet tBetbieitnng bet flieget einen febt gtoBen Seif batten. 
Übet bie innete Qebentung betfelben batf baneben nicbt nntet» 
fcbAbt metben» 9e toitb bet 0tunb genefen fein, ba| fie ben an« 
beten aabtteiiben Wegefn ootgeaogen tontbe, nnb im ganzen mitb 
fie biefe anib an Qeti flbettagen, »enn biefetben ancb tn mebteten 
fünften ibt ebenbftttig ftnb. 6. 24 0nm. 2 oitb eine Qetmn» 
tnng fibet bie dntftebung bei Softeni am fRitt»o<b unb ffteitag 
ati bem •ebntti' unb Xobeitag bei ^ttn auigefptocbett. 5Die 
(ltt(itnng ift ficbet nntiibtig. 9nnf. 



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ber 



Variafl der H. La up p 'sehen Buchhandlmig in Tabinpen. 

Die Papstwahlbnllen 

and daa Btaaüiohe Beoht der EzkluaiTa 

von 

Dr. J. B. Signittller. 



Die Papstwahleu 

und die Staaten von 1447 bis 1555. 

(Nikolaus V. bis Paul IV.) 
Eine kirohenrecbtlich-hiBtorisohe UiitenuchuDg 
Aber dem AmtBMg des staatlichen Reehtee dar Sskloslfe 

iB der PapetwaU 

▼on 

Dr. J. B. SfigmOUer. 



tnUi^f^ gfrittütaiiMiMift, ?reU»tt§ im greieedtt. 

Soeben ist enefaienen und dnieli alle Boehhandlungen in 
beliehen: 

Archiv fttr Literatur- und Kirchengeschichte des 

Mittelalters. Herausgegeben tod P. H. Denifle 0. F. und 
F. Ehrle S. J. Mit UntentüUung der Oörres-Geielliehaft. 
FIlBoNd. Erltes ond iweitea Heft. gr.8^.(äl-m) 

H. 12. 

Inhalt: F. Ehrle, Nene Materialien snr Geschichte Peters 
von Lona f Fortsetzung) — F. Ehrle, Die Chronik des Öa- 
rosoDS de Uimoiaca Veteri and Bertrand ßojsset (1365— 1415). 

Dai »ArehlTc encheint in Bftnden von je 4 Heften oder 
2 Doppelheften. Preis pro Bend M. 20> pro Heft M. 6, pro 
DoppeUieft M. 12. 



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ntünntttx^^v, C.^ B. J., 1tni\tt^una nnh evfte 
•iitiiiiill«ii(| knr mtc^Wweit ]eli^en 

tmi CuttiflU* auf bcr ^ejeaidiaft ^eju. mtmmidi bar* 
geU0t 0V. 8 V (XII u. 188 6.) H. 2^. — « i ( b r t b a ^ 57. (Ev 
QftltSiIRgd^ef t au ben ^^Stimmett aut^ iUaria'Saai!^''. 

^urff Änlialtsöberfldit. i n 1 1' 1 1 u n fl S^riftcnU^rtljQtivifeit 
M ki. ^etiiKt dnnifiuc^. 1. ^bjd^nttt. ller grofie |tateit)if mus. 

1. ^eranlaffung 511111 gcoBcn Matecf)i^mud. 2. ^iidacbeitung be^ 
grogen ^atcd)i0muf. 8. S)rucneguna bei großen Itatec^idmud. 

4. S)er gro^e l^atediUmu« nac^ OJcftatt unb we^alt getenn^icbnet 

5. Wngriffc auf bcn nrofjcii .\intcd)i#mu*. ö. 'öcmü^ungcn, ben 
grofjcn 5Utcd)iöinui? \u i^evbcfjeni. 7. S)er gro&e Ä^ote^i^muö 
na(^ jeincr '^^ccbctjeruin] bucc^ (£anifiu9. 8. 9?eue 2In^riffe unb 
(SitDiberung im katcc^idmud. II. ttbfd^nitt. per kleinfle Ita* 
tfilrifmif. l. %tt tleinfte ftotecbi^ntud in latedtifdiet Spxa^ 

2. ^er fleinfte ÄUted)i$utud in bcut|d)er Sprache. III. Hbfc^nttt. 
Per kleine |tateit)ifintt8. 1 Ter latctuijdie „ffeine ^oted^idmud 
für Ä'atljolifcn". 2 ^^er tieuic .Hntcdii^niii-? in bi>? Teutirfie über 
trauen. IV. 'ilbidjnitt. JlUerlei erjluüuugrn uni) (SrfdjetnuiijDS- 
»dfct Ifr |kilM|ifwfii Im itiiifliif. 1. S>a0 groge Qbciftenle^r« 
tDcif. 2. Kleinere C£t)tipeiilel)rfd)dftcn. 3. 'S)er '3t(betlated)tdmuS. 
4. Honorar* unb ^Bibmungdtocfeii. 5. ^ö^e bcc Steife unb ber 
Auflagen. Scblul* 



Saeramentett ber fat^oüfc^eii t^tvc^e« mt 

<)robation be^? l)pd)n). i^errn Gr.^lujitpf»? i^on r^reiburq. gr. 8*. 
(Vm u. TAH 3.) M. 10 ; geb. in -Valbfronä mit i)<otlj)d)nitt M. 12. 

ed)tnMcv, Dr. 9«, et 3ofe|i4 borgcfieat mut ber 

^eilincil ©i^rift. «fobcmiiAc i^orträge. ai?it ^tpprobation be« 
boc^m. ^nm C^tj^biic^of« »»n gfretbuco. 8^ (XVi u. 126 @.) 



9on Dr. 2(eo:t)MI Ötilert «imor, 53iWof oon ^oberborn. 

{)ritt£, oerbeiyerU Auflage. H^it <!lppiübatiün bed l^od^to. v^rni 

(Er^biic^ofl opn ^reibufg. 

fit. 8* (XYI u. 446 6.) M. 5; geb. in ^albfranj M. 6.60. 



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;Xbl|aiiUtttt0eit« 



1. 

3ur 9lifaffungd|eit ber f^noptifi^en @t)angelien unb 

ber %|iofte(gef4iitte % 

San 9cof. Dr. M|cr. 

^ mag fafl ab ein SBagittil erfd^einen, Don neuem 
in bie Unterfud^ung über einen ©egenftanb einzutreten, 
beffen Sel^anblung (li^on fett langer äRännet üon 
augge^eU^netem Stufe, Senaten bet SBiffenf^aft/ bef^df« 
tigt ^at, o^?ne bag eS il^iun gelungen inäre, ein fefl^ 
fte^enbe^ ober roenigften^ ;iemli(i^ allgemein anerfannted 
Sftefultat jtt eT|ielen. ^mti meinet üete^tten Sotgftnger 
auf bem £e^vflu^l ber neuteflant (S^egeje ^aben bet 
grage über bie Slbjaffung^jeil ber be§eid?neten Schriften 
befonbeve Slufmettfamfeit sugemanbt unb bod (^gebntg 
iltet gorf^ungen publiaiert, Sberle ttnb6d^n§. Snbeil 

1) Wt f|»e|ieOec Qc}te^ng auf gelten, S)ie tC|wflcIgc« 
Mi^te, Stetbncg, Reibet 1892 unb bic trtihl: SRatttani, Vtat» 
fni, Sufoi im ITif il^cntc(ilon 2. UnfL 



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856 



©etfet» 



unb @(tiüUi: audeinanber. SBät^reab Slbecle ^) bie 916« 
faffung bed (Soangeliumi» na^ SRatt^ud ini» 37, 

bie be3 ©DaiujcUuiU':? ua^ 3)?ar!u^ in ba^S ia\)t 42 
ober 43, enblid^ bie ber (ufantfcbcu Sd^riften in ben 
3eittaum itoi^ö^tn bem ^ft^jal^t 63 unb bem ^o^s 
fommer 64 t>erlegt f^at, ntxfiä^t @4an^') bie SInftcbt 
ba« erftc (ft»angeUum fei §n)tWen 62 — 67, baö jiüeite 
67—68, bad <St)aiidelium be« ^Bufad imb bie SlpofieU 
9efdi)td^te ^ifd^en 67 itnb 70 gefd^deben toovben. %ttU 
lid& ^at aud^ ©ci^anj mit feiner iictd^icft unb fröflig 
burcbgefü^rteu ^(^efe feiue^SiuegiS überall Slnftang ge- 
funben; gerabe oon fat^olifd^ev Seite mürbe bagegen 
ß;iii]pra4)e erhoben unb in bem un^ üorlicgcubcn '-öud^ 
geltend mie in ben 5lrtifcln biefe^5 ©elel^rten, meldte ber 
neuen Sluflage bei» ^itc^eulejcitoni» einDetleibt ttotben 
ftnb, begegnet und betreffe ber (Sntfle^umj^jett ber fps 
noptifc^cn ©üangelieu unb ber 5lpoftelgefc^ic^te eine Slufs 
faffung, bie t>on ber buidl^ ^(^an^ i^ertretenen DöEig 
abmeldet unb mit ber bon Xberte nertetbigten ftd^ fafi 
gan^ becft. ^^efereut mufete in biefer graije 6tcQunc; 
nel^^meu uub mbd^te ba^ (^rgebnid feinei; Prüfung in 
Serbinbung mit ber Staät bed Aommentard t)on gelten 
über bie Slpofielgefd^id^te \)iex üeröffentlicben. dienet 
Sl^aterial ^at er nid^t gefuuben; mad i^^n glei(^mo^l ^ur 
^ublitation t»eranta|t ffat, ifi bie Über)eugung, ba| auf 
lat^oIifd;er Seite bei £öfung ber gemeinten grage nic^l 

1) gitiiiitiuig in ha6 31. Xeftametit oon Slbetle, ebicit Doii 
(öt^nuj^, 6. 39; 55; 83. 

2) 3d)nuj, , ÄVomincntar beii brei ©üangelicn ■iJiattl^au)& 
40—52^ «Kartu« ©. 46 jf.; ßufad 8. 34—37. 



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3uc ^Ibfaffungd^eit ber {t^nopt. (£üg. u. ^pgejd}. 357 

imtD€fentlid(^e SÄefuItate ber neueflen gorfdbung unbead^tet 
geladen toerben, Iro^bem eine Serüdffid^ttqung berfelbe» 
}U einem befriebigenben unb bteibenben älefuüat fft^ten 
)u fönnen fd^etttt. 

®§ fei geflattet, junäc^tt ^i» Urteil über gelten« 
^uöf ,»bie |[)>oftelgef(l^id^te'' audpf^red^en. ^ergeel^i:te 
j^ollege ^at mit ber Searbeitung ber Acta ben ttbergang 
toou feinen ^iflorifc^^eu ©tubien ben eyegetifd^en in 
gatta gtadltd^er SS^eife gemadj^t; bie eine empfinblidj^e 
Sfidfe in ber fatl^otifd^en Sitterahir audffiVfenbe eif^ting9< 
axbüt toerbient toielfad^eiS 2oh. 3)er ^. SSerfaffer üerrät 
eine gro|e iBelefenl^eU auf bem (Bebtet ber neuteftament* 
(iiiben 3^itgefd;id)te, eine gute |>bUologifd^e 6d(ulnng, 
jeigt tüeife SWäfeigung unb ©elbftbcl^errfd^ung in Sluf^ 
nabme unb Verarbeitung bei^ Qio^ü unb eine moffi» 
t^uenbe Iritifd^e ^e^utfamteit. Die burd^geffi^rte günf^ 
teilung (lat uic^t unfern 53cifall. ^Referent felbfl l^at 
freilicti au4 erft nadj^ längerem ^d^mnUn fid^ für bie 
Smeiteilung entfd^ieben. Slllein gerabe bei ^Iten iß 
bie 2(biDcid;)uucj üon ber altl^erfömmltdien Einteilung 
befrembli(|^ nad|^ ben in ber audfü^rlic^en Einleitung, 
befonberS in bem gana gelungenen Sbfd^nitt über ben 
3mecf ber Slpoftelgcjcbic^te (©. 3—8) niebenielcgten 35es 
mertungen. äBenn £ufad ben göttlid^en unb uniuerfatcn 
C^aratter heü ®^ri{ientumd an feiner vom I^L 9eiß 
bemirften Slu^brettung gcfdjic^lüc^ na4)U)ei)en njiU, biefen 
'tRa^wd^ aber in innige Bestellungen $u ben beiben 
a^oßeln ^etruiS unb $aulud bringt (6. 8), »omm foOte 
fid& ba für bie Erflärung iiid^t Dorjüglid^ bie Zeitung 
in att)ei f>emii'pl?ären empfe^^len? 2luf einjelne Unge« 
nottigteiten unb Serfid|e, ipel^e in ber ftberfetung unb 



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368 



Oetfec, 



6|>e§ialeff9efe bemetlH^ {tnb, m(k|te Skfetent im l^iti* 

Mt(f auf bie grofeen ^Sorjüge be^ '^6)^6 fein grofte* 
Oetüi^t legen, ^ber bie anie^ung ber ^IbfaffunpSseit 
ber »^oMde{4i<iftte im 3a^v 63 (6. 22 f.) ift mfe^U. 
5Da ftd^ biefe grage »egen be« engen Suf^J'wmenl^ang« 
ber ^poftelgefd^id^te mit bem brüten (^üangelium unb 
toegeti ber au^ von bet moberneii l^ritif gitgegeieneii 
Sbentitdt M Serfaffer« beibet 6(i^rtfteii mit unter 
glei^^eitiger ^erudtfic^tigunG be« @t)angeliumiJ griinbtic^ 
beljKUibeltt i&bt, unb überbied bie Slnna^me aU ein e|e« 
getif^ed Conceffum beaeid^net merben batf, bofi baft 
©Dangelium nur (\ani Inx^e^eit nor bcm öei'reQog koyog 
niebergefc^rieben njorben ift, fo jie^en mir crftercö mit 
in ben SttM unfret Unterfu^ung unb be^nen biefe ber 
IBonpänbigfeit wegen auci^ auf ^Watt^äu« unb 3Rarfu« 
aud, mhex mir bie entfpred^enben Sirtitel geltenf^ im 
iht()^enlefifon im Huge bel^alten. 

1) pe Hbfafnniffftt bet lnlumifd|en $ii|rtften. 

(^ne itbereinfUmmung in biefer gtage unter ben 
fatj^olif 4en C^egeten ifl inf of em r>€t^htn, att bie Xb^ 

faf^ung ber beiben ©d^riftmerfe ^n?ifc{)cu 61 — 70 aü^je« 
mein angenommen toirb. SBcnn manche prot. ürititer 
ha» ^tttadebangelium erß naii^ 70, ia teiimeife etft nod^ 
100 abgefagt benfen unb loenn btnfld^tU<i^ bet Xpofiels 
gefd^id^te ^Datierungen auftreten miellO — 120 ober gar 
125—150, fo Cönnen roit ^iet einem berartigen 6tanbs 
l^unft feine Red^nung tragen. . ^enn abgefeben non bet 
fe^r beac^tcn^mcrten ^^ej^eugunt^, bie in unuerfennbaren 
Säntlängen an einzelne 6teUen ber Acta oieUeicbt fc^on 
beim tdnu ftlemenS (im erflen Otief), in bet Max^^ 



3ur 2ib[afjimgd2eit ber {tjnopt. u. ber Slpgejc^. 359 

%mf anooTohav, bei ^erma§, 59arnaba« unb ^uftin oor« 
ließt lÄfet fid& auf bem 2öeg ber inneren .Hritif in über- 
leugenbet äBeife battl^ii, ba6 bad (SDangelium unb bie 
2lpoflelgef(5i(!tte uor ber 3erflörung 3erufateiii« gefd^rie« 
ben tDorben ift. 3" ^i^f^^ QSejiel^ung ^at ©c^anj *) be« 
fonbeviS auf bie ©teile 21, 32 im Soangelium l^inge* 
tDiefen, fotoie auf bie Xrt^ wie bie Süangetienfd^rift bie 
ffieiffagung ;^efu über bie ißarufie unb bie ^^'i^ftörung 
Serufalemd miebergiebt^ inbem einetfeild biefe beiben 
SotgAnge oani beutti^ getteunt, anbretfeits bo4 (einer« 
tei Hnbeutung gegeben luirb, ba6 bie ^rop^e^ie ber 3t'r- 
flörung bereite i^re Erfüllung gefunben (labe: barin 
bütfen toir ein ain^eid^en bafflv etbtiden, bafe )uv 3^^^ 
moSufa« f<i^eb, aOerbingd bie iBenoiTnici^ung begonnen 
(Anfang beö ^rieg^), aber fid^ bo^ nodb nid^t \)olIjogen 
gel^abt \^ai, eben 67—70 auttifft. Siellei^t bürfte 
fotgenbe (ErwAgung nidftt ungeeignet fein, bie (Srunblage 
bei ber ©rörttruut^ beS Problem« ju bitben. S)aö 
(^angelium ifi oon £utad |unä(b|t einem ^^eop^ilud 
genrfbmet, bamit er bie un$n>eifel(afte Si^a^rlfteit ber 
3)inge üar erfennc, öon mel^^en er im münblid^en Un^ 
tetri^t .(tunbe er^^alten ^lat; bemfelben Xt>eopj>ilu« iR 
au(^ bad ameite äBert beflimmt iDiefer aRonn xm 
ein ^eibend^rifi ; Semei« baffir ifl ber befonber« in ber 
Betonung be« Uiiit>n)ati«mu§ beS (S^rtflentumi^ (^erüor^ 
tretenbe paulinifcbe (^arafter beiber ©((triften. X^eo« 
)>^iltt« lebte in Italien ; 8ett)eiiB ifl ba0 Sttf^dren {eber 
näberen 3luff(ärung über örtlid^feiteu unb 53er^fi(tmffe 
in ber älpoßelge{(bi(lftte i»on bem Euflenblid an, »o bie 



1) ftotnmentat Sutal @. 35. 



360 



Oarftelttiifl CtetgttifTe in ^lien (Begenflaitb f^at 

%l)^o)(>\)iln^ lebte in 9lom; Semei^ tft bie ^^atfad^e, 
ba| in bei i[poftelgefd^tc()te über bie Umgebung bei 
6tabt (Foram Appii^ Tres Tabernae) (einerlei Sudhiaft 
gegeben toitb^ fomie ganj l^auptfäd^lid^ bad DoQfl&nbige 
@<l^n)eigeii über bie ©rünbung ber c^riftiic^en ©emeinbe 
in Som. SHe einjig befrieblgenbe Crn&rung biefer Sr^ 
f^einung bietet Me Xnnal^me, ba| Subid ü(er bie an» 
gebeuteteu S8er^ä!tntffe unb ^inge eine nähere 3)arlegung 
für unnötig eradj^tete, ba er feinen £^eopt|ilud borüber 
untetri^tet »nfite att einen SRann, ber in Aom geboren 
war ober toä) bort \ä)on lange laueu :iBoi^u)iö ^jatte. 
Sbaun aber !ann bie grage: bux^ toen unb loann ifi 
Xl^eot)^ilud fftr baia (S^riflentum gewonnen morben, nur 
bn^in beantmortet n>erben: bnri^ ^aviba felbft, aU er 
§u 9lom 61- 63 für ba« @t)angelium mirfte. S)ied 
ergiebt fi^, tt)ie audft gelten flebt (@. 6), au» ben ide» 
aie^ungen be9 t^top^Üba $u £tt(aiS, „bem Begleiter 
unb ©d^üler be^ ^^iaulu«" ') unb fpejiell aib^ ber SBe- 
fümmung ber im paulinifcbeu ®eifie gefdi^riebenen 6cl^rif« 
ten fflr Xl^eop^ibid. S>amit bftb^n loit aber einen 
fieberen Än^alti^punft für bie 2)atierung berfelben ges 
tDonncn. 2)a« ©eftreben be« fiufa«, ben Xl^eop^ilud 
bttvd^ bie f4riftli<j^e 5Darßeaung ber ^iUtbatfo^ in 
feinet burci^ ^rebigt unb ftated^efe gewonnenen d^rifl» 
li^en Überzeugung ju befefUgen, begreift fld^ nur unter 
bet Soroui^fetung , ba| ber (Eoangelifi in ben ecfien 
Salären nod^ ber Sele^tung beiS ^^eop^ituS bie Coon« 
gelienfc^rift unb im ^ufd^lu^ baran bie ^oftelgefd^ic^te 



1) IMB. AdT. bMT. III, 10, 1. 



gut tlbfafiungd^it bec \miopt, Sog. u. t>tt 9))0eM. 361 

gefc^rieben unb bcm jutigeti ß^rift getoibmet f^at gcbem 
foIU mfiffeit toir aU unterße Oren^e bie geit atDif^eit 
68—70 anfe^en ; aU oberfie 0ren}e Wnnte man von 
biefcr @Tträi;iintj auö etma 63 füi^ baS ©ttangelium uub 
64 für bte ^oftelge((t^i(bte annel^meii; aUein bemfief^en 
dttlere Sßu^nifit im SBege, meldte Dielme^r befUmmt 
atif Ö8— 70 bintüeifen. 

aSenn ekelten ^) mit grogem S^acbbrud beu ©ebanfen 
auiS0ef)>ro(j(eii l^at^ bag bei bet Söfttng biefer gf^age bie 
l^iftcvif(^e IXbertief^nmg eine 93en'i(fri<i^tigimg ex^df)xe\\ 
mü){c unb bag eine ^et^obe^ toü6)e mit ^ernad^tägigung 
berfelben Ubigli^^ mit fog. inneren @rflnben operiere^ 
toermerflitb fei, fo finb mit bie legten, mel^e bie SHd^ 
tig!eit bieje^ ©aße^ beftreitcn. 5lIIcin bie Xrabition 
übet bie SCbfaffungi^^eU ber ^ier bei^anbelten ueutefi 
64nften ifi giDiefpAItig. CiK M biet beifpiettloeife nur 
öaran erinnert, bafe ©ufebiuö bie Jlbfafjung M SWarfu«: 
et)ange(ium!^ auf ©runb ber ^u^^fagen M a(e|:anOnni' 
f(ben lUemeni^ unb bed ^apiad in bie etfle Slegietntng^« 
}eit M ftlaubmiS t>erfe6t, an einem anbern Ort aber, 
unb 3n?ar v\)nc irgenb eine ^emcrfung ju machen , auf 
Sninb bei^ Srenöud in bie ^eU nacb bem ^obe bed 
9etrud unb $au(ud 6o gilt eiK bi^^ tvenv einmal^ 
burd^ befonucuc Äritif ju fiepten unb ben Äern ber 
^rabition aud ber Umhüllung l^erau^jufc^äUn. Über 
bie intflebungiSaeit ber lufanif^cn ^cb^iften b^^ben tt>ir 
Diet öugere ^n^altdpttttfte. dinmal ben Prolog be« ßufaS« 
eoangeliumi^ , moraud mit 6t4er^eit fooiei er(;ettt, bag 

1) tirciii uUi. 'äxt. mmi). (5. 1035 f.) 

2) (inkbini Äfl. 11, 14—15; ChroDic. ad a. H (Jlaud.; an» 
bierfeit* itg. V. 8, 3. 



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d62 



fM\n, 



IBttfad na^ ^att^&uS unb aRarfuS gefd^neben f^at (ba- 

t)on unten); fobann eine S^lolij über bie ^poftclgefc^ic^tc 
bei ©ufebiu« II, 22, 6), bereu 3n^;alt ift, iiufaö 
t^abe no((^ aSe ^egebenl^eiten , bte i^orflelen, fokmge et 
in ber Sefangenfd^aft bei ^auluiS toax, exi&\)it itnb mit 
bem^Woment ber Trennung üüii i^m ba^ ^udb H^^'t^I^pfi^'n. 
$iet liegt und ahn nid^t {o faft ein Ij^iftociid^ed ^eug- 
ni« flbet bie (Sntflel^ungds^it bed atoeiten SBetfeft aU 
üielme^r eine 9flefleyton über beii „rälicl^afteu 6d^lu6" 
bedfelben t)or, eine 9*iefle^ion, mie fie insgemein Ij^eut- 
iiitage angefie&t »itb. 3n bnttet £inie tommt in 8e» 
trad^t bie fte^enbe 9uf)fi]^Iung bet btei St^noptifer in bet 
Otbnung: Wlat\)&vL^, ÜKarfu^ uub fiufa^, von ber 
^tonologifdlfen Slufeinonbevfoige i^vet ütbeiten tDerftan« 
ben merben mii6; eine SCuSna^me fdf^eint nur ftUmenii 
oon Sleyanbrien mit feiner ^Semerfun^? (@ufeb. VI, 14, 5) 
|tt mact^en^ bie Evangelien mit Genealogien (SDlattt^äud 
unb Sttfad) feien auerfl gef^rieben tt)Dtben. S)a aber 
filmtüd^e Slngaben ber übrigen JRin^enjc^riftftellcr unb 
ber ^rolog M Sufa^ ielbft, richtig erflärt, bem tüiber« 
\pti^t, fo vmi bie 9loti§ bed ftlemend in anberem 6inne 
gemeint fein. Cine Ztilbung ber urfprünglid^en ^Cras 
bitiou fpe^ieQ über ben Ursprung bed ;^ufa-$et)angeUumS 
ifi balb burdb bie unridl^tige Slnftd^t mancher Sötet ein- 
getreten, bie babin ge^t : menn ^autiid in feinen tkiefen 
ben ^luöbnid to eictyyiltov fiov cjebraud^e, ^abe er baö 
(^t)angelium nac^ :^ufad im ^uge^ unb II. (£or. 18 
fpred^e er gegen leiteten ein £ob au« ^a man Aber 
bie ^bfaffung^^eit ber pauUnifcf^eii Briefe ^itmlic^ richtig 



1) Vgt. HMronym, de vir. ilL 7. 



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3ut ttbiaffungd^eit hn \^nopi. (log. u. bcc 8|»0tf4. 363 

badete, üerlegte man hai angeblid^ in i^nen berticfftd^- 
ü^U 2utaMan^tVium in eine tnd au ftül^eBeit. 3^<i 
Angaben au8 bem Xlterhim übet bie SntRel^ung^seit 
bcr (ufanifd^en 8c(?nften §ei(^nen fi^ biirc^ bef^immtc 
gajfung öor allen anbern au^: bie beiS ^i^^wöu« (adv. 
haer. III, 1^ 1 ; (guf eb. Stq. V, 8, 3) unb eine foldfte im 
muratorifc^en gragment 

ad a) $l[renäuö fc^^rcibt über bie ©ntfte^ung bct 
(foangelien: SRatt^&ud ^at fein <Et)andelittm 9ef(j^eben, 
iDäl^renb $etni« itnb $aultt« §u Stom prebi^ten unb 
bie Äirc^e grünbeten; nad) bem ^infc^eiben biefer bei= 
ben 9K))ofiel f^at äRatfud, bec @(^ület unb SDoImetf^ 
be« ^etna, bod von $etru« milnb(t$ de^rebigte f^vift« 
lic^ uiie überliefert; aber auc^ fiufaS ^at ein ®t)angelium 
gefd^riebei! , bnnn 'T^ofjanne«. 3)ie gemeinfame gleicb^ 
aeiti^e ^ätteeeit bev Sl«>o|lelfft¥ften faat in bie 3at^te 
62 — 67, wo betbe, menn au^ mit Untetbre<|^ung , in 
ber Söeltbauptftabt maicn unb für baö ©oangelium 
loirhen, $etnid ftetli(^ bamaU §ttm zweitenmal, ^aulud 
feit 61 obet 62. ^ev Xob beiber f AOt nn^ bet wal^T« 
Weinlid^f^en 3(nnal)me in^ ^ai^x 67 unb in bie ^tii 
nad) biefem (^reiguid bemi^renäud zufolge bie ^bfaffung 
bei» SttfadeDangeliumd , unb swat ben oben gegebenen 
5(u§fü^rungen gcmöfe noc^ x>ot 70, fomit etma .^mifd^en 
68 unb 70. I)a biefe^ S^^dui^ niit anberweitigen An- 
gaben, bie und no<l^ be{<l^ftftigen werben, obet vielmel^t 
mit bet 9lnf<!bauung, metcbe man fid^ üielfad^ aufOtunb 
iener 2lngaben über bie C^ntfie^jung ber brei erRen ©üan- 
getten unb ber üpoflelgef<i^ii^te gebilbet ^at, im Sl^et« 



1) Satin, <^ei4)ic^te M 92euteft. Itanond 11, 1 «S. 5 ff. 



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tBelfec, 



fprud) )iei)t, fo ipurbeu t»erfd^iebenc 3]cn'uc^c gemacht, 
an i^m üorbei^ufommen ober ba^felbe huxd) ^nberung 
unb Umgefiaitung bed überlieferten £e^ed mit ber übrige» 
Xrabilion in @iuf(ang 3u bringen. S)iefe SSerfud^c finb 
übttig mißlungen. Oba finbet etma ekelten ^efriebigung 
bei bem f^on frü^fer gemaibten SSorfc^Iog^ ftatt fma 

%€vtiaif ^odov p f(breiben, ft9%a %rjfiß %mnov enSoaof, 
yo bafe ber 6inn ^crauSfämc: nad) ber ^erauögabe be^^ 
äRati(^äude))angeUumd \)at Wilatlu^ unb £ufad gejcbrie« 
beti ^)? 5Dad galt} ftd^er fie^enbe tovrw bur<b toArav 

erfegeu ift ja unter allen Umftäuben üerfct^lt, unb 
bie 53e5iet?ung be^ tovzojv auf bie 3(pofte( ^-PetruiS unb 
^ttlud ifl etoibent. 2)ie Unmbglid^feit foUfter Snberung 
M %ei^e^ l^aben anbete n>ol^t erYannt unb bedl^lb 
unter ^eibcljattung ber überlieferten iiesJart ba^ lovttav 
auf bie Sljpofiel überhaupt belogen unb unter iSodos 
bie Mreife biefer oud ^aUfHna umd ^a^r 42 Derflan« 
ben, fo ba^ ^i^enäuS bfe 5lbfaffung be« 3)?arfuä= unb 
SufaSetoangeliumi^ nur gan^ aligemein in bie ^eit nac^ 
ber Sipofieltrennung 9erfe|en mürbe SlOein toie nacb 
bem 3»ffl"^in^'"^)fl"9 ü^'^^ bie ^^ejiel^uug beö toi^tow auf 
^^etruS unb ^^aulud, fo {ann aud^ über bie Sebeutung 
bei^ iSodog (ezceasas) gar fein 3?oi>ex\d ^errf^en; H 
bebeutet ^infd^eiben, tob ; tgl. (.la^nvQia = 3^"9^wto^ 
bci@ufebiu^^ Mg. 111,2. Slnbere 3»torpretationen führen 
ni(^t aum 3tel, erfcbeinen oielme^r nur geeignet, uni^ 
bei ben ^^ilologen in SRigltebit %n bringen. (Sg be« 
jeugt alfo 3renäu^ in un^tDcibeutigci ^otm bie @nt(ie^>ung 
be^ £ufa^et)angeliumd in ber S^iii nac^ 67 ; unb biefed 

n Äirdjcnlcj. «tt. «Katfu« S. 681. 

2) (So Gonielj, Introductio III. p. 77 u. 78. 



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3eugni§ mufe Serüdfic^tiguiiö fiubcn. '5)cuu bie 3^= 
mlä\^Uü bei» ^reiidud fie^t feft (Sx felbfi beruft 
fl(^ toteberl^ott bei feinen eingaben auf feine gute QueOe 
33. y, 5, 1 ; V, 30, 1 ; V, 31, 4. ©eine SSerbinbung 
mit bem il))oftel So^anne» ifi burct^ $ol)^{acp l^evgefiedt 
unb barum betbienen ho^ feine ^aO^nd^Un me^rSlau« 
bew aU fpätere Sc^riftfietter mü ibreu pielfac^^ fd^toauEens 
ben ^emerfungen. 

ad b) S)aiS mutatotifi^ g^agment. ^a»\tlbe enU 
\)äii über bie (^utfte^ung^jeit M ßnfaÄeüangeliumö 
feine genaue Slngabe, nur ba& ber 2lutor be^ <Bii)xi\U 
itüd^^ bemfelben bie 6teae na^ bem äl^att^äud« unb 
SRathidebangelium anmeifi mit ben 9Borten: „^Mtten^ 
(ober baö britti '^ud^ bee ©Dange liumiS, m6) berßeiSart 
teriium) bad ^üd^ bed Gbongeliumd na^ &uta& f^at 
£u!ad, ber 91r§t, gefilrieben''. 3^<k^ ivolten frfil^er 
einige in ben 2öorten be^ gragmentö: post ascensum 
Christi eine Eingabe über bie ©ntfte^ung^^eit erblidEen, 
atö ob ber f^agmentifi bamit aiJA\pxt6ft, £ufad ^obe 
naöi) ber ^immelfa^jrt ß^rifti feine ©oangelienf^ rift t)er= 
fagt. äBäce biefe Slu^^legung listig, fo \)ätte man im 
SUtertum menigfien« teilmeife ben Urf)»rung in eine fe^r 
f rü^e 3eit «erlegt. Sber ^a^^n ^) l^at mit gutem Srunbe 
folc^e ^ejie^ung ber SBorte post ascensum Christi aU 
unfinnig abgemiefen unb bie l^erbiubung berfelben mit 
bem ^mporalfa^: cum eum (Lucam) Panlns adsump- 
sisset aU allein jutreffenb erhört; mir fc^tiefeen 
bief er 2Iuf faffung üoUftänbig an unb überleben bemnat^ : 
„S)a $aulud ben äutcA na^ (S^fti ^immelfal^rt in 



1) I. 0. @. 23. 



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366 



feine ©emeinic^aft gebogen ^;atte", au6) )o frcilid^ eine 
)lemti<l|^ »age Siiigabe. äBad nutt abtt bad ^tpeite SEBeif 
beiK Sula9 betrifft, f o ifl bie in ber l^o^toid^tigen Uttimbe 
niebergetcgte 53emerfuu9 nid?! nur auSfü^rlid^cr, fonbern 
aviä) beftimmter; fie lautet uac^ bem iegigen ©taub ber 
$ovf(buii0: acta aotem omniam apostolomm sab ano 
libro scripta sunt. Lucas optimo Theophilo compre- 
hendit, quia sub praesentia eius singula gerebantur, 
sicut et semota passiooe Petri evidenier dedarat, aed 
efc profectione Pauli ab nrbe ad Spaniam profieiscen- 
tis; b. bie %\)aie\\ aller Slpoftcl fiiib in einem einzigen 
^tt^^ gefcbneben (sc. im Untertrieb Don ben £b<^ten 
bed ^erni, loe^e in Diet Süd^ern gef(!^ilbert ftnb). 
^idai \)ai bem erlaiid;iU'ii ^^eopf^ilu^ biefe ©cjc^icbte 
(ber ^poftelt^aten) ^ufammengefagt, meil bad (^in^elne 
in feinem 8eifein $ur Sludffll^ntng gelangte; legteteil 
giebt fiufa^ beutlid^ baburc(^ funb, ba6 er ben Senden- 
tob $etrt unb au6) bie Steife ^ault nacb Spanien bei^ 
feite gelaffen, ni^i in feine (^^^^^«0 ^ufd^nommen 
^at. fd^eincn fo((be SBorte melfad; bunfel unb 

fü^n; qUi^ bie ^ef^auptuag^ bag bie einzelnen ooit 
£utad er^öblten ^eigniffe in feinem l^eifein M suge« 
tragen: n>ie foUen mir bad im ^inbliil auf ben erflen 
^ei( ber ^Ipoftclgefc^i^tc t>ci|tebcn? 3n Slnfel^uug biefer 
^emijp^äre bed ^ucbe^ tami bie ^e^auptung nid^t ftrüte 
naij|^ ibrem SBorttaut genommen merben. Slugenfdbeins 
Ixä) \)at ber gragmentif^ biefetben auegeiprod^en, um bie 
Werfet; ieben^eit ber ^Ipoftelgefd^ic^te üom ^üangelium, 
bad feinem ganzen 3nbalt na<b ni<bt auf (^runb oon 
0ugen3eugenfd^aft, fonbem auf Smnb ber angeftellten 
(^rforfc^ung uiebergef^rieben toocben ifi, ^um äludbrud 



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fiiit mfii|ftiiig«|eit betr ft^ttopt Ct»9. u. bec flugeM. 867 



)tt btingen ^eUt4^ ifl au^ fo hcA 8efreiii^li4e biefer 

ICtt^fage nod^ nidft DöQtg gehoben: biefelbe tnug bem 
gragmentiften in bie geber gefloffen fein bei bem ©e* 
bauten an ben atoeiten %di bed 8u(^ed, f)»e}ieil ber 
f09. »hrbeti<l(te (16, 9—17; 20, 5—21, 18; c. 27unb 
26). SSon bici'cii iilbfctiütten au^ be^^nt er bie 2lugen= 
jeugenfdl^aft auf bad (3anje aui^, tote ja öfter in bet 
flbetlieferung ') bon einem iBede^ M SuIaS mit an« 
bem 2lpoftelu außer $aulu^ unb toon feiner ©eteiUgung 
an ben @reigniffen {c^on in ber t)orpaultnifc^en j^eii bie 
Siebe ifl 5Diefe ^Intd^auung leitete ben gragmentiflen 
bei feinet Qeutteilung unb bon i^r and argumentiert 
er folgenbermageii: !^üla^ bringt in ber Slpoße(gef(i{;i(bte 
im gangen @elbfterlebted gur S)arfieaung. 9tun fA^rt 
er weiter: 2ufcA tfat ftdft auf bie (Srjä^Iung bon 6elbfl* 
erlebtem bef^ränft, ma§ barau^ erl^cllt, bafe er in ba« 
8uc^ ben Xob bei^ ^^ietrud nid^t aufgenommen unb, 
tt>ad bei t^m, bem idegteüer unb 6<l^fller bed $auiud, 
no<^ auffälliger ift, auc^ bie S^leife feine« 3Keifter« naäf 
6ponien au^ bem Mrci« feiner ^arftcOung audgefc^loffen 
bat. 2)ie Slufnabme M te^teren d^eigniffei», meint ber 
grogmentift, lag boc^; an fidj^ um fo nä^er, meil ber 
gtpeite Xeil beö ^43ud^cö mit 2Iudfübrlicbfcit, ja faft au^s 
f(^lie|itib rieb mU $aulud bejcbärtigt. äiber bie älud« 
f<]ftlie|nnd erHArt fiib barau0, ba| £nta0 badfelbe ebenfo 
mie ben 3^ugentob ^etri n^o^l erlebt bat, inbeiS nic^t 



1) Qfll* $ro(o(} M fiulad unb Hieronym. de fir. ill. 7: 
«fftDgeliam ncot aodiecat aeripnt; «ota ?«ro apoitolomm 
■ient viderat composuit. 

2) Sgt Sufebiu« ftg. III, 4, 6. 

8> Sgl. dven. III, 10, 1; lU, 14, 1; dufcb. «0,111, 16. 



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368 



IBelfer, 



perfönttd^ baBei mt. Sotoeit ber Xtttov M 2)0« 

tumeniä. geuÜGt fouftatierett, bag mit biefen 
Sßorten ein 3eüQetiof{e beS ^ten&ud, ein äüUinn, ber 
nac^ ber bur^^aud probobetn Xnftd^t ber meiflen ittittler 

in feiner furzen crflcu (Einleitung iniS ^. ^eftament bie 
ln{(i^auungett t>a römif^en^irc^e über bie 9lbfaf[ungds 
t>erl^&Itniffe ber neutefl 6d^riften niebergelegt^ bie Slb« 
faifuu0v>3eit ber 2lpofte(ge[^ic^tc mäf bem 2^))x 67 an? 
gefegt \)at. ^er ©ele^rte mufe einen ganj Ttd^eren Sln^^alt 
für feine finfx^i gef^abt Iftaben, fonft toürbe er tt>ie bie 
meiflen in unfern klagen olftne toeitered fd^liegen: 
Sufag bie Befreiung ^auli au^ ber (erften) ©efangen? 
{(baft unb feine meiteren ^bendfdftidfale ebenfo ttenig 
erjä^tt aU benXob be9 $etrui^, fo mu6 er bor biefen 
@rdqnif)en gefc^ne6en ^laben. 2Benn aber bergragmen^ • 
tift gaa§ aaberd argumentiert unb burcb feine älrgu» 
mentationtoeife bie SLbfaffung ber Sy^oflelgefdftii^te nadft 
67 bejeugt, fo fönnen fi(b anbrerfeitö auf i^n bod^ bie= 
jenigen nic^t berufen, meldte ben jeitlidften Urfprung bed 
iBtt<jfted in einem oiel gettraum anfe|en. Senn 

bagegen fielet ber enge 3iif^iK)i^^n^ang be0 dtvt^qog 
koyog mit bem einige ^e\i oor 70 entflanbenen dvan- 
gelium. ^ir fat^olifcfte (^^egeten, bie toir bie Sdftt^eit 
ber $afloralbriefe oerteibigen unb bie im muroforifd^en 
gragmeut oorlicgeiibe Seftätigung ber SlnRc^t, ba& '^pau- 
umd Si^\)x 63 aud ber (Sefangenfdftaft befreit unb 
bann eine SHeife (suerfl) nadft @^nien (unb bann in 
ben Orient) gemaciftt Iftabe, äü eine fräftige 6tft^e jener 
SBerteibigung t)ern}erten !önnen, bürfen bei biefer ^e- 
nftt^ung nidftt einfeitig unb »infftrlidft oerfa^en, t>. ^. oir 
bftrfen nidftt lebiglid^ bie Qemerlung beS gragmentifien 



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gut 9lbfaffung<|ett bex i^nopL <lDg. u. bei Slpfteic^. 369 

Über bic fpanifd^e 9leifc, fonbern müffcn bie ganje ?RoHj, 
<ttt(^ ben Seil, toel^er fidft auf bie äti^taufnol^me bei» 
Xobfd $etti itt bie S)arflenung feitenB be0 Sulail 6e» 
§iet)t, beriidPfi^tigen. tlnb ift tüirflid^ fd^mer ücd 
^^m, toU man bei bec ^e^anblung bec oocliegenben 
%ta%t von biefem bebeutfamettSRomeiit gani abfegen fami. 

tJon inneren ©rünben, toelcbe für eine 2)atierung 
ber lufaniid^en Scbrtften nad^ 64 fprec^en, mödl^ten mir 
befonbevd ben Ißunlt namhaft ma<j^eii, loelcb^ti f^on 
Xberle nad^brüdtic^ betont, aber in gaiia ctgcitet SBeife 
§ur @tü|e feiner ^^potbefe über ben 3^^^ ^u^^^- 
nifcben 6<(¥iften t^ettoenbet l^at; tobe meine» bie bavin 
bemertbate flarfe |)ert)ot^ebung bet ^olitif^en Seite 
be« ßbi^ift^ntum§ unb bie SBerteibigung bedfelben gec^en 
ben S^ormurf ber ^taatiSdef&^rlidbleit. Son 6taatd« 
megen »utbe bem (S^riflentum aU fofa^em im Tbmif<l^en 
hod) cx\t feit bem ^Beginn ber neronif(iben SScr» 
folgung (19. ^uli 64; ^ufmerffamfeit jugetoenbet, unb 
fo etlUift {tc( benn camä^ bie in <xpoU>(^tii\^ S^nbeni 
angebrachte IBetonung jener 6eite ber (^rifilid^en Se^re 
am ungejmungenften burd^ bie ^nna^me ber Sntfte^ung 
bet Sd^riften na<|^ bem be^ei^neten 3^^inoiKent. Met 
fteUidb biet mflffen »it ha» nnfibettoinbli^e 9olItt>etI 
berübren, melcbeg bie 3Serteibiger einer früberen 2lb= 
faffnng gegen ieben Singriff |tt f^ften fd^eint: eS ift 
bet 6d^(ttfi bet Xyoflelgefd^id^te. Xud^ gelten *) Hellt 
toieber beu 6a| auf: am beften finbe ber plö^licbe 
3(bbrud^ ber ©efcbicbte feine ßrfläruug burcb bie Sor* 
üettyng, ba| iButoi» gefdfttieben l^obe^ e^e bie Sefteinng 



1) WpQ. 8. 23. 



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870 



Seifer, 



$auli unb toaiS ft^ tpeiter haxan anfd^lo6^ eingetreten 
toax; mit anbernSBotten: 2uta& l^at bie ^poftelgejc^ic^te 
veffalt, aU bie ttefangenfd^aft $aiiU aoct^ fovtbouetU, 
im 3a^re 68. Cben btefe Stiiffaffung ifl nun m. C 
burd^ ben 9Bortlaut be^ ^pilog^: „^aulud blieb tooQe 
fiDei Saläre in feiner äRietoo^nung unb empfieng alle, 
tu i^n beftt^^teu" (Act 28, 80) D0SI^ ouSgefc^loffen. 
Ä)urc^i btefe SBenbuu^ fd^eint mir Sufag beftimmt an« 
pbeuteu, bag er üon einer ^nberung ber ^ge bed 
S))oiUU nad^ bem XbfCu§ be4 biennium müi, mMtt 
ÄnberunQ entiücöer burcb ben Xob ober, tote man be* 
fonberd na^ bem mucatorifc^en gragment annehmen 
vmi, butil^ bie IBefreiung aud bet Oefaugenfc^aft ^ecbd^ 
geführt toorben ifl. ^enn l^fttte Sufed ha9 8ud^ ge- 
{d^loKen^ tvä^renb bie (Sefangenfcbaft fetiui^ £e(;rerd nod^ 
f Ottbauertf, f o mftrbe ev mol^l gef (^rieben ^aben : betritt 
fittb itoei Sa^re bal^in, feitbem bet SCpoflel im Vef äiigniB 
gubringt, ober: bereit« beginnt ba^ britteSal^r ber ©e* 
fangenf(baft unb £b&tig!eit fiit üui^bteitung bei^ (^oan« 
geUum. 8Ran b^t, um bie abtupfe %mti be0 Gd^tufM 
ber SIpoFtctgefd^idjte erfltuen, fd^on mannigfad^e ^er« 
mutungen geäußert, {o namentUcb bie bekannte , Sufad 
^be mit bem fummatifd^en 0eti<(t übet $auli Xb^tig« 
feit in ^fiom gef(^loffen, um in einer britten ©d^rift bei 
biejem ©egenflaub ben gaben lieber aufjunebmen unb 
bie toeüeten %i^n unb StUbniffe $auU ougfftbtli^ 
batftt^Den 9tan (at biefe Setmutung plauflbel §u 
mad^en üerfucbt burd^ ben ^inmeiö auf bie ä^nUd^feit 
bed ftbf^luffed bet üpoÜelgef(bi(bte mit bem bed dooA* 



1) Beitjc^c. \üi toiff. X^eol. XXXIII, 6. 50ö. 



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Sßn SbfaffitiidAatit bcc $i|iu|it <iO0. u. besIlMcfi^. 371 

geliuin (24^ 53). Cd ifi beriet itonjeltuteit, fo am 
fpTcc^enb fle aud^ fd^einen^ leittetCei Oeioi^t beijulegen ; 

bcr 6c^lu6 ift au^i o^jne fie toerflänbUd^ : ber S^ed bc^ 
)6u4^d if^ erreicht; koai& uo4 übrig n^ar, bie römifdj^e 
ffiittfamteü ^autt im eUtseUten, bic Keife nüä^ Bpanitn, 
Slfien, SRüdfe^r in bie ©efangenjcitaft uiiö ^ob tcar bem 
^^eopl^ilud gan^ gut b^tannt, eine ^DarfieOutig ba^et 
MevjUifitg. 

2) Hbfaffungffeit bes Parhuseoangeliuiitf. 

Selten ^) loia aU foU^e unter atten UmfUinben bie 
Seit 42-^44 feflgel^alten »iffen. Hb Oetpeift foSen bie 

SluSfagen be3 alefanbr. .^lemenä unb ^apia^ bei ©u« 
febiu« (Äg. II, 14—17 unb VI, 14), foioie beö te&teren 
angaben Chronic, ad a. III Clnnd., fobann ber tt^aralter 
beiS @t?angeliumS gelten. 

ad a) ^ie ^affuttg^ in toelcf^er und jene ^lad^rid^ten 
bei (Su\9hna Dorliegen, ifl ber Unna^me einer fo frfl^en 
jtompofttiott aQerbingd günrttg. Xucb if^ unMugbar, 
hai ein ^auptjug ber Xrabition fi^ bei ber näheren 
Sßrüfnng bed gn^altd beg ttoangelium aU bur4iaud 
glaiÄoftrbig ermeifl^ bie Xngabe ntolidi^, SltarbiiB (abe 
nad^ ben münblic^en Vorträgen hei ettuS diom unb 
§tDar für bie jungen (^riften ber ^elt^auptftabt fein 
Cnangelinnt gef^rieben. SRan mnl in ber l^&nfigen 
€rläuterung jübifd^er SluÄbrüdCe, ^öorte unb ©ebiäuc^c, 
meldte ber ÜBerfaffer ber 6c^ritt giebt, ein Slnjeid^en 
bafflr ertennen, ba| biefelbe iebenfaHd für nidl^tpal&fiti' 
nenfif^e dP^riflen beredftnet mar^ in ben prä^ifterten Sa« 



1) ftitcbcnki. «it aBotlnf. 

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372 »«if«t, 

tini^men aber {x€VTVQion',amxovl(ka)Q,q)QccyFklov¥2c.) 
in bev Sdlfitung t>on difo Imä mit xoÖQontjg (12, 42) 
mb in beut Sorfommen ber 9tttmeit Shtfuft unb Mtjtan* 
ber t)0t. mttSflöm. 16, 13, in ber bei ben Scfern oorau^s 
defekten üemitnid betxep bec amtli^en ©teUuiid bed 
^Üaiu» (15, 1) ttntvflgti^e 3tibi|ieii bafftt, hai bie 
(Soangelienfc^rift für römifd^c (E^riflen beftimmt mar. 
3nbeg aud; bie treitere SSemerfung ber Sllten *) über 
bie ^rebigt $etn ald bie erfle ClueOe, aud tDeI(|er 
SRorhtS gefd^öpft ^abe, toirb att burd^attd gtaubl^aft 
erfunben bei ber ^eoba^tung fo mancher ©igentürnUd^- 
feiten ber (SDangelienfd^rift, worunter man befonbenS 
rennen barf bie ©raö^tuiig tion ber Semfting beiS ^etruiS, 
üou ber Teilung ber ©dj^iuiegermutter beS 2lpofteU, von 
ber Xff&iigUit 3efu in itapl^arnaum unb Umgebung, 
fo ba| $etri {»aud ott SuiSgongdpunft erf dreist, \>on 
ber Sßerläiiguung beg $etni§. Sind) bic üon ber ^ra^ 
bition bel^auptete ^erbinbung beiS ^3)^ar!u^ mit ^etrud 
unb beffen gleuba^tige SCmoefen^ mit bem^ouyt ber 
«poflel in SHom») flettt fid^ un« aU njo^lbeglaubigte 
gef(j^i(^^tlidEie 3^^atfadS^e bar. greilid^ l^infic^tlid^ besS 
Bei^nfte« ber erßen älntunft unb SBirffamteit $etri 
in Korn ge^en bie 9Cn{i<bt^n avA einanber. fetten nimmt 
^iefür ba« ^al^r 42 in 2lnfpnid). 2Bir moUen i^m trog 
gen)i({^iiger ^ebeuEen, infolge koei^er U)ir lieber an 43 
beulen m6<lbten, ni^t entgegentreten. SMe 8ei§ie^ung 
oon Act. 12, 21*) i{i nid^^t p beanftanben: eS fprid^t 

1) 6, 27; 12, 14 (xJ/vaoc); 5» 9 (keyf ojv); 15, 15. 

2) Cfufcbiug Äg. V, 8, 3; Juetin, dial. c. Tryph. 106. 

3) ^gl. auger ben eben angefüllten SteUen auc^ no(^ dttfe« 
biu» llft. Ul, 39, 5. 4) gelten, Slpfl. @. ^0. 



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ia b)icfli4 aQed bafür, t>ag £ufad untet voifoß 
ftom l»er|lel^t. S)ie XMfa^e, ba6 bfe t6mif(^e S^riften« 

gemeinbe bie bur^ ba3 €btft be« eiaubiuÄ (49—50) 0 
lÖert3orgeiufette Ärift« glücflic^ überftanb unb um8 3aiir 
58 einen getobeju bU^enben iBeflanb oufmiei» (ttdmet» 
bricf), barf mo^l aU bie Wftigfle ©tüje bcr auf bcr 
^rabition fugenben Einnahme betrad^tet mecben, bag 
bet gfätfi bei ai))oM bet eigentUd^e Orflnber unb Or» 
ganifotot bet t0mtf<i^en fttr^e toar. 

©in §tüeüe§ 3J?a( untcrnal^m ^etru« eine Steife nac^ 
älom menige^A^re nac^ bem Sl))ofieltoii^il (61); er !am 
bovt im Sal^t 66 ober 56 an. S^uge bafftt Ifl Saltan§ 
(de mort. 2), ber in feinen 4;ronologi|'c^en Sliigabeu bie 
]^ö(^{ie ^eac^tung t^erbient unb augenfd^einlic^ gecabe > 
feine eigenartige 9totia übet $etri Sntunft in ^om aniK 
einer guten üutlle gefdjöpft ^at. 5J)ie tt)enn aud^ burd^ 
auiSn^drtige SJliffiondretfen untetbto(i^ene ^nn)efen]^eit bed 
aipofiett bafeUfi in beut Beitraum 62—67 iß obne^in 
fi(!^eTgefleat buti| ben etften f^ttn^btief (@ommet 64), 
ben Sörief bei8 Älemend an bie jtorint^er greuäuä 
Zettttttian Sattana % S(nbetd fteiU« liegt bie eod^e 
in Setteff bei» SR a 1 1 u i). Seine Sntoef en^eit in bet SSelt* 
l^auptftabt im Qa^rc 42 fe^r unmal^rfd^einlid^ ^) ; bie Un-- 
koal^r(4einlic^!eit ergiebt fi(i^ aud einer genauen Prüfung oon 
Act. 12, 26 ff. (Bl^et m5d^te man glauben, bag SRarhiS nadft 
feiner Trennung uon ^aulu^ (Act. 13, 13) unb nad^ feiner 

1) Suetön, Claad. 26; Sttfcbitt» ^ II, 18, 9. 

2) Cap. 5. 
8) III, 3, 2. 

4) Scorpiace 15. 

5) de mort. 2. 

6) IB9I. Oornely, Introdnotio toI. III, ®. 84. 



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374 



9iücffe^r üonl^mtfalem auiS etma4ö bem^etrudnad^geretf^ 
unb mit i^m ettoa 46—49 in ttom fl4^ ottf^e^f n. 3nbed 
fommt leitete tnna^me für gettenft S)aiientii0 bei 
SRarfudetoangelium^ (42—44) niä)t in SBetrad^t. Slber 
felbfl »enn toiv geltend Slnfct^auung beitreten tooUten, 
VlaxXta ^it bell ^ettua Mon 42 nad^ Stom beoleitet, 
fo fönnten »ir boc^ bie Slbfaffung be3 ©oangeliumd 
burd^ ÜHarfu^ um biefe Qeit mö)i jugeben. 2luc^ nad^ 
gelten (e. 44) barf im SRifftondceife ^auli, auf toel* 
d^er 9)^or!ud anfänglicb begleitet be9fetbeii UNtr, ni^t 
na(^ bem ^oX^x 44 angelegt kDerben; ed mügte baber 
SRarhuS, gegen Snbe bed SM^^ ^ i* S'bMn aneetom» 
men, 43 fd^on wieber toon ftom na(i& derufalem ^tirfidt« 
gefeiert fein, um üon bort bcm ^autuS §uerft nacb Sin? 
üoäfien unb oon ba nadj) (Supern folgen (Act. 12, 25 ff.). 
Cd bleibt bemnad^, ba ^etri Xnhinft in ttom jebenfaltt 
ni^t oor 6ommer ober ^erbfi 42 erfolgt fein fann, 
nur ettüa ber 3^itraum eined 3a^)re8 für eine gemein^ 
f^oftUd^e Xl^dtigteit be« ^etru« unb StaxtuA übrig; 
unb biefe 3eit mutbe hü^ gemig auf münblicbe ^rebigt, 
niä^i auf ha^ ©djreiben einer öüangelieu)4;rift oermen^ 
bet. SBeiter^in ifl e0 unperfl&nblid^, ba6 bie rbmifcbeu 
(griffen in biefer 3eit eine 8itte um f^rif tlid|^e girierung 
ber petriiüid^tii ^^orträge bem 3)kr!uä norgetragen l^aben 
foUten, {o lange bod^ $etrud in i(^rer ^itte totiüt, un« 
gel^inbert unb frei ber SRiffionetl^atigfeit in ber^^t« 
flabt oMag. ^nhei entl^ält bie ^rabition, auf tucldje 
man ftcb fo gerne jur ^egrünbung jener frühen ^a* 
tierung beruft^ felbß einige SXnbeutungett unb Snaeiiben, 
mel^e t^atfäd^lid^ auf eine f^Atere Seit führen. 

a) S)ie auf ben aUfonbrin. ilUmend jurücCge^enbe 



Sttv «bfaffimoH^ bei Cug. it. bct «p0«f4. 87fi 

X^abitionMinif ^) ^Ubt dani (aii))tfd4lidft bie Semettutig, 
Me tömifdben C^rtflen hätten i^re Sitte an SRaTtuil ndt 
ben 2öorten motioiert, er ^abe ja feit langer ^tit^) 
bett $etnu» begleitet; barum bflvften bie Soctt&ge bie« 
fe« SpofleU in frfnem 0ebA<btni« loobl Dertoa^rt fein. 
SBic foHen toir biefe 2öorte öerpel^cn, fatt« mir fie auf 
bie S^ii 42—43 be^iel^en? etanb bamaU MaitM 
triMUi in Korn an bet 6ette beiS $ettud, fo tm et 
ein Segleiter bedfelben fett {e^r furjer 3^^^/ l^f 
toie fetten (6.241) barlegt, eine l&ngete Hbtt^efen^eit 
bet Spoflel Don :3erufalem nnb eine aRifRondt^ätigfeit 
in Weiterer Entfernung üor bem ^df)x 42 m6)i flattges 
funben l^at. Stfl in bet geit nac^ 60 tonnte man i9on 
SRatbiiS att einem ,ttaKgiä^rigen Segleitet" be0 fettui 
teben. 

b) Sei bet genauen ^tflfuno bet bejei^neten Xto* 
bition fftSt fetnet bie eigentftmlid^e Senbung auf, bie 

SRömer hätten mit ber ©itte um Slbfaffung einer 
Stoangelienfct^rift an SKatfud gemanbt, ba er ben ^aupt» 
inl^aU betSotttdge bei^^ettniS imeebA<l^tnid ^abe; 
fobann, 3}^arfu0 l^abe in(Ei juUuii9 i^rcr Sitte bic^rebigt 
bed SlpofteU niebergefc^rteben^ fotoeit er fie im C^e» 
bA^tnid^atte*). SRan mb^te batan« faß f (^Ue|en, 
$etru« müffe, ba bie S^iömer i^re öittc an aJZarfuä 
ßeUten, fcbon tot gen}efen fein, weil man iafonft^ roenn 
ba9 OebA^tnid be0 SRattuft etma ben S)ienfl benoeigette, 
an ben Slpo|lel, bie OueDe felbfi^ fic^ leicht ^fttte menben 



1) eufebtu« «g. II, 15 unb VI, 14. 

2) n6pQ<o^ev ((iufeb. tg. VI, U) fann nuc ^itUc^e iOebeu« 
tung ^aben. 

3) dtticbiu« ftg. III, 89, 15 ; VI, 14. 



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376 



fönnen. 6ob)eit möd^tett toxi inbed aud 9lü(!ftdt)t auf 
bie $etti SRittDiffenf^aft 6eiett0eiibe Xrabition niä^t 
ge^en. Qene Eingabe ber Überticfcrunä mxh au($ t)er= 
fiänbU^, menn man aU Slbfaffung^jeit bei^ (^uaugeltumd 
66—67 ind iluge fa|t, mo $etnid ni^t me^r frei feine 
X^fitigfeit entfalten fonnte, deltei^t nte^rete 9tonatf 
Dor feinem 3^ugcntob im ©efängni^ lag. S)a allerbing« 
mu6te ftd^ ha» SBebütfnü^ einfieDen, ben ^uptinl^aU 
feinet mflnbU^en fßottxäqt in fd^riftltd^ ft^ettet Seflalt 
in bie ^anb gu befommen; ba begreifen mir bie 53es 
gtünbung ber ^itte au äRarfud buccb ben «^inmeid auf 
feine langjfil^rige 3uge^ödgfeit ju ^etrui^, »eU^e e9 O^m 
leicht juad;i\ bo$ SlpofteU xr^()vyfia auy bcni ©cbä^t« 
nii& niebex^ufc^reiben. — SQBenn fc^^on bie S)atierung 
52—62 attftau(bte 0# fo ift biefe »eber mit bet l^avapU 
fäd^Udb butd^ @ufebtuiS unb ^teron^muiS nocb mit bet 
burcij^ ^renäUiS t>ertrctenen Xrabitiondliuie in (^inflaug 
|u btingen. Cd fielen au|evbem einet folgen ^^pot^efe 
ttod^ anbete Sebenfen entgegen. 9lad^ bem 9[|>ofiet!on§it 
begab fid^3Rarfu« mit 33arnabaiä tüieberum naci&ßpperu 
(Act. 15,37—39); ed mdte inbed gan) mol^l möglicb, 
ba| et na^ feinet SiliRel^t Don.biefet Reife (etn)a 68) 
fic^ au ^etru^ «intjcfi^toffen unb mit i^m 55 ober 56 
na^^S^lom gefornmen ift ^Hein btefer ^^lufent^alt fönnte 
nut bon gan) lutaet IDanet 0ett)efen fein, fo baft fftt 
bie Äudatbeitung ber ©oangelienfd^rift fein 9laum übtig 
bliebe. SJlarfuS mar ja im Sluftrage ^etri mehrere 
3al^te in ig^pUn tbfttig, gtönbete Aitd^e unb iBifcf^ofi»« 
fhi^I in SUefanbtien unb loat Sif^of bafelbfi bi6 sum 



1) Gornelj L o. p. 117 f. 



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3us ttbfafjung^^eit ber j9nopt. (^og. u. bec ^))geic(|. 377 

3ai^i 62, ir>o er fid^ ben 9Intanw« jum !Rad^fo(ger im 

SRatlttft na^ 8lom unb unterfiülte 62—64 bie Spofiel« 

fürflen im 3J^ifrion«tt?erf *). Qiwa in ber ^tDeilen ^älfte 
bed Sa^red 64 führte Marhid bie ^ol. 4, 10 aitgeUin« 
bi0te Steife naö^ ftleinaften auit (II. £im. 4, 11) unb 
üon bort btirfte er entfpred^enb bem üon ^auhi« il^m 
nal^egeUgten Suiifd[ie mieber nadj^ Uom Gcfommen unb 
boTt t>Ott 66— M t^tig fietoefeii fein. 92ur in biefer 
legten ^eriobe, enttüeber 62—64 ober tDa^)rfc^einüd)er 
66 — 67 fonn bie älbfaffung bed ä){arfudeüaugeUumd 
angefet^t toerben. Z)enn fo beseu^t ed StenAniS, toenn 
er (III, 1, 1) f(^reibt: „'Mö) bem ^obc be« ^etruö unb 
giaulud ^at ^arfu^, bec ed^üler uub ^otmetfd^er (fd^riftl. 
Siatttpxtt) M $etttt9, baiS nm0 biefet mfinbli^ pxu 
bigte unö fd^riftli(^ überliefert"; eine SBenbung, 
meldte bafür fpri$t, ba| SD^arfuö einige Qdt üor bem 
Xob be4 Slpofielftttßen fund^ft aum audfcbtiegU^en 
®e6rau(i^ ber römifd^en Semeinbe bie ©oangelieufd^rift 
wia^t ^at, morauf bann md) bem ^infd^eiben $etri bie 
Setbreitung betfelben in »eiteren Jtreifen eintrat 

8nf bem ffiege ber inneren ftritif fommt man §u 
bemfelben 9flefuUat. S)er 6d^lu6 be« ©tjangeliume: 
i,6ie ao0en au« unb prebigten ftberall'' (16,20) U|t 
^um aOerminbeflen att unameifel^aft erfennen, bag baft 
©toongclium in ber 3^^* 42—43, mo eben erft ber Sluf^ 
bnub ber ^oftel aud ^al&ftina erfolgte, nidj^t entßanben 

1) tufebiud ftg. 11, 16; 11, 27; Chronic, ad a. 62; Hiero- 
njmfm d« tut. Ul. 8, ber aber unrichtiger SEBeife oud ber 
folge M Kniatt»0 auf ben Xob M SRorlui gefc^lpffen (at 

8) CoL 4^ 10; WIcm. 84; I «etr* 5, 18. 



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878 



fein (antt. 9M etj^eOt mi^ atii bn tj^Tfifiuig bei 
CDangeliumd imSerglei«!^ mit bftSRattl^dudfd^rtft. 2)ie 
Sufna^me nur jener ißarabeln, meldte bie ®t\6^i(iit 
M 9Ui4^ei (Bottei, bie fettend bev aReafd^en nottDen* 
bige DUpofition, bai aBa^tmn bei Steic^ei, bie Suf« 
nal^me aud^ betreiben in badfelbe barrteUen ^) , bif 
»emeUfft^nuig fftr bie Sotteifo^afd^aft 3efu faft mtt 
btttd^ (Eraä^Iung bet SBunbett^aten, bet SegfaE bet 
Berufung auf baS alte S^eftament, foirctt bie äBeifjagungen 
nid^t itt Xeben bei ^ettn beYfk)4teti fiab, bie Sdiilaffutii 
bet Stebeit mit CtMerungen Met bai Set^dltnÜ fl^rifli 
unb feined ^iei^e^ jum alten 8unbe, anbrerfeitd bie 
Xuftta^me von i^ieten Ctl&tttetungen übet iübtf(||e Oe« 
btftitd^e «nb OelDo^nl^eiten , — aU bai fü^rt mit 9b>t< 
tpenbigfeit ber ^nna^me, bag bad ^loangelium bei 
SRatltti in etflet Sinie unb botl^ettfd^enb fflt Reiben« 
d^rifien beftimmt loat. Sinn foll ^iet nid^t befttitten 
»erben, ba§ ^etru« bei feiner erfreu SBirffamfeit in 
ftom (43—49) neben nielen Suben, beten nid^t ttenige 
fd^ott bot feinet Snfnnft Aenntnii bei Q^tiftentnmi bon 
3erufalem ^er Ratten, aud^ man$e Reiben für bie d^rifi« 
lid^e @ad|^e gempnnen ^at; allein bai batf mit aQet 
6ic(^erl^eit auigeft^tod^en »etben, ba| in biefet etflen 
?Periobe bie d^riptlic^e ®emeinbe ber großen 33^e]^r§a^t 
nac^ aui ftüf^eren Siv^tn lutb ^ubengenoilen |ufammen> 
flefe^t toat. Xnf ben S^fammen^ang bei C^tiflentttmi 
mit bemSubentum tüeift ja bie bereitjJ angebogene !Rad^« 
tid^t bei 6ueton (Claud. 25) ouibrüdElid^ ^in. S)et 
eben b»^ gefdftilbette (B^ataltet bei aRat&tienangeQttmi 



1) 8-9^ 4, S6-i8; 1^ 1 ff . 



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Sät 8(fatfung9aett ber fi^ßopt 9»^ m. hnltpqt\di. 379 

ffl(Tt tM aUt ta eine Seil, m hU ^bend^dfieii Me 

Äojorität in ber römif^en Äird^e au«3mac^tea. ^ag 
toar, mie mx aud bem S^lömecbrief föiffen, etft in jeitet 
itDeileii ^ettobe ber %qSI, m juerft toon 65 an ^etnii», 
bann wm 61 (ober 62) an ^aulnd in 9lom mirfte, unb 
ha ^arfud na(^n)etdbar erfl von 62 an längere gelt 
bafelbft »eilte, fo ergibt fidft unter eenfi^unii bed Seugs 
ntffei» bon Slrenanil nnb forgfftIHgeT eetüdrt^tigung be9 
©^arafter^ ber Schrift mit groger 93eflimmt^eit bie 3eit 
66—67 aU Hbfaffiutd^aeit bed äRarftt^ebangelium». 

8) ]Lbfa|fntt90|ett ki PoHlpittienandetinntf. 

5)ie ^iftorifc^e Überlieferung enthält über bie 9lb« 
faffung be«feUen foI§enbe {^anptyunfte : äRottj^Ane Iftat 
fein (St^angelium in bet@pra$e ber{^ebr&er gef (^rieben; 
unter ben Soangeliflen ^at er ^uerfl jur^^eber gegriffen 
nnb |tt)ar t» einer 3^/ too er unter feinen Solttsenoffen 
in ^aldfUna tl^dtig UNtr, e^e er wm ha anfbrad)^, um 
in ber ?frembc bie fro^e 93otfd^aft ju rerfünben 
SRoU^öui» tDoQte mit feiner (Soangelienfc^rift ben^uben« 
Triften in VaUfiina einen Crfa( feiner Segemnart unb 
nttnblid^en ^rebigt bieten. SllS Äern ber Überlieferung 
barf man gerabeju bie Eingabe über {^ertig(ielluug ber 
Sd^rift oor bem ftbgong be0 äRattl^u« an0 bem l^L 
£anbe anfeilen; bie fCngabe erfil^int but<i|^aud glaub« 
tDürbig unb entfpric^t t)öllig ben Slnfd^auungen, tpeld^e 
tt)ir unf auf Ornnb bon äRattl^. 28, 19 über bie neuteß. 
Sd^riftabfaffung Ulben mftffen: bie Kj^oflel betrachteten 



1) «ttfebini, JTg. III, H m. 85, 6; VI, 85; Y, 10$ 
Immu adT, ba«r. III, 1« V, Bpipbaniot haar. 51, 0. 



380 



bie münblid^e ^rebigt aU ba^ 9ett)ö^?nli(!^e SKtttcl jur 
Sevbnitund t>ii d^rißli^en ;Be^te; nut oudna^mdtDeife, 
loenn ein gatt) (eflimmtev fMa%, eine Xrt SlotfaD Dov« 
grtffen fie ijur ?f^ber (Sben einen folc^eu aber, 
be$tD. bie ^efciebigung eined bcingenben S^ebAtfniffed 
fyit Ue Ztabitioit mit jjenet SemeYlttng im Suge. Unb 
fo liegt ber 6d)merpunft ber ©ad^e in bergrage: mann 
ift ^ktt^äuS bel^ufd aii^roörtiger SVliirtoniStl^&tidfett t7on 
$alä|iiiia abgegaiifieii ? dtne gaQS aumUfflge Ko^riilftt 
barüber aud bem Altertum ^aben tpir nid^t. ^Qerbingd 
fönnen toir aU eine Slrt (Srfa^ bafür bie eingaben über 
ben SBeggang bec übet^au^t Don $al&fUita, 

übet bie fogettannte Slpoflelttenirnng betrauten. S)eitii 
es liegt fe^r na^e vermuten, ba6 3Jlatt()äui8 ungefähr 
Olei4^§ettig mit ben übrigen toerbe attfgebro<ben fein. 
9reai^ tritt und mi^ in biefem betreff ein 6(bto(m(en 
ber be,;^üglid^en Slngaben entgegen, inbem bag 7. (8.) 
ober bad 12. i^abr ^) nacb bem ^be ^efu aU ^eitpunft 
ber Ztennung angefflbtt toitb. fetten entfcbeibet fiib 
für baiS 3a^r 42 *) unb mir möd^ten i^m in biefem 
^ßunfte nid^t entgegentreten. 3a loir feben bai^ ^a^r 
42 — 43 att ben Dermin an, übev toelcben tfman§ bet 
fßeggang ber meifien SIpoftel Don ;3erufalem unb ani 
gjaläftina nid^t üerlegt merben borf. 9lur möchten wir 
ben Betoeid bi^f^t in anberet äBeife fObten aU ^tten 
getban bat. fei auf folgenbe ^beanfmertfom gema^^t. 

1) iögU Gujebiuä Äg. III, 26, 5. 

2) Clem. R^cog. 1, 43; 9, 29. 

3) x^Qvyfxa Uhgov bei Clem. AI. Str. VI, 5, 4& tttlb tt|)0U 
lontu§ 6ei (Sujebiud % V, 18, 14. 

4) «4>a. @. 241. 



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3ns Sbfoifttimliett bct f9mM»t. (Sog. n. bec 8ti0ef(^. 3gl 

a) SHe 2)arjleattn9 ber Spoftelgef^i^te (Act. 12, 
t ff.) fiüer bie 42 ober 48 toott Sgrippa infaeniette 8er« 

fotgung ber (^^riften läftt mit ©id^er^ett crfennen, ba& 
$etrud mol^l einer ber legten mar, ber SerufaUm mu 
(ie§. 3ii btefer Serfolgiiitd erbQdften ol^ne 8tt>eife( bie 
apoflel ben bur(^ feö^eregügung ^erbeic3efü(;ricii iilntag, 
• bie j[übi|d?e 3}ktropote unb bad £anb öerlajieii 
itnb otidm&rU bad Cpangelium )»erMiibeii. 

b) 5Die Slpoflelgef^ic^te (2, 9 ff.) berichtet t)on einer 
Beteiligung ber SBelt ober he& ©rbfreifeö am 2öunber 
bed erden ^ftneüfe^ei». SDie gleich bei biefem %nta6 
für ba0 Cl^ftentum geoonnenen ^^emben trugen bie 
Äunbe t>on ben (Sretgniffen in ^^^wfalem nad) allen 
^immeUrid^tungen unb ^eltgegenben. @d (ei ^ier an 
bie S)arflenttng ber Hementinifd^en ^omiUen über baH 
53cfauntiüerbeu bed (S^rifientum^ in 9lom erinnert, ^ax-- 
nad^ tarn unter 5!aifer ^iberiuÄ in einem S^ü^l^^^^ 
{moffi 34 ober 35) bie ^tac^ridftt oon ben Sorgdngen in 
3nbAa nad( Htm unb ntod^te gen)oltiged ^uffe^en 
^ie ^arfteUung bed j^lemen^romand entl^ält, bemerkt 
felbfi &Ud melftr SBai^rlfteU aU man i(r )utraut 
einen A^nU^en 9ang mu% bie 6a4e au^ anbenoftrtil 
genommen ^aben. 9lun erfcbeint e^3 aber üöHig unbenf^ 
bar, ba6 mehrere 5£)e)ennien jollten Dorübei gegangen 
fein, bid bie 9^ofiel nai^ aOen 6eiten ait4§ogett, um 
einerfeit^ bie ba unb bort fci^ou tjoi^jaubenen ^riftlic^^en 
(Elemente fammeln unb (i^riftli(^en ©emeinben ^u, 
i»erbinben, onbrerf eiti» in ben oom (Sl^rifientunt no^ ni^^ 



1) Giern. Rom. fiomil. I, 6. 7. 

2) eted, S>cc gtolatctipncf 188S. 6. 878. 



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a82 



berül^rten ^roöinjen bemfelben eine 6tätte §u bereiten. 

Stoeie» miifi f|>ftteReii9 42—43 erfolgt fein. 

c) ^Qutuö jd^reibt 58/9 an bie 9lömer, er gebenfe 
{einen längft gehegten ^(an, naä) diom fommen, aud» 
Sttffi^ren^ f obalb er bie itottette in detufaUnt übergeben 
^aben tDerbe; in ^ften unb ©riec^entanb ftnbe er fein 
SSlrbeiUfelb me^r (SFlöm. 15, 22 ff.). ®emi ftnb biefe 
SBorte com gnno anlis ^tt müe^en: berSIpofiet b^^tte 
hamaU ben Samen bed S^riflenftumil nnr an aOen ^w^U 
punften ber genannten £änber auSgeflreut unb ber d^rifl= 
li4^en Sadfte geioiffe ä^littelpunlte gefi^affen. SQl^iterbin 
ifl in Snf^lag §u bringen, ba§ ber 85(ferle(rer bie 
äöelt tt)efttt)ärlö von ^tnifalem aU fein 2lrbeit«felb be« 
tract^tete; and) bai^büifen iDir ni^toecgeffen, bag^aulud 
mel^r gearbeitet ^at aU alle onbem; aBein glei<boo(l 
erfd^eint eiS t)öllig unglaubUd^, bag um bie 3eit ber Slb» 
faffung beiS ^ömerbriefiS bie übrigen Slpoftel i^re ^t^ätig« 
{eit nod^ gani ober grdbtenteiU auf $alft^a unb etoa 
bie unmittelbar angrenjenben ^robina^n foSten bef^rAntt 
^aben; ftd^erlic^ tnaren bamal^ bie meinen t)on i^nen 
ebenfo ftberadtiin oßto&rtd gebrungen, toU ^etcui^ unb 
Vaulug n«^ SeM* 

d) Stimtn^ t)on diom fd^reibt im Qa^r 96 an bie 
ftorint^er (1,42): nad^bem bie Slpoi^el i^re ^ftröge 
empfangen unb burdft bie Xuferftebung be4 4^erm ooOe 
ftberseugung gewonnen Ratten, in (Rottes SBort befefiigt 
unb mit ber güHe be^ ©eifiei^ audgerüftet maren, h^qtn 
fie aug, ha& Soangelium )tt berttnben. 0emi| liegt 
ung ^er eine at^fAmmenfaffenbe SarfteDung bon 
bem (S^ang ber ^inge in ber erften ^eit oor; biefelbe 



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ertoedl i^um näd^fien äBortlaut aa(^ bie SotfteSung 
cined fel^t fcfl^ etfolgten Sufbrud^ bet 9^ofleI; »fr 
müffen ba^cr auf 0Tunb anbertoeitiger Sln^altgpunfte 
einige (Einfd^ränfung mad^en unb noc^ an einen me^r« 
lA^tgen SlufentlftaU bet 9ipofiA in Senifafem unb ^a« 
UfHtta benfen ; anbererfettd aber geflattet biefe \>on einem 
fo t7or3üg(id^ untemd^teten 9J2ann ber apoßoli(4fen 3<ii 
ftammenbe Semerbing ni(|^t, bie 9ipo^tltttwmi^ ttfk 
tmd Sal^r 60 an^ufcgen. 

e) Srenäuä fttmmt im mefentü^eii mit j!(emcn* 
überetn: na^bem bie älpoftel mit ber itraft M 
Oeiflefl attHQetflM unb mit aUm etfaHt oaren unb 
eine »oUfommene (SrfcnntmÄ Rotten, gingen fie qu8 bi^ 
an bie Stenden ber (Srbe, bie j^utbermeifungen &oiM 
gegen uni ptebigenb unb ben bimmiif^en ^rieben ben 
9{en((^en mMnbfgenb S3gl. III, 3, 2 unb befonber« 
IV, 4, 1 : ^ict toirb ein ^inmanb gegen bie ©ac^e (^rifli 
mibetlegt, ber bon ber 3^^fi^^n0 Seruialemd b^ge« 
nommen toax, ba0 att bie 6tabt beft gtofeen MnigA 
ntd^t bätie jerpört tcetben bürfen. auf ber ganzen 
(Srbe bie grucbt audgeflreut mar, »urbe mit ^ecbt 
laffen toas einß (errli^e^ni^t getragen, Jeft aber ni^t 
mebr bienlic^ »ar fut grud^tbringung*', b. b- Senifatem. 
S)emna(b fe^t Srendud bie i^SoIlenbung'' ber 8e!e^rung 
bet Seit im Sabre 70 an; et mu| fomit t>on ber 
9in[\ä)t ausgeben, bag Me SIpoftel jebenfaU menige Sabre 
na^ bem ^obe ^e\u ton Serufalem unb ^ubäa aufge< 
btoc^n ftnb. Sgl nod^ IV, 20, 12; IV, 28, 2. 

f) 2>iefe tCnfd^anung ton bem frttbeo Beggang ber 



1) Iren. ad?, luer. Ul, l, 1. 



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Mfet» 



XpoM nai^ ben $ro)»iiiaeii hti Steuj^d ^ö^ in ben 
folgenben S^t^tl^unbetten etl^atten. Sit oettDetfen noäf 
auf beu ^eri4)t be§ £a!tanj (de mort. 2) unb auf ben 
bei» (Ettf ebiud übet bie 3u{i6nbe in SubÄa x>oi Xu^brud^ 
bed jübifc^en ftttegS (66) „So toar bamaU bie Sage 
ber 3uben. ^ie 1^1. 2lpofiel unb günger 3e{u Ratten 
fU|^ Aber bie ganje betool^nte (fobe ler^eut .... S>en 
6tep^anti9 b^ttev bie 3uben gefleinigt, bann ben ^a^ 
tohu^, ben trüber bei^ ^i^^t^nned^ enthauptet, s^le^t 
Safobtti», ben Otf(bof von Sentfatem, getötet ; bie übri« 
gen Slpoflel aber l^atten ftcb nad^ unzähligen Slaö^fieDungen 
gegen i^r Seben aud bem jübifc^en £anbe entfernt unb 
)itt Setlftnbipng bed (St^angeliumd ben äBeg §tt aDen 
Sblfem angetreten". S)er Seggang mot alfo im ZobeS^ 
ja^r beg jüngeren ^a^obu^ (62) ') löngfl erfolgt. Unter 
(Srn)Agung aller biefer SDlomente bftlten mir bie Xnnol^iiie 
DOtt bet Xrennung bet SpofieC im ^a^)t 42—48 att 
eine m\)i begründete, unb eS fc^eint je^t bie 6(^lu§- 
folgerung einleiu^tenb : bamoU b^t aud^ ä^att^Aud 3e« 
ruf alem unb $alftfUna berlaff en itnb ettoa 41 fein (foan« 

gelium qefdhriebeu wg ij/uekke xai i<p* etiQovg Ihai •). 
(^ben biefe ^(blugfolgerung ^j^at gelten gemad^t unb bem« 
nailb ^te ^rage betreffi» bet kbfaffungiSaeit beg aRattbftuiS« 
ctoaugelium^ enifd^ieben. Sluf biefem 5i>eg fönnen mir 
i^m leibet nid^t folgen unb ^toar hin^^i^t uniS baran 
ba« S^dttig bei» 3tenAtt0, fobann ber S^arobev be< 
(£t)angelium$. 

ad a) Sin ber^emertung beg^ren&ud; «SO^attl^&ui 

1) ftg. II, 26 ; III, 1 unb III, 6. 

2) Jos. Antiqa. 20, 9, 1. 

3) eufebiu», fig. III, 24, 6. 



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Qui ^bfafiungdifit bec \))nopt Sog. u. ttt%p^t\d}, 385 

Jd^rieb, mä^renb ^Jetru^ mib ^aulu3^ in 9lom prebigteu 
uab bie ^irc^e griinbeten", ectegt fteüicb bet ^to^it^ 
Xeil Xiiflog, ba ja bie eigetttlid^e, evfie Srünbung ber 
römi)d)cii Äirdjc um^ Si^il^r 43 unb 3iiH'ir burd; '^ictru^^ 
o^ne $auluS erfolgt mar, unb man fönnte an jid^ gan| 
iDo^l auf ben®ebanfen tommtn, ba63teii&it0 audSet« 
fe^en aud^ ben ^auluö nannte, trogbem er nur bie 
@rünbung ber ^irc^e in 9^om burd^ ^etru3 allein im 
Stafyct 43 im Sluge l^atte ^Uein biefe (S^egefe ber 
SBorte ift oudgefd(^to!|en bur<!^ bie unmittelbar folgenben 
SBorte: „3kc^ bem Xobe be^ ^i^etruö uiib ^aulu« ^at 
maxha und bie ißrebiet bed ^etrud fd|^nftli# übet» 
geBen." ^a^tenAuiS in fold^em 3ufammen^ang t>on 
ber ^^ätigfeit ber beiben 5lpofte( rebet, mu6 er bie 
geü 62—67 gemeint l^aben. dla^ bem gangen l^tozd 
feiner 64rift ifl a bem I^L 9if$of i90rnel^mU<i^ gtt tl^un 
um ben ^Jiac^tueiö ber apoftolii'c^eu 6ucceffioii uiib ber 
9letn^eit ber Don bem ^poftel ftammenben Überlieferung 
in ber ihni^e, unb ba ridfttet er ben feiner £efer 
oor allem auf 9lom ^in, bie größte, ältefte, allen tu 
fannte, t)on ben beiben ^auptapofleln gegrünbete unb 
aufgeri^tete jlird^e^ mit »eld^er jebe ^ix^e überein» 
flimmen mu%, ba in i^r bie \>on ben SIpofletn über» 
fommene Überlieferung lauter bemaljtt iuorben ift 
6((^on burcb bie iBegeici^nung ber ri^mifdl^en itird^e aU 
ber fttteflen t)errftt SrenAud feine ftenntnii» bon bem 
Urfprung berfelben, ipold^cu er, tro^bem er offenbar nur 
baiS Slbenblanb berüc^fic^tigte (III, 1, 1)^ unmi^glid^ erft 



1) So ü. 53. Äaulcn, (Einleitung II, 2 ö. 402. 

2) Iren. adv. baer. III, 3, 2. 



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886 



0elfev, 



in Me geit 62—68 i>etfe|ett tann; et tM Utxqliä) Ue 

ülexau^ mid)ng,cZi)at\aä)e ^evüor^^eben, bafe gleid^jeitig 
)tt)ei Sl^ofiel^ bie giirften berfelben, in ^om i^te^^d« 
tiglett entfaltet j^afren, meUfte X^AttsIeit ni^t ettoa bU>| 
eine öorübergel^enbc , furj bauembe^ fonbern eine über 
einen größeren 3^^^^^^"^ fi^ erfttedenbe toax, fo bag 
eine )>ollfiftnbi0e (BrAnbutts nnb noUenbete Organifotion 
eintreten nnb bie tdmif^e ^ix6)t in einem e^em^larifd^en 
3uflanb von ben beiben SIpofieln t^ren ^kcf^foigern }ur 
Segierung übergeben iDerben tonnte. 

ad b) ^orofter beg Cbangeliumg. 

5)er 2lpoM 3}iQtt^iäu8 mU ben ^ubend^riften in 
ißal&füna §eigen, mie eg getommen, bai bog $oU Sfroel, 
toeUftem ber SReffiag IdngÜ t>etf)>ro4en mar, in beffen SRitte 
3eM jundc^jft geleiert, geroirft unb fein meffianifcte« 
^iä^ etci^^tet^ t^atf&d^li^ in feiner großen ^Ule^rl^eit 
bon bem^^erm oem>orfen morben unb bomSiUiiifte aug« . 
gef<j^loffen fei, Ȋ^irenb bie {Reiben in Wla^e in boSfelbe 
eintreten, ©ine (Erörterung unb SluSeinanberfegung über 
bief eg Problem in einer 3eit, m Aber ^aUftina Winand 
bog (E^riflentunt no^ ni^t ^verbreitet mar, mürbe bbUig 
rätfell^aft erf^einen; einigermafeen im ®inftang flänbc 
ber (^araiter bed Qbangeliumg mit ber fp&teren 3^ 
Ott bnrd^ bie aRiffiondtt^Otigleit beg ^onlng unb 8ar« 
nabaö t>cu Sliitiod^ieu auö ba^ ßt^angelium namentlid; 
in iUeinafien anfel^nlid^e Verbreitung gefunben l^atte, 
alfp mit ber 3eit 49—50 3nbeg ifl mä^ biefe «n* 
nal^me l^inföllig ange[i(^ti^ ber ^arfteUung ber Slpofiet« 
gefd^i^te (ogL befonberg U, 16; 15, a ff.), ^axtia^ 



1) 8(1. Conielii 1. 0. 6. 79. 



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Sur a&faffungH^t bec \^nopt ^g. u. btx 9M)gcf4. 387 

tourben bie großartigen (Erfolge ber ^eibenmiffion ^um 
et^enmal im Salute 51 in offtatettet SBeif e ber (Semeinbe 
I« Serufalem tunbqegeben unb über bie im -öinblidt auf 
bie neue ^ac^lage ttotiDenbig gekDOibenen äRa|nal^men 
beraten unb befd^loffen. S)amatt rebete man nod^ nidbt 
ton ber iBertnerfung Sf^^aelö, fonbern nur oon ber ^n- 
laffung auc^ bei Reiben im tveUeften Umfang unb t}on 
ben Oebingunfien biefer dulaffung; m aber bie Ser« 
^dltniffe fo lagen, tfl noä) fein^Iag für ba« gWattl^äu«^ 
etoangelium; 6ieben ^abre fpäter njar eö aubersS; ba 
nmrbe bie bezeichnete grage betreff« ber immer beul« 
lid^er Xage tretenben Sn9fcblie§ung ^fraeU in juben» 
unb ^eibenci^riflli(!&en Äreifen lebhaft erörtert, mie bie 
Qelftanblund biefer ^age bur<i^ ^aulud im Slbmerbrief 
(c. 9—11) unmiberleglid^ bärtig Ob eine berartige 
(Erörterung um jene ^eit (58/9) aud) in ^aläftina 
unb fpejiett ingerufalem in meiterem Umfang fkttfanb, 
erfd^eint ^eifel^aft; eine Prüfung t>im Stap. 21 ber 
Slpg. mxi jur SBerueinung ber ?vrage. Solange 
bie Sttbendi^riften bafelbfi gröbtenteiU (^ferer für ba< 
Oefel maren, folange burd^ bie ^erfönlic^feit bor« 
tigen S3ifci^of^ ein gemijfer Siifömmenl^ang mit bem Qu? 
bentum aufrecht erhalten mxt>t, fo §tpar, bai bie eifrig* 
fien unb bem 0efe( ergebenden ^uben über bie Sr« 
morbung be« ^^^obui^ in große ©ntrüflung gerieten unb 
bie Urf^eber berfelben bei bem rdmifd^en Statthalter 
(Stbinui») ob ber Sret)elthat üerBagten % in biefer 3eit 
(62) bürfte bO'S be§eid^nete Problem tüenigften^ in 3e= 
rufaUm unb ^ubäa bie ®etftec no(h nic^t oiel bef(j|^4f« 



1) Jos. Antiq. 20, 9, 1. 

25» 

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388 



Heller, 



tigt \)aben. 9(ber freitid^ eben bamaU (62) trat eine 
SSenbung ein unt) in \t\^t Euerer ^eii üoUjod iid^ eine 
gtfliibn^^ Anberung. 5Die jfiMf^e 9{ationa(pattet, toeU^t 
bie 5lbyd^üttelung bc<8 römifd^eu unb bie ßerftcHung 
bec fni^ecen 6elbftänbig!cit auf i^c^togramnt ge((i(^rier 
beit, gemann xaS^ bie Oberl^anb unb trieb |um Jttieg. 
3e^t galt für bie Subcnc^mUii in ^aläflina, bie 
Sanbe mit bem ^ubeutum, toeid^z {elbft ber ^ölferapoftet 
aU fo ftorle unb fefle erfannt unb empfunben t^at (8töm. 
9, 2 ff.), jerreifeen, o^nc rürfmärtÄ ju blicfen au«« 
{(^Ueglid^ ber ^reu^edfaf^ne folgen unb jebe ^ntereffen« 
gemeinfcf^aft mit bet angefiammten Station DbOig §tt 
löfen. Solche fioSlöfung foftcte Äampf «nb mand^e flau« 
ben in ©cfa^r bcnfelben nidift gut ju fämpfen, joubcrn 
in bie Sltme bed Subentumd suvAd^ufinfen. 3n biefev 
Mtif^en 3eittage fa^ fic^ ^auluft \>on Korn au« oet« 
anlafet/ feine Stimme ju erl^ebeu unb bie 8tüber in 
^al&ftina w>t beut brol^enben Slbfatt bom ^vifUi^en 
®(auben unb bet SlfidRe^r jum ^ubentum )tt toosnen 
(^ebräerbrief 63). Un(|efä^r gleid^jeitig fam nun Ott^ 
SDlatt^Aud bev bebro^ten @a<j^e bei» (S^riftentuntd |u ^ilfe 
bttt^ flbfaffung feinet Cbangeltenfd^nft , »otin et ben 
{)al&fiinenfifc^en ^tx^en ben ^aii^mei« liefert, bag ber 
gem&6 ben altteftam. SB^eiffagnngen etf^ienene ai^effta« 
bon bem jübifd^en 8oR nfd^t onetfannt, bad Soß felbfl 
aber tüegeu feiner able^nenbeu Haltung, ^Ber^ärtung unb 
Setflodung )oettt)Otfen unb beffen ^efirafung borau«« 
gefagt, bemnad^ fein 0tunb not^nben fei, mit biefem 
gotte^mörberifdjen S5olf bie SSerbinbung aufrecht ju er^ 
(oben unb fi^ in fein beborße^enbe« ^etbecben su ner» 
toidkln, inbeft oui^ lein (Brunb, an bet Qettoetfung bie« 



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Buk tUfaffttiifliictt ber f9iio|»t. n. Vi»gef(^. 389 

fed früher (o beguabeten iBol!e§ 9lnflo6 SU nel^meit, ba 
btefelbe fc^oit in ben eö^tiften be» S. X. «»ot^erDetttnbet 

tüorbeu fei. ©o ftellt fic^ alfo bei forgfättiget Prüfung 
ber ^ter in SBetrac^t fommenbcn SScr^öltniffe bie ^tü 
63 ^ 64 aU biqenige f^ttau», in toeU^et bie Mfaffung 
be9 9l<ittl^Attde9angeliumd angefegt Serben mu|, eine 
S)atierung, auf tpeld^e auä) baä Qrenäu^jcugniÄ ^^infül^rt 
unb meU^et bie f<j|^einbar abtoeidj^enbe Xrabition über bie 
Stbf affung ü 0 1 bemXbgang bedSIpo|leU<Kud$aläfUna 
feine^megS iüiberfprid^t. @« foll ^)ier nid)t an bie SJiögUc^: 
Uit erinnert metben^ baft SUattbaud, ^»ielleid^t aU ber 
etttsige neben 3a(obtt0 bem Sfingeren^ irgenboo in SßaU» 
ftina bi0 in bie ^ext üon 63 — 64 geblieben unb bann 
erft iux audn)ärttgen ^üfion abgegangen i[t. S)ie größere 
äBabrfd^einli^feU fpricbt ja freitid^ baffir, ba^ er unge« 
fäl^r gleid(;3eitig mit ben übrigen, 42 ober 43, abjog. 
Slber liegt ed nid^t nal^e §u oermuten, bag ^att^äuiS 
nacb einer erfbnoligen längeren älbkvefenl^eit Don $a« 
UlfHua unb 3^tufa(em mieber ba^in jurüdfgefe^rt ifl, 
t)ielleicl;t auf bie Äunbe oon ber mifelic^en ßage ber bor^ 
tigen ^xi^Un, bafelbfi koieber einige j^tit t^ätig mt unb 
bann, e^e er beflnitio unb fftr immer bad 8anb Derttel, 
ein i'c^riftlicbc^ 5)enfma[ beii c^riftl. 59rüberii ^iuterlie6? 
6te^t ni^t geic^icbtUdii fe(t^ bab au6) $etruiS unb $aului$, 
no^bem fte Iftnger auSMrtiS geoirtt^ i^e 64ritte no^ 
bem fianb jurüdfgelenft ^^aben? dürfen wix etmaÄ 
berartigei^ nx(S)i aud^ ton anbern ^pofieln annel^men, 
)ttmat ba SerufaUm erfk im Sa^re 66 Don ben S^rifien 
enbgtlttg aufgegeben tourbe, todbrenb ei» ÜB ha^in SRittel« 
unb Sludgangi^punU mar ? biefem @inne üerfte^e 

1) «ttfebini 9g. III, 5, S nnb 8. 



u ij- 1^ ,o I.y Google 



i$ eine 9iott§ bei dhifebiud, mnnä^ in ben erften der 
Selaben na^ bem Xobe be9 ^tttn neben Safobn« (bent 

Sflnöcreu) aud? anbete SIpoftel unb jünger fid^ in 3e= 
rufalem sc. ab unb §u aufl^ielten unb fo buS gegen 70 
glet^fom bte fl&t(fie ednilfiotix fftr bie 6tabt bilbefen^). 

3um ©c^lufe barf bem Prolog be^ Sufa^eüan» 
geliumiS nod^ einige ^ufmerfiamteit getoibmet toecben. 
gfveißd^ etgiebt ft^ l^iebei eine weitete i)ifferen) mit 
^bet (e. 5Der gefeierte Sekret i)at über ben Infanif d^en^r ot og 
foft in einem elegil'cj^en ^on gefprod^en : eiS taffe ficb 
aui» bem feiner gform na^ aKerbingd llaffifd^en ^rod» 
minm für bte Seantkoortung ber allgemeinen fragen 
über ©nlftel^ung unb S^^^ ^flebe fte^enben 39ü(ber 
bed ^ an unb für fid^ meber etmad belegen nc(i^ 
toiberlegen ; eben bie unrid^tige Suffaffung bed $roIog9 
t>abe ju einer $Rei^e öeriüerftid^er 2ln|id^ten geführt unb 
ed )U einem großen Xeii bekoirft, bag bie neuteft. ©in- 
bitnng sum Subenfpott geworben fei. Um befien fei 
eS bal^er, auf bie 53enü^ung ber einleitenben i^crfe beS 
Sutadeoangeliumi^ ganj }u t^er^id^ten unb fid^ mit 
einem non Uqnefc )tt begnügen. (Sin fold^er 6tanb^unft 
ifl bo4 nid^t ganj nnbebenRid^. Swar ift bie 3al^l ber 
f(^n)eren ^Wifeüerfiänbniffe, üon tüelcben bie (Srfldrung^* 
Derfud^e begleitet gewefen finb^ unleugbar gro§ unb fiam 
f omo^t betteffiS ber Sefamtauffaffung aU ^nfid^tlidb ber 
SKu^tegung einzelner 2öorte unb SBenbungen. SlQeiw 
ber (^eget barf angefic^ti^ fold^er ä)^i|erfolge ben SKut 
nid^t aufgeben; er barf ben Prolog, ber ja gan^ äugen« 
fcbeinlid^ übec bui^ ^et^ältnid \mc& Slutori^ p ben 

1) i(g. UI, 7, 9. 

S) «nlcitttns, 6. 69 |f « 



^ 1^ ^ l y Google 



Qux Wf affimglieit bn ff^no^ Sog, ». bcv Vligef^. 891 

Sorgdugetii auf beut Oebtet neutefiameittlUftev Cdlrtift« 
fteOetfi SuiSfagen ent^Att, iiiUet leinen tlmflfinben (ei* 

fcüe liegen (äffen. SSielleid^t ba§ eS ben SBemül^ungen 
Dieler {(^Ueiiiid^ bod^ gelingt, in ben 0eban(en bed doons 
geUfien einittbringen unb feinen Sotten ben toasten 6inn 
abjußeipinnen. J^ro^bem au6) j?eute iioc^ bte SJ^^etnungen 
übet ben ^rolog im ganzen unb übec bie ^ebeutung 
ber einzelnen Segriffe fi<^ tettmeife nnttetntittelt gegen« 
überfle^ien, fo ifl bod^ ein bejc^eibener gortfc^ritt ju \>et« 
jetc^nen unb ^toax in ber S^lid^tung einer größeren SSer^ 
ftAnbigung. & fei biet onf bie ilrbeiten bon ecban) 0 
nnb ^al^n ') l^tngemiefen. Xud^ bet an jmeitet 6te8e 
genannte ®ele^rte ^at bie ^Il&rung ganj naml^aft ge« 
f brbert, aBein toit ttnnen i^nt gerabe in ber {^oni^tfad^ 
ni^t folgen, meil et ha» (feangelittni nid^t bem l^eiben« 
d^riften ßufai5, bem befannten „Begleiter unb ©d^üler 
bej» ^ottlud", fonbem einem ^aUIUnenrtf^en Suben« 
4rtifien, »itgenb einem anbetn Sef Aktien ^ttuß" (SQall 
oDci Siloanu^) jufd^reibt •) ; inbe« aud^ in bct ©injeler* 
flärung oermi^gen n^tr i^m ni^t in aUmeg beijufHmmen. 
Sit geben biet 9unA<bfl eine C^egefe be^ ^tologg ncul^ bem 
SBortlaut unb möd^ten gegenüber ber frül()er betonten 
«SRe^rbeutigteit aller entfd^eibenben SBorte unb Sen« 
bnngen'' ftlat^eit in folgenben fünften tonMieten. 

1) aRit imxBlqrfiwf xM Sttlnl feinen Xobel mü« 
fpred^en gegen feine SSorgänger, „bie ^Bielen", roeber baiJ 
äCnma^liii^e nod^ bod Un^nUngliibe ober Setgebli^e ibtet 
Semfll^ungen l^etbot^eben, fonbetn einfad^ auiSf))red^en : 

1) ftommentar ^nm Sntalci»., 6. 46 ff. 

9) %cM ttbangelimn bei Snlai, Vidlan 18M. 

8) 6. Ii— 16. 



u ijui^ ^ l y Google 



392 



fd^on toiele ^aben fic^ barau gemacht, unternommen, 
eine fd^rifUic^e ^arfleUuug ber ^riftti^en ^eiUtl^at(ad^en 
)u geben; man 6ead|^te »o^l bad idof« «d^o/^ »omtt 
fid^ fiufa« mit ben tioUo/ anuä^iernb auf glcid)e fiinie 
f^eUt: )o l^abe anö) iä) für gut gefunben, in ä^nli^ec 
SBSetf e tote fte eine ^f^eidl^nung )u ma^en unb )u Der« 
ßffentli^en. 

2) dit^ytynv avaza^aa&ta. dir^ais ift im Äfafris 
fdften ein tenn. iecho. » narratio, bie fog. (8ef<|^icj^U» 
etiftl^lung, meUfte unmittelbar auf bai» 9vo0mium folgt 
unb an meldte fici^ bie fog. propoaitio unb partitio an^ 
i(blie|t; ^iu im allgemeinen @inn k}on (^r^äbiuug 
gebraust; in Serbinbung mit mnc^aa^ tann nur 
eine jufammen^ängenbe unb georbnete ßr^ä^tuug ges 
meint fein. 6omit fagt 2uta& mit ben erften äülorteu 
von fß* 1: iam malü (ante me)nanaüonem oompcmere 
(concinnare) ag^ressi sunt. ^)er ©ingular dirjyrjai» 
tann Uiiw^mq^ in bem 6inne gebeutet mecbeu, aU ob 
bie nalloi atte )ufammen nur eine einzige dv^yijatg ju« 
flanbe gebratbt f)ätUn, nietmel^r ift ber Singular bi9« 
trtbutit?: jeber ber „fielen" fertigte eine dii^y/pig, Unb 
biefe Utteracif(ben $robu(te maren ni(bt etma, mie man 
f<f^on meinte, „§er|ireute SUtter'' ober „dinaelauffä^e", 
fonbern je eine fummarifc^e, ^ufammcnj^ängenbe (^rjä^- 
Uing ber ^rlöiuugi^t^atjacben. 

8) ta tnnl^QO(poQ9^»im i» iipS» m^pma (ann 
ni(^t bi beuten: res, quae creditae sunt, fonbern nur res, 
quae completae suut = bte X^atfad^en^ meiere ^ur ^oU- 
enbung gelangt finb. Unter biefen X^atfadi^en finb ge« 
meint ba§ Seben unb SBirlen, fieiben unb Sterben, Sluf^ 
erfte^uug unb ^immelfaf^rt ^^^rifti. 2)ad beigefügte 



J7f<iv mb^ie man am lie^ften ))on ben pix l^tit biefet 
Z^atfa^en tebenben SReufd^en übctl^aupt; mit tDel(^en 

ber dtoaugetift fic^ jii)ammenfaffcn tuürbc, t?er|lc^eu im 
@egen{a6 au ben fcü^eten (&i\6^U(Sitex\x (t>gl. ^ebc. 1, 1). 
XQein bod 0^ legt nietet eine tem^orale^ fonbem eine lofale 
Sluffajiuug ua^c unb bad paxaUeU fjuiv in 35. 2 jetgt 
untoibetUgticb, bafe nur Sl^riften gemeint finb, benen 
ja au^ aüein von ben bamaU lebenben SRenf^en bie 
^etUt^atfa<|^en fold^e befannt unb betougt maten. 
äBie fann aber iluCad jagen: bie ^eildtl^atfad^en finb 
„in unferer WiXt** iwc ^^oSenbung gelangt, ba ev bod^ 
famt feinen meinen Sefetn fd^on bie §tt)eite Seneration 
repräfeuticrt '< ^er ©üautjtlift bcu'ici&net burd& biefe SlmS^ 
bruddteeife füb uno feine £eiec aid )u ben (^(^ciften ge* 
^öttg ; bie Sl^riflen alle §ufammen bilben Cine uniertrenn« 
tic^e ©cmeinjc&an uuö Den ^erei(^, inner^jalb beffen jene 
^(^atfadpcu (mit ber älufevfte^ung unb Himmelfahrt) 
)ttt IBoQenbung gebmmen Hnb. 

4) Ka&(6g nagiSoaciv barf nid^t mit nBnh^QOtpo- 
QTjfiivuVf fonbem nur mit knsxalQr^av ava%d^aa&ai \>n* 
bunben loetben: Diele l^aben eine eefc^i^tgetaA^lung §tt 
geben nntetnommen gemdjl bem, U)ie bie ttugenaeugen 
und überliefert traben, alfo auf ®runb ber apoftol. 
noQdSoatgf and biefet aU ilj^rer Quelle fc^öpfenb. 

5) ol Art a^tfis tnkömai ntä vai^gkai yevofMOi 
Tov Xoyov. .<picr ^muic^ft bie .gauptfrage: ift tov loyov 
bloB t)OH i TiijQi'gai ober aucf^ oon avsontai abhängig? 
^ie Sttffaffung im 6inne bed 9tt)eiten Zeü^ ifl mx 
mögli^, roenn man loyog im ©inne bed l^ebr. 151 =« 

^adl^e, ^ilngelegeulS^eit nimmt : biejenigeu/ meiere Don Sin« 
fang an Xugenaengen unb S)iettet bev (in Sebe fie^enben) 



u ij- 1^ .0 l y Google 



394 



6a^e (votf Ufw bann nkftt t>eTfd^ieben üon nffoy- 
liinm) gemefen. Mein ^erabe toegen M Dotau^ gelten« 

ben TtQayfiaia mu^ man bei ber ciijtiiUic^ien SÖcbeutung 
von loyog im 6inu Don SBoct fielen bleiben, gteili^ 
ben SegttfF im 6ittn bed jo(anneif4^en Hyoß §tt nel^men, Der* 
bietet bcr 6prac^gebraud? bei ^ufa^^ üielme^r brüdt 
aud: ^ort b. b* ®t)angelium. ^amit ift bie Sejie^ung 
bed iUi}w auf ovrwnro« Don {elbfi aufgegeben unb bie 
Stgönjung üon rw¥ nQoyfidrm Ie|tetem aui^ge* 
fprocben; oUetn biefe ^rgäu^ung ift tuirflid^ eine fel^r 
Ui^te, i<b mö^te fagen unmiSffttli^e, unb \^ tonn eine 
folcbe Crgönjung bei ber beutfd^en ftberfetung mit: 8c* 
eigniffe, ^batfacben, nid^t einmal empfehlen, ba fte fx(5) 
x>Oü (elbft t)ex\U\)U an dgx^g t)on ^ujang sc ber öffent* 
lidften Sirffamfeit !3efn. Somit ift bet Sinn ber SBorte : 
gemäfe bem mie un3 jene ©reigniffe biejenigen ubcrUefert 
baben, njeld^e öon 3lnfang an 3lugenjeugen unb S)iener 
bei» äBortei» gemefen. demeint finb bie 9lpofie(. S)a nacb 
bem grammatif^en 8au M @a(e$ an o^x^^^ ^^cb 
§u vTtr^Qetai gehört, fo !ann man einmenben: Liener bed 
äBotted ((EkKingelittmd) feien bie SKpoftel bod^ ni<bt gleicb 
im Xnfang bed dffentlid^en Slnftretend Siefu geioorben. 
2)ie (Jinrebe ift aber ü\)\\e 33elang. S)enn »enn glei(b 
bie ^poftel enbgiltig unb in feierltcbfter gorm erft na<i^ 
ber Xttferftebung ben Xnftrag erl^ielten, in aOe SBelt bin« 
auäpgeben unb baö „SKorl" allen SSölfern §n i^alün^ 
ben, fo ift bod^ fd^on bie ^nmal)i ber 3n>ölf mit ^e^ie^- 
nng auf ben genannten Bmed unb Semf erfolgt (SM. 6, 
13); ben Sluftrag, ba0 2öort ^u t>erfünben, erbielten bie 
Slpofiel fd^on üor i^rer probeioeijen SStu^fenbung (SKattb. 
10, 1 ff.; fittl. 9, Iff.) unb fä^n i^n fd^on bamatt 



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Sil« V(fdffttti8l|eit bet ftrupfit dhq. n. bcrSiigcf^. 895 

tl^alf A^lidft au«, bontm iat bad arv' cS^x^ oud^ in fei« 

ner 39ejte^iiwg vnr^Qkai koyov einen vortrefflichen Sinn. 

6) ^ie ^2ltttibutt)?6eifügung Tia^i^o^ot^^i^xÖTt £/40t 
baTf teinei^toegd im Binn non ptt\MUitt aniDefeiil^eit 
bei ben er^äl^Ueii Begeben^ten, fonbem nut in uti* 
eigentlid^er SBebeutuug genommen »erben: gciftig naöfi 
ge^en, tta(j^for{(t^en sc. bei benen, toeld^e Xudtunft geben 
fönnen S)a« Objeft bem ^artiaip ifl mnify (Neatr. 

= Tiäöt toig nqayiÄQOiv) ; ävu)&ev gehört Wk axqißwg 
bem ^artijip : Lacas ezploravit res repetens a prima 
origine b. b* andl^olenb bid auf bie erflen Snfftnge, nftm« 
lid^ ©mpfäugni^, ©ebnrt Qefn unb be§ Käufer«. 

7) ita^e^ijg aoi ygaipai xfi, toie id^ f^on bei einet 
anbem Oelegenbeit gezeigt l^abe, nad^ bem Aonteit aud« 
julegen im 6inne von : naö) ber 3^i^folg« befd^reiben, 
fo bafe ber ©tjaußi üft mit biejen SBorten bie 2lbft^t funb* 
giebt, in feiner @<bnft bie (foeignifie in d^ronologif^et 
Orbnung bataußellen. 9tur ftnb Riebet jmei Slefitittionen 
anjubringen. 

a) S)ec Sltt^bnul m&9S^ im be^ei^neten 6inn i^ 
ttidl^l )u Steffen, fonbem loon bem 91an beS Snlad 

üerfte^en, bemjufolge er bie '^\)ai]aä)en im ganzen in 
ber ^Jteit;enfoIge erjä^lt; iüie fie gefd^e^^en finb: ©ebutt 
be« iBottöttferd, 0ebuvt ^efu, itinbbeit, bffentUibed auf« 
treten, 9öirffamfeit in ®ati(äa, bann in 3erufa(em, Sei^ 
ben, Sterben, ^uferfte^ung unb Himmelfahrt. @ine fßtx» 
gleid^ung bei^ Sutadeioangeliumd mit ben beiben anbem 
6)^no)}tifem Üellt aulerbem in mannen Ibfdi^nitten bie 
(^n^altung einer genauen d^ronologifd^en Drbuung ^er- 



ij- i^ .o l y Google 



396 



auS; <0 f4tt>e6t und nameiitCi«!^ bet 8eri4^t be0 Sufa« 

ü6er bie freier bed Slbenbrnal^ll (cap. 22) t>or Slitgen. 

b) j^iifa« felbft berücffi*ttgt mit bicfen SB orten 
iebenfaüd nu^t ben fStaiiißui, aU ob et bieiem oegen« 
Mev bell Vorzug größerer 4^tonolooifc^er Xnorbnung 
beanflixed^eti tooDte; fet^i \m\)x\ä)mii^ bagegen ift eine 
Setugnal^iiie auf bie ilrbeiten ber „fßitUn"^ 

8) mt betitBorteiiiii8.ifyTid^t RcbSufa« nodftübet 
ben näd^fteit ^md feiner St)angeIieH aud: bamtt bu ftar 
erleimefl {intf¥^) bie (Bemtft^eit, un|tt>eifel^afU Sßol^r« 
^t^) bet Oegebeu^eiten {tiSm Uym), über toeld^e bu 
im münblic^en Unterridl^t Aunbe vernommen. @d ift auf- 
lUUfen &o intfv^ fv«^2 %u^v kofm^ ntfl cSr Mm^xil?- 

ff^ äüg>al8ttt¥. 6o fdnnen toit ben ganzen ^ro« 
log bem 6inne nad) fotgenbermagen überfegen: 

Sllad^bem fc^on \>itU eine georbnete S)ar{ieSung bon 
ben unter nn« ^nr SoOenbung gefommenen Creigniffen 
auf ©runb ber Überlieferung berjenigen, toeld^e Don Ein- 
fang an Stugenseugen unb ^Diener bed äBorted gemefen, 
ffU geben üerfucf^t l^aben, fo miO au4 Sf^^^ <v* 

greifen unb bie ^t^atfac^en ber |)eiUgefd^i(^te ber Orb* 
nung nacb befd^reiben; i(b fd^reite an bie ^udfiilj^rung 
biefeft Sorl^abeni^, nadbbem aOem bnrcb fovgf Altige 
Srfunbigung bei benen, Treidle Slu^funft ju geben in 
ber £age maren, uadj^gegangen bim SKein ^efheben i{l 
l^iebei }nnfi<j^fl barauf getid^tet, ba| bu, (od^ebler (er« 
landetet) Xbeo^[?iluS, bie un3meifelf)afte 9Baljr^eit ber 
Segebenl^eiten, x>o\\ meieren bu im Unterricht l^örtejl, 
mit i9oSeT Alar^eit etfennen mögefi. 



1) iBgl. $at)n 1. c. <9. 80 unb Yolgata: TdriUtem. 



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8ttt «bfoflungv^jeit ber j»)no<)t. (^üg. u. bet «pflcM. 397 

Wiä^i bie r^gelmä^iiie 5(nlaqe bicfer ^eriobe, meld?e 
ben furjen ^rolor^ mit einem ^oc^bebeutfamen Qnt^att bil= 
bet, Otti^ nidl^t bie äSa^l einzelner äßorte mie catQgßwg 

nagaxoXöv&elv, xafioi i'do^e (tjgl. r^iMoa yQa(p€iv Thuc. 
I, 22, 2), foiibern bie auffaQenbe ^ermaubtfctiaft ber Q^c^ 
battlen bestimmt mvöf, meiner Übev^eti^ung Sudbrudf ait 
hieben, ba6 fiuta« mit ber ftafpfci&en fiitteratur, fpejiett 
mit bem 2Berfe be^ ^^uh)bibcg befaunl mar. ®anj nad^ 
älvt ') bed oefeiertfien ®ef4i(^tf(^veiberd ber Wten mitft 
)Bufa4 Suerfi einen iBIid auf bie Vergangenheit unb 
{pri4;t ftd^ in unnac^al^mlid^er Mx^e über bie bii^(^erigeu 
Utterarifdl^en <Srf(^etnungen auf bem 0ebiet ber tt>an%ts 
lifc^en ©efd^id^tfc^reibung and, bann über bie ton xf^m 
felbft f^emad^ten 3Sorftubien unb ^Sorbereitungen, über bie 
Aufgabe, bie er fetnerfeit« ficb gefteUt^ übet bie SRet^obe 
ber Hudfü^rung unb ben ^mä feiner ^atfleDung. Ob 
£u!aS biefeu Prolog aU eine Einleitung nid^t hioi jum 
dbangelium, fonbern aud^ )ur älpg.^ ja bieSei^^t nod^ 
fftr ein btitteiK SBerf, in »eU^em bie im Swn^ Uyog 
begonnene ©eft^ic^te ber cbriftlicben i^ird^e fortgefeßt mer^ 
ben {oUte, bmö^iui ^abe, eridj^eint t>oö^ {e^r ameifel^aft; 
gerabe biefe Suffaffung bfirfte fafi in erfter Sinie bie 
falfd^en Slii^Jtcguugeu bei? ^rolog^ üeranlafet ^;aben, meil 
man aud ben äBorten bedielben eine birette unb unmittel« 
bare Se^ie^ung axi^ auf baft §tt)eite S8etl j^eraudlefen 
molite. ^Der ^rolog leitet u. Q. blofe ba<§ (ft?angelium 
ein» SOeuu l^utaA nimmt bariu^ toü tx>ix bolb fe^en mer« 
ben, einerfeitiS auf SDtatt^Aui» Sejug, anbeterfeitiS auf 
äJlarfui^ unb mele aubere bem ^^artui^ ä^ulic^e ^ox- 



1) S^9b. I. (befonberil cap. 22.) 



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398 



»elfev. 



ganger. 2)iefe aber l^aben atte nur @ t a u g e l i e n { r i f = 
ttn t)tx\ait itt hm Sinne, hai j^eben, Reiben, Stetben 
iinb SetfUtung Sefu C^vifU (el^anbeft n^ot. 5Da Sitlail 
im Prolog feine iUbeft mit ben Schriften ber jtüeiten 
Älaffe (3J?arhid 2c.) in parallele ftettt, fo fann er anä) 
nur feine dDangeltenfct^rifl im iLuge gehabt baben. 5Da6 
£ufad f(i^on bei 9[bfaffung ber testeten bie ^ortfe^ung 
feinet SBerüi^ über bie oon feinen Vorgängern gezoge- 
nen ®rett}en (inaud in einet }n>etten 6<l|^nft im 6inne 
l^atte, brandet batum ni^t geleugnet |u merben. C0 ge« 
nügte aber, t»on biefem ^tan am ©d^Iii^ M ©tjange? 
Uumd eine llnbeutung geben ober im Slnfang bed ^mei« 
ten SerfeiS ben C^otaftet bet Xtbeit üU ^ortfe^ung ju 
betonen. 2uta^ t^at Ic^tereä cincrfntö mit flaren ®or; 
ten (Act. 1, 1), anbererfeitd in ber äßeife, ba6 er ben 
{u¥§en 6d|^ltt6beri^t bed ngwog koyog an ber 6pi|e 
be* §tt)eiten Bliebet in ermeiterter ©eftalt mic berauf nal^m. 
äiber toix toolltcn ^»auptfäd^lid^ toon ben Äonfequeujen 
reben, meldte fi4^ am bem Sn^alt bed £tt{ad^olog0 
fürben@egenfianbttnfverllnterfud^ung ergeben. 3netflev 
£inie fommt in 8etrad^t bie bcftimmte Unterft^^eibung, 
oeUbe £ulad jmifd^en bet noQadooig bet utfprängli<ben 
Xngenaeugen nnb ben Setfenbet „Sielen" ma^t: le|s 
tere ^aben bei ibren Slufjeid^uungen au^ ber OucHe ber 
apoflolifc^cn TtoQadoaig gefd^öpft. S)er (^oangeUft feftt 
feine Sltbeit (huti^ xofwl ülofer) in ^atallele }u ben 
fefunbären SÖerfen ber „Stielen" unb rei^t )\iu 33uc^ in 
bie ülaf)e berfelbeu ein; er fonftatiett bamit in aUet 
gotm^ baft et, f elbß au^ fein üugentenge bet Sdegeben* 
Reiten, (eben ba0 trifft miebet nur betteffS be0 Cbonge« 
liumd |u!) in biefet Slrt ber gefd^i^^tUd^en ^arfieUung ber 



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gut 9[6fafjung«iett ber f^nopt. (Sog. u. ber ^()0e{(^. 399 

cDangelifd&cu ^^atfad&en eine gröfeere 2(n§a^l toon SSor« 
flängern ^abe. ^tOerbing^ nimmt ^uta^, mit biefen auf 
9lei4e £iiiie fU^ ileHenb, boc^ fofott einigen S3ot|ttg 
für ftd^ in Xnf^mui^, inbem er etffärt, bag er toeiter 
aud^ole unb auf bie Slnfangdgefd^td^te (©mpiätujuiiS, ®e* 
burt Sefu) lurüdge^e, größere SoUüdnbigleit angefhebt 
l^be unb bie burd^ forgfältige ^IRad^forfd^ung erfitnbeten 
(Sreigniffe im ganzen iii cbronologifd^er Orbnung ^ur ^ax- 
fteEung bringe, ^ie äBerfe ber „fielen" fiub verloren 
gegangen; tote finb ba^er nid^t imfianbe, |u unterfucben 
uub eutjc^eiben, in tüclc^er ®ci[e bic Tserfaffer ber* 
felben nä^erl^in bie apoftolifd^e naQotdoais bei ber Sin« 
fertigung i^rer 6(briften benü^t ^aben; aud^ barüber 
nnnen mir ung feine unmittelbare 9mi%\ftxt i»erf(i^affen, 
ob fic bei i^ren 2Iuöfüi?rungen nur bie münblic^e 
nmQodoaiß ber Slpoflel Dermertet b^ben, {o ba| fie bag, 
loag biefe in ibren münblid^en Sortrdgen er^d^lt l^atten^ 
niebcrfc^rieben, ot)cr ob [u auö) eine fd)riftlic^e 5Tß(;a; 
doatg fi(b 5u nu^e machten, dlux üon einem einzigen 
ang ber Qafll ber „SieUn", biefer iBorgAnger beg Su« 
fad, fönnen mir mit aller 33eftimmtl;cit behaupten, bej». 
bemeifen, ba6 i^m bei ^ilbfajiuug (eined ^erled audft 
eine f<briftti(be naQodoatß loorlag; biefer anns demnltis 
ift SR arf tt g. Sba9 lebrt fein Ct^angelinm. Smar ^aben 
toir bie Eingabe ber Xrabitiou über bie na^dooig bed 
betrug b. b* Aber bie niänbli<ben Sortr&ge beg gelfen^ 
a^poflelg alg ber erfien unb ^au^tquele ber Xufjei^nung 
bcd 3}iarfu§ angefid^lö bc^ (£^arafter§ ber ©tiangeliens 
f^rift ali^ burcbaud glaubmürbig ernannt; aUeiu bie 
Xnnabme nur biefer dHnen OueOe genfigt ni^t , um bie 
(Etgentümlidj^feüen bed (^oaugelium^ 3U erklären. %or 



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400 «elfer, 

allem toerfangt bie ^Befd^ränfuug ber auf bie 

galiläifd^e äBtvffamfeit Sefu eine d^n&tttitg. & f^at 
bo(^ ^etru«, bicfer (eDorjugte Äugenjeuge ganj fidbcr 
in {einen münblid^en Vorträgen ^cm oielfad^ (i^rifti 
Xl^aUn unb ^eben in S^uh&a n^i^it, ^. bie Teilung 
bed 38jä^ri()en SttanUn, bed Blinboebornen, bie Stttfer« 
h)ecfung beö ^Ba^arib^ unb bod) enthält Ü}Jaituö iii(^t^ 
bat)on. ^ad begreifen mir nur bei ber ^nna^me, bag 
SRatfud an^ev ben münbli<l^en S^orttAgen bed ^etruil 
noä) eine fc^riftlid^e Ouelle benü(jt unb naä) il)x fid^ bei 
^ufnal^me be^ 6top gerici^tet, um foi(^er (c^rifttid^en 
H^otlage miQen ftdl^ gemiffe iBefd^r&nfungen auferlegt l^at. 
5Diefe Sorlage !onn aber nur bie (StKtngelienfd^rift be« 
aWatt^äu« fein. 3)fnu ba^3 ift burd^ ba« dbriftHcbe 
tertum am befien bezeugt; aud ber ber ^ojiel 
(aben nur ^mei gef daneben ^ SRatt^Aud unb So^anneiS, 
unb itüax perft 5DiQttl?äu« ^Sein ©Mngetium wax, 
to'u mit oben geigten unb toie audf bie balb ^u erör- 
tembe I6enft(ung beweiben burd^ ben umiB 3a^ 68 
fd|?reibenben Sufa« heroeifi , jur Seit/ ba SWarfuö fcbrieb 
(66 — 67), fd^on oor(^anben, unb fo fonnte biefer fie ju 
ber mfinbUcben noQadoatg bed $etrud ^tn su 9late ^ie^ 
^en. 6omit werben mir ju jener 9)emer!ung bet Xra^ 
bfton über bie 2Iufsei(^nung beö 3Jiarfu!^ wad) ber münbs 
lid^en $rebigt $etri unter fpe^iefter Se^ie^ung ber ^uiS« 
fage be8 Sutad auf SRartuiS nod( ^inpfügen mflffen: 
SDlartu^, einer ber „Stielen", jc^iub sugleid^ bemgemäfe, 
»ie (ita&ias) ber urfprilngli4^e ^ugen^euge unb 5Dtetter 

1) «gK II. ^ett. l, 16. 

2) 3ot). 5; 9; 12. 

3} «gl. (tü\ibiüS, St^. Vi, 25, 4; III, 24, 5. 



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Qat Kbfafiu]t09|eU htt i^noi^t. dog. u. htt 9^)0cf(^. 401 



be^ mxM, mattf)ävi&, bie (Ereigntffe fc^riftli^ überlie« 
fert ^at. (Hne ^inbeutttn^ auf ben fpftteten Utfprttng 
ber aH^artuiSfd^rift im Oetgleid^ au bet M SRttttl^fttt« 
cntl^alt tool^l aud? jcneg üiel fommeiUierte Urteil bes^ 
^optod bei 6uiebiud, bai^ auf ben ^redb^ter (» ä(po« 
fiet) aol^anneiS ^utüäqt^t: „^aOia, bet (filMftli^e) 
3nterpret be« ^^etru«, fc^rieb nac^ ben münbUc^en S5or= 
trägen biefe^ 5lpofteU bie 3^^aten unb Stieben be« ^errn 
Hiebet^ jebod^ nkj^t in Otbnung" S)UTd^ bie legten 
SEBotte fann ber fd^riftUd^en ^arfleHung M VtoAni 
niä)t jebe Orbnung abgefprod^en merben tPoQen, ba bie^ 
f elbe gan) ougenfcf^eiiilUi^ eine f oUfte auftoeifi ; bet @inn 
bet Sötte lann nnt bet fein, bie Otbnttttg (ei SRatAtd 
fei nid^t biefelbe icie bei einem anbcrn ©cangeliften b. ^. 
bei äRattl^duiS^ bem einzigen, bet aU Slugen^euge ge« 
f «lieben ^at, el^e SßariuS feine S^tift bnm>on{ette. 
5Do§ eÄ fi^ an bei 6teIIe um einen S3erg(ei^ be^ 3J^ar-- 
tui mit ^att^&ud ^anbelt, ergiebt fid^ aud bem Um- 
flanb, ba| int unntitteOaten Sttfammenl^ng tDitilidft 
SWatt^äu« genannt ift. ^er „^rc^b^ter" Qo^anne« 
(ober ^apia^) fann aber, trenn er fo bie 6d^rift be^ 
fOtatba na^ einet Siufieid^nung M SRatt^aud gemeffen 
tinb Idtifiett l^at, nut eine tottHic^eCl^angeUenfG^r ift 
beg SJlatt^äu«, mä)t etroa blofe eine „©prud^fammlung" 
bedfelben im SUige ge(^abt ^aben, oa bie SetgUi^ung 
einet «.Steben unb X^en* batfleOenben 6dfttift mit 
einer nur „9teben" eiitl^alteut)en 6ammelfd^rift bon vorne- 
herein unjutreffenb märe, ^ei eigener Prüfung ber bei« 
ben doangeUenf^tiften gewinnen mit a(et ftbet bie 9(6» 



1) tufebiud, % ni, 39, 15. 



26 



402 



^fingigfeit bei» StavCui l>oii aRatt^aud \>ott Oeioü^ett 

unb befonbcr« bei forgfältigcr Prüfung bcr beiberfeiti- 
gen ^eiben^gefd^id^te : mir lieben l^etüor ben ^eci^t über 
bie Xbl^attitiig beil ^af^amn^Ieft^ bie ftonfefcatioit ben 
Rtläfe&, über bie @ntlart)ung be« SSerrdtcrS, über bie 
SBeiffagung 3efu bettep bet läSerleugnung bed il^etrud, 
Aber bU Xsgft 3e{tt am Clbetg^ bie 8et(a«bbiii0 bot 
bem S^nebrUtm^ bonn i»i>t $Äittti: eine flberei«|Um« 
mung ifl l^ier überall tor^anben in ber 6ad^e unb in 
bev %om, unb bie giiiontäi be« SRatt^äud, »ie Ti^ 
balb setgen toieb, nnt^etfennbot. 

^ier junäd^ft nod^ eine 2lntn)ort auf bie grage: 
l^atiBufaS feinerfeitd bie Sluf^idftnungen ber fielen" 
bei Hbfaffung feined Cbongetiuntd benfiftt? S>ie ^a%t 
ift mobl in bejal^en. S)enn toenn er überall forgfdlHge 
Slad^forfd^ungen angefleQt ^at, toavm ^ätte er bann ge- 
Tabe biefe0 äRotetial, fo tt>eit et ee toenigfiend |ut dt« 
teid^ung feinet 3^'^ btmtd^bot fanb, nid^t mmetten 
foQen? üine ^ontroSe über bie ^tt, xok er bais tl^at, 
an vM tti^t nii^idl^, »eil bie Wküt t»etloten gegangen 
finb. 9tttt l^ftd^tli^ bet »eijie^ung M §tt ben i^Sie» 
ten" gehörigen 3}2arfuö buid^ ßufa« l^abeti mir üoHe ®e« 
tpil^eit. Sbie ^enü^ung tritt ia gan| beutlidl^ ^ert)or in 
bem Xeit beg SnbifleDangelittmiS, in mU^m bie gaU* 
ttifd^e aBirfJamfeit 3efu gefd^ilbert ift: 3, 1—9, 60: 
l^er l^&lt £u!ad fafi burd^toeg bie Sfteil^enfolge beS ^lat^^ 
bt^ in bet (it|ftblung ein. 5i)et Xnfd^lul an iRatbid 
in biefem Zeil ifl auc^ fafl allgemein augegeben, ebenfo 
ba& e^ fid^ nur um eine Slbl^ön gigfeit be^ £u!a^ t>oii 
ai^lattug ^anbeln (ann, nid^t umgefe^tt. Slllein man 
batf nun ni^t^ mie gefd^elften ifi, einf eitig bie Sbi^gig* 



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fett bed ißufad t)on ^arfuS betonen : bad n)äre fd^on 
in Xnketra^t M (SJ^aXtM bev lulanlf^ fieibtnil« 
gefc^ic^te oetfe^lt, toel^t M betXntio^nie blog fold^er 
^bl^ängigfeit ein t^oQenbetei^ ^ätfel bliebe (t)gl. unten). 
Cd ifi I^iii)ti|iiffi9eii : augev beii f ebinbfttcii 9Q3et!e« bet 
«.Sielen'' ttnb f^e§ieK be0 SRatfniS bat iviaA oit^ ben 
3}^att]^äuiJ üerinenbet. ^iesS beutet ber ©tjongelifl 
felbß iDieber an, inbem et in beflimmtet Untetfd^eibiutg 
t>OK ben Xttfaei^nungen bet «.Sieten" anf bie irflietlie^ 
ferung ber urfprüugli^eii Slugenjeugen'' l^intoeifl unb 
tpetter fagt, bag aud bie{ei aU i^ret OueEe bie „^ie^ 
Un" gef^dpft, ba§ biefe ftbetliefetnng abet on^ i^ 
felbfl ime feinen settgenöfrt^en SRitct^rtflen (aU ©emein« 
gut) t7orgelegen fei: wx&ws naqkdoao» r^t^lv oi an* 
a^g v£%6nutu äRon menbe nUbt ein, mit biefen Sßot« 
ten meineSnfa« nntbie mUnbli^eftbetliefetnng bet 
2^po^tel; bieje meint et allerbin^^, \da^ {c^ou ber^lus 
tat oi amomog mü vm^m, abet ni^t fie a II e i n. 
fonbetn awb bie fd^tifttii|e naifaäoats M SRatt^dtt», 
Söetpei« : eine Prüfung bejg i^ufaöei^angeliumö füf)tt ju 
bem fidleren @rgebiii^, bag ber (^oangelift neben fßtax* 
ha bie 6^ift bei» äKattböud beige^ogen (at Xm ongen« 
fättigi^en mac^t fi^ ba« in ber «ßartie 6, 20— 8, 3 be» 
mertticb. j^toti @r§ö^iungen ftnb ^ier bem £ufad aud< 
f^biieftlidft eigen: bie »nfetmedung bed 3flnfiliii9i^ bon 
9lain (7, 11—17) unb bie Salbung but<b bie 6ftnbet{n 
(7, 36—50). 3n ben übrigen Xeiten bie{e^ Sibfc^nitte^ 
ifl bet älni^luft bed £utad an äRatt^äud untoerfennbat ; 
befonbetd etrtbent 6, 17—49, Setgptebigt = fOtaitif. c 
6—7; babei fte^t bie Priorität ber S)ar(leaung be« 
SKaUbäud feß unb i|t aagemein zugegeben. Hud^ 7, 18—35 

26* 



404 



Oetfrt, 



ift \cl)x luftviiftif. Sßetter^in tritt bie Sibmeictuug De^ 
£ufad Don ^^ar^ui^ unb Die ^b^^öngigteit Don ^^att^äud 
loiebet^olt in beut fogetiaiiiiteii 8leifeben<bt 9, 51 — 18 
— 20 fdj^arf ^ert>or. 

5{)emnac^ fteSt naä) ben eigenen ^iibeutungen 
M &utaA in feinem $tolog bod ^erf^aUnid bet brei dnan* 
gelifien %u einonber fogenbetmalen ^ttanü. ^Qt^f^Haa 
f)at aU erfter gef^rieben, unb iwax eine (iDaugelien« 
{dt^rift^ uaä^ a^m unb unter ^enügung berfelben ^SHax- 
tui^, bann folgte £tt!a», bet beibe bot itd^ ^atte utib bei 
ber 2lui5arbeitung feiner ßoangelienWrift benü^te. Slber 
freilid^ biefe ^enü^ung ift eine freie unb {elbftänbige ; 
nid^t feiten etfdj^eint uni» biefe eelbfiänbigfeü bed &ataü 
auf ben etfien fLnhM faft beftembß^. 5Da9 ifl befon« 
ber!^, lüie fc^ou berü^irt mürbe, ber Jvall in ber £eibenö= 
gef^iid^te. äBä^^tenb getabe ba Mattm bem ^SSUU!iäu» 
foaufagen filt Gd^titt folgt, »ut baft et metfl 

etina^ tüx^t, l^ie unb ba aud^ mit Sflüdfic^t auf feinen 
QtDid ^udlaffungen madfit ober aud^ einmal eine Üeine 
Ctmeitetung anbtingt, loeidftt 2vdaü in bet S>atfieIlttn0 
bet SeibenSgefd^id^te fe^r häufig ab, ttjobei man mel^r 
al8 einmal erfennt, ba6 er feine beiben ^^orgänger be= 
tiUffid^tigt unb beten Setidftt etgän^en obet in ^eUetei» 
Sid^t fleOen toiU. fei ^iet nut an ba0 9tefetat be9 
fiufag über ba^ ^^^afc^amai^l unb bie ©infeßung ber 
(^ud^atiftie erinnert, m mix allein bei ^ulad einen giem» 
ttd^ flaten <ün6lidC in ben Setlauf bet ganzen ^anblung 
gewinnen, namentlich auc^ über ben 3*^i^pii"^t, in voeU 
c^em gefu^ bie MoxU 22, 18 gefprod^en ^at unb in 
tt)el(^m bie Sntlatoung M Senktet« etfolgte (22, 21). 



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Sur «bfaff ungia^t Ut f^nofit (Svg. u. bec tipflcfit* 406 



C^otaUeviflKct^ ifi fetmet ber 8etidftt bed SMaM Aber baiS 
Vet^ör Sefu \>ox ^^UxM, m bev ißefet beti CHnbrud U* 

fommt, ba6 ber Stangelifi bie grage bei 3}latt^;äuS — 
mattu» : »Siü bu bet Aditig bet Suben'' ? (SRatt^. 27, 
11 ; SRotf. 15, 2) etnaten iiiib beleud^teti mill bur^ bie 
Singabc ber 2(nf(agepun!te, tpeld&e bie 6pncbriften gegen 
2lefui$ oorbrad^ten (23, 2): „^S^it ^aben biefen evfttuben 
att einen, ber itnfer fßült Derbre^t ber mt'fytt, bem itoi« 
fer P geben unb fagt, er fei G^riftuö, ber j!önig". 
(Enbli^ fei no6) aufmcrffam gemacbt auf ben ^erid^t 
ber brei @9no)>ttter über Sefu SBSeiffagung betrep ber ^e« 
rufalem unb bem Zent^el be)>orflel^enben 5tatafiropl^e. 
SHatt^aui^ f^reibt : .3öenn i^r feilet ben Kreuel ber SBer* 
»afhing am (eiligen Orte" » imZempel (24, 15); 
SRarlttil: „Sßenn i^r flel^en fel^t bie (Srenel ber 9er« 
tpüflung ba, mo eS nid&t fein f oll" (STTovovSet; 
13,14); £u!ad: „äBenn ibr febet, mie S^rufatem oon 
JMegdleeren umsingett »irb, bann erlennt, bo§ bie 8er« 
müflunc] na^e ifl" (21, 20). Un^eifel^aft i% bafe f)iex 
^aii\)du^ ben urfprünglid^en SBottlaut giebt, mä^renb 
äRarhuB unb £uf a« im gntereff e i^rer an bie ))ro))l^etif4e 
€))ra$e bei» 91.%. nid^t gemöbnten £efer eine fleine^nbe« 
rung bei^ urfprüngli^en äBortlauteS vorgenommen b<^ben; 
man erlennt aber aud^, ba| &via» fi^ meiter entfernt 
nnb ba§ et am fpftte^en unter il^nen gefd^rieben l^t in 
einem Slugenblidf, tro bie ^rop^egic in ©rfüflung pi ge^ 
l^en anfing ^). (SMUd^ ifl Uicbt erficbtlub/ ba^ berarttge 



1) äRan beachte nod) befonber^ bad befannte o «llvoj'tyvaxr- 
xcüv voflxw. ba§ bei 9T?Qtt^äu§ fid) auf bie 5)amclflenc bejiel^t, 
bei SRattud abei, bec bie SaniclftcIU ocfllftftt, eine anbecc Sc- 



u ij- i^ .o l y Google 



formelle änbcruttgen bie Slnna^me einer ^nüftmig beft 
Utm. hn ^päUun hut^ beii (btc) grünere« notiDciWt 
madftn, einet Benü^ttitg bed SRatt^ftui» bur# SRatfnS^ 
einer ^enügung M ^arhxd unb 3Ratt(/öud burd^ £ulad. 
Die Crieitittnü», bag bie 6a4e {o Ue^e, bringt in immer 
»eitere itreife iinb gerabe bie rid^tige (MUrung bell loß 
fanifd&en ^rologS fd^eint nic^t am ttjeniqflen geeignet, 
biefer Stnfdt^auung }um enbUdl^en ©ieg p oer^elf en. 3^^^ 
nennt ja Snfad nur im oflgemeinen einerfeltl^ bie fefnn* 
bdreu UBtife ber „Stielen", ol^uc 3}iar[u« namcntli(^ 
]^ert}orp^eben, ebenfo anbererfeitS nur bie apofioUfd^e 
ftberliefentng äber(aut>t olj^ne Stomiftaftmod^nng ber 
fd^riftHd^en aoQadcaig bed SRatt^An^ unb ol^ne andbrüdf« 
lid^e Slnbeutung bed ©ebraud^d biefer Sd^rift ober iener 
Serie; oBein eine unbefangene Sergleidl^tiig N(t bie 
8enfi|ung mie bed fpdteren SRovIud fo beft auf Orunb 
t)on Slugeu^eugeui^ajt berid^tenben ^att^äuiS burd^ £ufad 
feü, ttttb ti>a& bie SBetiiel^ung M aRott^ftu« betrifft, fo 
enIlftUt bie bentellrbige SBenbnng: Mu9wg na^Uhaw 
rjiAlv oi an dgxrjs avtontat einen beutlid^en ^ittg^tjeig. 
60 bietet ber lutanifd^e Prolog unter ^oraudfegung 
gleidbieitiger ^rftfung ber brei 6)^no)>tifer bie befie 
l^abe, um fottol^l bie fog. 9J{arhtiSI(^^pot^efe aU bie ©ried« 
bad&'f^e auffteOung (äuerft fd^rieb 9J?attbäu«, na^ i^m 
bann erfl SRorbid) att odttig l^attlod unb unbe* 
grftnbet abintoeifen unb l^inft^tUd^ ber fd^on oben ange« 
führten Bemerfung M alepanbrin. Älemen^ bem be* 
fannten ibidgangiS« unb 6tütpunft ber 0riei»badft'fd^n 

bcutung ei^altcn ^at, bti 2ulai gan^ foctgefaScn ift. Sgl. 64an| 
(ttc ©tefle. 

1) Cufcbiu« fig. VI, H ^« 



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3iif fCbf affttngliett bev fl)ito)»t n. bev tt«i0ef<t. 407 

l^^pot^efe, erleimt mon, baft biefelbe trof^ i^etgettmOeii 

gajfung Me Coangelien mit (Senealodien feien stterfl ge» 

fd^rieben morbcn, nur üom SJ^attj^äuSetoangcHum toerfians 
bell kDetben batf, koie fd^on (S(|ci^fojiomttd rU^iig gefeiten 



1) Chry»oatom. HomiL 4, 1 in Matth. 



2. 



Sod Fiiioque auf beut Z^Ietantttn 447. 



fßon 9itptUxiX Dr. WML 



Unter ben Slften ber toletanif($en @i^nobe Dom 
So^re 400 (Mann III, 097 ff.) erfdfteint aU fioem 
Bttii dne Regula fidel mit 18 Xnatl^eiiiatidiiieii^ Deven 
3u9el^örig!eit §u biefem Ston^ii feit 3a(iTl^unberten be^ 
anfiaiibet iDutbe fotool^l infolge il^et ftbetfd^nft ald auf 
Ontiib i^veS 3n]^atte9. Se|tete9 nametttliiift tDegen bed 
für jene Seit fel^r auffaHenben Fiiioque. 3)ie Überfd^rift 
abet lautet : Incipit regola fidei catholicae contra onmea 
haoreaoo et qoam mazime oontra PriaeilliaDOS, quam 
episcopi Tarraconenses , Carthaginenses , Lusitani et 
Baeiici fecerunt, et cum praecepto papae urbis ßomae 
Leonis ad fialoonium epiaoopom QaUioiae tranamiae- 
nmt. Ipm etiam et supra scripta viginti oanonam 
capitula statueruut in concilio Toletano. 

%M äBiberfyni^doode biefet Slngaben liegt auf 
bet|^. S)ie Sif^öfe ber genannten fpanif^en 9to* 

oinjeu foQen bie Regula fidei entkpotfen unb mit bem 



$^ FilioqiM anf bem ZMüwm 447. 



409 



coniuiB 0ef «jftidt tt>A< naii^ Beo'^ I ep. 15 auf hoB 

^a^x 447 weifen mürbe. 2)tefclben ©ifdS^öfe hätten aud^ 
bie an etfler 6teIIe in ben ^!ten fte^enben 20 j^anoned 
aufflefteOt^ bie fl^er hm ^ol^e 400 an^^^fStau 9m 
ift 9itm mottiS im l^ö^f^en Orabe itnmal^rfd^einlid^, 
ba6 biefelben SRänner von 400 bi« 447 SSifd^öfe gctoefcn, 
unb bad (Gegenteil iß toenidfUitö tat iBe^ie^ung auf einige 
l^flineif^ emiefeu 0/ U'^nn flier(aut>t nocl^ eine« fdt» 

toeifeö bebarf. 

^ie ilberf^rift mürbe beemegen Idngft Don allen 
6eüen ongef ödsten, unb jebet iBetf udlr einer Setteibigung 
unb einet oetnilnftigen Interpretation berfelben ifl nur 
«ein ^enfmal e^egetijcjjer ^Roi uub ^unft", an bem man 
mit ber Überzeugung nu^lod aufgemanbUr i[rbett 90p 
übergebt. S. Slbiller in feiner SRonograp^ie über 
^ru bentiu^ meint: „^cx Söortlaut fagt genau nur, 
bag auf Sefe^l 41eo'i^ jiened ^pmboium t>on ben iemei- 
ligen 3n(abern ber genannten Sibiefen an ben Si* 
fc^of ^alconiue gefc^idt lüorben ifl. Slflein feinc^megg 
liegt in ben aufgeführten ^Borten au^, ba^ biefer ^uf^ 
trag £eo'd t>on benfelben ^erfonen audgefft^rt 
toorben ifl, bie jeneil St^mbolum oerfagt ^aben". Siel« 
me^r fei biefe ^nna^mc burc^ ben mit Ipsi eingeleiteten 
@at auilgefd^loffen avA bem bereite angebeuteten 0runbe. 
SIMIer fü^rt felbfl bag Sesmungene biefer Crflarung, 
aber er meint, mir merben bie miborfpruci^SüolIe Unflar^ 
beit ober Unri^tigfeit ber älngobe oielmel^r i^xm fßex» 



1) «gf. diödter, Der UtWW Dichter «ureliu« ipnt- 
bcntiu« tfUmen« lOrceibutg 1886) 866 f. 



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410 



vuau, 



faf[^<(Q>ot^l nötiget; it^ren ^eif affexn) pfd^eibenmüffen, 
Ott bit anhtmMq fo gut (eotfinbele fbmall^me, ba| 
boS 6pmboIum 400 abgefaßt würbe, aufgeben. (®aj8 
eg mit btefer „guten 33egrünbung" für eine ©etoanbtniÄ 

tokh fie^ im Snlottf ^dgeti.) «Uiib in bet 
mar eitt^rrtiiiii mögltd^, ba nad^ bet begrünbeten 
Sl^ermutung t)on ©arnd ^) bie S<^{fung ber Überfc^rift 
exfi Dom 1^. aRartin von Qraga wc^ 561 l^e^ü(tft^ 
„^ie nnftd^erl^eit bet flbetfd^rift att eine« l^lllotif^eit 
^)ofumente« fle^t jebenfattS aU baS ri(ä^ere Sflefultat ber 
bacitbet angefleaten Uuterfu(iftttii0eii feft'' (91. 367). SS^oau 
abet bann foi^iele SRAI^e, bie Sibetftitft^e but^ (Se« 
öetifd(?e fünfte ju tjerföl^nen? 

I^erfe^lt an ber iRö^ler'idi^en Überfe^ung fd^eint mit 
fd^on bie SBiebetgabe M cum praeeapto mit «,attf Sc« 
fel^P; fo nnnte ex praeeepto flber[egt toerben *), cam 
in ber Säebeutung „auf @runb oon" lüäre erft burdj 
ttn^iDeifell^afte g&Ue |tt ettoeifen, bfttfte abet mii im 
5. Sal^rl^ttitbett beift>ieQoiS fein. 3ubem entfprdc^e UeS 
ber 6ad^(age nid^t; £eo l^atte nic^t eine S3erfenbung t)Ott 
alten Sitten, fonbetn bie Sibl^altung eine« fion^iU an? 

1) Äicc^cngcid^ic^te DonSponienll, 1 («egenSb. 1864), 475. 

2) 9?ad| Angabe ber^allertni 2t9Vl ep. 15 (11,1375, 
H. I. 54, 1333) ^at Cod. Vatic. 1341 : . . . feeenmt ez prao- 
eepto papae orbis Leonis, et ad ßalconium ... — eine Sedart, 
ber man bie ftorrettuc anfielt: auf fSnorbnung Seo'd fei hal^ 
&9mbo( gemalt unb oerfanbt toorben. ^te ^nna^me eined ber« 
loten gegangenen iBriefed bon Seo I tuäre inbeS barum nic^t not* 
toenbig (gegen aSallenni 1. c). Sßenn ber $apfi hai fton)tt as* 
otbnete, fo inbtreft auc^ bie bort anfgefttOte Regula. 9(5er man 
braucht bieje Sui^ilfe nic^t , ba cum pr. offenbar baft Urf{)räna« 
tic^e ift; bag com pr. fpäter ftatt eo; pr. geMtieben Morben Mftce 
ift.anbenitev, ntc^t fo bal (ücgenteiL 



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M FflkMiQ« auf beut Sofetoimm 447. 



411 



deoTbiiet. totfb alfo su ftbetfe|ett feto: «,mit bev 

Änorbnung" (eine 6i?nobc ju galten), tod6)t im 17. 
Äapitel be« SBriefeiä an Xuribiud tootliegt. 5Diefc2 2lu§= 
Mreiben legten bie iBif^öfe i^m etaubendregel bei aU 
eine Srt Segitintation ij^et 8ef(btüffe, aU Xitffotbernng 
an bie gaUisift^en Äollegcn, auc^ iljrevfeit« ein ÄonjU 
}tt mon^Uen. 9lit bem Sludtoege, ba| untet ben 
episcopi nur bie {emeKigen Sn^abet toevfianben unb oon 
ben ^erföntid^feiten abgeic^en fei, mirb 9lö«ler nidjt 
leitJ^t 2lnflaug finben. ©old^e abflrafte ©d^eibung ^rou 
f4en ^etfott unb üwt ifl nübt ^4e bei» WtettnnU; 
e« mfigte, falU an anbete ißerföntt^Ieiten gebaut »et« 
ben foUte, nottuenbig et ab eorum successoribus ^ei^en. 

Sibgefe^en übtigend m bief et fpta4lli<ben 6(btt>ieti0!eit 
ifl bie t)on 9am« unb StbiMet andgefptod^ene Setmutung 
an fid^ l^üd^ft untpa^rfd^einlic^. ^eo I brint^t auf eine 
e^nobe. ilEein w^ifcbof £uribiui^ loon ^ftorga ^at bad 
Don 9<^fi 2eo angeotbnete itonitt bont 3a^e 447 obet 
448 nicbt \)alm\ fönnen"; ber $apft felbft beute jo in 
feinem 6d^teiben mögli^e ^inberniffe an. «,Um menig« 
fleng etmaS gegen bie ^tiBciSiani^n |n tfjm, \4iUttt 
^uribtitg einen 9Cn9)ug and ben Hften ber totetanifd^en 
©pnobe oom ^al)xc 400, barunter au6) bie ®lauben«s 
tegel mit ben 18 Slnat^ematigmen unb bem löefel^fe 
Seo'g, eine 6bnobe au galten [^et toetg K. bie tid^tige 
ttberfefungl , an bie fpanifd^cu S3ifct)öfe, ma^^rfd^ein^ 
U<^ oiub an )6a(€oniud üon 8raga, ^nx Unterfd^rift''. 
Unb biefen Sug^ng l^aben mit nod^ alg Sßten beg So« 
letanu« 400 (368 f.). ob ein ijaibc^ Qa^ir^unbert 
na(b bem ^on^itt oie fpanijc^en ^ifc^öfe no(b feine ^ennt« 
ni9 Don bef(en )öef4^flffen gehabt b^en, )umal menn 



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412 



man mit Stödlev (im Stnfil^luffe ait 9amt) annimmt, ie« 
neiK ))Mb€^pto^m Xftenfifld fei bie ^otmel, beren 3^* 

fcnbttnr; (jum Se^ufe ber Unterfd^rift) ben gaII{3ifc^)en 
»if(<^öfen im 3a^re 400 }u %oUho in älu^rt^t gefteUt 
tDorben ! Xu^ Seo muftte bo^ ^ bie0 evgeben bie an 
feine isoigängcr erftattctcu 33cric^te, bie mir teil« nod^ 
})ahin, U\Ü au& ben ^ntn)ortf(!^reiben fennen, mit Stehet' 
l^eit — att4 t>on bem toletanifcl^en ibn^it d. 3. 400 
Ihtnbe l^aben. Cd würbe ftd^ aber M^erQ^ auSnel^men, 
menu er bie an^Mid) üon Si^uribiu^ aud ben ^ften bies 
fer fpanifcben @i^nobe entnommenen SInatbematidmen aud< 
fd^riebe unb btefeiS Plagiat fpanifd^en Sijd^öfen attStorm 
ilberfänbte *), noc^ melcf^er bie SSer^anblungen erfols 
gen Ipätten. märe hod^ ba^ einfache üBermeijen auf 
bie ftöbeve e^nobe bad 9latfttliibe, h<a eintige einei» 
^apfte« SBürbige gcmefen. <5)ic Dlejeption ber »efd&ltiffe 
eine« ^onaiU burc^ ein ip&lere« ^ätte jmar nic^t« ^^uf- 
f&ttiged; ein e^mjptom von 6terUit&t ber fpantf<jften 
Itird^e aber wäre e« gemefen, loenn fte mebr aU anbertbalb 
ga^ir^unberte ^inburd) auf brei ©^noben (^Üolebo 400 
unb 447, Sraga 661) nur immer mieber bie alten %ox» 
mein §tt mieber^olen onougt ^ätte. S)ie ftaglid^e $bPO« 
tlj/efe entbel)Tt alfo nid^t nur jeben ©runbe«, fte fü(;rt 
aucb nemn 6c^U)ierigfeiten. 

6o bleibt benn ni<bt8 ühtiq, äü ben 9Biberf))m4 
in ber bermaligeu gafjung t)cr Überf^rift anjuerfennen. 
^ber foH benn gar ni^t« au« t^r ju entnehmen fein? 
Slu^ dam» (475) mug angeben, ba| bie dnmA^nung bei 



1) Leo ep. ad Turib. c. 17: secnndum hnec, qua« ad tua 
conaulU reapondmui, pienissimo diaqoirator dimiAe. 



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9a§ FiUoqae onf btm Xoletamtm 447. 413 

$apfited £eo I auf eine fpölece 69iio)>e ^inmeii^t, frei» 
iittt, um nad^^er eine foU^e fftr CrU^tmig §tt er« 

flören. 3}iag aber 3Jlartin Don SBracara bic Slften ber 
6pnobe t)on 561 mit poetifd^er l^i^en^ rebigiert traben 
(®amd 457), loie man benn im ^erid^te Don ber Aber« 
fenbung ber5(onstIiSaften gerabe an ^alconfng Don $ta« 
cara eine garbung erbliden Un\iU $u dunfteu biefer 
6tabt, toeldfte bad gan^e 5. ^a^rl^unbert Iftinburd^ aU 
SKetropole erf feinen foDte^ »ad fle nid^t toar: ber9lame 
fieo'jä ift einmal ba, iinb ba^ aud) er erbietet morben träre, 
ifi bod^ eine }u getoagte ^e^^auptung, t>a ein (^runb für 
foUfte €rftnbuug nid^t letdjft angegeben merben Unnte. 
Sßenn SÄartin fic^ einmal auf« 2)ic^teii üerlegen toollte, 
fo toäre eiJ i^m, ber ja bie 6ad^e gut ©erflanb (®ami& 
457), tDOl^l ebenfo leidet gemefen, einen ^opß auis ber 
3eit um 400 ju erflnben, ber feiner Xenbena nur nod^ 
förberlic^er gemefen märe. S)ie betreffenbc Stelle im 
^on^il oon ^raga ma^t auf mtdj^ im idegenteil ben (&iü» 
brudt ^florifiber ®(aubtt)ürbigfeit, fte ifl mir ein 
nii, ba6 ber legte ©a^ Du Überjc^rift (Ipsi u. f. tü.)/ 
ben äyiberypru(^ erft hereinbringt, bamaU no^ fehlte, unb 
ba^ nid^t äRartin bie {tberfdj^ft formulierte, fonbem nadft 
biefer nod^ nid^t entfleDtenÜberfd^rift jene 9^oti5 geflaltete. 
@r ^at nur beren erflen Sag, ber nod? gar niö)t^ äBiber^ 
fpred^enbed fagt, mit iLui^na^me beffen ettoa, ba6 ^ri« 
bind aU notarios snae (bed fieo) sedis bejeid^net tt>irb, 
tüobei aber erft gu unterfucfeen märe, Dotarius bort 
^eigt; benn ei^ einfad^ mit i,@d^reiber'' su überfe^en 
(mie 9aM 458) Derrfit f(^on eine getoiffe Xenbeu). 
SBenn fobann ^alcouiu>^ um 415 ^ifd^of mar, fo fonnte 



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414 



er bici^ auä) \xo^ 447 fein 3öaciu3 mar 427 8if(i^of 
uttb toac ed minbeüend nod|^ 469 ') ; ^^(^en biefen bei^ 
beK Xetminen liege« 42 Sol^^ §mif(]^eii jesen Hut 82, 
unb für einen äüeren, angesehenen Sifd)of fprid&t bie 
ä^berfenbung bec ^tiftfiüde gerabe an i\)n. ^artin'^, 
i)tt). ber e^nobe Don Stoga fbm^i ^ alf o nkj^td Uim 
glauhottbigei» , ift eis iitd^t fo leidet au Demerfenbet 
3euge für eine 447 in ^olebo gehaltene 6^nobe. (Sin 

SSHbeTfytat^ finbet rt<b nuv in nnferer fibetfdftnft unb 
§tDat bttvö^ ben 6a^ Ipsi. . . stataeniDt, bev bemnoil^ 

njo^t crft 11 ad) 3)tartin beigefügt tüurbe, tt?ie er benn 
au4 gani einer fpäteren 3utl^at glei^fie^t (Sin @d^rei> 
bet, ber bie ungefA^e ^bentittt ber axa ben Unter? 
f^ften ber Äanone« unb ber Überfd&rift ber ©lauben«* 
regel p entnel^menben ^ifd^ofdft|e erfannte unb bei bei- 
ben 6UU(en ^(ebo ott Ort ber Mfaffung, on^ beibe* 
mal bie ^^citttani^n aU bie beMmyften ^einbe <m* 
gegeben fanb, fonnte Uiä^t bapfommen, biefelben ^er- 
fönlUbfeiten aU SBerfaffer unb bo^Sfelbe 3a^r old daU 
Üe^giS^eit stt betrauten, (nr§, beibe Cbnoben in Cine 
üerfd^meljen. gür cine fpätere Rnred^tmac^ung fprid&t 
au(j^ bie Sirt, »ie bie Regula mit ben ^natf^emotii^men 
in ber botonigefonbten Snl^aitiKangabe M^ieiii^net ifl: 
ival^renb Don ben ^apiteln^ bie oft nur wenige Qdltn 

1) 9egen (0atni 458. tDcr Bei iBami Series episcoponim 
(aHegenftb. 1878, 4«) 98 oui Srtef an XuriMnd befairate 
@epontu§ ifl Möge Vermutung oon OueBneO, tDel<bcr att<b bie 
Sanerini teineSweg« jufHmmen (M 54, 1886). 

2) ^apencorbt @ej(^ic^te bec t)anbalif(^en ^ercfc^aft in 
«ftüa (»ed. 1837) 855. i^fbaciue berid^tet no(^ ben %ob M 
^apfted ^itarius (468) unb bie 9?a(^foIgr bed SimpUciuS aunt 

469, ®amS St.(&. ü. Span. 469. 



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%ai Filioqae auf bcm Zoletanum 447« 



415 



umfajfen, jebeö in einer eigenen ^iummer ef^erpiert xoixb, 
iH ha» &9V^ol unb bie Stnattfematidmen untet einet 
eto§tgeti 9tttmiitet (21) angefugt, (dagegen ifi t)oii ben 
professiones uub ber sententia gar nxäft bie Siebe, »aiJ 
but^ ^ere^' angäbe ecfUict kpicb.) äluf IdeifpieU foU 
4er falfd^r giaxti^ima^vnqtM bei anbeten itoniiUen 
»eifen bie «aOerini (M. 1. 54, 1336) \)m. 

SBie {oQ nun aber bie toon und bem ^on^il 447 
binbt§iette Olaubendtegel mitten nntet bie Sften bet 
69nobe t)om ^a^re 400 gefommen fein ? @ine enbgiltige 
ßöfung biefer grage ift nur bur^ Unterfu^ung ber 
(anbf^tiftli^en iBet(^tnif(e Mgfiä^, unb ftbet biefe geben 
. nn9 glildtid^ermeife bie Sattetini oollgenügettben Inf« 
f(]^tu6. ^araug erfie^^l man, roa§ t>on ber ^e^auptung 
HU galten i^, ba| alle ^anbfc^ritten bie Hbfaffung bet 
Stegel mit bem Filioque im 3a^te 400 bezeugen (KM« 
ler 365). 'iRad) 21uötüei« ber 3Jlanuffriptc marcn in Den 
ur{prüngli(iS;en Sammlungen junäd^fl bie 20 ^anomü 
enthalten mit bet Zeitangabe : Arcadii ei Honorü tem- 
poribns sab die XII Sept., Stilieotie oourale in anbe« 
ren^ff.: aera 438 (= 400), mit ben Unterfd^riften ber 
8if<t^bfe unb bet e^lugbemetbing: fizplidi oonatita- 
tis coneilii Tolefcani. Aamit finb atfo bie f[ften 
ber 6pnobe 400 für gefd^loffcn erüärt, bie 
^anbfdfttiften bezeugen bamit, bag baü^ @9mbol mit bem 



1) 3)arau«, baf; bieö ft^Iet^t^tn ßcfogt ift o^ne «ngobc be« 
tDteüictten ftonjulat^, barf man jc^Iiegen, bag bie B^itangabe 
f(^on üot bem atueitcn ßonfulat Stilic^o'S (405) gemacht würbe, 
al9 man noc^ nit^t ?itt)if(f)cn mehreren ffonfutatcii bc^fetbcn ju 
unterfc^eiben brauchte, ^ad ^a^t 400 ift abtt id)on buic^ Me 
^renongabe geftc^ett 



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416 



Filioque u i t öem erflen ^oUtanum anqebört. @egen 
tiefe urtunbli(|^e %i^at\aä)e l^ötte man niä)i auf bie 
nannte rebtTrieren f oKen, baft tneHeu^t in benurf^tfiiigltd^eii 
^ften bie übrigen SIftenfHitfe ben Stanone^ t^otau^gingen. 
äBir lönnen bo(^ nur an bie ^ften uiu t;a(ten, bie mir nod^ 
fabelt/ anbete ejrifUeren nii^t füx luu». Unb fftt fo geifi« 
lo< btaud^t man au^ ben einfältigßen Sammlet ntiftt 
.^11 balten, ba6 er bag legte Stilrf an erfte ©teile fefete 
uub bann (agte, bie SIf ten feien gu Snbe, um gleidj^ no^ 
ben gtdfeeten Xeil betfelben an§tttei(enf S)agegen gmei 
©pnoben, ireld^e in berfelben ©labt innerhalb eineg 
falben ^a^jr^uubertg ftattfanben^ 5u üeimec^feln, i(l ein 
kidftt möglid^et unb batum Det^ei^Uc^et ^ifiotif d^et Stt« 
tum. „liefet Vemetlung be6 6ammlet9 fann teine 
größere SSebeutung gufommen als ber Überfd^rift ber 
Regula" meint m&Ui (367 >) ttoftbem. iiaein um bad 
Sibetfinnige bet leiteten §u et!ennen finb fpefieffe (ifio« 
rifd^c ^tenntniffe nötig, trät^renb nidfit üiel Äapajität baju 
gehört um einpfe^en^ ba^ bie ^!ten einer ©pnobe nid^t 
gef Stoffen ftnb, toenn ein etfid fettig ifiunb btei etß 
' folgen. 

hinter biefen ^anonei^ mit il^^rer ©d^lugbemerfung 
fie^t bann bie Begula mit i^tet fattfam be^anbelten 
ftberfd^rift; Meit fle (ein S)atum ttftgt itnb ebenfaU 
einem ^otetanum angel^ört, »urbe fie im ßauf ber S^it 
famt ben ^nat^ematü^men }u bem kon^il t>, 2^. 400 
gebogen unb bied in bem ange^Angten Ipn gta« 
tuerunt. . . . beftegelt. ^ie ^ejeid^nung ber SBifd^öfe 
fUmmt aber beutlic^ ju Oer Don £eo ep. ad Turib. c 17 
gegebenen, ^e Stüde 3 unb 4^ bie profeBBionw unb 
Me sententia, fel^len in allen biefeu^anbfd^rif^ 



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%)a» Filioque auf bem Xoletanum 447. 417 

tcu — bcgreiflid} : bie ©ammler \)aiici\ ein prattii'djeiJ 
Sntereffe, fic wollten Äattoitc« für bogmatifdjc unb big« 
)i))liii&Ye Boede )ufamtiieiifteileii, bie me^t nur j^ißoti» 
fd!;cn Partien würben faUen gelaffen. fefl 1576 fonb 
'3. ^erej, ber im 2luf trage beg SBifd^of« üuiroga 
))oii (Suettca für Sregor XIII eine ^ammtung ber fpa- 
nifd^en Aonjttien au^ guten alten ^aubfd^riften Deran» 
Paltcte*), in einem *S. Aemiliani codex allatus ex 
moDBsterio S. Aemiliani de la Cogolla, prope Najaram, 
scripioB anno Domini 962* (tigL tBattetini 1. c. 18d4) 
bie beiben big bal;iu uubcfauiiteu 'Jiummcrn, Weld^e bag 
S)atitm ber ©pnobe t7on Xolebo aera 438 trugen^ unb 
fügte fle in feiner 6ammlunQ l^nter ber Regula an mit 
bem aiidbrflcHi^en Sermerf, leitete ge^e biefed Stonß 
uid^ta an. 2lber x>on ba an würbe fie, tjor^cr alg Sippen* 
bif bei» £oletanum 400 betrad^tet^ ie^t mitten §Wif4^en 
beffen 9(ten flel^enb^ atd tBeflanbteil beSfelben angefe^en. 
2)ie ©c^tl^eit ber professiones Wie ber sententia ifl über 
aDen ^toeiU^ ergaben bur^ bad 3^^^"^^ $aub{(^nft 
unb bie 9loti) bed Sbaciitd §itm So^t 400. (^ne pi< 
f(i^ung, wel^e an ber |)anb biefeg S3er{d?teg gef^e^cu 
Wäre, fe^t einen gröfeeren (gifer für fold^e ^inge üorauÄ^ 
att jjene Seiten i^n bef a|en ; aud^ l^dtte ein g&lf 4ier too^I 
fid^ gel^ütet bie 9RAnner, meldte er im ed^riftflfide felbfl 
fpred^en lägt, mit bem $rdbtfate sanctae memoriae ein* 

}ttffl^ren. ^Dagegen toirb burdft biefen 9eifa( bie Xn« 
na^me einer fpAteren flberarbeitung unumgänglich ; mann 
eine fol(he Qt\d)a\j ift ebenfo unftdl^er aU ed fid|^er i% 

1) ^te oon $erej^ nac^ 9)om gejanbte @amm(ung nai nadt 
Angabe bei ^allerini 1. c. i^rer ^eit noc^ in ber )6aticana 
al9 Cod. 4887, unb befinbet fic^ mo^t ie^t noc^ bafelbft. 

OiMurtoiMcift. 188». ^cft. III. 27 



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418 



t>ai fie auf ^Uiuigfeiten ftd^ befc^cäutte. ^er ^elj^aup» 
tuitg, ba| fte gevabe auf bn Bpwtt su Xobbo 447 

erfolgte, fe^lt jcglicitcr Sln^alt; bagegen mxh mau ©am« 
(478) beipfüd^ten muffen, hex auf Slflorga aU Ort ber 
Stebahion lommt, loeil nur ^iet ^Difttniud aU fettiger 
betannt mar. ^fla^ l^efeCe ((E. 0. II*, 806) ^ätte in 
biefer Statt 446 eine 6pnobe getagt (nac^ einer jUm» 
tu^ unbeaUlid^en filoix^ oon ^baciud, f. u. @. 425). 

6o f{4» atfo bie fibcigen btei SItenWde auf bem 
Xoletanum 400 ücrfa^t iimrben, )o fid^ti ba^ jmeite auf 
bem Don £eo 1 447 angeorbncten Äonjil. 2)ie |)anbs 
fil^ften ffaUtn üe beut lid^ audeinanber, ftbet bei» Ezpiicit 
fommt man nid}i l^inüber. Sieben ber Söorbemerfung gu 
bem 69mbol ifl aber noc^ bad in bemfelben fle^enbe 
Füioqoe bet Wxiai oetDefen, bie Stottbetidredel ind 
447 §tt batieren, ha eine fo frül^e Slufna^me biefed 
fageg ju einem ©laubeni^befenntniS nid^t glaublid^ er^ 
fdt^ien, Mi^in traut fi(j^ ^u, biefe lOebenlen §ttae(ftreuen; 
naäf if)m ifl ^rubentiitiS „bec nUfyt bead^tete, 
aber fel^r ac^tenbe 3^**9^ f^^ Slut^enticiiai ber 
genoiiiiten Urfunben" (194), bamit aud^ für bad Filio- 
qne Dom 3* 400. Sltterbiiigd ein ni^t beadftteter S^ge; 
benii aud^ bem fleifeigeu unb finbtgcn ©amd, ber foroo^I 
für bie 3wö)eifuug beö ^pmboU au ba^ erfte XoUta^ 
nttm feine gto^ dele^rfamfeit ein{e(te, aU au<b bem 
$nibentitti( ein umfangreiche« ftapitel in feinet IHnlben- 
gefc^id^te foii Spanien (II, 1, 337—358) getribmet ^at, 
ift bie iBertoenbbarleit bed 'X>i^Ux^ für biefeu Bmedt ent- 
gangen. Ibei testeten neuefiev Oefc^ii^tfcbteiber aber 
läfet i^u für baiä Xoletanum 400 5eugen, unb biefe« 
loieber ^eugt für ^rubeniiud — eine ^erfic^erung auf 



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9a* FOloqne auf b«m SoUtonmii 447. 419 

(BegenfeUigfeit, ber toix in 9iöiStetd ^ud^ öftere begeg« 
neu ; fo tveim ber Serfaffet bet «^XageMiebet'' ein S^e 

für bic altfpanifdje fiiturgic ift, unb biefe S^^gin für 
bcn ^id^ter ; ober menn au« ber pralti^en Sf^ic^tung 
beiB $mbenthi0 gefolgert n>iTb, bafe er gegen bie attuett 
bebeutenbe ^ftre^e ber ^«cflHaniflen polemiftre, unb 
anbererfeitd au« biefer feiner üe^erbeftreitung miebet 
fein ptaltifcfted (^ri^ntum etl^eltt. 

^efer angeMi^en ftbereinfUmmnng beil genannten 
2)ic^ter^ mit hm fttittigou 6^mbol flehen ebenfo erl^eb* 
ti<(ie SOiffetenjen gegenüber^ mie eine bemnäcbft ju public 
lierenbe Untetfn^ng bei» n&l^eten rnui^meifen mitb. (Sü 
fommt §. ^. bei ^rubentiuö ttjeber bie üon Slnfaug an 
toegen beg gormalprinjip« beg ^rii^ciUiantSmug bren« 
nenbe St)>o{r9))^enfrage gut Qpiaä^, md^enb ber 12. 
Snatl^ematiffntttg energijd^ ju berfelben Stellung nimmt ; 
no6) au6) fielet ^rubeiitiud bejüglt^ ber attegorifc^en 
Si^riftaudlegung auf bem Stanbpuntt ber bamaUgen \pa* 
nifd^en Ortl^obo^ie, totetme^r {Hmmt er im (9ebanfengang 
toöflifl mit ^ri^ciUian, bem angeblich toon ibm uuabläfjig 
beiämpfteu ^arefiar^en, beaügltcb biefer grage überein. 
^itx interef fiert uni» nur feine £el^e bom Sudgang bed 
^. ©cifted, burcb bie er für baö Filioque jeugen foH. 
,,2)iejeiö 6(^ibbolet(? öer Drt^oboyie ifi beim S)icbter 
gang unb gftbe, er braucht ben fragU^en SludbrudC in 
auffallenber fBeife'' (Rödler 365). 6o fie^t 9iödler Tt^ 
p ber ejrage üeranlafet: ^SBurbe bag Filioque gerabe 
aur 3eit unb in ber {^eimat bed 5Di(j^erd »irtli^ in fo 
auffaHenber Sßeife betont, ba6 eg in feinen 6d^riften nur 
aU fijiertc^ Cfcbo erfc^eint" ? — eine S^age, bie er ent^ 
fc^ieben beja^^eu bürfen glaubt, unb er i{i glüdlidj^, 

2?* 

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420 



fBttiMt, 



baburc^ 3Hr 0Hb(]üUii]tu ;^i)fung ber 3^^iW über bte 
OlaubeniSregel einen koefentlu^en IQeittag ^vl liefern (363). 
9tttd^ fötalen Xeben Unnte man meinen^ bei ^nibentiud 
bräuge ein Filioque ba3 anbete ; t^attä(^Li(^ finbet fic^ 
biefe äßenbung bei i^m nid^t ein ein^iged maL 
di&üUx felbü ffoX aud^ nvä^t (üne Stelle gefimben, too 
biefeS „©d^ibboletV tüörtttd^ erf(^iene, jonbern nur 6tel= 
Icn, tt)cld&e bie betreffenbc fie^re vortragen, roorin aber 
$rubenttiid ni^t bei (fofle ifL S)ie mid^tififten eteOen 
ftiib ffati^em. 6, 5: 

0 trinifcatis hujus vis uoa, lumen anum, Deas ex 
Deo pereon», Deus ea uirogue missua, 

Sbb. 4^ 14 f.: Begnat spiriiafl ille sempiternufl 
a Christo simul et parentc missus. 

(gbb. 5, 157 ff. : Per Christum. . . qai noster do- 
minus, qui kms iiDicas spirai de pairis eorde paror 
eliiufiu 

^amart. 931 f. : .... 0 Dee Christe cuius ab 
ore Deus eubsietU epirüits unua, 

i,8Bit finben ben 5^id^ter in t)oIRommetter flbetein« 

ftimmung mit bem d^riftlicben Slltortum, ba« an feinen 
{ac^li^en SS^iberfprud^ amiidt^en ben beiben gonneUi in 
8e§it9 auf ben SniSgang bed Oeified : ex. patre filioque 
unb ex patre per filium Qcha(S;)t ])ai" {diöüci 362 f.). 
9Bo[;l, aber gerabe menn ba« (j^rifllid^e Slltertum fo einig 
i^, büvfen tDir be» ^rubentiud £el^re nidftt fo eigentftmtiil^ 
preffen, unb folange toir bei il^m ba« Filioque ni^t fin« 
ben, fann er aU geuge für Datierung be« toletauifc^en 
S^mboU in& Sa^r 400 ebenfomenig gelten, aU Ambro* 
ftitd mit feinen i % 381 abgefaßten btei Sfi^era De 
spiritu saucto, \do toix I, 15, n. 152 (M. 1. 16, 739) 



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S)a« FUtoque auf bcm SoUtanum 447. 421 

lefen : Etiam filium plerique fontem vitae memorarunt 
aignificfttam, eo qnod apud te^ inqvit (bet $faltllifi)^ 

Dens omnipotens, filius tuus fons vitae sit, hoc eai ions 

Spiritus sancti ^ie äJ^aurinei; bemerfeu ba^u (M. 1. 
L c Stole b.) : Non poierat sanctas hic dootor ap«r- 
ÜQB processionem «piritos ex filio significare, unb oer^ 
gtetdl^cn ^ t ^ a n a ) i u S De humaua natura suscepta , bet 

ben DOtt ^mbxofm& angebeuteten ^falmoetd aitite mit 

ben SBotten: ol39 yaq naga %^ &9fß mtrQl Sufta tw 

viov nrjyrf» tov dyiov nvsr/natog, $ßenn ber 3nl)att 
bed ^ogma'd fc^on im 3- int DccibeiU aui^gefprod^en 
mxU, bann |at bied bei ^rubeiitiuiS, ber tuul^deiviefeiiev« 
magen feljr rcid&üc^ au5 SlmbrofiuiS ic6öpfte, ni^liS be« 
fonbeteÄ. 3iid^t um bic a)laterie l^anbelt e« fid^ ^>ter 
fonbem um bie %om, unb biefe fe^U bei uafetm ^i<btet. 
SBo foDiel 9011 ber ZtinitAt gevebet, foDiet il^r gebetet 
toirb^ mügte ja gerabeju auffaQeti, \mmi m6)i au^ 
eiitigemaU eine an tM fpfttere Symbol ^eifenbe gaffung 
fUi fftnbe. 

Sßiel auffälliger aU he^ ^^rubcntiuä Übereinftim« 
muttg mit bem Xoletanum fd^eint mir j^mU» 

1) X)icje Stellen aud ?lmbrofiiKS unb ^rubcntiii« mären ^. 93. 
bei .tiarnocf (^Jogmengefcft. IP 1888 ©.294 ff.), m et bte i^oi- 
gefc^ic^te be^ Filioque befjnnbelt, nadj^utragen. 5)q^ Urteil, bie 
2;rinität§IeI)re beö ^^rubentiuö jei etnc je^r altertümliche (ebb. 297 

2), i)Qt aieniöftens« in biejcr ^infic^t feinen ®runb, unb ift 
t)ieneid)t mir burcf) bte für bonmatiit^e $ine{|en toenigec brau4* 
bäte poeti)d)e Sprüct)e ücranlaßt. 

2) Tqü baö Filioque im 3lbenblanb feine bogmatijc^c 92eucs 
runfl bebeutete, unb nur baö äöott im Symbol al8 fotc^c be- 
jeic^nct merben tonnte, jagt j. 39. aurfj^arnorf 5)ogmcnge|d). II' 
(1888), 293, ügt. 297. ^. ftattcnbuic^ iie^ib. bec oecgUfion- 
fffjlonftlimbc I (1892), 321. 



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fpaU mit {i4 it\b% äßo unfn »tU^tUt ein Snteveffe 

l^at, bie Ca^lage im Sa^re 400 ott reif für f[itf « 
fprac^e beS Filioque im Xoletaimm ^ittjuftetlcn, ba tä§t 
ev ^ecgentott^er'd ($^otiuö 1, 693) iBemereung, 
irbal flegeii bie fabeOianif^ ZtinUitdle^ ber 9ri«« 
ciflianiflen biejeö [ba^ ."pertjorgc^en bes ©eifted t)on 
fßaitt unb 6o^n] ebenjo ^ertoorge^oben toerben tonnte, 
tpie gegen bie £el^Teit bet fpantf^^en ilmnet", unb itu^i'^» 
(J?at^. <^ogmati! II, ^üb. 1857, 487) Setmittitng, We 
Slufua^me Filioque %e\d)af) „t)telletd}t {(j()on im ^a\)Xt 
400 au Zolebo'' {»mei 364 il. 2) gefpeut bnufen; 
ati4 load ^bet berfi^te f)Miiiif(be ^ifiorifer %loxei" fagt, 
tjcrgifet er ni^t regiftricren : „bafe jeneiS erfte 5?on§tl 
Don XoUbo gegen bie $tidcittiattiftea gegolten koucbe, 
bie aitdft besflgli« bed j^. 0eifleg l^veHf^ UW^" (365). 
SBier leiten juüor bagegen merben mir belehrt, t>a9 x>t>n 
^rubentiuÄ laut Müex befämpfte i^e&rfpftem ber ^rid* 
cUttonifleii loetbe ^hwi^ eine eigeittflnili^ XnfM^t übet 
bie btitte gdttU^e ^p^^oftafe nid^t (i^avoftettfleTt*, bet 
^i<i^ter rebe bed^alb einfad^ mit ben äBorten ber $äter. 
1,3» einer att0ffl(vU4^en Setteibigung biefed £e^q)ttn(teA 
boten il^m eben bie Srrlel^rer, mläft et bef&mpfte, fei« 
nen Slnlafe . . . 5^ir(^enb§ tnirb ba« Sßerl^ättiüS be^ 
Reifte« jum ^ater unb 6o^ne einge^enber entmidelt. 
aSiebet^oU ben>eigt ^tttbentiuft bie Sßefengein^ bei 
SßaterS unb be« 6ol?ue« au^fü^rlicb, o^>nc ben ^. ®eift 
aud^ nur p nennen, fo bag ber £eier eine {oldj^e ^r- 
M^nung untoiaefttlidft »ttnf^t" (361 f.); »enigfieng 
toenn et eine ftbeteinflimnmng bed Di^teti mit bem oft 

1) aftMteii K. 2^6. 861 I*|t fi(^ geMbein nmietcen gcgm 



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ftai FiUoqoe auf bem XoUtammi 447. 428 

ettDft^itteii 69111B0I na^ioeifeii toiä, beffeit Ina« 

tl^emati^mu^ lautet: Si qnis dixerit yel crediderit, 
Paracletum vel patrem esse vel filium, anathema sit, 

nac^bem im ameiten unb btitten übet bad I6ecl^6biitd hn 
beibeti erflen ^erfoneti ge^anbett toorben ift 5^a ^at 

mau eS offenbar für nötig gefitnbeu, gegen ben ^ri«= 
cillianidmud bie Se^rpunbe über ben ^. (Seift aufsu^ 
flf Den. SBar bie ^vüScUIianifö^e Seigre in biefem fünfte 
ort(>obof, fo ^atte ba^ ^ionait feinen Slnlal ba^ Filioque 
einjufci^alten. ^dtte ^rubentiui^ biefe ^ärefie ex professo 
btUmpft, fo (^fttte et aud^ bie Se^te Dom ^. Seiße ein« 
gelj^enb be^anbeln müffen. 

Senn 9iÖ!3ler (368) fragt: „Wi^a& tarn man auger 
bet ftbetfdi^tift nod|^ anfügten, um bie Sbf affung bet Re- 
gnla auf bem angeUid^n Xon§U von Zolebo 447 be» 
grünDen?" uubbarauf mit eiium ,^ut»erficl^tli(^en „^^lid^tä" 
antiportet, fo ift hoä) an ^eo'i^ Idrief $u erinnern, „^ie« 
fei( Ston^H xfi felbfl nut eine unetioiefene Xnna^me^ %u 
bet man fic^ biirc^ ba^ Filioque unb bie Überfc^rift be3 
@VmboIumd geni^tigt glaubte. $nibentiu9 nimmt^ mie 
toit fa^en, beibe etü^n M ^9potbetif<^en Aon^iU loeg" 
— fo fä^rt «. fott; girubentiu« t\)ut, ,,mie »it fa^en", 
in biefer Baä)e überhaupt gar nid&td. Unb bei ber Über* 
einfümmung oon fieo'd IBtief mit bem 6$mbol unb ben 
Xnat^emaiÜmen ifl bad Aon§iI 447 «oelt toeniger l^^po» 
t^)etx\d) aU bie öe^auptung, ^Curibiu^ ^abe bie alten 
Elften oudgefd^rieben unb fie bann an ben $apfl ge« 
fdftidt, um na^lftet baiS 0an§e in Spanien (etum^uf^itf en^ 
m ed bo^ längft bcfannt fein muftte. 9J?an fann alfo 
)peber bad Soletanum t)om ^o^re 400 aU ^eugnid für $tu« 



u ij- 1^ .0 l y Google 



424 



bentiuiS, uod^ ben ^ic^ter aU 3^ugen für bie ^u%if^i^ü^» 
leU bev Regula fidei jettem iton^tt anntfen. 

tlnb t>9^ tarn bad 6i^mbot na^ @amd nur 400 
eßtfianben fein; benn bie ©pnobe d. 3. 447 ift eine 
«Scbül^tutie''. S)er ^auptgtunb — ben WMn nii^t 
etloAl^iit — ifl il^m mit fted^t ba9 6<]|^meigen be0 ^pa- 
nier^ Qbaciuö in feiner ß^ronif. Slücrbing« ifl bie« 
nux ein argumentum ex siientio, aber megen ber Qiü* 
lung be9 Sbaciud ben fpanif^en Xngelegenl^eitett ^ 
ein fe^r bebeutfamcS. „Über eine S^nobe Ij^ätte 3t)a= 
ciu^ nidt^t gef(^n}iegen" meint ©arnS a. a. 0. 478 mit 
bem Slnfc^ein guten fte^^teiS. HOiein mie eiS iulft 
näl^er^in mit biefem 6^tDeigen, toeld^e« ifl bie Sri ber 
iBeric^terftattung bed SbaciuiS über ^onjilien ? 
Ut f ofite man freiliilft faß meinen , bie @))anmtnd 
^rißlid^en SpanieniS auf bie Spnobe fei fo groj^ gerne« 
fen, bafe bie S)idj^ter fd^on gum i^orauS barauf genjartet 
l^&tten, um beten Siudfpni^e in 19[$er{e )u bringen Um» 
toiet>{elme]^r l^dtte bet ®^tottifi fie aufieiiiftnen, loenigfieni» 
im allgemeinen ben ©egenftanb i^rer ^öer^aiiblungen a\u 
geben foQen! SnbeiS l^aben n^ir fc^merlid^ bod äled^t^ 
aSeiS, mai» und bei i[udatbeitung einev aRonogfapIftte 
ober einet ftird^engefd^i^te i90n Sßid^tigfeit ift, aud^ 
einem ^(ironiften aU mer!lPürbig infinuieren; er fann 
anbeten Oefcbmaded fein, ffienn ed auf Sbaäud an« 
Urne, bann mäte in ber ganjen 3eit ))on 379 M 469, 
über \vcl<i)e fid^ feine ^ronif erflredft, toeber ba§ öfus 
menifd^e ^on^ii t>on ßonfiantinopel 381, nodj^ bcA t>on 
CpM^d 481, no(^ bai^ dpu Cl^alcebon 451 gel^alten tootben ; 

1) ^gl. hierüber bejonbec^Vapencorbt d^. b. 0. ^nf 4. 854. 

2) Sgl. 'üHitt 194. 



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2)ad Filioque auf t>tm Xoietanum 447. 425 

tücber ^ättc ©panten eine ©pnobe t)on ©araooRo 380, 
no((^ @allieu eine t)ou älrleiS 443 ober 452, ao4 Aom 
eine fol^e i 3. 444 unb 445 gefel^eii. tlnb bod^ foO« 
ten mir meinen, menigften« jeui giogartigen, bie gan§e 
Stix(i)e angel^enben ^erfammlungen \)ätten i\)n ebenfo in« 
tnefftert aU unbebeutenbe Sotoftn^e in Spanien, lumol 
er ja flBet ben Orient fletd auf bem £aufenben etl^alten 
tDurbe ©aragoffa 380 mar nid^t toeniger tüi(S)iiq 
bie S^nobe 447; menn ^baciud jene aucb nid^i \üb^ 
miterleU ^atte, fo muiU fte bod^ but^ bie Sttle^re, 
gegen meiere [\e ber erfte ^amm geiDefen, in bcr ßr= 
innerun0 focUeben. ^bociud abec ecniä^nt überhaupt 
nuv atvei HonsiUen, unb eineiS bat^on beutet et fo f^toad^ 
on, bafe ©am^ (478) e^ gonj leugnet : c« ift üon gesta 
episcopalia bie Stiebe, t)on »eld^em Dermin u5 SSatuje 
(SRanfi 6, 491) be^au)>tet , er bebeute ein Aon^U (fo 
an(i() ^efete II \ 306), mfi^renb tiamd il^n einfach mit 
,,S5er^aublungeu" überje|jt, mobei freiließ ju fragen bleibt, 
toie (Bamd fi(^ biefe anbeti( ald auf einem ilonsil 
pflogen benft. SAfit man bie ©pnobe nid|^t gelten, fo 
eriücil^ut ^baciu^^ üL>er!?aupt nur eine, bie üoii ^otebo 
400. 5i)ieg ift feine gauge f^nobale ^eric^terftottung 
üiex einen oon 90 3a^un. S>ie btei übrigen 

^t)roniften, idcIc^c über ba« 3a^r 400 berid^ten, foroie 
©ulpiciuö ©eüeruiS, ber 403 feine ßl^ronif fd^rieb unb 
bie ptü^ciilianifd^en ^ftnbel in fed^ Aapiteln aui»fü(^rlidft 
etsä^It, gebenfen bei» Jton^iU t». 3. 400 mit feinem 9Bovte, 
unb bod^ ift e^ gan^ fi^er gehalten luorben unb mar 
bamaU nodft in frifd|^efiev (Srinnetung. 3n aUen (S^io- 



l) '4iapencoi;bt 35a. 



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n9m, koefate Sl^f. %x. KddUt (Chronica mediiam, 
oollcgit eie., I Tnb. 1798) ^ufammengefieQt , toetbett 
aus einer 3^^^ ö«^" 9^9^" 80 Qa^ren nur 8 ©ijnobcn 
ixmö^nt, darunter hui aU^mmt. ^acbarminfäUe, 
Ittieeßuntttim, elementare Creigniffe nehmen bie l^ait^ts 
fäc^lid?yte 2lufmerffamfeit jener ^erid^terfiatter in »ns 
SpxvL^. 3^aciud toax augerbem gaUijif^er ^^tf^of, unD 
ba| ev aU folget fotoenig aU bie anbem ®aDi§iec )uv 
toletönifd^en ©pnobe 447 fommen fonnte, ifl leicht U- 
gretflidi au« ben lerrüorialen SSet^ältniffen biefer ^ni: 
0alliaiett unterfkanb ben 6tteoen, M ilbrige 6)Miniett 
mx QOtif^. Xttd^ no4 ein perfflntiAer 9ntnb fann fflt 
Sbaciud öor^anben geirefen fein, bie 6^nobe t)er« 
fd^meiflen. äBenn aui becieiben irgenb etmod gegen fei« 
nen Sinn gef(6a^ , f o mar i^m baran gelegen , fte ab 
möfllid^fl geringfü^tö, aU nidjjt ber Gnini^nung tncrt er« 
fd^inen laffen. 3}^öglid^, bog bie gaUijijc^en ^tf^()fe 
— bieUei^t unsuftieben bamit, baft ber junge, tf^dtige 
^uribiud nad^ 9lom berid^tete unb ftd^ an bie 6pi(e 
fieflte ? (d^eint in biefer ^eit ber Übergang ber SKetro* 
politangetoalt bon Slfiorga an OToga erfolgt su fein, 
unb vielleicht ^at be$ Zutibiu9 9li6Uebig!eit ba^u ge» 
bolfen — nid^t erbaut voaxen non bem 5?on5it, ba^ i^nen 
nun bie litten aufanbte, moi^i um fie au einer ^rooinaiaU 
fbttobe §tt animieren, biebieUeidftt sttCeOene, bieUeid^t 
aber aud^ gar nid^t püaubefam. Sin eine §8erfenbung 
ber überarbeiteten Äonailsiaften to. 3. 400 §u beuten 
l^aben mir fowol^l na<^ ber ftberfd^rift ber Regula aU 
nad^ be^ Sbadu« 8erid^t ^um 3. 447 fd^le^terbing« 
feine SBered^tigung. 6o gut man aud le^terem folgern 
tann ; eft »irb nt^^ti^ oon einer 69nobe gef agt, alfo iü 



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Da« FilioqnB auf btm Xofclanitiii 447. 427 

Um 0«^aU<ii uocben. Um man {^lie^n : toirb nid^U 
gefogt, ba| berftnorbmuid nicl^t entf^oclKnioevbeiiloniite, 

alfo l)at ba« ^onjU fiattgefuuben. 9J?an bead^te nur 
aud^ ben SlBoitlaut bed ibacianifc^en ^cferaU aum 
400. ®ev (üjmdft fagt : lo prorincift Garlhagiiieiisi 
in civitaie Tolelo sjoodns epiflcoporam ooniraliitor, 
in qua, quod gestis continetur, Sjmphosios et Dicti- 
nnia et alii cam bis Qallaeciae proTinciae epieoapi 
PHeeilKaai fleetatoree haereeim eins blaspbemissimam 
cum adsertore eodem professioiiis suae subscriptione 
oosdemnaDt. Statunntor qoaedam etiam observauda 
de eodesiae disdpiina, oommnmcante in eodem. ocMicilio 
Ortigio episcopo, qui Caelenis fuerat ordinatus, sed 
agentibns Priscillianistis pro fide catholica pulsuB fac- 
tionibna exnlabat ^er finb beutliil^ iioei Setl^aKblusg«» 
gegenflAnbe itnterfd^tebeii: 1) bie SMAel^r \entt ^ifd^öfe/ 
2) bUci^Ctnäre geftfcgungen. W\t biefem Sn^entar 
bedt M unfec fOtaUnai genau : ed finb bu proÜBssioiies 
mit ber sententia, uttb ftnb bie ftanotten. Von einet 
©lauben^rtö^^L ober öon Sluat^emati^men ift feine Dkbe. 
^er M 2tbaciud 64)Deigen über bie S^nobe 447 megen 
feinet angeUU^en Senauigteit ptemiett, bet mdge biei» l^iet, 
M bet (S^tonifi offenbat t^oO^ftnbtg fein miO, ebenfo t^nn. 

foU icf^Iteglid^ £eo I {elbft bic 3u0el^ötidteit 
bed umütittenen e^mbotö aut C^nobe 400 be}eugen; 
et foK bie Slnat^ematidmen ouiSfd^teiben o^ne ftd^ 
genieren. SlÜein menn er fic^ aud; junäc^ft an ^uribiu^ 
ani(^)lie6t, (o müiU et boc^ mit einem ^orte fagen, 
btefe 64te feien fafl tobttiiilb f^on §tt Xolebo aufgefieat 
iDOtben. (St rebet aber nur t)on patres nostri, sub 
qaoram temporibos haeresis baec nefanda prorupU, • . • 



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428 



quando etiam mimdi principes. . . ita. . . detestati sunt, 
ut auctorem eius cum plerisque discipulis legum pub^ 
Ueamm ense prostemereni, gfi ba nid^t mit febem 
aSorte Saragoffa 380 unb bie balb barauf erfolgte ^iiis 
rk^tung be^ ^ärefiavc^en bejei^net? Seo fäl^rt fort: et 
profait diu ist» districtio ecolesiastioae lenitaü — {te 
befd^leunigte u. o. bie Stfidfel^t abgefaffener Sifd^öfe. 
3Bie ^ätte ber ^opft fo f(^reiben föuncn, loenn er unter 
bem ^on^xi bad ^Utanum 400 üerfianben ^tte? »SIber 
et rebet l»oii damnatae olim opiniones*. 8U ob mit 
olim nid^t ebenfo gut an 380, mo bod^ gemife ber ^xi^^ 
ciQianidmud audtl t)erurtei(t morben mar, aU au 400 
gebatikt toetben fönnte! S)ie Sitten einer 6l^nobe t>.3. 447 
mären un« ermatten, fagt @am« (II, 1, 478). 6ie finb 
und aber au(^ tDirfUd^ erbatten md^ faft aQgemeiner ^n- 
* na^me in ber reguia fidei unb i^rem Snl^anii ; guerfi 
biefe bem iton§it abfpred^en, unb nacbl^er toegen beiS 
fRid^ttoor^anbenfeiniS t)on Slftcn bie X^atfa^en beS Äon^iU 
leugnen ift bod^ nidi^t bad normale ^emeidoerfo^ren. 

6onod^ bflrfte att enoiefen gelten, ba| bad in ben 
ffften bee 2:o(ctanumi 400 befinblid&e ©pmbol famt ben 
Slnat^ematUmen uic^t biefer ©^uobe, fonberu ber Don, 
447 angehört, tt>ie benn audft bie meit fiberniiegenbe Wtt^u 
ia\)l ber ©elel^rten annimmt. 3» ber 3cü ber 6t?uobe 
t7on 6aragoffa unb beS erfteu ^oletanunuS l^at man, 
»ie e« fdi^eint, ficb auf ben llon|Uien i>ormiegenb mit 
ber iNrdl^enorbttung , bem Aufieren Seben n. f. ro, ber 
^rigcillianiften befd^äftigt. Srft nad? unb nacb, befonberd 
in ber (Ipocbe t>^& ^meiten Xoletanumd, tritt boi^ eigent« 
li^e S)ogma in ben IBorbergmnb. 3n biefer ^ot 
bi€ ^ufua^me bc^ Filioque ui ^a>> (^laubeniSbefenntnüS 



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Filioqne auf bem 2:i>(etanitm 447. 429 

einer ^rotiinjialf^nobe nid^td Auffälligem mef^x, toie bie 
Sorfittfeii bei Xmbroflud, $nibentttt8 itnb SugufUn, 
uameuttic^ aber bei fieo I (tjgl. noc^ Serm. 1 de Pentec 
c. 3. Serm. 2. c. 2, M. 1. 54, 401 s. 404 s.) betoeifen. 
SHe ^anbfd^tiftlid^e ttberlieferuii( ber Begala }U unter« 
fud^en festen utii^ ade Littel, ha mit eine l^onsilien« 
[ammlung mit 2luffd^(üfyen über ^aiibjcferiften unD lon* 
ftigem fritifd^en Sl«>patat ni<j^t l^aben« Slud bemfelben 
Srunbe aber l^ben wir au$ fein ^fteä^t, bie Urf^rüng- 
lid^feit bei5 Filioqne be,^n?eife(n. ©otuenig mau mit 
ätödler (369) tuirb fagen bürfen^ bie audfü^rlic^ere 
Stegeniton f ei bie urf )irfln0li(be ^ ba ja erfttj^rungSgemäg 
©pmbole fpäter nic^t tjerfür^t, foubern Verlängert 
iDerben pflegen, fokoenig ift boc^ an eine fpätere (^in^ 
fe^ung bei» Filioqne )tt beuten. 8(ber audft eine fpätere 
(Sntfiel^ung ber ganzen Siegel ift audgefd^loffen, ba bie 
2lnat^)ematiämen fid^ in(?a(tUc^ mit bem Briefe Seo'ö 
an Xuribiud beden unb ei» anerfannt ift, bag bod @9m« 
bolnm unb bie Sinatl^ematiiSmen (^nei» Urfpmnged finb. 
6^ ift t)erfe^>lt, boiS ^ofument inS ^ahx 400 ju batteren; 
anberecfeitö fte^t aber fefl, bag bic tvaglid^e £e^re über 
ben Xttflgang beS ^. deiM in ein f)>anif(l^e6 Symbol 
au§ bem Qa^re 447 aufgenommen mar, unb bafe biefeÄ 
69mbol uid^t tpeiter l^erabgerücft merben {ann. 



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9on %to\. Dt, Sttpifiit. 



2}er 6d^aupla( M erfien ^tM bed gtogen ^affton^^ 
Shrama*iS, bei Xobedasgß M Crlöfer« unb feinet 9e« 
fangennelS^mung, fct^eint auf ben erReti Wiä Rij^erer als 
anbete bur4 bie eingaben bet 6d^rtft uub ber Xrabition 
tonflatiert fein. Unb bo4 toeifi ev no^ man^e bunRe 
$uii(te auf, toel^e eine genaue topograpl^ifc^e Unters 
fuc^ung auf ©runb Der ^ilngabeu öer ©c^rift imb llber= 
Ueferung uub an Drt unb 6teße genommeneu SUigen« 
f^einil tti^t fibetflflfftg etfd^einen laffen« 

3Som 5lbenbma^^l«faat ge&t ber $err nac^ bem ©e^ 
rid^t ber @t)angelien an ben Clbetg. äBelc^en äBeg er 
einf<^lu0, lönnen mit nid^t gans nenou mel^r bejUntmen, 
ni^t bIo§ roül gerabe in bet Umgebung be8 alten 6ion 
bad neue ^erufalem am meiften üom ^ilb bed alten 
abtoei^t, fonbern au4> meil fd^on im alten SetufaUm 
me^tete SBege na<| biefem 8^^^^ möglich waten. 9Ht 
©ici^er^eit ift anjime^men, baß nid)t ben meiteren 

äBeg but4^ bie gan^e 6tabt njäl^lte , um burd^ bad b^u^ 
tige 6tet)(ani(tl^ot, bejtt). ein in biefet (Begenb bamatt 



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^ttfemane. 



431 



gegen baiS ilibront^at fid^ öffnenbe^ ^l^or an benÖtberg 
au Ummtü, fottbeni tt na^m bin aa^ecen unb einfamereK 
Ißefl. tXiib §tDar mlieft er enttoebet, vmi» bie größte 
SBa^rjc^ciulid^feit ^at, al«balb bie Stabt burc^ eine« 
ber gegen ©üb unb ©übmefl ftd^ öffnenbcn Xf^oxe, ober 
aber er bur<j^f<j^ritt innerl^atb ber SRauem ben 6tabUeit 
6iott, bannOp^el unb begab fld^ bann bur^ eiltet ber 
unteren X^ore in« ^reie. 

S)er SBeg filierte über ben ^baiäf ftibron, toeUj^t 
feinen Atomen tot^l nicbt t)on fiebern ^atte^ bie l^ier 
roud^fen, fonbern von ber bunfleu ©einlud)!, wdd^c fein 
^^ett bilbete, ober au4 n)egen {einei^ . trüben SBafferiS 
(eij^toargbad^). 3)ie untere IBriUte über bie BdjMit 
mag tool^l bamat^ f^on an berfelben ©teile gemefen fein 
tou ^eute; aber mä^reub (^eutjutag t^om $ad^ beu grö« 
leren £eU bei( 2^a(fre« l^inburc^ nic^td |u feigen ifi, uwr 
hM hamaU [\ä)ex anberS fc(pon megen bed flarfen Sßaffer» 
iH^rbrauc^ö uuD 2BafferabfIuffe« be^ ^empeU. Qenfeit« 
bed ^a^t& liegt am Öiberg na^ ben Angaben ber <l^an« 
geliftat ein Sanbgut ober SanbfMd, mel^ed Set^emane 

(le^ar^fiocvei) Reifet. 93e3Ü9lict) ber ct^mologijc^eii (Scs 
flärung besS Dkmend \)ai man fi^ je^t auf bie Ableitung 
Geih — Schamne ober Gaih = Schemena unb auf bie 8e« 
beutung Clfelter geeinigt, ^ie oon ©c^egg (^att^äuiS 
1,596) befürwortete Slbleüuiig auS Gedeth = Scheniane == 

Ufer, er^bl^una ber gettigfeit » Ülbetg <^at mo^i ibu 
fnüpfung^puttfte bei alten Cjregeten (^eron. : valllfl pin- 

guissima ; SBeba : vallis pingniuin seu piDguedinum ; 

^albonat: hortoB pingois), mürbe aber oon leinem 
Steueren abortiert unb ifl jebenfalU bie femer (iegenbe. 

diiw ^ia beftnblic^e ilelter jum ^iiui^treten unb ^^x^f\m 



48S 



§tt3fipUt, 



ber Oltoen gab olfo bem 0ut ben Stameu unb (&fit 

juglei(^ Vermuten, bafe ba^fclbe ^auptfäd^lt^ mit ö(s 
bäumen beje^t mar. $Der l^eutige 5lame ift ^fc^eömaniie^. 

SBeUber Slrt mar nft^er^in biefe« :Banbfiü(f ? äKat« 
tl^fttt« (26, 36) itiib aRavfu« (14, 32) neniten ed xo^^eov, 
roa^ ble SBulgata in ber Sj^attj^äu^ftelle *) mit villa, 
in ber SRarfiAdiieUe mit praediom iptebergibt; ^ob^uined 
(18, 1) f^rid^t 9011 einem Satten: 6ot)iel toirb 

[xä)ti fein, ba§ mir nic^t an einen Slder im gcmctnften 
6iuti nod) au4 an ein ganj offened unb öffentli4^ed 
SoumgruttbftiUI }tt beuten ^aben^ fonbem, morauf fd^on 
ber eigene S'iame mci^t, an ein im ^ritiatbefig beftnb: 
mo^l nad^ bamaliger unb heutiger 6itte um- 
mauerted beffer fultiDiecteil 2anb, meldte« tt)ie in ber 
Siegel bie «aumgärten in ber flä^ ber 6tabt ebenfo 
atö 0^uggarten mie aU ^ergnügungd- unb ^j^o(ung9^ 
garten biente. <^ne anbere ^oge i|l, ob biefed Sonb« 
gut 5uglet($ mit einem Sanb^ au auggefiattet gemefen 
fei. ^ie§ ifi bie 9lnna^)me mand^er unb bie 55orQu^- 
{e|ung ber üblidfteuÜberfe^uug; äJfteierbof. S)er bibli{<^e 
Xeipt bietet bafttr feinen SlnlMtö^unt^ ^ 
Isulgata ebenfalls uic^t, ^umal ba§ Sort nic^t einmal 
früijc^^ ie\tiU\)L JDag 3efu« mit ben Jüngern ^ier bcÄ 
bftem ftbemad^tete, feftt nidj^t notttenbig Oeb&nlidftfeiten 
Doraud. Senn aud^ au ber ^a^re^a^i^ in meldte bie 
ißaffion fiel, bad Übernadi;teu gan^ unter freiem Gimmel 

1) ftbcigeni niitt In aOen OanbMrifken; a: loout; be: 

pfMditUD. 

2) SDie te|t f oi»teI P4 Pnbcnben ftoftoft^e^n %ut lt«§Aunnng 
becgiftrten fanbeii {i4 tomatt no(^ nt((t im (USanb; UtStoSM, 
Opnatia ficnt iodiöa, fam ecfi an» VmexUft tti bie alte tBett. 



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Q^etl^femant» 



483 



XDO^i i\o6) n\6)t übiiö) uiit) moglid^ mar, \o fouuten t>o6) 
Kütten ober $ö^len im (Satten I^tntet4;enben @ii^u( 
getväl^rett. ^ie Xrabition Yoeig nid^tö Don einem Sanb» 
^au3; fie rebct xooljl mitunter t)on einer viUa, aber 
offenbar lebi^Uc^ in SluU^^uuug an bie ^ulgata. ^iefei^ 
ffiort «erleitet fogar am @nbe bed 16. Sa^r^unbertil ^) 
ba^u, an ein ^oit C^)et^fcmanc bcnfen. (iinc bes 
ipo^nte ^iUa liege ftcf^ unter feinen Umftänben am 
nehmen, ba ber $err in biefer Sla^t offenbar bie <^in« 
famfeit Juc^t. 

2Bar bieje^ ;Canbgut ^Privateigentum, fo mufete ^t\ni 
mit bem ^eft^er bedfelben befannt unb befreunbet fein. 
Sbem er Vann badfelbe mie fein Eigentum betracf^ten unb 
benü^en. "tRaö) Jeiner ©eiuol^n^eit, berietet £ufa^ (22, 
39), fommt er an ben £)lber9 unb an biefen beflimmten 
Ort (inl tov tinov ^, 40), ber bo$ nnr Set^femane 
fein fann. 3)er 58errättr fannte biefen Ort, mie ^fobanne»^ 
(18, 2) audbriicfli^ ^eroocl^ebt, meü oftmals ber ^err 
mit feinen Süngem l^el^rfam. Wi Siedet f<l|^lte6t man 
aniS £uf. 21, 37, bafe ber ^err aiic^ in ben legten ^agen 
^ier überna^tet ^abe; nur in ber Slac^t t)om 6onntag 
auf ben SRontag »»eilte er nadft ^aiXi^. 21, 17 maxt 
11, 11 f. in Bethanien. 

aHan l^at nacb bem Eigentümer beä ©artene geforfd^t. 
9Ran badete an Sa^arud, ober an bie äRutter bed 
^anned 9Rarfu9, ober an ben (Sigentfimer be« ^aufeS, 
in tuelc^em ber $err ba^ 5lbenbma^l ge^aUcii unb a\xi 
toelcf^em t^ieileict^t auc^^ ber ^üugiing mitgegangen mar. 



1) JRab^itüitl , Hierosol. Peregrinatio 1583; Nobler, %it 
8i(oaljqueUe unb bei Ötberg, 8t. 0aQen 1852 @. 201. 



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484 



ottf toel^eit bie (Spi^oht ^atl 14, 5t f. bc^ic^t. 
SDai^ fiiib natürli^ lebiglic^ ^Vermutungen. 5^f^^^^" 
©runb glaubte in tteuefter OUioiec (La Fassioo. 
Emi historiqae. Paris 1891 p. 57) |tt fUiben, ttnb er 
meint, ein auf bie Crtlid^feit mad^e {eine ^ppo« 
t^efe »presque certaine«. @r erinnert nämlic^^ haxan, 
ba| bie (^otte^ toeldfte nad^ ben alten 9tad^rübten ieben« 
falld in ben Satten ®et^femane einjube^ie^en tft, uns 
mittelbar an bie (^xab\)o\)U oon Qoad^im unb Slnna greuje, 
in loelct^et bann aud^ na^ altet Überlieferung bad ®rab 
SRariA bereitet morben fei 9iun fei ei» aber in ^SaU« 
ftina Sraud^ gen)efen, ben SSerftorbenen iijx ®rab auf 
i^rem Eigentum be^to. bem ber gamilie bereiten. SD^an 
müffe alfo ^ieraud fdt^lie§en, ba| ber Oarten (BetMemane 
mit jenen ©räbein ber SBorfabren ^e\u einft ^um ©igen^ 
tum ber gamilic gehört ^abe. ®er ^eilonb felber jtoor 
^abe il^n nad^ äD^attl^. 8, 20 ni<bt au eigen gehabt, mffl 
aber irgenb ein anberer ^bfömmling ^aoibd, t)iellei(|^t 
auch ^aria QXeop\)&, ^oa^im^ ^miu ^od^ter. 

S)arattf ift folgenbed su ermiebem. 2)ie äßarien« 
fir^e im Xl^at Sofap^at mit bem (leeren) ®rab ber fjl. 
Qungfrau ^at eine alte Überlieferung für fi<b, toenn au(b 
für bie Don Nobler angenommene (^bauung burd^ 2;^eo« 
boflni» b. Or. fd(n>erlid^ ein genügenber Setoeig erbradftt 
»erben fann unb ha^i bdufig augcfül;rtc S^wgniv^ bcö 
^ieron^muiS (de dominae assumptioue cp. 30) me^^r 

att si»eifell^aft i% nnb menn enblid^ and^ bog bon 8ogu^ 

(Lea eglises de la terre sainte. Paris 1860 p. 306) 
ani ber ©rabanlage hergeleitete Slrgument für gleichzei- 
tige (Sntfte^ung mit ber Orabtirdl^e auf Solgat^a totm 
[tichhaltig ift. Uber bie Xrabition, meU^e in biefer 



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485 



italafoinbc auä) bie ©raber ücii ^oac^ini unb ^(tnia uub 
t>on Sojcp^ auorbiict, ift Miel jung, aU baft fid^ auf 
{te bauen tie|e. 6ie ifi, toie iBogu^ batt^ut, att<i^ in 
pdj untt)a^rfci^ein(i<j^ unb IDO^I lebiglid^ baburd^ enflan-- 
ben^ bag in biefer ^tr^c bem ©ema^l unb ben (Altern 
bet Sungftau geweifte äilt&te entertet mürben. 5Die 
Stabfa^eOe re^td von ber grogen Xteppe, mel^e in 
bie 5^n)pta l^inabfül^rt unb meldte als bie von $ioaä)m 
unb älnna be^eic^net kottb^ iß na^ SBil^elm oon Xourd 
Dielmebt bie ftapeHe, in me(4^et bie Mnigin SRelifenbiiS, 
Xod^tcr ^^albuin^ II 1161 beigefefet Juurbe. ^ie «8e= 
rufung auf bie jübifc^e ^oU^fitte, meiere ni^t nur bie 
Seftattung bet %oUn flbetbau^t, fonbetn beten iOei« 
fefung im ^Familiengrab »erlangte, ift ju fdjmad?, um 
aUein bie obige ^^pot^cfe ftü^en )u fönnen; bie Untere 
bat alfo att4 nut ben SS^ett einet ^etmutung. 

nftb^^ 8efltmmung x>on £age unb Hndbel^nung 
bed ©et^femaneguted giebt ©d^rift unb Überlieferung 
)iemli4^ fi^ex aU terminiis a quo bie untere itibrond« 
brfide an. ^ie Überlieferung l&ftt unmeit beiS SrabmaU 
Hbfalomig bcr 53rücfc gegenüber ben ©arten feinen Ein- 
fang nehmen unb erftredt {eine £änge bid jur genannten 
äRarienhrd^e ober h\A )ur oberen 8rüde. Setont 
mu6 nur werben, baß bie Umgrenzung be« l^euttgen 
@et(^)emanegarteniS erft Don 1847 batiert unb burc^auS 
(ein 8ilb l9on ber ehemaligen Sludbe^nung ht^ Oartend 
giebt ; au$ bie je^t jn^ifd^en trotte unb Oarten l^inburd^ 
auf bie ^ö^^e beS Ölberg« fü^renbe ©trage balte bamal« 
ftdl^er nodft niii^t ben beutigen ^auf. äBiemeit ber ©arten 
ft<l^ ge(3en ben Serg bin<ntf unb gegen itibron bi^tab er« 
ftredte, lägt fid^ nic^t me^r beftimmen; jebenfaü^ aber 

28* 



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436 



ful^Tte amifd^en bet ftibronfc^luc^t uitb bem 0üt!eii fd^on 
bamaU eine ©trage tuxä) ba^ "^^i^K toeld^e bie untere 
(Stenge bed (Skirtend bilbete. 

^nnet^alb bed SatteitiS ftiriert bie 6(j^nft btei 
^unttc : ben Ort, voo ber ^err bie ad^t 3lpo)Ut 3urücfs 
lieg, ben too er )id^ oon ben S)reien trennte unb ben too 
et betete unb ben 8lutf(bmei| t>ex%oi; bagu !ommt ato 
öierter bcr wo ber Verräter fic^ i^m na^)tc unb bik' ®e- 
fangenne^muiig erfolgte, faUd biefet ni^t mit bem britten 
gan) obet beil&uftQ sufammenf&Et. 2)en etflen ttetben 
\oix uns ntd^t toeit Dom ttugang in ben 0atten p benfen 
^aben. lägt fi^ annel^meu, bag bie ÖUelter, iDeld;e 
bem Out ben Flamen gab, nüt^t gan| im gteien ftanb, 
fonbetn untet S)ad^ nxtt unb bag ^iet ftd^ i^ugteid^ ein 
Dbbad^ für bie ad)t Singer bot jum iUHiiuuticu. gür 
gij^etung ber beiben anbern H^unfte fommt Xluf. 22, 41 
unb äRattl^. 26, 39 nebfl 9Ratf. 14, 35 in »ettoibt. 
9?ad) Ma\i\). unb Wlcixt gclpl ^efue t>on ben 2)reien luecj 
11DC& ein tüenig nortüärt^ {fnxQov nQoeA^wv) ju feiner 
<Sebet«fi&tte. fßtan Tte^t in bet Siegel bie Angabe bed fiut, 
Sefud ^abe ftd^ von ben Jüngern getrennt ungefö^r 
einen Steintourf toeit treg (cJofi üi^oi; ßoh^} aU bie 
genouete (^tlfttung |u bem fUM^ bet beiben anbetn 
Cbangeliflen an. Ulfit bie £u!a«{lene au(b nocb eine 
anbere Qüiölcgung ;h. ^a« britte (lt?angelium unter- 
fcbeibet ni^t jii^tjcj^eu ben actit Jüngern, U)eUbe am din« 
gang gutftdgelaffen, unb ben S)teien, meU^e toeitet in 
ben ©arten hinein mitgenommen trerben. 5)ie ®ette 
eined 6teiun}urfe^ fönnte baber audt^ bie (^ntt^rnung 
gmifdften Sefud unb ben ad^t Sängern angeben, sumol 
fte bodjp immerhin ein bettddi^tlid^e^ fiix(j6» »Ate. Sbu$ 



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437 



bo« SRal^ittoort S. 40 ift e^et an Me Sefammtl^cit att 

an bie^rei gerichtet; öon ben 2)reien tjerlangt er mä) 
MaU\). unb ^2arf. unb anä) mä) ^. 46 me(>r: 
baiS $EBa(^eii mit i^m. S)ie bvet (S^ebetdafU bei» l^errn 
ouf brd verriebene ©teflen im harten ju t>erteilen, ober 
bie erfteu ^xoci mit DHioier in beu ©arten, ben legten 
mit bem 3tutf(^mei| in bie blutige Slgoniegrotte §tt Der» 
legen^ ba$u giebt jebenfalliK berMblifc^e^e^t feinen 9ntaj|. 

gragen iptr nunmel^r, ob bie topograp^ifd^e Übers 
lieferung äber ben @arten unb bie einzelnen fünfte 
innetl^alb bedfetben Angaben )u ma<!ben meifi , meU^e 
2lnfpru($ auf ^BenicffiAti^uiitj ergeben föiinen. ßrtpöbnt 
ift @et^;fematte j4>cn in ber oon GnfebiuiS ftammniöen, 
oon^ieronpmudcdGO lateinif^ äberavbeiteten ') bibUfcben 
OtrtiSnamenfunbe. $)ie ©teile bei @ufebiu« lautet: Fe^ 
ar^fioevij. %Q>qiov ev^a tsqo tov ncc^ovg 6 Xqiatdg nqog- 
ij^tügcvf 0. Nf rrcri dk nal %ip ogei %w Ummf er ^ 
na\ ifih tag bvx^S ol ntgtol nouta&at ancvdal^ovaiv ; 
ber Xe^i bei ^ierou^mu!^ ; Gethsemani locus, ubi ante 
passionem salvator oravit ; est antem ad radices montiB 
oliyeii nunc ecclesia desnper aedificata. 91m bet 
Ölberg^ gelegen tpar alfo ©etl^femane jc^ou biefer 
3eit eine @ebetdßötte ber Gläubigen unb er^ob ftcb über 
bem Orte beS Sngf^gebetd bereite eine ftircbe. (Bi^ liegt 
na^e an einen conftantinifc^en Äircftenbau ju benfen. S)a6 
(gufebiud bei 2lufjä^lung ber 93auten ßonflantinS (de 
Tita Gonst 1. 3 e. 41—43; de laudib. Const. c. 9) 

1) IltQl tun» tcntxQjv dvofiottav ruw h> i>tia y(ja(fi^. 

2) De aita et somioibus loconun hebraiooram Uber; ber 
Xcst be«9nfebitt9 nnb ^eron^mitf neu ebiert non^. Sogarbe, 
Ononuwtioa laera. 2. %\x% (äJöttingen 1887. 



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438 



(eine (Setl^femaneHt^e emä^nt, fprid^t nod^ ni^t bagegen ; 
aU 8au jiüeiteu ^ange)^ mod^te er fie mol^l lüd&t mit 
ben fitoBen ^irc^en \>on Set^le^em^ auf (Sol^otfia unb auf 
bet .göl^e bed £)l6ergd nennen 

?Der ^ilgcr t)on33orbeauj:') fpridjt 333 noäf 
oon feiner ©et^femaneficdfte ; {te mar wo^l bamaU uoct^ 
n^t gebaut. ^Dagegen mevft ev einen gelfen an M 
bic Stätte, m Quba« ben $errn luerraten. ^)!e basilica 
mirae pulcbritudinis, meiere m6f i\)m (£on(iantin bauen 
liei an bet stelle ^ mo bet bie Sifingev i90t bet 
^affion belel^rte, lann nidftt eine ®etMemonefit4^e fein, 
fonberu liegt nad) feiner 'ikic^reibung meiter oben am 
£)UeY0 unb ift bie aucb bon (^ufebiud erm&l^nte^ na^e 
bei bet j^immetfal^ttdfitd^e gelegene, übet einet Stotte 
erbaute )ce^rhici;t , luo ber ^err bie ed<|^atologi]ct^eu 
Sflebeu t^ielt 

1) £)ll{t»ief (LaPMrion p. 451) l&|t auf.^tunb einet 
gans unrichtigen Ztiit» dufebint oitfbrfliflid^ oon einet IKvi^e 
Sonflontinl U^to. ^elena't flbev bet Vgoniegrotte beticbten nnb 
tabeltStÜttn, toel^et biefe KoM« Otelme^ onf bie ^innnelfttbvtl- 
tit^e besiege, bet SebeRtbef(btetbun8 (EonftantlnS fptiibt 
(Ettfebittt afletbittfi« oon tablimia aedifida (hni^fUim obcoSoidBu), 
oef^e Helena auf bem filberg ^abe ettii^ten faffen unb oon einem 
^eiligenJHt^engebftttbe {Ugdi; oheog htxhioiaq) unb einem Xem|»et 
auf bem 9\ifit\ bc« filbetgt. Sbet eine iUet^femanelinbe tftftt 
fi(b ^iennUct nic^t jubfumicten , benn c< ift autbtfi(ni(^ bemctft, 
ba| biefe Qanten §ttt Ctinnenntg an bie Himmelfahrt errietet 
ootben feien. 6obonn ifk ttobt oon einer ^ö^Ie bie Siebe, toeli^e 
mit einet bet INtiben in Vetbinbnng ftr^e; obet biefetbe »itb 
alO bet Ott bezeichnet, mo bet^ett na(h auoerläfftgen 92a(hrt(bten 
icKot^ov^ Uyovq ben ^üngetn mitgeteilt babe: e§ btelBrotte 
bet c#4atoto9tf(hen neben » bon wetzet fofott auf ber '4^tlget 
Oon Ootbeaui unb 6t(oia fprecben. 

2) Palaeotinae descriptiones «z laecalo IV— VI, h^i^^^ndg. 
oon Zoblct, 6t (naflen 1869* 



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Qkttfenane. 



439 



Cin HateiS Qltb w>n bett an unb auf bem ßlbetg 

gegen bc>3 ©nbe öeö 4. Qa^r^. befinbli(^^en ^eiUgtümern 
getoinnen mir aud bem neu aufgefunbenen äleifeberid^t 
bet 6ilDia^), meldte mit bem obigen SBetI bei) {^ie« 
ron^mu^ ungefähr gteid^jeüig (c. 390) üii5uftgen ifl. 
6ie unterfc^eiDet ben ©ipfel bcS £)l&ergd, bad (i^mbomoa 
CEfißtäfuoif) , fobann eine ^tcd^e Meona, t)on koeU^er 
man jum (Smbomon anffletgt toeU^e alfo nntev^alb bed 
©ipfetd liegt ; in i^r ift bie ^ö^^le, in toeld^er ber $en 
bie ^n^it )tt Ulkten pflegte ; in ber ^ö^le t»etliedt bet 
^fd^of in bet C(atn)o4e bie 9tebe SRatt^. 24, 3 ff. ; ed 
ift alfo bie (Stätte ber e!5c^ato(ogifcf?en Sieben. 3lm 9JJitts 
tt)0(^ ober i)onner[ta9 (beibe Ä^e^arten lommen oor) in 
bet C(attt)o<i|^e fieigt man sut ^a^nenfii^ied 
t)om @mbomon (mo bie Sßigil gehalten luurbe) unter 
^pmnen ^erab an ben Drt, m ber $err betete, mie 
gef dl^tieben fielet im QbangeliUm : unb et gieng i»ottt)dttd 
einen Steintoutf toeit unb betete ; in eo enim loco ecdesia 
est elegaus ; 39if(^of unb SSolf treten ein unb eS toirb 
bad (^angelium oerlefen : yigilate, ne intretis etc. ^on 
^itt, ^ei|t ed loeitet, fieigen bie dldubigen mit bem 
^i)d^u; l^erab unb fommen nac^ ®eit/|emane^ lente et 

1) Peregrinatlo SÜTiae, ed. Gamnrrini Romae 1887 
p. 90 ff. 

2) Stote Qlantnvtini'§ (ic|tt (p. M) aei^t gnmbtot 
eint9 SntttoiS iene, totUfft bie (Ecbonung ber OdUemanelicite 
don^ntin |nf4iei6en. 0on§ fatf4 i# bie Oemectung bcffetben, 
biefe fticc^e ^abe nngefA^ im 5. 9ft|f|. ben Stomen tRatlft tt» 
(alten « meil man fietev bal Onib Starift besiegt (abe. S)ie 
SRttvienliti^ unb M^femanetitite »etben immer genau unter* 
Mieben; nnr )eit»eUig »nrben na4 UMp% unb Oebo in erfterer 
6teine anfbenobrt unb geaeigt, »eliben ber $ert in icner Kaft 
6|mrcn feincg Mr|ieri eingebrüdt (abe. 



Üigi 



lente, todi t)tel $otf fei, tDeil aQe^S ermattet {ei oom 
gaften unb ^fla^tm^tn et qaia tarn magnum montem 
habent desoendere ; ^ier in ®et^fematte loitb bann bie 

©teile beiS ©üauöcUum^ t}erleieu ubi comprehensus est 
domiDos. $teno<j^ befanb ft4^ unterhalb bei^ Olbetg« 
gipfetd bie StbcS^e Eleona mit ber 0rctte ber eik^ato« 
Io9i)d)iu VcbruulciaHiiiinijen al3 Jirppta. Söciter unten 
am £)lberd mar bie Jlirc^e beiS älngftgebetiS^ immerhin 
no(^ fo 1^04^ getegen, baft man bon il^r na4 bem eigent» 
Iid;cu ©arten iinb jur 6tättc bc^^ ^erratö ^lerabjuftcigcu 
^atte. 5E)er l^o^e ^^erg, von rodd^m bie ^ilgerin fagt^ 
hai er sum ^Bangfamgel^en nötige, iß abet natfitttc^ nii^t 
jn)ild;eu ber ®ebetd!ird^e unb ber SerratdUfitte §u fuc^en, 
fonbern bie ^ißilgcriii rcci^net offenbar beu ganzen $ros 
jeffiondmeg biefed ä)2orgeni$ \)on\ dmbomon l^erab. 2>ie 
l^öl^ere £age ber ftir<!^e unb baS ^erabfleigen jum $Ia|e 
bei? 5?crrat$ fönnte 3nnnd)ft aU mit ben beutigen l'ofali^ 
täten unioereinbar ericbeineu, erH&rt ficb aber nic^t nur 
oü^ Xerrainberdnberungen, wie fte gerabe am ^ufi pa« 
rftfHnenfifd^er '^cxg^c in getg^' ber abfc^iuemmcnben ^^la^^ 
regen beftaubig k)orfommen, {onbern aud^ barauS, ba^ 
bie Aircj^e^ mie auiS ben ferneren S^ugniffen fic^ ergiebig 
über ber heutigen ^obei^angftgrotte erbaut mar, worauf 
o^ne fc^on ba^ desuper in ber 6teÜe bei ^ie^ 

ron^mud l^inmetdt ^idt^er ifl fooiel, t>ab im 4. ^a^t^, 
itoü fünfte am unteren ßlberg fefi fixiert maren , ber 
Ort beg ©ebele^ unb ^^tutid^meißee uub ber Ort beS 
Senate, unb ba§ ber erfiere burdj^ einen Airc^enbau 
au$gc5eid^net toar. 

3temli(b unflar fielit fid) ^iiiiddift ber 33erid?t bc^S 
X(;eobO)iUi^ ober X^eoboruj^ (De «iiu terrae saactae, ed. 



Tobler L o.) üon c. 530 an. 9lr. 11 (ommt bet $U(|et 

in« %\)ai 3ofap^at ; ^ier nnbe ba« 9txxd)t ftatt ; ^iet 
(ei ber §lu6 nv^ivog, qui ignem Yomit in consam- 
mationem saecoli; l^ier bie basilica sanctae Mariae 
unb ^iet iE^r dtah, et ibt domimitn ladas tradidit; 
^ier aucfe bct Drt, tuo 3^fw*^ ^^^^ 3ünöetu bae ^^iac^t^ 
ma^l (^ieU unb i^nen bie gtt|e touf^^^ unb ^iec oiec 
ftu^elagev fflr je btei ^etfonen, beten ber $ert unb 
bic 9lpoRc( fid) bibienten; Daljcr fei Sitte ber ^ils 
ger^ l^icr mitgebiad^te Speifen gentegen beim Sd^ein 
ber Siebter^ an bemOrt, mo ber ^en ben S(|)ofleln bie 
Süge geiDafc^en, quia ipse locus in spelonca est. (Sine 
$ö(|ie in ber DM(^e ber ^krienür^e, mit meld^er feine 
anbere gemeint fein !ann aU bie heutige £)lberggrotte, 
begeiiibnet ber $tlger aU bie 6tAtte ber ^6tt><^f4ung^ 
beS Wla\)U^ , tt?ie c§ fd^cint aucfe bc^ 33crrate8. HJ^an 
tönnte }unä(bl*t oeciucbt {ein , mit £obUr an eine ^er« 
fcbiebung im 8eri(bt be8 $i(gerd §tt benfen, burd( mel^e 
§um legten 9lbenbma^)l unb jum 53c it] cion gehörige 
SRoti^en uc^ in^ %i)a[ 3ofap^;ot oerirrt hätten. 2lber 
bie (lrtt)ä^nung einer Slbenbma^ldflAtte im Unteren ftnbet 
[\ä) and) nod^ in ben folgenben J^al;r^imberten bei STrfutpl^ 
(c. 670) unb Söeruarb, bem Wibnä) (c. 865). (^rfterer 
(Relatto de iocis sanetis 1,16; Xobler, bie ©iloa^s 
qneOe unb ber Clberg 1852 6. 204) ftnbet in ber mit 
einer ,g)ol,^t^)üre gefd)tofienen |>ö^le neben ber Wlaxien- 
grabfircf^e nidj^t nur amei tiefe iBrunnen, fonbern au(b 
oier fleineme Xifcbe, an toeU^en ber ^err mit ben 90O* 
ftetn ^a[)[ cje^alten \)abc ; le^tcrer (Itiuerarium ed. 
Tobler, Deser. T. I. ex saec. VIII— XV 1874 p. 94) 

merb in ber Airc^e, in »etd|^er ber 4^err betraten tourbe, 



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442 



eJenfalle rier runbe 2lbenbmQt?^Stifc^c an. ©ollte man 
tDtrÜüb }u Mefer ^eii bad (Sonafulum in bad X(^ai 
fai^l^at unb in biefe ^ö^U mUgt l^aben? Sarau ifi 
ui(^t ju benfen; feit |)ieron^mug \)at baiSfelbe feinen un» 
üerriirfbaren $ta(j auf 6ion; bie citierten ^ilger felbft 
ertD&^nen bei IBefd^teibung ber 6ioiidüt(be au^ Xbenb« 
ma^t unb t^uBioafd^ung. & b^nbelt fl<b l^iet gar nübt 
um ba^3 legte 5(benbma^I; Slrfulpt) fpvidjt audbriicfli^ 
Don öfteren SRablaeiten^ meldten ber ^err ^ier fub 
mit beu Jüngern ))erfamntelt Me. Offenbar gaben ^u 
jener Segenbe bcn äufeeren Slulaft am bem 5^^)^" 9^= 
l^aueue 6i6e unb Xifcbe, meiere bamaU in ber ^ö^le p 
feben toaren unb fobann bie I6emerfung ber (Etoangeliften, 
baB ber Jperr beg öfteren ^icl^cr gefommeu fei mit ben 
Jüngern. 5(ue bem 8. 3a(?r^. ift nur nod^ nad^jutragen, 
baft et SBtaibalb, ber beutf(^e $Uger, 72B berietet, 
am filberg fei eine itird^e, in metd^er ber $m toor 
feiner ^affion gebetet unb $u feinen ^pofteln gefprod^en 
l^abe: vigilaie et orate ete. 

Raffen mir bie Xrabition bei^ erfien ^a^rtaufenb«, 
bercn 3>^i^liiMlt' im ^orftofienbeu lüiebergegeben finb, iu- 
fammen, io gelangen wir ^u folgenbem, von Zobki l 
c 6. 206 etmad a6»eid(enben 9lefultat 3n biefem 
ganzen Seit^öum ift in ©et^femane nur @ine j^irc^e nad^- 
WeiSbar. Qebed 2lnjeic^en feJ^lt, bajs biefe Äircbe i«- 
mute im Sauf ber S^bt^^unberte gettanbert mftre unb 
il^en 6tanbort t^erlaffen b^tte. 9Bir ^aben alfo ein 
9iec^t, biefelbe üon Anfang an ba ju fucben^ mobin bie 
\p&tmn, genaueren Ortdangaben {te verlegen^ in ber 
fft^t ber SRariengrabtird^e. S)iefe Solalitat fotool^I toit 
bie 3^ugniffe oom 6. ^(x^x\), an muffen und ferner oer- 



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anlaffen , fie in SSerbinbunq mit einer ^ö^U , ber ^>eu* 
tigen Xo^ei&angfldYOtte §u Kenten unb f<|^on bai» desaper 
im 3^udnid be9 ^ieTOii^muiS fo au oerrte^ett. S)ie ftird^e 
be5et($netc bic 6tätle be^ Slngftgebetö, ni^t bie beS S3ers 
rated; leitete Slnna^me ifi feiitedioegd eine «y^^pot^efe 
m 0t0§ter ffiaH^j^einli^Ieit" (Xoblet), fonOem ben 
flaren eingaben ooii J5ieront)mu3, ©ufebiuö, ©iltoia unb 
äBidibalb jmoiber. Senu iiui; i^on }U)ei ©emäl^r^mannem 
au^ bet Semt ^ie^et t^erlegt mitb, fo fommt bod R^t« 
tid? nur oon fummarifc^er ©erlcj^terftattung, loetil^e bie 
©reignine in ©et^jemane jumat aufführt unb bie SBer« 
tatöflette , toeCd^e ^vCl 6ilt)ia'd no(|^ in bie SituTgie 
ber(Sl^aTtDO<l^e etnbeaogen mar, fe{unb&ten S)ei>otiond« 
punft in ©et^femane uid)t bejonber^ anmerft. 2)iefe 
§)s)eite fixierte stelle ben alten 3^ugiffen genau au 
befHmmen, tfl ni^t mdglici^; fie bfitfte etloa in bet 
3Ritte jmifd^en ber ©rotte unb ber unteren Äibronbrücfe 
ju fucben fein. 2)ie 58er(egung einer 2lbenbma^;U|^äUe 
in bie (»rotte ifi ^'SCv^ f)>Atere Ugenbatif^e SHd^tung, 
loeI4^ aud^ mtebet f^urtoiS t)erfd^U)inbet. 

5Rit biefer S^rabition ftininun bie erften SUa^^ricfeten 
aud ber ^reu^fo^reriett im mefentlicl^en flbetein. 6^« 
loulf 0 1102—3 ermähnt smei Otatotien, ein oiacnlnm 
an ber Sianc, ioo 3du§ bie brei Qünger §urüdflie§ 
unb ein ameiteiS meiter oben am ^erg au bem Dri, m 
er 8(ut f4^mi|te ; genauere OrtiSangaben mail^t er nid^t 
aber ni^t« ftebt im ©ege, ba« leftere Oratorium in 
ober auf bie heutige Xobei^augftgrotte ^u ueilegeu im 



i) R€4at. de peregrin. beutivt iti: ])U 4ianb, iDrgan bed 
'^titxxA oom 41. %\(k\i 1878 6. 179. 



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444 ttmdn, 

SltiHaitg mit bet (idl^ettgen Ü6etliefetttii(|. X^eotontuft 0 
nennt 1112 nur (fiii £iatorium mit ^^amen ©etl^femane 
am Ort, tro 3efu8 betete iinb vexUqt Med au^^^i(^^ic^^ 
neben bie SD^atienKtd^e. 2)et Innominatns VII 1145 
ftnbet im %\)a[ ^ofap^at bie @rabfird)o "Dkriend, ferner 
bie villa lessemani, in loeld^et ber ^ert bie 3i^0^^ 
^uxüdiiei, fomte ben (Satten, in toeldftem er Don ben 
3uben gefangen genommen tpurbe unb üou ba einen 
@teintpurf roeg ben Drt be^ ©ebeted unb Slutf^meigei^. 

9Lber c. 1150 Derlegt ber Anonymus Yogn^ *) ben 
33errat bei8 3ubaS in eine Ärppta bei ber 3Jlarienfir(i^e, 
alfo in bie beutige ^obe^angftgrotte , unb er unterfc^ei^ 
bet t)on it^r bai red|^td banon gelegene, einen Steinmurf 
entfernte Dratorium, m Qefu^ betete unb Slut f(^tt)i|te. 
©leid^ermeife fii^rt nun au(^ fc^on früher Äbt 3)üuiel 
1106—8, {obann fpälet ^ol^attned ton aBärjburg c 11 65, 
Innominatas II c. 1170, Theodoricns 1172 |tt)ei 6an(s 
tuaricn om unteren Ölberg auf, ba^ eine in ober über 
bet (Btotte neben bet äRatientitdtie unb eine eoelesia sal- 
vatoris, meldte bie ihreujfal^rer errid^tet Ratten, unb Re 
Derlegen in ba^ crftere beu ^üngerfcblaf unb bie @es 
fangenne^mung, in bie leitete d^ebet unb Olutf^^toeift. 
Sba^in lauten auä^ bie Angaben bet e. 1187 an^uft^^ 
enben, na6) ber SBiebcreroberung Qerufalem« burd^ bie 
®ataaenen gefcbtiebenen 6d^tift: L'eotat de la cite de 
Jerondem *). 

Ij loblcr (riberq 3. i'OO) tariert biejed 3f"9n'^ ff^^ gering 
unb nimmt eine jpatere itorrettiir an, aber hU>i, loetl ed ietnes 
OOtgefaBten ^Il^einung jumibec (äuft. 

2) De situ Orbis Jerusalem bti Vogü^, Les ^glisea de 
1a T. S. p. 412 ff. 

8) Tobler, Descr. T.& saee. VOl— XV Nr. 24 p. 221. 



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446 



Wian tann biefe Xrabition ui^t baburcf; mit bet 
frft^even in (SinUang fe|en, hai man mit Sogu^ bie 

©aliuiiorfird^e uuD öie ©rotte ibcnlificiert ^) ; beibe finb 
in jenen ^eric^ten tiax unterfd^ieben unb gmifd^en beiben 
ifi me^rmatt au^brfidlicl^ ha& SntemS eined Gteinmurfd 
gelegt, (i^ »^^nMi auc^ iiid^t, mit Ollimer bie ®[aub« 
tDürbigieit hex Verlebte 5£)anieU unb bed S^t^annei^ uon 
SBürgburg an^ujtDeifeln, benn bie Xrabition beruht nidftt 
auf bicfcu 3tamcu aÜein. iHLur darauf mufj l^iugcmiefcn 
tt)erben, bafe bie Xrabitiou, luclcfee in (olc^er, ber bid» 
^etigen Überltefetuno mibetfpred^enbet Steife bie XobeS» 
angft unb bie ©efangeunel^mung tofaUftert, in ber 5hreu)s 
fat^rer^eit jmar bie üortviegenbe mar, t)od), toie au^ 
ben )tteT|l angeführten B^ud^iffen fid^ etgiebt^ bie frü« 
^ere feine^tDegd DoQftänbig t>erbrftngt l^atte. S)te leitete 
Hingt auc^ iiod; beutlid^ burc^ bei ^olpanned H^^ofa^ 
meieret in bie ^ötilenfic^e ®ebet bed $ettn tutb Süngev« 
fd^laf t»erlegt, in bie anbere, einen Steinmurf entfernte 
^irc^e bad legte ©ebet unb Den ^lutjc^weig unb in 
ben (Barten ben Verrat unb bie @efangennel^mung. SBenn 
femer ft^er flänbe, n>ad 9oqu6 aU fidler annimmt, bag 
bie tcn üuaredmiuiS *) fopierte Qnfc^rift in ber ©rotte 
auA ber ftreujfa^rerieit flammt, fo »Are aud|^ fie eine 
flarfe Snflan^ au Sunflen ber atten Xtabition. Sebent 
falii^ ift aber an^uerfeunen, bag eine anbere ^u biefer 



1) 1. c. p. 314: »pendant Im croidades la grotte servait 
d*ögliäe et portait le nom de S. Sauveurc. 

2) Jobler, Clbcrg 6. 206. 

3) 9t^nli(^ wiii nciierbinöd Ollioier (1. c. p. 459) bae eifte 
(^ebet unter bie Ölbäume, hai oom ^lutjci^toeiB begleitete in bie 
^d^e Derlegen. 

4) Terrae sanctae eluCidatio. Venet 1881 t. U p. 124. 



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446 



fttppUt, 



3eit \id) geMIbet ^atte, metcfie an^ no6) 99utd^arb 1175^ 
3:^ictmar 1217 ^tpeifel^aft) , aßarino 6anuto c. 1310 
ftägeii, ttitb toeU^e nid^t, »ie Xobler !üniUU|^ beutet, 
eine SeitetentmiAung ber (Uj^erigeii Xrabitio» tft, fott« 
bem eine Slbtoeicfeung t>ün i^r. 

3» ber ameUeti $&lfte bei» 14. 3a^r^. aber, {obtel 
ifl ft^er, feiert bte Xrabitiott bejügtic^ @et^femanef tote« 
ber in ba§ urfprüiiöUd^e ^ett ^unl(f, unb ilüar jcbon e^>e bie 
3raii)id{anert)on0etl^femaiie8efi( ergreif etu 2e(terei» ge» 
fd^a^ 1392 ; aber fd^on eine ttrhinbe \>on 1362, eine 9uÜt 
Urbane V ') ertoä^^nt einen bem SJiariengrab bcua<^bar= 
ten Ort, meldfter gekod^nU^^ Cava genannt unb Don mU 

berfici^ett toerbe, bag (ier ber ^err in ber 9la<|t 
ber ^4i<iino» gebetet unb S3lut gefd^tui^t ^abe. 1384 
t>erlcgen £inarbo gfredcobotbi unb €tmone Rigolt ben 
8Iutfc^meig in bie 9rotre neben ber 9Rarien(trd(e, Se^ 
fangennelj;mung unb ^nb beg Quba^ in ben C^^artcn 
(^et^femane ettoad lueiter unten, ä^on je^t an bleibt 
biefe gfiirierung \oU>ex^ptüdfilo9 in Sebung; ed genügt, 
au« ben x>ieU\\ ©inen 3^^'^^^" auf^iurufen, meld^er fie 
^iemlic^ am genauefteu U)iebergiebt. 3<)^anne0 ^oloner 
mad^t 1422 folgenbe Xngaben : ba« X^al ^ofop^at mit 
ber ©rabfird^c ha \)l Jungfrau; von le^terer nier^ebn 
Schritte nad^ Oßen bid ^um (Eingang bet ^ül^U ber 
aigonie ; babon fftblid^ einen 6teintt)ttrf entfernt ber IDrt 
ber brei Qtinger; na])c babei ber hortus floridus, bem 
gotbenen ^^or gerabe gegenüber; ^ier (Sefangenne^mung 
unb edftmertfd^tag bed ^etrud ; bad Set^femane, in toeU 
c^cm bie a^t '^mii^ct hlkhen, no^ me^r uad^ ^üben, 
einen ^feilfc^ub entfernt. 

1) Qnnretmiiis 1. L p. 9(M).- 



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(Bet^fetnane. 



447 



bie ÜbetUefening nic^t maö^en. ffienn toir ben 
^unft ouiS^eben moBett^ welcher butc^ SOter unb Rom 

tinuitot berfelbeu am meiften gefeftct erfc^eint, fo iji cd 
bad ^eUigtttm be^m. bie ®toUe neben ber Matitn^caU 
HY<!|e att bie Statte be« ®ebeted nnb eiutfc^meigeS. 
greilid^ mi^t i\)m eiue Überlief erung von unflefä^r 2Va 
3a(^r^unbetten eine anbete Sebeutung )tt, unb mit finb 
nid^t im 6tanbe , biefe SCbtoeid^ung oon ber tttfytftngs 
lid^en Srabition ju erflären. @§ läfet fidE> nur bfe 35ers 
mutung audfpre^^en, ba0 man bedn>egen ^iel^et Senat 
unb (Befangennel^muug loerlegte, meil biefer Ort bem 
6tep]^aiiu«tl;or unb bem SBeg, meldten 3uba^ mit ben 
@olbaten l^erabtam, nfil^er liegt. ISSieUeicbt att<b toar 
lux ftreujfal^rerjeit bie liturgifd^e Sege^ung be^ SCn^ 
bcnfeuö an bie 5lgonie in bie neugebautc Äirdj^e oerlegt, 
n)orauf bie t>on ^o^anned oon äBür^burg gemelbete 
Einfügung ber brei (SebetiSfieine in ben 8oben berfelben 
l^inmeifen bürfte 3Jiag fic^ bag »erhalten mie eö mill, 
jebenfaUd fann bie tur^lebige anberd lautenbe Aberlie« 
ferung bie fonfi bbDig einhellige Xrabition nii^t et^i^üU 
Um, $yieben biefem fefUn --Punft \)at nur nod^ ©iner 
eine genilgenb begrünbete llberUeferung für iid|^: ber 

I) ^Oem noij( ftberiantcn bie JNenifatreY bie trotte mit 
teinec JKrc^e ; umt rebet Z^oboriciti» bon einer aiemlic^ grofien 
JKr^e Oet^femane, aber ^^ofa« fagt befttmmt: aliad templmii 
ipelttncft est 9$ (ftgt fic^ Dertnnten, hü% Hon tBieber^eifteQung 
beü iitjptünglic^en unb eigentlichen QJet^jemane^eiltgtumS abge» 
fe^ nmtbe, einmat »eil bie (Bvotte, we((be man mit Sfreftten 
fi^mildte, la jc^on für [ic^ eine mOrbige ffnbac^tgftätte nmr, foborni 
»eil ber Sau eined S^enebütinerftofteiS bei bei 9)lonengtabtitc(e 

^^la^ für jic^ beanf))iuc^te. 



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448 



ttepplti, 



fcf^on 6ilt}ia b^eiö)mt unb koelcl^er mo^l fieser in tax 
Jtveusfa^ret^eit bie Eccleda aalvatioris trug. Aber aud^ 

biefer läßt fid) topcgrap^^ifc^ ni^t mel^r gauä genau fi« 
j^ereu; u mügte benn nur uoc^ gelingen, butdl^ 3(ud^ 
grabungen ben 6tanbort bet ^eusfa^retfitd^e §u ton» 
ftatieren. lägt fid; lüd^l mit '43eftimmtl;cit faqen, ob 
ber(elbe mit bem freute ge|eigten^ auger^alb bed um« 
mauerten kartend (einige 6<l^titte toefllid^ t>on beffen 
©ingong^^ütc^en) gelegenen ört bee 3ii"f^^^)c^^<^ft'^ ibeii= 
tifc^ ifi, ober ob er oieUei(bt tiinertiaib bed @arten^ fäHt 

XEe meiteten toyogrotil^tfd^en 9(ngaben über Reifen, 
in melct)en bie £örperform ber id^lafenbeu Q^ii^l^^'^ U»^ 
abgeprägt ^&tte, über 6teiue mit guMpi^^^^i bed igei.- 
lanbd, übet bie SteSe, too fßetrud bem ^ak^ud ha§ 
D^r abgehauen unb wo bie a6)\ jünger idüicfe», über 
bie $un{te bed ©ebeti^, bed ^lutic^mciBed, ber i^ngeU 
ft&rtung, toel^t man su S^i^^n in ber ^ö^te genau untet^ 
f(^ieb, — all ba§ berul^t au? jpäter unb fel;r menig fou= 
fianter Überlieferung unb ift o^ne (^iftoriid^en SOi^ert. 

(Sine einge^enbe 8eft((|tigung unb 8efpte<l^ung üer^ 
bient bie ©rotte ber ^obe«angft. 6ic ift feit 
1392 im ^eftg ^^^^ T^ran^ii^faner. ^^an gelangt i^r 
auf bem f4^ma(en äBeg , toel^ber t)om Sot)Dla( ber SRas 
rienfircfee au8, cboncibig mit bcmfelben, jmijc^t'U jioei 
ll^ol^en ^Slantxn wad) Often fül)rt unb in eine hirjc treppe 
bon )el^n Stufen auslauft Steigen »iv biefe ^tnab, fo 
befinben tuir uns in einer jiemlid^ geräumigen ^JJaturs 
^Ö^Ie toon ber gorm eineig uuregelmäfeigen günfecfg, c 
17 äReter lang, 0 äRetev breit, an ben ^bcbfien eteUeu 
3, 5 SReter l^od^. ^a« gelfengciöijlbe ift geftüfet burd^) 



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449 



jtDei tol^e 9laturpfeiler, meldten §ur 6^er^eit btei ge-- 
mauerte ^jeiUr beigegeben mürben. @tne frei^runbe 
grofte Öffnung im Ümbtbe, je^t mit 0lad gefd^loffen^ 
ftt^rt txa Xa^Mii^t ini Snnete. S){e IBAnbe finb teil« 
meife beworfen unb getünd!)!, teilmeife geigen fte ben 
nadten gelfen; \päxl\6^t Sl^fie altet maimUn ftnb no<l^ 
ettennbar. Sinige CteinbAnfe Mngd ber gf^Mtnanb iinb 
brei ^Itdre, ber $au))taltar in einer oorfpnngenben 
getenifd^e, bilben bie innere Sludftattung. 

S)ie frühere Seflalt ber trotte unterfd^ieb ft(^ nad^« 
meidbar t>on ber heutigen. Einmal ftammt ber je^ige 
fiugang etfi von 1666 ; er mürbe bamaU in biefer Stid^« 
tung angebrad^t, um eine leid^tere ftbemad^ung bev Stotte 
jugleid^ mit ber bamalig nod^ ben granji^fanern gel^öri^ 
gen^ erfl 1769 i^nen t)on ben (Bried^en entriffenen SKa« 
rienttrd^e ennögticben. Set utf|>tfinglic^e (Eingang 
mar ^meifellod auf ber 6übieite; auf i^n leitete üom 
^ansidtanergarten |er entmebev ein Iftngerer @4^a(bt 
ober ^o^Imeg ^tn, ober aber ein Hrserer, atemtidf^ ah 
fdj/üifig in bie ^iefe fü^irenber 2Beg. 3n ber Äreujfal^s 
rerjeit oerbanb überbiei^ ein (Sang 9Rarientird^e, (Bet)^« 
femane!(ofter unb Xobe^ngflgrotte. VuSmeitungen beiS 
3nnenraume^ im ßauf ber 3^iten flnb nidjt auögcfd^loffen ; 
aud|^ bie ber (Bemdibeflft^en mirb }tt berfd^iebenen 
3eiten verf^ieben angegeben. Ob bie runbe Öffnung 
im ©emölbe urfprüngli^i ober fpäter eingebrochen ift, 
l&it {14 nid^t me^r entf(beiben 0« S)ie Ummauerung 

1) VKt Dtlioier (1. o. p. 4S5) Hon au9gef))co4eitetit (l^ 
lantinlffbem ober tomanifdem 6tU biefer fiffnung a« rcben» ifl 

X^eoU QuanAli<i»rift. 18!^ ^<{t III. 29 



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450 



ber nAd^ften Umdetong bet $a^le unb bie (Eementietuiifl 

iljrer Oberftä^e ift neuereu S)atum)8. 

^aiübex tann too^il fein S^ei^l fein, bag {c^on ba^ ur? 
f|)Tfitt0li4e Sanbgut Set^f emane btefe ^öl^le in ful^ Mb>6- 
2Ba^ ^atte fie bamatsS für eine lUbtulung? 6epp 
(^ecufalem unb bad £anb) unb hortet (La Sjrie 
d'anjonrdhui) oerlegeit getabe in fle bie Aeltet, toelc^e 
bem @ut btu Juimeu gab unb fe^en bie Öffnung aU ba^ 
^04 an, burd^ tDeldj^ei^ Don oben bie grüc^te eingefd^üttet 
morben feien. Cluatedmiud benft an eine d^ifiente^ 
beren 3Künbung mit ber runben Öffnung forrefponbiert 
\q bag ei^ möglid^ trar, aud^ tion oben Gaffer ^ 
f40)>fen; bamit toöxt im SinHnng Mul^lft0 eigentflm* 
tid;c Angabe über 33runnen in ber .Oöl;te. S3ogu^ 
nennt bie $ö(fU ein alted oerlafienei^ @rab. ^te grage 
nmft in suspenso bleiben; aber batanf ifl anfmetlfam 
p mad^en, ba6 ringS um 3(t'^^0*iißm eine ^Dteuge 
Don berartigen ^ö^len, t)erlaf{enen Gräbern unb ^iftecnen 
gab unb giebt, unb baft ed bamatt voit beute ftbli^ roa%, 
toon benfelben ben monnigfaltigftcu ©ebraud^ mad^en. 

5(uct bie grage, ob toirfUc^ biefe $ö(;le bie 6tätte 
getoefen fei, in melcbet bev ^tn in jener 9tad&t betete 
unb ben 93IutfdJtt)ei6 inigofe, fann uid^t mit apobifti« 
fd^er @en)ig(^eit beantmortet loerben. ^ragt man aber, 
ob biefe Don ber Xrabition im (Banken feflgebaltene 
6tätte möglid^ fei, fo wirb ba^ ju bejahen fein. $)a§ 
bie etangelifd^en Serid^te eine trotte nid^t erm&^nen, ifl 
natärli<b bier fotoenig auiSfd^laggebenb mie bei ber (Bt* 
burt^grotte ju ©et()(e^em. 58efonbcr^3 in bcu für Reiben: 
c^riften gefc^riebeneu (^uaugcüen begreift fxd) burd^auS, 
ba^ t>on ber ^i^f^U ni^t» gefagt wirb; »er mit $ald« 



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^et^fenumt. 



461 



fHna unb feinem mertofirM^eii $ö^tenre!(j^tuiii iii^t te* 

tarnt mar, fomie mit ber ©en)o^)nbeit, ^ö^tcn aud6 
ilBo^iicäume unb nö^tlid^e Untecfunft^ftötten auiS^unü^en^ 
bet (Atte ben Ciitbrud etl^alteti mfiffen, ab l^abe bet 
^cilanb in ieuer 3iad?t ein S^erfied öt'fii^t- 2Benn bte 
^ö^le ober ©rotte unjtueifel^aft i4)on bamaU ha mar 
itnb ittin OetMemattept ge^Me, fo mügte man fi4 se« 
tabe§u ttuttbern, menn bet ^ert fie in jener 6tttnbe 
nid^t benü^t ^ätte. äBad Nobler (6iloa^queUe unb i)U 
betg 6. 202) gegen bai( trabitionette ®et^femane bot* 
bringt, bag ei bet 6tabt fo nal^e liege unb bte 98ege 
nad^ SBet^iaiiien unb auf ben ö(ber(^ feine 3iu^e unb 
Sinfamfeit au4i in ber dlaä^t fe^r in grage fteUen, ba6 
man beiSl^alb }unA4^^ ed liebet in eine abgelegenete 
unb ungeftörtere (^ei^ciiD verlegen mürbe, baö ift in ber 
%^at t>on einigem ©emic^t. ^ad löebenfen erlebigt fi4 
abet auf bie einfa<l^fie SBeife, toenn toit annel^men ttn* 
nen , bafe gerabe bie ©jenen , roeld^e am menigflen 
frembe 3^^9^" ertrugen, bie tiefe ^roöfpnefe, ba^ laute 
Seien, bie 9lngelo))(^anie, fi^ abfpietten in bem bet 
9u6enn>eU völlig enltfltften , (einem fbtg enei^baten, 
baiS ©e^eimni« fc^üftenbeu ^taum ber ©rotte. Sugleict 
ftnbet bamit eine anbete grage i^re natürii(j^fte unb 
einfad^fie £öfung. S>ie btei ^finget nimmt bet ^ett 
mit, nid^t h[ü\] um lebenbe 2Befen in ber 'Mhe ^laben, 
fonbern aud^ aU Qeuqen ber ©e^eimnifje jener ©tunbe. 
5Det Clbetgdbetidftt bet (^angelifien betul^t, toie man 
junäc^ft annef?nieu mu6, auf ber 2lugen* unb Olsten« 
Seugjc^aft jener brei; auf befonbere 3JiitUilungen be« 
Jßettn na4 ber Sluferfie^ung iß o^ne a»ingenben (Brunb 
nic^t ju tehtrtieten. ffienn aUU im Sfteien t)Ot |td^ 

29* 



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462 



gieng unb bie jünger auf tjolle Stciiimurfigmeite toon 
Sefttd entfetnt toaun, fo begreift ed fi^ fc^toer^ toi« fie 
111)4 beutlid^ i^u l^ören ttttb fe^en Detmo^ten, ^umol 
i^re 6inne in biefer 9kc^t mübe unb ftumpf njaren. 
9bin braud^t ja fteilicfa, toie mir {d^oti oben bemerften, 
bie t)on Sutad angegebene Cntfemung leinetoegd not' 
n)eubig ^tuifd^en 3^1^^ unb bie brei jünger gelegt 
toerben, fonbern fxe tarn ga») mo^l, »enn man bea 
etetntDUtf fräftig bemigt, ba« Sntetioan a^ifc^en 3efu9 
unb ben a6)t anberu beftimmen. 2lber wod) Uaxex wirb 
bod iiM^dy bei maii^. unb äRart unb bie m&Qiid^Uit 
ber brei^ bad im Soangelium Oeri<(tete toabr^unebmen^ 
menn man ficb benft, bag Sefud biefelben mit in ben 
®an0 ober (Singang ^ut ^^J^U l^evein nal^m, fo ba6 fte 
unter S)ad^ unb einigetmalen gegen bie Mite bet 9UL^t 
gefd^ügt mareu. $ou i^uen ge^t er ein meuig t}orn7ärt9 
— a^oe^^oJy fwtif6» — bid aniS Snbe ber $b(le; fo 
ifl er aSetn unb bod^ Unnen bie jünger ba9 genau 
fe^en unb pren, mvon fie ^en^en fein follten 0. $)ie 
Sendete 6Uoia'd unb SQäiaibatbi» geben ben Ort bed 
Oebetd unb bie SRal^nung an bie X^oflel vigilato et orate 
in geringer Entfernung ron einanber an, unb erfiere 
oerlegt au ben a^eiten ft^iecten ^mtt oon (Set^femone 
bIo6 bie Sefangenne^mung , nic^t audj^ »ie fpfitere 3^us 
gen, 9laft unb Schlaf ber brei Sipoftel. 

^(bft ber trotte loenbet M bie ^ufmertfamteit 



1) ^o^cm ®rQb unpaffcnb unb unnjflrbig ift bie Xüt- 
ftellunfl bei OUiüier (1. c. p. ül), tüornad) ein jünger, ma^t- 
jdicinlidi ^o^annc^, bem ^crrn ^eimlid) uQd^gefdjIic^en lüdtc in 
bie ^'6[)k unb gleic^jam tvibeicec^tUc^ {id) in ben )6efi^ bec (8e< 
^eimniffe geje^t ^ätte. 



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Mifeiiuiite 



unh Seootion ber tilget Dotne^mCU^ bett UTalten C>U 

bäumen ju, mlä^e im eigentlid^en 0et]^femanc(]arten fie* 
l^en. S)er leitete, feit 1847 fe{i ummauert, ift (^eut}u> 
tage buv^ bie £)(ber0dftea|e ))on bem 1857 au<l^ mit 
einer 9)iauer umjogenen Terrain ber ©rotte ^efc^ieben. 
S)ie{er @arteu bietet beinahe ein regelmägiged Siiered 
unb (ot eine ^((e oon ungefft^t 26 Xr. Snnetl^alb 
be^ ©artend Wü^t ein jmeiter mit bcv SJlüiui parallel 
laufenber ^ol^^aun bie el^rkoücbigen ^aumgreife gegen 
bie Subringlü^feit ber Pilger unb er iimfriebigt einen 
fc^r iorglid? gcpftegten ^Blumengarten, in n)cld;tm dio']en, 
Maloen, ^odmarin^ $aiftondblumen unb befonberd bie 
mx in $alAfHna i»otIommettbe unb Ibi^ am ülbetg 6e» 

fouberö fc^ön gebeil^eube SlutimmoitcÜe (Gnaphaleum 
saaguiueum) ben gug ber alten ^äume lieblid^ um$ 
Uü^en. S)er innetn SRauer entlang ifi ein Arett)tt>eg 
augelegt unb 1879 trurbe in biefelbe ein 3Jiarmorrelief 
)oon ^ocelli^ bem :^e(;rer be^ @anot)a, bie ^obe^angfi 
botlleDenb^ eingefügt. S)ie SAume flnben ^ erfimalg 
ermähnt t3on 3uallart 1586. 3m ^a^r 1612 merben 
t)on ^ean ^oud^er elf ge^ä^lt, 1778 iicd^ adj^t, na<ij|bem 
bie Zütten einen umgel^uen ^) ; 1880 gieng ein tt>ei« 
terer ju ©runbe, foba^ gcgeiimärtig noä) fieben ftel^en. 
^ie 6)>uren fe(^r ^o^en älUerd finb unoer fennbac; um 
ben au9ge]^dfilten , ^eniffenen Stftmmen ^It §u geben, 
bat man fie mit Steinen auiSgemauert unb ummauert; 
bod^ ifi ^riebfraft unb g^ucbtfraft mä) nicbt erlofc^en. 

Ser »otanifet »ot)6 gab 1835 fein «utacbten ba« 
l^in ah, bafe man füglid^ biefeu Räumen ein 'Mta toon 

1) Xoblev, ©iloa^ttcne unb C)ldecg @. Qniureiiiiiiw 
l c II, 12S Ann. a. 



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* 



454 ftippUt, 

c. 2000 3al^reii jugefie^eii fönne 3» SCnbetrad^t 

l)er tDiebertolteu eingaben be« 3ofep^u8'^), bafe ^itu^ 
bei ber SBelageruiig alle 33äume 90 6tabicii im Umfreig 
bet 6tabt b<^be umbauen Uffen unb bag tbm bte Qet» 
fUUun^ bet äBAOfe ipegen ^ol^mangel^ gtoge Sd^mierig- 
feit berettet ^abe , lägt fic^ freiließ nidt^t benfen , bag 
geYabe biefe Olbfinme bamaU foQteii vetfdftont morben 
fein. Mer bet Snnabme fielet jebenfatt« ntd^tS im Seg^ 
bafe bie jeßt fte{?cuDcu 33äume iiodj? btc im mit tetbaren 
Siadj^fommeii t>on benen feien, unter meinen ber ^at 
in lener 9ia<jbt betrflbt M sunt Zobe getoanbelt *). 
3)enn anerfanntermageu ^at ber Ölbaum bie gä^igfeit, 
{14 aud {elbft p t)erj[üngen unb aud ber alten SBur^el 
neue 6t&mme )u treiben; bi« aur SCudgrabuno bet 
SBuTjelftöde gieng [iä}ex audft bie rabitale Xb^olgung 
burcb m4t. 

9lad^ ad bem (Befagten erl^alten toit t)on Oet^fe^ 
mane unb bem, maiS in jjenet benttDÜtbigen ^ad^t biet 
t?orgieng, folgenbeg S3ilb. Ta^ Sanbgut lag jmifcben 
ber unteren iEibronbrüde unb ber trotte, legtere no<b in 

Wiefienb. 6einen dHngang b<ktte ed mol^I unn>ett 
bicfer ©rücfe. crfteu drittel beS ©arten^^ bcfanb 

fic^ unter einer 6c^u^^ütte bie Kelter, bie bem @ut 
ben Flamen qab ; l^iet fanben bie aä^t ^finget il^ 9laiii^U 
quartier, ^er ^eilanb burd^fd^reitet mit ben dreien 

1) BnUetm de la Boo. G^. Pbrii 1885. 

2) BeU. jnd. 5, 12, 4; 6, 1, 1; «,8, 1. %ii\t %n%üUn 
ottf bie niyvbUcbe unb oefittcbe Umgebung ber 6tttbt ei]Qnf<bv&n^ 
fen (9to«tin, OSioier), man niibt beteibHgt. 

8) Qon ben Jhenftfabtem ip bocottiftufe^en, bafe |ie tro| be< 
bcnf Ibenben ^plpiangett (IBilbelm bonXonvi, <0et<b. berftieni- 
^flge 8, 6) biefe Oftnnte auf ^ietAt gefront bn^n. 



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455 



bni Ölgarten, nimmt fie mit jum ©ingang ber 
Jgöl^le unb überlögt ^lä) bann einige 6d^ntte ton i^nen 
entfetnt in hex $5^U felbfl ben Sd^auetti bev XobeiS« 
angP. S^ba^, toel^er fajl mit ©id^erl^eit ernjarten 
fonnte, baö ber ^err in biefer 3flad?t ^iej;er Eomme, 
meieret Äbetbied in ber talten, ba^er Karen unb monb« 
^elen 9lad^t vom Xem)>elberg aud Fk^ beffen Dergemif« 
fern fonnte, ^iel^t in üorgerüdter Si^ad^tflunbe mit ber 
^ bemaffneten S^ar gut defangennel^munQ aud, burd^ bad 
X^or, toeld^ed bemXem^et sunft^fl liegt unb Aber bie 
obere Äibronbrürfe , ift aber genötigt, cbenfall^^ bcu un* 
teren (üngang bei^ (kartend }u benü^en, benn ber ®ar< 
ten toat ftDeifellod gan^ ummauert unb mit nur Cinem 
(Hngang iicr[cl;en. l^m gleiten ^rittet be« ©artend, 
ettoa an ber 6tette, toeld&e l^eute nod^ bem eifernen 
^fdrtd^n gegenüber getoiefen »irb^ gieng bie rucbtofe 
SBegrügung huxä) ben Singer unb bie Oefangenne^mung 
t)or njorauf fid^ ber 3"9 über bie untere Ätbrott« 
bräde na<j^ bem Gioni^berg in 8ett)egung fe^te. — 



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4. 



Stt teit dgtuittii^-IIIteii. 



S3on ^KOf. Dr. Siittl. 



Sit« id^ bic 2(ufgabe übertta^^m, bie 5rpoflcli^d)cii 
SßäUt oon ^efcle neu t^eiaui^^ugebeii, führten mic^ meine 
Gtttbien }u bet CcfentitniiB, ba| bie getoft^id^ ffit e^^t 
get^altenen 9lften be« 1^. -^o^^ti^t^^ \\ä\)ex\)'m Dae fog, 
SDRartl^rium (Slolbertinum^ an^ üer{d^iebenen ©rüuben uic^t 
au galten feien. S)od|^ naf^m hau SRatt^rium mit 
SRä(fri(^>t auf bic l^errfdjenbc 5lnfid^t in ben erftcn 53aub 
meiner ^u^abe auf, n}elc^er bie ed^ten W^nU ber ^o« 
fioltfcben 8Atet entl^dlt, toA^renb bie anbeten Sitten beftii 
^weiten S3anbe mit ben unechten Schriften ^ugemtefen 
mürben, ^te ^ften fanben in ber goldejeit jmar 
fcliebene Setfed^ter. Sine Setteibtgung tturbe Don uniS 
fogar in bie %\). üu.@d^rift 1884 ©. 607—620 auf= 
genommen. ^4 fanb aber feine @rünbe, meldte midl^ 
(&tten befiimmen tönnen, bon meinem Urteil abaugeben. 
^emgemöfe gab id^ bemjetbeu aiid^ 9Iib3bnid^, aU id) 
ben Slrtifel „3gnatiuÄ" für bie gleite ^iluftage be« ^ird^eiis 
tq^toni» beatbettete, liefet 9ixiiUi bot nun jfingß bem 



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457 



GTjor^ierrn ^üret in Sujern 5Iula6, in ben .^atl^olif^en 
e*ti)eiaet5^(öttern VI (1890), 297—337; 466-493; 
vn (1891), 54—68 aufd neue eine Sanse fflt bad 
€d;riftftil(f einzulegen. 2öie er meint, mac^t l^ier bie 
bpperfritifc^e ^^eologenfd^ule 58aur'd in Bübingen i^ren 
dtnfiuft geltenb. »Siele Studfelungeii, bemertt ev VI, 
298, bie juetfl t)Ott jener Seite ausgingen, tourben aud^ 
!at^oUfc^crfeitd 3U [frupuloS in ^erüdfid^tigung gebogen; 
ein getoiffed Mifettauen toarb mad^genifen, fo jtoat, bag 
9; 8. bet gvflnblid^e ^efele, bev in bvei ICuflagen feiner 
Patruin apost. opp. bie Slut^enjität ber 3(9«^tianifd^en 
äRatl^ciumdaben nod^ k)ei;teibidt i^aiU, fddUeglic^ in ber 
i»ietten Cbition (1866) loanite. 9tamenttid^ iH aber beffen 
6c!^ü(er unb anfe^nlid^fler ^atriftifer ber 3e^(3eit, ^rof. 
Dr. ^nl, audji ind negative £ager be^üglicf) biefer 
aRart^TiumiBalten binübetgetreten unb l^at feinem toer* 
neinenben €iaiibpunfte einen mäd^tigen 6ieg babiirc^ 
errungen, bafe i^m in ber neuen, trefflicften Umarbeitung 
bei» Sße|er unb SBelte'fdften ltit<bente;itond bev ürtitet 
«ggnatin«" übergeben warb unb nun biefer 9lrtife( in 
ber anerfannten .gauptfunbgrube ^at^odfc^er ^iffenfd^aft 
bie l^ertoerfung ber Acta martyrii 8. Ignatii mit f^er« 
bei^ie^ung aDer möglid^en SIrgumente Befflnoortet unb 
folcbergeftalt ber proteßantifc^en ^tjperfritif mitbUft, ein 
ebrtoürbiged S)o!ument bed (brijUid|^en ftUertumd aU 
plfd^ung , aU ffaUU^eii dlaborat eine« f^alftfitatord 
t!e^ 4. ober 5. ^a^r^uubertiö 511 qualifizieren unb l;iemil 
toieber ein ©tildf el^rmürbiger HJatriftif ju beseitigen — 
unb )tt>ar mit BufHmmung ber bob^n (^bitoren iened 
ttJid^tigen t^eologifd^en fat^olift^en ©ammclwerfe«. 3Btr 
gefteben ei^ aufrichtig, bag und biefer 6ad^t)erbaU tief 



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468 



betvitbt l^at. äBit ftnb {toat loeit etitfemt, au itgenb 

jjemanben einen SSormurf um begmißen ju rtd^ten ; benn 
toir befxnben uu§ ba nid^t auf bogmatifd^em ober aufs 
toritatiüem Gebiete, fonbem auf bem Xenain ^iftonf4» 
patrifttfd;er 2Biffenfd^aft, m ein gemiffe« 9Jla§ toon 
grei^eit unb objeftioer 5lritif bered^tigt ift". 216er, mirb 
beigefftgt, ebrmfttbige Uthinben foDten eben, fo lange 
eine obiefti\)e 9'^öti9ung nid^t vorliege, nidj^t preisgegeben 
totxheu, uub bet fatl^oUfd^e fintüer l^abe auä) ba iiod^ 
)tt ptüU^, w im anbem Saget bad attgemeine gelb« 
gefc^rei bie 6ad^e bereit« für abgetl^an ausgebe. 

2)ie 53crtcibigung toirb nid^t ot)ne ©efd&id gefüt^rt^ 

unb mer ficb in S^i^ft 6(bnftftiUI nAb^ 

faßt, iüirb an i^r nid^t t)orübergel;eu bürfen. S)ie 33e= 
tDeidgrünbe merben fd^arf beleucbtet unb ba« ©erntet 
einiger Derminbect. äibev eine Si^iberlegung ttnrb boilb 
nic^t crvcid;t. ^üret ift p fe^r Slpologet ober üielmebr, 
ba bei ber geringen ^ebeutung be« ©(briftftücfe« üou 
einem eigentli^en at)oIogetifd^en Sntereffe m^l faum 
bic ^ebe (ein fann, fel^r 2lbt)oFat, um einer sollen 
unb gerechten Sßürbigung be« 6treUobieftc« ^u gelangen. 
Cr untet(d^&|t bie ec^nnerigleiten, toelc^e Ufen ftnb, 
unb umge!e^rt ift er nur ju tel;r bereit, mit ©rftärungen 
einsutteten, ml6^e in ben^ugen eine« nüd^terneu ^eob^ 
a^tevd eniMebet nidbtd bemeifen obet gat unsuUfftg 
finb. gaft jebe Seite feiner 2lu«fü^rung giebt baüon 
^eugm«. ^er Anfang ber ^b^anblung enthält audb 
eine Keibe Mn offenbaren Srrtftmem. ffiir l^bren ba 
t)on .f>anbfd^rifteu be« 6. unb 7. 3^I;i^^unbert«, n^el^e 
ba« ^^artprium enthalten foQen^ mä^renb bie einzige 
grie<bif4e ^onbfd^rift, weUfte baiSSd^riftfUid ftberUefert, 



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J 



Su ben ;3gnQtiu^^rten. 469 

bem 10. 3nbvl;uubei1 anqebört, bie ^anbfd^riften, toeld^e 
Überfe^ungen bieten, ttoc^ jünger [inb, bie {^cifc^e fd., 
toeU^e ba« iBvitif^^e aRufeum beft|t, no^ bem ftatatog 
ber Sibtiot^cf auä bem 13. 3<-"»^;i^l;^^»^»^'^t ftammt. 2öir 
erfabren ferner, ba6 bie Slften in lateinifd^er Überjcgung 
bereitiS gegen €nbe beS 15. uitb am Slnfang bed 16. 3al^r« 
l^unbertÄ burtb 33o6 unb Uf^er befannt gemalt unb 
burd^ ^aroniug in feine Slnnalen aufgenommen mürben^ 
tofil^renb jene beiben SK&itnet jiiiiiget ftnb old biefev^ 
Qatoniu« fetbf! erfi gegen 6nbe be« 16. ^al^rl^unbevt« 
fein ®e[(^ic^tj^n)erf toeröffentüc^en begann, 55o6 baiS 
SKatti^rium gar ni^t ^eraudgab^ bie (Sbition Uf^erd bod 
Saturn 1647 ffot, unb Satonittd |te nid^t toiebet^ott 
^;aben fann, ba er fd^on vox xf)xem ©rfd^einen tot mar. 
äBir erfal^ren uufercr groben Überrafd^ung meiter, 
hai bie fieben SSriefe bei^ ^gnatluiS ))Toteflantif4etfeitd 
feinem ernften Eingriff mel^r begegnen, luä^reiib eine 
geringe Umfcbau in ber £itteratur genügt, um )u er^ 
fahren, bag ein bettdd^tlid{^et Seil ber ^otefianten t)on 
einer Slnerfennung ber Srlefe no^ n>eft entfernt iß. f)a9 
finb bebenftid^e Segler, unb toer in 2)ingen, bie fid^ mit 
ben ^nben greifen (äff en^ f o jiarfe IBerfel^en fid^ }u f d^ulben 
(ommen lft|t, t)on bem {|t nid^t 311 ermarten, er loerbe 
bie fünfte , auf meld&e c§> in ber obfd^mebenben grage 
bauptfäc^Ud^ anfommt, befonberd fc^arf unb grünblic^ 
erfaffen. 3n ber Zl^at Uftt ed Silret baran bitoeiten 
nur allju fe^r feblen, menn er aud^, »ie bereit« ange^ 
UuXü tourbe, einigen ©egengrünben eitoa^ an ©ewi^t 
|tt benel^men Dermo^te. Unter fold^en Umfifinben ifl 
eiS nid^t angezeigt, aQen feinen 9(uffle0ungen 511 folgen. 
(Ed genügt, an einigen ^^unften ^u geigen, bag bie ^^toie^ 



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460 



Un würben. 

tium 8, 1 unb bem ^Snfang bed Qriefeil an ^ol^farp befielet, 
lütrb burd) bie 53emerfun9en VI, 473 — 476 nx6)t befei: 
ttdt. Dod äßartprium tann nuc balj^iu tetftanben totu 
hen, ha% Sgnatiuft glei^geitig mit ^ob^tatp ein 64ület 
bc^ 3(poftc(0 3ül;auue^ mar, nici^t aber, roie S)üret iüill, 
bag fie au beridi^iebenen 3^^^^^ ^poftel Nörten. 
bemfaai» tonnte S^natini» ni^^t einfai^ abfolut äRitftbütet, 
awootQocnr^g , genannt merben. Hotelier flber?egt ben 
^u^brud bem 6inne nac^ gan^ rid^tig mit ben Korten : 
qni ana com eo andiverat enndem magkitrani. 5Die 
9(ten f^ed^en alfo t)on einer frül^eren 9e!antttfc^aft ber 
beibeii 3Jläuuer; 3ö"^^^ii^ 9^^^^^ bagegen in feinem 39riefe 
3tt oerfteben, ba6 ev ^ol^larp früb^i^ ni<bi fannte, unb 
bet niberfprud^ faitt in ber ^rage nad( bev Cd^t^ett 
beg 3}lartpnum§ ]d)mcr tn bie 5Baqid[)a(t\ 2)ie Slngabe 
bet Sllten koirb burd|^ ^ieron^mui^ aUerbingd infofetn 
beft&tigt, ob bet Mtd^enDatet ben SRatt^tet einen Cdftft« 
ler be« SKpoflelS ?5o^)annc3 nennt. Slber biefe Eingabe 
trägt in unterer grage nidpt^ auiS. ^anbett ftd^ ja 
nid^t batum, ob SanatiuiS ben Xpofiel b5tte^ fonbetn 
barum, ob et i^n gU td^aeitig mit $olp!arp ^ötte. 9lod^ 
njeniger (;aben bie anberen Don S)üret (©. 318) ange^ 
fubtteu ^tv^vx eine l^ebeutung. 5Det &ttefle betfelben, 
ber 3nterpoIatot bet 3gnatiu0btiefe , bmmt )ubem in 
SBegfaH. 2öie ber Qnbc?.- bc-s 3tr»eitiu ^öaubeä meiner 
Patres apostolici ^eigt, nennt er ben ^oftel :3obanned 
nut itoeimal^ unb an (einet ^tefle beutet et aud^ nut 
an^ xoa^ if;n ^üret fagen t&gt. 



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3u ben 3gii<itiu9'9ften. 



461 



2. S)ie @TKÄruti9 , tueld^e VH, 64—56 vtm Um 
93riefe an bic ^^ilabelpl^ier gegeben toirb, empfiehlt 
fe^t tDentg. 5Düret meint, aud bem iBtiefe folge {eined« 
weg«, ba6 3!gnatittÄ in ^^iCabelp^ia fetbß gemefcn fei; 
tool^l aber fei angunel^men, bag üoii $^ilabetpl()ia jtüei- 
mal eine Slborbnung an ben igeUigen ftattfanb; bad 
erflemal eine ia\)lxe{ä)c in €a4^en einet Mi^H^ Dotge« 
gangenen ftreitigen 33if(^of^ita^l, imb bann eine jtoeite, 
U)elc^e ber gemd^lu 16i{(^of, uac^bem er t)on allen enb« 
Ii4 anerfannt motben ts>ax, anffl^rte. ^ie etfie SlboTb^ 
nung fei mit Qgnaltu« t)ermut(i(i^ in 6m^rna jufammem 
gefommen, unb fte ^abe unter beffen Hinflug eine ^n- 
nA^etung ber ^atteien unb eine gebei^lid^e (Einigung 
ber Semeinbe untet ^erfieDung M Hnfel^enft be9 9U 
fd^ofd ^eroorgebracbt. infolge beffen ^abe ficb ber ©is 
f4^of t)on $^i(abel)p^ia nun in ^ecfon unb t)on etmet« 
4^en (BlAubigen begleitet ^u SgnotiuiS begeben, um i^m 
3U banfen, juglei^ aber noc^ ein ©rmunterung^f^reiben 
§u beffeter ^efeftigung ber neu georbneten 3iif^önbe öon 
i^m |tt ermitfen, unb bie Begegnung ^abe bief einmal 
in Xroa^ f^attgefunben. S)ie boppelte ©efanbtfd^aft ifl 
aber nicfet öiel ma^rfci^einlid^er, aU ber „W)\U6)ex" ober 
„Sefud^dauAftug'', ben man ben (Befangenen bid^ep t)on 
etnet Seefiabt au9 in ba9 innere M Sanbed mad^en 
laffen mufete, um feine ©teüung ju ber ©emeinbe t)on 
^^ilabelpl^ia §tt ettUlten, unb ba S)&ret an biefem felbji 
nid^H ICuffaSenbei» finbet (6. 478, 482) , fo l^dtte er 
fitb i^"^ ßppot^efe erfparcn fbnnen. ^ie ©d^iuierigfeit 
loirb bur(b ben ^iufaE nietet jo faft gelbst, aU oielmebr ber 
Oemeid geliefert, ba| e« an Serfldubnid ffir biefelbe fe^lt 

3. ^üret glaubt beriefen 5u ^aben, bag nur ber 



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462 



^aifer, nic^t ein Qtatif^alUx, Sfinatiud t}erurteilt f^aben 
lonnte, toeil nur er ha^ ffU^t l^atte^ ben Setuvteilteit 

in bie Slreno nad) 9iom 511 fc^icfen (VI, 323—328). 2öie 
menig begrünbet biefe SJleinung ift, bad jeigt 6. 104 
meinet 6(iMft übet bie <g<jfttHt ber agnatiitdbnefe 
(1883). Snbeffcn ^abe ic^ {leUid? menig ßcffuunß ju 
ber Slniia^^me, ba§ bort Slu^gefü^^rle toerbe auf ^üret 
Sittbtud ma^^en. S^et ftbet ben $lan, ben Xtajan mit 
Sgnatiu» iHrfolgte, ein \oiä)ci ^fjantafiebilb 511 eiUiDer= 
fen toermag, mie toir e^ VI, 479 — 484 Icfcn, ber i|i 
füt Otitnbe menig emt)f Anglid^. 

4. Bon ^uteoli unb erft üon ba au reben bie Sers 
fafjer ber Slften in ber erften ^^erfou, unb ber 2öed^{el 
bet Hebe ifi um fo auffoUenbet^ aU bemeth toitb^ 39» 
natiuiS fei bur* ben 2Binb au ber fianbuug bafelbfl 
t)er^inbert morben^ bie Begleitung bed ^eiligen bafelbfi 
fomit ni^t mfjl einen Bukoad^d etfol^en l^aBen (ann. 

legte auf ben ^unft gtrar fein grofeesj (ikiind^t. 
Slber bie ^rt unb äBeije^ toie ^üret [lä) mit \\)m au^s 
einonbetfett, ftbetsengt mi<l^ fafi, baft icb i^n bii^^er 
unterfd^ä^te. 5)er SBec^fel in ber 9iebe foü Ti^ eben 
barau^ erflären, bag in ^uteoli ^^reunbe bed SJlartprers^ 
in beffen 64iiff einlegen. ,,S)enn obfdfton, mitb bemetft, 
ber Ignatius l^ier (in ^uteoli) nid^t and £anb ftei» 
gen !onnte, ^iuberte ber ^inb eben nid^t^ bag man oon 
^ttteoli fein Scbiff mit »arten erreii|en tonnte'' (VU, 
61). 21U ob ba« 2lu«fieigen mittelfl 53arfen nicftt eben= 
fo mögli^ tDäre aU bad @infteigen! 

6. SHe fttten fpred^en \>on einer algemeinen unb 
planmäßigen SBerfolgung ber ©Triften burd^ ^rajan (2,1) 
unb iajjen fie ho(^ ber ^tit befielen, too ^gnatiud 



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8» ben Ognattu^'^ften. 



463 



betdtiS ben ©oben Stalten« betreten b^tle unb unmittet« 
bar bem ^mp^it^eater entgegenging (6^ 3). ^ie Briefe 
miffen toeber toon einem fol<b^it Umfattg no^ Dott einer 
fdd^en 5Dattet ber Setfolguiig. 9>U JHrd^en i^Ieinaflen« 
erfreuten fic^ ber SRul&e, aH ber 3}tarti)rer bur^ ha^ 
Sanb }0g; bie Serfolgung ^5rte felbft in Slntio^ien 
auf, aU et auf bem SBege t>on 6mi^tna nad^ Xtoa« 
njar, tt)ie au3 bem Briefe an ^oli^farp (7, 1) erhellt, 
unb bie anbern)eitige Überlieferung befiätigt ebenfo febr 
bie Xn^aben ber Sriefe, atö fte gegen bie Otiten ^eugt. 
2öie mitt man bei biefem SBiberfpruci^ bie Elften galten? 
S)üret gtebt barüber feinen ^uffc^lug. ^ie älntmort 
tann aber nt^t ^eifelf^aft fein, sumal »enn man et« 
iDägt, bag bie 8(ften ber alten 3^it unbetannt maren. 

6. SDüret meint aUerbing^ fd^on bad ^artprium 
bed I^L ^ol0tatp aU geugen ber SUten betrauten 
fbnnen. Sie 6d^u|rebe, toelä^e bie 6d^rift am Snfange 
barbiete, inbem jte ber ^bee entticotentrete, ob ba^ 
ä)^{art)^rium ^olpfarpd barum minbenoertig ober oon 
getingetet ®lotie fei, »eil et ftd^ ni<bt feibfl unb loon freien 
6tücfen gleich anfangt bem Stic^ter ftcUte uub I^ingab, 
fonbern juerft ber SSerfolgung auömic^, ficb oerbarg unb 
ettbli4 bann bntc^ Sertat ausgeliefert nyutbe, etKftte 
ftd^ ni(bt UM bem 9etl^alten be9 eCenben üuintud, oon 
bem im Eingang bie Sflebe ift, fonbern fei veranlagt 
bur(b bie in ^m^ma tt)o^l beSannte (Befc^icbte bei» 1^1. 
Ignatius, bet ft^ t»on freien 6tfi<Ien unb fofort na^ 
2lu3brud& ber SSerfolgung üor ben Äaifcr ^^lajan ^?abe 
füffren lafjen, be^m. bur4^ bie Siflen beö SDI^artprerd, 
bie aOein biefeft iBene^men bezeugen , nid^t aud^ bie 
Briefe. Unb bag e^ \i6) \o oerf^alte^ ^eige bie^e^eid^^ 



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464 



nung ber beibeu 3}iartvver aU x^iitg tniar^fxog (Mart. 
Ign. 2, 0; Polyc. 14, 1) unb ber Umfianb, ^6 beibe 
SRAttnet iia4 i^tet dv^teifimg fllT bie Jtin^e beten« 5Die 
Übereinftimmung in (ejterem ^uuft Jei jtpai meniger 
IM betonen, ba rt<$ ber 3^9 für einen S)2art9mbifd^of 
fo lientU^ bon felbft oerflel^e. flileiii loenii in bem an« 
bereu ^unft eine 3Ibl;)äiigigfeit vorliege, fo möge eine 
\sM^i au(f^ in biefem Dorl^anben fein^ unb ba ber 
Sudbrud itqiog Maijfiog in ben Sllten ^ßoi^Iarpi^ offen« 
bar aU entloljnt bafte^e, bie 9iatuilid)feit unb @iufad^= 
^eit bie ißrimitiDit&t ben ^dttatiuiSafteu Dinbi^iere, fo fei 
aud^ ^iet loiebet getoig bie Sim^DliaitAt bed Sgnatiani« 
fc^en 3}Jarti^rium^ für beffen ^^rä5ebenj fpred)tuD (VI, 
309—311). äßo Hegt benu aber bie m\^u ^^mßii^U 
t&t"? S)o4 »0^1 no<l^ nUl^t fofott ba, mo ein paar 
2öorte menigcr ftel;en. Unb mo ift bie gröfeere ;)iatür^ 
li^teit? ^\im minbefien ftel^eu bie ältten ^olptarpd ben 
30natitt4a(ten in biefet ^esiel^ng nii^t« nad^. Kuf 
biefem ^2üa]e ifl aljo bie 'Priorität für legtere cdjrift 
nid^t feft^uftellen. muffen noc^^ anbere ^en^ei^mo- 
mente l^etbetgesogen, ed muS namentUd^ bie ftd^ere 0es 
fd^id^tc t)ci- Xofunuute in 3lnf4lag gebracht werben, unb 
koenn biefed gefd^ie^t, bann ift auf bie ^ilb(^ängigfeit ber 
3dnatitti»a(tett §u ertennen, fofem auf bie fraglid^en 6teU 
len überhaupt eine 5lb^ängigfeit p begrünbeu ift. 3» = 
befjeu !ann ber ^^uuft gan^ auf berufen bleiben, ba 
bad $au))tar0ttmettt %>üxM offenbar unridl^tid ift S^xa 
3Wartprium ^^.^olptarp!^ foü ben ^ifd^of t>on 6mprna 
toegen feinet jögernben ^er^atten^ gegenüber bem Opfer- 
mut unb ber @elbfll^ingabe be« iBifc^of« oon Kntiod^ien 
t)erteibigen ! @ine berartige Xenben^ liegt aber uict^i oor. 



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3« ben 9foiHitiiii4Cfteii. 



Sie 64rift (eita^^tet eiS Dielme^v aU fo bttr^auil ben 

®runb?ä^en bee @Daugelium3 angemeffen, £>a§ man fid^ 
nic^t i€it>(t audtiefece, fonbevn bie Srgteifunfl ahmiU, 
ba§ ^ol^faip in biefer Seatel^ung feiner Rechtfertigung 
beburfte. Uub felbfi roenn eine 33e3ugnaf)me auf Qgi 
natiud DPcUige, fo toürben mir teinedmegd auf bie Elften 
geloiefen. Ser SUmerMef 1 nHlrbe fle oolUomniett 
erflären. Unb \dh\t bic ^öriefe braud^en nic^t nottoen« 
big boraudgefett »erben. Sduatiud tarn ja mit ber 
iSemeittbe von Sm^ma in perfönlid^en Serlel^r^ nnb bie 
^obeSfreubigfeit, meldte er an ben Xaq [egte, blieb ^ier 
ft^er lange in (foinnerung. S)ie Sebuttion S)üretd 
fc^webt olfo gansltd^ in ber Suft^ unb auf einen [xä^ettn 
^oben mitb pe aud^ burc|^ fiucian uid^t gebrad^t, ber 
ald meiterer S^u^^ angeffi^rt mirb. S)ie Segeit^nung 
ber fl^riflen att »ooioSalftcißtg brauet in leiner Seife auf 
bad Sd^^^iudmart^rium (2, 3) ^urüdtgefü^rt su werben. 

3(b gebe ni<bt oeiter. 2)ad StogefA^rte }eigt jur 
0enfige, bag bie Sdn^tiudalt^n nod^ feineiltoegg al0 
eine ©d^rift au^ bem älnfang bed 2. 2lAb^^unbertd geU 
ten lönnen. 



t^L Oiuurtal((4dft 1893. ^c|t III. 



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1. 

f bilrii««i Hl M II. e^rift Vltm mH tcttcii %t$mnM 

üon Dr. grouj ftaulfn. Xxiiit öerbeffcrtc ?luflage. 
Qxotittx ZtiL greiburg i. fdt, ^ecbec'jct^e fßtxlaqj^ 
^anMusfl 1892 @. 188-^86. 

9fla(^bem ber erfle %nl üon Ä.'« (ginUiluuö 1890 
in 3. ^uß. t)ecöftentlic^t mutbe (f. auattalfd^r. 1891, 
499 ff.), liegt nun au^ bev smeite mefeittli(|^ t^etme^ 
in 3. Slufl. X)Ox. ^erfelbe be^anbelt bie befonbcre (Sin* 
leitnng in ba« 21. %. ÜKet^obe, ©runbfSge unb 6iu» 
Tif^tung fuib biefelben »ie in 1. unb 2. SluiSgabe. SBenn 
ftd^ aber bet IBetf. au<i^ flreng an bie Xrabition ber 
Äirc^e (unb ber ©pnagoge teilroeije) ^alt, \o baut er 
aEe {eine ttnterfu^ungen unb Slefultate bo^ fletd auf 
grünblid^e unb aOfeitige Oelebrfamfeit. KM 8tt(b ent« 
bätt einen ftauiicnSmerten gcUljrten 5(pparat. 2Bof?( finb, 
tote ielb)ioer)idubUc^, oiele gragen nut en passant be« 
TÜffxt, abet bem Stef., bet fUb mit legflem 3ntereffe 
bet Seftürc unb bem ^lubium beö reid^^alti^cn unb 
belef^renben Sucf^ed getoibmet, ift nic^t (Sine mistige 



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taideii, Cinkiliiiig Uli V. n. 9t ^ 467 

gtage bttanut, Met SSerf. ni^t Huff^tufi ober « 

nigften^ einen .^iniDeU auf meiterfü^renbe Hilfsmittel 
gäbe, ^te ei fx^ bei St. oon felbfi Derfle^t, ifl bie 
eiiif^Ugtge £ittetatitr nad^gettagen unb mand^e IBemev» 
(ung beS ^erf. meift auf beffen SSertraut^eit unb SSe^ 
fanntf^aft auä^ mit ber :^itteratur i^in, bie ni^t aud« 
ffi^rli(( genaimt ifl. (Ebenfo ftnb bie neuefieit, fftr boi 
91. 2^. fo mid^ugen gorfc^uugcn getDiffen^aft Dertoertet, 
unb alle bie oerfdj^iebenen (^iftoriic^en^ ^ronologifc^en, 
geogtapl^ifd^eit unb arci^&ologifd^eii 6<j^tt)ietig(eiteii toet* 
ben mit tooHer 6ai^fenntni^ rul)iy unb objeftit) befpro-- 
dfren, be^m. gelöji Wlit SSorliebe unb befonberer ©orgs 
fatt iü bie ^iitateu<lbftage befpro^en. £e^nei4 unb 
anregeuD ifl, roaö über bie 6d^üpfung«gefc^i(^te, ba^ 
2llter ber SJlenfd^en (boci^ braudjjt man betreff« ber $ö^e 
nicbt fo ftngfUi«^ §u fein, bgt. 64an|, SIpotogie 1, 33S ff.)/ 
ba« $arabieö, bie Sintflutögdd^id^tc, bie SBölfertafel, 
bie ©prad^üerroirrung, ^ex\iöim^ t)on 6obom unb 
«omotrK Mn ^oUi unb Üg9t>ten (^ier toermifet Kef. 
ungern 21. 6c^o[j, Sgpptologie unb bie ^üc^er Wlo[\&, 
SBur^bg. 1Ö78> gejagt toirb (6. 204 ff,). — «on bed 
8erf/i» freiem, unbefangenem Urlett sengt, bafi et §. 
33. bag t^ud; Sofua unb ben ^rebiger in i^rer vox- 
liegenben @efialt nicbt t>on 2lo{ua be^m. @alomon 
uetfaftt fein U|t — S)agegen nimmt 11. au4 in bet 
neuen i^cxemia^ ale ben S?crta|)cr ber ^önig^bils 
4er an. :3nbe{)ea ^ur ^üi i^rer ^bfaffung fonnte i^e» 
temiad Kaum mel^t gelebt l^aben, bet §ubem in llgi^pten 
gefiorben ift, unb erfl 66 3a^re nad^ feiner Berufung 
aum iprop^eteu ift bad U^te 4. Mni^. 25, 27 beri^tete 
iStetgnii» eingetreten. Wef. glaubt, bag man nut fobiel 

30* 

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468 StauUn, 

fagen fann, bic betr. ^üdnr feien uoii einem in '^ahp- 
Ion lebenben, Don prop^etijc^em @eift befeelten unb mit 
bet «ef^iil^te feinei» ^oUtü (unb ben e^rifteii Seremid) 
genauer befannten 3ubäer in her 2. ^ätfte be« ©yiU 
gef daneben roorben. ®äic (i^^ra ber SJerfafjer^ fo toätc 
fi^et aitdft ba» <giib€ bed dfiU etmft^nt — aSegen 
SRottl^. 27, 9 fügt, übtigeitil Sd^ianj, OuaTtalf^r. 1889, 
702 f.) nehmen einige eine tertoren gegangene ©((irift 
bed Seremiad an (toie ). 83. nod^ $Usl^/ Aommentar )tt 
ben 4 I^I. (St^angeL 4. 8b. 9xa^ 1892), meft^olb bie 
Einleitung bavübcr 2Iuff(3^tu§ geben foöte; bie kernet« 
(nn0 @. 431 genügt nicbt. — Sief, ifi überzeugt, ba| 
bie alttttd^ßi^e Xrabition Don bem jeremianif<(en tltf 
fprung ber MIagetieber üor bem gorum hex m^ens 
{d^a(tli4ien ^ritit beftet^eu fann, ahn bennoc^ ij^alt n 
tü für notmenbig, hai eine Cniteitung au<^ bev immer« 
^in 5a^tteic^eu (ügl. gU'^ii'-^t/ raiaital)d}r. 1877, 187 — 
280) ®egner ber ieremianifd^en ^ilbfaffung (SttDäf^nung 
t^ut. — S)ie Unna^me, ba| bie {leinen ^rop^eten butd^* 
aud d^ronologifcb georbnet feien (©. 351), ifl xoof)l bie 
l^etgebrac^te ^ aber unfereS @rad;)ten!S nidj;! bemiefen 
unb au^ nid^t ^attbar. äRe^t äBa^rf^^einU^feU ^ 
für fid^ bie ^ttlltcnnq bon $eteriS, ^rop^ejie bed Obabia^^, 
^aberb. 1892, ©. 47. — S)ag üielbefprodtene ßparba 
bei Obabial^ {i&Ue eine dtodl^nung ober »enig^nd 
einen ^inmetiS auf beiS 8erf. ..Slffpvien unb Sabplonien"* 
6. 243 Derbient; bie grage ift be^anbelt bei ^eter« 
a. a. D. e. 123—127. — S)ie ^nl^altöangabe oon 
Sono^ ifl n>nnbevbat fd^ön, abet bod^ gu attdffi]^tK(| 
(1 unb Va 6eite 5^leiiibrud). — ®egen beS apotogetis 
{(^en gmeded bet d^inteitungdmiffenidl^aft io£Uen bei bec 



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(Anleitung ind Si. u. ifl. %, 



469 



grage über bic innere SWöglid^feit ber ©rjä^lung 3o= 
näf^^ (6. 416) aud^ bie ©inmänbe, bafe t)on ber 33u6e 
bet %iiiit>iteii fonfl nitgenbiS ttmA berietet toitb unb 
bie 6enbung eineiS i^tdelitifd^en ^rop^eten einer 
^^eibnifd^en ^äeüölfenuuj immerhin etnjaS 2lu6erorbents 
ii^eü beriidri^tigt, be^tD. gelöfi fein. Sbenfo foOte 
and gletd^em Oranbe bie vettere ^ppot^efe, i^ona^d 0e« 
fd^i^te fei nur bie D^ad^bitbuug ^eibui[d?er 3)2^t^cn (^e« 
ftone burdj^ ^ertulei^ unb Slnbromeba butd^ ^efeud 
befreit) bef^ro^en fein. — 3n einem fenR fo teid^^al« 
tigeu S3u^, tnie K.'s^ (i. ift, t)crmi6t mau Jel^r ungern 
eine Srbrterung über i^^etrum unb ©iropf^enbau ber 
9fatmen, ermartet toenigflenft einen Sertoeid auf bie 
belreffeube £itteratur (ügl. ßoberg, ^falm. b. SSulg. 6. 

IX. ). ^afür bag bie ^nnal^me, in ber macd^abätfd^en 
3eit feien no4^ lancnifd^e ${atmen entfianben, j^inffiSig 
i% foHten ©. 309 bie ©rüube lüenigfteu!^ in 5!ürje ans 
gegeben unb neben ^impel auc^ S3i(!ell (S^ii\ä)X, f. fatb. 
X^eoL 1890, 751 ff.) citiert fein. — ^ie oortrefflidfte 
CrSrterung t>on SRatod^. 1, 11 U)irb aud^ ben f)ogma« 
tiletn n}iU!ommen fein. — ^^ür baS ganje SBerf ^äiUn 
Wir nod^ ben Sßunfdi^, bog am ^opf ber einzelnen tBIdt« 
ter fiatt ber allgemeinen Xngabe (5. 9. Siid^er gefd^ic^tt. 
3n^alt5, fie^rbüc^er m 51. ^.) 5J?amc unb %M ber 
betr. ©((frift felbfl angegeben loäre — §um j^to^d bed 
bitteren Slac^fd^Iagenft. 5Da mit biefem Xeil ba« 8ud( 
für ba^ 21. %. abgefd^Ioffen ifl , fo tüäre ein SlegiRer, 
bad für ben folgenben Xeil ((eiuL in bie ^üd^. bei3 % 

X. ) borbe^aben fein fdfteint, (ier fdj^on münfdften«* 
toert gemefen. 

S)ieie iBemertungen m5gen jeigen, toeld^ lebl^aftei^ 



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470 



ftoulcn, dinUitung ind 91. u. 92. %. 



3nterefje ha 3tef. an bem fe^r empfe^^lcn^merten ^uc^ 
atf^ht iat — S)a| tote mit Sted^t bei t>n Sefpted^ung 
beö erflen ^dU ber eint, (üuartalfc^^r. 1891, 6. 500) 
Sieftle'ä t)ortrcffli(^e Kollation ber LXX (jur Original» 
ausgäbe ber Siztina t>. 1586) fo {ebt empfobleit b^^be«, 
^lat fid? jegt beflätigt. 5Rid&t nnr tuirb 9^lefl(e'« Slrbeit 
üon H. B. Swete, The old Testament in Greek I, p. 
VII (Cambridge 1887), Ii, p. XIV sq. (1891) unb 
the Psalms in Greek 1889, p. XIII fo»ie üon E. Hatch 
and ü. Kedpotb , Coucordance io the Septuagint and 
tbe oiher Greek Venions of ihe Old Testament, Ox- 
ford 1892, I, p. V üolic mib unciu^cic^räufte Slnerfen- 
nung teil, fonbcrn biefetbe mitb für bie SBoHenbung 
biefer äBecte audf^Ueftli^ benagt, ^meU bunb ibte 
afribie unb Sic^er^eit meitere jlottationen fi^ übcr= 
ftüfftg b^^audfieUten". ^u,^ jegt noc^ mirb man fid^ 
am genauefien Uber ABS aud Xif<benbaif>9lefUe untet^ 
tid)tcn , jumat ba man t^ier auä) noö) hk Arbeit ber 
fiftinijc^en ^erau^^geber t)on 1586 ^at, bie Swete nic^t 
0iebt. me nüifiidf, ia nottoeabig e« ifl, in 9le{Ue'« 
6upplinuui fid^ um^ufii^tii, unb vok [ic^ eine fot<be ttm 
terUiiungöjünbe xäfS)t, rächen tann, ba« i[l in ©tabe'd 
3eüf(^r. füt attteflL ffiiffenfc^ft 1892, 6. 29-90 fcbia« 
gcnb gejeigt 

etutidart. Dr. iheoL X. Ao(b. 



2. 

irtlinini M 8riefe# sn bie Himcf ton Br. «I. tklifcf, 

otb. ^rofeffor ber Xbeotogte an bet !gl. ftfabemie |n 

SD^ünfter i. 233. VIII u. 419 @. «Ifc^^enborff'jcöe ißu^ 
bonblung 1691. 3)^ 6, 50. 



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dcOfitunft bed lOciefcA an bie Siömet. 471 

^em im ^a\)x 1890 erfc^iettenen erfien ^anb ifl 
Wii^ bitsem 3^if4^^^^ ent^olteiib ben 

SHömerbrtef gefolgt; ber jtüeite big je^t nod^ ui^t publi« 
gierte $anb tvixb bie ©rflatung ber beiben Aorintl^ers 
btiefe bringeii. SRÜ SlfidtfU^t auf bie aniSffl^Yß^e 8e» 
frrec^ung ber erften Lieferung (Sa^rgang 1891 6. 137 
bid 146) be{4rdn£t \iä^ 9lef., inbem er bie bort aud< 
^tSptoüttne DoKommette ilnttUnmnq aiu( auf bie l^ier 
gebotene Slrbeit auöbel^nt, auf fotgenbe SBemerfungen. 

1) (Sd begegnet bem Sluge bed £eierd eine faft 
grofte Sn^a^t bon SMmdfel^teni unb anbete formeDe 
S3erftö6c. Ol^uc auf SSoUftäuöigfcit 2lujpruc^ mad^en 
)u tPoHen, ^ebt 9ief. ^unäd^ft einzelne in ©c^reibung 
gTied^. SBdrtet (etbOT: 6» 48 rrntjua iyuoavif9g; 6.69 

07ieQf4aX6yos i 6. 103 dixaio&rjaoyjai; ©. 139 (ft. 
TV^o^) z^jjy «Weef *v ; 6. 149 e^o^CiV ogt. 6. 42 «Jofyy«- 
il4;eiy; 6. 206 dur vi^y aad^nlw ügL 6. 206; 6. 216 
efe yevea^ai; €.218 iv xcaexo/ae^a ntxrstxO' 
Atf^a); e.a52 ai^vxiUly ft at/ywU/eiy ))gL ^b. 1 e. 299. 
8on fonfUgen Serfel^en feien angemerft 6. 39: bieSe« 
jie^ung, mel^e . . . befielen; 6.42 Slnfid^t flatt Slbfid^t; 
6. 90 : bag bie fünbigenben Reiben ßdS^ feiner 6trafbav> 
feit beiDuftt mar; B. 189: bie SetUTteilung be^el^l in 
bie ^ßer^ängung ber ^obe^ftrafe; 6.383 u. 384: er 
mürbe bereit fein, auf bie Steckte . . . su opfern (tu 
neriid^en). 

2) 5)ie fiberfe|ung ift mandberort« ungenau, 
unooUft&nbig, unri(|^tig ober fiimmt mit ber nadj^folgen« 
ben CrlUtung ni^t ftberein. 1 , 21 (6. 70) foOte ed 
beißen : beS^alb, tt)eil fie, obmo^I fie ©Ott erfannt 
Ratten, ni^t aU Qott meierten. 2, 8 (6. 92) 



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472 @4afer. 



preitffi$ttg ft. ränfefüdjtig. 2, 24 (6. 93): bet Partie 
OoUed toUb bucd^ eu4 deläftect ft um eurettoUletL 8, 
29 (6.180) fehlen bie Sorte: 3a »oH (0ott ifl (Sott) 
aud^ ber Reiben. 5, 14 (6. 164): bennod^ l^errfd^tc 
bet Zot) flbec bie (ft. aucb übec bie), toelc^e fftabigteit. 
8, 10 (6. 233): ber Seib ifl ^toar tot bur^ bieGfinbe, 
hex @eifl aber Seben t>nx6) (Sered&tigfeit ft. um bcr 
Gflnbe, um ber (Bere^tiflleit »illetu 8, 24 (6.235): 
eine «C^offnung , bie Tte^t ügt. bie (SrHftrung 6. 264 ft. 
eine Hoffnung, bie man fie^t ober bie gejelj^en mirb. 
10, 4 (6. 313) fel^lt nad^ S^riflud „fax eere^tigleit''. 
14, 6 (6. 885) festen am 6d^tu6 bie SBorte: vitb loer 
nid)t igt, ifet um be^ .§errn toiSen uic^t unb er banfjagt 
Sott. 14, 15 (6. 386): benn toenn burcb bie 6peife 
fl. itm einer €\>d\e tüiDeti bein Qruber ^elrftnlt foirb. 
15, 14 (6. 402): bafe i^ir tjott feib, befähigt, eud& ein* 
anber sured^t^uioeif en ft baMud^ i^rooUfeib, befähigt, 
auäf einanber aured^tsumeifen. 16, 1 (6.404, ebenfo 
412) : in Äend&rea fi. in Äend^reä. 3, 7 (©. 117) : ma« 
merbe i(b no4 aU 6finber gerid^tet? bamit fUmmt bie 
ernSrund 6. 123. fibetfe^ung unb Srftftrung ift aber 
unrid^tig. ^enu ber gried^. Se^t lautet: %i m xayw 
wg iiiUQ/imlog uQlvofnu; toarum »erbe bann aitcb idb 
nod^ att 6ünber gerid^tet? S)em entfpred^enb mufi bie 
(Erflärung gan^ anberd auffallen. Wa }U>ei Steden 
meidet bie (Eiegefe Don ber Uberfe^ung ab. 12, 6 (&. 
867): fei ei» ^rop^eaie, fo fei fie nad^ ber »i<^tf(!^n«r 
be« ©lauben«. 5Run tuirb aber 6. 365 eben beftrilteu, 
ba6 imkiofki im 9L X. btefe erft fpdter nadtgemtefene 
Sebeutung bo^e. 3^ 13, 11 ifl bie te^tfritifcbe ^emerlung 
gemad^t (6, 376), bag bie SBortfteQung a^a i^di^ verbürgt 



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Mlftfung M eriefed an bie Sfiömec. 473 

fei; bemöemQfe ifl überfe^t: Urtb biefe«, bafe i^r bie 
3eit t)erfie^et, baft bie 6tunbe f^on ba ifl, baft i^t 
au3 bem Schlafe ertuad^et. Kommentar jur ©teile 
(6. 382) »itb bemerft : ba^ 3?erftänbni« für bie re^ te 
3eit tel^vt utti», bag bie etunbe, fofort l^om ed^lafe 
aufjinuad^ni, ifl. 3n einer 3lnmerfung merben mir 
ba beUdrt^ rjSr^ müffe mit 6$ ti/iyoi; iy€Q&t]vai öerbuus 
ben »erben. 5Die Ü6erfe|ttii9 biefed Setfed ifi inbeft mS^ 
fonfi maiigc((jait; jotite ^ei^en : Unb bie^ t^ut, ba il;r ja 
bie 3«it öerftel^t ac. ©benfo mufe SRef. bie Siu^legung bet 
aletbiitgi» f^toietigen eteOe 5, 7 6. 164 u. 171 fflt 
unrid^tiQ ^)a[ten. ^ie Sluffaffung be^ ölxuIov im maS* 
tulinif^en Sinne ift notmenbig; ob audf^ bie pou vov 
iyaMff ifi fragli«!^. 3nbeiS iDoBen toir bogegen nid^ti^ 
erinnern, ^ebenfafl^i aber barf mau nid;i uberfefen: benn 
f4|U)erU(t^ mirb jematib für einen (geredeten iterben; benn 
ffir ben Cuten — laum unternimmt ei^ fogav jemanb 

gu flerben. au^ bcr (rrflänuuj beutlidj) l?ert>ornebt 

(i,au4^ jufterben, etm& anbered mag e^er getoagt mtt>eü"), 
nimmt bet 8etf. mit mo^mfüp ^ufammen; eil 
^^eifet aber im ^ept: x«J ro^^(^ dno^avatv; alfo: faum 
koirb jemanb fein £eben opfern für einen @ere4ten; 
tanm^ fage id^: benn bur^auil fei niH^t geleugnet, 
bag jemanb für ben äteci^tfd^affeneu gu fierben nodj^ über 
fi(^ gewinnen mag. 

3) Die Xudfü^mngen übet Seranlaffung unb Qrotd 
beÄ Sflömcrbrief« (€. 15ff.) pnb überjeugenb: gleid^mie 
ber $latt bed älpofteU, 9lom aufsufud^en^ aud feinem 
Seruf aU {^eibenapoflel l^en^orgegangen \% fo audb bet 
feine 2lnfunft in ber Sßelt^auptftabt torbereitenbe 93rief 
an bie bortige d^rifU. (Bemeinbe^ meicbe i^ierfeitd i^m nid^t 



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474 



bireften SliUag jum Schreiben gegeben \)atU. 2Benu ^>m- 
gegeti bei l^r 3i^^^><^i<^^n l>ec Srma^niuid lu» 0e« 
l^orfam gegen bie Obrigleit unb bet aSanmiig ttot htm 
Ärgernis ber Sc^mac^cn unb üor unbere^tigtem gcgetis 
leitigen älicbten jebedmol nod^ u<uiftbnl(tli4 betont toixb, 
auä) f)itx fei bet Oebante, al0 ob tontrete Ser^ftltntffe 
ber Tömifdjen ©emeinbe \oiä)c ßrma^inung üeranlafet 
iätun (6. 376 u. 393), hut^^u» abaukoeifen, {o oer< 
mdgen lott ntibt Tfid^altloiK bei^ufUmmen. Dag fteiUd^ 
ber 2Ipoftd, menn er über^iaupt einmal nad) 9tom fc^rieb, 
in ben Srief aud^ fittlicbe (^rmo^nunden etnfloc^t, bt* 
greifen loic l^ßHig ; bad t^at ev in allen feinen Sriefeiu 
2Ibcr man fragt hvä) unmill für lieb: marum legte er 
9erabe bie be|ei(bneten (fomot^nungen f^ier nieber? UMtiiiii 
niil^t aud|^ fold^e an bie gfranen, an bie ßttem, Jtinber, 
6flat)en, etxoa wie im ßp^^eferbrief (t)gl. ben erflen^e= 
trui»brief)? Diefe etaentEmli^teU bed aUnterbtief« 
erfUrt fub n. 6. bod^ am beflen but^ bie Xnna^me, 
bafe ber Slpoftel huxä) feine ©efannten in diom über bie 
Serltf&ltniffe einieen Xuff^lul ermatten l^otte, »eU^er 
i(ni Xttlal loui^e^ bie erma^nungen in bent aDerbingd 
aud feinem Berufe ^erau^gemac^fenen Briefe gerobe fo 
Stt gefiotten n>ie et get^an ^at. 

8elfer. 

3. 

^HiieniefMtf bet t^otnicAnifc^en 3eit. 8on Dr. 3. eilütm. 

ämitt, üerme^rte unb oerbefferte Auflage (Ä. u. b. X.: 
X^eologi{4e$ibtiDtl)ef. ^ogmengefc^ic^te. (£r(ter)6anb). 
gftetburg, ^etbcc 1892. X, 672 @. gt. 8. 

^a(^ brei 2[al^rae(^nten erfc^^eint biefed ^ni, be^to. 



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475 



her erfte 93anb beSfelben, in gtüeiler 2luf(age. (Kn \oU 
^ex Qeiixanm gel^t in ber SRegel nid^t Don'ibcr, o(^ne 
ba| ber 9Henf<l^ erl^eblidlie gortf<j^titte ma^t SOie eigene 
f^orfc^ung itnb bie ^orfc^ung anbetet ful^rt if^n mettet^ 
unb bie (Snttoidlung pflegt auc^ (einen litterarifd^en Sr^ 
jetigniffen su gut |tt lommen. 60 erhalten toit ou4 
ben ootliegenben Qanb in ettoeitettet unb t)etbeffettet 
©eftalt. 9}?e^rere Slbfc^nitte fiiit» mefentlid^ umgearbeitet. 

S)ec ^anb verfällt augec bec Einleitung in t)t€t 
Zeile. Cd metben 1. bie ^Dogmen flbet (Bott, bie Xti* 
nität uiit) oic od^opfung, 2. bit (^l^riftolo^ie unb ©oterios 
logie , 3. bie Anthropologie , 4. bie ^e^re ))on ber üirct^e/ 
bem ^timat, ben QloubendqueDen unb ben eafeamen* 
ten in i^rer gefd^id^tU^en ßntmidflung bargeftellt. $)ie 
Snorbnung ifi in ber ^aupl[ad^e gegeben, etn^eU 
nen obet ttitb man betfcj^iebenet Slnitc^t fein. Se|iig» 
lid^ bet (8tauben9<nieDen ^dtte eg m. (S. empfohlen, 
bie (Erörterung ni^i bem Slbfd^nitt über bie ^irc^e ein- 
(UDetleiben , fonbetn alg einen befonbeten Xeil )u be» 
^anbeln. 5Dag Serfal^ren bfttfte fad^gemdger fein, unb 
ber iDlc^tige $un!t koürbe e|^er jur entfprec^enben @eU 
tung gelangen. 

IDie Setbeffetung , bie bem Setle }u teil tt>utbe, 

ift jiemlic^ bciiadjUicl^, >Der !^c)ev maö)l aUhali) bie 
(Srfai^rung, bag bet^erf. basä ^ud^ nie aud ben ^ugen 
miot, fonbetn ben einf^^Ugigen ^ublitationen bet left« 
ten 3^i^ ^U^^ folgte unb pe feiner Slrbeit nußbar 
mad^te. S)od^ ging bie beffernbe ^anb nid^t ganj fo^ 
n>eit, aU notmenbig obet »enigfien« in ^ödt^fiem (Stabe 
tt)finf4endtt)ett gemefen »ftte. Qg !ommt ^iet fofott bet 
übfc^nUt über bie ^riuitdti^Ut^re ber ^ofiolifd^en ^öter 



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476 



in fbttta^t, bev fteitU^ am meißen umgeffailtet toerben 

tttugte, tt)cH feit ber 1. Sluflfoge mcl^rere ©(i^nftftüde 
neu aufgefunben, ber ^eyt ber anberen »tientlidj^ öet* 
beffett tDurbe. 60 fe|^U bei Akmend üon Slom getabe 
ha9 ^mtptaeugntS Met bie Xtinitfit^ bad but<l( ba9 neu 
entbecfte Said feinet Sriefe^ bargeboten trirb. 8ei 
^ermad ifi bie (^törtetung bec Xtinit&Ulebre ungenödenb. 
S)ie einf^Iägigen 6teleit toetben ni^t aDe getoftrbigt 
S)ie S)arftettung ©im. V, 5, 2 tüirb aU toerfel^rt be^ 
jeid^net, aber ^ugleicb aus einer Oppo(ttiou gegen beii 
äRontanidmttd etRAtt, toftb^enb biefer bod^ aOem no^ 
fpäter ift aU ba§ fraglidjc lUid^. 6. 54—60 mirb 
über J^ermaS eine äluiSfü^rung gegeben, bie tt)obl in eine 
^attologie gebdct, abet ni^t in eine S)ogmen9ef4id^te. 
(Segen bie 9[bfaffung bed 93ama6ai8briefed burd^ ben 
Sttpoftel SÖarnabaiS trirb u. a. üorgebrad^t, ba& er eine 
fe^t »eitge^^enbe j^enntnid ber iBriefe beiS Xlemend unb 
Sgnatiud isevtate (53). ßum Semeii» »itb ^at auf bie 
Patres apost. üon ©ebl^arbt unb ^arnacf t)ern)iefen. 
S)ie angefttl^vte stelle «ntl^&lt aber ni^t, tt)ad su et« 
toatten tDäve, unb menn ^avnai je ft^ babin aui^ptäiit, 
fo märe tl^m nii^t p folgen, meil bie 3^^efe völlig un= 
l^altbar iü Cbenfo enegt bie Se^te bev Slpofioliid^en 
SAter bei ben anbetn ^nnlten mel^rfadj^ einen 3)oeifeL 
$)er 3(u«fpni(^ be^ ^errna« Mand. IV, 3, 6 über bie 
^uge mürbe 6. 449 ff. fti^^er migoerfianben. ^ie bort 
betfl^e (Eine Sage iji niö^t bie Buge na4 ber Xanfe, 
fonbern bie SBufee in ber 2^aufe, rcie ber i^onteri gegen 
bie ^uj^fül^rung bed $erf. flar ^etgt, uamentUcb bie ge- 
genfö^lid^e Stellung M Sa^eA ju bem t)i>ratt0ge]^en» 
ben, unb mad aU ©runb für bie Xblel^nung einer mie^ 



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477 



ber^olten 16it|e hux^ ^ermad angeführt mirb, bag fie 
ben 3Kenf(ten öon ©Ott abrocnbeii uriö an ©orglofigfeit 
geiPö^nen mürbe, ifl in ben äBorten bed flutotd feineiS« 
toeg^ au finben. S)a§ jene Stuffaffung ni(^t rid^ttg ober 
jum minbcpeu fe^r fraglid^ ift, bemeift ber SBerf. felb[l. 
@. 487 lefen mir, ^etmod oerfünbige (nur) mit Sud« 
ft^t auf bie betorfte^enbe Serfolgung unb $rfifung eine 
einmalige 33u§e unb 3flefonjiUation. ift ha6 @e: 

genteii tjon bem, mad 6. 450 \U^t, unb i>er ^iber« 
fprud^ $ei0t, bag ber SSerf. fidf über bie 6teQung bed 
^crmad jur ^^ufee ni4)t ganj tiax geiuorben ift. S)er 
Slbfcbnitt bebarf ba^er einer ifteöifion, unb gleid^ i^m 
iii ber meitere über bie %u6bid)i)>lin ^anbelnbe 
um§uar(e{ten. S)er 8erf. ^at bie einfc^lägigen neueren 
SBer^onblungen ju toenig geroürbigt. S. 488 f. mitb 
bie t>eraUete ^^e{e \>on bem IBuftebitt 3^P&9nnd wx» 
getragen unb 6. 511 mieber^olt 

Se|tere Semertung reid^t bereites über bie ^eriobe 
ber 9[)>oüolif#en $&ter ^inaud, unb glei(^ ber ^ugbid« 
Siblin ifl in bem metteren Xeil nod^ man^^er anbere 
^^untt äu beauftanben. 6. 378 roirb o^ne ßiufc^ränfung 
oon ber jtinbertaufe bemeclt, {te fei {cbon }ur j^dt Sax* 
tnllianl» oEgemein gemefen, mfi^renb nod^ aug bem 4. 

3alji^)unbeit eine 9leil;e t)on 3^i^9"iff^ii für ba^ ©egeu^ 
leit vorliegt. 6. 198 wirb bad elftem bei SafilibeÄ 
einfa<j^ na<l^ bem 8eri4t bed 9|ven&ug bargefieOt, ber 
abnjeic^enbe Stricht ber ^t?i(ofop^umenen nic^t einmal 
ermähnt. 6. 517 mirb ©vpriand Ep. 69 (66) aum Säe* 
leg eineg 6ated angeführt, ber mit il^m nidftt ^u erl^är« 
ten ifi. ^nbeffen miD i^ auf Cinaelf^eiten nid^t meiter 



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478 64IMW; 



finge^es^ fonbeni madbt mUf^ |U ebitgeK ollganefam 
Semetfunge«. 

2)er ^erf. mürbe feiner ^if^orifd^en Slufgabe nü^t 
gani gerect^t (Er lieft fid^ Abet Sebft^ burd^ fineii 
apotogetif(^en Rüg befümmen , itnb babutd^ umxbe er 

ge^inbert, bie l^e^re ber einjelnen SSätcr mit ber toüm 
f4Kttdn)eTten ^lar^eit unb 16eflimmt^eit barsufieaen. 
infolge beffen ergaben fid^ bUtoeilett aitd^ fii^iefe ober 
unrichtige 39e^auptuugen unb, wenn ettua baö ^iftorifdfie 
9J2oment fi^ koiebei mit größerer Wiad^t Leitung oer^ 
fd^affte, felbfl grdgete obet eieinere SGdibetfpcfi^e. (Om, 
bcrartiger %a\l irurbe bcmi^ erma{;nt. Wlan ngt. tüeis 
ter^^in bie Sluöeinauberfe^iing über bie 2rinitätdte^w 
3ufiiii9 @. 78 unb 88. — Schaan toiirbe bie 0reii|« 
linie ber £)ogmengefchi(|)te mdj;t immer fd^arf im Sluge 
behalten. Wlanä)e ^bjdpnitte gehören nic^t fo fafi in 
biefe S)td)ipUii oU in bie ilir<j^enge{4i(l^te ^ ober bie 
fünfte tt>aren, toenn fle nid^t ettoa ondgefc^ieben »er* 
ben n)o0ten, mel^r unter bem ©eiicbtepunft ber ^og- 
menget^^idi^te be^anbeln. — (Snblic^ tommt bie £itte« 
ratnr nid^t aur entfpred^enben Seltnng. Cd bleiben bte 
neueren 'initerau^gaben jum Zeil unertt)äl^nt, »ie bei 
Sttfiia bie britte (ibitiou t>Qü Dito unb bei Xatian bie 
Xui^gabe non 6(bn»ar§, unb man nermigt SBerfe, toeUbe 
in einer fo umfaffeubeu Unterfudnnui iiid^t fcbtcn bür^ 
fen, n)ie bie neue|ien $ubli(ationeu über ^ul'tin unb 
bie Sefd^id^te M neuteflamentUd^en itanon bon 
^er SD^angel mirb namentlich bei ilontrotjerfen empfinb* 
lieb, mo ber i^cfer naturgemäß näheren ^ufid^lu^ über 
bie anbere Slnfubt unb ibre IBertreter oerlangt 6o 
lo&ren inSbefonbere bie ^ifiorUer |u nennen gemefen^ 



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470 



»Ott hmn 6<t^Ulf[en aU unbegvftnbeten $l^)>otl^efeii 6. 
462 Me Rebe ifL Sie SBtd^tigleit ber 6a^e erfotbette 

bied; bet Sefer fönnte [icj^ bann tetd^t meiter unterrid^« 
teil; mand^et toflvbe aber anäf bereiti» avA bem Itlang 
bet tti Setrad^t fommeiibeti nameii beti 6d^tug ^ie^en, 
bag fi^ bod^ nic^t fo gan^. um blog unbegrütibete 
^^pot^efen l^aiibelt, mie man nad^ ber gegebenen S)aT? 
ßelung meinen tdnnte. 

aWeinc S)efibenen finb jiemUc!^ ja^^lreid^ gemorben. 
5Die{elben {oUen inbeffen Dom 6tubium bed l^ud^ed nidftt 
abbnlt^ S)a9 Setf l^t auc^ feine entfd^iebenen Sots 
Süge, unb mirb trog feiner äJiänget feinen ^tenfl 
leiflen. Sie Avitit foBte nur geigen, wie ed beffer 
(Atte gemaci^t merben foDen, itnb x6) glanbte biefeg nm 
fo me^t ^ertooif^eben foUeii, aU ber ^erf. in^miic^en 
heimgegangen ifl nnb bie neue ^eraudgabe ber »eiteren 
Mnbe nnnmellr einem anbern aufallen mirb. Sludge 
berfetbe feine Slufgabe ernfl nehmen! 2ln 2Berte, lüie 
bad in Stebe fte^enbe, merben mit Siedet ftrenge älnfor» 
berungen gefleOt. 

gunf. 



4. 

1. 3o|anne# WiMf tn. (Sin Seben«' nnb SitteraturbiO) and 

bem XVII. unb XVIII. ^a^r^unbert. fßon P. e. »ättwer, 
35enebiftiner ber SÖeuroncr .Kongregation, ^ugdburg. 
ißitterarifcbe« SnfHtut 1892. IZ, 270 @. 8. 

2. 2tnll be Xlomeffiii , ber gioge Theologe gronfreic^, 
feine aSerföfinungSoerludje in ben Qnku bc§ ©adifani«- 
mud unb 3an}em«mud unb feine äöerfc. Qnm erften» 
mal nmfaffenb bargefteHt Don 2|. 9^. Xltmtffin. SRtt 



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480 



Bftumef, 



bem ^tlbe bed ®ele^rten unb einem ^In^ange: )8e« 
tft^mte SRAitner and beut ^anfe X^omaffiii. äRftn^eit, 
Ge^bert^ 1892. 67 @. 8. 
3. Bossaet historien du Protestantisme. Etüde sur 
l'Histoire des Variations et sur la controverse entre 
les Protestants et les Catholiqnes an 17* si^e par 
A. R^bellian. Denzitaie Mition revae, Paris, Hacfaette 
1892. XIV, e02 s. a 

1. Sie \)o^e miffenfd^aftlid^e 8ebeuUiii9 ber SRau» 
rinet ift jebermann bdannt UnUt ben @e(e^rten bec 
Aonsregotton nimmt äKabitton ben erßen Slang ein, bet 
8egrttnbet ber Siffenf^aft bet 5DI^(omatit bet ^awpU 
j^erau^geber ber Acta Sanctorum 0. S. B. , ber grunb^ 
legenbe Oef^i^tf^teibet bed Senebittinetotbend, sugleu^ 
aber au^ ha^ )}oOenbete 9lu{iet eined Orbendmanne^. 
6ein :Oeben fteUt fid^ bemgemäg na<i^ einet boppelten 
6eite l^in ate SotbUb bat, unb ei^ loat batum ein 
glücfüd^er ©ebanfe eine^ TOtglieb^ ber S3euroner Ron* 
gregation, rodd^c \xd) bag fd^öne ^lel fe^t, iu SSerbin^ 
bung ))on ^tAmmigleit unb 3Biffenf4aft ben SRoutinetn 
na^juflrebcn, ba^felbe ber ©egeumart üorjufü^rcu. 3!>te 
Sufgabe mutbe 1888 burd^ @. ba ^roglie in Angriff 
genommen, unb in beffen stoetb&nbigem SBetle lag in 
mand^cr ii5c5id;uiig eine tüd^tigc Vorarbeit t>or. Sinbeffen 
wirb und nid^t etma nur eine beutfc^e Bearbeitung jened 
SBedeg, fonbetn eine felbftdnbige ittbeit geboten. Sie< 
felbe ifl jtüar ipcnigcr umfan^iad^ aU bic franjöFif^e 
@4tift. ^bet fie bietet aQed tDefentlic^e, unb \ie \^ai 
i90t jenet ben Sotjug, ba§ bie Stettung aRabüIond aU 
Drben^mann ju einem entfprtd;tui^cicn unb toUfomme« 
neten SludbtudI gelangt ä)lan emprittbet ed auf iebet 



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flRaBtlloii. 2^omQi[in, X^omaffin. 481 

6eite^ ba| ein Seif^e^toermaiibtet M grogett Oene« 

biftincr« toeld^er l^ier bie geber fü^rt. $)er ©ele^rte 
ititb ^iftotUer äRabiQon {ommt babei ottbeterfeitd m. S. 
fteili^ eiliigemale tttoa» |u Iut§. S)er Xabel, ber 6. 210 
ou^gefprod^en mirb, ifl fc^merlid^ üöHig begrünbet. Um^ 
Sefe^n gefd^uf^t man^mat bei» (Buten fu Diel, um i^n 
an ben toeniget lobenMevten fird^enpotitifd^en Oefhes 
bungen feiner 3^it unb feinet 33atcrlaube§ aU gänjlic^ 
unbeteiligt barsufleQen. ^Det ^iftoritec l^at ^iet einigen 
Soibel^alt §tt mai^en. So4 fallen biefe fünfte ntd^t 
foubcrtic^ Rörenb in^ ©erntest, ^ie 3Irbeit ift im gan^^n 
eine fc^öne unb empfelj^lendtDerle 64cift. 

2. 0Ieid^5citig erhalten mit ha» £eben9Utb oon 
einem jmeittii ^'»^^oorragenben franjöfifd^ett ©cle^rten. 
5Det{elbe ift nut menig älter aU SRabitton unb nimmt 
unter ben Oratorianem eine fi^nlic^^ ^ol^e SteOung mie 
biefer unter ben ^enebiftinern. 6ein ^auptroerf, bie 
alte unb neue Sid^iplin ber Airc^e in iBetreff ber IBene« 
f^ien unb i^rer Slnl^aber, franaöfifd; (3 fol. 1678/81) unb 
lateiuifc^ (1688) erfc^ienen, ifl, xomi aud) bei bem gort= 
fd^ritt, ben injmif^en bie Sßi{{enfd|^oft mad^te, in nic^t 
wenigen fünften flberl^olt, noc^ ^eute für bie Sefc^id^te 
M firc^licben ^ed)tt^ unb ber firdt^Iid^en ^i^^^iplin t)on 
großer iBebeutung. S>er %erf. ber ^iogrop^^ie ift ein 
eprögling bed ®ef(^Ied^te< Z^omaffin. Gprad^e unb 
^arfleOung t)errcit biiSkveilen nur p fiarf feineu fran- 
jbüf^en Urfyrung. 

8. Soffuet, flber ben bie brttte 64rift (anbelt, 
toax nidpt, wie jene beiben 9)Mnner, feine geitgenoffen, 
ein eigentlicher ®^U|^rter, ^ber er mar eiu^iann oon 
oielfeitiget Oilbung, einer ber grdfeten Kr^IicS^en Sebner 



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unh bebettlenbfleti franidftf^eii Sd^nftfleaer. ftbet feine 

Cebeutung aU ^iftorifer iinirbe üon feinen Sonbölcuteu, 
nanteutlic^ in ber neuefien 3^^/ h^^^ t)ielfa(l^ abfäUig 
geittteilt. SRan erlannte mil auib f«in«> gefil^i^ts 
liefen Söerfen l^o^e litterariic^c Si^orjüge an, glaubte 
aber bie Arbeiten in tDtffenf($aft lieber ^e^ie^ung ^iemlid^ 
niebTig fleHen foKen. 2)em Urteil tritt bie iH>tlie< 
gcnbe 6d^rift entgegen, iubem an ber Histoire des Va- 
riatioDS des eglises protestantes gezeigt iDirb, bafe \i€ 
einen eigentti^ toiffenfd^aftliiben äBett t^abe. Stillet aU 
ob 33. be^megen §u ben ^^ertoorragcnbften ^iftorifern §tt 
jä^len märe. 3Kan ift, bemerft St. mit Seci^t^ nid^t uns 
geftcaft faü aUentl^alben p ^auf mie 8. eS toar. Sine 
fo jjerflreute 3^^dtigfeit, njie bie feinige e§ ipar, fann 
e§ nic^t in ädern jiir ^>öd^flen SSodfornmcn^eit bringen. 
S)ie (Befd^idl^te in0bef onbete erf orbett eingel^enbei^ etubium 
unb anbauetnbe Slrbett, foQ ettDaiS @rögered erreicbt 
merben. 3)a3U brad^te eS bei 33. bie polemifcbe S^licbtung 
feinet Ivbeit mit hai et bidmeilen )n übertriebenen 
ober gar fatfd^en Urteilen gelangte. 9lber hax>on ab= 
gelegen, tjervät er eine fe^r genaue Äenntuid bcÄ ^ßros 
teflantidmud. 5Die üistoire d. V. ^at, menn Re auäf 
ein SBerf feiten 8lange0 unb nunmel^r bnrc^ eine 
reid^ere ©iffenfc^aft ixhcxl^oU \\t, injoferu einen bauerns 
ben ^B^^tt, al& fte einen fd^mer )tt bel^anbelnben ttnb 
lange erörterten (Segenfianb einem e^rlid^en nnb ge« 
nauen Slu^brucf bringt unb burd^ fd^arfesä Urteil tpie 
ttUibiid^ (Sele^rfamfeit ^emonogt. 2lnbem ber IBerf. ben 
8en)ei« fflr biefe Kuf faffung erbringt, liefert er jugleid^ 
einen bead;tenömerten ^Beitrag jur ©efdj^id^te ber reli* 
gibfen iioutrooerfe im 17. ^al^r^unbert, ba )tt einer 



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$4ul|e, OeMt(|te M ttntcrdangi bed gr-^röm. ^eibentnmi. 488 



Tid^tigen unb ooflitAnbigeii SBfirbtgung ber Hi8toired.V. 

and) bie tocrmanbte :^itteratur ber üorau^gei^enben unb 
n&d^fifolgenbeit ^^ix in bea Oeceii^ bet Untetfuc^ung 
sieben mar. SHe Setoeife, bie et beibringt, red^tfertigen 
fein Urteil. 6d&cn ber 2lbf(^nitt über bie ©efd^ic^te ber 
SQiaibenier bürfte fftr badfelbe fafi aKein genflgen. ^. 
fa( in biefer 8e)ie^ung im toefentlii^eii bereitiK bdOig 
ba« 9lic^tige, §u einer ^eit , roo no(^ faft allenthalben 
unnare oben gar falfcf^e ISorfleaungen ^ectfd^ten. S)et 
8etf. ^at {i<l^ mit feiner lliitetfit<^ung ein enffd^iebeneS 
3}erbinift ermorbcu. ber ^Bibliographie ber Histoire 
d. Y. @. 328-330 fei beigefitgt, bag bie ^Ufige Uni^ 
i»eTfttfttdbibtio0e( eine bort tti#t angeführte $arifct 
3lu«gabe t). 3. 1718 bef[|t, unb ba§ ber erfte l^anh 
ber ^Bür^burger lateintfchen Überlegung bad Saturn, 
1718 l^at. gfunl. 



5. 

@ef(hici?te bed Untergang^ bed grief|ifili>rdmlfi|ru ibrntumd. 
n. ^ie ^udgänge. liBon D. fßUior ^it^uli^t, ^rof. an 
ber Uniberfität (i>reifi»»alb. 3ena^.(£oflenoble im 
vm tt. 802 @. SR. 9. 

©ir haben ben erfteu ^anb biefeÄ äöerled im 3ahrg, 
1888 6. 4^ ff. 9ttr Sinseige gebrod^t S)er itoeite Sanb 
behaubelt bie 9lu«gänge, in metchen Da^^ .öeibcnliim fid^ 
aUmöhtidh ohne groged äluffehen uerlor mie bie tönenbe 
^ite leif er unb leif er auStbnt bis ber Zon oerHungen ijl. 
gür biefen ^anb gilt no^ mehr ali für ben erften, 
bag bie SBege erft (gebahnt merben mußten, ba bie jlunbe 
t)on ben (päteren ®ef4iden be9 ^eibentumg bortoiegenb 

31* 



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484 



6d(ttl|e, 



ata ben monumentaleti B^ugniffen )tt |<i^d)>feii i^, bie 
^[nfc^nften aber toebet t)onflAnbig gefammelt nod^ genfi« 
genb georbnet unb Verarbeitet flnb. ^ebeutettbere ^or^ 
atbetten fitiben fUft nur bei fcttit)dfif4en gorfd^em S)o4 
M ^ S^^- ^tt^ „detflt>oEe SBecI t>oti Seiffter thex 
bad @nbe bei^ abenblänbifd^en ^aganiiSmud int 4. ^a^r^." 
(^rid 1891. 2 idbe.) nUf^t me^ heuü%en IdEnen. 
(fitte tTO| ber atoeid^enben Sliitage bod^ einzelnen 8bs 
banblungen fel^r gute fommen fönnen. ^ö) erinnere 
nur an bod ila)>itel aber bie SiUeratut, toeld^e iBoiffur 
im :3al^rg. 1890 bet Revue des deaz Hondee nteifUts 
baft be(;anbelt ^at, inbem er jeigt, ba6 ber (anbläuflge 
Sottotttf, bad (j^^ftentttm fei an bem jj^iiA bev tö« 
mifdben Sitteratur fd^ulb , bnr^iitt« gtitnbM fei , vith 
me\)x fei im 4. ^a^^rb. burd^ baiS ^rifientum eine neue 
Slütegeit gefdj^affen morbeit; nur bie ^ytodi^e l^abe miter 
bem Cinflug ber d^rifllic^eu 3beeit an 9letttl^eit eingebfigt, 
weil, tt)ie ^üuguftinu^ fagt, bie (l^riftlid{^en ©d^riftfleller 
t)om Solfe oerilanben merben mottten. SDamit ifl aiu^ 
bet nod|^ im 4. ^a})x\), allgemein gemad^te SottDurf , ha% 
fie uugebilbete, benffaule, ro^e Seute feien, toiberlegt. 

^er Serf. teilt feinen 6toff in brei Xbiettungeii : 
aDgemeine SBanblungen, bie proDingtaU Cnttoictlung itttb 
religiöfe Slu^gleid^ungen. 2lm meiflen Qntereffe oerbieat 
ber 2. Ebf(bnitt, »eil in i^m bie Stgebniffe ber mfi^ 
famen Ctnaelforfc^ungen niebergelegt flnb. 9» finb bec 
9leil;tMiad^ bel;aubeU: ©allien, Britannien, ©panien, bie 
norbafritaniid^en ^^rouin§en, ^ialm unb bie Safeln, 
bie Steins unb SonauUnbev, Sried^enlanb, ägppten, Se- 
rien, ^onftantinopel, ^Ucinafien. ©. 324 ff. lüirb in 
einer S^i^ttimenfaffung ber allgemeine Verlauf bed 



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^({4i(^te Untergangs ha gciöm. l^ibentuntiB. 485 



genfafee^ gefd^Ubert. 3lur in Slfrifa unb 6pnen leiftete 
boiS ^eibenhun einen grl^fieren SHberflanb, fo bag eiS 
}tt Oetodtt^ätigfetten tarn. Sie flaatli^^e ©efeggebung 
ift bem Söortlaute uad^ fireiigcr at« in bcr Slu^fü^irung. 
S)ie Itirc^e roax tvegen bc^5 ©reueU beiS @ö(ettbien{ied 
unb bet fd^aubevl^aften ftttUc^en IBerlmtngen in ben fe« 
mitifd^cn Sleügionen ungebiUbit^er, bod^ \)ai an6) fic nur 
ben ^ppaxai beÄ alten KuÜuS jerftört, bie 2ln^änger 
bedfelben bagegen nic^t be^ettigt. 2)aft ficb in ben ein« 
aetnen $rot)insen Ue Sanbe^religion aä^er erhielt al9 
bie gnec(;i{(^:r5mif(^e, erflärt [ic^ ani bem trabitioneUeu 
teligidfen Aonfet^atidmud, meU^er in ^eibnifd^en )Bdnbern 
M auf ben heutigen ^ag bod ^aupt^tnberni^ füT bie 
SWifrionöarbeit bitbet. 

3n ben «allgemeinen äBanblungen'' koecben bie£age, 
h<a T5mifd^'9ne<bif4e fte^t, bie Itunfl, bie Sittetotnt, 
ber Äalenber befproc^cu. ^J^aiicbci iiic\ix l;ätte ^ier üicU 
leidet eine audfü^rlic^ere ^arfteUung getnünfd^t^ »eil ei 
ft^ getabe um bie tretbenben intefleftuellen unb ntota« 
tif^en gaftoren ^anbett, bntd^ toel^t bad ^^riflentnm 
feine 6uperiorüät bciuiee unb feinen 6ieg errungen ^at. 
5Do(^ finb nanientli(b im 1. Itapitel bie ^auptgrunb« 
fä(e gut l^ertorge^oben. S)ie Z(&tig(eit bet flird^e gefiat« 
tete fi^, entfpred^enb ben ju bemälttgenben Übeln, aU eine 
boppelte, nftmlid^ aU matenette Unter ftü^ung unb aU^ecbi^« 
^tf e. Snbeil ni^t biefet Umflanb, f onbetn bet imponietenbe 
f inbrutf einer ©emeinWaft, bie mit großen unb fiarfen 
äßitteln für i^re ^ngei^brigen eintrat unb ibre leibU(ben 
unb te^Uid^en Aatamit&ten etfolgteid^ aufnabm, mufite 
t)on einer fafl unmiberftcl^ü^en 2öirfung fein in einet 
SoU^mafie, bie ben ®(auben an bie (Serec^ugieit bei^ 



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486 



©taat^d unb bae ©efü^^l einer fidleren ©jiftena öerloreii 
l^tte. 60 ent^edte bad SBoU ol^iie Untecfdftieb bed IBe« 
fenntniffcg in ber Äir(^e me^ir iinb me^t Mcienigc 3n* 
ftanj, toelc^e in bem DUebergange ber öffaitlid^eu uuö 
)>rit)ateii Set(^a(tni{{e ba« mateneUe unb bai^ bfltgetU^ 
Safein ju gemä^rleiften loerflanb. Wt Ste^t Itetont bet 
Setf. bie (fot^e ^ebeutung ber ürcl^Udi^en Organifation, 
beten ©^merpuntt im (6pUtopat (og. 8on ^ier oud 
l^at bie ürd^lid^e Serfaffung am fr&fttgflen unb etfolg« 
reic^rten juv Übecminbuug bed ^eibentumS etngefe^t 
34 i^^i ^inet anbern (Gelegenheit hetoorget^obes, 
ba6 o^ne btefe Organifation bad S^riftentum ben feinb« 
liefen Wl&ä)te\\ auf bie 2)auer ntd^t l^dtte erjolgreidj^eu 
äBibevfianb (eifien (önnen, n>ad mir fe^v betftbett toot- 
ben i)'t, aber ed bleibt nid^l^befiomeniger nxt^t. Sit 
einzelnen ^{iunften ge^t auä) ber ^erf. 5U meit. 60 
wenn et bemerft, bie ^eibnifd^e S)eftnition bet S^e über» 
tage im aßgemeinen bie StuffaiJung bet ftird^enfd^rifts 
fleiler, meiere ben ^aupt^wed ber @l^e in ed^t antif^rö- 
mifd^et ffieife in bet ftinbetetaeugung aufgeben laffea. 
Söfton bet 3ufammenl^ang an bet citietten Stelle (GLemL 
AI. Strom. II, 23) t;ätte i^n eine« anbern belehren fön* 
neu, abet nod^ melftt bie befannte ^toge übet bie 30» 
fepl^de^e. SMe SAtet (aben ben genannten Stt>ed mit 
^Berufung auf baö römtfd^e ©efefe gerabe im 3[wtereffe 
bet ^eiligteit bet fi^e betont, meil iie lebe anbete Slud» 
flbung bt€ e^eli^en fteii^td für ffinbl^aft hielten« Sie 
59emerfuug über bie 6lellung ©regoriJ I jum Sflatjen^ 
^anbel (@. 191) iü infofetn einfeitig, oli^ bad Stteben 
beilfelben, ba9 Sool bet eOaoen ^u milbetn, nid^t et« 
n)ä^nt mirb. S)er 6. 13 ^. 2 citierte Serm. 392 



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&t\(^id^U bed Unteigangd M gc.*cöm. ^eit^entumi». 487 
guftinS ift ma^rfd^einlid^ une^t. 3^ ^rubentiud tuäre 

SRSnd^iSgefdj^td^ten Ttttb bo^ etloaS |tt itngflnflig beurteilt. 

5lm meiften 33ebenfen mirb ber fatl^olifdj^e ßefer an 
bet 3. äibteilung f^aUn. Umax iß ansuectennen, ba6 bev 
8etf. ftd^ t>Dii bengetDÖ^nlid^eii SoTtüfirfeit ber Ctl^nirterung 
be« S^riftentum^ unb be« ^agani^mug frei ^ält. 
SRit bem 3u0^ft^nbnid , boj» in ber Oefdfti(bte bed fid^ 
auftSfenbeit ^bentuntil bie religtöfe Slffimilation eine 
folöenfd^mere Sflolle g^fP^^^^ ^a[\\ üerbinbct er bod^ bie 
Snertennund ber 2^at{a4^e, ba^ bie neue äteligioa i^re 
SBettReUung im legten (Brunbe nur burd^ Tid^ fetbfl, b. Ift. 
bur(^ bic in it;r lictjeiiCien .Uräfte Cjcmouueu ^abe 1 6. 384). 
S)ie Slifimilatiou ia ber ^erej^rung ber ^eiUgea^ ^lartyrer 
unb Cngel, in ber Xffefe, bem Oolte^bienß^ ben SBaK« 
fahrten, ^^ro^ef Ronen, 3lmnletten u. f, m. ift p fel^v 
(Bunfieu bei^ ^eibnifc^en (^influffed audgebeutet. ^ie{e 
flbungen fuib im Sefen beiS S^rifietttumd, ja im SBefeit 
ber Sieligiou begründet, foferu fie für t)eu fumlicb üer^ 
nftnftigen äJi^enfdften beftimmt ift. i&iai teiltDcije 'Mhe^ 
quemung toar alfo fein Serflog gegen bie reine Se^re 
be« ©(aubeniS. 3)er Slberglaube ift aber ein Slui^mucjÄ, 
ber St4 in teiuem @iauben gan^ ber^inbern (dgt. 

64an|. 



6. 

COBStitationes dogmaticae sacrosancti cecumeDici Con- 
cilii Vaticani ex ipsis eius actis expiicatae atque iüu- 

stntae a Theodoro Granderath 8. J. Ciud appzo- 
batione rev. aichiopucopi Fribargensis. Fribnrgi, 
Herder. MDOOCXOII. YUI et 243 p. 



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488 



Grauderath, 



^er Herausgeber ber Sitten bed t^atilanif^eu ^o\u 
im 7. Oanb bet Saaö^et Gammlung loar mü^ ben 
SSäteru, irel^c felbft am ^on^it tei[geiiommcn ^abe« 
unb aU bie bejien S^^^^pi^^^^i^ gelten müffen, am meU 
fielt berufen, eine auf ben Xften fugenbe (Mt&tund ber 
^oiijiUbefc^lüffe ju geben, ©eine SIrbeit inirb oieten 
»iflfommen fein, ba er inelfad^ bie ©rflärung mit ben 
eigenen SBctten ber SBeridftterflatter unb Slebner giebt 
S)enn barüber fann fein S^^^f^^ f^i"/ bafe mie für bic 
^Dogmen bie bogmengefd^id^tUc^e S)arftetliuig baS befte 
SRittel )um Serfl&nbnid bietet, fo für bie »ef<blfiife ber 
Äonjilien bie Sl^er^^anblungen , »et^e ^ugleid^ ein ^ilb 
ber t^;eologif(J^en 6utmid£lung miebergebeu, eine nid&t 
unterf<^%nbe görberung für bie (fotUrung bringen. 

9la<i^bem ber 8erf. in ben ^rolegomenen fura über 
ben äufeereu Verlauf bes ÄonjiU unb über feine üucl^ 
len orientiert l^at, teilt er ben Stoff in }ioei burdb bie 
«)ehete felbR ongt^eigte «eile ein. 3eber a^eil gerf&at 
mteber in brei ^bfd^nitte, tu iceU^en bie ©efd^id^te ber 
ftonflitution , bie nülftere (foHdrung einjelner mi^ü^tt 
Stellen unb ber entgüUige Xeyt mit Slnmertungen §nr 3)ar- 
ftcüung fommen. 2Bir fönnen mit biefer genetifd^eu SKe^ 
tbobe burcbauft eiuDerfianben fein, nur mürben mir es 
für beffer gehalten l^aben, wenn bie Änwerfnngen be« 
britten ^bfd^nittd in ben ^onte^t M ^toeiten üerarbei* 
tet morben müren. 8tu(b ben SrK&rungen Unnen tt>ir 
fafl Immer juflimmen. 5Der 8erf. I^at rebli<b Be* 
ftrebt, ben 6inn ber einzelnen ^efrete möglic^ft objeftit) 
^erau^sußeUen unb erfi bann auf bie ilonfe<|uettsett für 
Ue «erfd^iebenen miffenfc^aftltdi^en Slt^^tungen binsumet« 
jen. ^m meiflen @etegenbeit l^ie^u gab bie Constituiio 



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CooatitatioiiM dognatioae. 489 



de fide. Stefetent l^at in feiner Xpologie unb in feiner 
6tnb{e übet bie natflrlid^e fteligion bie ^efen wtteten, 

ba6 auf bem 35ati£anum nuv ha (raffe ^rabitionaliÄmii^ 
t>ermocfen unb in ben ^ekoeifen für bie nat&rU4^e (^oiM» 
etfenntnid M »probarec, toetd^eS gegen Sonnettp ges 
brauet morben ift , biird^ »coguosci posse« gcmilbert 
»orben fei. (Sc luurbe beiä()alb leibenfc^afUidft angegtif« 
fen, obtto^I fd^on Sifd^of SRattin, auf ben et fUft Be« 
rief, befonDerö barauf ^ingcmiefen ^atte. ^enn 
giebt eben %\)eo{oQcn, meiere fotDeit oon jeber Xenbenjs 
MM entfernt Fmb , baft fie jebe i^nen milfftaige mi* 
tung am tiebflen gleich mit bem beflnierten ^ogma in 
äüiberfprud? bringen möd^ten. 3^un jeigt au6) ber ^crf., 
hai ni^t nur beibe X(^efen ber Intention ber jtonsiU« 
toftter entfprec^en, fonbem ftd^ auä) unfc^mer mit bem 
5öortlaut ber ^efrete bereinigen laffen. 2Öa;3 ben erften 
$unft anbelangt, fo l^at man ed abFid^tlicf) oermieben, 
über bie Wct unb Seife, toie ber SRenfd^ sum Oebraudl^e 
ber 93eruunft fommt, etma« §u beflimmen. 6obann 
mürbe aui^brüdlid^ bemertt, bag man nur ben fraffen 
^ XrabitionaliiSmttd (cnidior traditionaliBmns) DemrteiUn 
ttJoHe, unb nur hinzugefügt, ba6 babei, meil e« nicbt 
auberi^ gefc^el^en föune, aud^ ber milbere XrabitionaUd-- 
mud berührt »erbe. S)ied trifft aber nur bann ^u, menn 
berfe(be bie in ber menfci^Udj^en SefeOfi^aft überlieferte 
©ottederfenntnid auf eine urfprünglid^e übernatürlid^e 
Offenbarung jurüdfu^rt äBenn er aber bad, tocA bie 
SRenfcben ie|t bur(| bie Sr^ie^ung erl^atten, bei ben 
erflcu i)uuid;cn, tüeld)e mit üoüenbeter fieibc«gc(lalt ers 
fc^affen morben [inb, auf eine unmittelbare, benfelben 
fcbulbige, alfo natürlidfte Xudßattung burdft Oott turfld« 



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490 



Granderathi 



fül^rt, {o fann Jein 6^ficm (semirationalisUs suum 
systema 6. 38 ^ ijl 5Drttdfet^ies) mit bem IBatttaaiuit 
in Smffang g^^^^^t morben. Dem mMfU iä^ nitv bei« 
fügen, bag für biejenigen, treidle bie übcrnalürlid^c 
ßattung in ben ©cb^p^ungdaft t>iiU^m, §ki)if(t^en beibe 
lein aeUIi^et ttntetfil^teb f&Dt, fo ba| bie natfitlulfte SU« 
ligion nid)t praftifd^ werben fonnte. 

16ei bem anbecn $unft liegt abet bie ^od^e tto4> 
einfa^er. Senn im ev^n Sä^ma M betveffenben Sta» 

non3 ftanb eertü cognosci et demoiistrari posse. SCq5 

Ugtece ^atte bie S)e^utati(}n in hex äl^orlage für bie aUs 
gemeine Serfommlung tDeggelaffen^ toett fte^ obmo^I 

einigermafeen bcibc 2Iu^brüde baSfelbe bcbcuton, boc^ 
ben milbereu ftatt bei^ Marteren mahlen moQLte. (^in 
anbetet Stunb att bie nfU^t, bie entgegengefette 8lt<b« 
lung iud?t ju toerurteileu, fann bei ber befannteu Stell- 
ung bec ^e))utation ^iefitt ni^t angenommen werben. 
Set nntetf(bieb ^mifiben cum certitodine unb oerfco ift 
allerbingS geringfügiger unb iüirb a\i6) uid^t ertoä^nt, 
bod^ bürfte ber äBe^fel mit bem onbern irgenbwie ^ 
fammenlft&ttgen. 

2lud^ maÄ über bie angeborene ®ottei5ibee angege* 
ben mirb, betneiet, bag man [läf bef^rebt ^ai, im\ä^in 
(Btaubendmal^r^eüen unb tniffenfcbaftU^en Sü^btungen 
ftreug 511 unterfcbeiben. @S fofet biefelbe längft fein 
^ogmatifer me^r aU eine au^gebilbete ^t>ee auf, fonbern 
aU eine Einlage obet natiitliibe Neigung bed 0eiM« 
3Birb {elbft eine befonbere Äraft bafür angenommen, fo 
ift biefelbe eine gefc^affene^ natürliche ^raft, fäSt alfo 
unter bie res oreatae, m tt)el(ben im 5Dettet bie Kebe 
i|i. ^ai t>od^ (ogar ilarbinal ^anning, ber ein ^er« 



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ColuiltatioiieB dogmaticae. 



491 



t)orra0enbed ^itglieb bet Deputatio de fide mt, in fei« 
ner Religio viatoris bell Settntgf^^eti ^Uen bail Aort 

gerebet. ^ie S3trteiöi9ung ber ©cböpfunggibee bei %xu 
ßoteted unb $(ato burd^ Sftrftbifd^of (Saffet ifl anfleful^tö 
ber neueften J^onttoterfen über biefen $unlt ititereffant. 
S^afe aber barau^ \nd)i bie natürlid^e ©rtennbarfeit ber 
e^bpfung aud ui^tö gefolgect merben barf, beioeidt 
bie Serj^anblting unb bod 5Dehet. 

3ln einjetiun ^^unften, §. 39. über >ut tales tra- 
diti siinfcc, übet »inapirantec gegenüber »dictautet u. 
0. maren einige 8emerlungen SRan^em enoünfd^t gerne« 
fen. gragU^ fd^eint esS auc^, ob in lü^t religiöfen 
2)ingen eine unfe(^lbare Se^^reutjii^eibung ^uläfftg mäu, 
fo bafi }. 8. in ber Engelegen^eit Salilei'^ h(a snpre* 
raum tribunal ftc^ uid^t geirrt ^ätte. ^od^ ift aiuu; 

erlennen, ba^ bie ^rfUirung ber ^nfpiration mit gco« 
|er Sorftd^t abgefaßt ifl. 8ei 8ef)>red|^ung ber Consti- 
tutio de ecclesia ift bie groge über baö 5Jer^ältniS beö 
$rimatd pm römifci^en 6tu^l mit befonberer ibufü^c- 
li^^Ieit be^anbett unb bie Unfe^lbarleit bed fo^yfted auf 
ba^ Depositum fidei befdj^r&nft. 

6(^an^ 



7. 

i)er «agnlliniliinl. (üne bogmengefibicbtli^e @tubie oon 
Dr. Cbile llithninner 0. S. B. aMnc^en 1692. 8ent' 

ner'ic^c 53ud)l]aiiblun9 StoJ)! iuii.)- 30 <B. 

S)er burd^ feine grftnbUd^e itenntnid be« ^. Slugu« 
ftinu« Ifingfl befannte Sßerfaffer giebt in fno^per, fd^ar» 
fer S)ar)teUuag ein uberii^/tU^ei^ ^ilb M ^uguftinii^- 



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SRoUmanner, 



mu^, „tüie er im '-öuc^;e fte^t'', b. 1^. tt)ic et iu bcn c((>s 
ten 64vif ten M ff. HugufUtiuiB fftr jjebett uiibefaitdeneii, 

t)on feinem Sd;ulDogma üoreiugenommeneu Sefer flar uub 
unameibeutig oorliegt. @r befd^räuft fi(^ im mefentUd^e« 
auf bie k(te $eriobe (417—430), meil ei^l in biefet bie 
Seigre t)oii bcr unbcbingten ^^^räbeftination unb t)om par* 
tUuIaren ^eiUtDiKen aiu^gebilbet mutbe. ^rgebni^ 
lann f6r ben ftennet be0 Xu^ttlUiittd titelt ameifel^ft 
fein. 2Iu9uftinuö U))xt in biejer ^eriobe unb hii §u 
[einem ^obe eine abfotute ^räbertiuatiou unb einen pac« 
titnlaren ^Udn>iaen. O^ne afle WUtfUi^i toxxh aui» ber 

flrofecn mussa damnationis ein ^eil jum präbeftis 
niert unb erteid^t badfelbe unfel^lbar, toä^renb bie qx6* 
im SKenge but^ eigene 6<l^ulb bem eoigen Serbetben 
onl&eimfällt. 2ln biefen offenbart ©ott feine ©erec^tig^ 
feit, an jenen feine 53arm^)etjigfeit. Söarum ber all- 
ma^tige äBiKe Ootted bte einen prdbefUniere, bie an* 
bern nic^t, barf ba« ©efd^üpf uid^t fragen, ©o mu§ 
aüerbingiS mit ^albonat, $eta))ind u. a. SluguninuS er- 
Hfirt merben unb ei^ ifl gut, batauf l^in}tttDeifen, tt>et( 
faum ein anbereÄ Oeifpiel fidj^ pnben bürfte, an ipel(^em 
fo unn)iberleglid^ bie ©ifppj^u^arbeit uugefc^i^tlid^er 93er= 
tufd^ungi^fttcbt ittuflciert toetben lann. (Eine ittitit giebt 
ber SSerf. nid^t. Qdj^ miU auc^ feine anbringen, möchte 
aber boc|^ eine $emerhing ^in^ufügen. ^ud^ iä) bin ber 
^nfid^t, ba6 man ben fp&teten älugufünni» nidftt butd^ 
ben frül^eren erflären barf, möd^te aber boc^ barauf ^in» 
»eifen, baß bie immer fdjroffer merbenbe ÄampfeiSftel» 
lung bie einfeitige üudbtlbung biefeiS XuguüinidmuiS Der« 
fd^ulbet \)ai. ^Da nun ber SSerf. felbfl auf ben großen 
Unteri(^ieb ^tDifcf^eu ber S^eorie unb $ra(id aufmerf- 



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%tt Vttguftiitiitittti. 49S 

fam maij^t, fo ^itibert ni^iii, ben Sugufünud ttinaü 

milber beurteilen. ^etat)iu3 be^eic^uet bie brei auä) 
t)om 33erj. angefiH^rteu ©rflärungen t)on 1. 2^im. 2, 4 
mit »ec^t ab Sudflfld^te im etreit Sie et^e «rfU« 
rung (Euchir. 103) läfet bie Unfid^er^eit erfennen. „©ir 
brauchen bem allmäd(;tigeii äBlQeu ©otteiS lüc^t na^e 
)tt treten, fonbern lönnen ei^ fo t>erfie^eB, aU ob gefaxt 
mürbe, fein HRenfcf) »erbe feiig, aufeer oon bem ©ott 
felbft tüolle, bag er (elig koerbe; nic^t aU ob ed feinen 
SRenfdtieii g&be, äuget ben 0ott feiig »etbeit iaffen 
njollte, fonbern »eil feiner wirb, au^er oon bem er 
koiH; uub beiSl^alb {ei er bitten, bag er 
eiS toolle, toeH ei^ notttenbig gef^e^e, toenn 
er eg molle. 3)enn ber Slpoftel tourbe burd^ bie 8e« 
jie^ung auf ba« ©ebet ju ®ott oeranlafet, bied p fageu". 
Sied befagt aHerbingd uid^t, ba| »si Don es praedosfci- 
natus, fac nt praedesünerisc ein »aximna Angmtini- 
auum« fei, bebeutet aber me^r aU »ora ut traharis«, 
benn e0 betoeidt^ bab XugufHnud bod^ feiner aüen Xn» 
fid^ten ni(|t gana lod tDtttbe. 



8. 

Doctoris Seraphici S. Bonaventurae opera omnia, 
jofisu et auctoritate B. P. A. a Parma edita studio 
0t 60» P. P. GoUegü a S. Bonaventura. Tom. VI 
Ad Claras Aqoas (Qnaraochi) ez typogr. Oollegii 8. 

Bonaventurae. XX VIII et 644 p. ^^^reid 16 M. 

fßon bem großen aRonnmentalmer! bed ^an^id« 

fanerorbeu^, ber tritifcbcii üJcfammtauSgabe ber Sßerfc 
bed f)L ^onaoentura, toeU^e baiS Itottegium von üua« 



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I 



494 Bonftfeataim, 

toc^ bei gloreni unter bet bewd^en Leitung M P. 

3gnatiu8 Qeiler beforgt, ifl in biefem 3o^re ber 
fe(^dte $anb erfc^ienen, feinet megen tioa 

bef Ottbetet äBt<bti9teit S)etf elbe enibAlt e; egetifd^e 6#tif« 
ten be« Jtit<(eiile(tet9. ^iet toar jundc^ft eine f^renge 
Sichtung nottoenbig, beten SRefultat bie Slu^ic^nbung 
nictit toeniflet ftü^et ^onaoentuta )ugef(bnebener Storni 
mentariDetfe ifl^ fo bet ezpontio in Pflalterinm unb in 
Psalmum 118, eine« falfc^eii Äommcntar^ uut) falfc^er 
Donationen §um 3o^annedeüangelium (u^ai^ttc^eüilicb 
ISSette beiS Johannes Gnallenns)^ einet ezposiiio in can- 
ticnm canticorum unb eine« ^ominentariS jur 5tpofa(pp{e 
(aud toelc^em bag S)öllingerfd^e ßitat ftammt, über mU 
4e4 neuetbing« netbanbelt mutbe, ngL (L SDli^bael^ 
8. J., 3. t)on WHinger, 3ntt«bt. 1892 6. 537 ff.)- ^« 
Slu^f(i^eibung^pro3efe ift in ben ^rolegomenen mit großer 
ftlat^eit, eotgfoU unb UmFut^t geffl^tt 91U a^te iBetfe 
bietet bet 0anb funft^fi ben Oommentarins in Ecde- 

siastem unb in librum sapientiae, fc^oii bi^^er befannt. 

SDatauf abet folgt bec d^te itommentat lum^o^anaed' 
eoangeltum, melden etflmate SoneQi 1772 in feinem 

toenig oerbreiteteu Supplementum ^erauögab. 2)iefer 
Kommentar blieb für bie ©yegefe fo gut toie unbenüjt. 
Unb bod^ mu§ ü(b namentli^ auf (Btunb biefe« itom« 
mentatd ha^ menig günftige Urteil über 8onat)cntura 
aU (Sfegcten fc^r mejeutlic^ forrigieren; er fte^t ^^ierin 
nid^t nur ni<bt tiefet aU bet Slquinate unb aU iltbettu« 
a^agnu!^, fonbetn ma9 Setatbeitung be9 ^attiflifc^en 
3KateriaU, felbftänbige« ©inbringen in ben ©inn ber 
6<btift, £b{ung t>on @d|^tDietig(eiten anlangt, entfcbteben 
übet i^nen. 5Da§ bie etiOe bet a%fli{ unb Wegorefe 



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Opera omnia. 



495 



i^n unfähig madft, bem SBorttaut geredet tuerben, ifl 
einfach \nd)t nä)tiq; toa\)x ifl nur, bafe er überall ein 
lOeflreben ^eigt^ ben pxatü\^tn (Behalt bet^d^rift aud« 
aufc^öpfen. Met bie VitiSleguug ad literam Hegt il^m 
fe^r am ^crjen unb er giebt immer juerft biefe, et>e 
er spiritualiter ober allegorioe erflärt^ U)a6 burc^oui» 
nt^t regelmA6i0 gefd^ie^ Sa beit fafl 300 6eiteii 
föroBquart füHenben, ganj abgcfd}lofjenen ^tommcntar 
teilten fidj; anCollationes iu ey. Johannis, bid(^er oöUig 
unbefannt, bon 9i^e(i0 a ganna etfImaU entbetft unb 
nun nad) brei ^anbid)riften ebiert. 2In fic fiiüpft fic^ 
ein ^omiletifc^eS ^ntereffe; fie ftnb mic^^tig für bie (Be-- 
\dfUi^te bet ^rebtgt unb atö OueUenbud^ für bie $re« 
biget. fßit finben ^ier bie bemerfen^tDertefleti Steffen 
beö ^Dangelium^, namentlich bie Sludfprüd^e he& ßerrn 
in bie Zeilgebanfen ^ertegt unb in fc|^arf |>ointierte S)id« 
poftHonen gefagt. 6e]^r l^äuftg ftnb hca fttt|erfl leBen«« 
fähige unb teben^t^oüe ©lieberungen, iret^e mirflid? ben 
3nl^alt einer ©teile fc^arf unb dar hert7ortreten laffen; 
mitunter freilidj^ audf jiemlic^ flerile Hudmfli^fe einer 
S)ii"tiuguierfu(ht, bie fein @nbe finben fann unb ©cfpaU 
teneiS immer nodf einmal (paltet, bid nid^t^ me^^r übrig 
old @))lttter, mit benen Ril niil^ti» anfangen U6t. 
Slbet e8 tfi ftugerfl intereffant, bag ^ier bie t^ematifd^e 
^^ßrebigt nod^ fo gan§ bie SBege ber ^omilie iüanbelt 
unb Dom 6c|^riftn>ort fi^ nid^t ablOfen toilL »irb 
no(^ }U unterfud^en fein^ ob unb »eCd^en <SinfTu§ biefeiS 
^eifpiel unb biefe 55orarbeit bc? hl. S3onaücntura auf 
bie bamalige ^rebigt ausgeübt (^abe. Slu^ in ben 
jtoflationen mad^t fid^ bie ^pWS burd^auft nidbt unbe» 
rec^tigt geltenb, vielmehr maltet faft burd^meg ein fo 



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496 



llaxex, prahifd^er 6inn, baß mau fie bem heutigen ^re-s 
M^et tool^t enqyfe^len fann. 2)ai» Ucteil übet ben $rc« 
biget Sonai^entuTa mu6 natücll^^ mit biefer SRatettaBens 
fammlung tuo^^l red^iien, lann aber erfl abgefc^loffen 
rotxbtn, tDenn bie amei k^teu O&nbe, bev neunte unb 
sehnte biefer fd^önen ttiOqäbe, und bie Sermones be0 
^eiligen bringen^ gef&ubert Don ben üielen unä^ten, 
bie fl4 ^ f^in^n Kamen angel^eftet ^aben. S)e¥ jiebenu 
8anb toirb §ttn&c^fi bie noc^ übrigen ftommentore §ttt 
^l. Schrift enthalten, fotoie ein ©ad^regifter für bie 
f ftmtlidften e^egetif^en S^tiften. ^ögen bie audge^eid^- 
neten arbeitet bad groge SBet! glüdftid^ jum ftbfd^tuB 
bringen. ^(^ benüge no^ biefe @elegen^eit^ um barauf 
aufmettfam (u mad^en^ baft Slilolaud bon Oman ein 
^eitgenoffe 8onat)entttta*d ifl (gefl. 1290) unb bie t>on 
mir Ouartaljcbr. 1892 6. 81 citierte g^ojiiae bedfelben 
im 3a^t 1602 nur neu aufgelegt mutbe. — 

iteppler. 



9. 

Vlvt|al. ©tubien jur öcrglcic^enbcn ?RcIigionögcfc^ic^tc be^ 
fpäteren «Ittertumd t>on Dr. «ttrefi ^ieierit. 
Xeubner 1891. (geftfc^rift, ^ermann ttfener ^nr 
geier feiner «Bjä^rigcn ßc^rt^ättgfeit on ber IBomter 

UiüDerfität bargcbr. Dorn flajj.^p^ilol. hierein p iöonn.) 
VI, 221 a 8. ^01. 4. 40. 

2)ie ^ebcutung ber äg^ptif^en ^appri ^iix Sereid^e- 
rung unferei^ reltgiond^ unb !ulturl^iftorif(^en ^iffend ift 
Idngü belannt unb barum jebe neue ^ublitation oM 
biefem Gebiete mit greube begrügtu. ^. bietet und 



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497 



eine üollftänbige ^iu9qabe be« im Weid^^mufeum ju ßei* 
ben befinbiidi^eit ^ap^niei J 395^ toelc^er in ^^ebett ge« 
funben unb im 3- bieten anbem bet nieber» 

tfittbif^l^eti Sammlung übergeben tourbe, unb tt>eU(er 
unter bem Znd „^6)ie^ ^ud) "^SMx^" aaer|?anb 3au= 
benoortd^riften ent^^dU. £}en ©^merpunft unfered äSeded 
aber bilben bie beiben boraui^gel^enbett Stb^anbluttgen, 
bereu erfte fid^ an einen in biefe^ 3öi^^^^^^^<^ eingileg- 
teu 2Bettfd&öpfungönu)t^u^ aufd^liefet, um „Don biefem 
fefien fünfte avA eine Sludfa(^rt in bad milbe, oft gninb« 
(ofe Si^eer M '6)^n!reti9mud* Derfuci^en'', m&^renb 
bie anbere bie „jübifc^^orp^ifct^gnoftiidjen ^ulte unb bie 
^aubecbüd^ei" ^um (Segenftanb f^aU S)ied unb nicf^td 
anbered ifl bet 3n^alt beS 8iid^ed, itnb menn nad^ bem 
ans ©ötl^eg Söeflöftlic^em ^itjan entnommenen SJintto 
„6ad' i(^ eud^ abfurbe S)inge, ^enft, bag ^bxa^ca^ 
bringe" umfome^ an bie gnofüfcl^en (Bemmen gebac^t 
werben fönnte, aU „SlbrayaS" im 3i*tammentang bei 
©öt^e biticu 6iun })at, \o i^eint tf^atfäd^U^ bie ^bfur- 
bitftt bad iertinm comparationis bet but(j^ jenei^ gno» 
ftijc^e ©d^lagmott bejeid^neten SRpt^ologeme unb biefeS 
$ud^e^ 5u biibcn uuo U(}t«^iem feiueu Xitel eingetragen 
)u l^aben. 

Unb ival^tUd^ finb a abfutbe S)inge, meldte bet 

^|.^apvni^5 unb nic^t jum tt?cniöften bie eingefcijaltete Äo^s 
mogonie enthält, fteigt bie @onnenbarfe empor unb 
i^te Snfafeen pteifen ben SlUetl^ö^ßen; ^tlM in ben 
üerf^iebenen Spraken, bet ^nnbdfopfaffe in feinet 
©pra(^e unb ber Sperber auf ber anbern ©eite beö ^a-' 
d^end unb bet ^eungeftaltige. ®oU laö^t fiebenmal unb 
fd^afft bie Reben meltbe^ettfd^enben ®bttet, butd^ ba6 

V^. Üuattoli^cttu lö»8. ^cfu III. 32 



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m 



erfle Sadfteii ba« £id^t unb ben ®ott M SMmH unb 
bei Seuetd, burd^ bod gtoeite fd^eibet et aflei Stüfftge 

in brei ^eite unb erjc^emt bet ®ott ber ^tefe. ©ott 
la^t ittm bnttenmale, ba mirb ber 9ttti, bet $ec me« 
genannt mitb, unb §uni btetten fd^fft er bie Senna^ 
bie ben 6amen aQet ^tnge ^at. (Sr lad^t jum tunftcn- 
male unb ed erfdj^eint äRotra mit ber SB^age (ober bem 
So^e ?) ; 9hii unb SRoira ffareiten miteinanber, bei mem 
bie ©ered^ttgfeit fei unb ber 64öpfer entfct^eibet : toon 
beiben fommt fie. 8eim fe<j^flen fiaö^tn erfc^einl ftro» 
ttoi^ bann (a^t Oott §nm fiebtenmale itnb toeint unb 
e« mirb bie 6 e c l e. S)arnad^ blirft er pr @rbe unb 
(if^t getDoUid, unb bie Srbe öffnet fidj^ unb gebiert ben 
ppii)iS^tn9>xai^€n. 5Die Crbe ^ebt ftd^ in bie $ö^e, 
ber Gimmel brol^t erbriidft »erben, ®ott entfe^t ficfe 
unb )>feift gemaltig, unb ed etfd^eint getoo^^pnet o b od. 
0ott erfd^A tt>ieber, bOilt pr Crbe unb fagt iEmi — 
a\i^6 ifi in 9flu^e mit) au^ bem ©cbalk' luivb er,3eiuit ber 
ber größte @ott, ber über aSU& iii, ber min 
mit V^obod um bie l^dd^ße aRail^t fheitet S)er aSelt« 
f(^öpfer giebt beiben ^o^e ©emalt unb bem ^ule^t (&nU 
{ianbenen giebt er @eU)aU über aüe (S(^tter. 

S)ai ift freilid^ eine bunte mpt^ologif<be OefeUfd^aft^ 
bei melci^er bie ^Pcrfonalien ber einzelnen ©eftalt nic^t 
fo lei^t fefi^ufieQen finb. S)er einen $etmat glaubt ber 
8erf. im AgbPtifdften SR^t^ ober in afteologifd^er aRbfUt 
gefunben ^aben, anberen eine grie^ifc^^toifd^e ^ti^ 
fünft nad^mei\cn ju fönnen — Slbleitungen, beren IBe« 
red^tigung mir (ier ba^ingeHeHt fein laffen — um auS 
verfcbiebenen Snbijien al8 3^^^^^f^i"^"*w'^9 ^toeite 
3a^r(^. |u gett)innen. lögt fi^^ |um Docaud beuten^ 



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bab e^^ ksebei in bec elften noö) in ber jtueiten ^b^anb» 
liiiid ol^ne aSertei Decgleut^ungdeiftige Semü^ngeti ab« 

ge^en tuerbe. 9ietigionöi3tjd^id)tlic^e gorf(^ungen ftnb 
{ofe^r bad fiieblingd« unD ^obertubium mandS^er $^ilo« 
logen gelDorbeit, unb bie Kül^ii^eit unb Bi^etf^tit ber 
^Behauptungen fle^t babei fo oft im umgefe^rten SSer^ 
tiültniffe §uc Xiefe bed t^eolDgifd^en ^i({end, bag man 
nur mel^ mit bOfen W^nuiigeit |u einem IBtt<(e über Sie* 
Ugtonögefd^i^te greift, '^lan mag mot^t eine unit)erfa(= 
l^iftorifc^e ^e^^anblung ber antUen Steiigionen ton ben 
9bilolo0^tt toflnf^^en; aber man mgifit, bafi §u einer 
folc^en etmaig me^r geleert, aU ein SBorrat antiquarift^cn 
SS^iffeniS ; bafi bie Philologie babei nur sufe^r in ®efa^r 
lommt, ibren alten ftubm bed liebeDoQen unb getDiffen» 
haften (SingeheniJ aufö i^leine prei^jugeben unb fich in 
allerlei Kombinationen unb 5loiirtiuftionen gefallen, 
mit benen ber äi^ffenfcbaft nicbt gebient ifl, unb beren 
2lnma6ungen gegenüber eine ent^altfam referierenbe 3)ars 
f^elluug nicbt genug empfohlen loerben fann. ift eine 
beaeicbnenbe, mancberfeitd niibt obne eine gemiffe (Benug« 
tbuung beobadptete ^h^tfac^e, bag je^t einige Z^eoloqtn 
9lot haben, bie ®eifter }u bannen, bie fie jeibft befcbtob^' 
ren gebolfen. 

innerhalb btefer J!laffe nimmt nun fidler unfer 
SSerfaffer eine fehr ehrenüoQe 6teUe ein. Xxo^ mand^ed 
IBebenttiiben ifl er bO(b ein ernflbaft firebenber, über gro|e 
tBelefenbeit t>erfügenber ©elebrter. 6ein Budh h^t uvti^ 
vielfach angeregt unb erfreut, me^h^^^ "ocb auf 
einige fünfte eingeben moKen. (ild b^ifit ben {pe^ififd^en 
ttnterfdhieb an)if<ben theiftif(^er unb t)antbeirtifdher SBelt« 
anf(bauung üerfennen, tpenn 6. 21 bie Schöpfung burcb 

32* 



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t>en ^ogod'' ald bie «geiDö^nii^e unb uralte gom t>tx 
Cmanation nUS^t btod in a^i^tiSi^n, aramfitf c(et usb 

j^cbräifd^er Übeilitferung, fonberu and) in bcii ägtoptis 
(c^ett ^pmnen" bejeic^net tpirb; bes iöa|ilibe^ xai 
iyhno f^t feilte fafi »örtUd^e SoYtage in $f. 148, 5. 
fDamit l^ängt aufammen, bag 6. 134 (ügL 82) ettüad nid^t 
nur Unfid^ere^, fonberu fidler Unridj^tige« aU „lieber" 
l^ingelieat mirb : ba§ „bad lodmogoniMe äBeltbüb, bad 
fpdtet bie ^rifitid^e Snfd^auung bef^errfd^t: 6<i^öpfung 
[!!], 5lbfafl iinb 9liiflti;nung (Solange), ©enbiiu^ be^ 
(S^ottedfo^nei^, (^clöiund unb ^üdfüt^mug betet bie üfu 
erlennen ins ^immelteid^, etfi bunl^ bad eingeben bed 
(S^tiftentumö in^ ^ellciiifd^c ^uflanbe gefommen" fein 
foQ. ^bgefe^en baüou, bag bic oian5e grted^ifd^e $(^tlo« 
fo^l^ie Don einem e^^öpfungdbegtiff einfa4j|^ teine Hl^nung 
ffai, tfl biefe« ^iriftUc^e „SBcltbilb" fd^on burd^ bie ®e* 
ne\isi, noä) me^r bur^ fpätere fanouifc^e ^üc^er beuttid^ 
genug ge|eid|^net. 6old|^e iBe^auptungen ftnb inbeiS nx^t 
neu, tooijii aber bie angeblid^en dinmirfungen, bie torni bet 
gried^ifc^en 9J?pt^oIogie nid^t nur auf ^ogma unb ÄultUil 
bedi^ciiientumd^fonbecn namentUd^ auf bie ltBüdi^erbed0i. 
X. ausgegangen fein follen. 6onfi pflegt man t»on bet 
XDo\)[ nic^t t)aüu[iviicti 33orau6[e|3Uiu3 aih^^uge^jtu, ba% 
t>a& ^ X. am [idl^er|ien unb beften a\x& felbft unb 
aia bem SL txMxt toerben fdnne unb mftffe. Die 
aWeinung 6. 107*: „S)ie 6onne aU »röutigam ifl ein 
attbefannted $ilb. ^ai (^^nftud fo oft als Bräutigam 
DorgefleUt tt>tttbe, mag fx^ baran angefd^loffen l^aben* 
— \>inät eine geringe ftenntnid bed 9. mie beg 9t X. ; 
man benfe nur an 3ef. 54, 5. Sj. 16, 8 ff., 2,% 1 ff. 
Sin bem itapitel übet ben pyt^ifcl^en S)tad|^ea fuKt^tet bet 



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IBerf. „nidft au (ftl^ti su fein, »enn er in einer $attie bec 

Hpofal^pfe n\6)t mir btt« alte getoaltige SBilb be« Äam* 
pfe^S jmifci^en 2lpoIIo unb bem 3!)rad^cn als egd^atologi« 
fd^en itam)>f bed äRic^ael unb feiner (Sngel gegen ben 
5Dra$cn unb feine Sn^el in ben alten ^ben ausgemalt 
flnbet, fonbern in ber ganzen um(^cbenben Partie auä) 
bte äBe^en ber iütio unb i^re :3rrfa(^rtenr unb bie (Beburt 
beil XpoOo ate bie SRi^tl^enfonn erfennt, bie biefer ge« 
pliifentti^ unflaren Dffenbaruiuj t?on ben legten S)ingen 
jugninbe liegen" (6. 117). ^a^u ift freiließ nötig, erfl 
ben dufammen^ang }u geben, «.auiS bem biefer m^tl^if^e 
aHrm^orr [fto^. XII ber Slpofalppfe !], aum ^eil geföig 
t)om Sttpofalijptifer ielbft, gemad^t tourbe". Um über 
bie Sprecl^meife nid^ti^ )u fagen, fo geben mir bie iO^n« 
ti^feit ber beiben 2)rad^enf}enen unb fogar bie aRbgli^« 
feit 5U, ba§ bem Slpofalpptifer ber apoEinifc^e SK^t^^uÄ 
)9orgefc^iuebt l^^abe; aUein toix müffen baran fe^aUen, 
moA SRaap SD^üUer unb load neuerbingi^ and^ ^atnad 
geiagt ^at, bafe folc^e gufammeuftellungeu iuertloiS finb, 
folange nid^t ber 9[ßeg gezeigt ift, auf bem berartige (Se^ 
bttbe f^gemanbert'' fein foflen, ba fie mol^l au<b ^öKig un* 
abl^Angig t>ott etnanber entfielen ftnnen. 5Den fein Opfer 
fc^neU ereileubeu %ot> ^ferbe fid^ t)or)ufieIIen liegt 
na^e, old baft bie reilenbe SRoira unb ber Zobedreiter ber 
Xpolal^pfe in Bufammenl^ang fte^en mfl^en (6. 96). 
^)er 6r,5engel TOc^ael ift nid^t erfl „an^ bem Sc^ü^er be« 
3iubent>olled unb bem apofal^ptifd^en ©leger über beu 
6atan ber Gd^utlpatron ber Jtird^e gemorben* (6. 125), 
fonbeiii ift fc^on in ber Slpofati^pje, beren ^ier ein« 
fd^lägige 6telle f^on im SQlltertum auf bie ilird^e gebeut 
Ut mürbe, momit mir inbed teinedmegi» fagen moOen, 



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602 



hai ^. v^t man6)c antreffende Oemeriung über Ue 
(gntlüicftung ber Segenbe gemad^t l^abe. Qtwai f^n, 
aber leinedioegd mtmögluift fmb bie iBermutungen äber 
bie i^tiflfiffe, »el$e bie Oeflatt be9 1^. Aeotg ouiSgebtl« 
bet l^abcn füllen (123 ff.\ ©8 n?ürbe im« ju meil fü^s 
ren, ttJoUten ti)ir allein prüfen, raa^ n^^ffientlid^ über bie 
Sarfitellttiigeii aRatiend mit ber äRonbü^el }ii bes 9^ 
fien itnb bem Stentenfranj umd ^aupt bemerft iDtrb; 
i^nen foQen ^eüenifci^e X)^pen gugrunbe liegen, voxe aud^ 
^ 8. bie fog. ^ieti^titppen «i^ten Utfptuiig in iUe; äst 
btia ^aben* (103 f.)- ^ ^ ^ntoM auf f^ol 
12, 1 ifl natürlich Ibicßcgen nid)t^ au^geridbtet, ba nadj 
S). iene Xppen au4 auf ben 6et;er getoirft It^aben; baft 
ober^ um jene Setmutung mit einigetmalen }tt begtfim 
ben, eine anbere Ginfic^t in bie ©efd^it^te bet c^riftlic^en 
^^pen nötig n?äre, aU wir fie jur Stunbe ^?aben, toirb 
bet IBetf. {elb|l zugeben, ^lofte lOfnUäfltit betoeidt got 
nid^tiS. Som ®otte ^l^oboiS fann ^. nü^t teben, o^ne 
an ®en. 31, 42. 53. erinnern: ed „mag ber ®oti 
bed e^tedeni» ein 5Dienet unb enbliib nut eine Cigenfdftaft 
bed aDeinigen Sotteg gemotben fein" ! Sud^ bie Gönnen« 
bemerfungen 6. 96 finb ni^t^ mentger aU fonnenflar. 

ÜJ^it einem mertlofen ^ucbe ma^^t man ft(b nic^t 
viele 9Rftl^e; nut bie tlbet^eugung bon bet Sebeutfam« 
feit be8 5D.'f4en 933erfe« ^)ai un« biefen SHanbgloffen 
beßimmt. S)od^ möge jum 6d^lug noä) auf atoci ^^unfte 
l^ingemiefen metben, bie ffit X^eologen 3nteteffe boben. 
6. 138 mitb ein 8ef(bm5tung«^pmnug mitgeteilt (ang 
bem ^^^arifer ^api^tu« 3009), melcber nad^ ben einleu^;* 
tenben Slugfübrungen beg )i3f. aud ben Reifen bet (Offener 
üammt ; bie beiben ^iet in Oettaö^t (ommenben Schriften 



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crflärt 5D. mit SSJenbranb für c*t, unb toeUt auf bie 
SertDonbtf^aft htx üffenet unb Xlj^etaveuteii mtt be« 
orpl^ifd^en j^uttöenoffenfd^aften ^tn. 6. 148 lefen toir: 
„Vermutete man au6) fd^on, bag bie ©nofiUet ut» 
fprön^lidj^ nU^U toeitioer aU dt^tifUU^e 6eIliteT getoefen^ 
fonbetn Don (eibnifcl^eii Ooeten ausgegangen feien, gab 
ed in ber %\)at aud) B^^gniffe fold^er Bereinigungen, bie 
in bet SRagie i^u OnofuS juetfi fanben unb bamit übet 
bte fotoif^en SRftd^te geMeten loolten, jegt liegen bie 
$a))9ri aU bie untrüglid^ften Urfunben btefer intmidlung 
i»ar, Urlunben, bie jugleid^ ben fbtmeiü liefet n, baft bie 
ot))]^ifd^en ftulte mit aD il^rem S<>ttbet, il^ten valMol 
unb xa&aQf4ol, i^ren AiVreiff unb dnorQontmfdoi bie eigent^ 
lid^e tteburUfiäite ber erften dnofx» getoefen Rnb''. ^iev 
ift Y^ieSeit^t etmag juniel gefagt ; aber ti^tig ttrttb fein, 
»aS 3). anfügt bejügltc^ ber Dpbiten: „d^ ift gar fein 
3tt)eifel, ba| foi^e ^^l^ngenanbetung, beten dj^tl^oni« 
f4et ntfptung üe Ungfl )unt SRitteltmnft beg SR^Retien« 
bienM g^mad^t ^aiU, im grie^if^en itult wurjelt". 

SRetlle. 



10. 

«Hibgie M «Iriffontetti %m eMMmnlle ber Cttle nnl 
ftnltnt. Ü)urc^ gr. «Heft lltfhi ttel|, O. Ar. Wettet 

©onb. gtocite ?lnflage. ©ojiate Sroge unb 
fojiale Orbnung ober Snftttutionen ber ®e« 
fetlfctaftglelte. dngXetfen. Stetbntg i. 9. (>ct« 
bet14e Settagd^anbfnng 1898. xm, X n. 10S6 6. 

äUif bie gtog angelegte unb Don und \ö^on beim 
Ctfd^einen bei etflen Sonbeg in il^em l^ol^en Setle 
anerlauute ^ologie \>on P. ä&eig mieber einmal an 



bOi 



biefeT 6teUe hit Slufmettfamkit }u lenfen, l^aben toir 
bei bet Bretten SCuftage beiS 4 Sanbed eitlen befonberen 

5lnla6, ba iiä) bieje Slbteilung burd? einen bejonbeten 
Xitel ^u^Uidf aU ein fftr ^ befte^enbed (Ban^i^, eine 
überFtci^tUd^e IDarflelltttts bet fo^ialen Aufgaben inner« 
^alb ber mobernen ©efeUfd^aft, fomii aU ein SBerf bar- 
fieUt^ toü^ii auger {einem aUgemeinen Qto^d^ einet 
befUmmten f^aö^ttttetatnt ftd^ eingUebett unb ba^et 
auc^ 3]erg(cid>ung«punftc mit fonftigcn einfc^lägigen %ai): 
{4inften bUUi. Unter leiteten gefiatten mx un0 ^ier 
toenigfiend itoei SBette sn nennen, meldte Sief, fierne 
einev einl&glic^en Befpred^ung untet§ogen l^ätte, »enn 
tbm für bie erforberlid?en S)etai[au^einanber[e6un9en 

^aum unbB^ii d^^^i fiünben. äBir meinen Z^bn 
9lel|er r S. J. « iDstiiationes juris nalaralia I Frlb. 

gerbet 1885; unb iBiftor C^at^retn, S. J., moxaW'- 
lojop^ie 2 m. greib, ^erber 1890—91. 3«öge eiu^ 
»eilen biefe ^inbeutung genflgen, fomie bie R^erfubetung, 
bag roir un3 ber Slejenfentenpflic^t gegen genonnte Slutorcn 
nicl^t gan^ entstehen gebenfen. 

Sllfo mit %aiifytDetUn, mit „Snfiitutionen'' , foOte 
bail P. SBeig'fc^e fdn^ berglid^en metben. Shtn ifl im 
allgemeinen unfern ßefern iüoI)l Lnfannt, morin bic fd^rift- 
fieUerif^en ^orgüge bei^ IBecf. unb bie Urfa^^e feined 
großen (Sx^lqü gelegen feien, ^elleicbt tbnnte man 
jtiue Eigenart bejeid^nen aU Sclbi'tbcfrciung oon ber 
fc^iriftftellerifd^en ©d^ttjerfäHigfeit ber beutfdjen ©(^ulges 
lel^rfamteit, aU bod S^ormalten ht» fonfi ben ^an|ofen 
befonberd eigenen esprit, mbunben mit einer f^lag« 
fertigen Überlegenheit be« S^ortrags, ipeld^e ben@egnet 
auler Sltl^em fegt unb ti^n mit äBig, @atiie^ ^o^n t^emi^tet i 



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lpo(o0U bei C^lktttimii. 606 



2)abei bleibt unbeflritteti, ba| P. äBeig ben 6tanb« 

punft ber fat^otifc^en ©t^if uiiö bie d^rifttid^e SRed^t«« 
unb SefeQfd^afti^orbnung mit einem ']^ac^brucf, einer 
Solggci^ti^teit unb tl^eologifd^en entfd^teben^eU t»ettei« 
bigt, melt^e un« geflotten, in allen mefentlid^en fünften 
unfere toQe S^if^iw^wuiig ben legten ^rgebniffen ju 
ertläten. Slud^ i(l an eigenUid^ wtffenf^aftli^en unb 
f^ftemtttifd^en Söerfen über bie fcjiale Drbnung fatl^o« 
li{d(;er{eit!$ bed @uten noc^ uid^t üiel gei(^e(feu; 
tefttetei» fönnte man ^ö^^fiend fagen t>on fieifhingen nie« 
btigeten SlangeiJ in ©rofc^üren, Sottrfigen, fjtugfcä^riften, 
moüou melleid^t nidjt einmal bie SBorträge ber 3Rtttt(^>en* 
(Slabba^ec SotfduniDetTttöt oom ^erbfl 1892 nan) au«« 
jufd^liegen tollten. Sllle biefe membra diriecta enthalten 
ja im tinacluen üiel ^^xau^haxtii , ©ebiegene«, ©eifls 
notted^ aber ed ift nidi^t aud ganjem ^ol^e gefd^nttten; 
man rafft einige ®eban!en, mie man fie ftnbet, pfammen 
unb maö)t ein ^üjc^ci barau^; man ift ftarf in ber 
fttitif, unb »enn man bann fagen fottte^ »ie man etmad 
SeffereS f<^affe, fo t)ertDeUt man und einfad^ auf ben 
c^rifttic^cn ^tatec^i^mu^. 5)a^ ift nun jmar in ber 6ac^e 
gan§ richtig, nur traben mir bad fc^on lange gemußt; 
aber ei foDte un< (Einer fagen, mie man ben StatttfÜ^ 
mag richtig auf unfere 3^i^tt0t anmenben müffe; ber 
märe bann ber redj^te fSfiaml 

Sei^megen alfo begrüben mit bie ,,3nflitutiotten'', 
b. 1^. eine ftjftematifc^e fie^r-5>arftellung , biivc^ meiere 
ilt^rem begriffe nad|^ ^uerfi bie 64iüUr unb Anfänger in 
bie Selj^re eingefül^tt, M meiteren aber aud^ bie im 
praftiic^cn Sebeu 6ttl;enben auf bem l'aufeuben erl^alten 
unb mit bem nötigen ^emeii^materiai oerfe(|eu merben 



506 



fotten. tiefer ©cbanfe legte ^iä) auä) bem 33erf. bei 
tiefet itoeüen Auflage nal^e bUT^ feine bamatige ^teOtutg 
aM dabemifiifter Sehtet 511 f^reibutg L b. 6d(. 9Ut 
Sflürfftd^t auf bicfen crmeilerten ^roed i|l aud^ ber 93onb 
in biefec äluflage ec^ebli^ umgeacbeitet, ja ein gan| 
anbetet Oud^ getootben. 

Sber niemanb fann über feinen ©d^atten fpringcn, 
unb aU Snftitutionen ^äUe P. äBeig fein äBec! ni4^i 
betiteln foSen. Stef. ifl nie einSobtebnev bed fog. ata* 
bemifc^en 3opf^ gemefen unb \)ai nid^t mitSSorliebe auf 
bec bürten ^eibe bec X^eocie fidl^ getummett; es t^ai 
nie bie %om, tnel^e fojufagen bte 8i(bnetin «nb jM^ 
terin be« ©ebanfeng ift, mit ber bloßen gormet, mit 
bem 6taletencaum ^on Aapiteln, ^acogtopt^en unb 
Sbtmeni betmedftfelt; obet »er eigentU^ le^en, nid^t 
bloß unterhalten unb bie ^^antafie anregen mü, barf 
auf ftreuge ^}^x\om nidftt gan^ ut^x^Un, toexl man 
mit ffiovten allein, mit Silbern unb geizigem 6pieltDet( 
bie ©eifter nid)t in uiib Orbnung bringt. 

äBir mürben aber einem fo anerlannten unb Oer* 
bienfiüoSen Uerle gegenflber ni^t um ben Zitel ftreiten, 
ber bo(| cigentlidS; nur aU 3Rebentitel figuriert, toenn 
fi6) ni^t gerabe aud ber eigentümli^en ^arfieUungd« 
toeife getoiffe gel^ler etgeben tnftrben, bie bo4^ einmal 
genannt merben foQten. 

ätef. ge{let;t, bag er bei bem £efer biefer «^or» 
trAgc" bon einem Xffeft in ben anbecn gemorfen loorben 
ift. ©alb möchte man bem 58erf. um ben ^aU fatteu 
aud greube über einen glüdlic^en (Briff, einen bli^enben 
edfiaq, eine überrafd^enbe Xnmenbung auil einem gei^* 
reiben Bonmot; balb mieber, j^a manchmal gUicf^ baueben, 



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«potogle bei C^^riftentiim«. 



507 



»itb man bettoffen boii einer letbenfd^aftttci^en Cne* 

gung ober ron jener farfaftifc^en Saune, meiere juÜber- 
fpannung bed Sludbrudii^ unb |u Unbifligfeiten unb ^rten 
fübtt. 9>m Serf. \fi aDed (teq^ntt, tt)ad nid^t genau 
feiner 3luffaffung entfpridS)t, unb toa« Oegner mirb 
unerbittlub k)erurtei(t unb moraltfcb oecnuil^tet. (Statut, 
bU e9 e^Ii^ meinen , giebt eü fftt i^n faum. Sun 
moHen mir un« ja banfbar unb üon ^er^en ber befferen 
(Sinfu^t freuen, meiere und babur(^ aufgegangen ift, bab 
bet SBell bie ®vunbf&(^e bet e^ten (iT<(li<bett Z^eologie 
unb ©efeÜfd^aft^le^re wUhcx me^r unb me^r jum ©e^ 
n)uBtjcin gebracht n7erben; ift (^iemit ficberlid^ für 
bie ftecbtd* unb 6taatdU^re mie für jebe i[rt non ftuUur 
üiel gewonnen. Slber toie tieleg l^at müffen burd^lebt 
merben, bid P. 2Bei6 aU @rbe bec üBorfa^ren auf feinen 
erl^abenen 6tanb)>ttntt ft<lft f «btoingen lonnte ! Wi DieM 
Hegt sti)tf(^en ber alten unb ber neuen 6c^oIa|lif, jmifc^en 
ber fd^olaftiid^en 6taati8orbnung , tceld^e in äBirflid^feit 
nie fbrmlicb eiiftiert f^aX, unb bem heutigen 6taat9s 
leben. Sin 3eitalter Subtoigd XIV unb bie Hlevolution 
oon 1789; 3ofep^ini«mue unb 1848; 3anfenii5mui5 unb 
atationalidmud/ Slbfolutti^mud unb £iberalü(mui», &taM» 
lir^entum unb6AhiIarifation ber geifllid^en ^enfd^aften, 
iBeitgnal^me bed itird^enflaatd burcb t^ranjofen unb Ita- 
liener, ilulturfampf : mir fagen ni^t, baft aQe biefe Singe 
»ie ein unabtoenbbared Serbängnid lommen mugten; 
aber fie mugten mn unfern Tätern unb t?on und burdb« 
lebt merben, e^e mir auf bem heutigen 6tanb ber (Sr» 
lenntnig ber Sßettlage anlangten unb ebe P. fßtii feine 
2lpotogie fcbreiben fonute; unb in biefcr langen 3^iW^"= 
)eit ift afterbing^ piel geirrt, oielei» perborben, oieUi» 



uiyitizoü by <oOOgIe 



606 



entfieDt, tiefe Semittuit^ angeri^tet, viele SBal^l^eit 

Derbunfelt tüorben; aber unter ben Qrreiibeu finb ebte 
SRänner, bie man nic^t t^eradj^tlüf^ mad^en foU, kDenn 
mit auil^ ief^t man^e^ beffet loiffeii ate fie ed ^^^6^- 
2Benn man un^ aber entgegnet, bafe ber 6treit 
obec bad abfc^äi^ige Urteil ja \n6)t ben ÜRännecu , joa« 
tetit ben t>on il^neii t)erttetetten Seigren gelte^ benen man 
feine 5Dnlbung fd^ulbig fei, »enn fte fid^ aU irrig er« 
meifen, fo bleibt bennod^ f orbern, bag man fold^e 
Seigren ober X^eorien, toehbe man )u einer gemiffen 
3eit al« geiflige ©rrungenfd^aften unb fafi olS rettenbe 
Zitaten begrüfete, aud^ auiS biefer j^cii l^erauö begreife 
nnb tDürbige, meil mir aud^ mieber nur auf biefem SSege 
)um redeten Serfianbnid beffen fommen, m9 und ^eute 
aU ^eilbringenbe äBelt« unb 6taat^met9^eu oorgetra- 
gen mirb. 

SHel^men mir aU 8eifpiel bie X^eorien oom Statur« 

red^t, an benen nod^ mand&er fi^ ben Äopf jerbre^en 
mirb, e^e e^ k>on ber „9Uäft(^p^üo\opf^\t" }u einem „Sto^ 
ber bei» Staturredbtil* (ommt. Sief, iß lein Oeftreiter hH 

5Jlaturred&t^ unb leugnet nid^t bie 33erbinblic^teit ber im 
^turred^t mie im S)efalog entj^altenen emigen Sefefte 
m Sed^t unb ®ered^tigleit, obgleid^ er Aber bie jnri^ 
ftijd^c Xiagiucite biefer SSevbiuMid}fcit ettnaö anbersS benft 
aU met^rere neuere SBieberermecfer M fct^olaflifd^en 
Saturred^U. 3m ganzen fiteben mir ni^t meit audetnan« 
hex. Slber in einer Sel^rbar(iellung über ba^ ^iaturrccbt 
mit älüdfblid auf bie ©efcbidj^te ber einfd^lägigeu ^^eorie 
I^Atte IB. ^ugo &xot\ui^ eine anbere Oel^anblung ftn« 
ben muffen. 58or allem foHte in einem fiel^rüovtrag bei 
ben ^u^öreru ober £efern nid^t fd^ou bie oi^Uige ISefanni« 



uiyiiized by 



9(^oIogie bei (E^tiftentitini. 



509 



fd^aft mit bem Manne, feinet ^eit, fetner Sö^ule unb 

feiner Seigre toorauSgefeJt tüerben, fo bafi Mo§ einer 
Uiien (Erinnerung bebürfte, um ben ^u\^6x€xn eine 13er« 
glei^^itng §toif<!^n jener uitb ben l^eutigen Xl^eorien pi 
ermöglichen, foiibaii l;ätte gcfagt toerbeii folicn, wer 
^ugo ©rotiuÄ mar, für ober gegen njen er fc^rieb unb 
toeUbed ber re^te Snbalt feiner Seigre fei^ unb nament« 
iiö) aucb trorin ber i^kmxh gelegen, bafe jciu Mai \o 
gemaltigen uub nacbbaUigen @inßug auf bie fommenben 
®ef(^le4ter geübt f^at, unb fioax nUl^i hioi auf einen 
neuerungiSlufligen ^öbcl, fonbern auö) auf bie S3eflen 
feiner ^ül 2öir le(?uen mit Sted^t (;eute bie X(?eorie 
m ®rotiud ab, aber mir brausen batum nid^t t^exäd^U 
liä^ t>on ibm gu reben^ nod^ i^m ei gur Sc^ulb an^urecb« 
nen, bag er ni^^t an bie fircblicb^ 6cll^oia|tU angefnüpft 
l^at, fo mentg atö einem von uni aum befonberen Ser« 
bienfte gereift, bag mir ftinber bei 19. i^a^rbunberti 
unb geifttge @rben jener tüd^tigeu 3J{ämier merben tomu 
Un, meUbe feit ^toei 9)^enfdbenaUern an ber äieflauration 
ber fat^olif^en SBiffenf^aft in ^eutfcbtanb gearbeitet 
baben. Übiigenä ^at P. 2Ö. au(b für Untere me^r Xa- 
bei ali &oh, menn fie nicbt ganj unb in adem nad|^ ber 
SRegfcbnut ber neueflen Ür^ienpoHtifd^en Cinftcbten ge« 
richtet luaren. S8gl. 6. 65 über Ä. ßubto. t). ^aller, 
(Börrei u. a. gerner. 9Bir treten P. m. in aQem äBe< 
fentlid^en bei, menn er ben mobemen IBiberaHirnui ab 
ben ©egenfaj jur d?riftli(^en ©efeUjc^afliJorbnung aufs 
fa|9t unb auf atten (gebieten ber g^olitif , bei @ef(bäfli« 
tebeni mie ber Steligion beMm))ft Mer au4 gegen ben 
fiiberali^muö mu§ man geredet fein unb i^n waä) bem 
menigfteni rektit^en etiid t>on äBobrf^eit, bai in i(/m iß. 



510 



gefd^icfitlid^ jii begreifen fud^en. S)enn menn toit ptah 
ti^e $olitU treiben moDe«, milffen mit bo^^ an baf 
Sot^anbene anbiöpfen. 9Beim man nun ben Siberaßi« 
muiS auf tjolfdtDirtfd^aftli^em (Sebiete fur^meg auf ba^ 
ffiovt: Lusses £ure, laiBses passer }Utfictffi^tt, unb 
toenn man bemfetten ben Ginn qiehi: lagt jeben t^un 
toa^ er mag, lafet alle S)inge gelten mie fie motten, fo 
ifl bied {eine ^efdj^iijl^tlid^ ma^re ^orßettung. &o geban* 
lenloS toar noä^ fein tj^eoretiMer $o(ttiter, fo gottm« 
laffen fein praftifcber ©efejgeber. 6onbern man fagte : 
laiases faire, lagt jeben bad Oefdj^&ft treiben, bod er 19er« 
fle^t, gebt bie ftrafte frei, toel^e butil^ mattete 3unfts 
unb Stüang^einric^tungen gebunben waren ; bie 3^atiou 
braudftt jeben äRann unb jebe Araft, »enn fie im ilon» 
bttrenjfamipf foO befielen Unnen! Laiasez passer, la%k 
jeben feine 5öare, bie Slrbeit feiner ^änbe ober bie gruc^i 
{einer gelber fülaitt bringen m er fann, (febt jene 
Setle^rdfd^ranfen auf, toeUbe ^ur 8^ ber retd^en Cnte 
bie ^^reife ber Söerte l^crabbrücfen, ^ur ^eit ber 3)?i6- 
ernte aber bie "^loi oergri^lernl Man mag nun über t>a& 
SfMn^ip ber ^anbeli^ unb (Bemerbefrei^eit benlen »tc 
man mitt, fo mar e« bodfi nie fo gemeint, ba§ nun gcs 
{et» unb fd^ranlenlod gelebt unb gehaltet merben {o(Ue. 
60 iD&re ^. 8. bttt^ bie 0en>erbefrei(elt bie gforbetttitg 
beS 93efd^igung^na(i^n)eife§, bie ße^rling^prüfung u. f. ro. 
nicbt notmenbig audgefcbloffen. gür übertriebene %oU 
gerungen ftnb bie tttl^ebet gto§er ^ojette ntdftt gmi 
oerantmortlid^. üHan weife ja bem Siberali^mu3 ^ui 
nad^^urecbnen, koie er nur juoiel regiert, ^u oiele (^eje^e 
ma$t, bie freie Setoegung su fel^r ^emmt unb t^A^ 
lic^ in fein @egenteil, in fiaailicVt^ ^eoormuubung bU 



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«pologie bei C^tifleiitiini§. 511 



i«t Xi^annei umMUgt. 2ltt älHtllt<(feU Unnen ton 
aitt We urfprüngli^e gefc^tci^did^e Oebeutung unb nfe» 
hing ber ©etoerbe- unb ^anbeUfrei^eit tpo^l anerfentten; 
bai mfttbe tii(^t aiidfc^Iielen, ba| min loiebet ein ge« 
fe^geberifd^ed (Eingreifen ben 9ehtmif ber ^rei^eit tegu« 
Uere itnb auf ©runb ber gemachten Erfahrungen bie dir« 
leffe einet mi|oerfianbenen ^ei^eit t)etl^bete. äBit 
»olen gerabe entgegen bem «»Hberalen' Staat^fpfiem 
bad laissez üure, laissez passer für um geltenb mad|^en ; 
man mdge nur gelten, b. ^. na^ unferet Xtt unb noil^ 
unferem alten nnb tyerbrieften Siedete leben, arbeilen, 
beten unb fterben taffen! 

60 gälten mix no<b ba unb bott eine hitifdfte iCn» 
merfnng }U nta<j^en, 8. in ber n)iffenfd^aftU(jhen 9e< 
grünbung beiS ^rit^ateigentumd^ in ber ^e^re oom (^if>s 
re^t tlber bie 3in^* unb äBud^erfrage moEen »ir nur 
barum nt^t noc^ einmal norfieHtq merben, um ben 
£efern nt^t läftig ju fallen, ^oc^ fönnen tDtr eine ^e« 
mertung nid^t gans unterbrftden. äBir ftnb in ber Sö« 
fung bed ^roblem^S^ fofern eft bie ttnterf^etbung jtPtfci^en 
$)arle^en ali8 fold^em unb Kapitalanlage betrifft, mit P. 
äS. einig. 9iux ifl feine £0fung ni(j^t bie ber alten X^eo« 
logen. Sogar bie fo bart gef(]^md^te Unterfil^eibung bon 
j!onfumtio= unb ^robufticbarle^jen fommt biefer alten 
Sebre noii^ n&^er. (Berabe um bie IBertr&ge, meU^e eine 
fto^alantage im tlnterfd^ieb Dom bIo§en mnimim bei 
beuteten, betpegte fic^ jal^r^unbertclang ber ©treit, meil 
man gerobe nicbt re4^t begreifen wollte, »ie bie AapitaU 
anläge 3. S. im Sefettf^aftdbertrag, in ben montes 
(Staat^anle^en) fid? üon bem eiufad^en ^arle^endüertrag 
unterfdj^eiben unb bemnad^ einen Qixa re(btfertigen foKte. 



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612 



S)le fibeteiftigen Settteter bet alten Orbnung glaubten 

eben and) ber UMvtjc^afttic^en ^emegung ber fortfd^rittli^ 
(S^cn StuUui aicbl folgen 511 \o\lcn, meii biefelbe bie alte 
Drbnung bttt4bre<be unb bie Srunbmnr^el bed 1o§iaUn 
SBeiberbcn^ fei. Hub ifl bad iiic^t auä) ^cute uocb eine 
offene grage, ob bie Seid^tigfeit , »irtfd^aftlid^e äßerte 
in itapital umsntt>anbeln^ ob mit einem äBorte bet BapU 
talidmud mit einer auf natürlid^ed tmb c^riftlicbeiS 9!e<bt 
gegtünöeteu äi^irtfc^aftäorbnung vereinbar {ei? ^ie 4iö^ 
fung, meldte Dr. äBei^ ^et gin^f^^ge gegeben b^t, iß 
fel^t etnfad^. Slbet M man fomeit war, um bad fe|te 
^üit 5u fprect^en^ mugte man einen Hielten äi^cg ma^fen, 
unb bad foQte anerlannt toerben« 

liegt aum Xeil in bem Sefü^I ber 6idberbeit 
unb Überlegenheit, womit ber ^erf. feinen 6toff be^errfcbt, 
t>ai er bie gußimmung feinet Sefet unbebingt Dotaud- 
fegt, nad^bem er mit brillanten Sd^mertfc^Iägen bie Ser« 
treter ber mobernen Sßeltanfd^auuitg niebergelpauen, ma^s 
tenb bamt abet ber pofitioe Aufbau ber äBeltotbnung, 
toie P. SB. fle [lä) t)orfleat, etmad §u furj fommt. 3«' 
beffen tuollcn tpir ^>ier aud& nic^t ju viel oerlangen. 
äßäre nur einmal bad Orunbprinaip bed neuen Sluf baud, 
Umfebr jur d^rifllid^en Orbnung^ in aDen mefentli^en 
fünften anerfannt unb mürben alle guten Ärafte 
na^ ben (btiftlicb^t^ (Srunbproblemen in Bewegung fe^en, 
fo mürben batb aud ber biiSl^erigen Sermotten^eit 
bt'v 5Dici!Uingen tlaic Öiftalten l;ciau^:.friftallifieren. ^^\^t 
tarn nocb niemanb fagen, mie bad aUed merben n)ürbe; 
benn fo, mie mit bie (Entfaltung bet «btifUicben ^tin« 
jipien iiniufd^eu muffen, waren fie felbft in ben bcficn 
Reiten bocb niö^i oerwirlUd^t; umfoweniger !ann und 



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Ilpofogie bei C^tiHeiitttniA 



mit emfad^er St0pU etneft oeTgattgeneii tird^li^^en 3^itoU 

ter^ gcbieiit fein. 2öir ftofeen u\\^ a[\o md)i baran, bafe 
ed an fonCreten ^orfd^lögen §u einer neuen @efelli(^aftiS- 
OTbnung nod( ^iemltd^ fel^lt SB^tt ftnb bemuail^ toctt ent« 
fenit baüüu, mit beu bi^l^crigeu fritifc^eu ^Bemerfungen 
ben SQSett biefer «ySi^^ologie" abfd^teädften moUen ; mit 
toffen e9 Uta au$ getne gefaUen, menn unter bem 
mcr, lucld^er ba§ glü^enbc ßi(en fc^miebet, uni? auc^ 
einmal gunten inS eigene ^ngefict^t fprigcn. ^tr fönnten 
manä^t eitteme, ftbertviebene obev aud^ aOi§tt fantafhf^e 
Sufeerungen anführen, t)on benen mir nic^t münfd^en, 
bag fie jüngeren 3lpologeten ober ^rebigern jum ^or- 
bilb bienten ; abet im ganzen ift jebet Sorlrag ein Stmj^ 
tont Don einem gebiegenen TleiaU unb einem torne^« 
men @ug. 

3itm befonbefen Sevbienfl möd^ten mir bem iBerf. 
anrennen feine ^uieinanberfe^unqen übet ben Unterfd^ieb 
unb bai^ ^erl^öUui!^ von 6taat unb (^efellfd^aft, feinen 
Aampf gegen baift Um^^tifUid^e in bet mobemen ^tUß 
f^ä^ung ber e|fluftt)en Stationatitat, feine Oetomtng bet 
]^ö(^ereu (Sinl^eit bed ^D?enfd()engef^lec^te^ unb feiner ^e« 
fUmmung ju einem ^b^eten 3beat, al& ed bie fanattfd|KR 
SetMnbiget bei itbifc^en tteßteici^ed lennen. Ci ifl 
aud^ gan^ richtig, bag bie unter bem heutigen ©efi^led^te 
faß gan) allgemeine (Em)>finbung einet Stotlage unb einet 
bto^ben ftatafirop^e nid^t bnt«^ tein &u6etlid^e Gtö« 
tungen be« SBo^lftanbe« unb fojiaten ©leid^geroic^te« 
bettttfadl^t iß. »Gi ifl butdl^aud ittig }u gtauben, hai 
nut bie btüdtenbe 92ot unb anbete Aulete Set^Itniffe 
bie Sage fo gejpannt gemacht hätten. 2)ie öffentlichen 
3uftänbe n^aten fd^on oft oiel fd^metet )u ertragen ali 



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614 Oeife, Viwtogie bei SldflMtmiit. 



ba« im lugenbltd m gaU tfL i)ie ilf bettet mdbefos* 
bete ftnb fd^on feit etstget Bett Det^AItiiidmfigig beffet 
gefietlt^ ald in fnll^eren Za^en, jebenfaOd loeit bellet 
aid Me Zottfenbe bev fUine« Xn^e^OU« UBb ber 
niebetev Seamteti, gegen tDeI<!^e il^t Soo4 toa^r^aft be« 
neibendmert ift. . . . $ult)er, mmit bie 9)ünett 

gelobeii finb, ift ni^t etgeiUlidft bie Silot ber 3^ fimbem 
bet Oeifi ber 3eit. SXe mobenieii Sbeen Rnb ti, iDeU 
cbe gären unb bie 6d{^löud^e fprengen bro^en'' (6. 
144). iü 004^ lang iii#t otted «olb eemün|t, möcft« 
Itn toir mtt beut Oiii^tet fagen ; mürbe man be« ^ra« 
fitif<i^en ^upii oerminbern, fo liegui [xd) mit ben ^rfpar- 
nijfe» bam maii4em eine menfd^enioflrbige Spifiena 
f<j^affen. W^t bfo| bie flhrofien nnb bie 9^ifer, fon« 
bern — gefielen toir ed nur — mir alle finb üon ber 
gUi(fli#eren fiinfa^^U bei» £ebend ab^mi^n, l^o4 unb 
niebrig, deiftli($ unb meftti^, e« mftgte iebet bei Tt^ 
felbfi anfangen^ ebe er anberii )orebigt. 

S)o4 bamit toerben Singe beratest, meldte nn4 mt 
befonbem Cinbfingli(i&feif ber fünfte Sanb an0 ^er$ 
legt, ber erften Sluflage ifl und biefer 5. $anb 
ber toertoofl^e, mid^tigfie unb emfieße üorgelownicn ; 
e^ »irb nid^t baran au ^meifeln fein^ bo§ er in neuer 
Sluflage aud^ je^t micber bcu eblen 6d^lu6fiein unb bie 
§txon$ bed ganzen S^erleg bilben »erbe. 
Stottenbnrg. £infenmattn. 



11. 

üerin, P. 2). ©ermoniiö, $)cr Urfprung bc8 grefiorienif^ai 
<9efanae8. ^eutfc^ t)on P. X^. (SIjä|er. ^aberbont, 
@4^ing| 1892. 8. 90e. 



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SRel^ ate tottfeftb Saläre iDutbe Um groften 

ISapfle ©rtgor 1 bie Sammlung ber O^oralmetobten unb 
bie mujtfalifd^e Organijation bed @ottedbten[ted ^uge« 
Mrieben. Sum erftenmale fptadfteR flilft ^et geU^vte ttou« 
üertit So^onn ©eoig @d^art (De rebui Pranciae oriea* 
talis comment. II 718) unb 3o(. ©aQiccioEi i« 
feinet litUTgtf4«t^iflotif<<Kn SinkUuaio »um 9. Sanbe bet 
©efammttperfe ©regor« be3 ©rofeen (©enebfg 1772) gcs 
gen bie aUüerbreitete ^rabition auiS. ^ieje tpurbe in^^ 
beffen, OefHI|t biuc^ SutoritAten tt>te S)omtftibid (6wt%i 
(De liturgia Romani ponÜficis II, p. CLXXV), Segjoft 
(Card. Tomasii opera omnia IV, praef. p. XXVI ss.) 
unb 3^^^^ (Biblioibeoa ritualiB II, p. GGXI) auf« 
u^t erbalten , M fte butd^ & Oei^aevt «riebec Ui« 
SBanlen gebra^it mürbe. 

»Lee originee do chant liturgiqiie de T^iee L»» 
iine€ (Gand 1890) beHtett bie bieMeaäglid^e 6tMMe 
©eüaeitö. 3)er 3nl;alt berfelbeu i)l furg folgenber: S)a 
tiot ^obamted S)ia(oiiui leia (Stegot be» 0ro|fii 

Ott Serfaifet bed AnüphoiiariiiiD nenne^ fo ^ottt er H 
mit Sftüdftc^t auf ben ^^arafter biefer ©efdnge, tDeld)e 
9rie^i{<bea UYf«)tiuid behmben^ fftr toal^tfd^einUd^er, bog 
einer bet $äpfte, mebb« t>on 678— 76S ben 6hil^( $eM 
einnahmen unb „gried^ifcbe" bejeic^net werben, 35et5 
f äffet bief et (BefAnge fei — a)ie 6titbie OeDoetli» ^ anet» 
fennenioette Sorjüge ; inSbefonbete ^ebt bet Sitiet In 
feiner burd^aud ruhigen unb fa^lid^en, bebet »on unge^ 
beucbeUet IBegeifletung füt bie e^bnbeiten beil Ittutgi« 
f^en Sefangee etA&tmten Vbb<uiblung Me mtellbaften 
mufifdifd^en Seiten M alten Äird^engefange« treffenb 
^en>ot. ^nbeffen fiab feine Xtgumente in bet obf^tee« 

88* 



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516 



feenben grage bo4^ au fe^r tein negativef Statut unb 6e« 
fremben mugte t>or allem, ba§ et bie Segenbeioeife 

flönalic^ aufeer aä)t liefe. 6einen Ausführungen traten 
aUbalb entgegen bie idenebittinet t>on äRatebfoud (Rdme 
BfeMictine 1890 F^Trier) unb &oU9mt9 (in bet ano« 
nt^men 8ro{(^üre »Un mot sur TAntiphonale missa- 
ramt. SolesmeB 1890); fetnet Stifat (3eitf<l^tift f. fatb* 
Z^eol. XIV 1890) unb %>n^el^ne (Bull, critiqae 1890) 
fomie 6anti (Musica sacra. ^kilaub 1890). (^rünt>: 

U(bet unb mit tbat(ft<jftU(b ungleiib me^t gteifbaten ^ifto« 
ttfc^em Semetftmatettal ttat abet 5Dom SRotin in bet nn« 

torliegenben ^c^rift für hie alte ^rabition in bie 6c^>rans 
len. S)ie @(btift felbß ent^&U ^mei Xeile: bet etfle 
ifl bet {ttHf<l^en Untetfud^ung ber Sunflen bet grego» 
tianifd^en ^rabiticn ]prc4)enben S^wgntffe getDibmot, ber 
anbete bet motioietten 8eutteilung bed 69|iemd, bai 
OeDaett an GteDe biefet Xtabition fe(^t. — 9Kt vollem 
^eä)t hält SD^orin bie ©lanbtüürbigteit be^ 3^"9»iifff^ 
Don i^ot^anned ^iafonud auix^ö^U Denn biefec fcbtieb 
gu 8lom mit foU^en Cin}el§flgen Don bet in f^rage fte« 
heuben ^l)atfQd)c, bafe eine ©ntftellung ber Überlieferung 
in bet borhergegangenen j^iit audge{d|^lonen etf(betnt. 
ÜbtigeniS i{l Solh^nneiS 5Dtabnuil ni^t bet einzige 3^uge 
für bie ©regorianijd^c Xrabition, tüic ©ci^aai un^ glau- 
ben madhen molltc : Wloxxn führt ber iReihe nach auf ; 
9apfl 4^abtian U, ^t^fi Seo IV, $i(bemat, SBalafneb 
6trabo, ^iltjobarb öon %on, Slmalariu« ton l^ic^ uub 
von %x\zx, g^apft ^abrtan I, Sgberi oou ^orC: ^ai^y 
teidh^ S^tn mit flaten Sludfagen^ bie und abet leibet 
nur biö 5ur 6chiücHc be^ 8. ,Vt)rh. jurüdijufül^ren ver- 
mögen. 3m 7. ä^hi^* ^m\d^i üöUiged @tiai(bu>etgea. 



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S)ec gcegoriaiü{c^e (Skfang. 



517 



eben btefed CHOfii^tpeigen glaubte nun 0etmett äü beu 

»id^tiöfton 'l^tMPeig gegen bie ^rabition betonen §u fön^ 
nen. äBec inbejfen meig, »ie meniß Sluftlftrung uniS 
übet bie Oef4i4t^ bei» ^I* Stegot aue ben OueDen bed 
7. 3>'^l^i1'- überhaupt ju teil getüorben, tüirb biefem ar- 
gumentam ex siientio ni(^t aH^uoiel IBebeutung ^umeffen. 
fiberbieft weMt aRorin mit 8te<bt barouf ^tn, ba6 ba« 
mobenie 6i)ftcm ber 3^"ti^^iiiffltion bamal« nod^ lüd^t 
in bem ©cabe toie ^eute eiifUerte. älU Osegor |ui: Sie« 
fotm bet littttgifd^en 8fi4bet griff, b<^tte er gunUftfl bie 
päpftlictie ilapcüe im 2luge. ©rft bie j^ifiorifd&e ©nt? 
roidtung ber folgenben 3<it^r(funberte ux\ö^a^U bem gu« 
nd(bß lo{aI«römif<ben Xntipbonar in immer weiteren Itrei» 
fen juerft (^nglanb^, bann iidiifi)d?en S^leic^c^ unb 
5ufegt au6) ^talkn^ Eingang unb nun erft lenfte bad« 
felbe bie aflgemeine SlufmerffamfeU auf fM|^. ffier ^fyötU 
(\n]aH^ bie ])o\)c 5isid)tigfeit bei öregorianifc^en Diejorm 
vermuten unb tiorau^jetpen fönnen, bag fte ber ^eriobe 
ber Uturgifcben 9ieu0efita(tun0 im Occibent bai» Siegel 
Qufbriirfen tüürbe ? 60 öiele ^äpfle trotten ^anb an'« 
äBeri gelegt unb gerabe bie 0^amen jener, bie am meis 
Ren gearbeitet, flnb Mrgeffen. 5{)ie grofee Xufgabe 0re< 
gord mar |u organifteren , umaugeßalten, §u ftperen. 
^od^ nic^td bleibt fif, ed jei benn ba«, m& bie Qtii 
reft^eltiert. S)ad SBerf Oregord aeigte fUi nfi in feinet 
ooUen ®röge, aU e« bie $robe ber Sal^r^unberte befianben. 

9Ran erwäge biefe äJ^otioe, unb man h)irb nxä)t 
mebr urnnbem, toarum bie 0ef<bi4te fo ipät erfl bem 
Rubme @regord ht9 @rogen auf bem (Bebiete ber Sttur« 
gie gere(t)t gemorben. 

SBad fobann 9etoaett no<j^ befonberd t^moxf^ob, ifl 



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518 äRorin, ^er gcegonaniic^e dkiang. 

ber ^arafter bciS fogenaunten gregorianifd^cn ©efanged. 
^ fogt, betfelbe fei fe^c griedi^ifit^^ aU ba6 man 
Ml)i awiel^meit mügte, ^Apfie Don gried^ifd^er ^ethmft 
Ratten il^n eingeführt. 6tnb nun biefc ©inflüffc aud) 
^ttiugeben, {o l^ai man bod^ nid^t nöttg becen SrtUU 
niiitf mit 0ei9aett in4 7. unb 8. 3a^. ^etabjufleigeii. 
@8 finb nur SBcrmutungen unb SBal^rfd^einlic^feit^bemeife, 
oeld^e 0e))aeTt bafür aufaubnngen meijs. SDet SBitfltct»' 
fett bmmt bie Snnal^me Vtotia*9 tief nd^eT, ba| Idngf! 
üor Oregor in bie Slielobien ber römiWcn .fircbc bae 
Sefte niebetgelegi mar, mai^ bei Ocient ioioot^i aU bet 
Occtbent, toad bie f^rif^e unb gtie^if^^rdmifd^ie aihtftf 
jum Säu^brudf religiöfer ©efü^te befafe. @bcn biefe t>or= 
^anbene Utrd^enmufif i&uUxU unb beRette (Bregor, mobei 
er beut 4laH§eii bie ^atattetifüfd^en WtetSmalt feine* 9e» 
nie« aufbrildtte. S)amit fd^Hcfet bann aber auä) bie 
eigentlid^e {cböpferifc^e $ertobe be^ alten Atrc^engefaime« 
ab, toeU^e 5Dom aRorin auf bie Seit toon 882—600 fU 
^eren möd^te. 

3ft eiS 3)lortn aud^ nid^t ooStommen gelungen, bie 
bomentooOe gtage auü^ bem Sebiete ber ei^entli^K« Zco» 
bition in bie ^b^ere ©p^äre ber rtio^lüerbürgten ^bai- 
fod^en 5u ergeben, fo Ij^at er bodji ein bebeutenbed Uber^ 
gelDid^ bet pofltioen KetDeÜ^grfinbe fat bie gregotiani« 
fd^e ^rabilion gefcbaffen. 3)ie bisherigen gorfd^ungew 
bec löenebifttner t)on 6olei$med, bereu äiefultate in i^um 
monumentalen ffievte IWographie nrasicale niebergelegt 
»erben, fpred^cn au ®unPen t)cn ^om 3y^orin unb xoix 
bürfen juüerfidt^tlidl) ton beten toeiteren @tubien noc^ 
mand^e OetoeUmomente für ba* bon Otegov I vetribierte 



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619 



mh m it^m t>tt itir^e l^intetla{|eite SliUi)»l^iia¥ mit 
Un Oefftngen tev Soi^eit eTloavten. 

Slepeteut 6 (i^ mar 3. 



12. 

t)OR Dr. 3. 8. ftfittif er, 9le))eteiit am fi. W^tlmil* 

ftift au Xabttigen. Xflbingen, 2aupp 1882. vm, 308 
6. 8. 

S)er 1891 6. 168—166 anqt^w etutVft übet 

bie ^apfitüa^ten imb bie ©taatcrt tion 1447 hi^ 1555 
^at ber Setf. bie Dorfte^^enbe nad^folgen la{{en. Set 
gufoU ffl0te ed, bafe gleid^^eitid mit 6. ein anJbmt 0e» 
te^rter ben ©egenftanb unterfud^te, unb ba beibe t)er* 
{d^iebenen i^gebniffeit gelangten, fo ergaben fic^ ^uM- 
nanbevfetttngen amifiien t^nen. ffial^iiiib t&|t bie 
floatlid^e @yclufit)e erft um bie 2öenbe be« 17. unb 18. 
3a^r(^unberti^ eintreten. ©. fil^rt fie auf Äarl V jus 
rttd, unb bei biefec SHfferen) galt ^auptfä^liilft, bie 
SBa^bcr^anblungen unb bie bie SBal^I betteffenben päpfl^ 
lidj^en 33erorbnungen in ber 3töifc&en§eit unter bem frag* 
lid^en (Befi^tdpuntt au tnrftfen. X)a« Srgebnii» bet Stu« 
bien liegt unnme^r t>ot. Die CntmiAung ber (E^fltoe 
mirb 6. 254 furj folgenbermagen gejeid^net. ^arl V 
forberte bie 8erildfid^tigttng feiner Sudfdftliefeung t>on 
alen AatbinAIen ate ftaifer. ^i^ilipp II nnb S^^Mnanb I 
erbten t)a& t)on t^m. ^ener f^rieb ftd^ bad ^Rtd^t aU 
eo^n )u, o^ne ben ttnterfdftieb bea^ten, bet in {ei« 
ner unb bei» Saterd CteDnng gegenüber bem päpfHici^en 
©tu^^te lag, unb tt)urbe burd^ be^iarrlid^e Übung ber Ur= 
^eber biefeiS fiaatlid^en 9le4^tdanfpru<l^ei^ im e. @. Seine 



520 



Snfprüd^e fliegen auf bie Spi|e, ate er {td^ in htn Ie|« 
tcn Äonflatoen be§ 16. Qal^r^^unbert« awc^ bie Jjlnflufioe 
anmaßte, ©ein Bo^n ^^ilipp III trat in feine ^"6^^ 
pfcn ein unb liefe im 5lonfIat>c 1605 bie 2Iu:8f(^lie6ung 
i. e. ©. b. 93}. burc^ beu ^arbinat b'2lt>ila erteilen. SatD 
na\)m aiid) ba§ emporfommenbe gi^anfreic^ ta^ ^Icd^i iii 
Slnfpruc^. B6)on im nä^ften Äonflaüe miirbe bem fran= 
jöfif^en ©ejanbten bie ^Inmenbung besjelben biirc^ einen 
in ben ^apftma^len ergrauten Äarbinal angeraten. Un= 
ter ßubmig XIV üerful^r baS Sanb ebenfo mie Spanien. 
2lm ßnbe beS 17. 3a^r^unberti8 befann ^xd) bann aud^ 
bog Äaifer^^au« roieber auf feine alten Prärogativen, 
»ä^renb Jerbinanb I unb bie näc^fifolgenben Äaifer bie^ 
felben Ratten auf fi^ berufen laffen, unb ejcUubierte 
energif^ im .tonflatjc beö ^lal^re^ 1721. 

i)er SetüeiS für biefen ©ac^üer^alt mirb mit gro-- 
feer ©elebrfamfeit unb feinem 6d)arfnnn geführt. SluBer 
bem umfaffenben unb entlegenen gebruäten mirb aui 
3Jlünd?en unb Sflom aud^ ^anbfc^riftlic^eö Material berans 
gepgen. 2tug einer 3Jlünd?encr werten 6. 283 — 
307 üier b\^})ex unbcfannte ^Tofumentc §um ^bbrud ge= 
bracht : Söorfc^läge ^ur 3teform ber ^apftroa^l, aud bem 
5^onflat)e nacb bem ^obe ^^aut« III; ©ntmurf einer 
«Papfltoablbullc öon QuliuS III r>. 3. 1551 ; bie iii<j^t 
»eröffentlicbte 58ulle In eligendis beSfelben ^apftc« D. 
12. iflot). 1554; t>ie Üiebaftion ber be^ügti^en ^uQe 
burdj^ ^iu? IV. S)ie 2)orftelIung ift burclioeg eine fad^s 
Udfte. S)ie Pt^^^»"^^ ^^i^^ jurüä, unb tno \\c ni($t p 
umgeben mx, l^ölt {te fldi^ burdj^aud in »iffenfcbaftlic^en 
(Srenjen. 60 h)eit man na4^ einet einfad^en ßeftüre 
urteilen !ann, fte^e id^ nidl^t an, bet üuilfftl^rung in ber 
^auptfa^e beijufiimmen. Ob etma fpatete $ublitatio> 
nen au einet anbetn Snffaffung ffl^ten, »itb t>on biefen 
ab^ftngeiu ^nL 



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m. 



3u ben pjeubocppciantfc^en Schriften De gpeoiMulls unb 
De bono pvdlcitiae. 3m 3- 1892 S. 522 f. mtht aber ituei 
Vb^nblungen ^eric^tet, in benen bei- l<erju(^ gemacht t»at, bie 
flenonnten ©(Triften bem i6t{c^of von tort^ago toitUt ftitAufc^ret- 
ben, nodjbem fic i^m lange Q^ii aberfannt worben roarcn. Xct 
9utor ^at ini^mifc^en einen 9iioaten gefunben. ^iftocifdjen 
Salftrbu«^ 1892 e. 737—748 besfufit »e^mait bie betben iHb* 
(anblttngcit oU «Tbelten 9lobatiatil ba^itt|ttii. finb faft 
bunbiDeg {)»ta(^fi4e <9cftnbc, »et^e bei bec ^tage in 9etro4t 
tvmmeii, unb ei gelang Seiimanr ben fotaHelen ond dt^üan 
bebentfome ^oTofleten anl Stoontian gegenAberauflellen. ttuct bie 
9en»Qnbtfi|oft bev Soge tfitt 1i4 für 9^>batlan geltenb nio4en, 
ba au4 et getrennt bon ben flSvAbetn, bei». an9 bem dsU Mvci&i» 
n»ie oni bem tinfang bet Sd^rift De cibis tecnotge^t lDa| bie 
6Aviften im Sanfe bet Stit S^ption iugef|>rocben wovben» ttivb 
bamit efflftvt, bog ©(Triften, raelc^e Stonatinni 9tamen an bet 
®pi|e ttngcn, fpdter fdjnetltcb me^t ouf befonbeten Vnflang 
te<|nen fonnten» m9if)aVb man in Vnbettodjt i^rei tobeKojen 3n< 
laltei fle einem anbeten ^ugejc^cieben ^abe, um t^re 9erbteitnng 
)n etmdglidjcn , be^m. beförbern. ^ie ^utorjc^aft SQptianl 
ifi baburd^ m. @. noc^ nic^t audgefc^Ioffen. ^ber berSemetd fflr 
fic ^at immerhin nic^t mcnig an Äraft ücrlorcn. — @in jjmeitet 
@ele^tter, ber [idi ßleidj^icitig mit bem Problem befaßte, um- 
leite r in bem J^eologifc^en fiiteraturblatt 1892 'D^ro. 37, finbet 
mb\t einigen anbeten gegen bcn99ijd)of Don Üarttjago jprec^enben 
©igentümlic^Icitcn in ben beiben Sdjriften in^bejonbere einen 
(^egenfa^ }ur lateintfc^en $tbel S^Qprian^, unb ^mac in breifad^et 
Sejie^ung, inbem bie ^äufigfeit, bie (Sinfü^tungSform unb bet 
SBortlaut ber biblifc^en Zitate tiermi&t raerbe , tvk fte (S^prian 
biete. (5r ift geneigt, beibe Schriften einem unb bemfelben ^2Iutot 
jupfc^reiben , einem ©ift^of, ber, au8 unbefannter SJeranloffung 
pon [einer (ä^emembe getrennt, buc^ i^^riftti^e ü^rma^nung hai 



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522 



Witaleftfn. 



niflttbli((e IBoct eifc|e, ber fU^ tti t^ertnlRait unb Ct^rian ge» 
bilbet ^be, Qtieti unb rftnntliit ni4t atKjn ferne geflaiibcB 
fabelt iDecbe, obet iii<bt €in»cioit felbfl fei, inbem sttor irfcifwt 
feilte ttocte geUfeii wecbett, ober fein M^, feine tovixtU, bie 
gegebene iSoge obfpiegelnbe 6<(ceibavt unb boc aOem feine 9tbel 
fe^Ie. — 8gt. awb «tfl. S^iTb. 1888 @. 880 f. 

3ttm ]M«tetis pApae- S» ^fltutn llnitt» f. 1 b. OL 1880 
6. 188—808 oeröffentIt(^te Bbttenfelb einen «uffafr: bet m> 
teil» papae <8cegofl VH nnb eine ftbemvbettnng be8felbea tot 
18. 3at)r^unbett. %t id)Iog ftcb babei bet ^errf c^enben ünM^nw 
an, ba^ biefiberf(^n|tlKetatnB papae bieVntotfd^aft bed $a|)pci 
anbente, bajl alfo iene 27 XH^n beS 8iegi[teid Qfregord nnntttcl» 
bat ouf ben $apft jurflcfge^eu, unb einet imeiten, ba§ naäf htm 
(^ronoIoQifc^en ^rtnjip, md) bem bad Siegifter (Sregord VH ob« 
geleflt fei, ber fog. Dictatus in ba« ^o^r 1075 gefiöre. 31. 
'in. 1892 6. Iö7— 153 tritt ©. Socfiir bcr 'jJlun'aiiuiui cntc^egen. 
@r fü^tt t)or Qtlent gegen ben greQoriQnifdjcn Uripruiui ben 3a§ 
§ 6 an: Qnod cum excommunicatiH ab älo inier cetera nee 
in eadem domo debemus manere, ber nic^t Don (S^regor §ertä^« 
ren fönnc. SD^an |)flege jnjor gerne ouf f^e^tec unb Ungenauig- 
feiten in offiziellen ©c^riftftücfen unb Urfunben bei^ SJlittelalter« 
^injunjetjen, unb quc^ bem D. fei biejei ^ergleic^ nicot crjpart 
geblieben, ^ber man überfe^e, bag ber Unterjc^ieb jmijc^en ben 
X^efen ©regorö unb irgenb einer Ä?aiicrurfunbc eben barin be» 
fte^e, ba§ ®rcgor VIT felbft ber iBerfaffer jener fein fotl, toätjrcnb 
bie Irrtümer ber foiferlic^en Äan.^Ui bem iiebaiifeniDÖ traii^- 
jumierenben ober id)led)t unterrichteten itnu^lcibeomten ^ur iHa^ 
faflen. ^nbem 5. bann nad) anbercn üttteraturprobutten fidb 
iimfief)t, iüclrf)e nad) Jorm unb ^n^alt mit bem D. in 3Jerbinbung 
gebrodjt raeeben fönnen, finbet ei als geeignetfte )BecgIei(^dobiette 
bie 3n^iced ober Übeifc^riften ber ßanonedfammtungen. Uiticc 
biefen legt jum ^erglet«^ (elbft oor aOem bie beS Tregor 
na^fkf^enben unb oon if)m jum j^arbinal beförberten ^euSbebtt 
na^e, unb beffen Sammlung bietet in ber if^tii eine 9)ei^e t>sm 
ladioet capitulomm bar, raeldje bem 6intte mie bem föortlanl 
nacb mit ben 3:^efen M D. in fo enger Sertoanbtfc^aft fte^en, 
bab mit ^öc^ftet Sabcf(betn(ic^feit ^raifdien beiben ein Slb^ängig* 
feitiSber^altnid anzunehmen ift. S^d^er^tn fkellt fid^ aber bet D. 
att bo« obbäNdtQe Gibciftflflif bat. Übefott namlii), mo bei IDcni« 
bebit einfai^ ecfi&vt »icb, ba| bet ^apfi biefei obcc iene8 Ut^i 



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Vnateltcik 



523 



l^be, fafet bet D. bcn ®ebanfen fnopper iinb bcftLitimtcr unb be- 
;iei(^net bur(^ ^injufügung von solus öen i^apft oI« aUcinigeii 
irägcr biefe* 8lec^ted, ober ti trirb in anberet pafjenbcr SBeife 
bec ))erfd)ärft unb bei einem (Scegocianec lägt fic^ bei bem 
genannten ^er^ältnid »o^l eine ©teigemng unb Setfc^ärfung bec 
pfipftlic^en ®eiD0(t benfen, nic^t aber umgefe^rt eine ^bjc^roäc^uim. 

^f(^auung, fditiegt @. feine beoc^teniSroerte Unterfuc^ung, 
ba| nn^ im D. ein Programm bed ^^apfted Dodiegt , roiib einer 
anbcien tDcic^en mflffen, bte in i^m eine private, oieKeic^t offi^ioie« 
jebcnfalld bom tpopft ni^t btrett tjerrfi^renbe gafammciiiitellttiig 
bon iRc4tifA|eit erfennt, ttiel^e bie @ttimiie bcffcit tnUXfitt, roa9 
bie toiioiiiftiMe Sovf^unfl im» fieil ^Afte fbcbnte. Oic 
iDetben in bicfen Z^cfcn and tbciter bni Sttibnuf bei Xcnbenien 
unb Snf^onttngfn Oiegoii TIl fe|en, abcv tM^t, »ett He bom 
9o|>pe felbfl anfsetlellt »dren , f onbem tveU |ie einem Iheife am 
(|e|5ten, »eli^er bie aregocioniMen S^un f^flemotif«^ anibaute 
nnb inciftifcb Begcflnbcte. 9unt 

%tt mon^en Sefexn betannte Stegcipfiefkec IDaniel ^tA in* 
fp((|e bev Xmegungen, loel^c it» Auf feiner 6aninielifife in 
dntopo gegeben »ovben (Nib, ben (Sntf((lnB gefaxt, feine (Erfa^ 
nmgen übet afttfattif<|e Su^dnbe ben grrennben bet fRiffion in 
einer 9tof(4flre betonnt ^u geben, liefen Sntjc^lug ^at er in 
bem «il^fein: Heine Vtflber, bie 9i(ger in «frifo« 3^rSe|en, 
i^re 9efft^igung, ^^re je^ige traurige £age, Qt^xc 4;) Öffnungen. 
Sin emfied ®ort an (Europas (£t)riften 0. einem 9teger, fra^eren 
SriaDen, je^igen aJ2ijfionär. fünfter, :pelmed 1892. @. 90 au9» 
i]efül)rt, inbem er in ergreifenben ©ctjilberungen bo^ gciftige unb 
fittlic^e tSlenb ber armen 9Jeger fc^ilbert unb bie ßljnften jur 
^)ilfe aufforbert. (i^encnüber Dielen anbern Urteilen fudjt m bie 
geiftigen uuö fittlidjcu 3at)iöffitf" ber 9Jfger mit (iJlücf ju uec» 
teibigen. &mi\i Ijat et Oiedjt, luenn er fie fittlid) über bie Oer* 
fommenen iöefenner beö i^ölam fteflt unb ben gefä^clic^ften grcinb 
in ben ©ftopenl^änblern üue bcn 5fretfen beS (entern crfennt. ©in 
i(^ auc^ no(^ nicbt tJoQftänbtg überzeugt, fo gebe id) bod) ^u, bag 
in einjetnen ®egenben bie Sieger befjer finb aU i^r 9fiuf. SSe- 
jonberß mirb ncucrbingg iljre e^elic^e Xreue gerühmt, jic^c 
bal^er gern ctwaS pon bem juoerfid)tIi(^en Urteil, votldjti t(b in 
ber 3fpoIogie über ben ^influf? beö ^«(am in Vlfrifo obgcßeben 
^abe, ab, mu§ aber bod^ bemcrfeii, bn^ bie allgemeine geinbfc^aft 
bei ätegerftamme untereinattbM bem acabijc^en ^ftaben^anbel bie 



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624 



flnotefteik 



IBcfie cBnet 9R5ge halb ber SSunf<^ in tTfAHung gel^n, ha% da 
dnteiiiitli^Vcieflecftotib bte SRif flott unftefflfllt i^c8cKf. fdBfl 
(ribcv bitrcbftraiilteit on bet Iflitacbeit ticc^iiibect 64aii|. 
%n If |te «Mefve^fel ^^bctaH IT «ib SilcbcUil I glitt 
bU in bic ncnede Seit (»rein angeiiieiii aU e4t So fU%t et is 
^felcft iroR]|Utettoef4i(|te V, 486; 2. «. 6. 66I1. »agiief, Cbei^ 
(ofb n, OiMof «on Vambefii 1876 6. 120—188, beffccttt abec 
bie dtt^eit, nnb fein UfteU fonb mOntfadtm OeifafL 3n ber 
neuen flnigabe ber Vobfhefleflen 10575 Ö. erf^eint ber 9rief 
^brionl but4 bat bocftcfebte ffreni ott Dt^tnng bc|et4net 
0. l)H4aeI, S^ie Sonnen be< nnniiHelbaten Serfe^ri mi\dttn 
ben benlf4en ftotfern nnb fouberftnen gficftcn 1888 6. 118—110, 
legte itoot neneibingS eine Son^e fftr bte ftortefponbena ein. 
64effer«0oi4or1l erfUIrt fie tnbeffen int 9euen Vt^to 
f. (L b. Ol. 1802 S. 168—172 mit ftorten OlrOnben anf« nene 
a(8 nnec^t, inbem er sugleid? einen oidfa^ bed^ttgten Xt^i giebt 
^ mitb ^eroorge^oben , taä bie Verbreitung ber 9rtefe unb bte 
fienntnid M Vecfaffer« üon ber giogen ^oliti! ntc^t ftarf in§ 
®emi4t falle; bog in bem iBrief be« Zapfte«, n^orauf Wtidtatl 
juerft ^intüie*, bic 8Q0e unb So^tcile rooljl r^ijt^mifd) auSflingen, 
bofe ober 4)Qbrian in feinen cd}ti^n Briefen faft ouöidjüeBlic^ ben 
CursoK velox ^at (i^. 3^. lögimus perpetrdtam) , mä^renb in 
unjerent Ü3iief ber Curaus planus burdjaib^ Doi1)tTiid)t, roic benn 
gteic^ ber erfte Sq& enbigt mörtes intendit; ba§ bo^ 2)atum 
be* ^opftbriefeS : ^räneftc 24. ^uni, unrichtig ift, ba .pobtian 
iebenfall« »om 12. ^uni on in STnagni max unb bajelbit bi§ 
feinem lobe ücrbtteb; bafe ber Äaijer ben ^]>ap)'t in ber ^Äe^r^ol^l 
onrebet, tDäfjrenb (^riebric^ t^atjäc^Iic^ ben (^ebrauc^ M oingular 
in jeiner Itani^tei einqeffl^rt f)atte; bag ber@a^ Don bem Xceuetb 
f^ricbric^« ungei'djiditlul) ift, bo ^ricbricf) bem ^apft nur ben 
6ic^erl)cit?cib Toiftetc; \>q\] bic 'i^c.^eidjnung ber ©iff^ö^e alS dii 
im SDhiubc 4?abriQiic^ nnb cbcnjo bic oflerbing^ ctroa^ gcmilbcrte 
^innaljmc be* 9Tu0btucft> bnrc^ e^rrifbric^ nid)t glaublicf; ift; boB 
8rricbri(ft bie ^ücjieic^nung beÄ Äaifertum« al^ popftlidie^ öJejdjenf 
nac^ bem ^^iorgong auf bem JHcic^gtog Don iöcfan^on firfjerlit^ 
m(i|t ru^ig Eingenommen unb ^abrion nac^ ber (^ntjc^ulbigung, 
|n ber er ficb bamald oerfte^en mugte, fie fc^mertic^ gebraucht ^ätte; 
bo6 in bem ^aiferbrief oon einer (Srerbung M 9iei(^ed bieftebc 
ifi, ma^renb f^rtebrtc^ badfelbe audbrü(f(i(^ ein SBa^Ireic^ nannte; 
ba| in beiben )6tiefen bte StAbte M Siet^e« gan« aOgemein oli 



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VnaletteK 



B26 



bfit fiarbinälen Ofrjd^loijeu be^eic^net lueibcn, \va^ offenbac uit' 
richtig fei ; baf^ bie '^efchirerben , roelt^e .^obrian 1159 mirftic^ 
^Qttc, in jnnem abriefe uict)t j^ut vBptfldje fomnien. „'Bo faiin 

über bie ^J^ütur ber i^iiefc alö 8tilübuni]pn nidjt im 
fein, ©ie ^eiQtn nn^ , mie bie geiuatlii^cu ürctgnifi'c auä) bie 
@(^ule bejc^äftigten. roirb bann bie t)errid)eube Sibitterung 
)u maBIofer lUeibenfdjoft gefteigert, unb füc eine fad^gemäße Unter' 
fu(^ung fe^U buc(||aud ^Befonnen^eit unb Ucteil. ttld i^udbruct 
bn ©timmung mag man ben @(^riftftü(fen einen $3ert ^uer« 
fcnnen, faum aber in '^tnfidjt ber berichteten ifjotfadjen". gunt. 

Unter bem litet „6tfi|t«iter t^tolo^W^t CtttMtn" t)abett 
bie beiben ^rofefforcn am ^^Jriefterfcminar in Strasburg tfl)rt)arb 
(ie|t in SBüTiburg) unb aMüOet ein periobijdied Organ f Ar miffen* 
Maftliifie S^cologte gcgrflnbet, baS in erfter fiinie befHmmt ifl, 
eine Sflite in ber fat^Iif^en fitttevatuv M tlfage« an«|ttfaOen, 
bai afm aw^ attlev^ftl^ ^ ^imtttibUMe |itt Pflege «nb Jdr« 
betung ber ^eoIogiMen QiffenMaft in 6ef4eibenem Vtafnt bei* 
tragen »ifl. ^ie 6tubien foHen in atoianglofen ^ften oon 5—^ 
Vogen erfc^nen, beren jebe0 ein ttnnaei für |i4 t^bet nnb ein« 
$e(n tftuflift iii. %a% tx^t, bei ^ber erfi^ene S>oMreIlyeft liegt 
bereit» nor. Ci ent^AÜ eine gelehrte Ib^anblung Aber SKotnr nnb 
IBnnber non frof. VlüUtt, anf bie »ir bei einer anberen ttele* 
genbeit ouf fftbrli<ber §nYflif|tttomnten gebenlen. S)iefe iprobe ^igt, 
bat bie Qerfaffei, mit bem Oong ber nif|enf(baftn(ben 2b<o(ogie 
in S)entf(bfanb onfi befle betonnt, 6e{onber0 befähigt finb , ben 
tot^olifdjen JMentf ber ttei^^lanbe Aber bie |(bn>iengca Aufgaben 
ber Xbeotogie in ber (Vegenmort ju nnterricbten. 60 fonge e0 
ni<bt möglich ift, bie fatholijdjcu X^^ologen bei (Sljaüed bnrcb 
Errichtung einer theologifchen i^afultät mit ben iBeftrebungen unb 
iJeiftungen ber neueren Jtjcologie in eine nähere ^^erü^rung jn 
bringen, bleibt ein bcrartige« Organ boS einzige ajiittel, bie bnrd) 
tii icnuimibilbung entfteljenbc !t!ücfe einigermaßen aiKsuiuUin. 
Q^i loirb aber aud) bie üuäiuärtige ^h^ologie in biefcni 'Jiu^tQujch 
ber ^been gern eine (^örberunci it)rcr eigenen ^-Bcftribiingen an« 
erfenncn. Deshalb fönucn mir ba^ üom ipochro. i^enn '-Öiid)o[ in 
©tragburg »arm empfohlene Organ auch meitereuHreifen empjel^len. 

@ ch 0 n ^. 

Über bie ihinefifcbt ^otfle giebt ber befanute Sinologe be 
$>arlej in bec LTniversitö catholique XI, 11 (15, Not. 1892) 
p. Sd2~418 eine inteieffante ©fi^e. (ir ^eigt barin, ba| bie 



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526 



nüchternen Gljiuefeu nid^t nur im ^-öefifee einer biefe« !)?amend 
WQ^t^aft »üibigen ^oefic [mh, jonbern bic älteften (^r^eugniffe 
bcsjelbeit in ha9 22. ^a^vfi. d. d^r. iuiüdfü^ien fönnen. (£4 
mirb faum ein Solt geben, meld^ed für feine ^ic^tCunft ein gUi* 
dfU %tter in ^nfprudi nct^men tönnte. Qxoai fe^tt benS^inefct 
hai (£po» unb ^at ba« 2)canta feine befonbete ^^ßege gefunben« 
um fo nte^T mürbe aber bie ti?ri|(^c, bibaftifc^e unb bef^reibenbe 
l^ocffe luttioiect 3)ie# entfpnd)t gan^ bem c^inefifc^en 9{atioita|i 
^Afafttr. i>ie d^intfeii %obtn ftcftft bie flcbciteti unbMnfle M 
Sticbeni ben Mnqifcii bei Mcgei unb bcn Socbemn bev Sft* 
beviiiia boraciogeti. da bem ftiefft biefet geiodtnltileit l^ngc, 
bereu SMecitii0 bte gtdite (l|re bet ftaifec bilbete, tviffea bie 
IDiilter eine Xiefe be^ ttebanteitf unb eine 649n4cit bee 
onstttt>enben, met4e bieten Craeugniffen bei Vbenblanbe§ an bk 
6eite gefteQt »etben bavf. OenteilMinect ift aud^, bag ftttli^ 
anftö^ige (^ebic^te in bie Sammlungen gar nii^ oufgenontnen 
»urben. fDied ift um fo BebeutungSbolIer, ali bie $oefie bei ben 
C^inefen ein gemeinfamed ®ut M ganjen )6oIfed tft. 3)enjenigen, 
weldjc fid) munbcrn, ba^ bcr ß^inefe erhabener unb tiefer ©eban- 
fen mädjtH] unb für einfache unb eble @cfüt)!e empfänglidj fei, 
bemcrft bcr 33erfaffer, bafe eS fid) iüd)t um bic iiljinejen l^anblf, 
roeldje uuiS bic ^eitiinßc" 9ietfebefd)reibunflen fdjilbern, fonbcrn 
um bic Sl^inefen ber großen Speeren, meldic brm iJ^ateriatidmud 
unb ben abenblänbifc^en (Jinflüffen, bie feit 8 Qo^r^unbertcn bie 
C^Qtaftere ^erabgebriicft unb bie ©itten bcrfc^Iec^tcrt ^oben, öoc« 
angegangen finb. flufecrbem ^abe man bie hlHicrcn .uloffen unb 
i^re t^eoretifd)cn ^eftrebiingen , Weidfc Iciber dou iljren ptaf- 
tifAen öigenft^aften jel)i- üerfc^ieben feien, im '^Ingc bctjalten. 
(Snblid) I}aben bie (iE^inefen, bon beren (i^raufamfciten unb ^Mün- 
berungen et^ä^lt mitb, grögtentettö t)om S^ineftfd^en nur ben 9taß 
men, gehören ober cntmeber ftu ben totarifc^en ^Raffen ober 
ben borc^inefifc^cn SSötferfc^aften, tt)el(^e no(h bie SKitte bed diüf 
dit^ beüöltetn. ttntec ben Xanq^ unb gegen ball 8. ^a^r^. luifser 
äeitre(hnung evrei^te bie ^oefie i^cen $l^(c|mn(t Syie StegCbi 
bev 8efMun|t mürben in t^ux gan^ 6tcenge fepgejlellt, Ut 
littetatifcte ihrnfl ex^iett i|te QoQei^nO' ^Diefeft »nv boi gn^e 
9a](t(ttnbert bev Voefie. 6eit(ev (at fie biefeSSKoean nii^t me^r 
fibecf^vitten nnb lieg bie 9i^n|ifiien mlevOtvt S)o(9 gab bai 
«nfblilten M ZaoiftmKl nnb Bnbb|iin«» ben Oevlen t^cev fL» 
(ftngcx ben biefen 6eflett etgenttali^en Ctovaltci^ ben eint« bl» 



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tliuilefteii. 



8i€be imn SBunbetiavf n itnb (Sitraiwdanteiif tieti anbeni bie Soc* 
It^ fflr )i^{o|»tif4c 6|ietulotUmcii tinb ntloiutottt4c Zv^bunc» 
Ii icn. V«4 te^tflUbii^igeit Sittevateti tranten M biefem (Sin* 
|liif|e itiitt entiifteii. S(taii§. 

8« 0cf 4i((te bet 8trttiIi»teiM4t- tf »av beftU» ix 
ber lebten Seit jtenili«^ oSgemeiit anetfonnt, bog ber pfipftlicbe 
Stn^I OR bef Qeninftaltima bev fonfcr Otittl^oc^aett ttiibeleifiat 
fei ; ebenfo, bog ba0 Qfrbcedken ni(^t auf ^tacmebitatipn Bttu^e, 
foifbeni btiY(^ ougenblidliite Ufooftgttiififn ernfteftet M netonfott 
»urbe. Stber ed tooren immet nodf, Don »enigrn @tfl(fen obge* 
fe^cn, bie einfcftlägigcn töeriditc ber römift^en SRunticn unb Sega* 
tcu mibefaimt, bie g-ovidiunfl foniit uict)t abgefc^Ioffen. 5)ic bei^üg« 
Itt^c ßflrfe toitb in bcr TcutidHii Beitftftrift 1892 VII, 108—137 
butc^ ^^ilippfon autgejudt. ^er)elbe fanb aucb Weitere 2(uf» 
fdjiüffe im oeneiianifc^en ^taatSarc^iü. ®a8 ©rgcbni« ber 3ror* 
jc^ung tuirb @. 137 in bie äBorte ^ufammcngctafet : „%\c fturie 
untert)iclt fein (^inöerftänbniS mit bcn ^Jcranftaltcrn ^cr 'ikrt^olo* 
mäu^nac^t , oon ber [ie üor^er nic^t einmal It'ennttit^ erlangte. 
Äat^arina üon Gebiet il^rerfeit^ ^at erft nac^ ber 92icberfac^c ®en(id' 
(17. ^uti 1572) cntid}icben gegen ßolignp ^ortci genommen. ?lu(^ 
bann backte fie ^unäd^ft nur Daran/ ben ^bmiral aud bem ^ege 
|ii räumen. 8te fagte biefen $(an fpäteftend am 11. ttuguft 1572. 

— 3)er 92unli]|d ©alüiati fc^rieb an biefem Xage an ben Harbin 
nal t}on domo naä) ^Jfom, bag er (anfle mit berSlönigin unb bem 
fiarbinat bon S3ourbon über bie gegenwärtige Sage oer^anbett 
babe, unb fügte bei: „@(^(teglic^ barf i(^ boff^n, bog ®ott ber 

miv bie (Vnobe emeifen mb^te, dbnen eines XogeS ettooi 
au f^ieibe«, too§ 6r. Qeif f gfdt tvol^I |itr gceube nnb |i» 9eftie» 
bignng geveifben toirb*. Vttfft burfke er nittt fagcn, ba er mit 
unter ber Sebingung iiott bem Vrofefte imterri^tet imnbe, bog 
mitgeteilte bor iebermami, felbjl bor bem 9apflc geteim^n^lttn 
(6. 182). Unb er bewahrte bog ^e^mnii fo fefr, bag itni ber 
Jbrbinol tion domo am S. @f)>tember lebhafte Sorioftrfe moc(te. 

— IHe ga^rer ber eifrig tot^olifc^en Partei InftMten lieran fo» 
fort (?) bie ttbfi^t, bcn flbrbanjc^tag aucb ouf onbere Hugenotten 
an^iubebnen, ftat^ocina ober entfdj^og fid) ^ie^u erft, nocbbem 
bog erfte Vttentot auf bog Seben dolign^d miglungen unb fie 
t)on ber tRac^e bedfelben unb ber Hugenotten bebro^t war. 9)ie 
^urie empfanb grofee ®enugt^uung über bie Vernichtung ber Äe^er, 
ermahnte bie fran^i^jijc^en itxx\ditXf mit berjelben bid ^ur Qtx^ 



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628 



Sttaltitnk 



ftörung M ganzen l^ugeitottenroefenS fortzufahren, unb fu(^te ha3 
®e|(^ehene jur ^erftellung etned fat^olifc^en XenbenjBanbiitffed litoi: 
fcften Spanien unb ^ranfreic^ bcnü^en ; i^re ^emü^ungen fc^- 
tccten tnbeft on bei reliotöfen ^(eic^gitttgfett ^at^nnenft". SM) 
tobe bei beut angeblich loettergetenbcit ^lait hn (ottoltf^en 9at* 
tei ein fSta%t^^tn bcigcfagt , unb i4 eloube mit Sie^t etm 
Soeifef aiiilgebrfiilt traben. S)er ffon grfinbct fi(^ Icbtoliil 
auf bte Oemertuiig 6albiatii am 24. Kugufl : „<H ift p<^er, boi 
btfle bic l^t boctec nnltcn, ba t4 i^nen fagcn Um, baB^ alt 
Ott ti| am SRovgen bed 81. mit bcm ftacbinal Mii Oonrboii vab 
bem ^er^og bim Stontpefier §ttfammeti mar, \üfi, bo| fte fo 
beittaufif^ flbet M, wad nun evfolgen mü&te, fic^ unterhielten, 
bag ich int Innern gan| becmtcvt ouvbe unb ettannte, bev ff» 
fchtag gehe tüdjttg ooran, unb eher an bem guten (Erfolge jmeifelte 
ald an bem anbern". ^ieje ©orte genügen aber offenbar nidi% 
um ben ^4^^«" fid)cr5iiftellen, unb boB fie in ber Il?at ba,^u nicht 
hinreichen, Deruät ^hi^'PPlon felbft in ber Ärt unb iiniie, tuie er 
6. 133 fie beutet. ^Jiach '2Infühiunö bc^ 8a&eö fahrt er bort 
nämlich fort: „SluS biefen 3Bortcn beö 9iuntiu« möchte fo oiel 
erhellen, baß bic eifrig fotholifche Partei fchon am 55orabenbc be# 
SJ^orbanfchlageö auf ben 9lbmiral njeitergehenbc *l$läne gegen bic 
4l?ugcnotteu 5Iuge gefaut hatte unb barüber eifrig beriet", ^a, 
fo fönnte man jchlicßen. ^Iber man muß cd nicht. bem Say ift 
nur baöoii bie bliebe, bof} mehrere uon bem ^^lan oorher iriiüten, 
ober nicht baüou, bau mehrere Cpfer iu ben *i[ifan einbezogen 
n)aren. @d bteibt aljo möglich, bag ber ^lan erft meiter auige» 
behnt mürbe, ald ber tHnfchlag auf SolignQ mißlang, unb fo mit 
bie 3)inge ftehen, ift bie§ fogar toohrfcheinlich. — ^er päpftlic^ 
6tuhl fteht ^xinQöi bei ber i^eranftaltung ber 9artotom5udna4t 
auger Spiel. äBenn er aber in biefer Stiftung att enUoffcet ec^ 
fc^eiitt, fo toicb et infofern belaftet, att H no4 ben neneten mit« 
teibtndeii no4 Haut ift ott f4^on bi^^c, ba( feine gtenbenbeieii* 
Ottng bov aOem ber Sernii^tnng ber ftefeet galt itiib nii^t baniit 
%n te<ttfectigett ift, mie M in nnfere Sage herein gef4te(t, ba| 
bie fltngetegenteit bnrit bie fran^bfif^e IKegiening untre ben 0c» 
fi^ttpunft einer Serfc^mbtung bec Hugenotten gegen ben Mnig 
iiait kom gemelbet mncbe, bie no4 re^tjeitig oeceitelt toorben fet 



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L 



1. 

Sit Segriff ber fNrd|e. 

8011 9a»f. i)r. Mtli. 

16on ber ^uffaffung ber ^ir^e ^ängt ba$ ganje 
SBefen ber d^riftUd^en @emeinf(^aft unb be^ d^riftUd^eu 
Bebend ab. Sb^nn fte entfc^eibet übet bie %ta%t, tote 
ba9 bteifad^e Xmt ^rifti in 3^t unb 9lmtm §ut Slud« 
fül^ning lommtn joU mt> mie ber ©laubige jur ©rfüls 

lang ber Sebeni^aufgabe, tt)eU^ f^i)^ d^nßtub^ 

ruf fleEt, befö^tgt metben foD. 9nabe nnb Sal^r^eit, 
©laubcn unb ©itte tperbcn trefentlid^ burd^ bie ©ebeu^ 
tung, loeU^e bet ftitd^e }ueclannt mitb, befHmmt jDataud 
etlUltt ed fi(^, bafi ber 6trelt nm bfe wabte jürd^e t>Dn 
ieber ben 3)^ittelpunft beiS jlam))fed ber {atbolijc^eu iUrd^e 
mit hex ^reHe unb ber ^Arefien untereinanber gebilbet 
bat. 0an§ befonberiS heftig »urbe biefer Streit feit ber 
9leformation geführt, ^erjeibe bauert bii auf ben ^eu- 

84» 



532 



tfgen Xaq fort. 3a bie ja^tretd^e neuere fiitteratur über 
biefen ©egenftanb bemeUt, ba6 mit bec @teigecuag bei^ 
lonfefftoneOeii Segenfated Met^aui^t QUil^ ^ie |»tia9t|»ü 
efle gragc über ben begriff unb ba^ it^efeu ber 5!ir(fce 
koiebev in ben ^orbergrunb gerüdt mürbe, me(^c 
a&et aU sut ^offuef i( fann man ie^^t auf bie Set« 
änberungen ber Seigre ^jinmeifcn. Xtuii aar menige ©es 
lehrte befennen {14 nodji gan^ ber „unflc^tbaren" j^irc^e 
bn Sefimnatiottd}€tt unb bet protefUmtifd^en G^otaftUL 
JDagegen finb aber ade im ©egenja^ 3u ber tat^;olif(l>en 
£e^re barin einig ^ bag bie alte Kirche urfpnUg- 

nUitl^ t)Ott einet ^ietard^if^en Stixä^t gemuftt unb 
bie „^ierarc^ifcbe 6aframent^firc^e" erft im 3}httelalter 
5ur SBottenbung gekommen {ei. ^er 6d^merpunh bed 
6tceite9 ifl bamit in bie alte 3ett, bie 3eit ber ftpofttl 
unb Äir^enüäter tjerlegt. 

3ft in ber {ormeUen Qntmidlung t>ei &iffx^e\^ltA 
bet Offenbatung unbefd^bet bei» gleicf^bteibenbe« mefent« 
li^en Qn^alt« ein burd^ ben inneren ^rieb ber teben^ 
bigen £e^re toU butä^ bie ^teti(4en Angriffe beftimmtei 
9ottf(|titt an)ttetlennen, fo muft biei» in befonbetem 
9)k6e füv bie ßel^rc üoii ber iürd^e gelten, ^enn bie 
Aird^e ift ein lebenbiger OrganidmuiS, toeld^er fxd) ben 
I9et{d^benett Set^Attniffen an)upaffett l^at^ um bie eu>is 
gen 3^^^^ ©otte^ in ber 3}^enfd^^)eit gu üernjirtlicben. 
@ie bietet burdj^ ben Untertrieb |tt)i(c^en bem ^ejen 
unb bet Ctf^eiming^ bet (Stf<l^einun§ unb iBefUmnumg, 
ber {t(^tbaren S8erfa{fung unb unj'ic^tbaren SBirfung fo 
betfdj^iebene leiten bar, bag eine einfeitige ^u{{a{^uBg 
lei^t sttt Seugnung obet bo4 ^Beeinttdil^tigung M eiieu 
ober anberen ^lomeuteiS {ü^ren ober ^ux Verflüchtigung 



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9rr tBegiifj b<r IKnte. 



533 



beiS ganzen Segtiffed mbiteit (ami. bet flbtre 
fc^ä^ung beä prop^iettfc^eii @eifte^ liegt her (^runb füt 
bie Beftteitung bev Organifatioti bet AuNl^e oon Ceiten 
bed SRantanttmtti^^ bie 8etn>e<bMung bet ibeabn Sitf» 
gäbe mit bet äBirflic^feit unb bie Überfpannung bet 
ftttlid^en Slnfpvftd^e an bie (Sememfcbaft füllte |ttm 
B^ma bet 9to9aHanet unb S)onotifien, bet ^DualiSmud 
bet Qnoftifd;=mani(^äif(|ie S)uali^muö gefä^rbete in feinen 
fpitUualiftifiben Xenbensen ben SBefianb bet du^eten Se« 
metnfij^aft mit ben ft^tbaten dnabenmitteln ttnb bem 
befonberen ^rieftertum, bie Betonung beiS fubie!tit)en 
SRomentei» im ^to^efe bet Slecbifettigung unb bie 6otge 
fftt bie Setoig^eit beia 4^etIeiS bei ben ftefotmatoten mat 
unüerttäglid^ mit ber £e^re von bet ^eiUtetmittlung 
bet Mtdl^e unb beiS ^tie^ettumd unb mugte mit mel^ 
ebet meniget 8efUmmtl^eit jut Se^ i»on bet unftd^tbaten 
Stirpe führen, ^araud erflärt ed fid^ aber, bag je na$ 
ben Setl^ältniffen au^ in bet fatlftottMen Itit^e bie ein« 
leinen SRomente beft Begriffet mel^t l^etauiSgel^oben unb 
in ber £e^?re öon ber Äir^ie eine fortfcbreitenbc (gnltoirf» 
hing ^ttgefunben l^at. Xbet fubet ifi bied niil^t nadft 
einet Zl^otie, fonbetn nad|^ ben nom l^ettn felbfl ge« 
fd^affenen roirffameu gaftoren gefd^e^en. S)ie fatl^olifcbe 
ilttcbe mat lebenbig^ e^e Spetulationen übet ben Segtiff 
angefleOt n>otben finb. 

S)a \d) an einem anbern Ort bie Sel&re ber l^. 6d^rift 
übet bie Ait<be be^anbelt {fabe, fo batf mi4 iift 
batottf befil^Anlen, bie .^auptpunfte, melcbe bet Sfttft» 
Ic^re alg ©runblage bienen, tuxi anzugeben, «ginfic^ts 
lidj^ bet SKet(^obe i{l nut su bemetten, ba| bie ttüif()^e 
ytQtefiantif<^ Z^eologie amat in ben f))Ateten 6<^ften 



üiyi 



534 



be« 9L X.'il toie in bet 9tpofUlqtWä)te iwb i« ben 

$aPor albriefen, ^um %€xi aucö in ben ®efangenf(taft5= 
briefen, Xtif&|e füx bie l^ietat(bti<b< Aitc^e anecCeant, 
aber biefe €d^Ttftfii in bie tia<i^apo|h)tifd^e 3ett betledt 
2)ie pofititoe %\)eoloQit l^at ba^er, abgefe^en üon ber 
^ißon{(b«trttif(i^en Setoeidfil^iund, bie Slufaabe, bie {oil^ 
It^e ttbetetttfUmmiing gn>tf^en ben frül^eren nnb Späitttu 
©d^riften nad^jumctfen. ^afe mit bem 5lu!^ijang beö ato^ 
fiolifct^en 3^italterd focmett bie äubece Ocganifation beui^ 
Q^et b^taniS^efleDt toetben ntu|te, t>etfle^t M too^I M 
felbfi, ba mit bem 5Ib(eben bcr Slpoftel bie Dberleinm^ 
but<b biefe ®xünt>tx ber ©emeinbeu koegfaUen muftte. 
Sbev bie Ontnblage bet SBerfaffnng nutzte beteitiB DOf 
l^anben fein, finb von bemjenigen gelegt tüorben, toclc^^er 
feinem 3Ber(e eine emige ^auec üerj^eifeen |kU. 

& mitb t)on bet jltiti! ni<i^t gerne gefe^en^ toenn 
man eine l)iitoriic^-biblif($e grage mit ben 59eri^ten ber 
(hangelten beginnt ä)enn abgefe^eu oou ber iobannei- 
filmen %ta%e ^at bie mobetne Sibelfotfcbung mit i^en 
Ureoangelien unb SRebaftionen in ber 2Iuffaffung ber 
fl^noptifd^en (Snan^clien eine foUbe ^ertoirrung f^ttou 
getttfen, ba| e0 fajik ni^tig m&x^ bie ein§e(nen 8bf<l^aitte 
ftetg juüor auf i^re ^erfinift uub i^r Hilter p prüfen. 
3umal bad äRatt^äudeüangeltum finbet am menigften 
Onabe, benn, tnie neuli^b toiebet ein ^iemlid^ tttbilolet 
Äritifer bemerfte, e« mufe hai jpätefte ©üangetium fein, 
n)eU bad Jatl^olifd^fie'' ift. ^n ber Zf^at Eommt ge« 
tobe in biefem (Soangelinm aOein bet XuiBbtttä itit^e 
(ixxXy^ola) unb ^toai jmeimal t>or unb beibemal in einem 
gufammen^ang, ber in bebenflic^er äBeife auf bie bier^ 
ofd^if^e «erfaffung binmeidt, faOi» e0 etlnubt ift, bicfe 



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535 



^e^eid^nung auf bie (Sinric^hmg be« a^oflolifc^en SImteiS 
anjuttjenben. SIbcr toarum follte biefeg äBort im H^hinbe 
bed 4)mii fo ouffaUenb feiii? (tdlM fliff bo<i^ {e^ 
etnfo(5 ©cmeüibe ©otteö, tüetd^e ba« au«er= 

»d^lte Sl^olf barfteate. pt bad l^o^^e SlUer M ^orted 
ttnb bec ead^e fptUl^t aber ou^ bet Ift. 9i!pofiü ^oului», 
mit beffen ^auptbriefen man fonft bie ^arftellung bet 
4riftli(i^en Seigre p beginnen pflegt. SBenn er itcb aU 
* ben fleringfleii bet 9))oM be§eidi^itet^ ber ni^t mücbig 
fei, ein 2lpo(le( genannt ju tüerben, »eil er bie St\xä)t 
®otM ©erfolgt l^abe (1 Äor. 15, 9), fo bezeugt er beut« 
U4 ba6 er ben fttdbnid ni^t erfi eingeffll^, fonbem 
aU einen gebräuc^Iid^en in ber dlteften apoflolifd^en Stixd^e 
toorgefunben \)at Unb h)enn man bamit ben ^eri(i^t 
bev Xpofielgef^U^te irnffiM^t, in toeU^em bem 6aulud 
t)0tt bem erfd^ienenen 3efui5 augerufen toirb: „6aul, ©aul, 
»arum oerfolgft bu mid^?" (9, 4), fo ^ot man ja he- 
vetti» bie beliebte 3ttfammen{leOttn0 non (Sibtiflud unb 
ber JKr^e, Don bem $aupt unb bem ßeib be9 mpRif(ben 
OrganiiSmud. 3n ber fd^önen 6d^ilberung beiS iSeibed 
unb feinef (Blieber aeigt ober berfelbe Slpoßel and^ bie 
0tieberung biefeiS Seibei^, bie t)erfcl^iebene etelnng unb 
Slufgabe ber einzelnen ©lieber. S)a fmb e^ bie Sipofiel, 
toel^e Oott äü bie erßen in ber itir^e gef eftt bot (1 ftor. 
12, 28), bie alfo ft^er ben bf^^f^en Stang einnebmen, 
bad oberfle Slmt beüeiben. 

5Daber finb mir gemi^ bere^tigt, in bem Oebroudbe 
beg ffiorteg Jtir^e, fomie in ber tBe^iebung ber IHr^e 
auf bie Wpo\id im erfreu @t?angeUum eine ed^te Über- 
lieferung oug bem SRunbe bed 4^erm fu ertennen, obn^ 
ba| mir bier bie 0rflnbe )tt erMem nStig \)aUn, meldte 



Uly 



536 



Me avbeni Coangelifleii ttWmmUm, ha9 Sovt ia ben 

^arallclebcrid^ten uttb in i^ren ßüangeUen gan?^ ju ter* 
Bleiben. S)ie beiben QUfUu bed äKattb^etxuigeUum« 
flnb befotnt. Sn bet erfleii t^etl^eifit bet fyn auf fet« 
ru^ als ben gclfen ^eine Äird^e ju bauen, fo bafe iic 
bie ^foitea bet ^öUe nicbt Abemiabeit merben, uiib bem 
fetmi bie 64lüffel bed ^immelrei^c^ 9» flbetge&en, 
auf bafe mag ei auf ©rben binben ober löfen toetbe audb im 
Gimmel 0ebuiU>eii obet geUi^t {ei (16, 17. 18). Sa ber 
aKbetK 6tele (18, 17. 18) fliegt rt(b bie leitete, aSm 
Slpof^eln §u teil gemorbene $8erl^eiBunp fo eng an bie 
Sorte an: „Vknn et aber bie ftitcbe niö^t bött, \o fei 
et bit toie ein ^eibe nnb 0ffentli<(et 6ftnbet^ ba§ bie 
^tirc^e nur aU bie apoftoUf^e, üou ben ^iCpol^eln gelei:: 
tete bettacbtet »etben tann. 

Sie a(4>ofieI Rnb abet wtn CMfri* berufen, um §ii 
SJienfdpenfifd^ern gemalt ju werben, um als oon ®ott 
befteSte Ritten bie §et{heuten ^afe bed ^ufed 
|tt fammeln (9, 36—38). Slefuil febte bie 3mölfe ein, 
bamit fie mit if)m feien unb er fie auSfenbe, prebi= 
gen, unb il^nen bie OemaU gebe, bie (Seiftet auditttvei» 
ben (SRatl S, 14). Cr n)A(Ite bie 3mölfe au» ber 
aWenge ber Sfinger auö unt) nannte fie 2lpoftel (Snf. 
6, 13). S)ed^a(b tonnte e« SefiU oiub na4btti(fli# be« 
toneU/ bafi et feine dünget audetwfi^lt (abe, nicbt fie 
i^n (3ob. 6, 70. 15, 16). Unb ma« ber ßerr ben 
Xpofteltt oet^eiben, bod oetUe^ et i(^nen au<l^ mitftiib 
n«4^ feinet Suferftel^ung. 5Denn et beginnt ben 8ebt< 
unb Xaufauftrag mit bem ^tnmei§ auf bie ©emalt im 
Gimmel unb auf (Itben, mU^t i(fm übergeben ootben 
fei (SRatt^. 88, 18), unb leitet bie ftbetttagung bet Ce« 



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637 



»alt, bie ©ünben hergeben ober ju behalten, mit 
bcn SBocten ein; i,9Bie mid^ ber Sätet gefanbt ^at, fo 
fenbe aud^ eu^" (^o^. 20, 21). 3n bei $etfoti 
unb bem Sfmt bcr 2Ipofte[ mirb bie ^erjon unb ba^ 3(mt 
' bed l^errn geelj^tt ober Detac^^tet. „Siex tud^ auinimmt, 
bet ttimmt m\4^ auf^ toet midft aufnimmt, bet nimmt 
ben auf, n)eld)er mi* gefanbt ^at" (9J?att^. 10, 40). 

S)ie ^i¥c()engekDalt unb i^ce £)r0ane finb alfo ni^t 
Don ber Oemeinbe 0ef((affen unb eingefe|t fonbetn t)on 
©Ott beftimmt unb au^ertüä^lt. S)ie SIpoftel bilben ein 
geid^loffened Kollegium, mzid^em bet ^err fetbfl feine 
SoDmad^t unb Oemalt ftbettrAgt, ouf loel^em betr Se« 
ftanb unb bie ^auer feines 2ßerfei8 menfd^lid^erfeitS ni^t. 
Z)ut4 bie Slpoßel unb i^t Smt toitb erfi ber löau bet 
Jtitd^e gtuubgelegt unb t>oOenbet. S)ie Oemeinbe ober 
baö S^eic^) ©otteö ifi ber ^toeä, ben bie Iräger bet 
Semalt §u tealifieten betufen finb. 

Cl^fhtd loetMnbete, toie fein SotUufer, bie SUll^e 
b€!^ |)immelieid^e^, b. 1^. beSjenicien 5Rei^eg, baö Qe^oüa 
im alten Sunbe t^et^eifjen unb bie ^4ito)i>(ieten füt bie 
mefHanifd^e Beit mit tebl^aften ^tben att ein Kei^ htü 
Jyrifbeng unb ber Seligfeit in JiucMicbt gefteHt ^aben. 
(6oti (elbfi moUe bei feinem Solle seilen, bamit aKe, 
wn Sott geleiert, etUiBt, oetfö^nt ht^ göttlichen i»oI« 
fommcnen ^eben^ tei(f)aftig lüürben. S)iefeS dieicb ift 
itoax tut bie ie^te g^it Detf^eiften, abet mit bem SRef« 
fioil beginnt bie etfie ^etiobe biefev S^^^ 
nimmt bereits feinen '^lufaug. ^te ©äulen unb ,^erolbc 
biefei» %ei(^ed finb aber bie ^pofteL ^a^^bem 3«fud 
in ber Sergtnrebigt bie Sebingungen für ben eintritt in 
^ad luuc dUi^ aufgei't^lit i^at, ^ebiuguugen, meiere bai$ 



686 



ftttUilfte 3beal füt bie »fttger be«fetbeii |ttt fDocfleatuig 
bringen, metibet er fic^ bireft an bie Slpoftel, um fie auf 
bie 33erfolgungen um feinetlpillcn ^injutreifea. 6ie bürs 
fen üdft tti^t fürifeten, benn il^t So^n urirb gtol fein t« 
.^immel; benn fo ^aben Re auc^ bie ^rop^etcn t)ot 
i^nen oerfolgt. 6ie niüffen ni<^t3 beflo ireniger ha& 
eal} bev «tbe fein. 6ie ftnb ba« £ul^t bet Seit; H 
fann eine 6tabt niö^t »erborgen bleiben, treidle auf 
einem ^erge liegt, ^uc^ jünbet man hin £td^t au unb 
fleOt ed unter ben 6<i^effel^ fonbetn auf ben Beud^er, 
unb leud^tet alen, bie im ^aufe ftnb. So teud^te 
euer &\iä^t bor ben ^eni(^en, bamit fte euere guten WexU 
fe^en «nb euevn Soter t>reifen, bet im Gimmel ifl (äRott^. 
6, 12— lö). 

%üx biefei^ äieic^ @otted, bcffen @al| unb £i<i^t, 
^olt unb etüge bie bon ^n9xa eingefe^ten unb oM* 
gerilfieteit Slpoftel ftnb, giebt ber $err mt^ ftoetter, 
(d^erer in Erfüllung be^^ ^efege^ unb ber $ro^ 

pl^eten fhren0e Sorfd^riften über bad ftttUci^e Serl^alteii^ 
ben Serfel^t mit bet 9Mt, bie guten Serie, ha9 8er* 
\fäitnx& ben Gütern biefer SBelt unb über bie beiben 
Sege, tneU^e in einer %iSidi\ä^n ober unfetigen Cmig« 
feit enMgen. 3nbem ^i^ui Me Slpoflel mit bem Suf« 
trag ^u leieren unb ju taufen au^fenbet unb bie ^Biebers 
geburt aud bem äBaffer unb 0eifl }ur Sebtngung bec 
S>i(nal^me am fteid^e 0otted mad^t unb inbem er bie 
Slpoflel aufforbert, ba« Siebeema^^l ju feinem Slubenfen 
)u feiern, l^at er augleid^ bie Mittel angegeben, burc^ 
metdl^e feine Stelbertreter ha^ 8lei4 (Sotted über bie 
gan^e @rbe au^bel^nen unb bie (?i^(äubigen ju einer U)O^U 
georbneten (teilbaren 0emeinf(|^afi bereinigen foUen. 



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^ec begriff ber ^iirc^e. 



539 



voäxc aud) o^ine eine folcbc Drbnung bie gorts 
bauer bed dieiö^ed ©otted auf (Scben gac uid^t betifbar. 
Xlle menH^Ud^ SnfHtttHotten in BpwÜ^t, Siecht unb 
Sitte forbem notmenbig einen folc^en ©emeinfd^aftgor^ 
ganidmiu. ®an) befonbecd iß abec betfelbe für bie 
KeUgioit nottDenbig, toeU^e bie Sereintgung bet SRen« 
{^en mit ®ott barfteHeii unb bemirtcii )olI. jpat ber 
^erc unjmeifeH^aft bie t)on ben ^ro^^^eten geroei^fagte 
ttnioetfaUt&t bed mefftatiif<|^eii 8tet<bed ob ^toei feiner 
^rebigt unb ber apoftoüj'c^eu ^l^ätigfcit ^ingefteüt unb 
bie (Sin^eit aQer ^eic^^genoffen aU einer $ecbe unter 
einem jgirten für eine mefentlid^e Sifienf^aft beiS neuen 
5icid.)c^ bejeid^net, mufete er ba« üon ilpm geftiftete 
äteid^ aud^ mit einem fic^tbaren ^erfaffungdorgani^mui^ 
aui^Mt^* & n>^< mel^t oU auffaUenb, toenn 3efttiS, 
ber in ben Slpofleln feiuer Äird^e fid^tbare ©ciüaüeu 
eingefe^t unb mit feinem @etfte bei i\)x ju bleiben t)er« 
f^ro^en l^t, für bie fernere Sutunft feinerlei Slnorb« 
nunn getroffen ^abcii (oUte. auf bie D^ä^e ber 

$arufie bürfen fi(i^ menigften^ biejenigeu nic^t berufen, 
»eld^e in 3efu« me^r aU einen SRenfd^en anertennen. 
2lber augerbem ftcljtu au6), felbft im 3}iatt^duöcüaU' 
gelium, ben Stellen, tod^e in prop^^etifc^er äßeife bie 
ferne Bu^unft in bae ßid^t ber (Begenmart fietten, ^abU 
uidgc toKilcii vjtijenüber, roddjc über bie ^[^ev^ögcrung 
ber $arufie {einen 3^^^f^^ laffen. äi^arum fold^e ^n« 
orbnnngen für 3efud „titiM )u Seringei»" getoefen fein 
foßen, ift um fo tpenigev buiu W*, «t* ben SlpoReln 
fetbft genaue Slnmeifungen gab unb bie fpätcren ®ene= 
rationen me^r ber feflen Orbnung beburften aU bie 
apoftolifd^e, (^ine „freimiCiige wanbelbare Drganifation" 



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640 



ift t>oä^ fixt eine ßcobecung bec gonieii äBelt be« 
^mte 6tiftun9, für eine btt p ben 9ren)eit berCtbe 

au^gebel^nte etnl^eitltd^e ©emeinfd^aft im SBiberfprud^ 
mit aüm, mad man fonfl wn menf4U<ben Orbnungen 
itnb dinric^tungen (ennt. ^tte ^efud offenbar in 
^öd^ft bebeutfamer SBeife'' uuterlaffen, moS menjd^Uc^en 
9teltgiondfUftetn unb ibren Xnl^ängem indgemein oU 
unerlfi6U(b für i^r SBirlen unb ben ^eftanb i^red ^er(« 
erfd^ien, fo l^ätte er feine Stiftung abfic^tUd^ aUen Seaman« 
hingen menfcbUd^et ffitUtür überlaffen« $at ber $en 
eine fid^tbare @emetnf(^aft mit ftd^tbaren fatramentaten 
^anblungen gegrünbet, fo mugtc er berjelben^ toie im 
Unfang in ben S![)>o^eln, fo im Fortgang butd^ einen 
©rfafe für bie abtrctenben Slpoftel eine fic^tbare Drga« 
nifation ^um ^w^d ber ^ele^rung, Seitung unb geift- 
U$en etdttnng geben. Obne apo^t gab feine 

^irc^c, o^ne bic gortbaiier il^resj 2lmte^ in irgenb welcher 
gorm tonnte ed audj^ in ber golge^it feine Stix^^ geben. 

6iS tttttbe beteiti( bemetit, bag bet b* $aulit9 bie 
^Äird^e ©otteS'' fd^on üorfanb, nic^^t erft erfanb. ^ie 
eine ftird^e ift ed^ »ebbe anerjt in denifaUm am $fing{l< 
feft bttt^ ben ^. Seift n>unberbot eingen^eibt unb aur 
Stätte bei5 b- ®«iftei^ getüä^^lt tüorbeii ift, bie fic^ immer 
meiter aui^bel^nte, ougerlid^ unb innerlid^, Aber 3ub6a 
nnb 6amatia unb btd an bie ©renken ber @rbe, aber 
ftetiS bie eine i?oii (E^riftud geftiftete ^ird^e blieb, ^ie 
allgemeine ifixd^e ifl niibt auil ben einzelnen ttemeinben 
berauggcmad^fen ober burd^ eiiu ^biuaftion aui ben« 
felben gewonnen morben, fonbern bad (Bange, ber le« 
benbige, nom b« 9eifi erfftUte £)rganÜSmu0 bet jtirdfte 
ift ba^ evjte, 6eine innere ^raft bewirft bad geiftige 



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541 



^aci^iSlum ol^ne ben inneren 3ufammenl^ang auf^ul^eben. 
S)eT (Beifi, bet fie belebte, uiib bie W^o^i bed ^mn, 
toeUl^e bie 9Hffton be9 ^etm in ^ebi0 unb 9iiabeii« 
fpenbung ausübten, betoirften ba^ munberbore 2öacb^tum 
bec einen großen ftir^^e. 2)ad ümt bei^ Slpoftolatö 
l^ttbecte aber bie S)»ofieI niil^t ben bon i^en gegrflm 
beten ®cmetnben au(b au8 ber gerne i^re Slufmerffam- 
{eit )U}umenben, ermal^nenb, befe(^Unb, macnenb, ftcaf enb 
einzugreifen« 6ie i^oben too^t benSienfl berSemeinbe, 
aber niti^t als ob fte bie blofen Stepröfentanten imb 
S)iener ber @emeinbe lo&ren, fonbem fte finb ft(b bemüht, 
ba| fie bon (Sott gefanbt ftnb, ben ff. 9eifl beftten 
unb ©e^orfam für i^re Slnorbnungen beaiifpruc^en bür= 
fen. änbem fte i^r Seben bem Mo^i bet ©emeinben 
im SHenfie beiS Sbangeliumd mibmen, erfflUen fte bod 
2lmt, lücl(^ej8 i^nen üon G^riftuS übertragen morben ift. 

Sie treffen aber au^ ^orforge für bie Drbming 
ber (Bemeinben loA^enb il^rer Xbtoefen^eit. Sie er» 
innern an bie SBorftel^er, loelc^e für bie ©emeinbeu ars 
beiten, an bie ^copb^ten, £ebrer unb Birten. 6ie reben 
oon ber Onabengabe für bie Seitung nnb ^Ufeleifhtng 
uuö ermabnen ^nv i^inl^aiimq ber xcäten Orbnung, meil 
ber Orgauiiärnui!^ ber ^irc^^e nur bann gebei^en lann, 
toenn bie einzelnen (Bliebet in Serbinbung mit bem 
ganzen ficibe, bcjim .&aupt Sb^fi"^ ift, bie i^nori 511= 
tommenben gunltionen re^t ausüben, ^ie strebe ift 
ein gtoied ^axa, beffen Cdtflein C^ftud ifl, an bem 
bie einjeluen bi»iutreten müf[en, um ficb aU lebtiiDi^t^ 
6teine aufbauen §u laffen. Sie flnb auferbaut auf bem 
gfunbament bet Itpo^l unb ^op^eUn, inbem (S^tifhuS 
^efud ber (^dfiein ift, iu iDelc^em ba^ gan$e @ebäube 



542 



0Ut lufammenge^atteii iDirb «sb einem (eiligen 1EciN|>e( 

im ^eun t/eranmäd^dt 2, 20). 3^<^^ fmb bie 
8riefe an bie Oemeinben getiil^tet, ober |u Seb^etlen 
bet 9tpoHtl multen fte au^ mit i^n Sotfiel^ern su» 
fammeii eine liefen untergebene ©emeinfc^aft er» 
Meinen. 3m $(^Uii|)perbnef rwb bie »ifd^öfe unb S)ia> 
Ionen in ber Xbteffe genannt, in bet XpoHelgcfc^id^te 
merben bie ^^^le^bpter unb ^ifd^öfe ermähnt unb von 
ben leiteten mixb gefagt, baft (te oom (. deifie gefe|t 
feien, bie IKrd^e 0otte# gu regieren. Sie ^afloratfrnefe 
aber aeigen uu^ bie Drganifation ganjer 5!ir(^euproöiE- 
§en, in koelcben bie 6ij^äler ber ÜLpo^ bad ä(mt, mel^ 
d^ed fte bttr<j^ ^finbeaufCegung von biefen nnb bem $teis 
bpterium er^ialten ^aben, ebenfo tüieber onberu gteigneten 
SKännern übertragen. 6ie ocroalten bai^ $aui» (BotM, 
bie Mrd^e, meldte eine 6fin(e unb Smnbfefle ber SBol^« 
^eit ift (1 %m, 3, 15). S)ie ?iregb^ter, „meldte gul 
t)orfle(en'' (1 Xim. 5, 17) laffen bereit« bie „monord^fc^ 
Spi^e" erlennen. 

©ig ift aljo fidler unrichtig, bafe hie \). ©d^rift eine 
unji^tbare Aird^e !enne, unb ebenfo unrid^tig, hob bie 
6d^rtft nur von ftird^e rebe, fofem fte Don (Semeinbe 
rebet, fotüie, bafe bie ®ejammtfird^e nic^t^ anbereS fei 
aU @efammtgemeinbe, tote j[ebe einzelne i^riftengemeinbe 
itir<l^e (S^rifti ifl. 2Me ftir^e Sottet, C^rifU att bie 
t)om $enu auf ba^ gunbament beg $etru^ gegrünbete, 
t>on ben ^pofieln oertoaltete fiird^e fte^t am ftifang 
unb an ber 6t>i|e ber ganzen Oemeinbegrilnbung. S>er 
gufammen^ang mit ber burd& ^etruS repräfentiertcn 
ßirdt^e ift fo notkoenbig, bag ^aulud fürchtete, oergebend 
au arbeiten, toenn er nid^t ben $etrud gefeiten ^e. 



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Ibn 8e0riff ber INvi^e. 543 



utU) huxi^ feine Steifen na^ ;;;^eniialem unl> t>U AoSette 
fflr Ue Stmen in 3lenifalem bie (lii|ete Setbinbuno 
mit ber 3)Jutterfird!;e ber llra^)oftel aufredet erhielt. ^Me 
tnnerU^ bad geizige ^vipt bod £eben bed gan^n Seibed 
erhält, fo ifi äugerlidt^ bie Drganifatioii Uefei» Seibe« 
bie ^ebingung für bie 3ugelj|örigfeit bem £eibe ^^rifli. 
Wkt nvt^i biefer ftd^tbaren (Bemeinfc^aft ange^M^ ift 
aucb fein Slieb ^^rifii, mer von if)x au^gefd^loffen mirb, 
fäQt bem 6atan an^eim, mer ^i^ ben Sljpofleln miber- 
fe^t, bev miberfte^t bem ^. «eifle, mattet fi^nibu». 
aber bie ^ifd^öfe unb ^redb^ter ^aben glei^fad^ ben 
^. Seift, um bie Alird^e ©otte^S regieren, ^ie ©lau? 
bigen obet foQen i^nen Oe^orfam unb Siebe entgegen« 
bringen. 

S)er 3ue(t bed SBerlei» ^^rijii ift bie Steinigung 
unb 4^ttigung ber S9tenf<j|^l(^ett S>ie Srmal^nung }iir 
S3u|e mirb mit ber 'Jiä^e be^ ^immelreid^c^ bcgrüubet, 
bie £eUna^me am ^eici^e @ottei$ toixt> t>on fUUic^^en 
Sigenf^aften ab^&ngig gemacht unb bie Hoffnung auf 
bie (Srlangung beg eiuigen ßebensg berul^t auf ber üx- 
füOung bed gbttUd^en äBittem^, ba bet äBettenri<{^ter einem 
jeben t»etgetten toirb nad^ feinen SBetfen. 9lan fheitet 
fid^ tüirflic^ toiel barüber, ob bag „9teic^ ©otte«" in bet 
ff. @(lftrift aU et^ifdl^er ober teligU^fet Oegriff^ jeitge» 
ober ed^atologifc^ ju f äffen fei, aber ei» i|i 
t)on tjorn^erein tjerfe^lt in ber ^. 6c^rift fireng abge^ 
grenzte iBegriffe ber fp&teren e^uk }u fucben. <£d ift 
»eber eine Irennung be«6ittH(ben t)om SBeligiöfen nod^ 
eine ©d^eibuug be^ 5£)ieäfeitigen nom Senfeitigen mögs 
li#. Skrfelbe S^riM^ melier ft^tbar auf feben ge» 
tpirlt l^at, mirft unfic^/tbar in feiner itird^e fort. 3Bie 



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544 



er VktU bet Sereil^tigfett tt«b Siebe 19011 ben Ott^eni 

feine« S^let^eS t)erlanflt, (0 üerlei^t er i^uen aud^ feine 
Snabengaben, bamit fie oen äBiUen bed Satecd üoB« 
führen fbnnen. Cr (at feine Aird^e gereinigt uvb qts 
t?eiligt, aber bie ^Sottenbung tritt erfl ein, wenn ber 
^cäutigam lommen toirb, um bie ^<l^|eit mil {etact 
malellofen Omtt su feiern. 

9Benn man ba^er bie jlirc^e nad^ ber ^. 6d&rin 
ald eine ^eiUgemeinfcbaft be^eicbnet, fo ifl Die« 
infofem ri^^tig ab aOe 0(ieber ber JKr<be, itnb nur ft, 
teil ^aben au beu ©ütern ber ^rlöfung in S^riftu^. 
äBie am gifingfifefi ber ^. (äeiü auf aUe (Gläubigen 
(eraMam, fo n>irb er aud^ aOen mitgeteilt, totlä^e burd^ 
baS©aframent Dcr^aiiic in bie^ird^e eintreten, ©ben-- 
{0 treten afU Gläubigen im ^ia^ie t>e^ ^ecrn mit (^bnttui 
f elbft in unmittelbare (Benteinfd^ft i^bem aUe QUieber 
beH £eibe^ S^rifti werben, erhalten aQe im ^. ©eifie 
bad Unterpfanb bed emigen ^eilei^. ^ber fc^on in ^cr 
9[^oflelgef(bi4te mirb barauf bindemiefen, baft ber 8e|i| 
beö \). ©eiftcö üoii ber SBermitttung burc^ bie 2lpcfte[ 
abbongig ift S)enn biejenigen, meiere getauft morben 
toaren, em^iftengen bur4 bie Auflegung ber f^ht ber 
Slpoftd ben \). ©cifi. (^beufo tpat Stimot^eu« bur<b 
Ibiflegung ber ^nbe bei^ ^ofieid eine befonbere (&m^ 
bengabe ^ur Serttattung bei» {^fe« 0otte0 erbalten, 
unb foH biefelbe anberen, b. ^. ben 53i1*c^öfen unb ^re^^ 
b^tern unb iOiafonen mitteilen. Ximotbeud fott bie ätf^u 
be0 ItpofUÜ mieber anbem treuen ai&nnem ani^ertrairai, 
njeld^e tü($tig fmb, aud^ anbere ju lehren, ^itu^ cxbali 
oom ^oftel ben Siuftrag in ben ein^inen ^tobten 
fredbbter ein)ufeben. SBir ftnben alfo bereit» bie jtic^e 



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545 



ali eine Se^rautorität , mlä^e baS 3Scr^^ältni^ ber ein- 
aetilen )u etfnftud umiiUit, aU eine ^eildanfiaU, 
toeU^et bie 0e(eimniffe Ootted jitr Settooltung anm« 
traut pnb, unb aU einen geotbnctcn Drganigmu«, in 
u>el((em £el^venbe unb ^örenbe, Sludfpenbec unb Sm« 
pfänger bet enobengaben Rnb. S)ie ^tei^b^ter (Stfd^öfe) 
ftnb analog ben jübifc^en ^re^b^tern burd^ bie Orbi« 
nation fftt ein eigenei» aimt befA^igt unb )uy Sufftd^t 
unb £eitung ber 9enietnben befHmmt morben. SMe 
(BegeuübetfteQung ben Jüngern beted^tigt ba^er ni^t 
)tt¥ Slnnol^me, hai bet Slteri^unterfd^ieb maggebenb ge* 
toejen fei 

aBie ba0 Sleid^ (ßoiM von Smigfeit )7orbeteitet 
unb ffit bie SoKenbung bet S)tn9e be{Ummt ifi, fo mflffen 
au^ bie TOglieber biefeö ^Jleic^e^ üou ßmigfeit t)oraui8< 
beftimmt {ein unb bad emige geben fi^et etteidften. S)et 
iDieberfommenbe |^ett toftb }tt ben 6^afen ju feinet 
Merten fagen: „kommet i^x ©efegneteu meinet SBaler« 
unb nehmet bad fteicb in IBefl^, meld^ed eud^ feit St« 
f(!&affung betSBelt bereitet wotben x^" (WlatO). 25, 34). 
S)et ^. ^$auluÄ bemerft: „bic er t)orauderfonnt ^)at, 
bie l^at et aud^ Dotaudbeflimmt^ hai ^ bem Silbe feine« 
So^nt^ gleid^geflaltig wetben . bie er aber t>orau9« 
beflimmt, bie ^at er aud^ berufen, unb bie er berufen, 
bie er aud^ gerechtfertigt, bie er aber gere^tfertigt, 
bie ^at er au(^ ter^errlid^t'' (Sflöm. 8, 29. 30). 5)a 
bie« aber nur mittelil ber ©inglieberung ber ®läubigen 
in ben fieib (S^tifU, toeU^et bie Aitd^e ift, butd^ ben b- 
®eifl in ber laufe gefc^ie^^t, fo folgt, ba& bie Ätrci^e 

1) 3)te ^redbDtec ^aben fibei «tte unb Snnge bie «ttffi4t 
Sgl. Giern. Horn. I, 7. HI, 68. 

t|ciL OMMtlMiili IM p^iy* 85 



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546 



@4^ait4, 



bad äleic^ ber ^u^ettpä^lten, ^räbeftinterten ift, @u 
gelanoen ^utd^ bie llUcj^e iitt etoigen Set^nlul^iMg. 
ICieiS defc^ie^t aber nid^t, inbem fie einfach auf bte Xk* 
fünft d^rifti märten, fonbern inbem fte il^r ^eil tütrEem 
^te Au(be ifl nu^t blo| bie i,0emeinbe bet SBartenbea", 
f onbevn bie 9emeiiibe ber Sotbereitttn^ auf bte ^offnmig 
im ^immeL geigt ^efu^, inbem er ben ©efegneien 

bad äteicb ate £o^n fuc bie äBerte bec )öariiiber|idteit 
borfleDt. i^dfelbe bezeugt ber Xpoflet, »enn er be* 
merft, t)a6 tun jcber na^ feinen Sßerfen belohnt merbe. 
2)er ^err bat aber aucb bereite in ben (SUübaiffen m 
ber $antfte barauf bingemiefeti, ba6 ft^ feine Xnbnift 
terjie^en rcerbe. Unterbeffen ift ee für bie ©laubigen 
Aotioettbig, bag fie £>i in i^ren ^mpen b^ben unb mit 
ibrem Zabnt uuibern. S)er Hpofiel forbert ebenfo 
einbringlic^ öie ©laubii^tu auf, i^r «ipeil in gurc^t unö 
3ütern au toicfen, mit (&b>^if^ ^ ^ben, nacbbem fie 
mit tbm gefiorben nnb aitferftonben feien, bamit fte iM)n 
ber 6ünb€ befreit ©Ott bienenb i^re grud^t jur Heiligung 
baben unb |ule(t bad emige £eben eibalten, «benn ber 
6oIb ber Sfinbe ifi ber Xob, bie Onabe Sotteft aber etoige« 
8eben in ß^riftu« 3efu^, uuferem ^errn" (9löm.6, 23). 

S)arau«^ folgt aber, bag loeber lauter ^eilige in 
ber Aird^e ftnb nod^ bie Jtird^e Uog ma ben ^r&beflif 
nierten gebilbct ift. S)er $en fclbft flellt ben ®efegnetcn 
bie Serfbubten gegenüber, iene b<^ben ben SSiKen beft 
Saterft im Gimmel erfftOt, biefe b^ben nur $err, $err 
qefagt. Gr ^tigt auä) in ben ©leid^niffen oom Unfraut 
unter bem äBaijen, t>on ben guten unb faulen Sif<b^Sr 
9on bem ^od^aeitftmal^l, su toeU^em bie gelabenen (Ufte 
nid^t (amen unb bei weld^em ein @a)i obne ^oä^^eitli^e^ 



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Der ^gtiff htt Stiid^t 



547 



@ett)atib erf^ien^ t)on ben flugen unb t\)6v\d)ten ^ung« 
fcouen, Don ben Xatenten unb in anbem, ba| nullit olle, 
tpeld^e ^ier aum SteU^ 9otte0 gehören, geredet nnb l^eilig 
ftnb unb nid()t aDe jum emigen £eben gelangen, ^ie 
Jticd^e ift ü^m alfo, fo fe^v et awift }U¥ ^ettigteit unb 
^oQfommen^eit ermahnt, bo^ ni^t blo6 bie „@emefaM 
Waft ber ^eiligen". 

Set X))ofiel rebet ^ißax bie SUubigen ate ^eilige 
an^/ bie gereinigt Rnb'), Zeitig leben*), aber bamit 
ift meber ber biblif^^e @runb für bie Rxxäft aU ,,@es 
meinbe ber ^eitigen^ no4 bet tiefe unb einfädle 6inn, 
roel^en „biefer auä) t)on tJtelen ^^^roteflanten tjcrgcffene 
ober migoerftanbene Segriff'' f^at, gegeben, menn eine 
auSfd^Iieglid^e ^eiligleit Darunter üerffainben »erben foL 
„•^eilige" fmb bie „trüber" aUe, bie in ber ©emein^ 
f(j^aft mit bem £eibe (S^rifii fiel^en, berufene ^eilige, 
in e^riflud Se^eiligte, aber fo »enig bie Semefnbe 
Ootteö im alten Sunbe „^eilige" im engern ©inne 
audfd^Iiefelid^ ju i^ren (Sliebern jä^lte, fo gemi| ifl au^ 
l^er ber Sludbmd „Zeitig'' Dor alent }ur tBe^eid^nung 
ber ^u^ermöl^lung aud ber profanen äßelt gebrandet 
(1 Stoi. 6, 1 ff.). 9)ie obieftioe (SrUfung unb Serföl^nung 
in &)n^ti» unb beren 8))))IiIation in ben 6aframenten 
ber £aufe, girmnng unb @udi;arifHe legen aUerbingd 
ben Orunb lur totrllict^en l^eiligteit, aber t>itU bauten 
auf biefem (Srunb nid^t loeiter, fonbem fielen in bie 
alten 6iiuben jurüd. ^ie jal^lreic^en @rma(;nungen, 
illagen unb Sormürfe bed Xpofiett fe^en nottoenbig 

1) 1 ITor. 1, 2. 16, 15. 2 Stot. l, 1. »Om. 1, 7. 16. 15. 

2) »dm. 8, 24 ff. C))tef*l. 7. 5, 25 f. 29.18,12. 
8) 2 Itoc 7, 1. 1 ZMf* ^- S tft^ 2, 18. ee8t. 12, 14. 

86« 

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548 



mannijfa(i^e 3Wi§flänbe in ben ©emeinbcn üorau^ 
Sa« £o{uii9dtDOtt „qXU^ ift iüaubi** |eigt toenig et« 
fteul% SHTlungeB tet %ttfif^ belS (foongelüimd. „3^t 
feib jur gret^ett berufen, Brflber; allein ni^t grei^ctt 
|um ^nla^ tue bad gUif4, fon^etn bienet einanber is 
bet Siebe'' (9al 5, 18). S)et Slpoflel mamt t>or be« 
friüolen6a6: „Sajjet uuig effen unb trinfen, benn mors 
gen finb roix toi" (1 Box. 15, 32). (Sx üergUic^t bte 
Oemeinbe inAorim^ mit bem SoUe ^iSrael in betaBüfle, 
mcld^eg bie ©nabe i}er)d3t'r,§t ^atte (1 Äor. 10, 1 ff.), 
unb ileUt bie SBertoerrung ^i^taeU ben ^ibend^nfieE 
att ein abf^tedenbed »eif^tel vor Xugen (Mm. 11, 17 ff.). 

$)ie lüieberbofte 3IuHat;[iitu] Der t^eibnifd^eu Softer bat 
bo4 au4 (einen anbecu ^koed, aU bie (Ruften x>oi 
bem Slüdfall su betoal^ren. 

(^injelne grobe (Büuber anirbcn \vol)[ au^ ber ©e^ 
meinicbaft audgejcdloffen, aber ber ^bel, ben ber ^oftel 
ftbec hal^ 8et^lten bev Aorint^et gegen ben 8lutf<!^anber 
in i^rer 3}iitte auSfpric^t, lä§t boc^ eine bebenflii^e 
@lei(|^giltig!eit erCennen. S)ie frönen SBilber bei^ ^^Ipo« 
fleU bon bet Kird^e alA bem £eib unb bet Staut iS^tifK 
unb von bem ©ebäube, beffeu (frfftein ß^riftuö ift, {(JUe^ 
|en alfo burci^aud nic^t aud, bab au4^ Un^eilige in bet 
„Oemeinf<baft bet ^eiligen'' oaten. 3a to^nn bet SIpoftel 
aucb einzelne Stempel ©otte^s unb besg \). ©eifteg nennt, 
fo folgt boc^ nid^t, bag aUe Gläubige oon biefem @eifte 
etfüOt tonten. 9EBie ed am £eib aud^ ftante unb unt^« 
tige (^lieber geben fonn unb einzelne 6teine DciS ®es 
bdubeiS burc^ bie Ungunft M SBetteri^ 6(()aben leiben 

1) mvü IS, 18 f. 1 Äoe» 6, 11. 6, 9. ft ITov. 7, 1. 1% 8L 
M. 5^ 81. 



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%iti begriff ber Stit^t, 



549 



fönnen, fo Qe\d)ie\)t aud^ am Seibc ©^rifii, am ©e^ 
b&nbe ber ftirdj^e. 6ie iDetbeti gebutbet, bamit t>ux6^ 
ben (Eingriff ber OrganMmu« niAt felbR t9erle(|t toerbe, 
aber aud^ in ber Hoffnung, bag ber belebenbe @eift auä) 
fie mieber ju neuer X^^fitigfeit enoede. Cine t^oElifin» 
bige Xrennung ber Q5fen i»on ben ®uten iH erfl ^ur 
3eit ber ©ritte mögtid^. ^ann toirb ed Ttd^ auc( S^igen, 
wer »irnid^ audermft^U mt, benn oiele finb berufen, 
aber wenige ftnb auderwftl^lt. Ott bol^in Hlben aOe, 
welche burd^ bie Pforte in bie Stixä)t eingegangen finb, 
eine groge fü^tbare (Bemeinfd^aft )um Qa>eä ber ^er« 
fleOung M Sleid^ed Ootted, bann wirb nur noä^ bie 
©emcinfd^aft ber ^eiligen aU erffÄrtc Äird^e fortbefte^en. 
»S)er fefte @runb@oUed {ie^t unb ^at ha& Siegel: 2)er 
^err (at Me 6einigen erfannt nnb eiS laffe ab oon ber 
Ungeret^tigfeit jeber, ber ben Flamen be^ ^errti nennt. 
3n einem großen ^ufe giebt ed aber nid^t blo| golbene 
unb filberne Oeffige, fonbem ond^ ^öljerne nnb irbene, 
bie einen jur ©^re, bic anbern ^ur Unehre. Söenn fid^ 
einer taoon reinigt, fo wirb er ein ®efäb )ur Gl^re (ein, 
gezeitigt nü^licb bem ^aud^erm, jebem guten SBBert 
lubcreitet" (2 ^im. 2, 19—21). 

Sian f^ai me^r unb me^r eingefe^en, baj) bie 
64rift t>on einer ttnterfd^eibung amifd^en fid^tbarer unb 
unfid^tbarer Ätrc^e nid^tö meife. 2)iefe ifl erft eine @rfin= 
bung ber Keformationdaeit i^ud^ bie Z^atfad^e, bag 
nid^t blü§ bad 9)>oflelamt bie Sorau^fe^ung ber (ird^» 
(id^en ®emciu](^aft tuar, lonbern aiici^ in ben 5?orftebern 
bed erften 2:(^ef{alonid^erbriefed, ben Sifdiiöfen bed ^f)u 
lipperbriefeS unb ben ^xMpinn (8ifd|^0fen) ber apoflel* 
gef^id^te ein t?on einer SRe^r^eit t?erwalteted ^orflel^ec^ 



fiBO 



amt bn (i|ioMif(iMt 8^ <m%w^ktmn fei, toitb |uge< 

ftanben. S)ie ^afloralbriefe aber jeigen bereite bie ^iet» 
at4if4ie ^ir^e aU ftd^tbace, aui» (Buten unb Siefen %u 

unb 3)iafonen vnrvaiiete ©emeinbc ®otte§, bie in Xi- 
mol^eud unb ^itud eine «moralijct^ 6ptfee" ^aben. äftuft 
«an ottlettem belemten, bog Me ^age, toie auft bcr 
foHegialen (Bemeinbeleitung eine monarcl^ifd^e gemorben, 
metbe, toenn nid^t neue ÜueQen gefunben toerben foOtei, 
ttttfidfiM bbibeii, iinb fi4 fftv oOe nAb^e Ciii§el^dtci 
mit einem »ignoramus et igDorabimus« begnügen, ?0 
ift bie Unmöglidjieit, o^ne Soraudfe|img in ber apofto« 
Uf<|eii Si^tt itnb Cinticbtttvg bie finbti^e Secfaffititg i» 
erflärcn, juge(ianben. „65 ifl eine bogmengtic^jidjUiAe 
Z^ai^aä^e t>on aOergtb^tec Sebeutiing, bo^ bie fat^oUfcbe 
ittnbe be« enbenbts stoeitett Sab^bunbertd ficb üU 
tiwe ^n'^o^'^tin ber a)?oflolifd^en ^^rabition an\ie}^t tmh 
Don folgenfc^meren Set&nberungen, benen fie i^r Skifeii 
obet »fttigftenil ifyc 6ofeiii baute, iii^t0 toeifi" 

SDarnad^ läßt eS ficfe aHerbing^ üerfle^en, menn ein 
^roteßantifc^er Xl^eologe barüber flagt, baj bie ^gemöbn-- 
li^e 2)atfleIIung bei» itinbenbegtiffed bet 8&tec efaifettit 
{td^ Don bem 3iet ber ©rftärung beiS S^omanidmud leücu 
U|t unb ba(^er über ber Slufj&l^lung ber fat^olifterenben 
3flge beflf etben anbev« lautenbe 6teBen ftbetbbvt (6A mit 
mit biefen Stetten ober eigentümlich befd^affen fein, benn 
bie alten unb neueren proteflantifd^en itird^en^ifiorifet, o« 
bie b^ um bie tatboUfdj^e «efcbi^tftfcbveibttttg fUft neslg 
Mmmembe X^eologe biMift l^imDiegenb betift, l^ben 



l) Sd90\i, etttbien unb Hcitile«. 1890 661. 



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tmii nkftt an IBevfu^eii fehlen taffeit^ beii „anbetd lauß 
tenbeii SteBen" 0e(5t t>erfd^affen. ^er ©runb M 
aniglingend mug al[o in ber Sadj^e felbft lieqcn. ^ieiS 
beutet er ou^ mit ben SBorteit an : „(U foU bamtt an 
ber Z^tfad^e nid^t getflttelt werben, ba| bie atte Stirpe 
gegenüber ber SS^iUfürtid^feit ^öretifd^er ®no{t$ toie ge» 
genftber ben üe immer »ieber bebrol^enben fef^aratifiif^Ktt 
Xenbensen Deranlagt getoefen \% bie Außere Cinl^eit nnb 
ba^er ben anßaltlid^en S^arafter ber fat^olifc^en ^ird^e 
ftorl |u betonen. S)a6 man bie Cinl^eit ber ftirdfte burd^ 
^ifd^öfe getoa^ glauben tonnte, begrünbet Ttd^ burd^ 
bie l^o^e ^utorit&t, bie bem Leiter ber Aitd^e beigelegt 
»urbe, unb man lann fiarte jtttftemngen nad^ ber Seite 
l^in fd&on für bie ftltefie 3eit nadS^toeifen*' 

!3nber£e^;re ber a^Jölf Slpoftel ifi eine genaue 
S)arfteIIttn9 bed Aird^enbegriffd ntd^t |tt erioarten. S>a6 
IBort ttrfrb t9on ber )um (BotteMienfi mit ber end^arifii« 
fd^en ^eier toerfammelten ®emeinbe gebrandet (4, 14), 
U|t aber baburdj^ unb burd^ bie (fato^nung bei» öffent« 
lid^en 6flnbenbetenntniffed (14, 1) bereiti» eine Crgani< 
fatton erfennen: bem entfprid^t e« aud&, wenn im Sin* 
fd^lul an ben «erid^t über bie Opferfeier bie ®lftubigen 
aufgeforbert »erben: „WSHtt alfo (o^) tofirbige 9U 
fd^öfe unb 3)ia!onen''. ^enn aud|^ o^ne bag man ftd^ 
burd^ »fall^otifd^e SorfkeHungen i>on liturgifdften gfunttio« 
nen'' ba« fton^ept Derrfidfen Ufm, mufi man eine Se^ie« 
^?ung jurfiiturgie annehmen. ^ieSufammenfteHung mit 
ben Vrop^eten fd^Iieit ba« bifd^bftidfte Xmt nid^t tM, benn 

1) Seeberg, 6tttbien jur (Sefc^ic^te M Segrtffed ber ^rc^e 
mit befonberer iBei^ie^ung aitf bie Se^re oon bec jl^tbacen unb 
nnfUbtbftMn ttU^. dstongen im 6. 7. 



uiyitizoü by CjOOgle 



662 



Maua» 



e& toitb au^brücflid^ bemerft, hab bie Sif^öfe unb ^ia- 
btten oleid^faH« bod 9mt bet 9ret>Heii i»etfe^*). 
J)ie ^rop^eten uub Sekret ftnb d^arii^matifct 33egabte, 
beten gunttionen aHmä^lid^ üon bem ^mte bcr ^iic^ofe 
unb ^xMptn abforUevt umrbe, beim bief en i(l bad ^ir« 
tenamt übertragen (Slpg. 20, 28. 1 ^ßett. 2, 25). 3ft 
biefe 6teÄe eine ber „unfd^älbarfien üueHenftetten", meil 
fie bie ,,))nettmattf4«bei»))0tif(|e OetoaU bet (BeifttrOdet" 
al2 ,,ent^uriöRif4e SBorftufe M bif(^öflid^en ©uprematd** 
erf(^einen ISfet, fo ift fie jugteid^ ein ©emeil für bo« 
ftfi^e SoT^nbeiifeiii bev bi^dfluifteii Xutoritfttilfleattnd. 
S)aiS Srot ber Suij^ariflie, toeld^ed audtm^er über ^erge 
unb ^ügel jerfheuten hörnern bereitet ift, üerfinnbilbet 
bie ftir<^e, toel^e übet bie ganie (Erbe aerfheut iß iwb 
i»o« ben Srensen betCrbe in hai Steid^ ®otted gefammelt 
»erben fott (9, 4 10, 5). <Damit ift bie «eßimmung 
bet Aird^e angeieidl, ober bie irbifilfte unb (^immlifi^ 
ftird^e ftnb nid^t t>oiie{iianbet getrennt, ha berfelbe ^rifiu^ 
ha& ^aupt bet ^itd^e unb be^ fommenben S^leid^ed ifL 
Sttdft toenn bie SBett ixrgel^t unb bad äleicb Ootted lommt, 
bleibt bie iid^tbare Sereinigung ber ©läubigen mit^rißud 
beflelj^en. Sin eine abfltafte, ibeale, unfid^tbare Riid^e 
bo^te man im Altertum ftber^au)>t nid^t. 5Da§ an bie 
C^tifien ^o^e fittlid^e ^nforbemngen gefleOt mürben unb 
bie ftd^ere Hoffnung auf bad ^ufünftige Steid^ (Sf)n\ti mit 
6el^nfud|^t na4^ ber dhifäUung befeelte, ifi be^reiflid^, ober 
bie Dielen (Ermahnungen unb baiS 6ilnbenbe(enntntd x>ot 
ber fiommunion laffen hoö^ ernennen , bag bet begriff 



1) 15, l: ly/rv yaQ kFizovQyovoi xal a^oi tijv Xeitov^yicat 



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Der Stgriff bec INn^e. 



ber ^eiligfeit ni^t au«f4lie§ttd^ gilttg toav. 6^011 f^itt 

crtüci^t fic^ al« unrid;tig, ba6 bie altfat^olifcfee ^In^ 
ic^auung bad 9{et(b al^ einen lebigtic^ e^ä^atoioQi\ä)ei\ ^^e-- 
dtiff, Der bad 3i«t n>i< ba« ^obith bet qt^ä^U^iiU^n 
(Jnttpidflung ber^irc^e be^cic^uet, gefafet ^at. S)enn bie 
Ccttoartung be$ SReic^ed mac^t nic^t nur ber fircblicbeii 
Organifatioii $la(, fonbern be^anb bmttiS neben bief^t. 

3)eT erfte 5?lemeu«brief trirb gemö^nüc^ mit ben 
^)kijlora(briefen 5ufammengerteQt, meil er mie biefe bad 
a)»ofiaHf<l^e Xrabitiondfnnnsip, bie Succeffio, unb bie bem 
altteßamentUd^en ^riefier^ unbfieüitenhtm analoge Organi« 
fation ber itirc^e bejeugt. ^toai fommt t>a& äBort „ jtird^e" 
minf^aib bet Übecfd^ft nur (toeimal t>OT, aber beibemal 
in Serbinbung mit ben Sorgefe^ten ber Airci^e. <Die ^poflet 
l^aben in iBoraudftd^t ber ^treitigleiten^ meiere um ben 
d^iffopat entließen toerben, SRännet ootaudbefHmmt unb 
orbintert, bamit naä) i^rcm Xob bewährte Männer ibren 
5Dienfiäbernät)meu. ^edt;alb bürfen bie, welche üou ifinen 
ober nnterbeffen w>n anbeten auftgeteicbneten SRAnnern 
unter Sußimmung betfttrd^e aufgefleDtmorben f!nbttnbb<r 
^erbe tabellod gebient ^aben, nic^t üon if^rem ^mt entfernt 
toerben (44, 1— B). ifl f^impfliib, ba| bie f efte unb 
alte iHrd^e Don ftorintb wegen bed einen ober anberen 
3Kenfd)en einen 2lufru^r gegen bie ^reöbpter tjeranlaffe 
(47, 6). Sbie anitli<ben gunttionen bei» iUeru^ »erben 
Don ben Serpflid^tuttgen bet Saien unterfdpieben (40, 5). 
S)iefe SJerbinbung ber ißeitung ber ©emeinbe mit bem 
£e^en unb Seien beim Oottedbienfi unb bem SoSaug ber 
Situtgie übetbaupt, bie aU amtli^e, nicbt perfönli^e bat« 
gefteOt tuirb, ifl „jmeifeüod eiued ber kotcbtigften oerfa(: 
funedgefibid^tli^benffoeignifie'', aber oenn ed au^ in biefem 



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564 



©riefe jum erflenmal in tooller Stlaxf^eit auftritt, fo ift 
boil^ bereite in ben Ißafioralbriefeii Dorberdtet, Ui bet 
8t>of}eIgefd^id^te grunbgelegt. S)ie9tottoeiiMgfe{tei8et9ort< 
feftung be« apofioltfc^en Slmte« für ben öeflanb bcr SLiid^e 
ift fo ebibent, baft fie felbfl o^ne btcfe tlaxtn deugniffe 
^ofhtltert »erben mil^te. ^nbem XlmM bie 3urtimmting 
ber ©emeinbe §ur ^a^i ermähnt, trägt er aud) ber ^nqcn 
Serbinbttns |lDif#eii StUvia unb Säten |tt bet einen (Bt* 
meinbe Sted^nung, meiere in ber Serbinbung (S:^ri[lt mit 
feiner itird^e unb ber ^poftel mit ben üon i^nen gegrünbeteB 
•emeinben i^ Sorbilb ^ot ffienn aber bie römifc^e JlM|e 
fd^on om ©übe beg erften 3al^r^;uubert^ ber forint^ifcten 
Shrd^e fol4ie Ermahnungen über bad Set^Uen gegen bie 
Stadi^foloet ber Sipofiel geben lonnte, fo mufite bie ovf 
bem Orunbe ber Slpoftel unb ^rop^eten erbaute Äircfce bod) 
UeraU tiefe ffiur^eln gefaxt f^aben. S)ie «,^ierar4i|'(j|^e' 
JHf^e ift bereit» bot^anben. 3n i^t flnbet ftd^ bie 3a|( 
ber 5lu«ertt)ählten (2, 4), meldte burcb ba^ Seifpiel ber 
SRort^rer angezogen morben ßnb (6, 1), burd|^ bie Siebe 
ooDtommen (49, 5) unb bnrd^ Seobad^tnng bev gdttli^en 
©ebote in 3efug ^^rißu« feiig »erben (58, 2). 

S>^^*3dnatiud fagt oon ber Orbination nnboiH)« 
floIif(i^en 6ttcceffton nid^td, obioo^I {te für i^n att Sifd^of 
loon Sntiocl^ien leid^^t nad^meisbar unb bei ^ol^farp leicht 
antoettbbav fein muftte. S)a er aber ftber^ant^t ni^td oon 
ber ©infe^ung ber Sffd^öfe, bie er fo fel^rau^jeid^net, fagt, 
fo fann er biefelbe aud^ nid^t auf augerorbentlic^e @eified; 
Offenbarungen iurttdfiU^ren^ f onbem f e^t bie einric^tung oU 
befannt toorauÄ. ^ieS fonnte er umfo leidster t^uii, aü in 
5Ueinafien bin t)or fur^em ber ^oftel ^ol^onned gemirit 
^tte nnb no^ oiele Sd^Aler bei^f etben lebten. Set^otb toat 



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^ec ^egtiff bei Stitä^t. 



tü nur notteenbig, ben (e))aTatißifd^en ^ef^tebungen bed 
entftel^eiiben OnofticUmitf ftfgenfltet bie XutOTitftt ber 
^ijc^öfe aU 8ttllmtrcter @otM, (El^rnti unb ber SIpoflel 
|U betonen unb bie ^otmenbigEeit bec aietbinbung mit 
bem 9if $ofe für alle, tot I^e (B^tifhtiS angehöre« toollen, 
nad^jutüeifen. 3)a« bifd^öflic^e ©upremat tritt bo^er 
bei Sgaoüud itt bin Sotbergninb. Z)ie Ol^bigen fiab 
mit il^em SBif^ofe Detbuitbeii, toie bie Kx^ mit (Sffti9xa 
unb (^^riftud mit bem $ater, auf bag aOed in ber (Sin- 
(^eit ftbeteinfUmme. S)ad Oebet be« 8iMpfi» luib bev 
ganaeti Jtircbe ^at eine befonbete ffiitfung. Ol^ne be» 
^ifc^of bürfen bie ©laubigen ni^td t^un, ober aud^ bem 
^udb^terium fo&en fie untert^Kin fein toie ben Kpo^üa 
3efu @]^rtfii. C^ne bie 5Diabneii, ben Sifd^of unb bie 
^redbpter fann t>on ber ^ircbe feine Stiebe fein. SlUe 
totUie «Ott unb C^fhi« angehören, ftnb mit bem 8i^ 
f<5of 3ID[e füllen bem ^ifcbofe gel^ord^en, mie 3^fu* 
Sl^riftud bem fßaUx, bem ^redb^terium mie ben Xpofieln, 
bie SHotonen ahn oetel^Yen toie ein Okbot (Sotteil* Ck« 
trennt oom 99if4of foE niemanb ettua^ öon bem tl^un, 
toa& bie Airc^e angebt S)ie (£u(banfUe iü giltig, »ei^e 
unter bem Qif^ofe ober mem et e0 erlaubt gefeiert mirb. 
2Bo ber ^ijdi^of erfc^eiut, ba foO aitc^ bie Wtnqe fein, 
mie mo (^riilud ^efud ift ba oucb bie lot^Ufd^e Stix^ 
ifL Olftne 8if<j^of ifl ei ni^t erlaubt, m taufen ober 
eine Igape gu fetern, aber ma^ er für gut l^dlt, bad 
ifl au<lft (Bott angenehm, auf bafc aUeil, mail gef^iei^t, 
fefl unb fid^ feL ift gut, @ott unb ben Cifd^of au 
ej^ren. 2öer ben S3if(bof e^^rt, roirb t>on ©Ott geehrt, 
mero^ne SBiffen bei» »ifd^of« etmad tl^, bient bem Xeuf eL 

1) Ad £ph. 5, L 2. TraU. 2. S, 1. PhU. 3» 2. Sm. 8, 1.2.9, 1. 



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666 



3» bet X^at tü l^iev ^eine tiefe IHuft bereit« auf« 

get^an jtrifd^en bem illeru« unb ben Saien". ift 
unbeflreitbar, ba§ Sgnatiu« bic „^eif)e berSe^rer, beren 
(BIHeltolofiie auf ben tömifcbeti ftittj^enbegviff biuttudfü^s 
reu joll", eröffnet, unb ciS ift x>exqehtn^, i^n „üon bem 
Sormucf bed ^ieraccbi^mud" }u entlafien. ^enn koeber 
Vkit fi$ bie 8e§ie^uiig bet (Biaubifieit auf d^riflud att 
bad ^aupt unb auf ba« (SüangcUum bei ber engen inr^ 
binbung mit bem Sifd^of gegen bie «^l^ierar^ifc^e 
mengung " mtoenben nod^ für Me unftii^tbate Airc^e gel« 
tenb mad^cn. 3m ©egenteit mirb ber ©emeinbc burcj 
ba» Umt bed Spif (opatd bad Ser^dbni» )tt (fiftriM Oer» 
mittelt unb bie ^eiUorbnung bur<jb bie Aircbenorbnung, 

bie evüHJig nvevfiotixij butc^ bie eyoiOi^ aaquixrj bebingt 

gebac^t. S)amit iß bereit« ber fertige begriff ber ^rc^ 

gegeben, mel^e aufeerl^alb i^rer Semeinfdbaft (ein .^eil 
fennt, unb infofern biefe Ürc^lid^e ©emeinfc^aft unb i^re 
ati«f(^Ue§U4e {^eiUfraf t lebigHcft auf ber bierar4if4 %tt 
glieberten älmterfolge ru^t, ift ba« ^eiUöermittclnbe ^rie= 
ßertum aucb ol^ne ben 9^amen begriffti^i bereite gegeben 

bef<l^r&ntt ft^ Sgnatiu« im mefentli<ben auf 
bie einzelnen ©emeinben, obirol;! er ben S3or§ug ber 
römifcben fiircbe für bie ©efammt^eit anerkennt, aber 
ber )um SRarti^tium eilenbe Sifd^of l^tte gar nid^t Mt 
abfielet, über bie ^Bcrfaffinui ^er Äird^e 5U fc^reiben. 
S)ie (Befa(^ren ber Trennung m ben einzelnen @emeinben 
toeranlafiten il^n gur (Ermahnung, burib engen Snfd^tiiB 
an ben S3i?d^of bie (gin^jeit au tt}a^)ren. 3lnbem er biefe 
(Einheit mit ber Sinifteit ^mifd^en C^rifitt« unb bem Sater 



1) ^tt\%, ^a^cd. f. t)ettti4c 1861 @. 422. 



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%tt Bcgrilf hit IHx^e* 667 

n^nqUx^i, beutet et l^inUiigIi<i^ an, bafe fAmmtlU^e Oe« 

meinben mit i^ien 3Bifd^öfen eine grofee Äirc^e barftellen, 
koel^e aUen ben ©läubigen bad ^ei( üermittelt. ^d^a^ 
tiui^ l^at benn audf lum evjieiiiiiale bte Se§etf(iiiiit0 tat^o« 
tifcbe ^ir^e gcbrauc^jt uiib fte ß^riftu^ iti» Ser^^älts 
ttid deieftt, tote bte äReuge |um ^ijc^of. SUfo müffeR 
aOe Olditbigen, toeldj^e je mit i^Ten Sif(|^dfeii mbunben 
bie ©injelgetncinben bilben, ben £eib ^^/rifti, be^ un-- 
ftctllbareii $au))ted batfteUen. SBie in bet £iii|e(gemeiiibe 
ni^t Mofi ber oDgemeine Sebanle bet Setfammlisiig Don 
5Wei ober brei im 9kmen 3[eiu jum ^u^brud fommt, 
oeit fonjl bie SBiching bet ^. ^anblungea nu^t oon bet 
9egeii»att bed Qifc^ofd abl^ängig gemacht toetben Mnnte^ 
fo i[t and) bie fat^olifc^e ^ird^e leine \oi6)e ^bflraltion^ 
fonbetn bie kbenbige Serbinbuiig aUet (Blftubigem S)a« 
für \pix^t aud) bet Setfaffer M SRattt^uiitd be9 ^. 
^olpfarp^ n)elc^er ben 6terbenben für bte über ben ganzen 
(Etbttei« oetbteitete lat^if^e Aitclie beten l&gt. mt 
man nic^t im 3)rief on bie ©p^cfer (3, 2) eine toiHMt« 
liebe i^orref tur ))ornel^men, f o (afjen fic^ bie über bie @ren|en 
(bet Stbe) aufgeflettten löifd^öfe taum anbetiS ettUiten. 

(S« ift bejeicbnenb, bafe biefe beuttid^e fie^^re über 
bie ^icrarcbifdl^e ^ird^e ben ^auptgrunb für bie Sermerfung 
bet »tiefe be« ^. Sgnatiud bilbet. Sel^atti^tet bo4 ein 
neuerer ^iftortfer: „3ft bie SBejeic^nung „aflgemeine" 
Aitcj^e in ben Z^^t beiS )öriefed bed SdnA^tud 
6m9tnAet ni^t etfl na^ltrdglid^ etngefdboben^ fo fann 
SgnatiuiS \>on Hntioc^^ien nid^t ber Sßerfajfer beö Briefe« 
fein'' HU ob ni^^t an melen anbetn^teOen biefelbe 

1) ^J^cumann, 3)ei: cötnijd^c 8taat unb bie allgemeine ftirc^e 
m auj 2)iocUtian 1. iiltip^i^ 1890 ^. 37. 



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568 



^aä^e, bie ©in^etgemeinbe mit hm ^ifc^of, bie (&t\<immU 
gf meinbe mit (G^n^ bnitlidl^ bavgefleat mfirbe. 5Der 
©piffopat felbft aber ift buic^ Die 'l^aftoralbriefc unb t)cn 
^emendbrief {o be^mt ^iUf^it, ba| nuc bie butc)^ bie 
SMmlfälM^t rmaalaite iefonbere Setommg Mefe« 
©iii^eit^punfte^ baS 9Zeue in ber fie^^re bed ^. ^gaatiu^ 
iit eeibil ein totionaliptifd^er JMtibT, »ek^er für Me 
Cd^t^eit ber Briefe eintritt, gefielt ju, bag bie ^rinatpien, 
meiere ben j^at^oU^ii^tnu^ ui\t> bie fat^olifd^e ^irc^e er- 
teugt (oben, febr alt feien, Alter aU bie protefiantifd^ 
X^eologie gen7ö^nti($ abgebe. 9tan flnbe fle fcbon bei 
Rimen^. ^eb^niaU feien )ie älter aU ii^re tontreten 
»ealitftten'). 

3Jlit me^r Ked^t bemerft ein proteftantifc^er X^eo= 
löge, ei} fei eine unerträgliche unb fe(?r üerberbüd^e ^ebe^ 
loeife, bon ber Cntflebiing ber alttatbolif(ben jtir<be }u 
reben, red&t geeignet, bie Äöpfe ber 3}Jint)erfunt)igen 5U 
loermirren. ^ie Kontinuität t)on ben ^pofteln bid 
SrenAiti^ fei unfraglid^. ätur oenn mir Creigniffe nal^nts 
l^aft machen fönnten, tDOburc^ ba^, voa^ man fat^olifc^ 
nennt, lj^ert}orge5aubert ober ^um ^urcf^bcucb getomnua 
iDftre, fo ba| bie Jtir^e na^ biefen Sreigniffen tinb is« 
folge berfelben eine anbere märe, aU üor^er, föunte man 
loon einer gntfiebung ber alttatl^olifdj^en ftir^e um bie 
SRitte bed ttoetten Saj^rl^unberti» ober nad^ berfelbet 
reben Wef)x unb mel^r überzeugt man fi^, ba6 man 
im (S^ßentum no^e^u oon Xnfang an »ie Aber Oott 

1) ReviM de rhiitoue des reUgiont. 1800. II» 127. 
Qttfb nenter, Hugußinif^e 6tnbten. glot(a 1887 6. 108 ff. 

2) Sa|n, (3}e|(^i4te M 8t. S. 1887, L 445. Su mtMUjc^c 
wnetlt ec oaib om^ auf JueL DmL ftl. 



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5&9 



unb (S^rifluS, fo au4 über hit Aird^e tefleftiert l^at 
Senn ber Oegesfal }ttm Subentttm unb ^eibentitm maik 
ba« SBctDufetfein, baS neue iBoIf ©otte« fein, lebenbig 
erl^alten unb bie Organtfatton ftärfen. ^^riftu^ unb bie 
Stni^t, M ^aupt itnb ber Setb, bei SrAutioom itnb 
bie ©raut finb burc^ bie \). 6(brift aU torrelate begriffe 
gegeben, bie Sipofiel unb bie Sifdt^öfe bitben bie t}er? 
ntittelnbeii Organe. Senn Sgnattui» fagt: M0iit finb 
jtoar bie ^ßriefter, beffer aber ift ber ^o^epriefier, meld^em 
bag SlDler^eiligfte anvertraut ift, metd^em allein bie ®es 
^eimniffe Sotted flbergeben finb, »eU^er felbfl bie Z^ttre 
jum Sater tfi, burd^ meiere Mra^am Sfaaf unb 3a(o6 
unb bie ^rop^eteu unb 2lpoftet unb bie Stxxä)e eingeben" % 
foi{ibamitbteUiiit)erfalit&tbe4(S^rißentttmi»aui^efpro((eii, 
o^e ba^ bie {^eittDermÜtlung ber Cifd^öf e in ber Jtird^e 
geleugnet mürbe, ^enn ber unfidj^tbare i^irte (daliegt 
bie ftd^tboren Birten nid^l nM, fonbem fenbet biefe ote 
feine ©teHoertreter. 

^en $rief an ^ioguet mug man blog bed^alb 
eriDfi^neii, loeil einzelne im fedl^ten Aapitel, m bie 
C^riften att bie unrtd^tbare 6eele bed ftd^tboren Setteil 
ber 3Belt bargefleflt »erben, eine Slnfpielung auf bie un* 
ftd^tbare Aird^e ftnben tooEten. S)er 8erfaffer miS aber 
bamit nur fagen, bag baiS SReid^ 0otie9 nid^t von biefer 
SBelt fei unb bie d^riftlic^e grömmigfeit im 3nnem i^ren 

t^abe, »ö^renb bie ]^eibnif(^e Keligion nur in äuberem 
Sf^ftnge beileibe. Sei feiner Serteibigung be« d^^rifUI« 
(^en ©lauben^ unb 2eben^ gegen bie ^eibnifd^en ^üc^ 
tDürfe ^atte er Eeine Veranlagung auf bie tirdfttid^e Ser» 



1) Ad FldL 9, 1. Gl ad Rom. 9, 1. 



Ül 



680 



faffittt^ einauge^eiL Sa^felbe gilt Don be« Xpologetni 

überbaupt. Q^rc 6dpu^fd^rtften lüaren an l?eibnif(i^e 
£efei; gecicbtet, t)ox ^enea man bU QcganifatiOK iUbtx 
Derbatg. Sa^et begnügt ^äf au^ Sufliii, auf bie 
toa\)ic ©otte^üere^rung uiib bag fromme ^eben ^inju^ 
meifen unb beutet mit bem Ißoi^ebet bei bec eucban^ifc^en 
freiet mtv bie Orbnung bed OotteiSbienM an. Xn^ 
bem 3uben ^r^^^on gegenüber mufete genügen, bic 
SrfftUung bet SBeidiagungen in fibtiftud na<bautt)eifen, ba 
bieil bie Sorott^et^ung fflt haH tna^Te Sdrael iü, loel^ 
bie ättefien SSäter (@lemen0, ^arnaba«, 3;pöti"^) iß 
bec J^tccbe finben. 2)0(b ßettt er bec alten @9nagoge 
bie neue gegenüber, inbem er bon ben an C^rifiud (Bbui* 
benbeu ja^i, fie feien eine ©eele, eine g^nagoge unb eine 
^tr<^e , »edbalb bie ^ircbe, meiere bur(b ben ^Jlamen 
S^rifli gemorben unb feinet 9lamen4 teilbaftig fei, bunb 
bie ^rop^etie aU Xoä^Ux bejeidjuet merbe (63). Qnbem 
er bad pautintfct^e ^ilb t)om Mb unb feinen ©liebe» 
gebrandet (42), beutet er bie Olieberung ber jtird^ an. 
3ebenfaII« pe^t aber Quftin nur in ber ©emeinfc^aft Dir 
Sbt^iften ba^ neue S^^rael, baiS pciefterlicSie Seicble^l, 
bie Hoffnung bed $eiU. 

5Die mirflid^e Erlangung bei3 ^eiU ^ängt jebod^ t)on 
bem ^^eiligen hieben ber ©Triften ab. ^ie Scripten tüoClen 
ntcbt blo| bem Stamen, fonbern ber Xbat na(b l^riften 
fein unb toer biefer gorberung nicbt nac^fommt, ben mögen 
bie ftaifer [trafen. DbtDo^l aber ^ufttn bamit jmtf^en 
mabren unb falfc^en (Sbtiften untertreibet, fo iß er boib 
meit bat)on entfernt, eine fid^tbare unb unfic^tbarc Äird^e 
3u unteri(beiben , tielme^r betennen aUe bie cbrittlic^e 
Se^re, anbere d^rifien giebt ei( gar ni(^t; bie Stamen» 



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tDec ^gviff bct ftin^e. 661 

d^rifleii gel^öTeit jur ^ujttidj^en ^it^e^ metben aber nidftt 
Ittm ^eil gelangen. Sufiet bev Jttnj^e giebt e0 fein ^eil, 

toenu aud|^ bie ßirdjie nic^t unmtttetbar bad ^cil üerbürgt. 
gt^nli« fleOt aud^ X^eo)>Hlud (2, 14) bie tat^olifdfte 
ftit^e aU :3nfetn im SReete ber fünb^afteu ^e(t bar, 
3U loeld^en aU fic|^eren .^äfen bie ^knfc^eii ßi^^^n müf[en^ 
toenn |te ftil^ reiten moSem IBenn Suflin tto^bem bon 
©Triften x)or ß^riflu^ fpric^t, fo trägt er ber S^orbcrei^ 
tung auf bie Aicd^e burc^ ben £ogod ^ecbnung. Q^m 
C^tifhtd »utbe ntemanb feiig. 

.f)ermaö giebt für bie tjerfd^iibiiien SBeftauDttiU 
ber ^irc^e eine @rtUirung. @r unterfc^eibet bie eigent- 
lichen Olteber unb bie Auftetrlid^ d^ge^drigen unb seigt 
in ber SBufee bag i)iutci, Duid; luclc^ciJ bie 6üuber p 
»irUic^en lebenbigen steinen umgeformt merben. S)ie 
JtiT^e etfd^eint imx M eine olte %tau, »eil fle Dor 
allem geid^aficii luorben ifi nnu bie Söelt um iij^retiüiUen 
aber bie ^4^atnar(ben, @ere4hte unb ^^rop^eten bilben nur 
bie untetften ^unbamente^ auf meldten bie 9tpo^el unb 
j^e^rer ber ^j^iebigt ©otted ru^eu *). 3)Jüffeu boc^ bieje 
nod^ bem £obe auc|^ ben l&ngft ^erftorbenen prebigen, 
bamit fie hai $eit erlangen. 5Die ftir<j^e ifl ba^er bie 
©emciiijdjaft aller berjeiiigeii, lueld^e bie $rebii]t (^3otte^ 
burc^ bie ^poftel angenommen unb bet^alten ^aben, ob 
fie no<l|^ leben ober fc^on gefiorben finb. 6ie nmfagt 
aber auc^ aUe, \üe(c^e huxö) Xaufe unb ^erfüubiguiig 
lurn ^eii berufen itnb. S)ie dnobenmittei bilben bie 
®runb(age i^rer (E^fiena- ffier nül^t balb Suge t^ut 
unb babur(^ Slufna^^me finbet, ge^t rettuiigdloi^ oerloren. 

1) Vi«, 2, 4, 1. 3, 3, 5. 

so 8. 9, 15, 4. 16, 5. 17, 1. 25, 2. 



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508 



^ett (fitli t$ mx in htt Hix^, in bet 0emeiiif<l^aft mit 

ben ^eiligen, wäl nut \)iex ^^riftud, bie ^eifünbigung 
unb bie Xaufe ooc^anben ftnb. 3)eiii9einft6 avedemt 
^ermaS eine Außere (Sentetnfc^aft mfitbigec vnb mMx* 

biger ©löubigeii, aber nur bie roürbigen ober befel^rten, 
meldte {t(b burd^ l^eiliged Seben aU toixUvä^t (Bliebet es« 
n>etfen, erlangen an^ toitHi^ baiS ^eiL SMe Setfeinbung 
mit bcn ^eiligen, ©erecbten, beu 2)ienern ^^rifii üerbürgt 
attein bod ^eU, abet biefe Untecfcbeibung iooflaie(^t (üb 
innerl^atb berfelben Semeinfil^ft unb bttv$ unb 
Srmai^niinq ift bie Si^erfd&ieben^eit jmifd^en 3bee unb ^= 
f^^einung m^i^i unb me^r $u überminben. Studio bie 
motfenen finb but<( biefelbe Pforte C^fluil eingegangen 
unb ^aben benfclben 9tamen befannt. 2Iber nacb einiger 
3eit tiefen fie fic^ t)erfü^ren, giengen bcn meltlic^en 
Oeifiem na^ unb legten bad Semanb bet Sungfrouen 
ab. ^e^t^alb mürben fie t>om ^aufe @otte^ meggemorfen, 
bo(b lönnen [ie burcb ^u^e mieber in ba& Müä) ^oiUi 
eingeben. Ufo geübten äulerlid^ alle |ut Stvci^t, aber 
iuiierlid? nur biejenigen, meldte ben ©lauben bet^ätigt 
ober nact; bei Sünbe ^uge get^n (/abeu. ^ie commuuio 
sanctornm f d|^lieftt bie 9it<l|^tl^eiligen ni^t caa bet Stixd^t 
Ott«. Ä)ie Äird^e ifl l^etlig, »eil fte oom ^. ©eifte ju» 
fammengefügl unb erhalten mitb, aber bie einzelnen (Släu- 
bigen finb bet 6ilnbe fA^ig. 

SIu(b bie ^erfafjung bet S^^t ift bei |)ermaiS ab 
eine läugft beftefienbe ermahnt, ^ie Steine, meldte ^um 
Sau bei» Xtttmed^ bet bie Aitdfte botfiellt, bienen, toetben 
t>on i^m befonberd erKart, ^te meinen üuaberfleine mit 
il^ren paffenbeu gugen finb bie Slpoftel unb ^ifd^öfe unb 
£e^tet unb 2)ia!one, meldte in bet ^eiligteit Sottet ge» 



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der Sesxiff bev IHr^e. 



toaiibeU^ ben (6pi\bpai geffil^tt, gelel^Tt unb tein unb 

heilig ben SluSermö^lten gebient ^ahen 3)ie ^regbpter 
finb niä)t genannt, trenn mannid^t bie Seigrer auf fie be^ie^en 
mUL Sagegen etfdftetnen bief elben an anbem Stetten att 
ein bet)or3ugter ©tanb ber ©emeinbe. ©ie fmb bie Sor» 
ftänbe ber Airdi^e, an U)el4e ^ermad t)om ^aftor gewiefen 
nrftb Sa AtemeniS bad Snijft etl^Alt, meUi^eil t>ovlftev 
für bie ^re^b^ter beftimmt voai\ um e« in bie au-ämärs 
tigen 6täbte |u {c^iden, \o erfdl^eint er aU ^if^of an 
bet epi^e bed ^tegb^terfatm«. SBeil M bieg auf ben 
römifd^en 53ifc^of bcgicl^t, fo l^at man aUe 9}iomente be« 
fatl^oUfd^en Air((^enbegriffed beieinanber. S)ie Airc^e tft 
bie n^tbare Oenteinf($aft aOer QUnbigen mtt bem flifi^of 
t}on 0lom, n^elc^e benfelben @lauben belennen unb biefeU 
ben eahamente gebrauten. 

VxA bem ^»eiten Jtlemengbtief ifl ein mit 
^ermad t)ern)anbter 3ug su ermahnen. Set Serf. fennt 
eine geifUu^e Stvcö^^ (17 imdqaia j} n^cun^ 17 mti^Mmacif), 
iDeU^e bor bet 6onne unb bem 9tonb gefd^affen motben 
ifl ; ju biefer gehören toir, ttjenn mir ben Söiflen ®oiU&, 
nnfeted Ißaterd t^n, ipenn mit ober biefen nid^t etfüBen, 
fo gehören toit p ber 6d^rift^ loeld^e fagt: SRein^aug 
ifi p einer ^dubert^o^le gemad^t morben. Sa^er foUen 
mit eg 90t§iel^ett, §tttAit<(e beg£ebeng )ttgel^5ten, auf 
bafe mir fclig merben. Sie lebenbige Aird^e ifl aber bet 
Selb (E^rif^i, benn bie @d^rift fagt : @ott f^uf einen ^lann 
unb eine ^an. Set Slann iü (&^tiMf bie ifi 
bie Air(^e. Unb au(^ bie Slpoflel unb bie ^ibe( fagen, 
bag bie Kirche nicf^t erft aud biefer ^eit ftamnU, jonbern 

1) Vii». 3, 5, 1. 

2) Via. 2, 4, 8; 3, 9, 7. 

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iN)m Xnfang ; benn fte mar geifllid^ , tote aud^ unfcr 
Sefttd, erf(^ien aber in bet jüngften Qüt, um un^ feiig 
}tt mad^en. Sie geiftige ^tt((^e erf^ien im Steifdi^e (S^rifli 
ttnb jetgt und, ba|, wenn einer oon un9 fte im ^leifd^e 
bema^re unb nid^t t^erbeibe, er baiSfelbe im f). ©eirte 
aufnehme. äBenn mit {agen, bai^ Sleifd^ fei bie Aitc^e 
unb bet Seifl d^tifhid, fo folgt, ba6 toer bad ^leifc^ 
fct^änbet, bie Ä'irc^e fd^änbet. ©in fold^er tüirb atfo be^ 
(Beified, koelcf^er e^riftud ift, nic^t teü^^aftig %>ie 9xunt>* 
tage indv^.b, 31.82 ift leidet erft^tUdl^. S)er6ebanfe 
aber ift, analog ber l'e^re t)om l^immUfd^en 3erufalem, 
ber, ba6 bie ^ird^e im Gimmel i(^reu Urj^rung ^at unb 
lim ^immet ffll^rt 6ie ifl aber erfl im menfd^gemotbenen 
©otte^fo^n ftd&tbar auf @rben erfdncneii unb foH ^db 
unb Seele burc^ ben ^. ®eifi (^rifii f^eiligen. i)a ber 
8latf<(lu6 ber Snfomation ein emiger ifl unb bie göttUd^e 
^erfon beiS iiogoö ton Shibccjiini mirft, fo gilt ba^^ ^ott: 
„SefuiS ^(^riftud geftern uub ^eute in SmigCeit" (^ebr* 13, 
8). (S^rifhtiS ifl ber $o(e|>riefier bed alten unb neuen Sun* 
hei, ber bintmlit^e, göttliche c^tifter ber geiftlic^en Äivc^e. 

3m ^rief an Safobud, ben ^ifd^of ber löiic^>öfe, 
ber Serufalem, bie ffMigt Stixäft ber 4^e6r&er regiert, 
giebt ^!ßicubü=ÄlemenS eine intereffante ^ariuUung ber 
bierarcbifc^en l^ircbe mit bem ^ittelpuult in ^m. ^etrud 
iü bai^ üom Qettn aui^ermft^Ite ^luibament ber ftirii^e. 
©r ^at in 9flom gemirft uub t)or feinem Xob bcu illemcu^ 
ju feinem ^iad|^folger orbiniert unb il^m bamit bie ^inbe« 
unb ßi^fegemab unb bie ißermaltung ber Airdj^e übertragen. 
Unter i^m, aU bem Sorfie^er [xnh bie ^ßredb^ter ber 

1) n Olem. e. U. C£. Papiae fragm. VI. Funk, Opp. 
Fbtr. ap. II, m. 



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Stixäfe, meldte bie ^caut ^(^rifti^ b. ^. ben Orgamdmud 
(aiott^fda) bet ftinl^e }ttr Steinl^eit anleiteii, Ue Streitig« 
feiten f^lic^tcn unb für Drbuuug in atten ?)ingen Jorgen 
foUen. ^ie i{)iafone aber fmh bte Slugen bed löifc^ofd 
uitb §ut Slufte^ter^altung bet itir^enaud^t befUmmt 60 
gltid^t bic yiiic^e einem großen 6(bi ff e, hjeld^e^ bie ßeute 
aud Derfc^iebenen ©egenben in bie @tabt eined guten 
Steide« btindett foH S^tiM ifl bet eteuetmann, bet 
35ifd^of, bie ^re^bpter unb bie ^iafoneu feine ©e^itfen. 
^efonberiS mirb ben ©läubigen ber ©e^orfam gegen ben 
8if<(ot bet bie Aat^ebta (S^tiili inne f^at, anbefolftleii. 
Sßer i^tt tiiüfyt aufnimmt, ber nimmt Gfiriftuö nid^t auf 
unb irirb aud bem guten diäd^ binauSgemorfen roerben. 
Seffet ftnb bie ^einbe auletl^alb bet Itit^ie aU bie fal« 
fc^en greunbe inner^jalb berfelbeu 

(Ed ift ba^er ni^td S^eued^ toai bie grogen^polo« 
geten gegen ben ®nofii|idmud, »eUfte bie Iit<lftli<(e Se^te 
unb ßinrii^tuug, bie apofiolifc^cu Schriften unb ^Crabi« 
tionen in nebelhafte ©ebilbe verflüchtigen fucbten, ^uc 
Setteibigung bet ihtc^e üoi^ttbtingen Ratten. S)ie opo« 
ftolifd^e flbertteferung, ber (irdpüc^e Aanon ffit bte Xug* 
legung ber \). 6d;rift, bie fird^lid^e, oom ©elfte ber 
SEßa^tl^eit geleitete ^ietatc^ie befianben langfi. (tü mar nut 
notmenbig, bie einzelnen 9Romente gegenfibet bet aDeg 
toerflüc^ttgenben ^ärefie in i^rer realen SBirflicbfeit unb 
ti»oDen Ztagmeite l^ettootaubeben. Stenftud unb Xet« 
tultian l^aben bie große fatl^oUfd^e jHt^e mit intern 
3entralpunft in diom bereitiS üorgefuuben, nid^t erft ge^ 
Raffen obet gebilbet. Slbet f\t b^ben bie d^in^eit unb 



1) Cf. c 2. 3. 14. 17. 



Uly 



666 



ÜbeTetnf)immung ber über bie ganse (Erbe toerbretteten 
!at^oli{d^en ^ix(S)c unb bie unfehlbare apoilolif^e Über- 
liefetuttg huxö^ bie saooessio apostoloram alleii Xeue« 
rungen aU unbur^bringtic^en 6ct>irm entgegenhalten. 9Ai 
toaffxe Stirpe ba fie in ben ^Ipoflelu i^ien Urfprung 
hat, Attev alA aSe ^ätefien unb @(hidmen. Senn aOe 
^äretifer finb toiel jpäter aU bie 5lMi(^öfe, n?cld)iu Die 
^poftel bie ^trc^en übergeben haben, ^efonberd ift in ber 
rdmifchen Aiv<he uegen ihted f^W^mn Sonangd bie Wia^t^ 
heü 6emal;rt morbcn. ihr laffen fich bie ^ifcböfe auf- 
zählen, meldte Dou beu ^pofteln eingeie^t morben finb 
unb ihnen nachfolgten bid auf ben hantigen Xag. 5DeiB< 
halb miifjen bie, melcbe in ber Äird^e finb, bie bur(^ bie 
ge(etmä|ige ^kchfoige ber Si{(höfe beftimmte Orbttung 
ftetd feßhalten. S)en ^redbptern in bet mufi man ge^ 
horchen, benen, welche oon ben Slpoftetii bie S^lad^folge haben. 

SDie Überlieferung beruht aber nicht auf menf(hli<ih^ 
Omnbe, fonbern iii nom (Seift bev SBahrhett geftdhert 
2)enn r\)o bie Kirche ift, ba ift ber^cift ©otte« unb loo 
ber (Seift (Sotm i% ba ift bie «ir<he unb aDe (Snabe. 
Der Oetft ift aber bie SDBahrheit. jlir<lh^ unb 6eifi be» 
bingen gegenfeitig. J)iefer ®eift ift aber befonberd 
in ben Sifchöfen mirtfant 6ie haben mit ber Xadhf olge 
ein charigma ▼entsüs SBohl besteht ^lenftug biefed 
(£hani^»nti auf bic ^iöahrheit, melche in ber Äicche nieber* 
gelegt ift, aber bennoch ift eg unmdglub, baruntet nur 
bie ;,@nabengabe bet testen 2:rabition*' tjerftehen. 
SBielmehr ift ihnen aU ben ^^ad^folgern ber 5lppftel, alfo 
aU ben Umtgtrftgem, bie (»abe beg h- &tiftti^, eine 



1) Iren. AdT. Haer. IV, 26, 2. 



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Xmtilgttabe teil gemocben^ meldte